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Aldi, Sex & Rock`n Roll

Inhalte

  1. Aldi, Sex und Rock ‘n‘ Roll
  2. Tina, Ketchup und der Reißverschluss
  3. Treffen im Log In
  4. Abschied und Jack taucht auf
  5. Timmendorfer Strand, Jack und Alter Schwed
  6. Kleine Maus, Dessous und Spielzeug
  7. Weihnachtsstress, Selbsttest und kleines M
  8. Überraschung im Dezember
  9. Heiligabend, Raketen und Emotionen
  10. Zuckerschnäuzchen und Happy Hour
  11. Puschel und Begegnungen

„Furchtbar die Vorstellung, so durchs Leben humpeln zu müssen. Jetzt weiß ich, was es heißt, eine Frau zu sein.“

(Johnny Depp über seine Rolle in dem Film „Ed Wood“)

Mein Dank gilt allen, die mich bei diesem Buch tatkräftig unterstützt haben – insbesondere meiner besten Freundin Heidi, die immer für mich da war wenn die Ideen ausgingen, oder sich die Zeit nahm, mir bei den telefonischen Lesungen aufmerksam zuzuhören.

Nadja Böhnke

Aldi, Sex und Rock ‘n‘ Roll

Ein ganz normaler Freitag im November. Das helle Licht des Laptops brannte in meinen Augen. Raum und Zeit vergessend, trieb ich mich in der digitalen Welt herum, auf der Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken für die Familie.

Draußen wurde es bereits dunkel. Der kalte Novemberregen prasselte laut gegen die Fensterscheiben. Vorsorglich hatte ich eine Eieruhr gestellt, die ständig tick, tack, tick, tack machte. Sobald sie klingelte, war es an der Zeit, aufzustehen und die Pfandflaschen für den Aldi-Einkauf aus dem Keller zu holen.

Dazu sollte es aber nicht mehr kommen, denn mein Göttergatte Fred erschien an diesem Tag früher zu Hause. Das Öffnen und Schließen der Haustür war nicht zu überhören.

„Hallo, keiner zu Hause? Schatz, wo bist du?“, rief Fred.

„Ich komme gleich! Einen kleinen Moment!“, rief ich zurück.

Wie die Zeit verging! Fred war zehn Minuten zu früh dran. Meine Planung geriet durcheinander. Normalerweise lief ich ihm zur täglichen Begrüßung umarmungsbereit entgegen. Sein vorzeitiges Aufschlagen war absolutes Neuland für mich. Damit muss man erst mal umgehen können, und das in kürzester Zeit!

„Hast du die Flaschen schon aus dem Keller geholt?“, rief er erneut.

„Nein, habe ich nicht!“, antwortete ich genervt.

Was zehn Minuten ausmachten? Und welchen Stress das in mir auslöste. Hach, dieser Mann konnte mich wahnsinnig machen. Sollte ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, nur weil ich nicht geahnt hatte, dass er heute früher nach Hause kommt? Nein, musste ich nicht. Er konnte froh sein, dass sich überhaupt jemand um die Weihnachtsgeschenke kümmerte.

Doch denken und sagen sind bei mir zwei unterschiedliche Bereiche. Aus reinem Selbstschutz blieb ich lieber beim Denken. Vor dem anstehenden Wochenende eine unnötige Diskussion mit Fred zu führen? Nein danke, dazu hatte ich keine Lust.

Der einzige Vorteil bestand darin, dass wir eventuell zehn Minuten früher zu Hause wären.

Schnell steuerte ich mit der Maus auf das Kreuz zum Schließen der Seite und schlug den Deckel des Laptops beherzt zu. Ein kräftiger Ruck am Kabel löste die Verbindung zwischen Stecker und Steckdose. Überhaupt nicht dem Ordnungssinn von Fred entsprechend, wurschtelte ich es irgendwie zusammen und ließ Kabel und Laptop im Eiltempo in der Schublade unter dem Glastisch verschwinden. Vollkommen überfordert mit der unvorhersehbaren Situation, wollte ich vom Sofa aufspringen, doch die Schwerkraft und ein reißender Schmerz im Rücken ließen mich wie ein Stein zurückfallen. Das lange Sitzen hatte seine Folgen. Nach einigen Malen vor- und zurückschaukeln und lautem bis drei zählen tat sich tatsächlich etwas. Wie bei einer Oma im fortgeschrittenen Alter erhob sich mein Körper schwerfällig bei drei. Mit Schmerzen und lautem Knacken im Rücken kam ich zum Stehen. Nach zwei Tanzschritten Salsa oder Tango, die der Beweglichkeit dienten, schlüpften meine Füße in die Hausschuhe.

Zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens rieb ich meine Augen, kniff die Wangen, einfach um etwas frischer auszusehen, schlitterte auf rutschigen Sohlen zur Wohnzimmertür, riss sie auf und begrüßte Fred mit einem aufgesetzten, gequälten, schmerzgeplagten Lächeln auf den Lippen.

„Hallo, mein Schatz, ich weiß, heute ist Aldi-Tag!“

„Wie jeden Freitag, Inge“, antwortete er sachlich, ohne mich dabei anzusehen.

Ach, eigentlich war ich ganz froh darüber, dass er es nicht tat. Sicher hätte er über meine derzeitig etwas schiefe, gebückte Haltung gelästert. Oder mit einem leichten Unterton Scherze gemacht: „Na Schatz, hast du wieder so lange im Internet gesurft?“, oder „Es wird Zeit, dass du mal wieder Sport treibst!“

Im Gegensatz zu mir ging Fred übrigens drei Mal die Woche zum Training und sonntags joggen. Na ja, gut, er hat auch eine super Figur und einen knallhart durchtrainierten Körper. Er ist Vegetarier, raucht nicht, trinkt nicht. Die für meinen Geschmack viel zu langen Haare sind grau, eher weiß, aber für seine 53 Jährchen ist das völlig okay.

Noch in der Winterjacke, stülpte Fred den Henkel seines Rucksacks zu meinem wiederholten Entsetzen über den Toilettentürgriff.

Ein kaum hörbares „Igittigitt“ huschte leise über meine Lippen. Jeden Morgen um die gleiche Zeit füllte er den Rucksack mit Müsli, Powerdrink und einer Banane. Von Hygienevorschriften hatte Fred anscheinend noch nie etwas gehört. Toilettentürgriff und Nahrungsmittel passen einfach nicht zusammen. Na ja, man braucht ja nicht gleich aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, dachte ich. Also stellte ich mich, nahezu mit der Mauer verschmelzend, mit dem Rücken dicht an die Wand und machte so den Weg frei für das bevorstehende Freitagsritual.

Dass die Flaschen nicht ordnungsgemäß bereitstanden, schien Fred nicht mehr zu interessieren. Ohne ein weiteres Wort darüber zu verlieren, hastete er mit schnellen Schritten an mir vorbei. Er polterte die Kellertreppe hinunter, als ob jemand hinter ihm her sei. Also, ich war es nicht! Von Küsschen und Umarmungen konnte ich derzeit nur träumen.

Nun hieß es, sich zu beeilen. Schnell zog ich Jacke und Schuhe an, denn viel Zeit blieb nicht. Fred mochte es gar nicht, wenn der Ablauf ins Stocken geriet. Das plötzliche Klingeln der Eieruhr ließ mich für einen Moment erstarren. Da Fred mit wichtigen Dingen beschäftigt war, ging ich davon aus, dass er es einfach überhören würde. Richtig sicher konnte ich aber erst sein, als keine Rückmeldung von ihm kam.

Aus dem Keller drangen unverkennbare Geräusche herauf. Das Rascheln von Papier, das Klappern von Weinflaschen und das Knistern der Selters- und Iso-Flaschen. Voll beladen stieg er wieder nach oben, schob sich an mir vorbei und stellte alles vor die Haustür. Schließlich sagte er kurz und knapp: „So, ich bin fertig, können wir jetzt los?“ Noch immer stand ich wie angewurzelt da, mit dem Rücken dicht an der Wand. Trotz und Stress breiteten sich aus.

„Warum kaufen wir eigentlich nicht samstags ein, das ist doch viel entspannter?“, kam es über meine Lippen.

Fred verzog das Gesicht, kräuselte die Stirn und guckte mich mit großen Augen an. Kurz vor einem gewaltigen Ausbruch riss er sich aber in letzter Sekunde zusammen. Er antwortete sehr genervt, bemüht ruhig, aber bestimmt: „Schatz, heute ist Aldi-Tag und nicht morgen, mmh?“

Dabei klopfte er mir mit der flachen Hand liebevoll, vielleicht auch ein wenig antreibend auf den Hintern. Ich hasse dieses Tätscheln – aber gut, er meint das nicht so, und irgendwie habe ich mich auch daran gewöhnt. Ich sagte also keinen Ton – warum sollte ich mich jetzt darüber aufregen – und stieg in das Auto, das Fred schon vorgefahren hatte.

Unterwegs hielt er wie immer an den Flaschencontainern. Er parkte direkt davor, damit ich „meine“ drei Weinflaschen entsorgen konnte. Kaum saß ich wieder, ich hatte die Autotür noch gar nicht ganz geschlossen, da fuhr er auch schon an.

