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Die wilden Orks, Band 1 und 2

Alfred Bekker

Die wilden Orks, Band 1 und 2

Cassiopeiapress Doppelband: Zwei Abenteuer um Elben und Orks in Athranor





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Die wilden Orks

Band 1 und 2 – Doppelband

von Alfred Bekker

© by author

© 2015 der Digitalausgabe by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich (Westf.)

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Dieses Ebook enthält folgende zwei Bände:

Band 1 Angriff der Orks

Band 2 Der Fluch des Zwergengolds

Der Umfang dieses Ebook entspricht 316 Taschenbuchseiten.

Übersicht: Athranor & Zwischenland der Elben

In Alfred Bekker's Athranor und dem Zwischenland der Elben spielende Buchtitel (chronologisch), ungeachtet ihrer jeweiligen Verfügbarkeit als E-Book, Buch, Hörbuch bzw. als Gesamt- oder Teilausgaben.

Die wilden Orks (spielt zur Zeit des Elbenkönigs Péandir in Athranor)

Angriff der Orks

Der Fluch des Zwergengolds

Die Drachen-Attacke

Sturm auf das Elbenreich

Überfall der Trolle

Die Halblinge von Athranor (spielt 360 Jahre später in Athranor)

Der Sohn der Halblinge

Das Erbe der Halblinge

Der Befreier der Halblinge

Elben - Die Trilogie

(beginnt mit der Ankunft der Elben im Zwischenland; entspricht “Elben - Die Serie”, Episode 1-43)

Das Reich der Elben

Die Könige der Elben

Der Krieg der Elben

Elbenkinder 1-7 (beginnt nach dem großen Krieg gegen Xaror)

Das Juwel der Elben

Das Schwert der Elben

Der Zauber der Elben

Die Flammenspeere der Elben

Im Zentaurenwald der Elben

Die Geister der Elben

Die Eisdämonen der Elben

Zwergenkinder (spielt zur Zeit des Elbenkönigs Daron)

Die Magie der Zwerge

Die Zauberaxt der Zwerge

Die Dracheninsel der Zwerge

Der Kristall der Zwerge

Gefährten der Magie

(spielt zur Zeit des Elbenkönigs Daron)

Lirandil - Der Fährtensucher der Elben

(spielt zur Zeit des Elbenkönigs Daron)

Lose mit der Saga um Athranor und das Zwischenland in Verbindung stehende Titel:

Das Schiff der Orks (als John Devlin, spielt in den Ländern südlich von Athranor)

Nebelwelt - Das Buch Whuon (als John Devlin - die Saga um Whuon den Söldner, bekannt aus den Bänden um "Die Halblinge von Athranor")

Gorian-Saga (Spielt viele Zeitalter nach den Athranor- und Zwischenland-Büchern auf dem Kontinent Ost-Erdenrund, zu dem Caladir mit seinem Luftschiff gelangt)

Gorian - Das Vermächtnis der Klingen (mit dem Gargoyle Ar-Don)

Gorian - Die Hüter der Magie (mit Eldamir/ Caladir gründete das Reich der Caladran)

Gorian - Im Reich des Winters (mit Eldamir, dem blinden Schlächter der Elben von Athranor)

DrachenErde-Saga (1-3, Trilogie)

(mit dem zwischen den Welten verschollenen Elbenkrieger Branagorn ab Band 2)

Drachenfluch

Drachenring

Drachenthron

Der Teufel von Münster (Kriminalroman mit dem Elbenkrieger Branagorn als Ermittler)

Die Papiermacherin (als Conny Walden - historischer Roman mit Branagorn )

Der Medicus von Konstantinopel (als Conny Walden - historischer Roman mit Kurzauftritt von Branagorn)

Leonardos Drachen (historisches Jugendbuch - mit Branagorn alias Fra Branaguorno)

Die Herrschaft der Alten (Zukunftsroman - Auftritt von Lirandil, Keandir, Gorian, Ar-Don und anderen als Simulationen)

Band 1: Angriff der Orks

In Athranor, der alten Heimat der Elben, leben Orks und Menschen in ständigem Krieg. Auf dem Prinzen Candric ruhen die größten Hoffnungen, auch wenn er erst zehn Jahre alt ist. Doch der Herr der Orklande kann mithilfe eines mächtigen Zaubers Candrics Körper gegen den eines jungen Orks tauschen. Candric muss sich jetzt unter prügelnden Orks behaupten, während gleichzeitig der Ork Rhomroor in seinem Körper jedes Festbankett am Königshof stört. Zusammen mit dem Elbenkrieger Lirandil reisen der Prinz und der Ork zur Stadt der Spiegel, um den Fluch zu brechen.
 

1

Rhomroor fasste seine Axt mit beiden Händen. Der junge Ork stieß einen Knurrlaut aus und fletschte die langen Hauer, die ihm ohnehin immer ein Stück aus dem Maul ragten. Rhomroor war zwar noch ein junger Ork und längst noch nicht ausgewachsen, aber jetzt schon kräftiger als selbst die kräftigsten Menschen. Mit beiden Pranken umfasste er den Stiel der riesenhaften Axt und wirbelte sie über seinem Kopf. Dann stürzte er sich wild schreiend auf seinen Gegner – einen Ork namens Brox, der ein paar Jahre älter war. Rhomroor kannte Brox seit frühester Kindheit und sie hatten sich schon nicht verstanden, als sie noch zusammen in der Schlammgrube ihres Stammes gespielt hatten.

Allerdings hatte Brox Rhomroor bisher immer im Kampf besiegt. Einmal hatte er Rhomroor sogar mit dem Kopf in den übelriechenden Haufen einer Drachenechse gesteckt.

Das hatte Rhomroor nicht vergessen – und heute war der Tag der Rache gekommen. Heute sollte Brox sein blaues Wunder erleben!

Rhomroor schlug mit aller Kraft auf Brox ein. Dieser parierte mit seiner eigenen Waffe, die er sich selbst geschmiedet hatte. Er nannte sie das Sensenschwert, aber eigentlich hatte sie mehr Ähnlichkeit mit einer riesenhaften Sense als mit einem richtigen Schwert.

Die Klinge von Rhomroors Axt klirrte gegen das Metall des Sensenschwertes. Rhomroor stieß dabei einen durchdringenden Kriegsruf aus.

Zwei, drei Schritte musste Brox zurückweichen.

Dann ging Rhomroors nächster Schlag ins Leere.

Dieser Schlag hatte so viel Schwung, dass er beinahe das Gleichgewicht verlor.

Brox wich einen weiteren Schritt zurück. „Heh, du hast ja inzwischen das Kämpfen gelernt, Kleiner!“

Kleiner!

Dass Brox ihn so nannte, machte Rhomroor geradezu rasend.

Vielleicht wollte Brox das sogar, damit Rhomroor einen Fehler machte. Es war nicht das erste Mal, dass Brox einen Gegner auf diese Weise besiegte.

Doch heute war alles anders. Rhomroor riss die Axt herum, ließ sie über seinem Kopf kreisen und stürmte dann erneut auf seinen Gegner ein. Mehrere Schläge folgten dicht nacheinander und Brox konnte sie kaum abwehren. Gerade noch vermochte er, diese Hiebe notdürftig zur Seite abzulenken, sodass er nicht von oben bis unten einfach durchgespalten wurde.

