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Bad Earth Sammelband 5 - Science-Ficiton-Serie

Alfred Bekker, Manfred Weinland, Michael Marcus Thurner

Bad Earth Sammelband 5 - Science-Ficiton-Serie

Inhalt

Alfred Bekker
Bad Earth 21 - Science-Fiction-Serie
Der Tag der Revolte - fällt die Macht der Herren?

Noch immer im Getto geht die Jagd auf Cronenberg, Hays, Palmer und Scobee, die noch immer unter dem Einfluss der genetischen Programmierung steht, weiter.
Doch hat Scobee damit endgültig die Fronten gewechselt? - Eine folgenschwere Entscheidung steht bevor.

Gleichzeitig erfährt John Cloud immer mehr Einzelheiten über das Himmelfahrtskommando, das Shen Sadakos geheime Armee vorbereitet.

Sie planen den ultimativen Schlag gegen die "Master"...

Bad Earth - das spektakuläre Weltraum-Abenteuer in die Zukunft der Menschheit. Ein atemberaubender Trip in fremde Galaxien, zu epischen Raumschlachten und inmitten eines intergalaktischen Konflikts voller Intrigen.

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Manfred Weinland
Bad Earth 22 - Science-Fiction-Serie
Ein Regime wird entlarvt - Wer sind die Herren der Erde?

Während Scobee vor einen leibhaftigen Master gerufen wird, verlässt Cloud mit Shen Sadako und den anderen Mitgliedern der Geheimorganisation das Getto, den "verseuchten" Boden der einstigen Millionenstadt Peking. Dabei wird Cloud immer tiefer in die Pläne Sadakos eingeweiht - Pläne, die den Tod ins Zentrum der Macht tragen sollen.

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Michael Marcus Thurner
Bad Earth 23 - Science-Fiction-Serie
Tausende Meter unter dem Meer - im Exil der Stille

Die Identität der Master ist enthüllt - Fragen bleiben.
Doch wieder hat der Amorphe, jenes Geschöpf der "Hirten", die Initiative und Kontrolle an sich gerissen, und Darnok ist der Leidtragende. Gemeinsam auf der Flucht ist ihr Ziel eine unterseeische Station, von der aus sie sich eine Rückkehrmöglichkeit auf die RUBIKON II erhoffen.

Doch tief unter der Meeresoberfläche kommt es zu einer so nie erwarteten Begegnung!
Können die Flüchtigen von ihrer einstigen Heimat entkommen?

Bad Earth - das spektakuläre Weltraum-Abenteuer in die Zukunft der Menschheit. Ein atemberaubender Trip in fremde Galaxien, zu epischen Raumschlachten und inmitten eines intergalaktischen Konflikts voller Intrigen.

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Bad Earth 24 - Science-Fiction-Serie
Die Macht der Hirten offenbart sich

Die Flucht von der Erde und vor den Mastern geht weiter, mit dem vorläufigen Ziel, zurück auf die RUBIKON II zurückzukehren, wo inzwischen einer der ursprünglichen Erbauer erwacht ist: der "Hirte" Sobek.

Der Weg dorthin führt nur über eine uralte Station der Hirten, die sich in den Tiefen des Pazifik befindet ...

Gelingt ihnen der Sprung zurück zur RUBIKON II? Und welche Folgen hat ein Hilferuf, der dort empfangen wird?

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Bad Earth 25 - Science-Fiction-Serie
Im Schatten der Mächtigen

Die Marsstation befindet sich nun an Bord der RUBIKON II - und mit ihr auch ein bei vollem Bewusstsein befindlicher Nathan Cloud, der davon träumt, nach über 200 Jahren endlich erlöst zu werden.

Währenddessen befindet sich Darnok noch immer in Arabims Gewalt auf der Erde. Doch die Chancen stehen schlecht, denn nur mit der Hilfe von Sobek scheint eine Rettung möglich.
Kann der undurchschaubare Hirte überredet werden, den befreundeten Keelon zu befreien? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, noch einmal ins Herz der irdischen Macht vorzustoßen und den Keelon zu retten?

Und nicht zuletzt: Was sind die wahren Ziele Sobeks und der Hirten? Kann man ihnen trauen?

Bad Earth - das spektakuläre Weltraum-Abenteuer in die Zukunft der Menschheit. Ein atemberaubender Trip in fremde Galaxien, zu epischen Raumschlachten und inmitten eines intergalaktischen Konflikts voller Intrigen.

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Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Folge
  3. Über die Autoren
  4. Was bisher geschah
  5. Impressum
  6. Operation Omikron
  7. In der nächsten Folge

Über diese Folge


Folge 21: Operation Omikron

Der Tag der Revolte – fällt die Macht der Herren?

Noch immer im Getto geht die Jagd auf Cronenberg, Hays, Palmer und Scobee, die noch immer unter dem Einfluss der genetischen Programmierung steht, weiter.

Doch hat Scobee damit endgültig die Fronten gewechselt? – Eine folgenschwere Entscheidung steht bevor.

Gleichzeitig erfährt John Cloud immer mehr Einzelheiten über das Himmelfahrtskommando, das Shen Sadakos geheime Armee vorbereitet.

Sie planen den ultimativen Schlag gegen die »Master« …


Bad Earth – das spektakuläre Weltraum-Abenteuer in die Zukunft der Menschheit. Ein atemberaubender Trip in fremde Galaxien, zu epischen Raumschlachten und inmitten eines intergalaktischen Konflikts voller Intrigen.

Über die Autoren


Manfred Weinland schrieb bereits für renommierte Serien wie Perry Rhodan Taschenbuch, Ren Dhark, Maddrax, Dino-Land, Jerry Cotton, Gespenster Krimi, Professor Zamorra u.a., ehe er das Konzept für die Serie Bad Earth ausarbeitete. Zusammen mit Erfolgsautoren wie Alfred Bekker, Luc Bahl, W. K. Giesa, Peter Haberl, Horst Hoffmann, Claudia Kern, Achim Mehnert, Susan Schwartz, Conrad Shepherd, Marc Tannous, Michael Marcus Thurner und Marten Veit, die ebenfalls alle bereits jahrelange Erfahrung im Schreiben von Science-Fiction-, Action- und Abenteuer- oder Horrorromanen haben, gelang eine ebenso spannungsgeladene wie komplexe Science-Fiction-Serie, die sich einem Thema widmet, das alle interessiert: Der Zukunft der Erde und der Menschheit.

Was bisher geschah


Die irdischen Astronauten John Cloud, Scobee, Resnick und Jarvis verschlägt es in eine düstere Zukunft, in der die Menschen Erinjij genannt werden.

Im sagenumwobenen Aqua-Kubus finden sie ein Artefakt, das auf die ominösen Sieben Hirten zurückgeht: ein gewaltiges, rochenförmiges Raumschiff. Ihnen gelingt die Inbesitznahme, sie taufen es RUBIKON II. Mit diesem Schiff gelingt ihnen die Flucht aus dem Herrschaftsgebiet der Vaaren, und sie erreichen das heimatliche Sonnensystem, wo sie die Künstliche Intelligenz der RUBIKON überraschend des Schiffes verweist. Mittels einer Transportkapsel, wie sie schon den GenTecs Resnick und Jarvis zum Verhängnis wurde, gelangen sie zur Erde, in eine Tiefseestation der Hirten. Dort werden sie von einem amorphen Kunstwesen attackiert, das sich später als Retter in der Not erweist. Durch ein unterirdisches Gangsystem gelangen sie ins so genannte Getto – ein bizarres Konstrukt, das einmal die Millionenstadt Peking gewesen war. Nun ist sie ein Schmelztiegel der Outsider, der Entrechteten. Und während sich Cloud mit dem Nachfahren von Kaiser Sadako auseinander setzt und dabei endlich mehr über die Verhältnisse auf der Erde der Zukunft erfährt, trifft Scobee einen folgenschweren Entschluss …

 

Bad Earth

 

Alfred Bekker

Operation Omikron

 

Der Tag der Revolte – fällt die Macht der Herren?

 

Mein freier Wille war eine Illusion!, durchzuckte es Scobee, während sie dem ehemaligen NCIA-Chef Reuben Cronenberg durch die enge Gasse folgte. Hays und Palmer flankierten die junge Frau. Ich bin weniger als eine Sklavin.

Während des Flugs der RUBIKON hatte sie John Cloud immer davon zu überzeugen versucht, dass seine Vorbehalte die GenTecs betreffend ungerechtfertigt waren. Jetzt musste sie ihm beinahe Recht geben …

Wut beherrschte Scobee, gepaart mit Hass. Aber diese Emotionen waren in ihr eingeschlossen wie ein Insekt in einer Bernsteinträne. Das genetische Programm in ihr zwang die Klon-Matrix dazu, Reuben Cronenberg zu gehorchen – ganz gleich, was er befahl. Ihr Bewusstsein mochte noch so sehr dagegen rebellieren. Sie hatte nicht den Hauch einer Chance, sich gegen Cronenbergs Herrschaft zu wehren.

Das Übel liegt in jedem einzelnen Zellkern meines Körpers!, erkannte sie.

Einst hatte sie geglaubt, Cronenberg zu lieben. Aber das war in einem anderen Jahrhundert gewesen.

Die Frage ist, ob Liebe je das richtige Wort für das war, was an Emotionen zwischen uns stand, überlegte die junge Frau. In Anbetracht eines derart rigiden Autoritätsverhältnisses war das mehr als fraglich. Setzt Liebe nicht zumindest so etwas wie eine freie Wahl voraus? Die Entscheidung für einen ganz bestimmten Menschen? Aber welche Entscheidungsfreiheit hatte ich? Keine!

Cronenbergs bloße Anwesenheit reichte aus, um sie zum Gehorsam zu zwingen.

Mit Schaudern erinnerte sie sich an den Moment, in dem sie Cronenberg in einem der Stasetanks im Hauptquartier der Getto-Rebellen bemerkt hatte.

Bis dahin hatte sie geglaubt, Cronenberg wäre längst tot – so wie alle anderen Menschen des Jahres 2041. Wer hätte schon ahnen können, dass der ehemalige Geheimdienstchef zusammen mit ein paar anderen Personen den Abgrund der Jahrhunderte im Tiefschlaf überlebt hatte?

Scobee konnte es sich nicht verzeihen, dass sie es gewesen war, die diesem Gespenst aus der Vergangenheit zu neuem Leben verholfen hatte. Sie hatte die Aufwach-Funktion seines Stasetanks aktiviert und war anschließend zusammen mit ihm und zwei seiner ebenfalls aus dem Staseschlaf geweckten Getreuen in den Stadtdschungel des Gettos geflohen.

John wird mich für eine Verräterin halten, war ihr klar. Sie konnte es ihm nicht verdenken. Er wird glauben, dass ich es von Anfang an nur darauf abgesehen hatte, sein Vertrauen zu gewinnen, in Wahrheit aber immer nur Cronenbergs geheimen Plänen gefolgt bin.

Die von Shen Sadako, einem Nachfahren des letzten chinesischen Kaisers, geführten Rebellen würden sie erbarmungslos jagen.

Scobee machte sich darüber keine Illusionen.

Und auch für die Angehörigen von Sadakos Organisation war sie jetzt eine Verräterin. Sie konnte nicht damit rechnen, dass man besonders rücksichtsvoll mit ihr verfuhr, wenn die Rebellen sie in die Hände bekamen.

Scobee dachte einen Moment lang an John Cloud.

Das Schlimmste ist, dass sie auch ihn für einen Verräter halten werden, nachdem er behutsam versucht hat, eine Vertrauensbasis zu schaffen!, durchzuckte es sie. Das habe ich niemals gewollt …

Aber ihr Wille zählte in diesem Spiel nicht.

Für Cronenberg war sie nichts weiter als ein willfähriges Werkzeug. Eine Waffe in Menschengestalt, die in dieser strahlenverseuchten Umgebung wirksamer sein konnte, als der Strahler, den Cronenberg einem der von Scobee überwältigten Rebellen abgenommen hatte.

