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Affäre mit dem Feind

1. KAPITEL

Tempest Lambert, von der Boulevardpresse gern und häufig als Partygirl bezeichnet, stand betont ruhig und konservativ gekleidet im Foyer ihres Wohnkomplexes und bemühte sich, ihre Nervosität im Zaum zu halten. Es war albern. Sie hatte schon Staatsoberhäuptern und anderen Berühmtheiten den Kopf verdreht. Ihr lag die Welt zu Füßen. Aber ein bestimmter Mann schaffte es noch immer, sie in ein Nervenbündel zu verwandeln.

Der von einem Chauffeur gesteuerte Wagen ihres Vaters hielt pünktlich um neunzehn Uhr fünfunddreißig vor ihrem Haus. Normalerweise wäre Tempest selbst zum Galadinner der Leukämie-Stiftung gefahren, aber ihr Vater hatte sie persönlich sprechen wollen. Und dies war der einzige Termin, den er für sie frei gehabt hatte.

Also bemühte Tempest sich, zu lächeln und so zu tun, als wäre das Ganze keine große Sache. Und als ihr Vater sich nicht die Mühe machte, aus dem Wagen zu steigen, um sie zu begrüßen, hatte sie das dumme Gefühl, dass es für ihn tatsächlich keine große Sache war.

„Guten Abend, Miss Lambert.“

„Guten Abend, Marcus.“

Der nicht mehr ganz junge Chauffeur war seit fast zwanzig Jahren bei ihrem Vater beschäftigt. Er schenkte ihr ein warmherziges Lächeln. „Sie sehen heute Abend wieder mal wunderhübsch aus.“

„Danke“, erwiderte sie. Sie freute sich über das Kompliment und spürte, wie sie allmählich ruhiger wurde. Dies war ihr Abend. Sie hatte gerade ein ziemlich unerfreuliches PR-Problem für Tempest’s Fashion aus der Welt geschafft. Ihr Vater hatte ihr sogar eine E-Mail geschickt, in der er ihr zu der guten Arbeit gratuliert hatte. Es war die erste E-Mail, die er ihr je geschickt hatte.

Marcus hielt ihr die Wagentür auf, und Tempest glitt auf den Rücksitz. Ihr Vater telefonierte und schaute nicht einmal auf, als Marcus die Tür hinter ihr schloss.

Tempest versuchte, sich in den komfortablen Ledersitzen des teuren Mercedes zu entspannen. Der Chauffeur saß vorn und war so gut wie unsichtbar für sie und ihren Vater. Sie war nicht nervös. Okay, vielleicht ein wenig. Es war schon lange her, dass sie auf die Zustimmung ihres Vaters gehofft hatte. Immerhin war sie mittlerweile achtundzwanzig und stand auf eigenen Füßen.

August Lambert, der Begründer und Geschäftsführer der Firma Tempest’s Fashion, war ein imposanter Mann. Er maß fast einen Meter neunzig und war Tempest stets riesig vorgekommen, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war. Mit seiner Kette von exklusiven Bekleidungsgeschäften, die er in den Siebzigerjahren eröffnet und nach seiner Tochter benannt hatte, hatte er Amerika in gewisser Weise revolutioniert: Das Modebewusstsein der Amerikaner veränderte sich drastisch.

Er beendete sein Telefonat und machte sich eine Notiz in seinem Terminkalender, bevor er Tempest anschaute. Das Schweigen zwischen ihnen dauerte an, während er ausgiebig ihr Gesicht musterte. Sie fragte sich, was er wohl sah, wenn er sie anschaute.

Einige Leute meinten, sie wäre ein Ebenbild ihrer Mutter, doch Tempest hatte das nie wirklich geglaubt. Ihre Mutter war eine der schönsten Frauen gewesen, die sie, Tempest, je gesehen hatte. Und wenn sie sich selbst im Spiegel sah, fand sie sich nicht schön.

„Danke, dass du dich mit mir getroffen hast“, sagte August.