Rhomroor trieb seinen Gegner bis zu Rand der Felsenkanzel, auf dem sie beide kämpften. Ein letzter Hieb folgte noch. Brox versuchte auszuweichen und verlor das Gleichgewicht. Rhomroor stieß mit der Vorderseite der Axt zu, traf seinen Gegner an dem aus den Hornplatten einer Drachenechse gefertigten Brustharnisch – und Brox fiel mit einem Schrei in die Tiefe.

Rhomroor trat an den Rand der Felsenkanzel, von der aus man einen weiten Blick über die umliegenden Berge und das nahe Meer hatte. Dann blickte er hinab. Unten, am Fuß des Felsens, befand sich eine Schlammgrube. Alle Orks, die in der Umgebung der Orkherrenhöhle siedelten, suhlten sich hier regelmäßig. Und natürlich fielen die Verlierer der Kämpfe hinein, die auf der Felsenkanzel stattfanden.

Im ersten Augenblick war dort unten gar nichts mehr von Brox zu sehen, aber dann tauchte er aus dem weichen Schlamm auf, der ihm von den Kleidern und seiner Rüstung troff.

„Ich habe gesiegt!“, rief Rhomroor, streckte triumphierend seine Axt in die Höhe und ließ ein lautes Triumphgeheul folgen.

Brox hingegen antwortete mit einem furchtbaren Fluch, bevor er schließlich begann, seine Waffen aus dem Sumpf zu holen. Damit musste man sich schon beeilen, denn sonst sanken sie so sehr ab, dass man sie nicht mehr aufzufinden vermochte. Brox spuckte dabei Schlamm aus seinem Maul und seinen Nasenlöchern heraus und knurrte etwas Unverständliches vor sich hin. Was er genau zu sagen hatte, wollte Rhomroor gar nicht wissen. Man verstand auch so, dass Brox einfach nur sehr wütend war, und seine Niederlage nicht verwinden konnte.

„Der Kampf ist entschieden!“, stellte eine tiefe Stimme fest. Rhomroor drehte sich herum.

Das war Moraxx, der Herr der drei Ork-Länder.

Er war um einen Kopf größer als die meisten anderen Orks. Und während den meisten anderen nur vier Hauer aus dem Maul herausragten – zwei oben und zwei unten – waren es bei Moraxx fünf. Genau unter der Nase wuchs dieser fünfte und längste Hauer aus seinem Maul heraus und schon allein damit machte er großen Eindruck.

„Du bist der Sieger, Rhomroor!“, stellte Moraxx fest. Der Ork-Herr trat auf Rhomroor zu, legte ihm schwer eine seiner Pranken auf die Schultern! „Herzlichen Glückwunsch dazu. Ich wollte den besten für die außergewöhnliche Aufgabe, die ich dir stellen möchte...“

Rhomroor hätte zu gerne gewusst, was das für eine Aufgabe sein mochte. Aber darüber hatte der Ork-Herr nichts gesagt. Er hatte nur zwanzig jüngere Orks gegeneinander im Kampf auf der Felsenkanzel antreten lassen. Zunächst hatte es ein wildes Handgemenge gegeben. Manche hatten sich kurzfristig verbündet und andere gemeinsam zur Felskante getrieben, nur um sich dann anschließend gegenseitig in die Tiefe zu reißen.

Einer nach dem anderen war in der Schlammgrube gelandet, bis schließlich nur noch Brox und Rhomroor übrig geblieben waren.

Eigentlich hatte Rhomroor gar nicht damit gerechnet, so lange durchzuhalten. Aber als ihm dann nur noch Brox im Weg gewesen war, hatte ihn vollends der Ehrgeiz gepackt.

Schließlich war es eine große Ehre, für eine Aufgabe des Ork-Herrn ausgewählt zu werden.

Rhomroor steckte den Stiel der Axt wieder in das Lederfutteral, das er auf dem Rücken trug. Er trommelte mit den Fäusten auf den Brustpanzer, der aus einem Stück aus der Panzerung eines Riesenskorpions gefertigt war. Dabei entstand ein dumpfer Klang. Rhomroor stimmte dazu noch einen heiseren Singsang an, wie es unter Orks in solch einem Fall üblich war.

Was gab es schon schöneres, als einen Gegner in den Schlamm zu werfen?

Eigentlich nur selbst hinterher zu springen und den ganzen Ork-Körper mitsamt der Kleidung mal wieder so richtig mit Schlamm zu bedecken, sodass man hinterher wie eine Lehmfigur aussah. Der kalte Schlamm war jedenfalls bestens geeignet, um einen wieder etwas zu beruhigen und die klaren Gedanken zurückkehren zu lassen.

„Schon gut, schon gut, Rhomroor!“, meinte der Ork-Herr unterdessen. „Du hast allen Grund, stolz zu sein, aber übertreib es nicht, denn die eigentliche Aufgabe liegt noch vor dir. Und glaub mir, es wird etwas sein, was deine Vorstellungskraft vollkommen sprengt...“

„Uhh!“, machte Rhomroor und gurgelte dabei dabei tief aus seiner Kehle etwas Schleim hervor, den er dann geräuschvoll ausspuckte. Darüber, worin die Aufgabe eigentlich wohl bestehen mochte, die der Ork-Herr für ihn vorgesehen hatte, hatte er sich bisher noch kaum Gedanken gemacht.

„Ich bin zu allem bereit, Herr!“, sagte Rhomroor dann und gurgelte erneut, aber Moraxx hob abwehrend seine Pranke.

„Genug des respektsbezeugenden Schleims!“, sagte er und so schluckte Rhomroor alles wieder herunter, was sich inzwischen an Speichel in seinem Maul angesammelt hatte. „Komm jetzt und folge mir, damit wir nicht noch mehr Zeit verlieren.“

„Wie du willst, Herr!“, sagte Rhomroor gehorsam.

Moraxx blickte zum Horizont auf das Meer hinaus, wo die Sonne inzwischen schon ein ganzes Stück tiefer gesunken war. „In dieser Nacht wird es Vollmond geben, wie ich berechnet habe. Und das müssen wir für den Zauber nutzen, den ich mit dir vorhabe!“

2

Rhomroor folgte Moraxx in die Orkherrenhöhle. Am Eingang standen zwei Wächterork mit langen Hellebarden und frisch in Schlamm gebadet. Der Ork-Herr konnte es nämlich nicht leiden, wenn seine Wächter zu sauber waren. Traue niemandem, der nach nichts riecht und von dessen Körper kein getrockneter Schlamm abbröckelte, so lautete ein altes Ork-Schreiwort. Nicht Sprichwort, denn unter Orks war es üblich, Sprichwörter zu schreien, weshalb man sie auch dementsprechend nannte.

Im Inneren der Höhle leuchteten Fackeln.

Sie gingen zusammen durch einen düsteren, wenig erleuchteten Gang, durchschritten dann eine große hallenartige Höhle mit vielen Tropfsteinen, in der mehrere hundert Orks lagerten.