Scobee ließ ihren Blick umherschweifen.

Ciudad Latina glich einem Ameisenhaufen. Zahllose Menschen drängten sich in den engen Gassen. Kaum eine dieser Straßen war tatsächlich irgendwann einmal geplant worden. Die meisten Straßen stellten einfach Lücken zwischen den Gebäuden dar, die die Gettobewohner hier errichtet hatten. Eine wild wuchernde Siedlung, die Scobee in vieler Hinsicht an die ausufernden Slums der irdischen Metropolen des Jahres 2041 erinnerte. In der geordneten und renaturierten Welt des Jahres 2252 n.Chr. oder 211 nach der Ankunft waren derartige Erscheinungen normalerweise nicht mehr zu finden. Zumindest wenn man nach dem ging, was Scobee bislang über die Verhältnisse auf der Erde bekannt war. Eine Menschheit mit stark reduzierter Bevölkerungszahl lebte in hoch technisierten Metrops, während der Rest des Planeten eine Art gewaltige Forstlandschaft darstellte.

Nur die Gettozone stellte eine Ausnahme dar.

In die strahlenverseuchte Zone rund um das ehemalige Peking wurden die Abtrünnigen und Außenseiter gebracht, die sich außerhalb der geltenden Ordnung stellten. Ein Grüngürtel aus äußerst aggressiven Pflanzen außerirdischer Herkunft umgab diese Zone der Ausgestoßenen. Es gab kein Entkommen.

Im Laufe der Zeit hatten sich verschiedene Viertel gebildet, die zumeist nach ethnischer Herkunft geordnet waren. Ein Chinesenviertel existierte ebenso wie das so genannte Ameritown, Little Africa oder Dar-al-Arabya.

In Ciudad Latina lebten vor allem Menschen aus Lateinamerika und der iberischen Halbinsel. Auf Grund der Strahlenverseuchung funktionierten High-Tech-Geräte nur sehr eingeschränkt oder überhaupt nicht. So konnte man in den Straßen ein groteskes Nebeneinander unterschiedlichster Transportmittel bewundern. Vom Handwagen bis zum mühevoll restaurierten Hovercar. Besonders empfindlich waren elektronische Bauteile. Je einfacher die Technik, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass das entsprechende Teil auch tatsächlich funktionierte.

Die Gettobewohner lebten daher auf einem technischen Niveau, das weit unter dem anzusiedeln war, was ansonsten inzwischen auf der Erde der Erinjij üblich war. Zudem war die Strahlungsintensität in der verseuchten Zone ganz offensichtlich nicht immer gleichmäßig. Es gab Gebiete mit höherer und solche mit niedrigerem Verstrahlungsniveau.

Cronenberg und sein Gefolge erreichten einen Platz, der wie ein primitiver Markt wirkte. Händler boten lauthals Waren feil. Meistens handelte es sich um Ersatzteile und technische Geräte, die angeblich an jedem Punkt der Zone funktionierten. Nahrungsmittel und primitive Hieb- und Stichwaffen waren auch darunter. Hin und wieder auch einfache Strahler oder Nadelpistolen, die auf Luftdruckbasis arbeiteten.

Scobee spürte immer wieder die Blicke der Gettobewohner.

Offenbar entspricht unser Verhalten hier nicht der Norm, ging es ihr durch den Kopf. Aber alles andere wäre auch äußerst verwunderlich.

»Wie mächtig ist diese Rebellenorganisation eigentlich?«, fragte Cronenberg an die GenTec-Matrix gewandt.

Sie zuckte die Schultern. »Ich weiß es nicht.«

Cronenberg grinste. »Bei jedem anderen an deiner Stelle würde ich jetzt annehmen, dass du nur meiner Frage auszuweichen versuchst.«

»Aber bei mir nicht …«

»So ist es.« Er lachte heiser. »Bei dir weiß ich, dass du ehrlich bist, Scobee.«

»Weil ich keine andere Wahl habe.«

»Warum auch immer …« Cronenberg kicherte.

Der Strahler, den er einem der von Scobee niedergeschlagenen Rebellen abgenommen hatte, verbarg er unter der Kleidung. Hays und Palmer – die beiden anderen wiedererweckten Schläfer – waren unbewaffnet. In der Eile der überstürzten Flucht hatten sie nicht daran gedacht, den bewusstlosen Rebellen die Strahler abzunehmen.

Cronenberg wiederum war es ganz recht, in der Vierergruppe der einzige Bewaffnete zu sein. Er traute letztlich keinem von ihnen. Weder Dr. Xander Hays, dem ehemaligen Leiter des US-Telepathenprojekts noch Sid Palmer, dem ehemaligen persönlichen Berater von US-Präsidentin Sarah Cuthbert.

»Mir knurrt der Magen«, stellte Hays angesichts der Gerüche fest, die vom Markt herüberwehten.

»Und wir haben keinerlei Möglichkeit, hier auf dem Markt etwas zu kaufen«, ergänzte Palmer.

»Du könntest den Strahler gegen etwas anderes eintauschen«, schlug Scobee an Cronenberg gewandt vor.

Auf dessen Stirn erschien eine tiefe Furche. Dann grinste er breit und bleckte dabei auf eine Art und Weise die Zähne, die Scobee nicht gefiel.

»Das hättest du wohl gerne!«

»Du würdest dich mit diesem Strahler doch eher selbst verletzen, als einen Feind töten«, stellte Scobee fest. »Außerdem weißt du nie, ob du dich vielleicht gerade in einer Zone befindest, in der das Ding überhaupt nicht funktioniert.«

»Ich wusste gar nicht, dass dein genetisches Programm auch die Sorge um mich beinhaltet!« Er lachte überheblich.

»Eine besondere Form des Gehorsams, findest du nicht?«

»Kann man so sehen, Scobee.« Er fasste nach dem Strahler, legte die Finger um den Griff.

Scobee schluckte.

Jeden anderen könnte ich jetzt mit einem gezielten Schlag ausschalten, durchfuhr es sie. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gegner schnell genug die Waffe herausreißen und abfeuern konnte, um ihrem Angriff zuvorzukommen, war mehr als gering. Zumindest wenn die Distanz nicht zu groß war.

Aber Cronenberg konnte sie nicht ausschalten. Sie würde es niemals können, fürchtete sie. Ein Gedanke beherrschte sie plötzlich. Stell dir vor, John Cloud hat Shen Sadako gegenüber plausibel machen können, dass er mit deiner Handlungsweise nichts zu tun hatte … Stell dir weiter vor, dass er dich zusammen mit den Rebellen jagt … Wenn John dir gegenüber stünde und Cronenberg gäbe den Befehl, ihn zu töten, dann würdest du es tun. Ohne zu zögern …

***

»Hey, die kleine Kampfmaschine hat Recht«, stellte Palmer an Cronenberg gewandt fest. »Diesen verdammten Strahler brauchen wir nicht. Scobee kann doch jeden k.o. schlagen, der uns in die Quere kommt.«

»Ich werde die Waffe nicht als Tauschobjekt hergeben«, sagte Cronenberg mit Bestimmtheit. Für ihn war die Sache damit erledigt.

Für Palmer aber keineswegs.

Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Der ehemalige Präsidentenberater wirkte nervös und gehetzt. Auf diesem Marktplatz in Ciudad Latina schien er sich äußerst unwohl zu fühlen. »Mann, merken Sie gar nicht, dass wir beobachtet werden?«

»Das bilden Sie sich ein, Palmer!«, war Cronenbergs kalte Erwiderung.

»Wir sollten irgendwo eine Weile komplett abtauchen, bis wir etwas mehr über die Lage hier Bescheid wissen. Die Klon-Matrix in allen Ehren, aber sonderlich detailliert sind ihre Kenntnisse über diese Zeitepoche offensichtlich auch nicht!«

»Halten Sie die Klappe, Sid!«

»Sie wissen, dass ich Recht habe!«

Cronenberg blieb stehen und musterte Palmer abschätzig. Der sechzigjährige Ex-Berater verfügte normalerweise über eine geradezu erstaunliche Auffassungsgabe und ein außerordentliches Talent zu strategischem Denken. Im Augenblick schien davon nicht viel übrig geblieben zu sein. »Ich hoffe, Sie behalten jetzt die Nerven.«

»Da machen Sie sich mal keine Sorgen!«

»Ich sage Ihnen eins: Ich werde meinen Weg gehen – mit Ihnen oder ohne Sie! Es liegt ganz bei Ihnen!«

»Schön zu hören, woran ich bin!«

»Verdammt, wir sind aufeinander angewiesen, Sid! Als Berater waren Sie immer schön raus, brauchten nie wirklich die Verantwortung zu tragen. In der Schusslinie standen andere. So war es doch, oder?«

»Was soll das jetzt?«

»Die neue Lage, in der wir uns befinden, überfordert Sie vielleicht, Sid. Aber ich benötige Leute, auf die ich mich verlassen kann, wenn es hart auf hart geht. Keine Weicheier!«

Palmers Gesicht wurde dunkelrot. »Biotechnisch gezüchtete Sklaven – so wie die da!« Er deutete auf Scobee. »Die sind Ihnen wohl am liebsten. Sorry, dass Sie es mit einem Menschen zu tun haben …«

Sie gingen weiter. Drängten sich zwischen den Menschen auf dem Marktplatz entlang.

Scobee hatte schon seit einer ganzen Weile bemerkt, dass ihre drei Begleiter sich gegenseitig nicht wirklich vertrauten. Natürlich setzte die ungewohnte und für die drei ehemaligen Schläfer vollkommen überraschende Situation sowohl Cronenberg als auch seine Begleiter unter extremen Stress.

Aber das war es nicht allein.

Die Differenzen schienen grundsätzlicherer Art zu sein und Jahrhunderte zurückzureichen.

Ich frage mich, weshalb ausgerechnet diese Schläfergruppe in den Stasetanks gelandet ist, ging es Scobee durch den Kopf. Außer Cronenberg, Hays und Palmer hatten sich auch noch die Körper von US-Präsidentin Sara Cuthbert und eines Klon-Zwillings von Scobee in weiteren Tanks befunden.

Eine Erweckung der zweiten Scobee war nicht mehr möglich. Von ihr war nur ein mumifizierter Leichnam geblieben. Die Versetzung in Staseschlaf mit der dazugehörigen Konservierung schien nicht gelungen zu sein – aus welchen Gründen auch immer.

Und eine Erweckung von Präsidentin Cuthbert hat Cronenberg offenbar niemals in Betracht gezogen, wurde es Scobee klar.

Dafür musste es Gründe geben. Eine ganz andere Frage war, wie es überhaupt zur Zusammenstellung der Schläfergruppe gekommen war. Sympathie schien nicht unbedingt ausschlaggebend gewesen zu sein.

Schließlich sprühten zwischen Cronenberg und Palmer in schöner Regelmäßigkeit die Funken.

Hays hielt sich dabei immer auffallend zurück. Aber das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es zwischen ihm und Cronenberg ebenfalls Spannungen gab.

Scobee ließ den Blick schweifen.

Ihr fielen drei Männer mit langen dunklen Haaren auf, die zu Zöpfen zusammengefasst waren. Sie trugen Stirnbänder, auf denen ein Kreuz in einem Kreis zu sehen war. Unter den weiten bunten Hemden konnte man schwer erkennen, ob sie bewaffnet waren. Doch Scobee glaubte hin und wieder, erkennen zu können, wie sich Umrisse von Waffen abzeichneten. Einer der Kerle zog ein Messer aus einem Rückenfutteral und hantierte mit betonter Lässigkeit damit herum.

Sein Blick war einige Augenblicke lang direkt auf Scobee gerichtet.

