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Postmodernismus in aller Kürze erklärt

Manfred Kopfer

Postmodernismus in aller Kürze erklärt

Skeptizismus und Sozialismus von Rousseau bis Foucault





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwort

Das vorliegende Buch basiert hauptsächlich auf dem in englischer Sprache erschienen "Explaining Postmodernism: Skepticism and Socialism from Rousseau to Foucault" von Stephen R.C. Hicks und stellt eine Zusammenfassung der darin vorgetragenen Erkenntnisse dar. Während diese Zusammenfassung versucht, in aller Kürze auf die wichtigsten Elemente der postmodernen Bewegung einzugehen, so ist Professor Hicks Buch als wissenschaftliche Abhandlung konzipiert und damit deutlich ausführlicher, detailreicher und versehen mit einer Vielzahl von Quellenverweisen.

Wer sich eingehender mit der Thematik beschäftigen möchte und über ausreichende Englischkenntnisse verfügt, der wird in Hicks Buch eine umfassende Aufarbeitung dieses Themas finden. Die Lektüre von "Explaining Postmodernism" ist sehr empfehlenswert. Aktuell gibt es leider keine deutsche Übersetzung des Buches, es soll aber eine geplant sein.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Das ist Postmodernismus

    Die postmodernen Vorreiter

    Modern und Postmodern

    Modernismus und Aufklärung

    Postmodernismus versus Aufklärung

    Postmoderne Ideen in der Wissenschaft

    Postmoderne Motive in der Kultur

    Warum Postmodernismus?

  

Kapitel 2: Die Gegenaufklärung - Der Angriff auf die Vernunft

    Aufklärung, Vernunft, Liberalismus und Wissenschaft

    Die Anfänge der Gegenaufklärung

    Kants skeptische Schlussfolgerung

    Kants problematischer Ansatz zu Empirismus und Rationalismus

    Kants Kernargument

    Kants wichtigste Annahmen

    Warum Kant den Wendepunkt markiert

    Nach Kant: Entweder Realität oder Vernunft, aber nicht beides

    Metaphysische Lösungen zu Kant: Von Hegel bis Nietzsche

    Dialektik und die Rettung der Religion

    Hegels Beitrag zum Postmodernismus

    Epistemologische Lösungen für Kant: Irrationalismus von Kierkegaard bis Nietzsche

    Zusammenfassung der irrationalistischen Themen

Kapitel 3: Das Ende der Vernunft im 20. Jahrhundert

    Heideggers Synthese der kontinentalen Tradition

    Das Aussetzen von Vernunft und Logik

    Emotionen als Schlüssel

    Heidegger und der Postmodernismus

    Positivismus und analytische Philosophie: Von Europa nach Amerika

    Vom Positivismus zur Analyse

    Die Neuausrichtung der Philosophie

    Wahrnehmung, Konzepte und Logik

    Vom Zusammenbruch des logischen Positivismus bis zu Kuhn und Rorty

    Zusammenfassung: Es entstand ein Vakuum, welches der Postmodernismus füllen konnte

    Erste These: Der Postmodernismus ist das Endergebnis der kantischen Epistemologie

Kapitel 4: Das Klima des Kollektivismus

    Von der postmodernen Epistemologie zur postmodernen Politik

    Die Antwort der Sozialisten auf die Krise des Sozialismus in Theorie und Praxis

    Zurück zu Rousseau

    Rousseaus Gegenaufklärung

    Rousseaus Kollektivismus und Etatismus

    Rousseau und die Französische Revolution

    Die Politik der Gegenaufklärung: Rechter und linker Kollektivismus

    Kant zu Kollektivismus und Krieg

    Herder über den multikulturellen Relativismus

    Fichte über die Bildung als Mittel der Sozialisierung

    Hegel über die Anbetung des Staates

    Von Hegel bis ins 20. Jahrhundert

    Rechter Kollektivismus gegen linken Kollektivismus im 20. Jahrhundert

    Der Aufstieg des Nationalsozialismus: Wer sind die wahren Sozialisten?