„Kein Problem. Worüber wolltest du mit mir sprechen?“

„Ich habe Charles Miller befördert.“

Ihr Vater hielt nichts von Small Talk und redete auch nicht gern um den heißen Brei herum. Neuigkeiten wurden von ihm schonungslos und ohne Rücksicht auf Verluste verkündet. Neuigkeiten, die Tempest … na ja … nicht erwartet hatte.

„Charlie Miller? Das soll ein Scherz sein, oder?“ Verdammt, sie hatte doch ruhig und gelassen bleiben wollen.

„Er ist der richtige Mann für den Job.“

Sie warf ihrem Vater einen prüfenden Blick zu – so, wie sie es sich von ihm abgeschaut hatte. „Bitte sag mir nicht, dass du ihn befördert hast und nicht mich, nur weil ich eine Frau bin.“

„Tempest, ich bin kein Sexist.“

Das wusste sie. Sie griff nur nach Strohhalmen, um eine Erklärung für diese Ungeheuerlichkeit zu finden. „Ich bin mir nicht sicher, Vater. Du weißt genau, dass ich mehr Erfahrung als Charlie habe und besser qualifiziert bin.“

August seufzte und rieb sich den Nacken. Er starrte zum Fenster hinaus auf die Uferpromenade des Sees. Tempest liebte Chicago, doch manchmal wünschte sie, es wäre nicht so. Denn dann könnte sie ihren Vater und Tempest’s Fashion einfach hinter sich lassen.

Ihr Vater schien so unnahbar, so einsam, obwohl nur wenige Zentimeter Platz zwischen ihnen waren.

Und sie spürte, wie die Distanz zwischen ihnen größer wurde. Egal, was sie tat, niemals konnte sie seine Anerkennung bekommen. Ganz zu schweigen von seinem Respekt. Okay, in ihrer Teenagerzeit und mit Anfang zwanzig hatte sie die eine oder andere Verrücktheit begangen, aber musste ihr Vater ihr dieses Verhalten für den Rest ihres Lebens vorhalten?

„Ich habe in letzter Zeit nichts getan, um die Aufmerksamkeit der Presse auf mich zu lenken“, sagte sie bemüht ruhig. Der Job in der PR-Abteilung bei Tempest’s Fashion war zu ihrem Lebensinhalt geworden – sie war nicht länger ein Partygirl, sondern hatte sich zu einer erfolgreichen und ehrgeizigen Geschäftsfrau entwickelt. Ein Umstand, den selbst ihr Vater inzwischen hätte registrieren müssen.

„Vor nicht einmal einer Woche erschien ein Artikel über dich und Dean Stratford in der Hello!. Daneben waren ein paar Fotos von euch beiden in eurem Liebesnest abgedruckt.“

„Vater, ich bitte dich. Du weißt genau, dass zwischen mir und Dean nichts ist. Er versucht gerade, von seiner Alkoholabhängigkeit loszukommen, und braucht die Unterstützung seiner Freunde.“

August schaute sie an. „Es ist völlig unerheblich, was ich weiß. Die Leute denken, dass du flatterhaft bist und nichts als Partys im Kopf hast.“

Sie traute ihren Ohren nicht. „Der Vorstand weiß, dass das nicht stimmt.“

August rieb sich die Hände, bevor er sie in seinem Schoß faltete. „Mir ist wichtiger, was die Öffentlichkeit denkt.“

Dagegen konnte Tempest nichts einwenden. Fast bedauerte sie es, nicht widersprechen zu können, doch sie hatte sich schon vor langer Zeit geschworen, sich nicht für ihr Handeln zu entschuldigen. Obwohl sie von der Öffentlichkeit meist falsch eingeschätzt wurde, wusste sie, dass sie immer nur nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hatte.

„Ich denke, dass wir das Bild geraderücken können. Ich arbeite jetzt schon seit Längerem für die Kinderstiftung, und das hilft meinem Image.“

„Das genügt nicht, Tempest. Tempest’s Fashion stehen schwierige Zeiten bevor.“

„Was für schwierige Zeiten?“, hakte sie nach. Da sie in der PR-Abteilung arbeitete, richtete sich ihr Augenmerk eher auf das Image als auf die blanken Zahlen. Aber sie hatte keinerlei Anzeichen von Problemen wahrgenommen.