Scobee schaltete ihre Augen auf Infrarotsicht um. Bei allen drei Männern entdeckte sie Wärmesignaturen unter der Kleidung, die sehr typisch waren …

Sie wandte sich an Cronenberg.

»Wir sollten hier schleunigst weg!«, forderte sie.

Cronenberg runzelte die Stirn. »Was ist mit dir los? Hier ist ein öffentlicher Platz. In dem Trubel fallen wir unter Garantie kaum auf.«

»Du irrst dich, Reuben. Wir werden schon seit geraumer Zeit beobachtet.«

»Was?«

Immerhin ist er klug genug, meine Feststellung nicht infrage zu stellen, dachte Scobee.

Sie trat näher an Cronenberg heran. Eine seltsame Mixtur von Gefühlen wurde dadurch ausgelöst. Sie erinnerte sich an die Anziehungskraft, die dieser Mann in früheren Zeiten auf sie ausgeübt hatte. Seine bloße Anwesenheit reichte, um diese Empfindung zu reaktivieren. Aber sie war gepaart mit tiefer Abneigung für einen Menschen, der sie nicht als gleichwertiges Wesen ansah.

»Sieh nicht zu auffällig zu den Typen mit den Stirnbändern!«, sagte sie leise.

»Was ist mit denen?«

»Die Wärmesignaturen ihrer Kleidung ähneln sehr stark denen, die von deinem Strahler verursacht werden …«

»Ich habe nie erwartet, der einzige Bewaffnete in dieser verfluchten Gettozone zu sein!«, erwiderte Cronenberg.

»Siehst du das Symbol auf den Stirnbändern?«

»Ja.«

»Schon als wir den Hovercar zurückließen sind mir Typen mit diesem Zeichen aufgefallen«, erklärte Scobee. »Könnte eine Art Gang sein, die in diesem Viertel ihr Unwesen treibt. Zweifellos interessieren sie sich für uns!«

»Was schlägst du vor?«

»Folgt mir! Wir versuchen sie abzuhängen!« Scobee ging voran.

Hays und Palmer maulten etwas herum. Aber schließlich zogen sie es vor, mit dem Tempo, das die GenTec vorlegte, Schritt zu halten. Sie bahnte sich einen Weg zwischen den Passanten hindurch. Reuben Cronenberg blieb ihr dicht auf den Fersen. Hays und Palmer folgten den beiden mit ein paar Metern Abstand.

Scobee wandte zwischendurch den Blick und bemerkte, dass die Stirnbandträger ihnen folgten – und aufholten.

Auf dem Balkon eines Hauses bemerkte die GenTec-Matrix einen weiteren Stirnbandträger, der mit Hilfe eines primitiven Feldstechers die Menge beobachtete.

Bei einem Pavillon, in dem man Ersatzteile für Hovercars erwerben konnte, blieb Scobee stehen. Dort fand eine Art Versteigerung statt. Besonders rare Ersatzteile wurden an den Meistbietenden abgegeben. Darunter auch ein Gerät, das angeblich in der Lage war, High-Tech-Komponenten gegen die Auswirkungen der Strahlenverseuchung abzuschirmen.

Scobee bemerkte zwei weitere Stirnbandträger in der Nähe der kleinen Bühne, die zu dem Pavillon gehörte. Die beiden ließen suchend den Blick schweifen. Einer von ihnen deutete in Scobees Richtung.

Die Männer sprangen von der Bühne und drängelten sich rücksichtslos durch die Menge der Bietenden. Doch die meisten machten ihnen ohnehin Platz, so gut es ihnen möglich war.

Scobee blieb stehen.

»Wir werden eingekreist«, stellte sie an Cronenberg gerichtet fest.

»Was schlägst du vor, Scobee? Ich hoffe doch, du kannst uns hier raushauen.« Cronenbergs Blick bohrte sich einen Moment lang in Scobees Augen.

Sie schluckte unwillkürlich.

»Gib mir die Waffe«, forderte sie.

Cronenberg lächelte dünn. »Was hast du vor, Scobee?«

»Schnell, sonst ist es zu spät!«

Cronenberg sah in Richtung der sich zu ihnen vorarbeitenden Stirnbandträger. Unruhe entstand in der Menge. Er schien mit sich zu ringen, ob er dem gentechnischen Programm in Scobees DNA trotz besseren Wissens misstrauen sollte. Aber die Lage war brenzlig, das begriff er.

Er holte den Strahler hervor und reichte ihn Scobee.

Damit er nicht so anfällig gegen die Wirkung der Strahlung war, hatten die Rebellen so gut wie sämtliche High-Tech-Komponenten entfernt. Es gab keine Zielerfassung und keine elektronische Regulierung der Strahlungsenergie. Man betätigte einfach den Auslöser und ein konzentrierter Laserstrahl zerschmolz alles, was ihm in den Weg kam.

Scobee nahm die Waffe in beide Hände.

Sie zielte auf das Dach des Pavillons und drückte ab. Der rotglühende Strahl blitzte grell auf.

Das Dach bestand aus einem tuchartigen Material und fing auch sofort Feuer.

Scobee schwenkte die Waffe.

Wie ein Messer durchtrennte der Strahl eine metallene Stützstange, und ein Teil des Pavillons brach sofort zusammen.

Panik entstand. Schrille Schreie gellten, Menschen stoben auseinander.

Genau das hatte Scobee beabsichtigt. Zusammen mit Cronenberg folgte sie dem Strom der Flüchtenden. Palmer und Hays folgten, so gut sie konnten. Innerhalb von wenigen Augenblicken herrschte vollkommene Orientierungslosigkeit unter den Passanten.

Mit äußerster Rücksichtslosigkeit kämpften sich die vier durch die in Panik geratene Menge. Für die Verfolger wurde die Lage jetzt vollkommen unübersichtlich. Menschen strömten ihnen entgegen und erschwerten ihnen das Fortkommen.

Schließlich gelang es Scobee und Cronenberg, an den Rand des Marktplatzes zu gelangen.

Ein Schrei ließ Scobee herumfahren.

Hays winkte ihr zu. Palmer folgte ihm dicht auf. Dem ehemaligen Präsidentenberater stand der Schweiß auf der Stirn.

»Warten Sie!«, rief Hays.

»Da vorne ist eine Gasse!«, rief Scobee und streckte den Arm aus. »Sie führt nach Norden. Ich schätze, dass wir dort aus Ciudad Latina hinausgelangen.«

»Und wohin?«, frage Hays. Er schüttelte den Kopf und wandte sich an Cronenberg. »Hören Sie jetzt auf diese Klon-Marionette und lassen sich Befehle geben?«, ätzte er.

Cronenberg streckte die Hand aus. »Gib mir den Strahler, Scobee!«

Scobee zögerte nicht eine Sekunde und händigte ihrem Herrn und Meister die Waffe aus.

Es geschah wie automatisch. Ihr Bewusstsein versuchte, sich dagegen zu sträuben, doch es war sinnlos.

Ein zufriedenes Lächeln erschien auf Cronenbergs Gesicht.

Er richtete den Blick auf Hays. »Entweder Sie haben einen besseren Vorschlag oder Sie halten einfach den Mund!«

***

Sie hetzten die schmale Seitenstraße entlang.

Zwei Männer mit einem voll beladenen Handwagen kamen ihnen entgegen. Der Wagen hatte Karosserieteile eines uralten Hovercars geladen.

Wir müssen sehen, dass wir hier so schnell wie möglich fortkommen, ging es Scobee durch den Kopf.

Für die Bewohner dieses Viertels wirkten sie offenbar wie Fremdkörper. Sie fielen auf. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die Stirnbandträger sie aufstöbern würden.

Vielleicht gehören die Männer mit dem Kreuz-im-Kreis-Symbol sogar zu den Rebellen, mutmaßte Scobee.

Shen Sadakos Leute hatten auf Scobee einen straff organisierten Eindruck gemacht.

Es war durchaus denkbar, dass die Rebellen zahlreiche Vertrauensleute in den einzelnen Vierteln hatten, die sie ständig auf dem Laufenden hielten.

Sie bogen nach etwa hundert Metern in eine weitere Seitengasse ein.

»Vielleicht sollten wir uns den nächsten Hovercar kapern, dem wir begegnen«, schlug Palmer vor.

Cronenberg lachte heiser.

»Sind wir nicht schon genug aufgefallen?«, versetzte er zynisch.

»So wie ich das sehe, geht es im Moment erst einmal darum, dass wir von der Bildfläche verschwinden.«

»Aber nicht so, Palmer!«

»Ihre kurze Zeit als Chef einer Putschistenregierung scheint Ihnen ja ziemlich zu Kopf gestiegen zu sein, Cronenberg!«, knurrte Palmer schneidend. »Vielleicht darf ich Sie daran erinnern, dass wir in dieser Zeit nichts weiter sind als Zombies, die aus den Gräbern steigen und sich die Augen darüber reiben, wie sich die Welt verändert hat!«

»Versuchen Sie nicht, philosophisch zu werden, Palmer. Das passt einfach nicht zu Ihnen«, war die eisige Erwiderung des ehemaligen NCIA-Chefs.

Palmer lächelte verkrampft. »Sollte ich da etwa einen Nerv getroffen haben? Aber trösten Sie sich, Cronenberg. Sie sind hier ebenso ein Nichts wie die von Ihnen abgesetzte US-Präsidentin.«

»Scheint Ihnen ja eine Genugtuung zu sein, Palmer. Sehnen Sie sich wirklich in die Zeit zurück, als Sie der Schoßhund von Sarah Cuthbert waren?«

Die Gasse teilte sich.

Cronenberg blieb stehen.

»Wir gehen nach links«, entschied er.

Hays meldete sich jetzt etwas genervt zu Wort. »Gibt es vielleicht irgendeinen nachvollziehbaren Grund dafür, nach links zu gehen?«, maulte er.

Cronenberg grinste. »Eine Frage des Instinkts«, sagte er und wandte sich an Scobee. »Was denkst du dazu?«

»Mein Instinkt weist in dieselbe Richtung«, sagte Scobee wahrheitsgemäß. Ihre Lippen bewegten sich wie automatisch. Sie hatte gar nicht die Möglichkeit, ihre wahre Meinung zurückzuhalten.

»Deine Sprechpuppe bestätigt dir doch alles, was du von ihr verlangst«, meinte Hays verächtlich. Er machte eine wegwerfende Geste.

Trotz ihrer offenkundigen Unzufriedenheit folgten Palmer und Hays dem ehemaligen NCIA-Chef weiterhin.

Sie haben keine andere Wahl und wissen das genau, überlegte Scobee. Die beiden sind auf Gedeih und Verderb mit Cronenbergs Schicksal verbunden. Eine explosive Mischung … Ich kann nur hoffen, nicht in der Nähe zu sein, wenn es zur Explosion kommt.

***

Cronenberg und seine Begleiter gelangten in ein Gebiet, in dem der Großteil der Häuser unbewohnt war und offenbar verfiel. Die Bevölkerung bestand auch nicht überwiegend aus Latinos, sondern schien bunt gemischt zu sein. Vor allem Menschen arabischer Herkunft fielen im Straßenbild auf.

Von Passanten erfuhren sie, dass sie sich in der Nähe des Araberviertel Dar-al-Arabya befanden.

Je weiter sie vordrangen, desto spärlicher wurde die Besiedlung. Immer größere Gebäudekomplexe standen offenbar leer. Mehrstöckige Gebäude standen ohne Fensterscheiben da. Kletterpflanzen hatten es teilweise geschafft, die Wände emporzuwachsen. Manche fraßen sich regelrecht in die Gebäudesubstanz hinein. In ihrer Nähe hing ein beißender Chlorgeruch in der Luft.

»Was ist das für Teufelszeug?«, fragte Cronenberg an Scobee gewandt. »Dieses Gestrüpp scheint Säure abzusondern …«

»Ich nehme an, dass es sich um Ableger der aggressiven extraterrestrischen Flora handelt, die die Gettozone wie ein Stacheldrahtwall umgibt«, gab Scobee Auskunft.

