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Alpengold - Folge 261

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Die Braut des Dorfarztes

Wie aus Leid ein neues Glück erwuchs

Von Maria Fernthaler

Christl, die bildhübsche Braut des Dorfarztes, nimmt den Brief in Empfang, den ihr Schatz ihr geschickt hat. Hastig reißt sie den Umschlag auf – da fällt etwas zu Boden! Christl dreht sich um und glaubt, ihren Augen nicht zu trauen. Da liegt Dieters Verlobungsring!

Mit zitternden Händen hebt sie ihn auf, dann erst liest die wenigen Zeilen, die vor ihren Augen verschwimmen: »Unsere Verlobung war ein Irrtum. Wir haben alles überstürzt. Um mir über meine Gefühle endgültig klar zu werden, gehe ich für eine Weile aus Hofbrunn fort.«

Die Dämmerung lag schon über dem kleinen Dorf, als Dieter Hofer die Kapelle auf dem Martinsberg erreicht hatte. Der Martinsberg war eigentlich nur ein Hügel, aber für die Dorfkinder, die hier im Winter mit ihren Schlitten hinuntersausten, war es eben ein Berg.

Der hochgewachsene Mann mit dem dunklen Haar schmunzelte. Ja, das war lange her, dass auch er seinen kleinen, vom Vater gebauten Holzschlitten heraufgezogen hatte. Damals hatten sie noch hier gewohnt, ganz am Ende des Ortes.

Er konnte das Häuschen nicht sehen. Vielleicht hatte es der neue Besitzer abreißen lassen. Es war so klein gewesen, dass ihnen die Wohnung in der Stadt riesengroß vorgekommen war. Trotzdem hatten sie Sehnsucht nach der Heimat gehabt. Besonders die Mutter hatte darunter gelitten, dass der Vater eine Arbeitsstelle in der Stadt angenommen hatte.

Und so waren es nur ein paar Kindheitserinnerungen, die den jungen Mann an dieses Dörfchen erinnerten. Er nahm seinen kleinen Koffer und schritt weiter. Vom Dorf klangen die Glocken.

Dieter wusste es noch ganz genau: Gleich neben der Kirche stand das Schulhaus, genauso ein bisschen schief und mit Efeu umwachsen wie das Gotteshaus. Dort hatte er oft gesessen und mit großen Augen den Herrn Lehrer angesehen, der so begeistert von der weiten Welt gesprochen hatte. Er hatte sie jetzt gesehen, diese Welt, vielleicht zog es ihn gerade deshalb hierher zurück.

Und er dachte an Christl, seine blonde Schulkameradin, die er oft nach Hause begleitet hatte, weil sie sich vor Georg, dem dicken, reichen Bauernsohn, gar so fürchtete. Der hatte nämlich in der Schule genau hinter ihr gesessen und sie an den blonden Zöpfen gezogen, bis ihr die Tränen in die Augen gestiegen waren.

Oft hatte Dieter sich mit Georg wegen der Christl geprügelt und dabei immer den Kürzeren gezogen. Aber ein dankbarer Blick aus ihren blauen Augen hatte alles wiedergutgemacht.

Ob sie wohl noch im Dorf war, die Christl? Ihr Vater war Bahnhofsvorstand gewesen, und sie war immer sehr stolz auf seine rote Mütze und die Trillerpfeife gewesen, auf der die Kinder blasen durften, wenn sie sehr brav waren.

Es hatte sich nicht viel verändert in Hofbrunn, nur die Straße, die jetzt durch das Dorf führte, war breiter geworden. Die Bauern auf der Straße sahen sich nach dem Mann um, der mit einem so vergnügten Lächeln auf den Lippen durchs Dorf ging. Keiner ahnte, dass es der Dieter war, der Sohn vom Hofer-Max, der vor vielen Jahren von hier weggegangen war.

Dieter betrat den kleinen Friedhof, der neben der Kirche lag. Hier waren die Großeltern beerdigt, und sein erster Besuch in der Heimat galt ihnen. Ein kleiner Junge, der am Nebengrab die Blumen goss, betrachtete den Fremden neugierig.

Dieter ging zu ihm hin.