„Nichts worüber du dir Sorgen machen müsstest.“

„Ich bin bei Tempest’s Fashion angestellt, Vater. Natürlich mache ich mir Sorgen um die Firma. Sag mir, was los ist.“ Noch mehr Sorgen machte sie sich allerdings um ihren Vater. Ihn zu verlieren war immer ihre größte Angst gewesen. Und wenn es Tempest’s Fashion eines Tages nicht mehr geben sollte, dann bliebe ihm nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnte.

„Es geht um Renard Investments.“

Schon wieder? Gavin Renard hatte es auf Tempest’s Fashion abgesehen, seit er vor zehn Jahren in der Investment-Szene aufgetaucht war. Ständig versuchte er eine Übernahme zu erwirken.

„Und Charlie ist der bessere Vizepräsident, um dir im Kampf gegen Renard Investments zu helfen?“, fragte sie vorsichtig.

„Ja. Ich brauche einen PR-Chef, der uns eine gute Presse verschafft.“

„Die Artikel über mich sorgen auch für Presse“, murmelte sie.

„Aber nicht die Art von Presse, die mir vorschwebt.“

„Vater, bitte.“

Sie hatte ihr Leben lang versucht, dafür zu sorgen, dass niemand sie bemitleidete. Armes, kleines reiches Mädchen, hatte es anfangs geheißen. Stattdessen hatte sie ihr Leben für eine Weile zu einer großen Party gemacht, und jetzt musste sie dafür bezahlen, wie es schien. Dabei war sie auf Vassar gewesen und hatte ihren Abschluss gemacht. Natürlich waren auch ihr die Gerüchte zu Ohren gekommen, die damals kursierten. Demnach hatte ihr eine Affäre mit dem Dekan zu einem guten Abschluss verholfen. Aber sie wusste, sie hatte ihre Arbeit gut gemacht, und Stan, der Dekan, hatte keinerlei Einfluss auf ihre Noten gehabt.

Tempest schlug die Beine übereinander und genoss das Gefühl, das die weiche Seide ihres Valentino-Kleides auf der Haut hinterließ. Aus dem Augenwinkel heraus betrachtete sie ihren Vater.

Er seufzte, und damit hatte sie ihre Antwort. Warum sie überrascht war, konnte sie nicht verstehen. Sie ärgerte sich, dass sie noch immer etwas von ihm wollte, das er ihr niemals geben konnte.

„Es tut mir leid, Tempest. Ich habe mich entschieden.“

„Ändere deine Entscheidung“, forderte sie ihn auf und begann langsam wütend zu werden, obwohl sie sich mit aller Kraft dagegen wehrte. Verzweifelt bemühte sie sich, genauso gelassen und ruhig zu bleiben wie ihr Vater.

„Ich denke, wir haben die Sache geklärt.“

„Noch nicht. Ich möchte, dass du mir genau sagst, warum ich nicht befördert wurde.“

Er schaute sie direkt an. „Du bist nicht verantwortungsbewusst genug. Ich traue dir diesen Job nicht zu.“

Die Worte schmerzten mehr, als sie erwartet hatte. Und sie spürte, dass ihr Tränen in die Augen traten, doch sie würde in Gegenwart ihres Vaters nicht weinen. Das hatte sie noch nie getan. Sie wusste, dass er das als eine typisch weibliche List ansah, mit der man Männer manipulieren konnte.

„Ich denke, dann kann ich nicht weiter für dich arbeiten.“

„Das ist deine Entscheidung, Tempest.“

„Nein, Vater, deine.“

Gavin Renard ließ seinen Blick durch den überfüllten Ballsaal schweifen, bis er plötzlich Tempest Lambert erkannte. Das Partygirl war von einer Gruppe Menschen umringt und sah nicht so aus, wie Gavin es erwartet hatte. Er war Tempest noch nie persönlich begegnet, obwohl sie vermutlich schon häufiger die gleichen Veranstaltungen besucht hatten. Um ehrlich zu sein, bisher hatte er ihr noch nie viel Beachtung geschenkt … bis heute. Vielleicht lag es daran, dass sie sich sofort von ihrem Vater getrennt hatte, als beide in den Saal gekommen waren.