Der Einkauf bei Aldi ging normalerweise sehr schnell vonstatten, nur an diesem Freitag nicht. Ich rannte gestresst durch alle Gänge mit dem Einkaufszettel im Kopf, da ich ihn mal wieder auf dem Küchentisch liegen gelassen hatte. Mit 50 Jahren schlich sich scheinbar so langsam eine kleine Demenz ein.

Was essen wir heute, was essen wir morgen? Ach ja, die Schwiegereltern wollten am Sonntag kommen. War es zum Mittagessen oder zum Kaffee? Genau, um 15 Uhr wollten sie da sein. Kirschkuchen, den mit dem dicken Rand und dem Pudding darunter, den essen sie doch so gerne, dachte ich und steuerte zielstrebig mit dem Einkaufswagen auf die Tiefkühltruhe zu. Gerade als ich kopfüber in der Truhe hing und verzweifelt nach dem Kuchen Ausschau hielt, noch überlegend, ob Kirsche oder vielleicht doch Pflaume, spürte ich ein vertrautes Klopfen auf meinem Allerwertesten. In diesem Moment kam es mir überhaupt nicht in den Sinn, wie gewünscht auf diese Willkür zu reagieren. Diesen Gefallen würde ich Fred nicht tun! Trotzig harrte ich in dieser unangenehmen Stellung aus und ließ mein Bein kraftvoll nach hinten schnellen.

Dem Widerstand nach zu urteilen, hatte ich mein Ziel erreicht, bekam aber zu meiner Verwunderung kein Feedback. Anscheinend hatte ich Fred erfolgreich in die Flucht geschlagen. Was will er denn auch schon wieder von mir? Hat er keinen Mund zum Reden, dachte ich und sortierte weiterhin unermüdlich die Kuchen mal nach links und mal nach rechts.

„Oh, Entschuldigung. Mein Einkaufswagen scheint defekt zu sein. Es tut mir leid, wenn ich Ihnen wehgetan habe“, hörte ich plötzlich von oben eine mir vollkommen unbekannte, männliche Stimme. Ich stutzte, es war definitiv nicht Fred. Ich rührte mich keinen Millimeter. Wer konnte das sein? Wem hatte ich eben einen Pferdekuss verpasst? Ich war starr vor Angst, wagte es aber dennoch, den Kopf zur Seite und nach oben zu bewegen. Jemand stand dicht neben mir. So dicht, dass ich seinen Oberschenkel an meinem spürte.

„Hallo, junge Frau, ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen“, versuchte er es erneut.

Noch tief mit dem Kopf in der Tiefkühltruhe, ohne diesen Unbekannten richtig erkennen zu können, wurde ich rot und Hitze stieg in mir auf.

„Hallo, geht es Ihnen gut?“, begann er erneut.

Nachdem er keine Antwort meinerseits bekam, beugte er sich zu mir hinunter. So nah, dass ich den Geruch seines Rasierwassers unweigerlich einatmen musste. Es roch verdammt gut, und ich atmete schnell noch einmal tief ein. Als er schließlich seine Hand sanft auf meine Schulter legte, erwischte mich ein Menopausenschub, der sich in keiner Weise beeinflussen ließ. Also verharrte ich noch einige Sekunden in dieser angenehmen Kühle, bis die Hitzewallung abgeklungen war, und richtete mich schließlich neugierig auf.

Zu meiner Überraschung stand genau vor mir ein schlanker, gut gebauter, dunkelhaariger Mann. Bevor er noch etwas sagen konnte, scannte ich ihn innerhalb einer Sekunde von oben bis unten. Man sagt ja im Allgemeinen von Frauen, dass sie das können.

Grob geschätzt so um die 45, bestimmt einen Kopf größer als ich. Mit seinen vollen Lippen lächelte er mich freundlich an. Seine Augen waren braun, sein Blick so sanft, so schön, so wunderbar. Die langen Haare waren zu einem Zopf zusammengebunden.

Er trug eine Jeans in einem satten Grün, ein weißes Hemd, das über der Hose hing, und eine Art naturfarbener Segler-Schuhe. Irgendwie kam er mir bekannt vor, aber mir wollte kein passender Name einfallen. Das ist doch nicht etwa ein alter Schulkamerad und ich weiß nicht mehr, wie er heißt? Er hingegen lächelte noch immer, die Hand auf meiner Schulter, und wartete auf die Worte, die ich offensichtlich mühsam zusammensuchen musste. Mit Schweißperlen auf der Stirn und einem dicken Kloß im Hals antwortete ich schließlich das, was mir spontan einfiel.