»Kannst du mir sagen, ob der alte Doktor Gruber immer noch hinter dem Raierhof wohnt?«, wollte er wissen.

Der Kleine nickte eifrig.

»Ja, freilich, wohnen tut er schon noch da, aber nimmer lang. Er ist schon zu alt für die Doktorei und wartet jetzt, bis ein Neuer aus der Stadt kommt.«

Dieter bedankte sich und lachte, als ihm der Junge nachschaute, bis er hinter der Kirche verschwunden war.

***

Dr. Gruber war gerade heimgekommen. Die Bäuerin vom Rosenhof hatte sich eine schlimme Blutvergiftung geholt, und er musste jeden Tag nach ihr sehen.

Es hatte sich manches geändert in seiner Praxis im Laufe der Jahre, aber zu einem Auto hatte er sich nie entschließen können. Wie am Anfang, als junger Arzt, fuhr er auch jetzt noch mit dem Fahrrad. Und das machte ihm in der letzten Zeit häufig Beschwerden.

»Ist das eine Hitze heut. Sei so gut und bring mir ein Bier in den Garten, Maria.«

Die rundliche Haushälterin schüttelte missbilligend den Kopf.

»Sie sind aber auch immer dann unterwegs, wenn net das Wetter dazu ist«, meinte sie.

»Ja, die Uhrzeit kann man sich halt net aussuchen bei meinem Beruf«, sagte der Doktor lachend.

Im Garten hinter dem Haus war es schön kühl. Er setzte sich in den bequemen Korbsessel und betrachtete seine Rosen, die er liebevoll gezüchtet hatte.

Nicht mehr lange konnte er das Paradies hier genießen. Aber drüben in Harzdorf, wo seine Schwester wohnte, war es auch schön. Und weil sie ihn so gebeten hatte, hatte er sich bereit erklärt, zu ihr zu ziehen, wenn er die Praxis übergeben hatte.

Er seufzte und nahm einen tiefen Schluck aus dem Krug, den ihm Maria hingestellt hatte. Es würde sicher noch eine Weile dauern, denn aus der Stadt hatte man ihm geschrieben, Ärzte, die auf das Land wollten, gäbe es nicht viele.

Der Doktor konnte das kaum glauben. Gab es etwas Schöneres als eine Dorfarzt-Praxis? Das Vertrauen der Bauern war ihm immer der schönste Dank gewesen. Aber die jungen Ärzte wollten am Abend ihren Beruf vergessen, und das konnte man in der Stadt natürlich leichter.

Maria kam mit einem jungen Mann um die Ecke, der ihm fröhlich entgegenwinkte.

Dr. Gruber setzte sich auf. Er kannte den Fremden nicht. Er konnte sich auch das strahlende Gesicht seiner Haushälterin nicht erklären.

»Schauen Sie, wen ich Ihnen da bring, Herr Doktor.« Ihr Gesicht war vor Eifer gerötet.

»Sind Sie mir net bös«, der alte Mann erhob sich, »aber ich weiß net …«

Dieter streckte ihm die Hand hin.

»Das glaub ich gern, Herr Doktor. Aber Sie müssen sich eine Weile zurückerinnern. Vor über sechzehn Jahren hat ein kleiner Bub vor Ihnen gestanden und Ihnen versprochen, dass er wiederkommen wird als Doktor – grad so wie Sie.«

Die Augen des alten Arztes weiteten sich.

»Ich kann es net glauben, aber doch, jetzt erinnere ich mich. Du – ich meine Sie – sind der Dieter!«

Der junge Mann lachte.

»Ja, es hat ein bisserl lang gedauert, Doktor, aber jetzt bin ich da.«

Der alte Mann musste sich erst einmal setzen. Dann befahl er der Maria, eine Flasche vom besten Wein aus dem Keller zu holen.

»Das muss gefeiert werden! So was gibt es net alle Tage!«

Und dann musste Dieter erzählen. Von der Stadt, von den Eltern und vor allem von seinem Studium. Als er berichtete, er habe sein Examen mit Erfolg bestanden, leuchteten die Augen des alten Doktors auf.

