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Das sündige Angebot des Milliardärs

1. KAPITEL

Mit großen Schritten marschierte Zac Da Rocha in das Büro seines Vaters. Er war immer noch überrascht, weil sein steifer, förmlicher Halbbruder Vitale, der Kronprinz von Lerovia, gerade auf seine scherzhaft gemeinte Wette eingegangen war. Zac liebte es, Vitale zu provozieren, aber mit dieser Reaktion hatte er nicht gerechnet. Ungeduldig fuhr er sich mit der Hand durch die Haare, die ihm bis auf die Schultern fielen, und grinste dann. Vielleicht war Vitale doch nicht so ein Langweiler, und er, Zac, hatte mehr mit seinem Halbbruder gemein, als er vermutet hatte.

Doch er verwarf den spontanen Gedanken rasch wieder. Schließlich war er nicht auf der Suche nach familiären Bindungen. Zac hatte nie eine Familie gehabt. Seinen leiblichen Vater hatte er nur aus Neugierde gesucht und, nachdem er ihn gefunden hatte, aus reiner Bosheit den Kontakt zur Familie aufrechterhalten. Die Feindseligkeit seiner beiden Halbbrüder hatte ihn amüsiert. Das Auftauchen eines dritten Sohnes hatte Vitale und Angel verstört, und Zac gab sich nur wenig Mühe, eine brüderliche Beziehung zu den beiden aufzubauen. Was wusste er auch schon über Blutsbande? Er hatte nie Geschwister gehabt, sondern lediglich eine Mutter, die er meist nur einmal im Jahr gesehen hatte, einen Stiefvater, der ihn hasste, und einen biologischen Vater, dessen Identität er erst vor einem Jahr herausgefunden hatte, als seine Mutter ihm auf dem Sterbebett endlich die Wahrheit gesagt hatte.

Was seinen leiblichen Vater anging, hatte Zac das erste Mal in seinem Leben Glück gehabt, wie er widerstrebend eingestehen musste. Er mochte Charles Russell wirklich. Zac war an Leute gewöhnt, die versuchten, ihn auszunutzen, deshalb traute er nur sehr wenigen Menschen. Er spürte, wie sein Blick hart wurde. Von Geburt an unermesslich reich und von den Angestellten verhätschelt wie ein kleiner Prinz, war Zac zu einem sehr zynischen Mann herangewachsen. Doch Charles hatte von Anfang an aufrichtiges Interesse an seinem drittgeborenen Sohn bekundet, obwohl der bei ihrem ersten Treffen bereits ein achtundzwanzigjähriger, knapp einen Meter neunzig großer Mann gewesen war.

Nach nur wenigen Stunden in der Gesellschaft des älteren Mannes hatte Zac erkannt, wie viel besser sein Leben hätte verlaufen können, wenn seine Mutter Antonella sich entschieden hätte, bei Charles zu bleiben, anstatt einen Playboy zu heiraten, der nur auf ihr Vermögen aus war. Afonso Oliveira, die große Liebe seiner Mutter. Während er mit Antonella verlobt gewesen war, hatte er kalte Füße bekommen und sie verlassen. Mit gebrochenem Herzen hatte Antonella sich in eine Affäre mit Charles gestürzt, der gerade in einem schmutzigen Scheidungskrieg mit einer Adeligen steckte, die ihn während ihrer Ehe die ganze Zeit mit einer Frau betrogen hatte. Doch dann war Afonso zurückgekommen und hatte um Vergebung gebeten. Und Antonella hatte auf die Stimme ihres Herzens gehört. Kurz nach der Hochzeit hatte sie gemerkt, dass sie schwanger war, und fieberhaft gehofft, Afonsos Kind auszutragen. Doch zu ihrer aller Leidwesen war Zacs sehr seltene Blutgruppe in der Ehe seiner Mutter zu einer tickenden Zeitbombe geworden.

Als Zac nun das Büro seines leiblichen Vaters betrat, wurde er sofort mit einem warmen Lächeln willkommen geheißen. Er mochte ein tätowierter Kerl in Jeans und Motorradstiefeln sein und einen Diamanten im Ohr tragen, aber Charles, der grauhaarige Mann im tadellosen Anzug, behandelte ihn genauso wie seine anderen Söhne.