„Jetzt habe ich doch tatsächlich vergessen, welchen Kuchen meine Schwiegereltern gerne essen.“

Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Vor mir stand der attraktivste Mann, den ich jemals gesehen hatte und ich, ich redete von meinen Schwiegereltern! Wie blöd war das denn? Er lachte und erwiderte etwas, aber ich konnte es nicht hören. Ich hing an seinen Lippen und sah, wie sie sich langsam bewegten. Noch ganz in Trance und völlig fasziniert von diesem Unikat von Mann, bemerkte ich plötzlich Fred neben mir. Instinktiv schaute ich auf meine Schulter, die Hand war weg. Was für ein Glück im Unglück!

„Inge, hast du alles? Können wir jetzt zur Kasse gehen?“, fragte Fred und riss mich unsanft aus diesem schönen Zustand, der mich auf Wolke sieben schweben ließ.

„Ach, geh doch bitte und hol noch einen Liter Milch“, raunte ich ihn an, denn in diesem Moment konnte ich ihn überhaupt nicht gebrauchen. Freds verwundertes Gesicht sprach Bände, aber er spurtete ohne Widerworte los.

Es blieb also nicht viel Zeit, und ich wendete mich der netten Bekanntschaft, die ich gerade gemacht hatte, wieder zu – aber zu meinem Entsetzen stellte ich fest, dass er fort war. Eben noch hatte er hier gestanden, wo war er so schnell hin? Mein Puls stieg, und hektisch guckte ich im Rundumblick alle Personen an, die sich in der Nähe befanden. Er blieb verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt.

Na ja, dann eben nicht, dachte ich etwas traurig. Ich legte den Kuchen in den Einkaufswagen und schob ihn hinüber zu Fred. Der stand mit der Milch in der Hand bei den Zeitungen und las tief versunken den neuesten Spiegel. Unwirsch riss ich ihm die Packung aus der Hand.

„Können wir jetzt bitte weiter einkaufen! Du liest gemütlich, und ich soll den Rest erledigen!“, sagte ich barsch.

„Was ist denn mit dir los, Inge?“, fragte er sichtlich überrascht. Eigentlich war er meine Stimmungsschwankungen gewöhnt, denn in den Wechseljahren hatte er meine Höhen und Tiefen kennen gelernt, und in diesem Moment hatte ich eben ein großes, großes Tief. Warum auch immer?

Wieder zu Hause verstauten wir die erstandenen Lebensmittel gemeinsam. Kaum waren wir damit fertig, verschwand Fred eilig nach oben ins Arbeitszimmer. Kurze Zeit später hörte ich das Windows-Signal des Computers durch das Haus tönen.

Ich hingegen kam meinen Haushaltspflichten nach und bereitete das Abendessen vor. Spaghetti „à la Inge“, rein vegetarisch mit Zucchini, Möhren, Zwiebeln und Tomaten. Während alles vor sich hin kochte, saugte ich noch schnell das Wohnzimmer durch, wischte Staub und deckte den Tisch. Die perfekte Hausfrau eben. Nachdem ich damit fertig war, ließ ich mich erschöpft auf das Sofa fallen. Auch bei einer noch so guten Hausfrau ist irgendwann der Akku leer.

Durchgeschwitzt und nach gerösteten Zwiebeln stinkend, kam es mir plötzlich in den Sinn, noch vor dem Abendessen ein schönes Duschbad zu nehmen, mit allem Drum und Dran wie Bein-, Achsel- und Intimrasur, Bürsten der Orangenhaut, Oberschenkel-Bauch-Massage, duschen und danach von oben bis unten eincremen. Ja, das gönne ich mir jetzt!

Die Spaghetti stellte ich warm und ging voller Vorfreude nach oben. Auf dem Weg ins Bad riss ich noch die Tür zu Freds Zimmer auf und rief: „Schatz, ich gehe eben duschen, bevor wir essen!“

„Ist gut!“, rief er zurück und kümmerte sich nicht weiter um mich, sondern schaute angestrengt auf den Bildschirm des Computers. Kaum hatte ich ihm den Rücken zugekehrt, ertönte plötzlich laute Musik aus dem Arbeitszimmer. „Love me tender, love me true …“ von Elvis. Auch nicht schlecht, dachte ich und schloss die Badezimmertür hinter mir.

Nach dem ausführlichen Duschbad fühlte ich mich deutlich wohler in meiner Haut. Nackt wie Gott mich schuf, huschte ich noch ein Stockwerk höher ins Schlafzimmer, um mir etwas Bequemes anzuziehen.