Von dort führte ein weiterer, etwas engerer Gang zu einer Höhle, zu der nur der Ork-Herr selber Zugang hatte. Es war allen anderen Orks bei strengster Strafe verboten, ihn zu betreten. Und da Moraxx in dieser Hinsicht nicht einmal seinen Wächtern traute, hatte er den Eingang mit einem Zauber versehen.

Moraxx selbst konnte unbehelligt diese Privathöhle betreten, aber Rhomroor spürte, wie er gegen eine unsichtbare Wand lief und zurückprallte. Blitze zischten, als er diese Zauberwand berührte.

„Oh, tut mir leid, ich hatte vergessen, dass ich erst dafür sorgen muss, dass du auch eintreten kannst“, sagte Moraxx. „Allerdings weiß ich auf diese Weise immerhin, dass der Zauber auch wirklich funktioniert...“

Rhomroor schwirrte der Kopf, denn er war mit voller Wucht gegen diese magische Barriere gestoßen, die zwar unsichtbar, aber deswegen nicht unbedingt weich war. Ganz im Gegenteil!

Moraxx murmelte ein paar Worte in einer Sprache, die Rhomroor nicht verstand. Daraufhin schimmerte die zuvor unsichtbare Wand bläulich.

„Du kannst jetzt eintreten, Rhomroor!“

„Wirklich?“

„Bist du ein mutiger Ork oder ein verweichlichter Elbenkrieger, der nicht einmal Schlamm in den Haaren hat?“, rief Moraxx. „Oder gar ein jämmerlicher Mensch, der sich gleich alle Knochen bricht, wenn er mal von einem Felsen stürzt! Also stell dich nicht so an und sei mutig!“

Rhomroor durchschritt vorsichtig den bläulichen Schimmer.

Problemlos betrat er nun die Privathöhle des Ork-Herrn. Es war bekannt, dass Moraxx sich ausgiebig mit der Magie der Elben beschäftigt hatte. Manche sagten sogar, dass dies der eigentliche Grund dafür war, dass er es schließlich geschafft hatte, als Herr aller drei Ork-Länder anerkannt zu werden. Normalerweise waren die Orks nämlich untereinander schlimm verfeindet. Ein ständiger Krieg hatte zwischen dem Ost-Orkreich und dem West-Orkreich geherrscht und die Orks aus Orkheim hatten sich mal auf die eine und mal auf die andere Seite geschlagen. Diese Feindschaft war zwar nicht vergessen und es gab immer hin und wieder Kämpfe, aber im großen und ganzen akzeptierten alle Anführer der Orks Moraxx als ihren Oberherren. Und da das so ungewöhnlich in der orkischen Geschichte war, hatte ohnehin fast jeder geglaubt, dass dies nur mit Magie zu erklären wäre.

In der Mitte der Höhle brannte ein Feuer mit grünlicher Flamme. Schon das deutete darauf hin, dass hier magische Kräfte am Werk waren. In einer Ecke lagen einige Dutzend Bücher auf einem Haufen. Bücher, die Moraxx einst aus dem Fernen Elbenreich geraubt hatte und aus denen wohl sein Wissen über die Zauberei stammte.

„Setz dich!“, sagte Moraxx und deutete auf den Boden vor dem Feuer. „Ich habe die Herrschaft über alle drei Ork-Länder errungen, aber das reicht mir nicht. Ich will auch der Herr über das wichtigste Königreich der Menschen werden, unsere derzeit schlimmsten Feinde... Und dabei sollst du mir helfen, Rhomroor!“

„Ich?“, fragte Rhomroor verwundert.

„Du sollst der nächste König am Hof von Aladar werden! Und mithilfe der Kraft der Magie wird das gelingen.“ Moraxx reichte Rhomroor einen Krug mit einer stark riechenden bläulichen Flüssigkeit. „Trink das, Rhomroor!“

„Was ist das?“

„Ein Trank, der dich für den Zauber vorbereitet. Dann müssen wir nur noch bis zum Aufgang des Vollmondes warten... Oder traust du es dir nicht zu, ein Menschenprinz zu sein, der irgendwann zum König gekrönt wird?“

„Ich weiß nicht...“, meinte Rhomroor vorsichtig.

„Durch den Zauber werde ich eure Seelen tauschen. Deine Seele wird in den Körper des Menschenprinzen übergehen – und der wird in deinen Körper gelangen. Niemand wird zunächst ahnen, dass der Thronfolger in Wahrheit ein Ork ist...“ Moraxx lachte heiser und gurgelnd.

Rhomroor war sich hingegen nicht so sicher, ob das wirklich ein Plan war, den er gutheißen sollte. Aber andererseits konnte er jetzt, da er all die Kämpfe bestanden hatte, um als Bester für diese Aufgabe ausgewählt zu werden, auch schlecht einen Rückzieher machen.

Davon abgesehen wäre es ihm ohnehin nicht eingefallen, seinem Ork-Herrn nicht zu gehorchen.

„Merk dir schon mal den Namen“ sagte Moraxx. „Dieser Prinz heißt Candric!“

3

„Siehst du das Gebirge dort, Candric? Das ist die Grenze zu den Ländern der grässlichen Orks!“

Candric blickte zu den Bergen hinüber, dessen schroffe Felsen in einer Entfernung von etwa anderthalb Meilen aufragten. Über die Orks hörte man alle möglichen Geschichten. Angeblich lebten die meisten von ihnen in Höhlen und ernährten sich von Riesenschrecken. Aber hin und wieder verspeisten sie auch gerne den einen oder andere menschlichen Reisenden, der sich in ihre Länder verirrt hatte. Zumindest erzählte man sich dies – genauso wie die Geschichte von der Moorhexe, die vor Schreck zu einem Felsen erstarrt war, als sie einer Horde dieser furchtbaren Geschöpfe begegnete, die gerade einmal wieder die Grenze überschritten hatten. Die Hässlichkeit dieser Wesen war so enorm gewesen, so hieß es in den Legenden, dass selbst die ebenfalls als sehr hässlich geltende Moorhexe dies nicht hatte ertragen können.

Candric spürte eine Hand auf seiner Schulter. Sie gehörte König Hadran, seinem Vater. „Du bist jetzt zehn Jahre, Candric – und das bedeutet, dass du alt genug bist, um schonmal das Wichtigste über das Reich zu erfahren, dass du eines Tages regieren sollst!“

Candric seufzte. Ja, diese Reden kannte er nur zu genüge. Große Hoffnungen lasteten auf ihm wie ein Mühlstein. Sein Vater war der König von Westanien und seine Mutter die Königin von Sydien. Beide Reiche waren seit ihrer Heirat vereinigt und man nannte es nun auch das Beiderland. Schon lange vor der Hochzeit von König Hadran und seiner Gemahlin Taleena hatte man Westanien und Sydien vereinigen wollen, um sich gemeinsam besser gegen die Orks wehren zu können, die immer wieder die Berge überschritten hatten und dann raubend und mordend in die Länder der Menschen zogen.

Große Hoffnungen ruhten nun daher auf dem jungen Prinzen Candric – denn er würde der erste König beider Reiche die Vereinigung perfekt machen.