Auch Xander Hays war beeindruckt.

»Sie werden die Häuser zerfressen«, stellte er fest. An manchen Stellen waren bereits ganze Mauerstücke zu feinem Staub zerbröselt, nachdem sie dem geheimnisvollen Stoffwechsel der Säureranken zum Opfer gefallen waren. Selbst Fertigteile aus Kunststoff waren vor dem Hunger der Ranken nicht sicher.

»Der Wind wird die Samen dieses Mörderefeus auch in die Gettozone getragen haben«, vermutete Scobee.

Cronenberg nickte leicht. »Vielleicht sind diese Gebäude deshalb nicht mehr bewohnt, weil die Bewohner dieser Pflanzenpest einfach nicht Herr werden konnten.«

»Das würde bedeuten, dass das Getto langsam von ihnen aufgefressen wird«, meinte Palmer.

»Ich vermute, dass die Bewohner zuerst diese Häuser verlassen haben und sich die Pflanzen deshalb überhaupt erst ausbreiten konnten«, widersprach Scobee. »Andernfalls hätten wir dieses Problem auch an anderen Stellen des Gettos bemerken müssen.«

Cronenberg hob die Augenbrauen und musterte sie mit einem spöttischen Lächeln. »Sieh an, du kannst ja richtig logisch denken!«

»Das ist dir früher nie aufgefallen?«

»Ich gebe zu, dass ein paar andere Reize mich davon abgehalten haben.« Cronenberg deutete mit dem ausgestreckten Finger auf eines der Gebäude. »Suchen wir uns eine dieser Ruinen aus, um erst einmal einen Unterschlupf zu finden.«

***

Wenig später betraten sie ein quaderförmiges, vierstöckiges Gebäude. Fenster und Türen waren offenbar ausgebaut worden. Dafür sprachen die in den entsprechenden Öffnungen zurückgebliebenen Abdrücke und Löcher von den Verschraubungen und Halterungen.

Die Räume waren kahl.

Das Leben in der Gettozone war ohnehin recht einfach, verglichen mit dem gegenwärtigen technischen Standard auf der Erde. Bevor dieses Haus aufgegeben worden war, hatten die Bewohner buchstäblich alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest gewesen war.

Zunächst sahen sich die vier im Haus um.

Das Erdgeschoss war vollkommen unbewohnt.

Die Kletterpflanzen bewuchsen nur die Südseite. Akute Einsturzgefahr schien nicht zu bestehen.

Hays und Palmer waren ziemlich müde. Sie setzten sich auf den Boden und maulten herum, weil keine Aussicht bestand, bald etwas zu essen oder trinken zu bekommen.

Scobee wandte sich mit einem Vorschlag an Cronenberg. »Wir sollten uns die oberen Stockwerke kurz ansehen, damit wir nicht irgendeine unliebsame Überraschung erleben.« Sie zuckte die Achseln. »Es könnten sich zum Beispiel auch Tiere eingenistet haben.«

Cronenberg musterte sie einen Augenblick.

Er will mich nicht gehen lassen, ging es ihr durch den Kopf. Jedenfalls nicht allein.

Der Grund lag auf der Hand. Cronenberg fürchtete, dass ihr Gehorsam nachließ, sobald die räumliche Distanz größer wurde. Scobee nahm an, dass diese Furcht vollkommen unbegründet war. Schließlich hatte selbst der in Stasetiefschlaf versetzte Cronenberg ausgereicht, dass Scobee den Kommandoraum der Rebellenorganisation unter einem Vorwand verließ, um den Ex-NCIA-Chef aus dem Tank zu befreien.

»Wir gehen zusammen«, entschied er.

»Okay.«

Dass ich mich nicht auch noch vor ihm verbeuge, nachdem er mir eine Anweisung gegeben hat, ist auch alles!, durchfuhr es sie bitter.

Eine Treppe führte hinauf in den zweiten Stock. Die Räume waren ebenso kahl wie die im Erdgeschoss. Cronenberg hielt den Strahler in der Hand.

Im dritten Stock entdeckten sie ein Fenster, von dem aus man einen ziemlich guten Überblick über die Umgebung hatte. Es gab kaum Gebäude, die höher waren.

Scobee blickte misstrauisch die Straße entlang, die sie gekommen waren. Die Luft schien rein zu sein. Von der seltsamen Kreuz-im-Kreis-Gang war nichts zu sehen. Scobee wusste noch nicht einmal, ob sie das nun begrüßen sollte oder nicht. Ihre Situation war verfahren, wie man es drehte und wendete. Ihre Rolle als gehorsame Dienerin gefiel ihr nicht. Ganz gleich, wer die Zopfträger auch sein mochten – falls sie noch einmal auftauchten, konnte das vielleicht die Karten neu mischen …

Zum Beispiel durch Cronenbergs Tod, dachte sie.

Sie drehte sich zu Cronenberg herum, der sich in einer halbdunklen Schattenzone befand. Nur sein Umriss war erkennbar. Automatisch schaltete Scobee auf Infrarotsicht um. Jetzt sah sie ihn deutlich im Wärmeprofil.

Auch seine Waffe.

»Alles in Ordnung?«, fragte er.

»Dort draußen schon.«

»Und wo nicht?«

Scobee trat auf ihn zu, deutete auf den Strahler. »Das Wärmebild des Strahlers hat sich verändert …«

Cronenberg hob die Waffe an, starrte stirnrunzelnd darauf und begriff offensichtlich nicht, worauf Scobee hinauswollte.

»Ich würde sagen, es ist kaum noch energetische Aktivität in dem Ding«, erläuterte sie schließlich.

»Was?«

»Vermutlich kannst du die Waffe wegwerfen.«

Cronenberg richtete die Waffe auf eine der Wände und drückte ab.

Ein schwacher roter Strahl zuckte aus der Mündung. Er traf auf das Mauerwerk, blieb aber vollkommen ohne Effekt und versiegte dann.

»Das Ding ist doch kaum benutzt worden!«, stieß er hervor.

»Ich habe auch keine Erklärung. Es sei denn …«

»Was?«

»Vielleicht befinden wir uns in einem Gebiet mit hoher Verseuchung«, sagte Scobee. »Das könnte auch erklären, warum hier niemand mehr wohnt. Das Leben kann verdammt unbequem sein, wenn nicht nur das eine oder andere High-Tech-Modul, sondern nahezu alles nicht mehr funktioniert.«

»Na großartig!«, knurrte Cronenberg.

»Vielleicht haben wir den idealen Unterschlupf gefunden.«

»Wieso?«

»Wenn hier nicht einmal ein einfacher Strahler funktioniert, dann sicherlich auch nicht irgendwelche Ortungstechnik, über die die Rebellen vielleicht noch verfügen.«

Cronenberg nickte düster. Er machte schließlich eine ruckartige Bewegung mit dem Kopf. »Gehen wir wieder zu den anderen …«

Er drehte sich halb herum und wandte sich zum Gehen.

»Reuben …«

Cronenberg blieb stehen. »Ja?«

»Hays, Palmer, Cuthbert und die zweite Scobee – wie kam es dazu, dass ausgerechnet diese Gruppe in die Stasetanks gelegt wurde, um im Tiefschlaf zu überleben?«

»Du hast mich das schon einmal gefragt …«

»…und du hast mir keine Antwort gegeben. Aber wenn ich Palmer, Hays und dich so beobachte, scheint gegenseitige Sympathie nicht das ausschlaggebende Moment gewesen zu sein, das euch zu den auserwählten Schläfern machte!«

Cronenberg lachte und blickte ihr anschließend fest in die Augen.

Das überhebliche Lächeln um seine Mundwinkel gefiel ihr nicht.

»Okay, du sollst deine Antwort bekommen!«, kündigte Cronenberg schließlich an.

***

Zwei Wächter brachten John Cloud in einen fensterlosen Raum mitten im Hauptquartier der Rebellen.

Einige Männer und Frauen gruppierten sich mit angespannten Gesichtern um ein pyramidenförmiges Gerät. Ein drahtiger Mann mit schütterem blauschwarzem Haar, asiatischen Gesichtszügen und einem dünnen Oberlippenbart saß auf einem Stuhl davor, beugte sich vor und drückte die Stirn gegen eine sechseckige, schwach leuchtende Fläche.

»Ich dachte, Sie wollten mich einer Einsatzgruppe zuteilen, damit ich mich an der Jagd auf Scobee beteiligen kann«, wandte sich Cloud an Shen Sadako, den Nachfahren des letzten Kaisers, der das neochinesische Reich bis zur Invasion der Äskulap-Raumer im Jahr 2041 regiert hatte. »Warum werde ich jetzt hier her geführt?«

Sadako ignorierte Clouds Frage.

»Sie haben mit Aylea und dem Florenhüter Jelto gesprochen …?«

»Ja.« Cloud nickte und unterdrückte seine Verärgerung so gut es ging. »Ich habe Ihnen zu erklären versucht, weshalb sie als Geiseln hier im Hauptquartier bleiben müssen.«

»Gut. Was die Jagd auf Scobee angeht, so werden Sie schon noch auf Ihre Kosten kommen, Cloud.«

»Was soll das heißen?«

»Ich verstehe, dass Sie darauf brennen, sich an Ihrer ehemaligen Begleiterin für den Verrat, den sie begangen hat, zu rächen. Aber es ist soeben eine Nachricht eingetroffen, die Ihren Einsatz kurzfristig verschieben wird …«

»Ich verstehe nicht, wovon Sie sprechen!«

Shen Sadako lächelte nachsichtig. »Wir haben eine heiße Spur der Flüchtlinge und brauchen wahrscheinlich nicht den ganzen Getto-Heuhaufen nach der berühmt-berüchtigten Nadel zu durchforsten.«

»Eine Spur?«

Cloud war überrascht. Schließlich war das Getto ein mehr oder minder chaotisches Gebilde ohne die Fandungseinrichtungen einer effizienten Polizei.

»Der Geheimbund OMIKRON besitzt ein ausgedehntes Netz von Spitzeln und Vertrauensleuten in der gesamten Gettozone …«

»OMIKRON?«, echote Cloud.

»So nennen wir uns«, erklärte der Rebellenführer.

Warum benutzt eine ausschließlich aus Chinesen bestehende Untergrundorganisation ausgerechnet die Bezeichnung eines griechischen Buchstabens als Name?, ging es Cloud durch den Kopf. Aber er stellte diese Frage nicht. Sie war im Moment nicht weiter von Bedeutung.

»Einer dieser Vertrauensleute hat eine Gruppe von vier Personen beobachtet, die der Beschreibung der Flüchtigen entsprechen. Sie ließen zudem ein Hovercar zurück, das in dem stärker verstrahlten Gebiet nicht mehr funktionierte.« Shen Sadako lächelte überlegen. »Offenbar kannten sie die kleinen Tricks nicht, die man bei so einer Maschine in dieser Situation durchführen müsste. Auch das spricht dafür, dass es Cronenberg und seine Leute waren.«

»Worauf warten wir dann noch?«, hakte John Cloud nach.

Ein Zischen lenkte ihn ab. Es kam von dem pyramidenartigen Gerät.

Der Mann mit dem Oberlippenbart lehnte sich zurück. Er stöhnte auf, hielt sich den Kopf.

»Was ist los, Qong Wu?«, fragte Sadako.

Qong Wu schloss die Augen, atmete tief durch.

»Der Umgebungsscan nach relevanten Wärmemustern ist nicht so einfach durchzuführen …«, murmelte er.

Einer der anderen Anwesenden mischte sich ein. Er war jünger und hatte eine für einen Asiaten überraschend markante Nase. »Vor allem ist dieses Gerät nicht für menschliche Hirne gemacht!«, meinte er.

»Es geht schon, Zheng«, ächzte Qong Wu. Er atmete tief durch und öffnete wieder die Augen.

