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Ein Scout namens Ryan (Die großen Western von Heinz Squarra, #15)

Ein Scout namens Ryan

Die großen Western von Heinz Squarra, Volume 15

Heinz Squarra

Published by Cassiopeiapress/Alfredbooks, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Ein Scout namens Ryan | Heinz Squarra

Klappentext:

Further Reading: Sammelband 6 Western – Wildwest Outlaws Februar 2018

Also By Heinz Squarra

About the Publisher

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Klappentext:

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JIM RYAN IST DER SCOUT. Er begleitet die beiden Planwagen, welche die dringend in Fort Bayard benötigten Lebensmittel geladen haben. Immer wieder werden solche Transporte von den Apachen überfallen, so auch dieses Mal. Ryan sieht als einzige Möglichkeit für eine Rettung des Transportes, sich von der Gruppe zu trennen und damit die Angreifer in die Irre zu führen. Doch es kommt alles anders. Plötzlich grinst ihn ein Mann an und Jim ist es, als würde er in die Augen des Teufels blicken. Augen, die vor Hass Funken sprühen und nur den Tod versprechen. Jim hat ihn nie zuvor gesehen, von seiner Bösartigkeit und von dem Grauen, das er im Lande verbreitet, aber vieles gehört.

Und noch eine Bande hat es auf die Wagen abgesehen. Vier gnadenlose Reiter, darunter ein kaltblütiger Killer, der jeden tötet, der ihm in die Quere kommt ...

***

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SCHNELLER!“, SCHRIE Jim Ryan seinem Bruder Tobe zu und hieb mit seiner Peitsche auf die Wagenpferde ein. Hinter ihnen wurde das Geheul der Indianer lauter. Jim Ryan lenkte seinen Schimmel zur Seite. Der schwere Bagagewagen rumpelte vorbei. Ihm folgte der zweite. Jim Ryan schlug wieder auf die Pferde ein, während er das vor Angst verzerrte Gesicht des Kutschers aus den Augenwinkeln sah. „Ich halte sie auf!“, rief er dem Soldaten zu. „Fahrt so schnell ihr könnt und wartet nicht auf mich!“ „Gut, Jim!“, schrie der Mann zurück und knallte mit der Peitsche. Jim Ryan parierte den Schimmel. Einen Moment blickte er den beiden Wagen nach, die schnell den Canyon hinunterschossen. Alkalistaub wallte in der Luft. In seinen Ohren gellte wieder das Geheul der Indianer. Er warf das Pferd herum, sprengte ein Stück zurück und sprang hinter einem riesigen Felskegel aus dem Sattel. Er riss sein Henrygewehr aus dem Sattelschuh und drängte das Pferd gegen die Felswand. Das Geheul schien zu einem Orkan anzuschwellen und vermischte sich mit dem Hufschlag und dem Schnauben der Pferde. Jim Ryan lugte um den Felsen und legte das Gewehr an. Er konnte nur ein kleines Stück des Canyons übersehen. Er war hier nicht so sehr breit, und so hoffte er, die Apachenhorde eine ganze Zeit aufhalten zu können.

Immer lauter wurde das Geschrei.

Jim spürte den Schweiß, der ihm überall aus den Poren brach. Da sah er den ersten Mann auftauchen und drückte ab. Feuer und Blei fuhren aus der Mündung. Das struppige Pferd stoppte jäh und brach zusammen. Der Indianer flog auf den Weg, sprang wieder auf und schwang das Gewehr hoch, das er irgendwo erbeutet haben musste.

Jim schoss wieder. Der Indianer prallte zurück und wurde vom nächsten Pferd niedergerissen. Da krachten der dritte, der vierte und der fünfte Schuss. Jim Ryan wusste plötzlich, dass der Platz nicht so gut war, wie er gedacht hatte. Er repetierte und schoss, repetierte und schoss von Neuem.