Dass er seinen Vater jetzt in die entlegendste Ecke des Reiches begleiten musste, passte ihm ebenso wenig wie die Tatsache, dass König Hadran darauf bestand, dass der sich täglich im Schwertkampf und im Reiten übte. Schließlich erwartete man ja von ihm, dass er eines Tages die königlichen Ritter befehligte, die das Reich vor den Orks schützen mussten.

Candric allerdings hatte zu all diesen Dingen wenig Lust. Eigentlich wäre er viel lieber zu Hause im Palast der Hauptstadt Aladar geblieben und hätte sich in der großen Palastbibliothek mit einem interessanten Buch verkrochen. Er las nämlich für sein Leben gern und konnte gar nicht genug davon bekommen, in den zum Teil uralten Schriften herumzustöbern. Es gab so vieles an Interessantem darin zu entdecken. Und gleichgültig, ob es sich um Geschichten, Legenden oder um Werke ging, in denen man etwas über die Wissenschaften oder die Magie erfahren konnte – Candric war stets schnell dafür begeistert und konnte sich dann für Stunden oder Tage in diesen Büchern vergraben.

Aber er war nun mal der Sohn des Königspaares und so stand fest, was er zu tun hatte, ohne dass er vorher deswegen groß gefragt worden wäre.

Man erwartete es einfach von ihm. Und so kam es, dass er jetzt am äußersten Rand des Sumpflandes, wo das Ork-Gebirge zu sehen war, im Sattel eines Apfelschimmels saß, ein Lederwams mit dem Wappen des Königshauses und ein Kurzschwert trug, mit dem er im Ernstfall kaum hätte kämpfen können.

„Wir werden das ganze Sumpfland trockenlegen“, sagte sein Vater und machte eine weit ausholende Handbewegung. An mehreren Stellen wurden tiefe Gräben ausgehoben, die quer durch das Sumpfgebiet führten, damit sich das Wasser darin sammelte und das Land auf diese Weise trocken gelegt wurde. König Hadran hatte dafür Arbeitskräfte von überall her angeheuert. Vor allem grünhäutige Oger, die sehr kräftig waren und selbst hochgewachsene Menschen noch um mindestens eine Armlänge überragten. Die Arme der Oger waren kräftiger als selbst die muskulösesten Menschenbeine und sie schafften leicht das Zehnfache von dem, was ein Mensch in der selben Zeit aus der Erde geholt hätte.

Die Waldriesen mit ihren moosbewachsenen Köpfen, die hier ebenfalls in großer Zahl arbeiteten, waren noch viel größer, aber sie bewegten sich immer mit großer Langsamkeit. Dafür waren ihre an knorrige Astgabeln erinnernden Pranken so groß, dass sie keinerlei Schaufeln für ihre Arbeit benötigten.

Natürlich gab es auch menschliche Helfer – und dazu eine Schar von Spähern und Wachsoldaten, die darauf achteten, ob sich vielleicht ein Trupp von Orks über das Gebirge wagte.

Manchmal kamen sie allerdings auch in großen Flößen über das Meer und landeten an der nahen Küste. Dort ragten die Mauern der Trutzburg auf, die errichtet worden war, um den Menschen im Grenzland zu den Ork-Bergen Zuflucht zu gewähren.

In diesem Augenblick ertönte ein Hornsignal.

Das war das Alarmzeichen. Alle, die an den Gräben arbeiteten, horchten sofort auf.

Von den Bergen her waren jetzt mehrere Hornsignale zu hören – und die bedeuteten nichts anderes, als dass die Kundschafter anrückende Orks gesichtet hatten. In diese Signale mischte sich nun aus der Ferne ein Summton.

Candric blinzelte und sah einen der Kundschafter zurückkehren. Er ritt auf einer der pferdegroßen Riesenlibellen, die man eigens für viel Silber angeschafft hatte, um schneller gewarnt zu werden. In der weit entfernten Libellenreiter-Stadt wurden sie gezüchtet und ausgebildet. Jede einzelne kostete ein Vermögen und davon abgesehen musste man auch ausgebildete Libellenreiter anheuern. Ein Dutzend davon gab es in den Diensten des Königs. Und die waren allesamt an der Grenze zu den Ork-Bergen damit beschäftigt, nach Angreifern Ausschau zu galten.

Jetzt kehrten auch die anderen zurück und bliesen mit ihren Hörnern zum Alarm.

Alle, die damit beschäftigt waren, das Land trocken zu legen ließen sofort alles stehen und liegen. Oger, Waldriesen und Menschen stiegen aus den Gräben heraus. Sie rannten zu den großen, von Elefanten gezogenen Wagen, die eigentlich das Erdreich zu den Deichen an der Küste bringen sollten. Doch nun stiegen Menschen und Oger auf die großen Ladeflächen und die Waldriesen schoben sie an. Die Elefantentreiber trieben die Zugtiere, die sich laut trompetend in Bewegung setzten.

Das Ziel war die Trutzburg, wo sie alle Schutz finden würden.

„Ich sehe noch keinen einzigen Ork!“, stellte Candric fest. „Ist diese Panik nicht etwas übertrieben?“

„Keineswegs“, erwiderte König Hadran. „Und wir sollten uns jetzt auch in Bewegung setzen, denn die Orks werden schneller hier sein, als uns allen lieb ist! Glaub es mir!“

4

Ein großer Zug von Elefantenwagen bewegte sich auf die Mauern der Trutzburg zu. Die Elefantentreiber mussten dabei aufpassen, nicht von den festen Wegen abzukommen. Denn wenn ein Wagen erstmal in sumpfiges Gelände geriet, war er nicht mehr zu retten. Selbst ein Dutzend Zugelefanten wären nicht in der Lage gewesen, einen stecken gebliebenen Wagen wieder flott zu machen. König Hadran ließ sein Pferd voranpreschen und und Candric folgte seinem Vater. Die Ritter, deren Aufgabe es war, das Gebiet zu schützen, schlossen sich dem Zug in Richtung der Trutzburg als letzte an.

Candric drehte sich immer wieder im Sattel in Richtung der Ork-Berge um. Aber es war noch immer nichts von den Orks zu sehen.

„Heh, wie viele sind es?“, rief der König zu einem der Libellenreiter.

„Majestät, es sind so viele, dass der Boden unter den Füßen ihrer Hornechsen erzittert!“, rief der Libellenreiter zurück.

„Sie reiten auf Hornechsen?“, rief der König zurück. „Das bedeutet nichts Gutes...“

„Wieso bedeutet das nichts Gutes?“, mischte sich Candric ein.

„Weil die Hornechsen-Reiter unter den Orks als besonders zerstörerisch gelten“, antwortete der König.

Manchmal kamen die Orks in kleineren Gruppen zu Fuß über die Berge. Dann waren sie nicht so gefährlich und meistens hatten die Ritter sie vertreiben können. Aber wenn ganze Gruppen auf ihren großen entweder mit bis zu drei Hörnern ausgestatteten Reitechsen die Grenze zum Ork-Reich überschritten, gab es kaum etwas, was sie aufhalten konnte. Dann gab es nur noch den schnellen Rückzug hinter die Mauern der Trutzburg und genau das war jetzt der Fall.