„Schatz, bist du oben?“, hörte ich Fred plötzlich rufen. Bevor ich antworten konnte, stand er auch schon vor mir. Dieser Blick, dieses Glitzern in den Augen, wie ich es kannte! Jetzt bist du dran, dachte ich, und von unten tönte das Lied „Rock me baby“, auch von Elvis, zu uns herauf.

Fred trat einen Schritt zurück und legte eine kleine laszive Tanzeinlage ein, flatterte mit den Beinen, strich sich wild durch die Haare, zog die Augenbrauen so komisch hoch und warf mir einen Handkuss zu. Keine Ahnung, was das darstellen sollte. Ob es etwas mit Elvis zu tun hatte? Ich hätte mich ja weglachen können, beherrschte mich aber, um ihn nicht aus der Stimmung zu bringen. Noch immer nackt vor ihm stehend, wurde mir langsam kalt.

Nachdem er mit dem albernen Gehampel fertig war, steuerten seine Hände meine Brüste an und umfassten sie. Oh, was war das schön – ich genoss diesen Moment der wohligen Wärme in vollen Zügen.

„Meins, meins, meins!“, hauchte Fred und knetete die Brüste kräftig und genussvoll. „Komm Baby, lass uns Sex machen, gegessen wird später“, flüsterte er mir mit rauchiger Stimme ins Ohr. Er riss mich an sich und griff mir mit der Hand zwischen die Beine. Ein Entkommen war unmöglich, und ich entschloss mich kurzerhand, seinen Trieben freien Lauf zu lassen.

Viel Lust hatte ich nicht, aber na ja, schaden konnte es auch nicht. Während er sich auszog und seine Sachen einfach auf den Boden schmiss, krabbelte ich unter die warme Bettdecke, welche aber nicht lange auf mir liegen blieb. Gerade als Fred sich meinen weiblichen Reizen ergeben wollte, unterbrach ich rein intuitiv dieses Spielchen – denn Fred wollte was von mir und ich eigentlich nichts von ihm.

„Schatz, mir ist so kalt, könntest du bitte noch die Heizung anstellen?“

„Okay, Baby, nicht weggehen, ich komme gleich wieder!“, sagte er und bewegte sich nackt auf den Heizkörper zu.

In welchen Film hat er mich denn jetzt gepackt?, dachte ich und war gespannt, wie es weitergehen würde. Fred legte sich zu mir. Sein Penis war so groß, dass ich Angst bekam, er würde mich erstechen, statt zu ficken. Das Licht war gedimmt und noch immer dröhnte Elvis durch das ganze Haus. Fred richtete sich auf und schaute mich von oben bis unten an.

„Was für ein toller Körper, so schlank, so weich, und diese großen Brüste“, sagte er hingebungsvoll. Seine Lippen küssten meine Brustwarzen, die sich eher von der Kälte als vom Küssen enorm aufrichteten. Statt mich auf die Sache zu konzentrieren, dachte ich darüber nach, ob ich mich schlank fühlte oder ob meine Haut tatsächlich so weich war.

Währenddessen machte Fred unbeirrt weiter. Er küsste meinen Hals, den Bauch, die Innenschenkel, Waden, Füße und wieder hinauf und hinab bis zu den Innenschenkeln. Es war so schön! Langsam entspannte ich mich. Mein Unterkörper hob sich unwillkürlich an und strotzte ihm förmlich entgegen. Gleich, gleich ist er am Ziel! Ich gab seinem Kopf mit dem Zeigefinger einen kleinen Ruck nach unten. Mein ganzer Körper bewegte sich wild hin und her.

„Ja, komm, mach es mir! Ich will dich spüren, jetzt!“, rief ich.

Doch Fred schien das irgendwie falsch verstanden zu haben. Eigentlich erwartete ich, dass seine Zunge jetzt zum Einsatz kommen würde. Stattdessen richtete er sich auf, hockte sich vor mich, packte meine Oberschenkel, robbte noch dichter an meine Genitalien heran und stieß seinen erigierten Penis in mich hinein.

Meine Erregung, die vorher von Null auf Hundert gestiegen war, fiel in einem rasanten Tempo wieder von Hundert auf Null. Fred gab Gas, er stieß im Takt der Musik von Elvis zu, wieder und immer wieder. Mal schnell und dann wieder langsam. Das schien ihn in Stimmung zu bringen.

