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Die Roboter von Nova Atlantis Mark Tolins - Held des Weltraums #5

Die Roboter von Nova Atlantis Mark Tolins - Held des Weltraums #5

Mark Tolins, Volume 5

Freder van Holk

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Die Roboter von Nova Atlantis

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

Ein Toter ohne Blut

Gottheit in Blue Jeans

Juwelen für fünf Millionen Dollar

Der ideale Sekretär

Ein Schrei in der Nacht

Die Zauberlehrlinge

Eine weltbewegende Konferenz

Der verbotene Weg

Der Menschenjäger

Die Auferstehung der Roboter

Im fremden Raumschiff

Gefangen und gefesselt

Aus dem Regen in die Traufe

Zum Tode verurteilt

Revolution der Roboter

Further Reading: 30 Sternenkrieger Romane - Das 3440 Seiten Science Fiction Action Paket: Chronik der Sternenkrieger

About the Publisher

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Die Roboter von Nova Atlantis

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Mark Tolins - Held des Weltraums #5

von Freder van Holk

Der Umfang dieses Buchs entspricht 133 Taschenbuchseiten.

Der Weg der Menschheit zu den Sternen ist das Thema dieser klassischen Science Fiction Serie. Es geht um die Abwehr von Außerirdischen, die Geheimnisse des Kosmos und um den Platz der Menschheit im Universum. Mark Tolins und seine Mitstreiter kämpfen um die Zukunft der Erde...

Sprachgebrauch und Wertvorstellungen entsprechen der  Entstehungszeit der Romane und  unterlagen seitdem einem steten Wandel. So kommen beispielsweise immer mal wieder „Neger“ vor. Heute wird dieser Begriff von vielen als diskriminierend empfunden. Heute wird dieser Begriff von vielen als diskriminierend empfunden. Bis in die 1970er Jahre hinein war das jedoch nicht so. Das Wort „Neger“ entsprach dem normalen Sprachgebrauch und wurde nicht als herabsetzend angesehen. Selbst der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King sprach in seinen Reden häufig von der „Emanzipation der Neger.“ Für den deutschen Sprachraum markiert der DUDEN das Wort erstmalig in seiner Ausgabe von 1999 mit der Bemerkung „wird heute meist als abwertend empfunden“ und trug damit dem in der Zwischenzeit gewandelten Sprachgebrauch Rechnung. Da die Romane nur vor dem Hintergrund ihrer Zeit in sich stimmig sind, wurde auf eine sprachliche Glättung ebenso verzichtet wie auf eine Anpassung heute nicht mehr zeitgemäßer Wertvorstellungen oder inzwischen widerlegter wissenschaftlicher Ansichten. 

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Mark Tolins - ein Raumfahrer, von dem man spricht

Biggy - sein treuer Freund, dick, aber nicht faul

Die ›Gottheit‹ Atlan - ein seltsamer Mensch, von dem man nicht weiß, ob er normal ist

General Clifford - ein hoher Militär, der sich leicht verwirren lässt. Kein Wunder bei der seltsamen Tatsache, die er entdeckt

Briscott - ein Wächter, der scharf aufpasst, beinahe zu scharf!

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Ein Toter ohne Blut

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Ein Chrysler-Disc glitt wie ein schwebender Diskus in fünfhundert Meter Höhe nach Nordwesten, getrieben von den Düsen der umlaufenden Tragfläche und getragen von dem saugenden Vakuum über ihr. Er hielt sich über der G 8, der vierbahnigen Gleitstraße zwischen New York und Chikago, die nur von Schwebefahrzeugen benutzt werden durfte und durchgängig Geschwindigkeitsbegrenzung auf dreihundert Kilometer hatte. Sie zog sich mit sehr flachen Kurven durch das Land, ein farbiges, staubfreies Band, das immer noch wie frisch gemalt aussah, belebt von den schnellhuschenden Fahrzeugen, die bei aller Verschiedenheit der Modelle die gleiche Grundform besaßen und deshalb wie gut genährte Käfer wirkten.