5

Die Tore der Trutzburg standen weit offen. Die Burgwächter nahmen die Ankömmlinge in Empfang und gaben Anweisungen, wohin die großen Elefantenwagen zu lenken waren, damit es keinen Stau gab. Candric und sein Vater ritten zum Burgfried, dem letzten Rückzugsort bin der Mitte der Burg. Dieser hohe Turm war eigentlich eine kleine Burg für sich. Einer der Wächter führte Candric und seinen Vater die Treppe empor. Oben angekommen hatte man vor allem von den Zinnen aus einen weiten Rundblick. Der königliche Burgverwalter hieß Saragan. Er blickte angestrengt in die Ferne. „Seht, da kommen sie!“, murmelte er und deutete auf eine Schar dunkler Punkte in der Nähe der Berge.

Candric hatte schon viel von den Zerstörungen der Orks gehört – und vor allem auch davon, dass sie es waren, die die Arbeiten im Sumpfland immer wieder zum Stillstand brachten. Wäre es nicht so viel einfacher gewesen, sich mit ihnen zu einigen, fragte er sich nicht zum ersten Mal.

„Warum überlassen wir den Orks nicht einfach das Sumpfland?“, wollte er von seinem Vater wissen. „Es ist doch wertlos! Niemand kann dort wirklich leben.“

„Noch nicht“, stimmte der König zu. „Aber das wird sich ändern, sobald wir es trockengelegt haben!“

„Und warum muss es unbedingt trockengelegt werden? Ist das Beiderland nicht eigentlich groß genug?“

„Du fragst zu viel“, sagte der König. „Der sicherste Schutz vor den Orks wird eine Kette von Mauern und Festungen sein, die ich nach und nach errichten will.“ Er legte seinem Sohn eine Hand auf die Schulter. „Aber wahrscheinlich wird das so lange dauern, dass selbst du einen Teil wirst errichten lassen müssen.“

6

Laute Rufe ertönten jetzt. Die letzten Elefantenwagen und Ritter hatten sich nun hinter die Mauern der Trutzburg zurückgezogen. Die Tore wurden geschlossen und überall waren die Burgwächter damit beschäftigt, Katapulte in Stellung zu bringen.

Dann galt es nur noch zu warten.

Warten, bis die Orks näher kamen.

Viele von ihnen ritten auf großen, stämmigen Hornechsen, die so groß waren, wie einige der Hütten und kleineren Häuser, die es innerhalb der äußeren Mauer der Trutzburg inzwischen gab. Die Einhornechsen waren etwa so groß wie ein Elefant. Die anderen Hornechsen hingegen um einiges größer.

Auf vielen dieser Reittiere saßen gleich mehrere Orks. Oft genug trug mindestens einer von ihnen Pfeil und Bogen oder eine Schleuder bei sich.

Es dauerte nicht lange und es herrschte fast Totenstille in der Trutzburg.

Die Libellenreiter schwärmten noch einmal aus und erkundeten genauer die Lage. Einige der Orks schossen mit ihren Schleudern und Bögen auf die Kundschafter, doch diese wurden nicht getroffen und kehrten rasch zurück.

Der Hauptmann der Libellenreiter landete mit seinem Reittier bei Candric und König Hadran auf dem Burgfried.

„Es sind so viele Orks wie selten zuvor, Majestät!“, sagte der Hauptmann der Libellenreiter.

König Hadran wandte sich an Candric. „Es sind Hornechsen-Reiter – und die sind die Schlimmsten unter den Orks.“

„Aber hier sind wir doch sicher, oder?“, fragte Candric.

Sein Vater zuckte die Schultern. „Das will ich hoffen!“

Candric hatte schon davon gehört, dass es unterschiedliche Stämme unter den Orks gab. Manche ritten auf Hornechsen, andere bevorzugten Riesenskorpione oder große Meeresschildkröten als Reittiere. Und dann gab es die Berg-Orks, die immer zu Fuß unterwegs waren, sich manchmal einfach Hänge herabrollen ließen und dann urplötzlich auftauchten im Sumpfland auftauchten.

„Unsre Mauern sind zehn Schritte dick!“, meldete sich nun der königliche Burgverwalter Saragan zu Wort. „Selbst der ungünstigste Ansturm von Hornechsenreiter-Orks kann sie nicht zum Einsturz bringen. Und schon gar nicht, wenn die Orks keine Katapulte mitbringen!“

„Besitzen die Orks denn keine Katapulte?“, fragte Candric.

Saragan sah den Prinzen erstaunt an und hob die Augenbrauen. „Doch, das schon. Jedenfalls berichten das die wenigen, die in die Drei Ork-Länder gelangten und es schafften, lebend von dort zurückzukehren. Aber Katapulte sind sehr schwer durch das Sumpfland zu transportieren. Und sie hier erst zu bauen ist auch schwierig, weil es zu wenig Wälder gibt, aus denen man das Holz schlagen könnte.“ Der königliche Verwalter hob den Blick und wandte sich wieder an König Hadran. „Schön, dass Euer Sohn sich schon in so jungen Jahren für die Staatsgeschäfte interessiert!“

König Hadran nickte. „Man kann gar nicht früh genug damit anfangen, sie zu erlernen, wenn man ein guter Herrscher werden will!“, erklärte er.

7

Die Orks stürmten heran. Der Boden erzitterte unter den Füßen der Hornechsen. Diese Füße waren sehr breit und so sanken die Echsen trotz ihres enormen Gewichtes nicht so schnell in den Sumpf ein, wenn sie mal einen Fehltritt machten. Ihre Ork-Reiter trieben sie dann einfach vorwärts. Oder sprangen von den Rücken der Echsen, warteten durch den Sumpf und zogen die Tiere eigenhändig an den Zügeln voran.

Sie müssen enorme Kräfte haben!, dachte Candric. Denn ein Mensch, der weiter als bis zum Knie eingesunken war, hatte keinerlei Möglichkeit mehr, sich aus eigener Kraft aus dem aufgeweichten, moorigen Erdreich zu befreien.

Immer wieder waren bei den Grabarbeiten, die im Auftrag seiner Eltern im Sumpfland zurzeit durchgeführt wurden, Moorleichen ans Tageslicht gekommen. Und die meisten stammten von Geschöpfen – nicht nur Menschen – die geglaubt hatten, das Sumpfland durchqueren zu können, ohne sich wirklich ganz genau auszukennen.

Dieser Leichtsinn hatte in der Vergangenheit schon so manchem das Leben gekostet.

Als Ork schien man in dieser Hinsicht weniger gefährdet zu sein. Aber schließlich behauptete man ja auch, dass Orks im Grunde den Schlamm liebten und extra Schlammgruben anlegten, um sich darin suhlen zu können.

Ob das der Wahrheit entsprach oder nicht, vermochte niemand so genau zu sagen. Dazu wusste man einfach zu wenig über die Bewohner der drei Länder jenseits der Ork-Berge.