Ein Knäuel hatte sich im Canyon gebildet. Die Indianer kamen nicht weiter. Jim feuerte in den Pulk hinein, bis die letzte, schwarzverbrannte Geschosshülse aus dem Verschluss gesprungen war.

Er ließ das Gewehr fallen und zog seinen Colt.

Als er den ersten Schuss abgefeuert hatte, zogen sich die schreienden Indianer hinter die nächste Felsnase zurück.

Jim bückte sich nach seinem Gewehr. Ein Schuss krachte. Surrend raste eine Kugel über ihn hinweg, und er sprang schnell in die Deckung des Felskegels. Hastig stopfte er frische Patronen in das Henrygewehr. Er hörte die geschrienen, kehligen Laute, mit denen sich die Apachen verständigten. Es würde nicht lange dauern, dann würden sie es erneut versuchen. Vielleicht kam er nie mehr von hier weg. Er blickte zu dem Stück Himmel, das er zwischen den scharfen Graten sehen konnte. Wahrscheinlich würden noch Stunden vergehen, bis es dunkel wurde.

Vorsichtig spähte er wieder um die Kante. Er glaubte, eine Bewegung zu sehen und schoss. Seine Kugel krachte gegen den Felsen und stieg quarrend in die Höhe. Er klemmte das Gewehr unter den Arm und feuerte noch einmal, während er das Pferd drehte. Er musste versuchen, von hier fortzukommen und sie gleichzeitig in einen anderen Hohlweg zu locken, damit die beiden Wagen verschwinden konnten.

Der dritte Schuss war gerade aus dem Lauf, als Jim Ryan sich in den Sattel warf und dem Pferd die Durangosporen in die Flanken presste. Mit einem schrillen Wiehern donnerte das Pferd los. Funken stoben in die Höhe.

Hinter ihm schwoll das Geheul sofort wieder an. Er hörte das Krachen der Sharps, und eine Kugel raste an ihm vorbei, schlug irgendwo gegen die Fels wund und jaulte zum Himmel.

Jim Ryan trieb das Pferd gnadenlos vorwärts, schob das Gewehr in den Sattelschuh und riss den Colt aus dem Holster. Er wandte sich um und feuerte zurück, sobald er sie auftauchen sah. An ihrer Spitze brach ein Pferd zusammen und hielt den schreienden Pulk einen Moment auf.

Jim warf sich auf den Hals des Pferdes.

„Schneller!“, schrie er verzweifelt, obwohl er genau wusste, wie sinnlos das war. Das Pferd sprengte um eine Kante. Rechts öffnete sich ein Hohlweg. Jim zog den Kopf des Schimmels scharf herum und jagte den Hohlweg zurück.

Er brauchte nicht zu lauschen, ob sie noch hinter ihm her waren. Bereits nach wenigen Sekunden hörte er es. Ein Stück zog sich der Weg schnurgerade dahin.

Hinter ihm tauchten sie auf. Er feuerte wieder aus dem Colt, während eine Sharpskugel seinen Ärmel aufriss und einen schmerzhaften Strich über seinen Oberarm zog. Er feuerte noch einmal. Da zuckte das Pferd unter ihm zusammen. Jim befürchtete schon, dass es zusammenbrechen würde. Aber im Gegenteil es wurde plötzlich schneller.

Schaumflocken flogen in sein Gesicht. Er sah das Blut, das dem Schimmel aus der Hinterhand floss und auf den grauen Boden tropfte. Er war sich im Klaren, dass das Tier schwerer getroffen war, als für ihn gut sein konnte. Als er erneut schießen wollte, war die Trommel leer. Jim stopfte den Revolver in den Hosenbund und riss das Gewehr heraus. Es war schwer, bei diesem Tempo nach hinten zu schießen, aber er schaffte es.

Der Schimmel preschte um eine Biegung, strauchelte plötzlich und prallte gegen die Felswand. Jims Bein wurde für einen Moment eingeklemmt, und ein fürchterlicher Schmerz durchraste seinen ganzen Körper.