Der Chrysler-Disc befand sich auf Verkehrsstreife. Die Verkehrsunfälle waren noch immer nicht ausgestorben. Die Gleitstraßen hatten sogar eine neue Art gebracht - die vertikalen Unfälle. Beim Bau der Straßen war nicht genügend bedacht worden, dass sich bei den hohen Geschwindigkeiten jede Steigung und jedes Gefalle verheerend auswirken konnte. Die Schweber besaßen nun einmal keine Bodenhaftung. Das war ihr Vorteil, aber auch ihr Nachteil. Wer ein Gefalle nicht genügend beachtete, landete mit der Nase in der anschließenden Steigung, und wer sich auf einer Steigung nicht mäßigte, wurde an der Kuppe hinausgetragen und wurde unversehens zum Flieger, bis er auf das Gelände herunterknallte. Deshalb wurde auf allen älteren Strecken die Geschwindigkeit begrenzt. Es gab jedoch immer noch Verkehrsrowdies, die sich nicht darum kümmerten und nicht nur ihren, sondern auch fremde Hälse riskierten.

Bill Jackson, Polizist 1. Klasse der Bundesverkehrspolizei - die Bundesverkehrspolizei war in den Staaten gleichzeitig mit den Schnellstraßen geschaffen worden - saß im Pilotensessel, berichtigte gelegentlich den Kurs für die Automatik und studierte nebenbei die Prüfungsfragen, auf die sich ein zukünftiger Sergeant gefasst machen musste.

Sergeant Carl Stalman, der diese Sorgen schon ein paar Jahre hinter sich hatte, blickte aus halbgeschlossenen Augen auf die Sehscheibe, auf der das scharfe Band der Straße ablief, durch Winkelspiegel heraufprojiziert. Sein Bewusstsein war auch halb geschlossen. Er konnte sich darauf verlassen, dass er völlig wach sein würde, sobald sich dort unten etwas Irreguläres abspielte.

Dr. George Addey hielt weder die Augen noch sein Bewusstsein offen. Er schlief im Hintergrund auf einer Tragbahre zwischen Medizinkästen, Sauerstoffpumpe und der Transfusion mit ihren Plasmaflaschen. In seinem Alter schlief man gern. Wie alle Ärzte, die im Verkehrsdienst des Bundes standen, war er pensionsreif. Der Verkehrsdienst gab den Ärzten, was sie brauchten, nämlich endlich einmal eine geruhsame Tätigkeit nach den Strapazen des Lebens, und zugleich sicherte er dem Verkehr Ärzte mit den Erfahrungen von Jahrzehnten. Die Unfälle auf den Schwebebahnen waren selten, aber stets schwer. Die Verunglückten waren gewöhnlich tot, wenn man sie nur notdürftig mit Erster Hilfe bediente und in ein fernes Krankenhaus brachte. Der Sergeant wurde plötzlich munter und beugte sich vor. Nein, er hatte sich nicht getäuscht. Auf dem vierbahnigen Band raste ein Irrer. Der Lancia Stebb Sport dort unten gab notfalls fünfhundert Kilometer in der Stunde her, und der Fahrer holte aus ihr heraus, was sie zu geben hatte. Es beeindruckte ihn offenbar nicht, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf dieser Strecke dreihundert betrug.

»Zur Aufnahme herunter, Bill«, befahl Stalman, während er Zeit und Ort drückte und die Kamera anlaufen ließ. Der Mann musste tatsächlich verrückt sein. Beide Bahnen seiner Richtung waren gut besetzt. Die Fahrzeuge zischten ohne nennenswerte Lücken über die Straße, sofern man den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von zweihundert Metern nicht als Lücke betrachtete. Der Lancia Stebb ließ sich nicht davon beeindrucken. Er raste zwischen den beiden Fahrzeugschlangen, nützte die Sicherheitsabstände aus und schlängelte sich bald rechts und bald links an den Fahrzeugen vorbei, die er überholte.