»Das ist ja fast wie ein Wunder, Dieter! Sei mir net bös, aber das Du rutscht mir so einfach raus. Und jetzt willst du wirklich hier in Hofbrunn arbeiten?«

Der junge Arzt nickte.

»Ja, ich kann mir nix Schöneres vorstellen. Lange genug hab ich Sehnsucht nach den Bergen und Wiesen gehabt. Am liebsten wären die Eltern mit mir zurückgekommen, aber der Vater hat noch ein paar Jahre bis zur Pension. Aber im Urlaub wollen sie gleich herkommen.«

Dr. Gruber schüttelte immer wieder den Kopf. Er sah einen kleinen Buben mit schwarzen Haaren vor sich, der jeden Tag gekommen war und ihm zugesehen hatte, wie er seine Instrumente auswusch. Er wollte schon damals Arzt werden, der kleine Dieter, und im Stillen hatte der Doktor geschmunzelt.

Der Dorfarzt hatte Musiker werden wollen damals als Kind, und dann hatte er sich doch anders entschieden. Und genauso würde es dem kleinen Dieter ergehen. Doch nun saß er tatsächlich vor ihm als frischgebackener junger Arzt!

Dr. Gruber schlug ihm mit der Hand auf die Schulter.

»Ich gratulier dir, mein Junge. Gut, dass du net viel später gekommen bist. Ich hab schon einen Nachfolger angefordert. Aber so schnell geht es halt net. Wann kannst du denn die Praxis übernehmen?«

Jetzt schaute der junge Arzt ein bisserl verlegen drein.

»Ja, das ist so … Geld hab ich net viel im Augenblick. Ich muss einen größeren Betrag aufnehmen. Das Studium war teuer, und der Vater hat auch net so viel.«

Der alte Arzt unterbrach ihn.

»Red keinen Schmarrn, Bub. Ich bin so froh, dass du da bist! Da reden wir net lang vom Geld. Du kannst morgen anfangen, wenn du willst. Die Praxis läuft gut, und in wenigen Monaten bist du aus dem Gröbsten heraus. Ich war mit Leib und Seele Arzt, am Geld ist mir nie viel gelegen. Etwas Erspartes hab ich auch. Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen.«

Helle Freude leuchtete aus Dieters braunen Augen.

»Sie bekommen Ihr Geld, Herr Doktor. Nur dauert’s halt ein bisserl. Ich will nix geschenkt haben.«

»Immer noch der gleiche Dickschädel.« Dr. Gruber lachte. »Aber jetzt komm, wir gehen hinüber zum Wirt. Die Bauern werden staunen.«

Dieter sah auf die Uhr.

»Ich muss heut noch zurück in die Stadt. Mein Wagen steht oben am Martinsberg. Klein ist er, aber er fährt. Vom Vater hab ich ihn zum bestandenen Examen gekriegt.«

»Ich werd schon dafür sorgen, dass du net zu viel trinkst«, meinte Dr. Gruber. »Aber jetzt komm, beim Wirt werden wir alle treffen!«

***

Er hatte recht, der Doktor. Im Dorfgasthof ging es jeden Abend um diese Zeit hoch her. Mit ausgebrannten Kehlen waren die Bauern mit ihren Knechten von der Feldarbeit gekommen. Da tat der kühle Gerstensaft gut. Außerdem war es schön kühl unter den riesigen Kastanienbäumen.

Dass der Doktor jeden Abend hierherkam, war für sie selbstverständlich. Aber den jungen Mann an seiner Seite kannten sie nicht. War das sein Nachfolger, auf den er schon lange wartete?

Mit kritischen Blicken sahen sie Dieter an.

Der Doktor hatte seinen Stammplatz. Der Lehrer, der Pfarrer und der Bürgermeister saßen mit an seinem Tisch.

»Grüß euch Gott, Männer, heiß ist es heut!«

Auch Dieter grüßte nach allen Seiten. Dr. Gruber schmunzelte. Er freute sich auf die überraschten Gesichter, die es gleich geben würde.

»Ich hab heut Besuch mitgebracht«, verkündete er laut, »und wer errät, wer der junge Mann ist, der hat einen Schoppen frei.«

»Ich hab’s gleich gewusst, es ist dein Nachfolger«, rief der Seppl über drei Tische hinweg.