Candric fiel auf, dass die Orks einen Halt einlegten – und zwar ungefähr dort, wo sich Gräben fanden, die in letzter Zeit frisch ausgehoben worden waren.

Einige der Orks stiegen sogar von den Hornechsen ab, die sich nur mit Mühe bändigen ließen. Mit den Füßen scharrend standen sie mit gesenkten Hörnern da.

„Was machen die da?“, fragte Candric.

Der Burgverwalter Saragan hatte ein Fernrohr hinter dem Gürtel stecken. Diese Erfindung wurde schon lange von den Seefahrern Westaniens benutzt und seid sich Westanien und Sydien zum Königreich Beiderland vereinigt hatten, wurden Fernrohre auch in den anderen Teilen des Landes immer gebräuchlicher. Saragan nahm das Rohr hervor und warf einen Blick hindurch. Dann nickte er düster. „Hab ich es mir doch gedacht!“, knurrte er und reichte dann das Rohr an Candric weiter. „Seht es Euch an, mein Prinz! Die Orks schütten unsere Gräben zu! Wahrscheinlich werden sie hinterher sogar noch ihre Hornechsen ein paar mal darüber trampeln lassen, sodass auch alles schön fest wird!“ Saragan schüttelte verzweifelt den Kopf. „Die Arbeit von Wochen – einfach vernichtet! Aber das ist ganz typisch für die Orks!“

„Warum tun sie das?“, wollte Candric wissen.

Dass sie Höfe ausraubten und sich unter den Nagel rissen, was immer ihnen in die Hände fiel, konnte Candric noch nachvollziehen, aber weshalb machten sie sich die Mühe, ein paar Gräben wieder zuzuschütten, die sie bei ihrem Vormarsch überhaupt nicht behinderten, denn schließlich konnten ihre Echsen sehr leicht darüber hinwegschreiten.

Der königliche Burgverwalter seufzte. „Das gehört wohl zu den ewigen Rätseln über die Orks, die vermutlich niemals gelöst werden!“, meinte er.

8

Es mussten tausende von Hornechsenreiter-Orks sein, die sich im Sumpfland sammelten. Ein Teil von ihnen griff die Mauern der Trutzburg an, obwohl ihnen eigentlich von vorn herein klar sein musste, dass sie damit keinen Erfolg haben konnten. Jedenfalls nicht, wenn sie keine Belagerungsmaschinen mitführten oder wenigstens eine Rampe aufschütteten, über die sie vielleicht die Mauern überwinden konnten.

Aber das versuchten die Orks gar nicht erst. Stattdessen konzentrierten sie sich auf die insgesamt fünf Burgtore der Trutzburg. Das waren schließlich die schwächsten Stellen in den dicken Mauern der Burg. Immer wieder ließen die Orks ihre Hornechsen mit voller Geschwindigkeit gegen die Tore reiten. Manchmal prallten die Echsen so heftig dagegen, dass die Hörner durch das Hartholz der Tore hindurchstachen und die Orks anschließend Schwierigkeiten hatten, ihre Reittiere wieder zu befreien.

Manchmal blieb dann nichts anderes übrig, als dass der jeweilige Ork-Reiter seine Axt nahm und das steckengebliebene Horn einfach durchschlug.

Das Gehörn dieser Echsen wuchs nach, in so fern war dieser Verlust zu verschmerzen.

Aber die Verteidiger waren auf solche Angriffe natürlich eingestellt.

Es gab mehrere Tore, die hintereinander angebracht waren. Dazwischen befanden sich Fallgitter aus Eisen. Selbst wenn es den Orks mal gelang, eines der Tore vollkommen zu zerstören, konnten sie deshalb noch lange nicht einfach in die Burg stürmen.

„Wollt Ihr gar nichts unternehmen?“, fragte der König etwas verwundert an Saragan gerichtet. Dieser schüttelte den Kopf. „Ich habe den Wächtern befohlen, Munition für die Katapulte zu sparen, es sei denn, dass die Orks versuchen, die Mauer zu überklettern, was auch schon vorgekommen ist. Aber solange wir es nicht zulassen, dass sie Seile werfen und sich daran hochziehen, haben wir die Lage im Griff!“

„Na, da will ich aber hoffen, dass Ihr recht behaltet“, meinte der König mit leisem Zweifel im Tonfall.

„Ihr könnt Euch auf mich verlassen, mein König. Schließlich kämpfe ich hier schon länger gegen die Orks! Und bisher ist es keinem von ihnen gelungen, die Mauern der Trutzburg zu überwunden!“

„Und wenn sie uns belagern?“, fragte Candric.

„Dann sehen wir weiter“, erwiderte der Verwalter. „Allerdings glaube ich nicht, dass sie das tun.“

„Warum nicht?“

„Ihnen scheint die Geduld dafür zu fehlen. Aber generell lässt sich sehr schwer abschätzen, was sie als nächstes tun.“ Saragan seufzte. „Einmal die Gedanken eines Orks lesen – das würde mir wahrscheinlich sehr weiterhelfen!“

9

In den nächsten Stunden griffen immer wieder größere Gruppen von Orks die Burgmauern an verschiedenen Stellen an. Manchmal schleuderten sie brennende Fackeln zu den Wehrgängen hinter den Zinnen hinauf. Aber wenn diese Fackeln überhaupt ihr Ziel erreichten, so waren sie leicht wieder zurückzuwerfen, ohne, dass sie einen größeren Schaden anzurichten vermochten.

Dann fiel Candric plötzlich eine dunkle Wolke auf, die von Westen heranzog. Diese Wolke verfinsterte bald den gesamten Horizont und man konnte auf den ersten Blick glauben, dass ein großes Unwetter aufzog. Aber das war nicht der Fall. Ein zirpendes, immer durchdringender werdendes Geräusch war nun zu hören, während sich die Wolke näherte.

„Ein Riesenschreckenschwarm!“, entfuhr es Saragan.

Auf dem Weg durch das Sumpfland hatte Candric bereits hier und da Riesenschrecken gesehen. Sie waren so groß wie mittlere Hunde und ähnelten in ihrem Äußeren den Heuschrecken, wie sie in den Ebenen von Sydien im Sommer zur Plage werden konnten. Die Riesenschrecken schlüpften in den unzugänglichen Gebieten des Sumpflandes. Als ob sie sich durch geheime Botschaften untereinander verständigt hätten, kamen hier tausende oder hunderttausende von ihnen auf einmal aus dem Schlamm und bildeten dann riesige Schwärme. Aus irgendeinem Grund, den niemand kannte, zogen sie stets nach Osten in Richtung der Ork-Berge.

Kein Mensch hätte vorhersagen können, wann die Riesenschrecken aus dem Sumpf aufstiegen. Manchmal geschah es, dass jahrelang nur einzelne Riesenschrecken schlüpften und dann geschah es, dass urplötzlich gleich mehrere gewaltige Schwärme in die Höhe stiegen.

Für die Orks waren die Riesenschrecken ein Leibgericht.

„Ein solcher Schwarm ist für unsere Gegner wie ein fliegender Festtagsbraten!“, meinte Saragan. „Vielleicht sind sie sogar deswegen gekommen – und nicht in erster Linie, um die Trutzburg doch noch zu erobern.“

„Dafür spricht, dass sie ihre Fangnetze dabei haben“, stimmte Candric zu.