Das konnte man tun, sofern man nicht vor einem halben Jahr Gefängnis als Mindeststrafe und Führerscheinentzug auf Lebenszeit zurückschreckte. Es gehörten nur eiserne Nerven und das Seelenleben eines Rowdies dazu, ersatzweise auch eine Portion Rauschgift.

Der Sergeant nahm dienstlich Anstoß, versagte sich aber auch nicht eine kleine Bewunderung für den verwegenen Fahrer. Es sah geradezu elegant aus, wie er sich zwischen den Kolonnen schlängelte. Am Rauschgift konnte das nicht liegen. Die Bewegungen waren zu genau.

Dann passierte, was früher oder später passieren musste. Es lag nicht einmal an dem Lancia Stebb, wenigstens nicht unmittelbar. Ein Jaguar glitt in eine Lücke der Überholbahn hinein und kreuzte den Kurs des Lancia Stebb. Der Fahrer des Jaguars konnte die Gefahr hinter sich nicht ahnen, und für den Überholer kam das Manöver zu plötzlich. Die beiden Fahrzeuge prallten aufeinander, wirbelten über die Bahn, nahmen einige nachkommende Maschinen mit, die nicht schnell genug auf Staudüsen gingen, und landeten mit diesen zusammen neben der Straße. Von oben sah es aus, als wären einige farbige Knöpfe auf das freie Feld geworfen worden.

Der Sergeant forderte die Reserve an, bevor die D 14 noch neben der Unfallstelle aufsetzte.

Sie holten zwei Tote, vier Schwerverletzte und drei Leichtverletzte aus den Fahrzeugen heraus. Dr. Addey bekam zu tun.

Einer der Toten war der Fahrer des Lancia Stebb. Dr. Addey stellte im Vorübergehen fest, dass er keinen ärztlichen Beistand mehr brauchte, und nahm ihn erst dann wieder vor, als er die Verletzten versorgt hatte.

Merkwürdigerweise war ah dem Toten kein Blut zu sehen. Er lag wie von inneren Verletzungen verkrümmt auf dem Boden, und sein Kopf war an der linken Stirnseite eingedrückt, aber er hatte kein Blut an sich. Kein Puls, keine Atmung, kein ... Dr. Addey rückte plötzlich wie erschreckt zurück und drehte den Kopf nach oben, um den Sergeanten ins Blickfeld zu bekommen, der hilfsbereit neben ihm stand. Er besaß trotz seines Alters noch einiges Temperament, und eine Portion davon geriet ihm auf die Zunge.

»Das ist ein verdammt schlechter Witz, Sergeant«, sagte er scharf. »Ich werde mich über Sie beschweren. Ich bin alt, aber nicht senil. Zu meiner Zeit machte man solche Witze allenfalls mit blutigen Anfängern, die zum ersten Male mit einem Messer in den Sektionsraum hineingelassen wurden. Verdammte Unverschämtheit!«

»Was ist denn los, Doktor?«, staunte Carl Stalman, während sich der Arzt auf die Füße stellte und seine Knie abklopfte.

»Fragen Sie nicht noch!«, schnaubte Dr. Addey ihn an. »Der Witz ist schon vorbei, falls es jemals einer war. Haben Sie im Ernst gedacht, dass ich auf eine Schaufensterpuppe hereinfalle?«

»Wieso?«, staunte Stalman noch mehr. »Das ist der Bursche, der den ganzen Unfall verschuldet hat. Hm, wenn Sie einen Schnaps brauchen - Sie haben eine ganz hübsche Arbeit hinter sich.«

»Erklären Sie mich bloß nicht noch für verrückt!«, tobte Addey los. »Ich werde mich beschweren! Ich lasse mir keine Schaufensterpuppe unterschieben. Ich bin seit vierzig Jahren Arzt, und ich ...«

»Moment!«, fing der Sergeant noch verdutzt, aber mit Nachdruck ab. »Ich weiß nicht, worüber Sie sich aufregen, aber versuchen Sie nicht, mich auf den Arm zu nehmen. Bleiben Sie sachlich. Was ist mit dem Toten los?«

Dr. Addey setzte zu einem weiteren Ausbruch an, hielt sich dann aber doch zurück und erwiderte verächtlich:

»Was soll schon mit dem Toten los sein? Weiter nichts, als dass er nie gelebt hat.«

Der Sergeant zog misstrauisch die Brauen zusammen.