Außerirdische Technologie!, durchfuhr es Cloud.

Die Rebellen hatten sie offenbar bei irgendeiner Gelegenheit erbeutet. Erstaunlicherweise schien sie unter den High-Tech-feindlichen Bedingungen der verstrahlten Zone auch zu funktionieren.

Ein mattes Lächeln glitt über Qong Wus Gesicht. »Ich kriege das schon hin.«

John Cloud sah interessiert zu, wie der Chinese erneut die Stirn gegen die aufleuchtende Sechseckfläche drückte.

Shen Sadako beobachtete den Commander.

»Dieser Apparat ist nicht für uns konstruiert worden, wie Sie unschwer erraten haben«, erklärte er. »Er reagiert direkt auf Hirnwellen. Allerdings nicht auf die von jedem unter uns. Bei Qong Wu klappt es am besten. Deswegen bedient er den Apparat.«

Qong Wu unternahm einen weiteren Anlauf, um den pyramidenförmigen Apparat in Betrieb zu nehmen. An der Spitze der Pyramide entstand eine dreidimensionale Projektion des gesamten Gettogebietes. Deutlich war der Kordon aus außerirdischer Vegetation zu erkennen, der die Gettobewohner von einer Flucht abhalten sollte.

Ein pulsierender Lichtpunkt markierte eine bestimmte Stelle.

»Dort haben vier Personen, auf die die Beschreibung passt, einen Hovercar verlassen«, erklärte Qong Wu. »Dessen aufgezeichnetes Wärmebild stimmt mit dem Fahrzeug überein, das uns gestohlen wurde.«

Die Projektion veränderte sich. Sie wurde mit einem Muster aus unterschiedlich intensiven Rottönen überblendet.

Sadako trat etwas näher heran. Er nickte leicht. »Wie ich es mir dachte. Der Hovercar ist in einer Zone mit erhöhter Verseuchung liegen geblieben. Wahrscheinlich hat schlicht und ergreifend die Technik versagt.«

»Was ist mit der tiefroten Zone ganz in der Nähe?«, erkundigte sich John Cloud.

»Das Gebiet zwischen Ciudad Latina und Dar-al-Arabya«, erklärte Sadako. »Dort lebt kaum jemand, weil die Verseuchung derart stark ist, dass selbst einfachste technische Geräte versagen.« Er verzog das Gesicht. »Ein bisschen Luxus für das tägliche Leben beanspruchen schließlich selbst Gettobewohner für sich.«

Zheng meldete sich zu Wort. Der Mann mit der markanten Nase wandte sich direkt an Shen Sadako. »Wenn Sie mich fragen, dann wäre in dieser Zone ein ideales Versteck. Es gibt dort Dutzende von leer stehenden Gebäuden. Die einzige Gefahr sind ein paar außerirdische Pflanzen, deren Knospen Säure verspritzen und das Mauerwerk nach und nach zerfressen …«

Shen Sadako hob die Augenbrauen. »Sie scheinen sich dort gut auszukennen, Zheng.«

Der Angesprochene zuckte die Achseln. »Als ich mich vor zwei Monaten mit unserem Vertrauensmann bei Los Tigres verabredete, trafen wir uns in einer dieser Ruinen.«

»Was bedeutet ›Los Tigres‹?«, erkundigte sich John Cloud.

Zheng wandte den Kopf in seine Richtung.

Shen Sadako kam ihm jedoch zuvor und antwortete: »Los Tigres ist der Name einer Gang, die den Großteil von Ciudad Latina unter ihrer Kontrolle hat.«

»Sie arbeiten mit denen zusammen?«, fragte Cloud.

»Nicht offiziell. Wir geben uns nie zu erkennen. Für die Bewohner des Gettos ist der Geheimbund OMIKRON nichts weiter als eine Legende, an deren Wahrheitsgehalt niemand glaubt …«

Die Projektion verblasste zusehends und löste sich im nächsten Augenblick vollkommen auf.

Qong Wu stöhnte auf.

Er lehnte sich in seinem Schalensitz zurück, schloss einen Moment klang die Augen.

»Was ist passiert?«, fragte Shen Sadako.

»Das System ist zusammengebrochen. Sie wissen doch – auf die Dauer führt die Benutzung durch einen Menschen zum Absturz.«

»Versuchen Sie es noch einmal!«

»Das geht nicht«, lehnte Qong Wu ab.

»Wieso?«

»Es war ein Totalkollaps. Danach ist ein Wechsel des Benutzers notwendig. Es akzeptiert jetzt mein Hirnstrommuster nicht mehr. Das System muss erst von einem anderen Benutzer hochgefahren und neu kalibriert werden.«

Shen Sadako seufzte genervt. »Ich hoffe, das dauert nicht zu lange.«

»Wir werden tun, was wir können«, versprach Qong Wu. »Aber ich gebe zu bedenken, dass die Gehirnmuster aller anderen Benutzer bislang weniger gut akzeptiert wurden als die meinen.«

»Wir sollten dieses Gerät bei Gelegenheit so verändern, dass es für Menschen leichter zu benutzen ist …«, knurrte Shen Sadako.

»In Anbetracht der Tatsache, dass wir in einem Gebiet leben, in dem jegliche Hochtechnologie nur eingeschränkt funktioniert, müssen wir froh sein, dass unsere Geräte überhaupt arbeiten«, warf Zheng ein.

Qong Wu wandte sich dem Mann mit der markanten Nase zu. »Versuchen Sie es, Zheng. Ihre Ergebnisse waren eigentlich immer ganz gut.«

***

»Wir sind gezwungen, auch weiterhin im Geheimen zu operieren«, erklärte Shen Sadako an John Cloud gerichtet.

Cloud warf ihm einen fragenden Blick zu.

Worauf will er hinaus?, überlegte er.

Shen Sadako ging unruhig auf und ab, während sich Zheng weiter an dem pyramidenförmigen Ortungsgerät zu schaffen machte.

»Sie haben großes Glück, Cloud«, sagte der Rebellenführer nach einer ziemlich langen Gesprächspause.

»Was meinen Sie damit?«

»Die meisten Menschen, die von unserer Existenz erfahren haben, sind tot.«

»Ich verstehe.«

»Das hoffe ich. Wenn wir also in die Ciudad Latina gehen, um Cronenberg und seine Leute zu jagen, dann kommen Sie bitte nicht auf dumme Gedanken. Wir finden jeden.«

»Sie haben Aylea und Jelto als Geiseln. Ist das nicht Sicherheit genug?«

Shen Sadakos Lächeln wirkte dünn. »Sicher …«

Inzwischen hatte es Zheng geschafft, das pyramidenförmige Ortungsgerät neu zu kalibrieren. Die 3-D-Projektion der Gettozone entstand wieder. Zheng zoomte auf jenes Gebiet zwischen der Ciudad Latina und Dar-al-Arabya, in dem es nur unbewohnte Ruinen gab.

Vier pulsierende Punkte waren dort zu sehen.

Alle in demselben Gebäude.

»Es handelt sich um die Infrarot-Bilder von vier Personen«, erklärte Zheng und zoomte sie näher heran.

»Das kann unmöglich ein Zufall sein«, sagte Shen Sadako grimmig. »Scheint so, als wären sie wirklich dort untergetaucht.«

»Worauf warten wir dann noch?«, fragte John Cloud.

***

»Du musst dir Folgendes vorstellen, Scobee«, begann Cronenberg. »Das Weiße Haus war in den Händen von irgendwelchen religiösen Fanatikern, die mit dem Auftauchen der Äskulap-Schiffe das Ende aller Tage gekommen glaubten. Die Regierung hatte sich in einen Geheimbunker, viele Meter tief unter der Wüste von Nevada zurückgezogen. Die Situation wurde von Tag zu Tag schlimmer. Überall auf der Welt herrschte nach der Invasion das völlige Chaos. Große Gebiete versanken in Anarchie und wir waren damit beschäftigt, wenigstens einige funktionsfähige Reste von Armee und Regierung zusammenzuhalten. Außerdem versuchten wir verzweifelt, unsere Kommunikationskanäle wenigstens notdürftig wieder aufzubauen. Schließlich gelang es uns sogar, Kontakt zu Kaiser Sadako in der Qomolangma-Festung aufzubauen.«

»Um eine Art Bündnis gegen die Invasoren zu schmieden?«, fragte Scobee. Sie verschränkte die Arme unter der Brust.

Cronenberg nickte. »Ja, das trifft es exakt.«

»Offenbar war die Antwort positiv, sonst hätten wir die Stasetanks kaum im Hauptquartier einer Organisation gefunden, die von einem Nachfahren des letzten Kaisers geleitet wird«, meinte Scobee.

Cronenberg lachte. Scobees Vermutung amüsierte ihn. Sie hingegen hatte auch jetzt das Gefühl, nur ein Spielball für ihn zu sein.

»Ganz im Gegenteil, Scobee«, sagte er. »Die Chinesen lehnten unser Angebot ab. Sie glaubten wohl, nicht auf uns angewiesen zu sein …«

»Du hast Sarah Cuthbert abgesetzt. Palmer erwähnte so etwas …«

»Stimmt. Selbst Palmer, ihr engster Vertrauter, hat mich dabei unterstützt. Aber du wolltest wissen, wie es zu der Auswahl der Staseschläfer kam.« Er verzog das Gesicht. »Eigentlich war es keine Auswahl im eigentlichen Sinn.«

»Sondern?«, drängte Scobee.

»Wir sind übrig geblieben.«

»Das verstehe ich nicht.«

Es macht ihm Spaß mich zu verwirren, ging es ihr durch den Kopf.

Nach einer kurzen Pause fuhr Cronenberg fort. »Die auf der Erde gelandeten Äskulap-Schiffe verwandelten sich in kathedralenartige Türme, von denen eine Art mentaler Lockruf ausging. Überall wurden die Menschen von diesen Türmen angezogen wie die Motten vom Licht. Es war gespenstisch. Nach und nach desertierten die ersten Soldaten unseres Geheimstützpunktes und machten sich Richtung Washington auf.«

»Wieso Washington?«

»Dort befand sich der nächstgelegene Turm. Dr. Hays hatte einen Medikamentenmix zusammengestellt, der gegen diesen Drang helfen sollte.« Cronenberg atmete tief durch. »Die Wirkung hätte durchschlagender sein können. Immerhin konnten so einige von uns dem Mental-Terror der Invasoren widerstehen. Es war uns klar, dass wir verloren hatten. Die Chinesen haben es zwar irgendwie geschafft, eines der Äskulap-Schiffe in die Luft zu jagen. Aber unsere eigenen Bemühungen hatten keinerlei Erfolg.«

»Ihr wolltet also in den Stasetanks auf bessere Zeiten warten«, stellte Scobee fest.

»Ja. Uns standen allerdings nur fünf Tanks in der Kürze der Zeit zur Verfügung. So ließen wir schließlich alle Stützpunktangehörigen zu den Türmen ziehen. Wir hätten es auf die Dauer ohnehin nicht verhindern können. Selbst mit Hilfe von Medikamenten oder drakonischen Strafmaßnahmen nicht. Außerdem hätten sie uns am Ende nur die Plätze in den Stasetanks streitig gemacht.«

»Palmer und Hays sind überragende Fachleute, von denen du vermutlich geglaubt hast, dass du in ferner Zukunft auf ihre Fähigkeiten nicht verzichten kannst. Aber was ist mit Sarah Cuthbert? Wieso ist sie dabei gewesen? Ihr hattet sie abgesetzt und konntet nicht im Ernst erwarten, dass sie euch das verzeihen würde …«

Cronenberg lächelte kühl. »Interessiert es dich nicht vielleicht viel mehr, weshalb ich die damals bereits im Koma liegende zweite Scobee mit auf die ungewisse Reise in die Zukunft nahm?«

Die verschnörkelten Tattoos, die Scobee anstelle von Augenbrauen trug, hoben sich leicht. »Und?«

»Keiner von uns hat damit gerechnet, erst zweihundert Jahre später zu erwachen. Wir dachten daran, dass der Widerstand auf der Erde sich in wenigen Jahrzehnten stabilisiert hätte und uns dann jemand wiedererwecken würde …«

Er trat näher, strich Scobee gönnerhaft über das Haar.