Da stand der Schimmel schon wieder frei, zitterte heftig und schien zusammenbrechen zu wollen, Jim warf sich mit dem Gewehr in der Armbeuge aus dem Sattel. Der Schimmel taumelte ein paar Längen weiter, prallte abermals gegen die Felswand und verharrte so.

Jim warf sich herum. Die Kugeln der an reitenden Indianerhorde umschwirrten ihn. Er schoss zurück und sah die beiden ersten Pferde zusammenbrechen. Aber die anderen kamen unaufhaltsam wie eine Springflut näher. Eine Kugel streifte an seinem Gesicht vorbei. Er schoss zurück, verfehlte den Kerl aber, der schon dicht an ihn heran war. Da beugte sich der Indianer aus dem Sattel. Im Sonnenlicht funkelte etwas in seiner Hand.

Jim sprang zurück, aber zu spät. Die stumpfe Seite der Axt traf seinen Kopf und schleuderte ihn gegen die Felswand. Es wurde ihm schwarz vor Augen. Den Anprall spürte er kaum. Das Gewehr fiel aus seinen Händen. Er wehrte sich gegen etwas, das er nicht mehr begreifen konnte und wollte auf den Beinen bleiben. Aber seine Knie gehorchten ihm nicht mehr. Als er auf den harten Boden schlug, hörte er noch zwei Herzschläge lang verschwommen die kehligen Laute, mit denen sie sich verständigten. Danach verschwamm alles wie in dichtem Nebel.

*

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ALS ER ZU SICH KAM, saß er auf einem struppigen Pferd, das sich über einen Pass bewegte. Rechts von ihm ritt ein kleiner, junger und zäher Mann mit den blauschwarzen langen Haaren, die sie alle hatten. Der Mann grinste ihn an, und Jim war es, als würde er dem Teufel in die Augen schauen.

Er kannte diesen Mann. Es war Bunny Dull, ein Halbblut. Jim konnte sich nicht mehr so genau erinnern, wann er den Burschen das letzte Mal in Fort Bayard gesehen hatte. Es musste schon ein paar Wochen her sein.

So war das also mit diesem Halunken, von dem nie ein Mensch gewusst hatte, von was er lebte und wieso er immer in den Black Ranges verschwand, um irgendwann wieder aufzutauchen.

„Nun, wie fühlst du dich?“, fragte Bunny Dull in fast singendem Tonfall.

Jim Ryan blickte auf seine Hände, die am Sattelhorn festgebunden waren. Er spürte, dass sie auch seine Beine unter dem Leib des Tieres oder am Sattelgurt befestigt hatten.

„Ich fragte dich etwas, Scout“, erinnerte das Halbblut.

„Für wen arbeitest du?“

„Das wirst du sehen, wenn wir das Lager erreichen, Scout. Natürlich wirst du es nie wieder verlassen. Keiner von uns hat Interesse daran, die Soldaten wissen zu lassen, wohin ich gehöre.“

„Du redest ziemlich geschraubt“, knurrte Jim und blickte nach vorn. Der Pass endete zwischen steilen Felswänden. Ein halbdunkler Canyon nahm sie auf. Hinter sich hörte Jim die Pferde der anderen. Er blickte über die Schulter, um sie zu zählen. Aber die Kette war so lang, dass er es gleich wieder aufgab.

Das Halbblut drängte sein Pferd so heftig gegen Jims Tier, dass dieses gegen die Felswand gedrückt wurde.

„Ich hatte dich etwas gefragt!“, zischte der Kerl, und sein übler Atem streifte Jims Gesicht.

„Ich würde mich besser fühlen, wenn du mir die Stricke abnimmst, damit ich in deine Visage schlagen kann, Halbblut!“, schrie Jim.