„Kein Mensch kann die Entstehung eines Riesenschreckenschwarms vorhersagen – aber die Orks scheinen zu ahnen, wann so etwas bevorsteht“, glaubte Saragan. „So als ob sie einen besonderen Sinn dafür hätten – oder ihnen irgendeine Art von Magie dabei hilft!“

„Heißt es nicht, dass die Berg-Orks auf den Klippen auf die Schwärme warten?“, fragte Candric.

Saragan nickte. „Ja, denn die Riesenschrecken vertragen die Höhe nicht, sie können nur so gerade über die Ork-Berge hinweg und sind dann eine leichte Beute für die Berg-Orks.“

„Dann haben sich diese Hornechsen-Reiter wohl gedacht, dass sie ihren Verwandten aus den Bergen das Festmahl vor der Nase wegstibitzen!“, stellte König Hadran fest.

„Nicht besonders nett“, lautete Saragans Kommentar. Er sah Candric an und meinte. „Seid froh, dass Ihr nicht unter diesen ungehobelten Gesellen Euer Leben fristen müsst, mein Prinz!“

„Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich da bin“, gab Candric zurück.

10

Die Orks zogen sich von der Trutzburg zurück. Viele von ihnen hatten Netze dabei, die mit Steingewichte beschwert waren. Die wurden hoch geworfen und damit jeweils Dutzende der durcheinanderschwirrenden Riesenschrecken eingefangen.

Nach und nach folgten die Orks den Riesenschrecken in Richtung der Ork-Berge. Gegen Abend war nichts mehr von ihnen zu sehen.

Und selbst der gewaltige Schwarm von Riesenschrecken verschwand irgendwann hinter den Gipfeln der Berge.

Der König sandte einige der Libellenreiter aus, damit sie auskundschafteten, wo die Orks geblieben waren. Dabei konnten sich die Libellenreiter allerdings nicht allzu nah heranwagen, denn die die Reitlibellen fürchteten sich vor Riesenschreckenschwärme, obwohl diese ihnen nichts taten.

Als die Kundschafter zurückkehrten, berichteten sie, dass sich die Hornechsenreiter-Orks nach Norden in Richtung des Ork-Tors zurückgezogen hatten. Dieses Tor verschloss den einzigen freien Pass durch die Ork-Berge.

Die Riesenschrecken hatten sich unterdessen über das Gebirge gequält.

„Ich hoffe, dass wir beide nicht wiedersehen“, sagte König Hadran daraufhin.

Prinz Candric seufzte daraufhin. „Ach, wie gerne wäre ich doch jetzt in meinen vertrauten Gemächern im Palast von Aladar!“

„Wir kehren ja bald zurück!“, tröstete ihn sein Vater. „Aber das Reisen gehört nunmal zu den Pflichten eines zukünftigen Königs – so wie er auch den Schwertkampf und die Kunst der guten Verhandlung beherrschen muss!“

Candric und sein Vater verbrachten die Nacht in den Gemächern, die der Burgverwalter für sie hatte errichten lassen. Natürlich gab es hier nicht denselben Luxus wie im heimatlichen Palast. Und was Candric am meisten vermisste – in der ganzen Trutzburg schien es nicht ein einziges Buch zu geben – abgesehen von einem Band, in dem die Namen sämtlicher Helfer eingetragen waren, die sich für die Arbeit an den Gräben hatten anheuern lassen. Dahinter stand jeweils, wie viel man dem einzelnen Arbeiter gezahlt hatte, was auch davon abhing, ob es sich um einen starken Oger, einen noch stärkeren Waldriesen oder nur um einen verhältnismäßig schwachen Menschen handelte.

Aber als interessante Lektüre eignete sich so ein Buch nun sicherlich nicht.

11

Am nächsten Morgen wurde Candric bereits früh durch das Trompeten der Zugelefanten geweckt. Er stand auf und öffnete die Fensterläden des Gemachs, das man ihm hergerichtet hatte. Es war ziemlich kühl in der Nacht gewesen und daher hatte Candric in seiner Kleidung geschlafen und dabei sogar die Stiefel angelassen. Einen Kamin, wie der Prinz ihn aus dem heimatlichen Aladar gewohnt war, gab es nämlich in diesen Gemächern nicht!

Draußen war es längst hell und verhältnismäßig klar. In der Ferne sah man die Elefanten Karren voll von ausgehobenem Erdreich hinter sich herziehen und es wurde offenbar wieder an den Gräben gearbeitet, nachdem die Orks ebenso verschwunden waren, wie ihre bevorzugte Jagdbeute – der Riesenschreckenschwarm.

Am Horizont tauchte ein Schiff auf, das frei in der Luft schwebte und sich der Burg langsam näherte. Deutlich waren die Aufbauten zu sehen. Ein Mast ragte hoch empor, aber obwohl von der nahen Meeresbucht, an der die Trutzburg lag, ein kräftiger Wind wehte, der überall die Fahnen wehen ließ, bewegte sich das Segel des Luftschiffs kein bisschen. Es hing schlaff herab und so als würde der Wind es überhaupt nicht erreichen.

„Asanil!“, stieß Candric erfreut aus. „Juhu, er ist endlich mal pünktlich!“

12

Asanil war ein Elbenmagier, der für sich in einem Turm südlich der sinkenden Stadt lebte.

Asanil hatte sich mit dem König des Fernen Elbenreichs zerstritten und zog es deswegen vor, in der Einsamkeit seinen magischen Forschungen nachzugehen. Ihm war gestattet worden, südlich der Sinkenden Stadt am südlichsten Zipfel der sumpfländischen Küste einen Turm zu errichten, in dem er seinen Studien nachging. Dafür musste er zwei Dinge tun: Nachts ein Leuchtfeuer für ankommende Schiffe entzünden und außerdem mit einem fliegenden Schiff der Herrscherfamilie für Reisen zur Verfügung stehen.

Allerdings traf Asanil oft genug unpünktlich an einem vereinbarten Treffpunkt ein, sodass es Königin Taleena und König Hadran oft genug bevorzugten, auf herkömmliche Weise zu reisen – entweder zu Pferd oder mit ganz gewöhnlichen Seeschiffen.

Asanils Unzuverlässigkeit war dabei gar kein böser Wille, wie Candric von seiner Mutter mal erklärt worden war. „Elben werden sehr alt, viel älter als Menschen“, hatte er ihre Worte noch im Ohr. „Niemand weiß genau, wie alt eigentlich. Es können Jahrtausende sein. Ein Tag ist für sie nur ein Moment und wenn Asanil gerade in eine seiner magischen Schriften vertiefst ist, kann es durchaus sein, dass er die Zeit völlig vergisst!“

Verlässlich war Asanil also nicht.

Und Candric hatte sich auch bei dieser Reise schon innerlich darauf vorbereitet, dass der Elbenmagier sie vielleicht im Stich ließ. Das hätte einen langen Ritt zurück zum Palast von Aladar bedeutet.

Candric war froh, dass im dies nun erspart blieb.

