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Aller Liebe Anfang ist ein Kuss

Susan Mallery

Aller Liebe Anfang ist ein Kuss

Übersetzung aus dem Amerikanischen von Gabriele Ramm

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1. KAPITEL

“Die Babys kommen! Die Babys kommen! Jemand muss Neun-Eins-Eins anrufen!”

Ryan Patterson blickte von seinem Computer auf, als eine kleine Blondine an seiner offenen Bürotür vorbeilief. Sie hatte die Augen weit aufgerissen und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum. So wie es aussah, stand sie kurz vor einer echten Panikattacke – als wäre das Geschrei nicht schon eindeutig genug.

Doch er musste zugeben, auch wenn sie wie ein aufgescheuchtes Huhn umherlief, war sie irgendwie niedlich. Ihm gefiel, dass sie einen Rock trug, der kurz genug war, um die Sache interessant zu machen. Genauso attraktiv waren die großen haselnussfarbenen Augen und der volle Mund. Er schätzte sie auf Anfang bis Mitte zwanzig. Tja, abgesehen von dem Geschrei war sie das, was sein Vater als ein verdammt prächtiges Exemplar von einer Frau bezeichnen würde.

Ryan stand auf und trat aus seinem kleinen gläsernen Büro heraus. Die Frau drehte eine komplette Runde durch den großzügig angelegten Flur, bevor sie zu ihm zurückgerast kam.

“Haben Sie angerufen?”, fragte sie und wrang die Hände. “Mir ist ganz schlecht. Es ist viel zu früh. Glaube ich jedenfalls. Ich dachte, wir hätten noch eine Woche Zeit.” Sie schnappte nach Luft. “Haben Sie den Notruf gewählt?”, bohrte sie noch einmal.

“Das mache ich, Ma’am, sobald ich sicher weiß, dass sich eine schwangere Frau im Gebäude aufhält.”

Es war noch relativ früh. Gerade kurz nach acht. Ryan saß bereits seit sechs Uhr an seinem Schreibtisch und war in seine Arbeit vertieft gewesen. Er hatte nicht einmal jemanden ins Haus kommen gehört. Abgesehen von der Blondine natürlich.

Ein hastiger Blick durch das Büro bestätigte ihm, dass sie hier allein waren. Ethan Hendrix, Ryans neuer Chef, hielt nichts davon, seine Ingenieure fürs Rumsitzen zu bezahlen. Die meisten von ihnen waren bereits auf den Baustellen oder in der Fertigungshalle, die sich etwas außerhalb von Fool’s Gold befand. Da Ryan gerade an einem neuen Entwurf arbeitete, war er im Büro. Schon seit einer Woche tüftelte er daran. Ethan hatte erwähnt, dass er eine Aushilfskraft einstellen wollte, die sich um die Telefonate kümmern sollte. Allerdings hatte er Ryan weder einen Namen genannt noch gesagt, wann sie kommen würde.

Die Frau starrte ihn verwirrt an. “Hier ist keine schwangere Frau”, sagte sie, als wäre sie davon überzeugt, es mit einem Idioten zu tun zu haben. “Es geht um Misty. Die Katze, auf die ich aufpassen soll, und die ist trächtig. Ich habe Ethan gesagt, dass ich sie nicht allein lassen kann und mit zur Arbeit bringen muss. Ich dachte, das würde kein Problem sein, denn Charity, die Besitzerin, hat gemeint, Misty wäre erst in einer Woche fällig, und bis dahin wären sie alle wieder da. Sie sind in Florida, weil da so ein Wohltätigkeits-Fahrradrennen stattfindet, das Josh …”

Die Frau holte tief Luft. “Ist ja auch völlig egal. Wichtig ist nur, dass Misty jetzt ihre Jungen bekommt. Wir müssen Hilfe holen.”

Ryan schüttelte den Kopf. “Die meisten Katzen schaffen das ganz gut allein. Sie wissen, was sie tun müssen. Wenn es Probleme gibt, können wir immer noch den Tierarzt rufen.”

“Ist es dann nicht schon zu spät?” Sie drehte sich um und eilte zum Tresen am Eingang. “Ich muss etwas tun.” Sie verschwand hinter einer der Trennwände.

Ryan folgte ihr und fand sie neben einem Körbchen hocken, in dem sich eine gestreifte Katze und ein sich windendes winziges Katzenbaby befanden.

“Es ist schon losgegangen!”, quiekte die Frau. “Misty, hör auf, bitte! Ich rufe den Tierarzt an. Ich finde einen Tierarzt.”

Misty warf ihm einen Blick zu, mit dem sie ihn wohl anflehen wollte, sie doch bitte schön allein zu lassen und für Ruhe und Frieden zu sorgen.

“Okay”, meinte er und griff nach dem Ellbogen der Frau, um sie hochzuziehen. “Sie müssen da weg und tief durchatmen.”

“Wie soll das denn helfen? Misty braucht mich.”

“Misty schafft das wunderbar allein. Kommen Sie.”

Er überlegte kurz, ob er mit ihr in den Pausenraum gehen sollte. Doch so wie es aussah, war Koffein das Letzte, was die Frau jetzt brauchte. Sie war schon viel zu aufgedreht.

Stattdessen nahm er sie mit in sein kleines Büro und drückte sie auf den Besucherstuhl. Er selbst setzte sich hinter den Schreibtisch und zog sich die Computertastatur heran.

“Kennen Sie hier in der Stadt einen Tierarzt?”, fragte er.