Bunny Dull grinste ihn scharf an, hob plötzlich die Faust und schlug zu. Jim nahm den Kopf zur Seite, aber zu spät. Die Faust radierte an seiner Schläfe entlang. Ein zweiter Hieb traf ihn mitten ins Gesicht und schleuderte seinen Hinterkopf gegen die Granitwand. Benommen fiel er auf den Hals des Pferdes, sah verschwommen den Boden unter sich und merkte, wie das Tier weitergezogen wurde. Er fragte sich, warum dieser Kerl ihn so sehr hasste, dass er nach ihm schlug. Sie hatten nie miteinander gesprochen, wenn sie sich irgendwo im Fort oder in Silver City gesehen hatten, waren sie sich aus dem Wege gegangen.

Vielleicht war es das, was den Kerl so wild auf ihn gemacht hatte.

Jim Ryan richtete sich langsam auf. Das Gesicht schmerzte ihm immer noch heftig. Er dachte an die beiden Bagagewagen, die er begleitet hatte. Sie schienen entkommen zu sein. Oder Bunny Dull hatte nur einen Teil der Indianer bei sich.

Jim blickte wieder zurück. Es war wirklich nicht möglich, sie zu zählen.

„Wir sind alle hier“, sagte der Indianer, als habe er seine Gedanken lesen können; „Für die Lebensmittel interessieren wir uns im Moment nicht. – Kennst du ein Mädchen, das Jane Eythe heißt?“

Jim blickte das Halbblut an. Er hatte diesen Namen nie gehört.

„Nicht?“

„Nein.“

Schweigend ritten sie weiter. Schnell wurde es dunkler. Der Canyon senkte sich immer mehr. Nach einer Stunde, als die Dämmerung das Land eingehüllt hatte, lichteten sich die Berge. Sie ritten über saftiges Grasland, einem Wald entgegen. Erst mitten in der Nacht erreichten sie wieder Berge. Jim wusste, dass es die Burro Mountains waren. Sie ritten an ihrem Rande entlang und später irgendwo in einen Hohlweg hinein.

Wieder vergingen Stunden. Jim dachte schon, dieser Ritt ginge nie mehr zu Ende, da lichteten sich im Morgengrauen die Berge, ein weiteres Tal lag vor ihnen. In ihm standen Büffelhautzelte. Feuer brannten. An einem Bach hockten faltig aussehende Frauen in zerlumpten Kleidern, die Rohleder streckten.

„Da sind wir“, sagte das Halbblut. „Shin Elk wird dir sagen, was geschieht.“

Bunny Dull zog sein Pferd weiter und ritt ins Tal hinunter.

Indianer kamen aus den Zelten, rannten neben den Pferden her und zerrten an Jim Ryans Hose. Ihr Geschnatter ließ ihn frieren. Er sah den blitzenden Hass in ihren Augen, und noch tiefer die Freude, dass sie ihn hatten.

Vor einem hohen, fast weißen Zelt, vor dem zwei Lanzen in den Boden getrieben waren, stand Shin Elk. Jim hatte ihn nie zuvor gesehen, von seiner Bösartigkeit und von dem Grauen, das er im Lande verbreitete, aber vieles gehört. Hunderte von Soldaten und Siedlern waren verrückt darauf, ihn in ihre Hände zu bekommen und an den nächsten Baum zu hängen.

Hier stand er, die Arme in die Hüften gestemmt, einen Totschläger am Gürtel, das grausame Gesicht auf Jim Ryan gerichtet. Der laue Wind bewegte sein bis auf die Schultern fallendes blauschwarzes Haar, in das eine Schlangenhaut geschlungen war. Um den Hals hatte er eine lange Kette, die aus Silbermünzen zusammengefügt und sicher mexikanischen Ursprungs war.

„Der Zivilscout aus Fort Bayard“, sagte das Halbblut und grinste den Häuptling an. „Hunderte von Apachen würden noch leben, gäbe es diesen Spürhund nicht.“

Die messerscharfen Lippen des Häuptlings sprangen auseinander, und er sagte: „Es gibt ihn nicht mehr lange.“

Jim wunderte sich, wie gut der Kerl mit dem Englisch zurechtkam. Wahrscheinlich hatte Dull es ihm beigebracht.