Diese besitzergreifende Geste war ihr sehr unangenehm, aber sie hatte nicht die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.

»Was hat das mit meiner telepathisch begabten Klon-Kopie zu tun?«, fragte sie.

»Ich erhoffte mir, dass in der Zukunft eine Heilung für sie möglich wäre und ich über sie erneut Kontakt zu ihrer im Schlund des Jupiter-Wurmlochs verschwundenen Scobee-Matrix aufnehmen könnte.« Er grinste. »Du siehst, ich habe immer an dich gedacht, Kleines …«

Sie schluckte. Ihre Stimme klang tonlos. »Ja, das wird mir jetzt auch klar.«

»Lass uns zurück zu den anderen gehen, Scobee.«

»Gut.« Scobee riss sich zusammen.

»Hays und Palmer muss man im Auge behalten.«

»Du traust ihnen nicht.«

»Würdest du ihnen vielleicht trauen?«, fragte Cronenberg ironisch.

»Nein.«

»Na, also …«

***

Scobee und Cronenberg gingen zurück ins Erdgeschoss. Bei Hays und Palmer war die Laune inzwischen noch schlechter geworden.

»Wir brauchen dringend Nahrungsmittel, etwas zu trinken und so weiter«, maulte Hays. Er deutete auf Scobee. »Sie sollten die Kleine deswegen losschicken, Cronenberg. Sie ist am längsten von uns in dieser Zeitepoche und kennt sich immerhin ein wenig aus.«

Ein Geräusch lenkte Scobee ab. Sie wirbelte herum, war von einer Sekunde zur anderen alarmiert.

»Was hast du?«, fragte Cronenberg.

Im nächsten Augenblick stürmte bereits ein Dutzend Männer in den kahlen Raum. Sie trugen die Stirnbänder mit dem Kreuz-im-Kreis-Symbol.

Sie waren mit einem Arsenal von Hieb- und Stichwaffen ausgerüstet. Keulen, Wurfsterne und Springmesser waren darunter. Außerdem trugen einige von ihnen Pistolen, bei denen Scobee nicht sofort klar war, womit sie geladen waren und nach welchem technischen Prinzip sie arbeiteten. Einen Strahler trug keiner von ihnen.

Hays machte eine ruckartige Bewegung.

Sofort schoss einer der Eindringlinge eine klobig wirkende Pistole ab.

Es machte klack, und drei daumendicke Bolzen trafen Hays am Oberkörper und am Kopf. Er ächzte und sackte zu Boden.

Scobee begriff sofort, dass diese Waffen auf Luftdruckbasis funktionierten.

»Keine Bewegung!«, rief jemand.

Die Eindringlinge bildeten einen Halbkreis um Cronenberg, Scobee und Palmer.

Hays lag regungslos am Boden.

Ein Mann mit dünnem Oberlippenbart und schulterlangem, schwarzem Haar trat vor. Er schien der Anführer der Gruppe zu sein.

Scobee war kampfbereit.

Mit leicht gespreizten Beinen stand sie da und verlagerte leicht den Körperschwerpunkt. Jeder Muskel und jede Sehne ihres Körpers waren jetzt gespannt. Sie war bereit, wie eine Raubkatze auf ihre Gegner zuzuspringen. Das Risiko für die eigene Person spielte dabei keine Rolle.

Zumindest dann nicht, wenn Reuben den Befehl dazu gibt!, durchzuckte es die GenTec-Matrix.

Aber dieser Gedanke geriet in den Hintergrund, war schließlich nur noch ein leises Echo in den hinteren Regionen ihres Bewusstseins.

Der Anführer trat an den am Boden liegenden Hays heran, stieß ihn mit dem Fuß an und drehte ihn halb herum.

»Die Gummigeschosse haben gesessen und den Kerl ausgeknockt!«, stellte er fest. Er wandte sich an Cronenberg. »Ihr könnt das auch haben, wenn ihr wollt. Ist ziemlich schmerzhaft und wenn die Dinger unglücklich auftreffen, können sie sogar töten …«

»Was wollt ihr?«, fragte Cronenberg.

»Das ist die falsche Frage!«, stellte der Bandenführer klar.

Cronenberg hob die Augenbrauen. »So?«

Er schielte zu Scobee hinüber, die ihr Gewicht leicht verlagerte. Sie hatte nur eine Chance. Der erste Schlag musste sitzen und sie durfte nicht durch die Distanzwaffen ihrer Gegner außer Gefecht gesetzt werden. Gelang es ihr, das zu vermeiden, hatte sie eine gute Chance.

Der Bandenführer verschränkte die Arme vor der Brust. »Die Frage lautet: Was wollt ihr hier?«

»Keine Ahnung, was Sie meinen«, knurrte Palmer.

»Wir haben euch beobachtet. Ihr gehört nicht in die Ciudad Latina.«

Cronenberg berührte Scobee leicht am Arm. Warte noch, hieß das. Warte noch, bevor du dich wie ein Kamikaze-Flieger auf deine Gegner stürzt.

Scobee begriff das sofort.

»Wir kommen aus einem anderen Teil des Gettos«, behauptete der ehemalige NCIA-Chef.

Der Anführer lachte rau. »Und woher genau, wenn ich fragen darf?«

»Aus Ameritown!«, erklärte Scobee anstelle von Cronenberg.

»So? Ich glaube vielmehr, dass ihr lügt. Ihr kommt nicht einmal aus dem Getto, wenn ihr mich fragt.«

»Machen wir kurzen Prozess mit ihnen!«, meinte einer der anderen Gangmitglieder. »Das sind sicher Spitzel!«

»Ja, fragt sich nur für wen«, knurrte der Anführer düster.

»Aus denen werden wir doch nur Lügen herausquetschen können, wenn sie konditioniert wurden«, meldete sich ein anderer zu Wort. »Wir sollten sie verkaufen, so lange wir einen guten Preis für sie bekommen, Paco!«

Paco, der Anführer, grinste hässlich.

»Klingt vernünftig«, fand er. »Die Einrichtung wird es sicherlich zu schätzen wissen, wenn wir sie ihnen überlassen …«

Cronenberg und Palmer waren inzwischen weiter zurückgewichen. Hinter ihnen war nur noch die graue Betonwand.

Scobee stand ein paar Meter weiter vorn.

Die Männer kreisten sie weiter ein.

Einer spielte mit seinem Wurfstern herum. Der Kerl mit der Luftdruckpistole lud seine Waffe nach.

Keiner von ihnen trägt einen Strahler, ging es Scobee durch den Kopf. Sie wissen ganz genau, dass die hier nicht funktionieren …

»Ergreift sie!«, rief der Anführer. »Und wenn sie Schwierigkeiten machen, dann legt sie um.«

Zwei Männer näherten sich Scobee.

Sie wirbelte zur Seite, ließ den Fuß hochschnellen und schaltete den rechts von ihr stehenden Angreifer mit einem Tritt gegen den Kopf aus.

Ohne innezuhalten drehte sie sich blitzartig weiter.

Der Keulenschlag ihres nächsten Gegners ging ins Leere, und Scobee versetzte ihm einen Tritt vor den Solar Plexus.

Japsend und nach Luft ringend taumelte der Angreifer zwei Schritte rückwärts.

Sie warf sich zu Boden, während mehrere Hartgummigeschosse dicht über sie hinwegschossen. Sie prallten gegen die Wand.

Scobee rollte sich ab.

Ein weiterer Gummibolzen knallte dicht neben ihr auf den Boden und verfehlte ihren Kopf nur um Haaresbreite.

»Macht sie fertig!«, rief der Anführer.

Scobee war sofort wieder auf den Beinen, parierte ein Springmesser. Ein wuchtiger Handkantenschlag ließ den Angreifer regungslos zu Boden sinken.

Bei einem zweiten hakte sie den Fuß die die Kniekehle und brachte ihn so zu Fall. Sie kickte ihm die Luftdruckpistole aus der Hand, ehe ein weiterer Tritt ihn kampfunfähig machte.

Zwei Wurfsterne sirrten durch die Luft.

Scobee wich ihnen aus, bückte sich nach der Luftdruckpistole, die sie einem der Angreifer aus der Hand getreten hatte, hob sie auf und drückte ab.

Ein Schrei war zu hören.

Die kurz hintereinander aus der Mündung schießenden Gummibolzen trafen einen der Kerle mitten im Gesicht.

Die Waffe selbst schleuderte Scobee mit schier übermenschlicher Kraft durch den Raum und traf zielsicher den Anführer. Dieser hob noch den Arm, um dieses Wurfgeschoss abzuwehren. Im nächsten Moment war Scobee bei ihm, rammte ihm das Knie in den Magen und die Faust ins Gesicht.

In eigenartig verrenkter Haltung blieb er auf dem Boden liegen.

Die Gangmitglieder, die noch auf den Beinen waren, wichen zurück. Ihnen dämmerte nun, dass sie es nicht mit einer gewöhnlichen Frau zu tun hatten, sondern mit einer wahren Kampfmaschine, die ohne Schwierigkeiten dazu in der Lage war, die Angreifer einen nach dem anderen außer Gefecht zu setzen.

Erneut wurde ein Bolzengeschoss auf Scobee abgefeuert. Der Schütze hatte die Waffe bislang hinter einem seiner Kumpane versteckt gehalten.

Die GenTec versuchte noch auszuweichen, doch das Geschoss erwischte sie an der Schulter. Sie wurde zurückgerissen, taumelte zu Boden.

Ein höllischer Schmerz durchzuckte sie.

Aber das dauerte nur Sekundenbruchteile. Ihre spezielle Konditionierung ermöglichte es ihr, derartig Empfindungen zu unterdrücken.

Sie rollte sich auf dem Boden herum, griff nach einem Wurfstern, der auf dem Boden lag und schleuderte ihn einem der Männer entgegen.

Sie traf ihn am Hals. Röchelnd sank er zu Boden.

Die anderen hatten jetzt genug. Sie flüchteten.

Scobee erhob sich wachsam.

»Eine Meisterleistung, Schätzchen«, sagte Cronenberg auf die gönnerhafte Art und Weise, die Scobee innerlich zum Explodieren bringen konnte.

Palmer meldete sich zu Wort. »Wir dürfen keinen von ihnen entkommen lassen! Sonst tauchen sie hier in Kürze in noch größerer Zahl auf!«

»Palmer hat Recht«, stellte Cronenberg fest. »Setz sie außer Gefecht, Scobee!«

Es war ein Befehl.

Scobee nickte nur. Es war sinnlos, den Gehorsam verweigern zu wollen.

»Na los, tu was nötig ist, Scobee. Und dann komm hierher zurück!«, fügte der ehemalige NCIA-Chef noch hinzu.

Scobee spurtete los.

Ihre körperliche Konstitution war der fast aller normal geborenen Menschen haushoch überlegen.

Sie war sich sicher, die Männer noch rechtzeitig einholen zu können.

***

Shen Sadako blieb im Rebellenquartier.

Die Einsatzgruppe stand unter dem Kommando eines jungen Mannes namens Guonang. Qong Wu gehörte ebenfalls zu dem aus insgesamt zehn Rebellen bestehenden Trupp. Er trug ein Sichtgerät bei sich, das in der Lage war, auf Infrarot-Basis Wärmespuren zu erkennen. Cloud gegenüber erwähnte er, dass es außerirdischen Ursprungs war und daher die Hoffnung bestand, dass es im extrem anomalieverseuchten Zielgebiet zumindest teilweise einsatzfähig blieb.