»Hm, das ist mir zu hoch. Ein Toter, der nie gelebt hat? Was heißt das?«

»Wollen Sie sich etwa ahnungslos stellen?«, fragte Dr. Addey mürrisch zurück. »Wer außer Ihnen, sollte mir die Puppe untergeschoben haben?«

»Eine Puppe?«

»Eine Schaufensterpuppe!«, drückte der Arzt nach. »Eine Wachspuppe!«

»Na, na?«, wehrte der Sergeant ab. »Doch ein bisschen überanstrengt, nicht? Kommen Sie, Doc, für solche Fälle habe ich einen Schluck bei der Hand.«

Das war zu viel für Dr. Addey. Er stieß einen Heulton wie eine missglückte Sirene aus, ging wieder auf die Knie, riss ein Messer aus dem Besteck und fuhr damit kreuzweise über die linke Wange des Toten.

Die Schnitte klafften, aber es kam kein Blut heraus. Stalman, der gleich darauf auch in die Knie ging, sah eine fleischähnliche Masse, die kein Fleisch, sondern irgendein plastisches Material war, unter der sich Metall befand. Auf der Brust, in die Dr. Addey ebenfalls kreuzweise seine Gereiztheit hineinschnitt, sah es nicht anders aus, und als der Arzt den Toten etwas anhob und schüttelte, klang es nach losem Metall heraus. Und damit war der Sergeant an der Reihe, das Kribbeln in seinen Nerven zu spüren.

»Aber das ist unmöglich, Doktor!«, protestierte er verwirrt. »Ich habe ihn selbst herausgezogen und hierher gelegt.«

»Dann hat eben ein anderer die Puppe unterschoben.«

»Aber das ist ausgeschlossen. Ich bin doch nicht blind! Ich habe ihn doch genau gesehen.«

»Jetzt sollten Sie einen Schnaps trinken«, knurrte der Arzt nicht ohne Genugtuung. »Nächstens werden Sie mir noch erzählen, dass diese Puppe mit fünfhundert auf der Straße entlanggerast ist.«

»Aber ...?«

Alles Hin und Her nützte ihnen nichts. Der Sergeant blieb dabei, dass er den Toten aus dem Lancia Stebb herausgezogen hatte und dass kein Austausch erfolgt sein konnte. Andererseits gab es keinen Zweifel, dass der Tote eine Art Wachspuppe war.

Die spätere Untersuchung im Labor zeigte, dass es sich um einen Roboter handelte, dem man eine sehr menschenähnliche Gestalt gegeben hatte. Er war vom Scheitel bis zur Sohle mit raffinierten elektronischen Anlagen gespickt, die der Zusammenprall teils zerstört und teils durcheinandergebracht hatte. Die Sachverständigen fanden trotzdem noch genügend Anlass zur Bewunderung. Sie kamen jedoch nicht weit darüber hinaus. Schon in der nächsten Nacht drangen Unbekannte in das Laboratorium ein und entführten den Roboter mit all seinen losen Bestandteilen.

Der Lancia Stebb war einem Mann gestohlen worden, den man beim schlechtesten Willen nicht mit einem verbrecherischen Roboter in Verbindung bringen konnte.

Der Fall musste ungeklärt abgelegt werden. Einige Leute hielten es für möglich, dass sich ein Roboter ein Fahrzeug stahl und damit über die Schwebebahn raste, während andere mit einem menschlichen Fahrer rechneten, der unverletzt geblieben war und sich versteckt gehalten hatte, bis es ihm in dem allgemeinen Durcheinander gelungen war, das Fahrzeug zu verlassen und zu verschwinden.