„Ich sehe sie nicht“, fuhr Shin Elk an das Halbblut gewandt fort.

Dull schien im Sattel etwas kleiner zu werden.

„Wir konnten sie nicht finden“, antwortete er. „Wir waren bis in den Black Ranges.“

„So weit kann sie nicht sein. Wo habt ihr ihn gefunden?“

„Er begleitete zwei Bagagewagen der Armee. Lebensmittel für Fort Bayard.“ „Ich sehe sie nicht.“

Jim Ryan schaute das noch mehr zusammensinkende Halbblut von der Seite an.

„Er hielt uns auf“, knurrte Bunny Dull. „Ich schickte zwanzig Mann weiter gerade aus, aber sie fanden die Wagen nicht mehr.“

Jim Ryan wusste, dass Dull jetzt die Wahrheit sagte. Ihn hatte er also belogen. Wahrscheinlich hatte er nicht eingestehen wollen, dass ihm die beiden Wagen entgangen waren.

„Aber bei den Wagen kann das Mädchen nicht gewesen sein“, fuhr das Halbblut fort. „Sie kamen von Santa Fe. Vielleicht ist sie wirklich noch hier in der Nähe. Vielleicht versteckt sie sich irgendwo in den Bergen!“

Jim spürte, dass der Blick des Häuptlings wieder auf ihn gerichtet war, obwohl er zu Boden blickte und nichts als die Grasnarben und die gierigen Hände, die immer noch an ihm zerrten, sehen konnte.

Dulls Faust traf ihn gegen das Ohr und ließ ihn im Sattel schwanken. Vielleicht wäre er ohne die Stricke gefallen.

„Shin Elk redet mit dir!“, schrie das Halbblut zornig.

Jim richtete sich im Sattel wieder auf.

„Er kennt das Land besser als irgendein anderer Weißer“, zischte das Halbblut an den Häuptling gewandt. „Er will von den Eythes niemals gehört haben. Ich sage, er lügt!“

„Bindet ihn los!“, kommandierte der Häuptling.

Die Hände rissen heftiger an ihm. Er sah ein Messer. Als seine Hände befreit wurden, ritzte das Messer seine Haut.

„Steig ab!“, forderte der Häuptling.

Jim überlegte einen Moment, ob er den Kerl anfallen, niederschlagen, und wenn es ging, umbringen sollte. Gleichgültig war es doch, ob sie ihn jetzt oder erst in ein paar Stunden massakrierten.

„Absteigen!“, schrie der Häuptling.

Da kletterte Jim aus dem Sattel. Vielleicht war es doch nicht gleichgültig. Er blieb neben dem Pferd stehen und blickte Shin Elk an. Er war wesentlich kleiner als er selbst. Trotzdem galt er unter den Apachen als groß.

„Saul Eythe hatte eine Farm am Rio Grande“, meinte Shin Elk. „Seine Tochter ist meine Frau. Seit zwei Jahren. Sie ist verschwunden. Schon vier Tage. Du hast sie nicht gesehen?“

„Vor vier Tagen war ich in Santa Fe“, entgegnete Jim.

Der Häuptling blickte das Halbblut an.

„Das konnten wir nicht wissen“, sagte Dull und zuckte die Schultern.

„Bringt ihn weg“, knurrte Shin Elk. „Heute Abend wird das große Feuer entzündet.“

Jim wusste, was das zu bedeuten hatte. Er spürte die Arme, die nach ihm griffen. Der Häuptling trat zur Seite. Er wurde vorwärtsgeschoben. Er blickte durch eine Gasse spitzer Zelte. Jemand schlug ihm in den Rücken, sodass seine Beine einknickten. Aber die anderen hielten ihn und zerrten ihn weiter. Vor einem Zelt schleiften sie ihn herum. Jemand hob die Büffelhaut an. Ein zweiter Hieb traf Jim Ryan in den Rücken und schleuderte ihn vorwärts, weil die vielen Arme plötzlich losließen. Er stolperte in das Zelt hinein und fiel. Sein Gesicht berührte den Boden. Er hörte das entnervende Lachen der stumpfsinnigen Horde, das sich langsam entfernte. Minutenlang lag er still und lauschte. Sie waren fortgegangen.