Die Bewaffnung der Rebellen war gemischt. Einige von ihnen trugen Strahler, andere Nadler und Gummibolzenpistolen, die auf Luftdruckbasis funktionierten.

»Die funktionieren auch im Zielgebiet!«, versicherte Qong Wu Cloud gegenüber.

Mit zwei altersschwachen Hovercars erreichten sie den äußeren Rand der Ciudad Latina. Die Hovercars stellten sie in einer Seitenstraße ab. Zwei der Rebellen blieben bei den Fahrzeugen. Der Rest setzte den Weg zu Fuß fort.

Aus Sicherheitsgründen gab es keinerlei Funkverbindung zum Hauptquartier.

Guonang führte einen etwa handgroßen Navigator mit sich, auf dessen Display die gegenwärtige Position und das Zielgebiet markiert waren.

Cloud bemerkte, dass die Anzeige hin und wieder gestört wurde, bis sie schließlich völlig zusammenbrach.

Guonang deaktivierte das Gerät und befestigte es mit einer Magnethalterung am Gürtel.

»Man merkt, dass wir uns dem hochgradig anomalieverseuchten Zielgebiet nähern«, meinte er.

Solange sich die Gruppe in den dicht bevölkerten Gassen der Ciudad Latina befand, mussten sie sich möglichst unauffällig verhalten. Zeitweilig teilten sie sich in kleinere Gruppen auf, die, scheinbar getrennt voneinander, auf das Zielgebiet zumarschierten.

John Cloud fielen hier und da Männer mit Stirnbändern auf, die das Symbol von Los Tigres trugen. Ein Kreuz im Kreis. Diese Gang schien hier tatsächlich alles im Griff zu haben.

Endlich erreichten sie das Zielgebiet.

Der Anteil der unbewohnten Häuser wurde immer größer. Cloud fielen die Kletterpflanzen auf, die mancherorts das Mauerwerk regelrecht zerfraßen. Hier und da hing ein chlorartiger, beißender Geruch in der Luft.

Ich bin der Einzige, der keine Waffe trägt, überlegte John Cloud, während sie den Weg durch das Ruinenviertel fortsetzten. Daran sieht man, wie wenig Vertrauen mir Shen Sadako entgegenbringt.

Schließlich erreichte die Gruppe jenes Gebäude, in dem sich Cronenberg, Scobee, Hays und Palmer vermutlich aufhielten.

Auf dem Vorplatz des vierstöckigen, quaderförmigen Baus lagen drei Männer in eigenartig verrenkter Haltung auf dem Boden.

John Cloud kniete bei dem Ersten von ihnen nieder und untersuchte ihn.

»Bewusstlos«, stellte er fest und erhob sich wieder.

Guonang hatte sich einem der anderen am Boden liegenden Männer zugewandt. Er nahm ihm das Stirnband mit dem Kreuz-im-Kreis-Symbol ab und hielt es hoch. »Wenn sich Cronenberg und seine Leute in der Hand von Los Tigres befinden, werden wir schwer an sie herankommen. Unseren Informationen nach verkaufen sie Gefangene an die Einrichtung.«

»Ich glaube nicht, dass sie in Gefangenschaft geraten sind«, erklärte Cloud.

Guonang hob die Augenbrauen.

»Sie trauen Scobee offenbar viel zu, Cloud. Auch, dass sie mit einer Horde von Gangkriegern fertig wird, die im Straßenkampf erprobt sind.«

»Schließlich konnte sie auch Ihre Männer ausschalten, als sie an die Stasetanks heranwollte«, gab Cloud zu bedenken.

Qong Wu scannte inzwischen mit seinem Sichtgerät die Umgebung. »Es gibt Wärmeabdrücke«, erklärte er. »Sie sind unterschiedlich stark, woran sich eine zeitliche Abfolge erkennen lässt.«

»Was ist passiert?«, fragte Guonang ungeduldig.

»Etwa ein Dutzend Personen lief in das Gebäude da vorne. Nur diese drei kamen wieder heraus. Ihnen folgte noch jemand.«

»Jemand, der jetzt nicht hier liegt«, stellte Guonang fest.

»Scobee!«, stieß Cloud hervor.

»Jedenfalls kehrte diese Person zurück ins Gebäude«, ergänzte Qong Wu. Er senkte das Sichtgerät und gab ihm einen Stoß mit dem Handballen. »Verdammtes Ding!«

»Was ist los?«, fragte Cloud.

»Funktioniert nicht mehr. Die Subroutinen müssen neu initialisiert werden.«

»Ein Effekt der Verseuchung?«

Qong Wu nickte. »Ja. Auch außerirdische Technologie ist keineswegs immun dagegen.«

***

Die Gruppe pirschte sich näher an das Zielgebäude heran.

Die ersten Rebellen stürmten schließlich mit dem Nadler im Anschlag in das Gebäude hinein.

Cloud folgte zusammen mit Guonang und Qong Wu etwas später.

In einem der Räume des Erdgeschosses fanden sie dann den Rest der Gangmitglieder. Sie lagen regungslos auf dem Boden.

Ein Stöhnen war zu hören.

Einer der am Boden liegenden Körper bewegte sich leicht.

»Das ist Xander Hays!«, stieß Guonang hervor.

Zwei Rebellen kümmerten sich sofort um den ehemaligen Leiter des US-Telepathenprojekts.

Hays versuchte zu sprechen, brachte aber zunächst nichts heraus.

»Wo sind Cronenberg und die anderen?«, fragte Cloud.

»Keine … Ahnung …«, murmelte der Wissenschaftler. Er rang nach Luft, betastete vorsichtig den Brustkorb und den Kopf – und verzog schmerzerfüllt das Gesicht.

»Diese Schweine haben mich einfach hier zurückgelassen!«

»Sie müssen doch überlegt haben, wo die Reise hingehen soll!«, beharrte Cloud.

Erneut eine Pause. Hays wirkte blass.

»Wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen sagen!«, behauptete er. Er kniff die Augen zusammen und blinzelte. »Sie sind Cloud, nicht wahr?« Er lächelte matt. »Die zweite Marsexpedition war zwar geheim, wodurch Sie leider kein Medienstar werden konnten – aber ich habe Ihr Bild in einer Personaldatei gesehen …«

»Er hat wahrscheinlich mehrere gebrochene Rippen«, stellte der Rebell fest, der den Verletzten oberflächlich untersucht hatte.

Hays klagte außerdem über Schwindelgefühl und Sehstörungen.

Qong Wu trat hinzu, hob eines der Gummigeschosse auf und sagte: »Wenn er so etwas aus nächster Nähe abgekriegt hat, ist das kein Wunder! Wenn wir Pech haben, hat er sogar innere Verletzungen.«

»Wir müssen so schnell wie möglich hier weg«, forderte Guonang, »sonst bringen Los Tigres uns hiermit in Verbindung.«

Er griff zu einem einfachen Funkgerät, das er für alle Fälle am Gürtel trug. Bis auf ein unangenehmes Rauschen wurde der Empfang durch die Anomalie-Verseuchung nicht gestört.

Zuerst beorderte Guonang die beiden Hovercars etwas näher an den Ort des Geschehens heran. Er wies die bei den Fahrzeugen zurückgebliebenen OMIKRON-Rebellen an, so nahe wie möglich an das Zielgebiet heranzufahren, ohne dass die Funktionsfähigkeit der Fahrzeuge auf Grund der starken Verseuchung zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde.

»Stellt euch darauf ein, dass wir einen Verletzten bei uns haben«, teilte der Kommandant der Einsatzgruppe ihnen mit.

Als Treffpunkt wurde die so genannte Plaza Violetta ausgemacht. Dort ragte die Nase eines weniger stark verseuchten Gebietes in jene Zone hinein, in der so gut wie gar keine Technik mehr funktionierte.

»Sie werden nicht so dumm sein, zurück in die Ciudad Latina zu marschieren«, wandte sich Guonang an Qong Wu. »Ich schlage vor, die Jagd in den angrenzenden Gebieten von Dar-al-Arabya fortzusetzen. Woanders können die drei doch gar nicht untergetaucht sein.«

»Nein, kommt nicht infrage!«, wehrte der Angesprochene ab. Cloud wunderte sich über die Heftigkeit des Einwands.

»Aber sie können noch nicht weit sein«, versuchte Guonang den Älteren zu überreden.

»Dar-al-Arabya ist zurzeit für uns tabu. Wir kehren mit Hays zum Hauptquartier zurück. Es ist zu riskant. Shen Sadako war diesbezüglich doch wohl unmissverständlich.«

John Cloud fragte sich, was es in Dar-al-Arabya geben mochte, sodass der Geheimbund OMIKRON sich bedroht fühlte.

Guonang ging Qong Wus Einwand sichtlich gegen den Strich.

»In Ordnung«, knurrte er dennoch.

»Wieso ist Dar-al-Arabya tabu für den Geheimbund OMIKRON?«, hakte John Cloud nach.

»In Dar-al-Arabya hat es einen Machtwechsel gegeben«, erklärte Guonang an Cloud gewandt. »Eine Gang, deren Angehörige sich Fedayyin nennen, hat jetzt das Sagen. Die Fedayyin haben einige unserer Vertrauensleute getötet und waren nahe daran, OMIKRON zu enttarnen.«

»Noch glauben sie allerdings, dass hinter unseren Aktivitäten irgendein Syndikat steckt, das den Handel mit Alien-Beutetechnik zu beherrschen versucht«, ergänzte Qong Wu.

Dass bei Shen Sadako das Sicherheitsdenken sehr groß geschrieben wurde, hatte John Cloud inzwischen begriffen.

Cloud hatte dafür in Anbetracht der Situation, in der sich die Omikronisten befanden, auch durchaus Verständnis. In diesem besonderen Fall verstand er die mehr als ängstliche Handlungsweise des Rebellenführers jedoch nicht.

»Cronenberg, Palmer und Scobee werden uns durch die Lappen gehen«, war er überzeugt.

Guonang zuckte die Achseln. Er teilte ganz offensichtlich Clouds Meinung, hatte aber keinen Handlungsspielraum.

»Am besten, Sie fragen Shen Sadako selbst danach«, erwiderte er knapp.

***

Die Einsatzgruppe verließ das Gebäude. Zwei Rebellen stützten den verletzten Hays, der immer wieder vor Schmerzen aufstöhnte und beinahe getragen werden musste.

Guonang trieb die Männer zu größerer Eile an.

»Ich habe keine Lust zu warten, bis Los Tigres zu sich kommen oder es hier vor weiteren Gangmitgliedern wimmelt!«, stieß er hervor.

Sie hetzten durch die leeren Gassen, an denen zu beiden Seiten vor langer Zeit verlassene Häuser standen. Einige waren schon über und über mit außerirdischer Vegetation überwuchert.

Immer wieder musste die Gruppe wegen Hays anhalten. Er sackte mehrmals in sich zusammen und hing dann zeitweilig schlaff in den Armen der Rebellen.

Schließlich erreichten sie die Plaza Violetta, in deren Mitte ein bläulich schimmernder, quaderförmiger und mehrere Stockwerke hoher Bau zu finden war, der dem Platz offenbar seinen Namen gegeben hatte.

Die Plaza Violetta war ein Schnittpunkt zwischen verschiedenen Vierteln, insbesondere der Ciudad Latina und Dar-al-Arabya. Aber unter den Passanten war auch ein erheblicher Anteil dunkelhäutiger Bewohner aus Little Africa.

Zwei Hovercars fuhren auf Guonangs Einsatzgruppe zu und stoppten ziemlich abrupt.

Hays wurde in das hintere der beiden Fahrzeuge gehievt. Cloud saß neben ihm. Er ließ den Blick schweifen und bemerkte, dass eine Reihe von Passanten stehen blieb und sie interessiert beobachtete.

»Keine Sorge, hier an der Plaza Violetta werden es Los Tigres auf keinem Fall wagen, gegen uns vorzugehen«, sagte Qong Wu.