„Ich hatte überlegt, mir einen Anzug anzuziehen, um meine Brüder zu überraschen“, murmelte Zac und grinste. „Aber ich wollte nicht, dass sie glauben, ich würde mich auf einmal den Konventionen unterwerfen oder mit ihnen konkurrieren wollen.“

„Die Gefahr besteht wohl nicht“, sagte Charles lachend. Er zog seinen Sohn in eine herzliche Umarmung, bevor er einen Schritt zurücktrat. „Irgendwelche Neuigkeiten von deinen Anwälten bezüglich der Auflösung des Treuhandfonds?“

Die international bekannten Quintel-Da-Rocha-Diamantminen waren von Zacs Ururgroßvater in einen Treuhandfonds übergeben worden, um das Familienerbe zu schützen. Nach dem Tod seiner Mutter besaß Zac zwar das Einkommen aus den Minen, hatte aber keinerlei Kontrolle über das Da-Rocha-Imperium, bis er einen Erben hervorbrachte. Dieses ungerechte Arrangement hatte die vorhergehenden Generationen in zutiefst unglückliche Familien gestürzt. Zac war schon seit Langem entschlossen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Leider waren die Ergebnisse seines Anwaltsteams nicht so ausgefallen, wie er es sich erhofft hatte.

Solange er die Bedingungen des Fonds nicht erfüllt hatte, konnte er nicht wirklich frei oder unabhängig sein. Während seiner Kindheit und Jugend hatte er sich eingeengt gefühlt, und als er wirklich verstanden hatte, was der Treuhandfonds bedeutete, hatte er sich lautstark gegen ihn aufgelehnt. Er war der letzte Da Rocha und verfügte über enormen Reichtum, aber nicht über das Recht, die Diamantminen und das Firmenimperium zu führen. Seine derzeitige geschwächte Position gab ihm das Gefühl, hilflos zu sein, und er war bereit, beinahe alles zu tun, um sich von den Fesseln des Fonds zu befreien.

„Meine Anwälte sagten mir, wenn ich heirate und es mir nicht gelingt, innerhalb einer gewissen Zeit ein Kind zu zeugen, wäre es wohl möglich, die Bedingungen des Fonds auszuhebeln“, erklärte Zac grimmig. „Aber das würde Jahre dauern, und ich bin nicht gewillt, so lange darauf zu warten, das zu leiten, was mir von Rechts wegen gehört.“

Charles stieß langsam den Atem aus. „Also wirst du heiraten“, sagte er.

Zac runzelte die Stirn. „Ich muss nicht heiraten“, konterte er. „Laut den Bedingungen ist es egal, ob der Erbe ein Junge oder ein Mädchen, ehelich oder unehelich ist.“

„Ehelich wäre besser“, warf Charles leise ein.

„Aber die folgende Scheidung würde mich ein Vermögen kosten“, erwiderte Zac. „Warum heiraten, wenn es nicht sein muss?“

„Um des Kindes willen“, erwiderte Charles. „Um es davor zu bewahren, so aufzuwachsen wie du und deine Mutter – isoliert vom normalen Leben.“

Zac wollte etwas sagen, überlegte es sich aber anders. Sein Großvater war mit einer unfruchtbaren Frau verheiratet gewesen. Er hatte dann eine Hausangestellte geschwängert, die Zacs Mutter zur Welt gebracht hatte. Antonella war sofort weggebracht worden und auf einer entfernt gelegenen Farm aufgewachsen, ohne ihre Mutter, ohne von ihrem aristokratischen Vater anerkannt zu werden, nachdem ihre Ankunft seinen wohlhabenden Lebensstil gesichert hatte. Sie war eine Erbin gewesen, aber mit dem bescheidenen Hintergrund, auf den die Reichen und Weltgewandten so gern herabschauten.