Dr. Gruber nickte.

»Ja, das ist net falsch. Aber ihr kennt ihn alle. Den Namen möcht ich wissen.«

Dieter wurde nun von allen Seiten aufmerksam angesehen. Lachend trank er den Bauern zu. Aber keiner konnte sich an ihn erinnern.

»Gut, dann hab ich mir den Schoppen gespart«, rief der Doktor launig. »Ich hab ihn auch net erkannt, wie er so vor mir gestanden ist. Es ist auch eine lange Zeit her. Ein kleiner Bub war er damals noch, der Dieter Hofer. Ein kleiner Bub, der Arzt werden wollte. Und nun ist er da und wird in wenigen Tagen meine Praxis übernehmen.«

»Dieter Hofer!«, kam es aus allen Ecken. Der Lehrer stand auf und ging auf den jungen Arzt zu. »Gut hast du dich herausgemacht, Dieter. Ich hätt net geglaubt, dass aus dir einmal ein Arzt werden würde.« Er schlug ihm auf die Schulter.

Und dann sah Dieter in zwei Augen, die ihm irgendwie bekannt vorkamen. Ein junger Bursche von beachtlicher Größe war an den Tisch gekommen.

»Schau her, der Dieter! An mich kannst du dich wohl nimmer erinnern?«

Der junge Mann schüttelte den Kopf.

»Das Alter ist ungefähr meines. Haben wir vielleicht zusammen auf der Schulbank gesessen?«

Der andere lachte laut.

»Ich hab’s gleich gewusst. Mich vergisst keiner so leicht. Der Georg bin ich, vom Riederbauern.«

Jetzt ging Dieter ein Licht auf. Ja, freilich, die flachsblonden Haare hätte er gleich erkennen müssen!

Er reichte dem ehemaligen Klassenkameraden die Hand.

»Mensch, Georg, ich freu mich! Hast mich ganz schön verprügelt damals.« Er lachte.

Der alte weißhaarige Pfarrer mischte sich in das Gespräch.

»Mit dem Georg wirst du viel zu tun kriegen. Der haut immer noch so gern zu«, sagte er mahnend.

Georg zuckte die Schultern.

»Es geht halt immer so schnell. Ein unrechtes Wort – und ich seh rot! Aber jetzt hab ich ja dich. Du kannst mir meine gebrochenen Knochen wieder einrenken.«

»Jetzt sag mir, was ist aus der Christl geworden, Georg? Sie hat neben mir gesessen, und du hast sie immer an den Haaren gezogen.«

Seppi war neben Georg getreten und schlug sich lachend auf die Lederhose.

»An den Haaren zieht er sie heut nimmer, die Christl. Die tät ihm was erzählen. Aber ein fesches Madl ist sie geworden, du wirst Augen machen, Dieter!«

Der lachte, doch dann sah er, dass sich das Gesicht vom Georg verdüstert hatte. Sollte ihm die Christl näherstehen?

Georg hatte sich neben ihn gesetzt.

»Ich hab sie sehr gern, die Christl, und tät sie lieber heut als morgen heiraten. Aber der Vater ist halt dagegen. Eine, die nix hat, gehört net auf den Riederhof. Und Mitgift kann er ihr halt net viel geben, ihr Vater. Als Bahnhofsvorstand verdient er net viel.«

Dieter tat der Jugendfreund leid.

»Mach kein so trauriges Gesicht, Georg. Wenn ihr zwei euch gernhabt, dann gibt’s sicher einen Weg.«

Das tröstete Georg ein bisserl, und er trank Dieter zu.

»Es freut mich, dass du wieder da bist, Dieter. Ich wünsch dir alles Gute.«

Als sich Dieter Hofer auf den Weg hinauf zum Martinsberg machte, war es bereits dunkel. Die Bauern hatten ihn nicht gehen lassen wollen. Er musste alles erzählen, was er fern der Heimat erlebt hatte.

Ein starkes Glücksgefühl durchzog seine Brust. Er hätte die ganze Welt umarmen mögen. Nur noch wenige Tage, dann konnte er in die Heimat zurückkehren. Wie würde sich die Mutter für ihn freuen!