»Wieso nicht?«, fragte Cloud.

»Weil dies ein neutraler Ort ist. Die Fedayyin aus Dar-al-Arabya und anderen Gruppen würden sofort gegen sie vorgehen.«

Hays meldete sich mit heiserer Stimme zu Wort. »Wenn wir das gewusst hätten, wären wir dieser verdammten Gang nicht in die Arme gelaufen! Und ich hätte diese Gummigeschosse nicht abgekriegt!«

Qong Wu lächelte dünn. »Vielleicht haben Sie im Vergleich zu Cronenberg und den anderen das bessere Los gezogen. Sie sind immerhin jetzt in Sicherheit!«

***

Die beiden Hovercars erreichten das Hauptquartier der OMIKRON-Rebellen ohne Zwischenfälle. Hays wurde zur ärztlichen Untersuchung in ein Behandlungszimmer gebracht.

Cloud verlangte, Shen Sadako zu sprechen.

Von Guonang und einem Wächter wurde er daraufhin in einen Trakt des Hauptquartiers geführt, den er bisher noch nicht betreten hatte.

Schließlich gelangten sie in ein ziemlich weiträumiges Zimmer, dessen Einrichtung zwar schlicht, aber vergleichsweise persönlich war. An den Wänden hingen Wandteppiche. Außerdem ein Porträt, das Hu Sadako zeigte – den letzten Herrscher des neochinesischen Kaiserreichs. Der Geruch von grünem Tee hing in der Luft. Um einen runden Tisch herum gruppierten sich insgesamt vier Schalensessel.

Außer Shen Sadako hatte dort noch eine zweite Person Platz genommen, die Cloud sofort erkannte.

Es handelte sich um Sarah Cuthbert, die ehemalige Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Offenbar war auch sie inzwischen mit Erfolg aus dem Staseschlaf geweckt worden.

»Wie ich hörte, war Ihre Jagd nur teilweise erfolgreich«, stellte Shen Sadako fest.

Anstelle von Guonang antwortete Cloud. »Wir hätten Cronenberg und die anderen sicher noch gefangen, wenn die Aktion nicht abgebrochen worden wäre!«

Shen Sadako lächelte nachsichtig. »Da sind Sie im Irrtum, Cloud.« Er erhob sich, und Sarah Cuthbert folgte dem Beispiel des Rebellenführers. »Ich werde zurzeit keinerlei Aktionen in Dar-al-Arabya durchführen. Die Fedayyin-Gang ist peinlich darauf bedacht, dass ihr niemand in die Quere kommt. Einige ihrer Leute waren schon sehr nahe daran, herauszufinden, wer wir wirklich sind.«

»Dann wollen Sie tatenlos zusehen, wie Cronenberg, Scobee und Palmer in Dar-al-Arabya untertauchen und sich vielleicht neue Bundesgenossen suchen?«

Shen Sadako schüttelte den Kopf. »Keineswegs. Die drei werden unweigerlich den Fedayyin in die Hände fallen. Ich habe bereits über Mittelsmänner Kontakt zu ihnen aufgenommen. Sobald Cronenberg, Palmer und Scobee in Dar-al-Arabya gefasst sind, wird die Fedayyin-Gang sie an uns verkaufen.«

»Und wer sagt Ihnen, dass diese Leute sich an die Abmachung halten?«, fragte Cloud. »Ich dachte, die Fedayyin hätten erst vor Kurzem die Kontrolle über das Araberviertel übernommen.«

Der Rebellenführer nickte. »Das ist richtig.«

»Dann kennen Sie diese Leute doch gar nicht gut genug, um ihnen Vertrauen zu können.«

»Auch das ist richtig. Im Moment habe ich aber keine andere Wahl, Cloud. Ein Konflikt mit den Fedayyin könnte unsere gegenwärtigen Pläne kurz vor dem Ziel gefährden. Das darf nicht passieren. Unter keinen Umständen.«

»Was für Pläne?«, hakte Cloud nach.

Shen Sadako ging darauf zunächst nicht weiter ein. Er deutete auf Sarah Cuthbert. »Ihre Präsidentin werde ich Ihnen ja wohl nicht vorstellen brauchen, Cloud.«

Sarah Cuthbert war biologisch gesehen Anfang dreißig, auch wenn sie über zwei Jahrhunderte in Stasetiefschlaf verbracht hatte. Das dunkle Haar trug sie zu einem Knoten zusammengefasst. »Auch wenn wir uns persönlich nie begegnet sind, Mr. Cloud – ich habe viel von Ihnen gehört.«

»Es freut mich, Sie gesund und munter zu sehen, Präsidentin Cuthbert«, sagte Cloud.

»Die Präsidentin gehört der Vergangenheit an.«

»Ich habe gehört, dass Cronenberg Sie abgesetzt hat!«

Ein harter Zug stahl sich jetzt in die ansonsten eher weichen Gesichtszüge der Ex-Präsidentin. »Sie haben Recht. Die größte Enttäuschung dabei war, dass einige meiner engsten politischen Weggefährten Teil der Verschwörung waren.«

»Sie sprechen von Palmer?«

»Unter anderem.« Sarah Cuthbert seufzte. »Aber daran sieht man, was eine politische Freundschaft wert ist, wenn es hart auf hart kommt – gar nichts.«

»Um so mehr verwundert es mich, dass Cronenberg offenbar dafür gesorgt hat, dass ein Stasetank ausgerechnet für Sie reserviert wurde«, sagte Cloud.

Ein Lächeln spielte um ihre vollen Lippen. »Cronenberg ist ein Mann, der stets auf äußerste Sicherheit bedacht war. Ich war wohl eine Art Rückversicherung für ihn. Schließlich hatte ja zumindest theoretisch die Möglichkeit bestanden, dass die außerirdische Invasion in der Zeit unseres Staseschlafs durch regierungstreue Amerikaner abgewehrt worden wäre.«

»Ich verstehe.«

»Mr. Cloud …«

»Ja?« Cloud registrierte, dass ihr Tonfall sich verändert hatte. Sie wirkte angespannt.

»Wie lautete die interne Geheimkennung des Rubikon-Projekts?«

Eine Prüfung!, erkannte Cloud. Er fühlte Shen Sadakos Blick auf sich gerichtet. Das Ergebnis der genetischen Untersuchung scheint ihm nicht auszureichen.

Die Mutationen im mythochondrischen Genmaterial funktionierten wie eine biologische Uhr, mit deren Hilfe man schon zu Beginn des 21. Jahrhunderts Altersbestimmungen vorgenommen hatte.

Shen Sadako weiß, dass ich vor etwas mehr als zwei Jahrhunderten gezeugt wurde, aber könnte eine fortgeschrittene außerirdische Medizin nicht vielleicht die genetischen Veränderungen simulieren?

»Red 456578-B-43-CXX«, murmelte Cloud wie automatisch. Er wandte sich an den Rebellenführer. »Sind Sie nun bereit, mir zu glauben, dass ich weder ein Erinjij-Agent noch sonst jemand bin, der Ihre Pläne zu durchkreuzen versucht?«

***

»Sie haben mich gerade nach unseren Plänen gefragt«, sagte Shen Sadako nach einer kurzen Pause. »Zwei Jahrhunderte sind seit dem katastrophalen Fehlschlag vergangen, mit dem der letzte Angriff auf die Invasoren endete. Jetzt planen wir erneut einen Schlag gegen die Master. Aber diesmal soll er nicht im Desaster enden. Wir haben alles von sehr langer Hand vorbereitet und vielleicht verstehen Sie, dass ich den Erfolg dieser Aktion auf keinen Fall aufs Spiel setzen kann!«

»Ein Schlag gegen die Master?«, echote Cloud etwas verwundert. Rebellen, die noch nicht einmal innerhalb der Gettozone offen zu operieren wagten und sogar die Gegnerschaft einer militanten Gang als ernst zu nehmende Gefahr ansahen, gedachten gegen die nach wie vor unsichtbaren Besatzer der Erde anzutreten? Das klang in John Clouds Ohren mehr als absurd.

Shen Sadako machte eine Pause. Sein Blick wirkte nachdenklich. Er ließ ihn für einen Moment zu Sara Cuthbert schweifen.

Was die Präsidentin angeht, so scheint er wesentlich rascher zu der Erkenntnis gekommen zu sein, in ihr einen Bundesgenossen zu haben als bei mir, überlegte Cloud.

»Ich werde Sie jetzt vollkommen einweihen, Cloud«, sagte Shen Sadako. »Wir planen einen Schlag gegen den Turm der Metrop Washington.«

»Ich dachte, das Getto wäre eine hermetisch abgeriegelte Zone, aus der es unter normalen Umständen kein Entkommen und keine Verbindung nach außerhalb gibt.«

Shen Sadako lächelte nachsichtig. »Ich darf Sie an das unterirdische Tunnelsystem erinnern, Cloud …«

»…mit dessen Hilfe man mitten in einen menschenfeindlichen Dschungel aus außerirdischer Flora gerät, die eigens dazu herangezüchtet wurde, um jeden aufzuhalten, der die Gettozone verlässt.«

Der Anführer des Geheimbundes OMIKRON schüttelte energisch den Kopf. »In diesem Punkt irren Sie, Cloud.«

»So?«

»Das Tunnelsystem wurde in vielen Jahrzehnten immer weiter ausgebaut und reicht inzwischen viel weiter, als nur bis in den Killerwald. Es besteht eine permanente Verbindung nach draußen.«

Cloud brauchte einen Augenblick, um diese Aussage zu verdauen. »Das heißt, es gäbe für die Gettobewohner eine Fluchtmöglichkeit.«

»Ja.«

»Niemand außer den Angehörigen von OMIKRON weiß davon.«

»Dann spielen Sie den Kerkermeister für die Master!«, stellte Cloud mit galligem Unterton fest.

Der Rebellenführer hob die Augenbrauen. »Vielleicht halten Sie mich für einen Zyniker, Cloud. Aber unsere Organisation verfolgt höhere Interessen, hinter denen das Schicksal des Einzelnen zurückstehen muss. Wenn diese Fluchtmöglichkeit bekannt würde, wäre unsere Existenz gefährdet.«

»Ich verstehe.«

»Unsere Tarnung hier im Getto ist nur unter zwei Bedingungen von Bestand. Erstens darf niemand OMIKRON für mehr als eine Legende halten. Unsere Existenz muss unter allen Umständen geheim bleiben …«

»Dafür lassen Sie notfalls Cronenberg entkommen.«

»Wenn ich keine andere Alternative habe – ja. Die zweite Bedingung für unsere Sicherheit ist, dass niemand von der Fluchtmöglichkeit über das Tunnelsystem erfährt.«

Cloud atmete tief durch. »Und sie glauben wirklich, dass Sie gegen die Invasoren eine Chance haben?«

»Es geht zunächst einmal nur um den Schlag gegen einen Turm«, gab Shen Sadako zu bedenken. »Aber dieser erste Schlag wird entscheidend sein …«

Ein Mann in blauschwarzer Kombination betrat den Raum. »Verzeihen Sie die Störung …«

»Was gibt es, Xia?«, fragte Shen Sadako etwas ungehalten.

»Es gibt ein Problem, das Ihre Anwesenheit erfordert!«

Shen Sadako atmete tief durch. Er wandte sich kurz John Cloud und Sarah Cuthbert zu. »Sie entschuldigen mich. Wir werden sicher später Gelegenheit finden, uns weiter zu unterhalten.«

»Eine Bitte hätte ich noch«, sagte Cloud.

Shen Sadako hob die Augenbrauen. »Und die wäre?«

»Ich möchte dabei sein, wenn Xander Hays befragt wird.«

»Dagegen ist nichts einzuwenden.«

***

Das Gespräch mit Shen Sadako hinterließ bei John Cloud ein ungutes Gefühl in der Magengegend.

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