Anfangs war Zacs Stiefvater Afonso davon ausgegangen, Zac wäre sein Sohn. Er war gewillt gewesen, Antonella zu heiraten und ihren peinlichen Hintergrund zu übersehen, wenn er dafür ihren Reichtum teilen konnte. Als Zac drei Jahre alt war und eine Bluttransfusion benötigte, wurde Afonso misstrauisch, was seine Vaterschaft anging, und die Wahrheit kam ans Licht. Zac erinnerte sich noch daran, dass Afonso ihn angeschrien hatte, er wäre nicht sein Kind, sondern ein „dreckiger Bastard“. Nach diesem Vorfall war Zac auf die Ranch gebracht worden, wo er von Angestellten aufgezogen wurde, während Antonella daran arbeitete, ihre Ehe zu retten, an der ihr so viel lag.

„Er ist mein Mann und kommt an erster Stelle“, hatte Antonella zu Zac gesagt, als er nach einem ihrer flüchtigen Besuche gefragt hatte, ob sie ihn mit nach Hause nehmen könne.

„Ich liebe ihn. Du kannst nicht mit nach Rio kommen. Dann kriegt Afonso nur schlechte Laune“, hatte sie später mit Tränen in ihren wunderschönen Augen erklärt.

Und doch hatte Afonso unzählige Affären gehabt, während Antonella sich bemühte, ihm ein Kind zu schenken. Nach mehreren Fehlgeburten war sie schließlich in einem Alter, in dem sie schon als Hochrisikoschwangere galt, bei einer Frühgeburt gestorben. Afonso war nicht mal zur Beerdigung gekommen, und Zac hatte seine schwache, aber liebevolle Mutter allein begraben. Er hatte sein Herz vollkommen verschlossen und sich geschworen, niemals zu heiraten oder sich zu verlieben, denn die Liebe hatte nur dazu geführt, dass seine Mutter ihr einziges Kind abgelehnt und vernachlässigt hatte.

„Ich war mit zwei wunderschönen Frauen verheiratet, die beide nicht im Geringsten mütterlich waren“, erklärte Charles und holte Zac damit in die Gegenwart zurück. „Angel und Vitale haben den Preis mit einem unglücklichen Familienleben gezahlt. Im Moment stehst du an einem Scheideweg, und du hast eine Wahl, Zac. Gib der Ehe eine Chance. Such dir eine Frau, die ein Kind will, und schenke ihr die Gelegenheit, mit deiner Unterstützung eine normale Mutter zu sein. Ein Kind braucht beide Elternteile, denn es aufzuziehen ist schwer. Ich habe nach den Scheidungen mein Bestes gegeben, aber ich war nicht oft genug da, um wirklich Einfluss auf das Leben meiner Söhne zu nehmen.“

Es war eine ruhige Ansprache, die von Herzen kam. Beinahe hätte Zac laut aufgestöhnt, weil er genau wusste, was sein Vater meinte. Auch wenn ihn eine Ehe Millionen kosten würde, wenn sie unweigerlich zerbrach, würde der legale Rahmen dem Kind tatsächlich eine gewisse Stabilität geben. Eine Stabilität, die er selbst nie kennengelernt hatte, aber anders als sein Großvater wollte er am Leben seines Kindes teilhaben. Doch wenn er mit dessen Mutter nicht verheiratet war, würde sie bestimmen, bis zu welchem Grad er das täte. Mit seinen Anwälten hatte er bereits alle Optionen besprochen und zog es vor, nicht über diese Fakten nachzudenken, weil sie ihn nur deprimierten. Immerhin standen die Chancen, dass er eine gute Beziehung zur Mutter seines Kindes führen würde, seiner Erfahrung nach mehr als schlecht.

Frauen wollten immer mehr von Zac, als er bereit war, zu geben … mehr Zeit, mehr Geld, mehr Aufmerksamkeit. Er hingegen wollte immer nur eines von einer Frau: Sex. Und wenn er den bekommen hatte, war er mit ihr fertig. Er war ein schamloser Spieler, der nie eine echte Beziehung gehabt und nie Treue geschworen hatte. Und der es nicht ertrug, sich eingesperrt zu fühlen, egal, von wem oder was. Auf gewisse Weise war er sein ganzes Leben lang eingesperrt gewesen – erst auf der abgelegenen Ranch, dann in dem erstickend strengen Internat, das von Ordensmännern geführt worden war und in dem er unzählige Regeln hatte befolgen müssen. Erst auf der Universität hatte er das erste Mal in seinem Leben Freiheit empfunden, und es war kaum überraschend, dass er eine Zeit lang über die Stränge geschlagen hatte. Es hatte einige Jahre gedauert, bis er wieder in der Spur gewesen war und seinen Abschluss in Betriebswissenschaft gemacht hatte.