Sie starrte ihn an. “Was? Ja. Natürlich. Cameron McKenzie. Er ist der Tierarzt hier.”

Ryan gab den Namen in die Suchmaschine ein und erhielt einen Link zu der Tierarztpraxis. “Hier ist eine Telefonnummer. Sie haben um sieben Uhr aufgemacht und sind bis um fünf in der Praxis.” Er las die Adresse. Auch wenn er noch nicht lange in der Stadt war, glaubte er, dass die Praxis nicht allzu weit entfernt sein konnte.

Die Frau rang schon wieder die Hände. “Wir sollten jetzt gehen.”

“Es geht hier also um Sie, nicht um Misty, oder? Denn die macht ihre Sache gut.”

Jetzt wurden die hübschen braunen Augen zusammengekniffen. “Entschuldigung? Wollen Sie damit etwa sagen, dass ich mich egoistisch verhalte, während Misty all die Arbeit macht?”

“Mehr oder weniger.”

Entspannt lehnte er sich auf seinem Stuhl zurück und bereitete sich auf eine hitzige Diskussion vor. Er war schon immer der Überzeugung gewesen, dass man am meisten über einen Menschen erfuhr, wenn man sein Streitverhalten erlebte. Unter angespannten Verhältnissen zeigte sich meist der wahre Charakter.

Die Frau sog die Luft ein. Er wappnete sich. Gleich würde sie anfangen zu schreien. Doch sie überraschte ihn, als sie in sich zusammensackte und langsam nickte.

“Ich bin noch nie dabei gewesen, als eine Katze Junge bekommen hat”, meinte sie seufzend. “Ehrlich gesagt glaube ich immer noch, dass sie in einen Katzen-Kreißsaal gehört, aber vermutlich haben Sie recht. Sie scheint das ganz gut allein hinzukriegen. Ich kann ja alle fünf Minuten nach ihr schauen. Und wenn alles unproblematisch aussieht, lass ich sie in Ruhe, damit sie ihre Babys bekommen kann.”

“Das hört sich nach einem Plan an”, meinte er, beeindruckt von ihrer Fähigkeit, die Sache jetzt doch rational zu sehen – und nur leicht enttäuscht darüber, dass es keine große Show gab. “Ich bin übrigens Ryan.”

Wieder riss sie ihre hübschen braunen Augen auf, ihre Wangen röteten sich. “Oh, nein. Wir haben uns noch gar nicht vorgestellt, stimmt’s? Sie sind der Neue, und jetzt haben Sie bestimmt Angst, hier mit einer total Verrückten eingesperrt zu sein.”

Er grinste. “Ach, ich bin sicher, dass ich damit umgehen kann.”

Er sieht wirklich aus, als könnte er das, dachte Fayrene Hopkins, während sie in seine amüsiert funkelnden braunen Augen blickte. Ryan war um die eins achtzig, hatte breite Schultern und dunkles Haar. Er trug ein kariertes Hemd, das in einer Jeans steckte, und eine randlose Brille, die ihm ausgesprochen gut stand.

“Wollen Sie damit sagen, dass Sie mich locker zu Boden werfen würden, falls ich jetzt mit einem Brieföffner auf Sie losgehe?”, fragte sie.

“Haben Sie das vor?”

“Nein, ich stehe nicht auf Gewalt. Das bringt mich in meinem Vierjahresplan nicht voran. Ich bin Fayrene. Fayrene Hopkins. Ach, und wir duzen uns hier alle.”

Sie stand auf und streckte ihm die Hand entgegen. Als er sie ergriff, spürte Fayrene, wie warm seine Hand war. Eine Sekunde lang, während sie in seine Augen blickte, hatte sie fast das Gefühl, einen winzigen Stromschlag bekommen zu haben.

Sie setzte sich wieder und ermahnte sich, dass weder interessante Stromschläge noch lustvolles Kribbeln sie von ihrem Vorhaben abhalten würden. An den Wänden in der Arbeitsecke ihrer kleinen Wohnung hingen diverse Papierbögen in Postergröße mit unterschiedlichen Grafiken, Tabellen oder Listen darauf. Fayrene glaubte fest daran, dass jeder für das eigene Glück verantwortlich war; und in ihrem Fall bedeutete das, dass sie ihre Firma in die schwarzen Zahlen bringen wollte. Und erotische Stromschläge führten leider häufig genug dazu, junge Frauen, die finanziellen und beruflichen Erfolg anstrebten, von ihrem Ziel abzulenken.

“Du hast einen Vierjahresplan?”, fragte er leicht amüsiert. “Keinen Fünfjahresplan?”

Sie hob ihr Kinn. “Es war ein Fünfjahresplan, aber das erste Jahr ist fast abgeschlossen.”

“Wie viele trächtige Katzen beinhaltet er?”

Sie lachte. “Ich hoffe sehr, dass Misty meine letzte ist. Ich bin Haustier-Sitter. Meine Firma vermittelt befristet Mitarbeiter und bietet einen Haustier-Sitter-Service an.”

“Das ist umfassend und ungewöhnlich.”

“Ich habe einen Abschluss in Betriebswirtschaft”, erklärte sie ihm. “Achtzehn Monate lang habe ich für eine Bank gearbeitet und jede Minute davon gehasst. Also habe ich gekündigt und einen weiteren Monat damit verbracht, mir zu überlegen, was ich vom Leben erwarte.”

“Und das wäre?”

“Ich möchte eine eigene Firma haben.”

“D

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