Das Dorf lag schon im Dunkeln, nur der Wirtsgarten war noch erleuchtet. Es war eine milde Hochsommernacht. Nie hatte Dieter sie in der großen Stadt so bewusst erlebt. Das Zirpen der Grillen drang an sein Ohr, und vor sich sah er das Aufblitzen unzähliger Glühwürmchen. Am liebsten hätte er sich in das hohe Gras gelegt und die Nacht hier verbracht.

Aber er musste zurück, sonst würde sich die Mutter Sorgen machen. Nicht mehr lange, dann war er ja für immer hier.

***

Christl saß vor dem Haus und besserte eine alte Jacke vom Vater aus, als Georg auf seinem Traktor in den Hof fuhr. Erstaunt sah sie ihn an. Was wollte er um diese Zeit hier? Sonst kam er meistens abends auf eine Stunde vorbei.

Er bremste, dass die Räder quietschten und Christl sich die Hand vor die Augen hielt.

»Bist du narrisch geworden, Georg? So einen Staub zu machen, wo es doch so heiß ist heut«, sagte sie und sah ihn vorwurfsvoll an.

Er sah auf sie nieder und hätte sie am liebsten in die Arme gerissen. Sie wurde von Tag zu Tag hübscher! Heute trug sie die Haare wie eine Krone um den Kopf. Einzelne Strähnen hatten sich gelöst und fielen in Löckchen auf die tief gebräunten Schultern.

Hinter dem roten Mund blitzten weiße Zähne, und wenn sie lachte, zeigten sich zwei reizende Grübchen in ihren Wangen.

Georg setzte sich neben Christl auf die Bank.

»Stell dir vor, wer nach Hofbrunn kommt?«, sagte er und machte ein geheimnisvolles Gesicht.

Sie lachte ihn von der Seite an.

»Mach’s net so spannend, Georg. Die Königin von England vielleicht?«

Georg schüttelte den Kopf.

»Nein, die net, aber der Hofer-Dieter. Weißt, der mit uns zur Schule gegangen ist. Geschlagen hat er sich mit mir wegen dir. Und du warst ganz vernarrt in ihn.«

Über ihr Gesicht huschte ein freudiges Lächeln.

»Ja, der Dieter! Ich hab ihn net vergessen. Er war viel kleiner und dünner als du damals. Und trotzdem hat er immer wieder zugehauen, wenn du mir wehgetan hast.«

Doch das war dem Georg heute nicht mehr peinlich.

»Heut oder morgen kommt er für immer her. Der Doktor hat ihm die Praxis übergeben.«

Zwei helle blaue Augen sahen ihn erstaunt an.

»Die Praxis? Ist er denn Arzt?«

»Das wird er dir alles selbst erzählen, Christl. Aber nimm dich in Acht, er ist ein fescher junger Mann geworden. Am Samstag ist Schützenfest, und da wirst du ihn eh sehen.«

Georg sah das Dirndl aufmerksam an, während sein Herz schneller schlug. Er durfte sie ihm nicht wegnehmen, der Dieter! Auch, wenn er was Besseres war als er. Und so ein Studierter hatte es immer leichter, den Madln den Kopf zu verdrehen.

Christl schüttelte den Kopf.

»Red keinen Unsinn, Georg. Sicher bringt er sich sein Madl aus der Stadt mit. Im heiratsfähigen Alter ist er ja.«

Das beruhigte Georg wieder, und er versprach ihr, sie zum Schützenfest abzuholen.

Als sein Traktor um die Ecke gebogen war und Christl das Geräusch immer leiser werden hörte, ließ sie ihre Näharbeit sinken. Unwillkürlich glitt ihr Blick hinauf zum Martinsberg. Dort an der kleinen Kapelle hatten sie vor vielen Jahren Abschied genommen. Es war ein eiskalter Januarmorgen gewesen, und Dieter hatte ihre Hand gehalten.

»Ich komm wieder, Christl, und dann geh ich nimmer fort«, hatte er gesagt, und in seinen Augen hatte sie Tränen stehen sehen.

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