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Cotton Reloaded - 36

Inhalt

  1. Cover
  2. Was ist COTTON RELOADED?
  3. Über diese Folge
  4. Über den Autor
  5. Titel
  6. Impressum
  7. 1.
  8. 2.
  9. 3.
  10. 4.
  11. 5.
  12. 6.
  13. 7.
  14. In der nächsten Folge

Was ist COTTON RELOADED?

Dein Name ist Jeremiah Cotton. Du bist ein kleiner Cop beim NYPD, ein Rookie, den niemand ernst nimmt. Aber du willst mehr. Denn du hast eine Rechnung mit der Welt offen. Und wehe, dich nennt jemand »Jerry«.

Eine neue Zeit. Ein neuer Held. Eine neue Mission. Erleben Sie die Geburt einer digitalen Kultserie: COTTON RELOADED ist das Remake von JERRY COTTON, der erfolgreichsten deutschen Romanserie, und erzählt als E-Book-Reihe eine völlig neue Geschichte.

COTTON RELOADED erscheint monatlich. Die einzelnen Folgen sind in sich abgeschlossen. COTTON RELOADED gibt es als E-Book und als Audio-Download (ungekürztes Hörbuch).

Über diese Folge

Folge 36.

Der Profikiller James Pistone bekommt den Auftrag, einen Mann namens Raymond Hallway zu töten. Doch als Pistone seinen Job erledigen will, bietet sein Opfer ihm das Geschäft seines Lebens an. Hallway behauptet, im Besitz brisanter Telefonmitschnitten eines hohen europäischen Finanzbeamten zu sein …

Zur gleichen Zeit erhält das G-Team um Cotton und Decker einen Hinweis, dass es einen Angriff auf die Systeme der NSA gegeben hat. Das Rennen um das brisante Datenmaterial hat längst begonnen …

COTTON RELOADED ist das Remake der erfolgreichen Kultserie und erscheint monatlich in abgeschlossenen Folgen als E-Book und Audio-Download. Folge 37 erscheint am 8. Oktober 2015.

Über den Autor

Alfred Bekker, schreibt Krimis, Fantasy, Science Fiction, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um DAS REICH DER ELBEN, die DRACHENERDE-SAGA,die GORIAN-Trilogie und seine Romane um die HALBLINGE VON ATHRANOR machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, Kommissar X und Ren Dhark. Außerdem schreibt er Kriminalromane, in denen oft skurrile Typen im Mittelpunkt stehen.

1.

James Pistone sah auf die Uhr. Er trug dunkle Lederhandschuhe. In der Rechten hielt er eine Pistole mit aufgeschraubtem Schalldämpfer. Der Mann, den er umbringen sollte, hieß Raymond Hallway, und Pistone wartete nun schon seit einer geschlagenen Dreiviertelstunde auf ihn. Ein Ferienhaus auf Long Island, direkt am Strand. Davon habe ich auch immer geträumt, dachte Pistone.

Aber das gehörte zu den vielen Dingen, die Raymond Hallway nicht mit ins Grab nehmen konnte …

Ein Geräusch an der Tür ließ Pistone aufhorchen.

Na endlich, dachte er. Der Strandspaziergang scheint zu Ende zu« sein.

Raymond Hallway erstarrte, als er das Wohnzimmer betrat und in James Pistones Pistolenlauf blickte.

»Hey, einen Moment, lassen Sie uns reden«, stieß Hallway hervor, während sein sonnengebräuntes Gesicht innerhalb von Sekundenbruchteilen jegliche Farbe verlor.

Pistone hob die Waffe.

Der Zeigefinger spannte sich um den Abzug.

»Ich weiß, wer Sie geschickt hat! Und verdammt, Sie sollten sich anhören, was ich zu sagen habe.«

»Ich bin sowieso schon spät dran«, sagte Pistone. »Sie haben zehn Sekunden.«

»Wenn Sie mir etwas mehr Zeit geben, mache ich Sie zu einem der reichsten Männer der Welt. Das ist kein Witz. Wie viel bekommen Sie dafür, dass Sie mich umbringen? Einen fünfstelligen Betrag? Oder doch nur vierstellig? Und selbst wenn es eine Million wäre – was mit Sicherheit nicht der Fall ist – ich kann Ihnen mehr bieten. Viel mehr! Sie können mich jetzt umbringen, aber Sie sollten sich einfach mal folgende Frage stellen: Wieso ist es jemandem so wichtig, mich zu töten, und wieso ist die betreffende Person dafür bereit, das Geld zu zahlen, was Ihnen versprochen wurde?«