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Gottheit in Blue Jeans

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Die Sonne leuchtete wohlwollend und warm in das Hochtal hinein, brachte das Harz zum Duften und ließ ein paar Schmetterlinge tanzen. Das Wasser stiebte farbig aus dem geschäftig abwärts gurgelnden und sprudelnden Bach, der sich zwischen Steinen, Grashängen und Schwarztannen seinen Weg suchte. Sonst war es still, friedlich und einsam.

Es gab viele solcher Täler im Grenzgebiet von Neu-Mexiko und Colorado. Sie lagen für Touristen zu weit ab vom Wege und boten für Siedler zu wenig Existenzmöglichkeiten. Die Flieger kannten sie, aber auch nur als kleine, unwichtige Furchen im Gebirge tief unter sich. Die Desperados von einst hatten sie gekannt, aber sie lagen schon längst unter der Erde.

Zwischen den Tannen und einer Steilwand, die schon mehr zu einer Schlucht als zu einem Tal gehörte, befand sich eine fast ebene Geröllfläche. Auf ihr stand eine Hammond V 8, ein überaus schnelles Sportflugzeug, das senkrecht starten und landen konnte. Von oben sah es aus, als hätte sich ein Schmetterling mit keilförmig beschnittenen Flügeln auf das Geröll gesetzt.

Auf der anderen Seite des Tannenstreifens hockten zwei Männer auf dem grasigen Hang am Wasser und blickten tiefsinnig auf die schäumenden Wirbel, zwischen denen die Angelschnur tanzte. Sie trugen beide offene Wollhemden und langgediente Cowboyhosen, und wenn man sie nur mit einem Auge betrachtete, konnte man sie leicht für Nachfahren jener Desperados halten, die irgendwo unter den Steinen lagen. »Keine Forelle vom Dienst vorhanden«, tadelte lächelnd Al Bighead, genannt Biggy, mit aller Sanftmut, die sein rundes Gesicht auszeichnete und die Muskelpakete an seinem Körper übersehen ließ. »Wir werden uns an Thunfisch aus der Dose halten müssen. Diese Forellen sind auch nicht mehr, was sie früher waren. Kein Wunder bei unseren kurzen Arbeitszeiten. So etwas spricht sich auch in der Tierwelt herum. Wenn ich eine Forelle wäre, würde ich auch nicht ...«

Er brach lieber ab, als ihm das Gesicht von Mark Tolins in den Augenwinkel geriet. Dann grinste er mit.

»Na schön, Biggy, die Forelle, nicht? Reden wir nicht mehr davon. Jedenfalls sind das himmelschreiende Zustände. Wenn sich jetzt sogar die Forellen ein langes Wochenende angewöhnen, anstatt ihre Familie zu ernähren, dann ...?«

Er verzichtete mit einem Achselzucken auf den Rest, aber das Achselzucken enthielt gut und gern eine dreibändige Vorlesung über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Abendlandes unter besonderer Berücksichtigung der Ladenschlusszeiten.

Es wurde wieder wunderbar still. Wenn das Rauschen des Wassers nicht gewesen wäre, hätte man die Sonne scheinen hören.

Dann drehten sich die beiden Männer gleichzeitig herum, als wären sie an einem Draht gezogen worden.

Aus der Tannengruppe hinter ihnen trat eben ein Mann heraus und kam schnurstracks, wenn auch ohne Eile, auf sie zu. Mehr als zwanzig Meter hatte er nicht zu bewältigen, aber es reichte aus, um ihn zu begutachten.

Er trug Mokassins, alte, verwaschene Blue Jeans, die sehr eng anlagen, und ein ausgebleichtes, offenes Wollhemd. Er war mittelgroß, wirkte aber zierlich. Sein Haar war schlohweiß, fast glatt und nach hinten gekämmt, die Stirn breit und schön geformt, die Augen groß und leuchtend blau. Das Gesicht war fast zu schön, um wahr zu sein, die Haut sehr hell, aber bräunlich durchsonnt. Trotz der weißen Haare sah er noch jugendlich aus. Älter als fünfzig konnte er keinesfalls sein. Die Einzelheiten nützten nicht viel.