Auf den Fotos, die Gavin von ihr gesehen hatte, war sie ihm zu dünn erschienen, ihr Mund wirkte schmal, ihre Augen ausdruckslos. Als er sich jetzt durch die Menge drängte, um einen besseren Blick erhaschen zu können, bemerkte er, dass ihre großen blauen Augen heute nicht ausdruckslos waren. In ihnen loderte etwas wie Leidenschaft oder Wut.

Sie war auch nicht so erschreckend dünn, wie sie auf den Fotos gewirkt hatte. Schon als er sie auf der Titelseite von People gesehen hatte, hatte er sie für eine attraktive Frau gehalten, aber in Wirklichkeit strahlte sie eine Schönheit aus, die ihn sprachlos machte.

Tempest Lambert war die Tochter seines Feindes. Also kannte er die Einzelheiten ihres Lebens. Er wusste, dass ihre Mutter an Brustkrebs gestorben war, als Tempest gerade erst sechs Jahre alt gewesen war. Danach war Tempest in ein Internat in die Schweiz geschickt worden und eine ausgezeichnete Schülerin gewesen. Doch mit achtzehn hatte sie das Vermögen ihrer Großeltern geerbt und die Schule verlassen.

Sie hatte sich in das europäische Partyleben gestürzt und keinen Blick zurückgeworfen. Sechs Jahre lang hatte sie ein wildes Leben geführt, ohne Rücksicht auf irgendetwas oder irgendjemanden zu nehmen. Es hatte Gerüchte über Affären mit verheirateten Männern gegeben, skandalöse Fotos in sämtlichen Zeitungen auf dem europäischen Kontinent und hin und wieder auch in den Vereinigten Staaten.

Dann hatte sie dem Partyzirkus den Rücken gekehrt, war in die Staaten zurückgegangen und hatte das College besucht. Der Bericht, den er über ihre Zeugnisse gelesen hatte, deutete darauf hin, dass sie eine ausgezeichnete Studentin gewesen war. Aber wenige Wochen vor dem Abschluss war sie wieder einmal in einen Skandal verwickelt gewesen, als Fotos von ihr und dem Dekan in einer Lokalzeitung erschienen.

Tempest schaute auf und ertappte ihn dabei, wie er sie anstarrte. Er hob eine Augenbraue, wandte den Blick aber nicht ab.

„Was tust du da?“

Ohne den Blick von Tempest zu lösen, antwortete Gavin auf die Frage seines Bruders Michael: „Mit einer hübschen Frau flirten.“

„Sie ist tabu, Gavin. Es sei denn, du hast deine Meinung geändert …“

„Habe ich nicht.“ Er würde seine Meinung niemals ändern, wenn es darum ging, August Lamberts Firma zu übernehmen. August war der Grund dafür, dass Gavin so erfolgreich war. Der Grund, warum er sich und seine Angestellten immer weiter angetrieben hatte, bis seine Firma zu den besten und erfolgreichsten im Land zählte. Der Grund, warum er heute Abend hier war.

Seit er alt genug war, um zu verstehen, wie die Geschäftswelt funktionierte, hatte Gavin gewusst, wer August Lambert war. Anfangs hatte er den Mann noch für das bewundert, was er zustande gebracht hatte, aber nachdem er Augusts Methoden am eigenen Leib zu spüren bekommen hatte, war seine Bewunderung in Ablehnung umgeschlagen.

Er würde niemals die Aufregung vergessen, die er verspürt hatte, als er erfuhr, dass August Lambert einen seiner innovativen Tempest’s-Fashion-Läden in seiner, Gavins, Heimatstadt eröffnen würde. Damals hatte er die Wut seines Vaters auf diesen Mann nicht verstehen können, und mit der für einen Zwölfjährigen typischen Verachtung hatte er auf seinen Vater und dessen Kleinstadtmentalität herabgeblickt.