Kapitel 5: Die Krise des Sozialismus

    Marxismus und das Warten auf Godot

    Drei nicht eingetroffene Vorhersagen

    Der Sozialismus benötigt seine eigene Aristokratie

    Gute Nachrichten für den Sozialismus: Depression und Krieg

    Schlechte Nachrichten: Der liberale Kapitalismus erklimmt neue Höhen

    Noch schlechtere Nachrichten: Chruschtschows Enthüllungen und Ungarn

    Die Reaktion auf die Krise: Eine Anpassung der ethischen Standards des Sozialismus

    Vom Bedarf zur Gleichheit

    Von Wohlstand ist gut zu Wohlstand ist schlecht

    Die Reaktion auf die Krise: Die Veränderung der sozialistischen Epistemologie

    Marcuse und die Frankfurter Schule: Marx plus Freud - oder Unterdrückung plus Verdrängung

    Aufstieg und Fall des linken Terrorismus

    Vom Ende der Neuen Linken zum Postmodernismus

Kapitel 6: Die postmoderne Strategie

    Über die Verknüpfung von Epistemologie und Politik

    Demaskieren und Rhetorik

    Wenn die Theorie auf Fakten trifft

    Ein Postmodernismus im Stile Kierkegaards

    Wie Thrasymachos, nur andersherum

    Sich widersprechende Aussagen als politische Strategie

    Machiavellischer Postmodernismus

    Machiavellische rhetorische Diskurse

    Dekonstruktion als Bildungsstrategie

    Der ressentimentgeladene Postmodernismus

    Das Ressentiment in Anlehnung an Nietzsche

    Postmoderne Phantasien über das Ende der Menschheit

    Die Strategie des Ressentiments

    Post-Postmodernismus

Kapitel 1: Das ist Postmodernismus

 

These: Das Versagen der Epistemologie machte den Postmodernismus möglich und das Versagen des Sozialismus machte den Postmodernismus notwendig.

 

 

Die postmodernen Vorreiter

 

Nach allgemeiner Lesart hat ein neues intellektuelles Zeitalter begonnen. Wir sind nun postmodern. Führende Intellektuelle teilen uns mit, der Modernismus sei tot und auf diesen folgt nun eine revolutionäre Ära - eine Ära, die aufblühen kann, weil sie von den Fesseln der Vergangenheit befreit wurde.

Diese neue Ära weist einige beunruhigende Tendenzen auf, die nichts Gutes für die Zukunft verheißen. Allerdings müssen selbst die Gegner des Postmodernismus zugeben, dass die Bewegung das Neue und Spannende darstellt. Die intellektuelle Welt erlebte tatsächlich einen Wachwechsel hin zum Postmodernismus.

Es war Michel Foucault, der die zentralen Grundlagen des Postmodernismus festlegte: Die Analyse spricht eindeutig gegen die Existenz universeller Notwendigkeiten als Basis für die menschliche Natur. Daher gilt es, sich von sämtlichen Vorstellungen über Notwendigkeiten zu befreien, sie sind der Ballast der Vergangenheit. Vernunft, Wahrheit oder Wissen sind für den Postmodernismus völllig bedeutungslos.

Ganz ähnlich äußerte sich Richard Rorty. Die Postmoderne will weder die Wahrheit finden, noch will sie Erklärungen anbieten. Die Annahmen zu Wahrheit, Wissen und Vernunft sind in sich widersprüchlich und deswegen ist es dem Postmodernisten nur noch möglich, sich in ironischer Weise zu äußern.