Das Bestürzende war, dass er trotz Blue Jeans und Wollhemd aussah, als wäre er aus sehr altem und feinem, sehr edlem, aber auch sehr zerbrechlichem Porzellan gemacht worden, das von der Sonne bis in die Tiefe hinein durchleuchtet wurde. Die Kleidung passte zu ihm wie altes Zeitungspapier zu einem wertvollen Schmuckstück. Er bewegte sich ganz unbefangen in ihr, aber festliche Seide, Gold und Purpur hätten ihm besser angestanden.

»Die männliche Waldfee!«, murmelte Biggy entgeistert, und das war ihm nicht zu verdenken. Der Fremde konnte bestenfalls aus einem Märchen stammen, ganz zu schweigen davon, dass er hier in diesem namenlosen Hochtal herumwanderte, als wäre er zu Haus.

Mark Tolins begnügte sich damit, ein verschlossenes Gesicht zu ziehen, als sollte ihm im nächsten Augenblick eine Lebendmaske abgenommen werden. Sein Gesicht wurde damit allerdings hart und gefährlich. In seinen hellen Augen leuchtete ein blauer Schimmer auf, als spiegelten sich die Augen des Fremden in ihnen.

»Beißen sie bei Ihnen an?«, fragte der Fremde, als er dicht heran war, mit einer Kopfbewegung zum Wasser hin. »Man muss diese Burschen mit der bloßen Hand fangen. Das geht schneller. Es lohnt sich aber nicht. Sie schmecken gar nicht.«

In einer Berlitz-Schule hätte er keine Chance gehabt. Er sprach das Englische wie eine Fremdsprache mit dem schleppenden Tonfall eines Texaners und burschikosen Redewendungen, die nicht gerade aus den feinsten Vierteln von Dallas oder Houston kamen. Vermutlich war er in der Auswahl seines Sprachlehrers nicht sehr sorgfältig gewesen.

Er sprach jedoch wie ein guter Freund, und er hatte dabei ein Lächeln an sich, das einen Stein aufwärmen konnte. Die stille Heiterkeit kam wie ein Geschenk aus ihm heraus, und die freundschaftliche Vertraulichkeit löschte jeden feindseligen Vorbehalt aus. Das zählte um so mehr, als sich hinter seinem Lächeln zweifellos eine überlegene Persönlichkeit mit einer ungewöhnlichen geistigen Substanz verbarg. »Vielleicht haben Sie den Geschmack ein bisschen weit hinten?«, erwog Biggy trotzdem, wenn auch mit Vorsicht.

»Wer sind Sie?«, fragte Mark Tolins rund heraus.

Der Fremde setzte sich etwas oberhalb von ihnen auf eine warme Steinplatte im Gras. Er antwortete mit dem gleichen Lächeln und der gleichen Beiläufigkeit.

»Ich bin die Gottheit Atlan. Sie können mich Atlan nennen. Ich bin jetzt ganz privat hier und mache mir ohnedies nichts daraus, wenn man vor mir auf den Knien herumrutscht. Das geht im Mindestfall über die Hosen. Wer sind Sie?«

»Ich bin der Teufel!«, platzte Biggy heraus, bremste aber ab, als ihn ein Blick von Mark Tolins traf.

»Er heißt Biggy«, sagte Mark Tolins ruhig. »Ich bin Mark Tolins. Wir sind Piloten. Unsere Maschine steht weiter drüben. Sind Sie ebenfalls mit einem Flugzeug gekommen?«

»Zu Fuß. Ich wohne hier in der Nähe. Ich wollte mich ein bisschen mit Ihnen unterhalten. Hoffentlich stoßen Sie sich nicht daran, dass ich eine Gottheit bin?«

»Nein«, erwiderte Mark Tolins gelassen, obgleich er konzentriert war wie selten.

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