»Ich stelle keine Fragen«, sagte Pistone. »Genau deswegen werde ich engagiert.«

»Das ist vielleicht ein Fehler.«

»Ach, wirklich?«

»In diesem Fall schon. Sehen Sie, durch mich können Sie viel mehr Geld verdienen als bei all den Hitman-Jobs, die Ihnen während Ihres gesamten zukünftigen Lebens noch angeboten werden. Viele werden das sowieso nicht mehr sein. Ich weiß nicht genau, wie alt Sie sind, aber meiner Schätzung nach wird sehr bald der Zeitpunkt kommen, da sich Ihre Auftraggeber fragen: Sollen wir wirklich einen alten Mann mit dem Job betrauen?« Hallway hob die Hände und trat einen Schritt vor. »Nichts für ungut, das sollte keine Beleidigung sein. Es ist einfach nur eine Beschreibung der Tatsachen. So gehen die Dinge nun mal. Ein Generationenwechsel ist in jedem Gewerbe irgendwann dran, da beißt die Maus keinen Faden ab.«

»Noch einen Schritt, und ich schieße dir eine Kugel ins Bein, du Klugscheißer«, sagte Pistone.

Hallway wirkte wie schockgefroren.

»Ich meine es ernst«, sage er. »Sie machen ein schlechtes Geschäft, wenn Sie jetzt abdrücken. Stattdessen sollten Sie auf meinen Vorschlag eingehen. Ich biete Ihnen das Geschäft Ihres Lebens. Sie können sich anschließend garantiert zur Ruhe setzen und Ihren neuen Wohlstand genießen – entweder hier in den Staaten oder irgendwo in der Karibik oder am Zuckerhut. Das spielt keine Rolle.«

»Was ist das für ein Geschäft?«, fragte Pistone.

»Schon mal von der NSA gehört?«

»Was reden Sie da? Kommen Sie zur Sache. Ich habe hier schon lang genug warten müssen.«

»Die NSA sammelt Daten, überwacht Personen im In- und Ausland, um die Sicherheit unseres Landes zu schützen, wie es immer so schön heißt. Das Problem ist nur, dass man zwar so viele Daten sammeln kann, bis der Server kracht, aber es hat noch niemand geschafft, einen wirklich einbruchssicheren Speicherort dafür zu finden. Das Pentagon, das FBI, das Weiße Haus, die CIA – überall sind Hacker schon hineingekommen und haben sich bedient. Und wenn jemand an bestimmte Daten heranwill, dann sucht er sie sich logischerweise dort, wo ein anderer sich schon die Mühe gemacht hat, sie zu sammeln …«

»Na, und?«

»Die NSA hat die Handy-Gespräche eines hochrangigen Beamten der Europäischen Union abgehört. Von der Schuldenkrise einiger Euro-Länder haben Sie sicher schon gehört. Aus den Handy-Gesprächen lässt sich nun ein Notfallplan der europäischen Regierungen zum Ausstieg aus dem Euro rekonstruieren. Einen Plan, dessen Existenz natürlich sämtliche zuständigen Stellen abstreiten würden, um nicht die Gier der Spekulanten zu befeuern, die ja schon mehrfach gegen den Euro gewettet haben.«

»Sie hatten etwas vom Geschäft meines Lebens gefaselt«, sagte Pistone. »Bis jetzt habe ich nur Blabla gehört. Nichts, was Ihr Leben retten könnte oder wofür ich es riskieren würde, meinen Auftraggeber zu verärgern. Richtig zu verärgern, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

»Das Wissen, das in diesen Audiodateien enthalten ist, ist Milliarden wert. Milliarden, haben Sie das verstanden? So viel Geld, dass uns beiden die Vorstellungskraft fehlt, um diese Beträge wirklich ermessen zu können.«

»Kommen Sie zum Punkt, Hallway!«

»Verstehen Sie denn nicht? Wer im Voraus weiß, unter welchen Bedingungen sich eine der wichtigsten Währungen der Welt selbst auflösen wird, kann damit an der Börse Milliarden verdienen. Was geschehen muss, damit diese Entwicklung unabwendbar ist, wird in diesen Gesprächen sehr genau benannt. Und dann tritt der Notfallplan in Kraft. Und man braucht wirklich nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was dann an den Börsen rund um den Globus los sein wird! Am Tag nachdem der Notfallplan zur Auflösung des Euro in Kraft tritt, werden Anleger deutsche Staatsanleihen und Wertpapiere kaufen. Die werden in atemberaubende Höhen schießen, und zwar innerhalb von Sekunden. Gleichzeitig werden die Anleihen einiger Länder, die jetzt schon Probleme haben, ins Bodenlose fallen. Wer sich in den Tagen vor diesem Ereignis an den richtigen Fonds beteiligt, die richtigen Optionen hat oder sich mit Aktienpaketen von Unternehmen eingedeckt hat, die von dieser Entwicklung profitieren, verdient dann innerhalb von Sekunden ein Vermögen.«