Jetzt eine Diskussion darüber zu führen, was ich gerne gehabt hätte, empfand ich als unzweckmäßig und schaute mir die Tapete an. Während ich das Stöhnen und das Klatschen seiner Oberschenkel gegen meinen Hintern hörte und spürte, schaltete ich ab. Meine Gedanken waren nicht mehr beim Sex mit Fred, der sich gerade die größte Mühe gab, sondern bei meinem Erlebnis an der Tiefkühltruhe. Ich sah dieses Bild von Mann vor mir und stellte mir vor, dass er mich in diesem Moment fickt und nach Strich und Faden verwöhnt. Ich träumte davon, dass dieser Prachtkerl die Geschichte zwischen meinen Beinen beenden würde und mit seiner Zunge meinen Kitzler leckt, seinen Finger, oder auch zwei, dabei tief in meine Vagina schiebt. Mal verharrte er ganz plötzlich, um dann gleich weiterzumachen. Diese kleinen Pausen trieben mich in den absoluten Wahnsinn und ich streckte ihm meinen Unterkörper noch mehr entgegen. Sein Speichel vermischte sich mit meinem Nektar, und ich spürte diese große Menge an Feuchtigkeit unter mir. Es war keine Zeit zum Tapetenmuster angucken oder den Essensplan für nächste Woche imaginär zu erstellen. Nur der Gedanke an den fremden Mann bei Aldi brachte mich zum Höhepunkt.

Tausend Volt durchströmten meinen Körper. Die Muskeln der Innenschenkel zuckten, und ein Kribbeln in meinen Lippen begleitete das Abklingen dieses phänomenalen Orgasmus. Mein Körper sackte in sich zusammen und ich genoss die wohlige Wärme und den euphorisierten Zustand, der sich in mir ausbreitete.

Fred stieß noch einmal heftig zu. Unsanft aus diesem schönen Traum gerissen, hörte ich ihn stöhnen. Schweißperlen standen auf seiner Stirn. Er bäumte sich auf, spannte alle Muskeln an und kam dann kurz nach mir, in mir. Dabei rief er etwas verhalten, laut war er eigentlich nie: „Jaaaaaa, aaaaaah!“, und sackte auf mir zusammen.

Da lag er nun, noch immer schwer und schnell atmend, mit seinem ganzen Gewicht auf mir. Lange halte ich das nicht aus, dachte ich, denn meine Beine waren gespreizt und die Hüftknochen schmerzten spürbar. Mit Schwung schubste ich ihn schließlich von mir herunter. Er rollte auf die Seite seiner Betthälfte.

Da lagen wir nun, völlig platt. Ich, die alleine nur von dem Gedanken an einen anderen Mann gerade einen super Orgasmus gehabt hatte. Fred, der vor lauter Erschöpfung nach einigen Sekunden die ersten Schnarchtöne von sich gab. Für ihn war es ein gut gelungener Quickie und für mich doch etwas Besonderes, denn einen derartigen Orgasmus hatte ich schon lange nicht mehr gehabt. Es war wie Ostern und Weihnachten zusammen.

Eben reine Kopfsache, dachte ich, während die Schnarchgeräusche neben mir lauter wurden. Meine Gedanken kreisten wieder um diesen göttlichen Mann bei Aldi, der mir gerade unwissentlich zu ein paar schönen Minuten verholfen hatte. Ich musste mich beherrschen, vor lauter Wonne keinen Laut von mir zu geben, damit mein schlafender Göttergatte nicht aus seiner After-Sex-Phase gerissen wurde.

Ich versuchte, mich daran zu erinnern, woher ich Mister Frost, so nannte ich ihn erst mal, kannte. Aber ich konnte ihn einfach nicht in meinem dürftigen Repertoire an Freunden unterbringen. Er hatte Ähnlichkeit mit einem Schauspieler, und mein Kopf spielte in diesem Moment Als die Bilder laufen lernten. Filme und Schauspieler wurden zusammengefügt, Fantasie, Krimi, Horror und Liebesfilme in Windeseile durchstöbert. Dann sah ich ihn plötzlich vor mir: als Pirat und Rebell in dem Streifen, oh Mann, wie hieß der noch, ist egal. Diese Augen, dieser Mund, das ganze Erscheinungsbild … Jack, mmmh, Jack Sparrow, aus dem Film Fluch der Karibik.

Ich beschloss, meine Kopfkinoaffäre fortan Jack zu nennen. Es war nun kein No-Name-Mann mehr, der gerade vor einigen Minuten fest verankert in meinem wachen Verstand bestens funktionierte, sondern Jack.