Aber schon nach kurzer Zeit, als das Leben, das sein Vater für die Familie aufgebaut hatte, zerstört wurde, begann Gavin zu verstehen, warum sein Vater Lambert hasste. Schon bald verspürte auch Gavin Hass auf den Mann und sann auf Rache für das, was dieser seiner Familie angetan hatte. Die Eröffnung des Tempest’s-Fashion-Ladens hatte nach und nach all die kleineren Geschäfte aus der Hauptstraße verdrängt. Gavin hatte zusehen müssen, wie sein Vater um das Überleben der kleineren Läden kämpfte und sogar August Lambert um Hilfe bat. Doch Lambert hatte ihm jede Hilfe verwehrt.

„Natürlich hast du deine Meinung nicht geändert“, erklärte Michael in einem Ton, der Gavin aufhorchen ließ.

„Was meinst du damit?“

„Ich meine nur, dass du dich nicht mit Tempest Lambert einlassen solltest, schließlich arbeitet sie für die Firma, die wir übernehmen wollen.“

Gavin schaute Michael an. „Seit wann brauche ich deine Ratschläge?“

Michael versetzte ihm einen Stoß zwischen die Rippen. „Brüderchen, du brauchst immer Rat, wenn es um dein Privatleben geht.“

„Sicher. Ich glaube, Melinda versucht, deine Aufmerksamkeit zu erregen.“

Michael stöhnte leise, drehte sich aber zu der Frau um, mit der er seit vier Jahren mal mehr, mal weniger eng liiert war.

„Wann wirst du sie heiraten?“

„Wenn du anfängst, auf meine Ratschläge zu hören.“

„Niemals?“

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Michael wahrheitsgemäß. „Okay, wir sehen uns noch, Gavin. Denk dran, was ich gesagt habe.“

„Bis später, Michael.“

Während sein Bruder davonschlenderte, sah Gavin, dass Tempest nicht mehr bei den anderen Gästen stand. Die Türen zum Bankettsaal, in dem das Essen serviert wurde, öffneten sich gerade, doch statt mit den anderen hineinzueilen, blieb Gavin stehen, in der Hoffnung, noch einen Blick auf Tempest werfen zu können.

Auf einmal spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Lange, manikürte Finger lagen auf dem schwarzen Stoff seiner Smokingjacke. Ein süßlicher, erotischer Duft hing in der Luft, und als er über die Schulter blickte, sah er Tempest.

„Oh, hallo“, sagte er.

„Ich sah, wie Sie mich beobachtet haben.“

„Tatsächlich …“

„In manchen Kulturen wird solch ein offensichtliches Anstarren als grobe Unhöflichkeit angesehen.“

„Und?“

Sie ging um ihn herum und blieb vor ihm stehen. „Und ich glaube, wir wurden einander noch nicht vorgestellt.“

„Gavin Renard.“

„Ah.“

„Also haben Sie schon von mir gehört.“

„Kann sein“, erwiderte sie, und ihre Augen funkelten. Sie nippte an ihrem Drink. „Ich bin Tempest Lambert.“

„Ich weiß, wer Sie sind.“

„Wegen Ihres Geschäftsinteresses an Tempest’s Fashion?“

Ihre Offenheit überraschte ihn. Allerdings wusste er nicht, warum. „Unter anderem.“

Noch einmal nippte sie an ihrem Drink und neigte dann den Kopf zur Seite. „Sie sollten nicht alles glauben, was man über mich schreibt, Mr. Renard.“

Die Sinnlichkeit, die sie ausstrahlte, war unglaublich anziehend. „Das tue ich auch nicht.“

Sie hob die Hand und berührte sein Kinn. Ihre Fingerspitzen glitten sanft über seine Haut. „Gut. Ich möchte Ihnen ein Angebot machen.“

„Das kling äußerst verlockend.“

„Nicht diese Art von Angebot.“

„Ein Mann kann doch hoffen, oder?“

Sie wandte sich ab, ihre Augen funkelten leidenschaftlich.

Interessant.

„Worin besteht Ihr Angebot?“, fragte er.