Und was hatte ihn zur Vernunft gebracht? Die Erkenntnis, dass er im Herzen ein Da Rocha war und vor seinem Geburtsrecht nicht davonlaufen konnte. Ein Streik der Arbeiter hatte ihm gezeigt, wie hilflos er war. Er hatte nicht zu ihren Gunsten eingreifen können und daraufhin beschlossen, allen geschäftlichen Terminen in der Firma beizuwohnen. Und obwohl er juristisch noch nicht derjenige war, der das Sagen hatte, war ihm aufgefallen, dass die Direktoren und Vorstände erpicht darauf waren, ihn sich nicht zum Feind zu machen. Wie Zac schauten auch sie in die Zukunft.

„Wie lange wirst du weg sein?“, fragte Charles, der wusste, dass Zac London verlassen würde, um nach den Diamantminen in Südafrika und Russland zu sehen.

Zac zuckte mit den Schultern. „Drei, vielleicht vier Wochen. Aber ich bleibe mit dir in Kontakt.“

Nachdem er das Büro seines Vaters verlassen hatte, kehrte Zac ins The Palm Tree zurück, ein kleines, exklusives Hotel, das er sich anstelle eines Apartments gekauft hatte. Sofort schlugen seine Gedanken eine frivolere Richtung ein. Er hatte mit seinem Bruder gewettet, dass es ihm nicht gelingen würde, eine normale Frau auf dem königlichen Ball, zu dem auch Zac eingeladen war, als seine Partnerin auszugeben. Anfangs war Vitale von der Wette nicht sonderlich amüsiert gewesen – was kein Wunder war. Dieser Mann hatte keinen Funken Humor. Aber als Vitale aus dem Büro seines Vaters gekommen war, hatte er Zac damit überrascht, dass er die Wette nicht nur angenommen, sondern mit einer Gegenwette beantwortet hatte. Und diese Herausforderung hatte sich für Zac verdächtig nach einem Eigentor angefühlt …

Erinnerst du dich noch an die blonde Kellnerin, die letzte Woche nichts von dir wissen wollte und dich der Belästigung beschuldigt hat? Bring sie mit zum Ball, und sorge dafür, dass sie sich ganz verliebt und anschmiegsam verhält. Dann gehe ich die Wette ein.

Freddie? Verliebt und anschmiegsam? Das war die Herausforderung aller Herausforderungen, denn er hatte es nicht einmal geschafft, dass sie sich von ihm auf einen Drink hatte einladen lassen! So eine offensichtliche Abfuhr hatte Zac noch nie erlebt, und es hatte seinen angeborenen Ehrgeiz nur noch mehr angestachelt, sodass er es weiter versucht hatte. Doch Freddie hatte seine Beharrlichkeit als Belästigung ausgelegt und war in Vitales Gegenwart in Tränen ausgebrochen. Peinlich berührt hatte Zac wie erstarrt mit angesehen, was er da in aller Öffentlichkeit ausgelöst hatte. Noch schlimmer war nur, dass Vitale sofort die richtigen Worte gefunden hatte, um die Frau zu trösten, bis eine andere Kellnerin zu ihrer Rettung geeilt war. Aber das war typisch für Vitale – aalglatt und auf eine Weise gebildet, die Zac definitiv fehlte. Die prägendsten Jahre in Zacs Leben waren die gewesen, in denen er einem Biker-Club angehört hatte, während Vitale sich mit den Reichen und Mächtigen umgeben hatte.