Jim setzte sich. Die Schmerzen und die Müdigkeit peinigten ihn. Die Büffelhaut hing nach unten. Draußen sah er die nackten Beine eines Mannes. Sie hatten also einen Wächter zurückgelassen.

Er dachte an seinen Bruder und den anderen Fahrer. Sie mussten jetzt in Fort Bayard sein. Sie würden dem Major berichten, was geschehen war. Er musste bitter lächeln, als er sich ausmalte, mit welchen drängenden Worten Tobe versuchen würde, Major Victor Morgan zu einem Ritt in die Black Ranges zu bewegen. Natürlich würde der Major nicht daran denken, wegen des aufsässigen Zivilscouts, wie er ihn, Jim, nannte, einen gefährlichen Ritt zu unternehmen. Vielleicht war er sogar froh, einen unbequemen Mann billig losgeworden zu sein, ohne andere Verluste beklagen zu müssen.

Die nackten Beine vor dem Zelt bewegten sich nicht. Der Mann schien der Büffelhaut den Rücken zuzukehren. Jim stand langsam auf. Er wusste, dass seine Chance, von hier fortzukommen, eins zu tausend stand. Aber wenn es überhaupt eine Möglichkeit gab, dann jetzt. Jetzt, wo sie überzeugt waren, dass er fertig und ausgebrannt auf dem kahlen Boden lag und auf das große Feuer wartete.

Jim Ryan wusste genau, was geschehen würde. Sie wollten ihn peinigen, bis er seine Qualen laut in die Nacht hinausschreien würde, obwohl ihm das dann auch nichts mehr helfen konnte. Vielleicht traf ihn eine Kugel, wenn er jetzt die Flucht versuchte. Besser, als in ihrem großen Feuer gebraten zu werden.

Jim machte den ersten Schritt auf die Büffelhaut zu und blieb erneut stehen. Die vielfältigen Geräusche des Lagers gellten förmlich in seinen Ohren. Er hatte gesehen, dass nur ein paar Yards entfernt die Umzäunung stand, in der sie ihre Pferde hatten.

Da bewegten sich die Beine.

Jim trat hastig zurück und setzte sich. Ein paar verstaubte Stiefel tauchten auf. Kehlige Worte, die er nicht verstand, wurden gewechselt. Jemand schlug die Büffelhaut zurück.

Bunny Dulls grinsendes Gesicht leuchtete Jim Ryan entgegen.

Das Halbblut kam herein und ließ die Plane fallen.

Jim blickte von dem teuflischen Gesicht auf die beiden Revolverkolben, die aus dem Hosenbund des Kerls lugten.

„Ich muss wieder fort“, sagte Bunny Dull.

„Shin Elks Frau suchen?“

„Ja.

„Wie schade, Bunny. Dann kannst du der Hinrichtung nicht beiwohnen. Bedauerst du es sehr?“

„Vielleicht reite ich nicht sehr weit und kann deine Schreie hören“, gab das Halbblut breiter grinsend zurück.

„Vielleicht“, sagte Jim und stand auf. Er bemühte sich, seine Bewegungen hölzern und steif erscheinen zu lassen, und dann stand er vor dem Burschen, konnte ihn mit der Hand ergreifen, wenn er sie blitzschnell ausstreckte. „Wirklich sehr schade, wo du dir so viel Mühe gemacht hast.“

Aus Bunny Dulls Gesicht verschwand das Grinsen. Er leckte sich unentschlossen über die Lippen.

„Ich wünsche dir jedenfalls viel Glück“, sagte Jim. „Das Mädchen ist euch fortgelaufen, nicht wahr?“

„Ja. Sie weiß wohl nicht, dass uns niemand entgehen kann.“

„Sicher nicht.

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