Nach ihrer Lesart hat die Philosophie nichts mit dem echten Leben gemein. Vielmehr ist es genau jene Vorstellung der Existenz intrinsischer Werte, die der Postmodernismus überwinden will. Denn wenn es keine Welt und auch kein Selbst mehr gibt, das verstehen kann und sich verständlich machen kann, welchen Wert haben dann Gedanken oder Taten? Sind Vernunft und Wahrheit erst einmal dekonstruiert und damit aus der Welt, dann entspricht die Vernunft dem ultimativen Wahn, wie Foucault meint. Mit der Dekonstruktion, so pflichtet ihm Stanley Fish bei, verliert die Wahrheit ihren Wert und man muss nur noch interessant sein.

Viele Postmodernisten sind politische Aktivisten. Sie dekonstruieren Vernunft, Wahrheit und auch die Realität nur deshalb, weil sie glauben, dass die westliche Zivilisation der Welt ausgerechnet im Namen von Vernunft, Wahrheit und Realität Dominanz, Unterdrückung und Zerstörung gebracht hat. Für sie sind Vernunft und Macht das selbe und sie stehen für Gefängnisse, Verbote und Selektionsprozesse. Der Postmodernismus ist nicht dazu da, die Fundamente und Bedingungen der Wahrheit ergründen, sondern er ist eine Strategie zur Machtausübung zum Zweck des sozialen Wandels.

Laut Postmodernismus sind die Schrecken der Vernunft vor allem im Westen zu finden, wo Männer, Weiße und Wohlhabende die Macht fest im Griff haben und sie benutzen diese gnadenlos gegen Frauen, Minderheiten und Arme. Dieser Konflikt zwischen Männern und Frauen besteht aus nackter Brutalität und so setzt beispielsweise Andrea Dworkin Sex gleich mit einer Invasion. Frauen sind der Besitz des Mannes und dienen ihm sexuell und zur Fortpflanzung. Von Männern unterdrückt und gefickt werden ist eine Erfahrung, die fast alle Frauen teilen. Er besitzt sie; er fickt sie. Das Ficken konstituiert den Besitz: Er besitzt sie von außen wie von innen.

Auch die Armen erleiden Gewalt und zwar aus den Händen der Reichen und arme Länder leiden unter kapitalistischen Ländern. In den kapitalistischen Ländern selbst verläuft die Unterdrückung fast immer versteckt ab. Nur selten bekommen wir einen ehrlichen Einblick in ihren wahren Wesenskern. Und für diesen Einblick, so meint Foucault, müssen wir unsere Augen auf die Gefängnisse richten, da dies der einzige Ort ist, wo die Macht sich in ihrem nackten Urzustand manifestiert und exzessiv zutage tritt.

Den inspirierenden Funken und die philosophische Quelle des Postmodernismus, jenes Element, das die abstrakte Philosophie in politischen Aktivismus übersetzt, findet sich laut Jacques Derrida im Marxismus. Für ihn hatte der postmoderne Relativimus nie eine eigene Bedeutung oder eine eigene Absicht, sondern war immer nur eine Radikalisierungsmethode - als Spielart des Marxismus und im Geiste des Marxismus.

 

 

Modern und Postmodern

 

Postmodernisten bezeichnen sich selbst oftmals als antiphilosopisch in dem Sinne, da viele traditionelle Philosophien abgelehnt werden. Allerdings setzt jede Aussage oder Tat, etwa das Schreiben eines irgendwie gearteten postmodernen Traktats ein zumindest grundlegendes Konzept von Realität und Werten voraus. Und so kommt es, dass der Postmodernismus trotz der offiziellen Ablehnung aller möglicher abstrakter, universeller, fester und präziser Definitionen über einen konsistenten Rahmen mit Annahmen verfügt, innerhalb dessen sich alle postmodernen Gedanken und Taten abspielen.

Metaphysisch betrachtet ist der Postmodernismus antirealistisch, da es als unmöglich erachtet wird, sich in sinnvoller Weise über eine unabhängig existierende Realität zu äußern. Stattdessen postuliert der Postmodernismus eine Realität auf Basis sozio-linguistischer und konstruktivistischer Überlegungen. Epistemologisch betrachtet leugnet der Postmodernismus mit dem Ablehnen einer unabhängig und aus sich heraus existierenden Realität die Vernunft und jede andere Methode, die den Zweck hat, objektive Wahrheiten aus der Realität abzuleiten.