Zac war von den Damen der feinen Gesellschaft immer wegen seines großen Reichtums verfolgt worden, und er mied den Kontakt mit solchen Frauen wie die Pest. Er wusste, selbst wenn er alt, kahl und grausam wäre, würden sie noch so tun, als wäre er der interessanteste Mann der Welt. Die Kumpanei im Motorradclub hatte ihm gefallen. Hier war er akzeptiert worden, hatte die Loyalität genossen und die vollständige Abwesenheit von Regeln, was ihm erlaubt hatte, ganz er selbst zu sein. Er hatte auch die Frauen genossen, die gern mit ihm ins Bett gingen. Frauen ohne einen Plan, die nur das Vergnügen suchten. Aber nach einer Weile war selbst das langweilig geworden, und sobald die brasilianischen Medien sein Versteck gefunden und die Geschichte des Biker-Milliardärs enthüllt hatten, war er widerstrebend weitergezogen in dem Wissen, dass diese Phase seines Lebens nun vorbei war.

Inzwischen wohnte er in London in relativer Anonymität, und damit das so blieb, vermied er die sozialen Kreise, in denen sich seine Brüder bewegten. Verwöhnte, privilegierte junge Frauen mit messerscharfem Akzent zogen ihn einfach nicht an, denn sie sahen ihn nur als Trophäe, die sie mit nach Hause bringen wollten. Da hatte er in seinem Leben schon ehrlichere und aufrichtigere Leute kennengelernt, die das waren, was seine Brüder als vulgär und ungebildet bezeichnen würden. Aber sogar der konservative Vitale musste einräumen, dass Freddie irgendetwas ausstrahlte.

Zac hatte noch nie mit so einem spontanen Verlangen auf eine Frau reagiert wie auf sie. Doch genau das stellte ihn jetzt vor die Aufgabe, trotz all der Frauen, die er hätte haben können, ausgerechnet die rumkriegen zu müssen, die ihn nicht nur nicht wollte, sondern offensichtlich auch abstoßend fand. Er hatte keine Ahnung, was er gesagt oder getan haben mochte, um diese Reaktion auszulösen, und das machte ihn wütend. Aber auch entschlossen, Freddies Meinung zu ändern. Meu Deus, nach ihrem Ausbruch würde er sich ja kaum trauen, in ihre Richtung zu gucken, womit Vitale die Wette schon gewonnen hätte und er seinen geliebten Sportwagen abgeben müsste. Frust und Genervtheit packten ihn. Egal, ein letzter Versuch konnte nicht schaden.

Erst einmal würde er seine Geschäftsreise hinter sich bringen. Aber wenn er nach London zurückkehrte, was hatte er schon zu verlieren? Ich könnte es mit Bestechung versuchen, überlegte Zac zynisch. Einmal im Leben die Macht des Geldes nutzen, um jemanden zu überzeugen. Sein erstes großzügiges Trinkgeld hatte Freddie zunächst abgelehnt, aber dann doch ihre Meinung geändert und es angenommen, wie er sich erinnerte. Er war sicher, am Ende wäre sie wie jede andere Frau, die er bisher kennengelernt hatte: Sie würde sich dem Geld ergeben. Immerhin war sie nicht aus reinem Spaß den ganzen Tag als Kellnerin auf den Beinen.

Freddie träumte von einem Mann mit strahlenden Augen von undefinierbarer Farbe, seidigen tiefschwarzen Haaren und einem vollen sinnlichen Mund.

Es war ein wundervoller Traum, bis eine kleine Hand sie am Arm schüttelte und sagte: „Füstück? Tante Fred … Füstück?“, während ein kleiner warmer Körper sich in ihrem schmalen Bett an sie kuschelte und ein weiterer kleiner warmer Körper auf ihren Bauch krabbelte.

Stöhnend wachte Freddie auf und schaute auf den Wecker, ob sie verschlafen hatte. Was mit ihrem Neffen und ihrer Nichte im Haus nicht wirklich wahrscheinlich war. Die dreijährige Eloise drückte sie gegen die Wand, und der zehn Monate alte Jack lag auf ihr und brabbelte fröhlich vor sich hin.

„Du hast Jack doch wohl nicht aus seinem Bettchen gehoben?“, fragte sie ihre Nichte. „Er könnte sich wehtun. Du darfst das nicht tun, wenn ich noch schlafe …“

„Aber jetzt bist du wach“, krähte Eloise fröhlich, als Freddie sich mit Jack in den Armen aufrappelte, um ihm die Windeln zu wechseln.