»Und wenn das Ereignis, wie Sie es nennen, nie eintritt?«, fragte Pistone. »Immerhin handelt es sich ja um einen Notfallplan. Das bedeutet, dass alle Seiten bestrebt sind, zu verhindern, dass er in Kraft tritt.«

»Das ist schon richtig, Mister … Sie können mir ruhig Ihren Namen nennen. Oder meinetwegen einen Namen, wenn Sie sich damit wohler fühlen. Wir werden zusammenarbeiten müssen. Ohne mich werden Sie kaum in den Genuss dieses sagenhaften Vermögens kommen. Und andersherum könnte ich sehr gut einen Mittelsmann brauchen. Was halten Sie davon? Wenn Sie mich umbringen, entgeht Ihnen der größte Fisch Ihres Lebens …«

»Wie macht man aus diesen Informationen Geld, wenn der Fall, dass dieser Notfallplan in Kraft tritt, gar nicht passiert?«, hakte Pistone nach. Er war ein praktisch veranlagter Mann.

Geschwafel war ihm zuwider. Im Grunde ärgerte er sich schon, dass er sich überhaupt auf das Gespräch mit seiner Zielperson eingelassen hatte.

»Das ist ganz einfach«, sagte Hallway. »Die Möglichkeit ist oft genug bedeutsamer als die ihrer Verwirklichung. Davon lebt doch die Börse. Von der Fantasie auf die Zukunft, von der Wette für oder gegen Ereignisse, die niemals eintreten. Und doch werden ihretwegen Milliarden und Abermilliarden bewegt. Und so ist es auch in diesem Fall. Man verspreche den richtigen Leuten, sie könnten vorhersagen, wann die Euro-Bombe platzt und wie die wichtigsten Länder darauf reagieren werden. Was passiert? Sie werden bereit sein, dafür ein Vermögen zu bezahlen, weil sie genau wissen, dass sie selbst mit diesen Kenntnissen ein noch viel größeres Vermögen erschaffen könnten.«

»Sie meinen also, es gibt Interessenten für diese Daten«, sagte Pistone. Seine Stimme klirrte wie Eis. Der Blick seiner stahlgrauen Augen, die unter buschigen, inzwischen schon etwas angegrauten Augenbrauen lagen, schien Hallway wie ein Röntgenstrahl zu durchdringen.

»Was glauben Sie, warum Ihre Auftraggeber hinter mir her sind und mir einen Hitman wie Sie an die Hacken heften?«, meinte Hallway. »Es gibt welche, die würden unglaubliche Summen dafür zahlen, diese Aufnahmen in die Hände zu bekommen, und es gibt andere, die genauso viel zahlen würden, um zu verhindern, dass sonst jemand sie bekommt. Sie sehen also, wer immer die Dateien hat, dem bescheren sie eine günstige Verhandlungsposition.«

Hallway schien zu glauben, dass sich die Situation, in der er sich befand, ein bisschen verbessert hatte. Zumindest testete er das eiskalt aus, indem er einen vollen Schritt nach links machte.

Pistone feuerte.

Der Schalldämpfer ließ den Schuss klingen wie ein dumpfes Niesen. Die Kugel ging dicht an ihm vorbei und fuhr in einen Schrank. Glas zersprang.

»Ich hatte mir nur etwas zu trinken nehmen wollen«, sagte Hallway.

»Die desinfizierende Wirkung von Alkohol verfälscht für den Gerichtsmediziner die Ausgangslage«, sagte Pistone kalt. »Und Sie wollen doch wohl nicht in Ihren letzten Augenblicken noch dafür sorgen, dass hart arbeitende Amerikaner mit unnötigen Schwierigkeiten genervt werden.«

»Ihr Mitleid mit den Gerichtsmedizinern rührt mich zutiefst«, gab Hallway sarkastisch zurück.

»Bin sensibel«, sagte Pistone.

»Sensibel und begriffsstutzig. Wie passt das zusammen? Ich dachte, Sie hätten kapiert, dass Sie reich werden können.«

»Ich habe begriffen, dass Sie Tricks versuchen. Und das kann ich nicht leiden.«

Pistone ging an Hallway vorbei zum Schrank und zog eine Schublade auf. Darin lag eine Waffe. Ein kurzläufiger Revolver vom Kaliber .38. »Genau das meine ich«, sagte Pistone.