Postmoderne Annahmen der menschlichen Natur sind grundsätzlich kollektivistisch mit der Folge, dass sich die Identität des Einzelnen zum Großteil aus der jeweiligen Gruppenzugehörigkeit ableitet, wobei die Gruppe definiert sein kann hinsichtlich des Geschlechts, der Rasse, der Ethnie und des Wohlstandes.

Darüber hinaus sind Gruppenkonflikte zentral für die postmodernen Annahmen der menschlichen Natur. Angesichts der Abwesenheit oder gar der gänzlichen Abschaffung der Vernunft als Motiv geht der Postmodernismus davon aus, dass Konflikte in erster Linie mit Gewalt gelöst werden. Und dieses Gewaltprinzip wiederum führt zu Beziehungen, die geprägt sind von Dominanzdenken, Unterwerfung und Unterdrückung.

Der Begriff "postmodern" schließlich setzt die Bewegung historisch und philosophisch vom Modernismus ab. Daher ist das Verständnis dessen, wie sich die Bewegung in Abgrenzung zum Modernismus selbst sieht wichtig für die Einordnung des Postmodernismus.

 

 

Modernismus und Aufklärung

 

Die Grundlagen des Modernismus finden sich bei Francis Bacon (1561-1626) und Rene Descartes (1596-1650), vor allem aber bei John Locke (1632-1704), dessen Einfluss auf die Philosophie der Moderne umfassend war.

Bacon, Descartes und Locke lassen sich wegen ihres philosophischen Naturalismus, ihrer völligen Hinwendung zu Vernunft und Individualismus als modern einordnen, was insbesondere für Locke gilt. Moderne Denker orientieren sich zunächst immer an der Natur und nicht an etwas übernatürlichem wie es in der vormodernen, mittelalterlichen Philosophie normal war.

Für moderne Denker sind Erkenntnis und Vernunft die Basis für das Verständnis der Natur – im Gegensatz zur vormodernen Perspektive, die an Tradition, Glauben und Mystizismus orientierte. Moderne Denker betonen die menschliche Autonomie und die Fähigkeit des Menschen, einen eigenen Charakter zu entwickeln - im Unterschied zur vormodernen Annahme, wonach jeder die Ursünde in sich trägt.

Moderne Denker stellen das Individuum in den Mittelpunkt und sie sehen das Individuum als einen Teil der Realität, sie erachten die Gedanken des Individuums als souverän und weisen dem Individuum einen Wert zu - was im Kontrast steht zur vormodernen feudalen Unterordnung des Individuums unter politische, soziale oder religiöse Autoritäten.

Die moderne Philosophie entfaltete sich mit der Aufklärung. An die Stelle der vormodernen Weltanschauung rückte die konträre Weltanschauung der Aufklärung. Mit ihr wurden Vernunft und Objektivität zum neuen Leitmotiv erhoben, was im völligen Gegensatz zu Glauben, Mystizismus und dem intellektuellen Autoritarismus früherer Zeiten stand.

Stellt man in den Mittelpunkt, dass die Vernunft das Mittel zum Verständnis der Natur ist, dann resultiert die systematische Anwendung dieser Epistemologie in wissenschaftlichen Erkenntnissen. Individualismus und Wissenschaft sind damit eine direkte Konsequenz der Epistemologie der Vernunft.

Die systematische Anwendung von Individualismus und Wissenschaft hatte außerordentliche Konsequenzen. Ihre Anwendung auf die Politik brachte die liberale Demokratie, in der Ökonomie brachten sie freie Märkte und den Kapitalismus, im Bereich der Warenproduktion folgten Maschinenbau und Technologie und angewandt auf die Biologie brachten sie Fortschritte in der Medizin.