Eine kurze Erinnerung an den Traum blitzte in ihr auf und erfüllte sie mit Selbsthass. Vorsicht, Vorsicht, ermahnte sie sich im Stillen. Der Vater von Eloise und Jack war auch ein sehr gut aussehender Mann mit afrikanischen Wurzeln gewesen. Immer schick angezogen und äußerst höflich. Aber er hatte sich als Furcht einflößender, gewalttätiger Drogendealer und Zuhälter entpuppt. Ihre ältere Schwester Lauren war kurz nach Jacks Geburt an einer Überdosis gestorben, komplett zerstört von dem Mann, den sie geliebt hatte- und der sich nicht nur weigerte, seine Kinder anzuerkennen, sondern bisher auch noch nicht einen einzigen Cent Unterhalt für die beiden gezahlt hatte.

Zac – wie auch immer er hieß – mochte weder gut angezogen noch höflich sein, aber er wohnte jetzt seit Monaten in der exklusiven Penthouse-Suite des sehr teuren Hotels, in dem sie an der Bar arbeitete, und auch wenn er nun schon seit drei Wochen fort war, wurde die Suite offensichtlich für seine Rückkehr freigehalten. Wie zum Teufel konnte er sich das leisten, wenn er – soweit sie das beurteilen konnte – keiner geregelten Arbeit nachging? Er war ein sehr dubioser Charakter, der bestimmt nichts Gutes im Schilde führte, und sie war wütend, dass der Brasilianer sich in ihre Träume geschlichen hatte. Es war schon schlimm genug gewesen, als sie ihn jeden Tag in der Bar hatte sehen müssen. Doch warum hatte sie ihn jetzt, wo er weg war, nicht einfach vergessen?

Noch seltsamer war, dass er überhaupt so ein Interesse an mir gezeigt hat, überlegte sie genervt. Während ihrer Arbeit hatte sie gesehen, wie anziehend er auf Frauen wirkte. Die verzweifelten Damen hätten alles getan, um von ihm beachtet zu werden. Sie stießen ihn „aus Versehen“ an der Bar an, stolperten in seiner Nähe, versuchten, eine Unterhaltung mit ihm anzufangen, und gaben ihm Drinks aus. Und er benahm sich wie ein blinder Mönch und tat, als würden sie gar nicht existieren. Das war seltsam und verdächtig, oder?

Immerhin wusste Freddie, dass sie keine Frau war, nach der sich die Männer umdrehten. Dazu war sie zu klein und zu dünn. Sie hatte lange dunkelblonde Haare und ganz normale braune Augen. Also warum sollte ein Mann mit Zacs Attributen einer Kellnerin hinterherjagen – außer er war ein Spinner? Oder jemand, der glaubte, sie wäre dumm genug, um ihm in die Falle zu gehen. Tja, Pech gehabt. Freddie war noch nie dumm gewesen, und sie konnte sehr gut auf sich aufpassen. Vor allem, nachdem sie jahrelang zugesehen hatte, wie ihre Schwester, als sie noch lebte, folgenschwere Fehlentscheidungen getroffen hatte.

Schweigend bereitete Freddie den Kindern das Frühstück zu, wobei sie sich bemühte, ihre Tante Claire nicht zu wecken, die in den frühen Morgenstunden nach Hause gekommen war. Claire war die jüngere Schwester ihrer verstorbenen Mutter und mit ihren dreißig Jahren nur acht Jahre älter als Freddie. Deshalb hatten sie nie die klassische Tante-Nichte-Beziehung gehabt, sich aber immer gut verstanden. Trotzdem machte Freddie sich im Moment Sorgen um Claire. Sie war so still und zurückgezogen, außerdem ging sie oft aus, ohne zu sagen, wohin. Freddie respektierte Claires Privatsphäre, aber gleichzeitig sorgte sie sich, dass ihr kleines „Familien-Arrangement“ in Gefahr war.