Hallway lief rot an und schluckte. »Okay, das sieht jetzt dumm aus, aber …«

»Wo sind diese Daten?«, fragte Pistone.

»Man kommt über einen Link dran. Die lagern auf einem sicheren Server.«

»Führen Sie mir das vor.«

»Dann gestatten Sie, dass wir in den Nebenraum gehen. Da habe ich mein Laptop.«

»Sicher.«

Pistone folgte Hallway in den Nebenraum. Dort hatte Hallway ein Arbeitszimmer eingerichtet. Er klappte das Laptop auf. Dann stellte er die Verbindung zu dem Server her, auf dem die Audiodaten ausgelagert waren.

»Wollen Sie mal reinhören?«

»Ja.«

Ein Handygespräch war zu hören.

»Man versteht ja nichts«, sagte Pistone.

»Viele unserer Landsleute können es kaum glauben, aber es gibt in anderen Ländern andere Sprachen«, sagte Hallway ätzend. »Die beiden sprechen abwechselnd deutsch und französisch. Offenbar versteht jeder die Sprache des anderen. Sie und ich würden wahrscheinlich auch nur die Hälfte davon verstehen, wenn es auf Englisch wäre, weil es um sehr komplizierte Sachverhalte geht, deren Verständnis einiges an Fachwissen erfordert. Aber glücklicherweise gibt es ja studierte Eierköpfe, die aus diesem Geschwafel herausfiltern können, was genau unter welchen Bedingungen an Maßnahmen ergriffen werden soll, um bei einem Zerfall der Euro-Zone die Schäden zu minimieren. Wer jetzt genug davon versteht und außerdem etwas Kleingeld hat, der braucht nur die News zu verfolgen und abzuchecken: Sind Bedingung A, B und C eingetreten oder nicht. Und wenn das der Fall ist, weiß er vor allen anderen, was geschehen wird. Er muss dann nur noch an der Börse richtig gewettet haben.«

»Wie ein manipuliertes Roulette«, sagte Pistone.

»Na, ich sehe, bei Ihnen fällt auch langsam der Groschen. Nur, dass die Summen, die man beim Roulette setzen kann, dagegen ein Taschengeld sind.«

»Wer garantiert mir, dass diese Gespräche echt sind?«

»Das lässt sich alles überprüfen. Der Mann, dessen Handy abgehört wurde, heißt Hans-Werner Bredenbach. Er ist einer der wichtigsten Männer Deutschlands in Brüssel. Er geht sowohl bei der EU-Kommission als auch im Bundeskanzleramt ein und aus, und die deutsche Bundesregierung hört angeblich auf seinen Rat, wenn es um heikle währungs- und wirtschaftspolitische Fragen geht. Es gibt immer mal wieder offizielle Statements von ihm. Die kann man auch im Internet abrufen, zum Beispiel in den Mediatheken von Nachrichtensendern. Vergleichen Sie mit einem entsprechenden Programm die Höhenkurven der Stimmen. Das ist wie ein Fingerabdruck.«

»Und wem wollen Sie dieses Geheimwissen für den Tag X verkaufen?«, fragte Pistone.

»Es gibt genug Interessenten. National und international. Selbst ausländische Geheimdienste könnte man dafür interessieren. Das Problem ist, dass auch ein paar sehr interessante Optionen dabei sind, bei denen ich ungern direkt mit den Interessenten in Kontakt treten möchte. Das wäre Ihre Rolle.«

»Hm«, knurrte Pistone.

»Wie ist es, sind wir im Geschäft?«

»Wissen Sie was?« Pistone hob die Waffe und drückte ab. »Ich glaube, ich mache das Geschäft doch lieber allein – falls es überhaupt eins sein sollte.«

Die Kugel hatte Hallway genau in der Herzgegend getroffen. Er stand einen Moment wie erstarrt da und hatte es gerade noch geschafft, seine Hand an die Brust zu pressen. Das Blut floss in Strömen und suppte durch die Kleidung hindurch. Es rann ihm über die Finger. Pistones letzte Worte hatte er vermutlich gar nicht mehr gehört.

Hallway schlug der Länge nach auf den Boden.

Ein Schuss. Keine Verschwendung. Pistone hatte seine Grundsätze. Er begann damit, in aller Seelenruhe den Schalldämpfer von seiner Waffe zu schrauben. Das passte einfach in kein Holster.

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