„Ich bin zurzeit arbeitslos, Gavin. Hätten Sie nicht einen Job für mich?“

Allein der Klang seines Namens aus ihrem Mund ließ sein Herz höher schlagen und das Blut in seinen Adern rauschen. Was würde er erst dafür geben, sie seinen Namen sagen zu hören, wenn sie in seinem Bett lag, erschöpft vom leidenschaftlichen Sex mit ihm … „Nein.“

Sie seufzte. „Ich bin eine gute PR-Managerin, und ich glaube, dass ich für Ihre Firma ein Gewinn wäre.“

„Ich kann Sie nicht einstellen.“ Er überlegte, ob August seine Tochter dazu gedrängt hatte, sich bei Renard Investments um einen Job zu bewerben, vielleicht mit der Absicht, sie als Spionin einzusetzen.

„Sagen Sie nicht sofort Nein. Noch nicht. Lassen Sie mich morgen in Ihr Büro kommen und mit Ihnen sprechen. Wenn Sie meine Referenzen gesehen haben, überlegen Sie es sich vielleicht anders.“

Er berührte ihren Arm. Himmel, ihre Haut war so glatt und weich. Er zog sie fort von der Menschenmenge in einen ruhigeren Teil des Saales. Widerstandslos folgte sie ihm.

Als sie mehr oder weniger allein waren, blieb er stehen, und sie lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand. Sie sah ihn auf eine Weise an, die ein eindeutiges Interesse zu signalisieren schien.

„Spielen Sie nicht mit mir, Tempest.“

„Tue ich nicht“, erwiderte sie leise.

Aber er wusste, dass sie genau das tat. Gavin missfiel der Gedanke, dass er den Reizen der Tochter seines ärgsten Feindes erliegen könnte. Er fürchtete, dass August womöglich den wunden Punkt in seiner ansonsten undurchdringlichen Fassade gefunden hatte. Aber welcher Mann würde seine Tochter auf diese Weise benutzen?

Gavin war zwischen Misstrauen und Verlangen hin- und hergerissen. Schließlich gab er seinem Verlangen nach. Er beugte sich zu Tempest hinunter. Dabei kam er ihr so nahe, dass er sehen konnte, dass sich das Blau ihrer Augen aus vielen unterschiedlichen Schattierungen zusammensetzte und von den dichten langen Wimpern noch betont wurde.

Und erst ihr Mund! Ihre Lippen waren voll und einladend, und als sie sie mit der Zunge befeuchtete, erinnerte er sich auf einmal daran, wie lange er schon keine Frau mehr in den Armen gehalten hatte.

Aber er konnte Tempest nicht trauen. Das Beste wäre vermutlich, wenn er sie abschreckte, indem er ihr ganz direkt Avancen machte. Nach dem, was er über sie gelesen hatte, umgab sie sich normalerweise mit verwöhnten und verhätschelten jungen Männern, die es sich auf Kosten ihrer Familien gut gehen ließen.

„Gavin?“

„Ich brauche Sie nicht in meiner PR-Abteilung … aber …“, begann er.

„Sagen Sie es nicht“, warnte sie ihn.

Er brauchte seine Bitte nicht auszusprechen. Stattdessen zog er sie einfach ein wenig näher und senkte den Kopf. Sie erschauerte leicht, als sein Atem über ihre Haut strich, und auch er wurde von einer Welle der Erregung erfasst.

„Es ist offensichtlich, dass wir uns zueinander hingezogen fühlen“, flüsterte er.

Sie zog sich von ihm zurück. „Ich finde Sie tatsächlich attraktiv, was überhaupt keinen Sinn ergibt.“

Himmel, als wenn er das nicht selbst wüsste. Aber er wollte Tempest. Mehr als gut für ihn war. Es war eine völlig unlogische und irrationale Empfindung, doch sie fühlte sich so überaus gut an.

Zu gut. Anscheinend wachte er langsam aus dem tiefen Winterschlaf auf, in dem er und auch seine Hormone sich befunden hatten, während er sich auf seinen Rachefeldzug konzentriert hatte. Auf Tempests Miene zeichnete sich ein Anflug von Traurigkeit ab und die Art von Entschlossenheit, die ihn fast um den Verstand brachte.