Die Philosophie der Moderne wurde im 18. Jahrhundert zum dominanten Weltbild und mit ihr wurde im Ergebnis jeder Einzelne freier, wohlhabender, hatte ein längeres Leben und genoss mehr materiellen Wohlstand als jemals zuvor in der Geschichte.

 

 

Postmodernismus versus Aufklärung

 

Der Postmodernismus lehnt die Aufklärung in ihrer Gesamtheit ab. Es wird der Standpunkt vertreten, dass die modernistischen Annahmen der Aufklärung nie haltbar waren, und dass die kulturellen Auswirkungen daraus inzwischen ihren Tiefstpunkt erreicht haben. Während die moderne Welt noch immer von Vernunft, Freiheit und Fortschritt spricht, so erzählen die Resultate daraus eine ganz andere Geschichte.

Der Angriff des Postmodernismus gegen die Aufklärung ist gegen deren Kern gerichtet – es werden ihre grundlegenden philosophischen Postulate angegriffen. Der Postmodernismus lehnt die hinter der Aufklärung stehenden Konzepte von Vernunft und Individualismus ab. Daher ist es nur logisch, dass der Postmodernismus alle Ergebnisse aus der Philosophie der Aufklärung attackiert, angefangen vom Kapitalismus über liberale Regierungsformen, bis hin zur Ablehnung von Wissenschaft und Technologie.

Die Grundlagen des Postmodernismus sind das genaue Gegenteil des Modernismus. Anstelle einer natürlichen Realität - eine Anti-Realität. Anstelle von Erfahrung und Vernunft - linguistischer Sozialsubjektivismus. Anstelle individueller Identitäten und persönlicher Autonomie - verschiedene Ismen rund um Rasse, Geschlecht und Klasse. Anstelle der Annahme menschlicher Interessen als grundsätzlich gleich, harmonisch und auf Gegenseitigkeit basierend - Konflikte und Unterdrückung. Anstelle die Werte des Individualismus zu schätzen - Aufrufe zu Verstaatlichung, Solidarität und Gleichmacherei. Anstelle die Errungenschaften von Wissenschaft und Technologie zu feiern - Distanz und offene Ablehnung.

 

 

Postmoderne Ideen in der Wissenschaft

 

Die postmoderne Literaturkritik lehnt die Annahme ab, wonach literarische Texte objektive Bedeutungen haben und wahre Interpretationen möglich sind. Objektivität und Wahrheit können grundsätzlich dekonstruiert werden. Literaturkritik ist nur noch ein Spiel, bei dem der Leser lediglich subjektive Eindrücke zum Gelesenen hinzudichtet. In einer anderen Version wird die Objektivität der Interpretation ersetzt durch die Annahme, dass jedes Buch bestimmt wird von der Rasse, dem Geschlecht oder einer anderen Gruppenmitgliedschaft des Autors.

Entsprechend wird es zur Aufgabe der Literaturkritik, den Text so zu dekonstruieren, dass Geschlecht, Rasse oder Klasseninteressen des Autors enthüllt werden.

Im juristischen Bereich wurde der postmoderne Rechtspragmatismus entwickelt, der sich von jeglichem universellen Ansatz für das Recht distanziert. Juristische Theorien sind lediglich nützlich in dem Sinne, als dass Anwälte und Richter verbale Überzeugungsmittel in die Hand bekommen. Und da die Nützlichkeit der Postmoderne eine subjektive und damit variable Eigenschaft ist, wurde das Recht zu einem der postmodernen Schlachtfelder. Ohne universell gültige Prinzipien für die Bestimmung dessen, was Recht ist, sind Argumente nur noch rein rhetorische Auseinandersetzungen, bei denen der Stärkere gewinnt.