Fred wachte auf, gähnte laut und fragte mich, noch etwas desorientiert: „Schatz, du hattest ja eben einen Orgasmus, war es so schön für dich?“ Tja, das stimmt, es war schon lange nicht mehr vorgekommen, dass ich so schnell und vor allem ohne weitere Stimulation zum Höhepunkt gekommen war. Aber es funktioniert eben fantastisch, wenn man die eigene Fantasie ankurbeln kann, auch wenn es sich dabei bei der Hauptrolle nicht um den eigenen Mann handelt. Lächelnd legte ich mich zu ihm, drückte mich fest an ihn, streichelte seine Brust, fuhr mit der Hand in Richtung Bauchnabel und berührte seinen nun schlaffen Penis.

„Ja, Schatz, es war wunderschön“, antwortete ich, noch damit beschäftigt, eine Wiederholung herbeizuführen.

Zu meiner Enttäuschung tat sich nichts mehr. Ach Jack, wenn du jetzt bei mir wärst, dann würde ich dir ins Ohr flüstern: Mach es noch einmal, Jack!, schmachteten meine Gedanken.

Ich schloss die Augen und überlegte, wie ich Jack finden könnte. Es wurde allmählich Zeit, etwas selbstständiger zu werden, und schon während der Woche alle Einkäufe bei Aldi zu erledigen, denn auch ein Jack musste essen und trinken …

Tina, Ketchup und der Reißverschluss

Das Wochenende mit den Schwiegereltern hatten wir erfolgreich hinter uns gebracht. Fred war nun um einiges schlauer, was den Pavillon anging, den er im nächsten Frühjahr mit Schwiegervater Toni bauen wollte. Meine Wenigkeit hingegen wurde von Schwiegermutter Anni in die Kunst des richtigen Reinigens von Badezimmerfliesen eingewiesen: Kernseife in heißem Wasser auflösen, Wischtuch nass machen, über den Schrubber hängen und im Eiltempo rauf und runter wischen. Ja, ja – die gute alte Kernseife. Wir hatten also wieder ordentlich dazugelernt, und alle waren glücklich und zufrieden. Ein gelungenes Wochenende, ohne Wenn und Aber.

Montagmorgen, es war Punkt 5 Uhr, als der Wecker klingelte. Fred schob sich langsam aus dem Bett und ging die Treppen hinunter ins Bad. Widerwillig stand ich ebenfalls auf, obwohl es eigentlich mein freier Tag war.

Noch vollkommen verschlafen, mit zerknittertem Gesicht, in kurzem Nachthemd und mit riesigen Puschen an den Füßen bereitete ich das Frühstück vor: Kaffee kochen, Tisch decken, Brötchen schmieren und Zeitung lesebereit aufgeschlagen neben den Teller legen.

Zehn Minuten später kam Fred. Frisch geduscht und gekämmt setzte er sich an den gedeckten Tisch. Morgens sprach er eher selten etwas. Er schlürfte seinen Kaffee, biss von seinem Brötchen ab und las dabei die Zeitung. Ich beobachtete ihn. Er spitzte die Lippen und schlürfte am Tassenrand, um sich auch ja nicht an dem heißen Kaffee zu verbrühen. Fred knirschte laut mit den Zähnen beim Kauen. Schnäuzte sich die Nase, damit auch kein Tropfen, der sich eventuell an seiner Nasenspitze sammelte, die Zeitung traf.

Meine Müdigkeit verschwand jedes Mal wie weggeblasen, wenn ich diese täglichen Marotten erleben durfte. Wortlos verbrachten wir so eine geschlagene halbe Stunde miteinander. Voll belesen mit dem neuesten Weltgeschehen und abgefüllt mit einem ausgiebigen Frühstück stand Fred auf. Wie jeden Morgen packte er seinen Rucksack und zog Mantel und Schuhe an. Zu guter Letzt gab er mir einen flüchtigen Kuss, tätschelte meine Wange und sagte: „Mach dir einen schönen Tag, Schatz, bis heute Abend.“

„Bis heute Abend, ich koche uns etwas Schönes“, wollte ich gerade sagen, aber er hörte es nicht mehr. Die Wohnzimmertür schloss sich in jenem Moment, als ich die Lippen öffnete. „Dann eben nicht“, flüsterte ich und nippte weiter an dem Kaffee. Plötzlich ging die Tür nochmals auf und Fred rief: „Hast du etwas gesagt?“

„Nein, wieso?“, antwortete ich.

„Ich meinte, ich hätte etwas gehört. Na dann, bis später“, und weg war er. Mit einem nicht überhörbaren lauten Knall fiel die Haustür hinter ihm ins Schloss. Ein willkommenes Zeichen. Mein freier Tag konnte beginnen.