13

Asanils Himmelsschiff landete in der Bucht, an der die Trutzburg lag und legte dann an der Kaimauer des kleine Hafens an, der zur Burg gehörte. Schiffe legten hier allerdings selten an und wenn, dann blieben sie nicht lange, denn oft genug schon waren die Orks auch über das Meer gekommen – entweder mit Flößen oder auf den Rücken von riesigen Meeresschildkröten, die sie dressiert hatten. Wenn dann Schiffe im Hafen lagen, zerschlugen sie die einfach und schafften das Holz fort, das sie anschließend wohl als Brennholz benutzten.

So war Asanils Himmelsschiff im Augenblick das einzige Schiff an der Kaimauer des Trutzhafens.

Candric und sein Vater trafen dort ein und auch der königliche Burgverwalter Saragan ließ es sich nicht nehmen, den König und seinen Thronfolger zu verabschieden.

Asanil war ein hochgewachsener Elb in einem grauweißen Gewand aus feinster Elbenseide, das die Eigenschaft hatte, keinen Schmutz haften zu lassen, so dass man es nie waschen brauchte. Sein Haar war schlohweiß. Spitze Ohren stachen daraus hervor. Die Augen waren etwas schräggestellt und goldfarben. Im Gegensatz zum Kopfhaar waren die Augenbrauen schwarz. Sie bogen sich an den Seiten etwas nach oben.

Hinter einem breiten Gürtel steckte ein Metallstab, von dem Candric wusste, dass Asanil ihn zu allen möglichen magischen Ritualen benötigte. Außerdem trug er einen Dolch und mehrere kleine Ledertaschen an diesem Gürtel, dessen Oberfläche an Schlangenhaut erinnerte.

Dass Asanil kein kein gewöhnlicher Elb war, konnte man schon daran sehen, dass er sich einen langen Bart hatte stehen lassen, was ansonsten unter Elben unüblich war.

Schon dadurch schien Asanil zu zeigen, dass ihn mit dem Fernen Elbenreich und dessen König Péandir nichts mehr verband.

Asanil stand an der Reling seines Schiffs, während ein offenbar gut dressierter Affe damit beschäftigt war, die Taue zu befestigen, mit denen das Himmelschiff festgemacht war. Candric und sein Vater gingen an Bord.

„Seid gegrüßt“, sagte Asanil. „Wenn es recht ist, werde ich mich nicht lange an diesem ungastlichen Ort aufhalten und sofort wieder in die Luft aufsteigen.“

„Das ist mir sehr recht“, erwiderte König Hadran. „In Aladar warten nämlich dringende Staatsgeschäfte auf mich. Und es wäre schön, wenn wir dort so schnell wie möglich eintreffen würden.“

Das war Candric natürlich auch am liebsten.

Schließlich hatte er die gesamte Reise ja ohnehin nur widerwillig mitgemacht.

Der Affe sprang über Deck und begrüßte Candric freudig, indem er ihm die Hand schüttelte und einen Kopfstand machte. Dann sprang er an Candric hoch und riss ihn dabei fast zu Boden, als er sich mit seinen langen Armen an ihm festklammerte.

„Ist ja gut, Hugonil, ich freue mich ja auch, dich zu sehen!“, versuchte Candric ihn zu beruhigen. Asanil hatte sich redlich Mühe gegeben, Hugonil das Sprechen beizubringen. Aber selbst Asanils fortgeschrittene elbische Magie hatte ihm dabei offenbar nicht zum Erfolg führen können. Hugonil der Affe konnte zwar alles verstehen, was man ihm sagte, aber kein Wort sprechen.

„Mach die Leine wieder los! Wir brechen auf!“, rief Asanil.

Er und sein Affe waren die gesamte Besatzung des Himmelsschiffs. Offenbar war auch ansonsten niemand dafür notwendig, um es zu lenken.

Während der Affe sich aufgeregt schnaubend daran machte, die Taue wieder zu lösen, die er gerade erst befestigt hatte, wandte sich Asanil an Candric. „Du wirst jetzt einen Flug auf dem einzigen Himmelsschiff erleben, das es auf dem ganzen Erdenrund gibt! Denn ich Asanil der Magier, habe den Zauber der Gewichtslosigkeit und der metamagischen Winde entdeckt, die dieses Schiff vorantreiben! Und nur ich vermag sie zu beherrschen!“

Candric verdrehte die Augen.

Diesen Spruch hatte er schonmal gehört – und zwar, als sie von Aladar aus ins Sumpfland aufgebrochen waren.

Der Elbenmagier schien die Verwunderung in Candrics Gesicht zu bemerken. Er runzelte die Stirn und sagte dann: „Habe ich mich vielleicht wiederholt?“

„Das ist nicht so schlimm, Asanil“, erwiderte Candric höflich.

Asanil kratzte sich am Kinn. „Eigenartig, ich dachte, das wäre ein anderer Junge gewesen, dem ich das schonmal gesagt habe...“

„Das wird vielleicht mein Großvater gewesen sein“, meinte Candric.

Asanil seufzte. „Gut möglich. Die Generationen wechseln bei euch Menschen so schnell, da kann man schonmal durcheinander kommen.“

14

Hugonil hatte schnell die Taue wieder gelöst.

Mit einem durchdringenden Schrei machte der Affe dies deutlich.

„Nicht so laut, da bekommt ein Elb ja Ohrenschmerzen!“, rief Asanil zurück. Elben hatten ganz besonders empfindliche Sinne, sehr gute Augen und äußerst empfindliche Ohren. Lautes Geschrei war deswegen nur schwer für sie zu ertragen, zumal wenn Elben davon überrascht wurden und er sich nicht vorher darauf einstellen und sein Gehör etwas abschirmen konnte.

Schuldbewusst stieß Hugonil nun einen sehr verhaltenen, fast wimmernden Laut aus. Dann kletterte er in Windeseile die Aufbauten empor und schwang sich mit einem Seil zum Mast.

Asanil hingegen nahm seinen Stab aus seinem Gürtel, hob sein Ende in Richtung des noch immer schlaff vom Mast hängenden Segels und murmelte dazu ein paar Worte in elbischer Sprache dazu – offenbar eine magische Formel, wie Candric annahm.

Das Schiff begann sich wie von selbst und ohne dass sich das Segel auch nur ein bisschen blähte, aus dem Hafen zu fahren. Dann hob es von der Wasseroberfläche ab und stieg in die Lüfte. Candric musste sich an der Reling festhalten, da das Himmelsschiff für ein paar Augenblicke eine etwas stärkere Neigung hatte, ehe es schließlich ruhig davonflog. Man hatte trotz des dunstigen Wetters, das im Sumpfland nichts Besonderes war, eine hervorragende Sicht, denn schon bald ließ Asanil das Schiff so hoch steigen, dass es sich über den tiefhängenden Dunstwolken befand.

Bis zu den Ork-Bergen konnte man sehen.

„Habt Ihr ein Fernrohr?“, fragt Candric an den Elbenmagier gewandt, denn er hätte gerne die Gelegenheit genutzt, um sich dort etwas umzuschauen. Aber Asanil schüttelte den Kopf.

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