Kritische Rechtstheoretiker wiederum tragen die postmodernen Kategorien von Rasse, Klasse und Geschlecht in den juristischen Prozess hinein. Laut diesen Theoretikern gibt es keine Grundlage für Konzepte wie den Rechtsrahmen oder Präzedenzfälle. Objektivität und Neutralität der Rechtsargumentation sind nichts anderes als ein Betrug, da alle gerichtlichen Entscheidungen grundsätzlich subjektiv sind und bestimmt werden von subjektiven Präferenzen.

Im Westen ist das Recht laut Postmodernismus zu lange schon ein Deckmantel zur Durchsetzung weißer männlicher Interessen. Das einzige Gegenmittel gegen dieses Gift ist eine genauso harte Umsetzung der Annahme, dass es ausschließlich subjektive Interessen historisch unterdrückter Gruppen gibt.

Im Bildungsbereich lehnt der Postmodernismus die Annahme ab, dass die Aufgabe von Bildung in erster Linie darin liegt, bei Kindern die geistigen Fähigkeiten zur Anwendung von Vernunft auszubilden, damit sie einmal ein produktives und unabhängiges Erwachsenenleben führen können. Diese Perspektive auf die Bildung wird ersetzt durch die Annahme, dass mit der Bildung einem relativ unbestimmten Wesen eine soziale Identität gegeben wird. Da Bildung vor allem über die Linguistik vermittelt wird, gilt es über die Sprache bei den zu bildenden Kindern eine Sensibilität für die rassische, sexuelle und Klassenidentität zu schaffen.

Das heutige Bildungssystem reflektiert vor allem die Interessen der Mächtigen, so ihr Vorwurf. Es gilt daher, die von der Unterdrückung durch Weiße, Männer und Reiche zulasten aller anderen Gesellschaftsgruppen geprägte Bildung zu revolutionieren. Die Neutralisierung dieser Art der Bevorzugung kann nur über einen völligen Umbau der Bildungspraxis erreicht werden. Die postmoderne Bildung priorisiert daher Nichtweiße, Mädchen und Arme, und gleichzeitig betont sie die historischen Verbrechen von Weißen, Männern und Reichen. Die Schüler sollen lernen, dass die wissenschaftliche Methode in keiner Weise besser ist als jeder andere Ansatz, und daher sollen Schüler auch alternative Formen der Wissensaneignung akzeptieren lernen.

 

 

Postmoderne Motive in der Kultur

 

Die allgemeinen wissenschaftlichen Motive des Postmodernismus fließen auch in spezifische kulturelle Debatten ein.

 

  • Ob der westliche Kanon der besten Bücher das Ergebnis einer Bestenauswahl ist und eine facettenreiche Debatte reflektiert - oder ob er ideologisch eng gefasst, ausschließend und intolerant ist.

  • Ob Christopher Columbus ein moderner Held ist, der zum gegenseitigen Vorteil zwei Welten zusammenbrachte - oder ob er ein rücksichtsloser, blasierter europäischer Imperialist war, der den indigenen Völkern eine europäische Religion und deren Werte aufzwang.

  • Ob die Vereinigten Staaten von Amerika fortschrittliche Ideale hinsichtlich Freiheit, Gleichberechtigung und Chancen für Jedermann vertreten - oder ob sich bei dem Land um ein sexistisches und rassistisches Klassensystem handelt.

  • Ob unsere Programme zur Minderheitenförderung den Wunsch reflektieren, gegenüber allen fair zu sein - oder ob diese Programme nicht mehr sind als ein zynisch hingeworfener Knochen, um von sich behaupten zu können, dass man hilft.

  • Ob soziale Konflikte entschärft werden, indem der Einzelne gemäß seiner Meriten beurteilt wird - oder ob Gruppenidentitäten das bestimmende Maß sind.

  • Ob sich das Leben im Westen mit jeder Generation verbessert und der Wohlstand steigt - oder ob die Unterschicht im Stich gelassen wird und dies von der totalen Konsumkultur verdeckt wird.

  • Ob der liberale Westen den Rest der Welt in eine bessere Zukunft führt - oder ob der Westen andere Länder unterjocht und deren Kulturen vernichtet.

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