Das gemütliche Eckchen auf dem Sofa wartete schon sehnsüchtig auf mich. Den Frühstückstisch konnte ich später abräumen, das hatte Zeit. Also nahm ich den halb leeren Becher Kaffee, stellte ihn auf den Glastisch und setzte mich voller Vorfreude auf das Sofa in Position.

Gemeint ist damit: die Schublade unter dem Tisch herausziehen, Laptop aufmachen und Kabel entwirren. Stecker einstecken, auf Start drücken und Passwort eingeben.

Als Erstes rief ich die E-Mails ab. Vier neue Nachrichten! Wow, na, da wollen wir doch mal schauen, was es heute Neues gibt! Mein inneres Kind freute sich so sehr, dass ich mich nach hinten fallen ließ und meinen Rücken bequem in die vielen Kissen drückte.

Schwiegervater: Es war ein schönes Wochenende bei euch, danke. Schöne Grüße auch von Anni. Sag Fred bitte, ich besorge die Betonmischmaschine für das Befestigen der Pfeiler. Liebe Grüße, Toni

Meine Güte, was für ein Aufstand, dachte ich und schüttelte den Kopf. Das soll doch erst nächstes Frühjahr stattfinden. Wir haben doch noch nicht mal Winter. Tzzzzz! Das sind eben Männer! Immer im Voraus planen.

Eine Nachricht von TINA, eigentlich Martina, meine beste Freundin: Liebe Inge, war am Wochenende, leider ohne dich, mit Susanne im Log In, das Tanzbein schwingen. Dort haben wir einen reichen Typ kennen gelernt. Der hat uns ständig Champagner ausgegeben und uns in sein Haus auf Malle eingeladen. Wir haben nicht zu-, aber auch nicht abgesagt. Ein Lackaffe, kann ich dir sagen, aber der Champagner, der war nicht zu verachten.

Antwort: Liebe Tina, ich hoffe, ihr habt mich als gute, oder genauer gesagt, beste Freundin ebenfalls erwähnt, und dass ich leider verhindert war? Malle lass’ ich mir nicht entgehen. Wir drei Teufelinnen fahren nur gemeinsam. LG Inge

Jetzt wurde es spannend! Die letzten Nachrichten kamen vom Kommunikationsportal „I LIKE YOU“, bei dem ich mich vor einigen Wochen angemeldet hatte. Arbeitskolleginnen und Freundinnen trieben sich dort herum und hatten mir prophezeit, dass ich ebenfalls meinen Spaß haben würde.

Meine Freundinnen bestürmten mich, unbedingt ein schönes Foto von mir zu veröffentlichen, sie hätten es ja schließlich auch getan. Mein wahres Alter sollte ich nicht vergessen, aber ansonsten nichts von mir preisgeben. Seither hatte ich jeden Tag etwas zum Lachen, wenn ich die Nachrichten von mir wildfremden, jungen und alten Männern las. Meine Wechseljahre-Stimmungstiefs waren jedes Mal wie weggeblasen. Mein Ganzkörperporträt zeigte eine 50-jährige schlanke Frau, mit dunkelbraunen (gefärbten), schulterlangen Haaren, kurzem Rock und üppigem Busen (Auswirkung der Menopause), an einem Baum lehnend. Das Foto belegte absolut meine Überzeugung, dass man auch mit 50 noch gut aussehen konnte. Also ganz normal.

Nachricht Nummer drei: An Inge, von Lars

Hallo, siehst heiß aus, hast lust?

Antwort: Ich bin zwar heiß, habe aber keine Lust!!!

Nachricht Nummer vier: An Inge, von Malte

Guten Tag Inge, du hast funkelnde Augen, lächelnde Lippen, Geheimnisse in der Seele und Träume im Kopf. Wünsche dir eine schöne und erfolgreiche Woche. Lg Malte

Inge an Malte: Woher weißt du das mit den Geheimnissen und den Träumen?

Antwort: Na ja, das hat wohl jede Frau, oder?

Ich fragte mich immer wieder: Hey, was sind das nur für Typen? Haben die nichts Besseres zu tun? Schreiben irgendetwas daher und lassen manchmal auch nicht locker. Mal antwortete ich und mal nicht. Es kam auf meine Laune an. Und dieses Deutsch, wo bin ich hier nur gelandet, ging es mir durch den Kopf, und ich drückte ein wenig enttäuscht auf Herunterfahren.

Inzwischen wurde mir kalt, da ich noch immer im Nachthemd war. Die Füße konnte ich vor Kälte kaum noch spüren. Dem konnte Abhilfe geschafft werden. Ich legte mich lang auf das Sofa, breitete die braune Kuscheldecke über mir aus und zog sie hoch bis zum Kinn. Zitternd ...

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