Er sah, dass sie bei seinen Worten errötet war. Sie straffte die Schultern, und ihre Brüste hoben sich ihm einladend entgegen.

Er streichelte ihr die Wange. Ihre Haut war weicher als ein Pfirsich. Langsam senkte sie die Lider, während er ihr Gesicht erkundete. Sanft strich er über ihre Lippen, die sich unter seiner Berührung öffneten.

Sie lehnte den Kopf zurück und schwankte ein ganz klein wenig in seine Richtung. Diese Frau strahlte eine Art von Überheblichkeit aus, die ihn faszinierte. Er wollte sie in die Arme nehmen und sehen, was von ihrem Stolz blieb, nachdem er stürmisch ihren Mund erobert hatte.

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich bin nicht an einer Affäre, sondern an einem Job interessiert, Gavin.“

Einstellen konnte er sie unter keinen Umständen, aber er wollte auch nicht, dass Tempest einfach wieder verschwand. Und genau das würde sie tun, wenn er sie jetzt abwies. „Ich kann Ihnen morgen um elf Uhr einen Termin geben.“

„Wunderbar. Machen Sie sich auf eine Überraschung gefasst“, sagte sie, warf den Kopf in den Nacken und ging davon.

2. KAPITEL

Tempest hatte sich für das Vorstellungsgespräch bei Gavin Renard besonders sorgfältig gekleidet. Ihr schwarzes Chanel-Kostüm war ein Klassiker. Sie trug es gern, denn es vermittelte ihr ein Gefühl von Sicherheit. Dazu hatte sie ultradünne französische Nylonstrümpfe und elegante Ferragamo-Schuhe angezogen.

Trotzdem war sie nervös. Ihre Hände zitterten, als sie an dem Kaffee nippte, den Gavins Sekretärin Marilyn ihr eingeschenkt hatte. Es missfiel ihr, dass ihre Nervosität so offensichtlich war, und sie versuchte, im Geist noch einmal durchzugehen, was sie zu Gavin sagen wollte.

Allerdings dachte sie dabei nicht nur an den Job, den Gavin ihr geben könnte, sondern auch an Gavin Renard als Mann, und das machte sie noch nervöser. Es war eine Sache, ihn als den Mann zu sehen, der ihr dabei helfen sollte, ihrem Vater begreiflich zu machen, dass er eine gute Angestellte verloren hatte. Aber es war eine ganz andere Sache, wenn dieser Mann ihre Pläne durcheinanderbrachte. Um ehrlich zu sein, einen richtigen Plan hatte sie nicht gehabt, als sie gestern Abend zu Gavin hinübergegangen war. Sie hatte einfach nur den Mann treffen wollen, der ihrem Vater so viele Probleme bereitete. Und sie hatte sehen wollen, ob er ihr nützlich sein könnte, damit ihr Vater sie vielleicht doch noch für die Beförderung in Betracht zog. All diese Gedanken hatten sich jedoch in Luft aufgelöst, als sie gemerkt hatte, wie sehr sie sich zu Gavin hingezogen fühlte.

„Miss Lambert?“

„Ja?“

„Mr. Renard kann Sie jetzt empfangen.“

Lächelnd dankte sie der Sekretärin und stellte die Kaffeetasse auf den Tisch. Nachdem sie noch einmal tief Luft geholt hatte, stand sie auf. Ihre Mutter hatte ihr immer geraten, sich Zeit zu lassen. Es wäre besser, zu spät, aber gut vorbereitet zu kommen als pünktlich und unvorbereitet.

Zur Aufmunterung dachte sie an das Lied „Welcome to the Jungle“ von Guns N’ Roses, bevor sie ihre Aktentasche nahm und in Gavins Büro ging.

Gavin, der am Schreibtisch gesessen hatte, erhob sich, als sie eintrat. Die Farbe seines Hemdes, ein dunkles Blau, ließ seine grauen Augen im Bürolicht noch leuchtender erscheinen. Er war größer, als sie ihn erinnerte, doch dann fiel ihr ein, dass sie am Abend vorher Schuhe mit sehr hohen ...

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