Auf Freddies Betreiben hin hatte Claire sich als Pflegemutter für die Kinder beworben, nachdem Freddie für diese Aufgabe abgelehnt worden war. Das Jugendamt hatte die Kleinen nach Laurens Tod zu Fremden in eine Pflegefamilie geben wollen, weil Freddie als zu jung und unerfahren angesehen worden war, um sich weiter um die Kinder zu kümmern, wie sie es schon seit deren Geburt getan hatte. Denn Laurens Welt hatte auch als Mutter nur zwei Fixpunkte gehabt: Drogen und ihren gewalttätigen Freund. Lange Zeit war Freddie die einzige Person gewesen, die sich um Eloise und Jack gekümmert hatte, während sie gleichzeitig versucht hatte, ihre Schwester von den schlimmsten Exzessen abzuhalten.

Darin habe ich kläglich versagt, dachte sie traurig. Es war ihr weder gelungen, Lauren von den Drogen abzubringen, noch sie zu überzeugen, mit Cruz Schluss zu machen. Freddie wurde immer noch von Trauer erfüllt, wenn sie an die fröhliche, liebevolle große Schwester dachte, mit der sie aufgewachsen war und die ihr immer Halt gegeben hatte. Ihre Eltern waren bei einem Autounfall gestorben, als Freddie zehn gewesen war, und es hatte keine Verwandten gegeben, die gewillt gewesen wären, sie aufzunehmen. Lauren war fünf Jahre älter und mehr wie eine Ersatzmutter als wie eine große Schwester zu ihr gewesen. Zumindest bis sie Cruz’ Einfluss erlegen und ins Bodenlose gestürzt war. Seit Eloises Geburt war Freddie in dem Grauen gefangen, denn sie hatte gewusst, wenn sie auszöge, würde ihre Nichte sehr viel Glück benötigen, um in diesem chaotischen Haushalt zu überleben, in dem nur höchste Wachsamkeit die Schwachen und Verwundbaren beschützte. Claire hatte sie gedrängt, auszuziehen und dem allen den Rücken zu kehren, aber dafür hatte Freddie ihre Nichte zu sehr geliebt.

Als Claire dann eingewilligt hatte, sich als Pflegemutter für die Kinder zu bewerben, waren sie übereingekommen, dass Freddie den Löwenanteil in der Kinderbetreuung übernehmen würde. Was bedeutete, sie blieb tagsüber zu Hause, um nach den Kindern zu sehen, und arbeitete nachts in einer Bar.

Während Zacs Aufenthalt im Hotel hatten seine Trinkgelder Freddies Gehalt beinahe verdoppelt. Jedes Mal, wenn sie ihn bediente, hatte er ihr zwei Fünfzig-Pfund-Noten hingeworfen. Beim ersten Mal war ihr schon sein Interesse an ihr aufgefallen, also hatte sie das Geld zurückgewiesen und ihm gesagt, dass sie nicht zu kaufen sei. Daraufhin war sie sofort von einer anderen Kellnerin angegangen worden, die sie wütend daran erinnerte, dass die Trinkgelder alle in einen Topf wanderten, also war Freddie zu Zacs Tisch zurückgegangen, hatte sich entschuldigt und die Scheine mitgenommen.

Seine unerbetene Großzügigkeit half, Eloise und Jack etwas zum Anziehen zu kaufen und vernünftiges Essen für sie zuzubereiten.

Ich sollte mit mir auch etwas großzügiger sein, dachte Freddie. Warum machte sie sich wegen eines dummen Traumes so fertig? Fantasien waren harmlos, und Zac war definitiv nur eine Fantasie.

Ihre Wangen wurden ganz heiß, als ihr wieder einfiel, wie sie vor ein paar Wochen die Nerven verloren hatte und vor Zac in Tränen ausgebrochen war. Der Stress zweier schlafloser Nächte, weil Jack Fieber gehabt hatte und ständig unruhig war, hatte ihr die letzten Kräfte geraubt. Freddie war so erschöpft gewesen, dass ihr einfach der Geduldsfaden gerissen war, als Zac ihr eine Hand auf den Rücken gelegt hatte, um sie zu stützen, weil sie auf den sehr hohen Absätzen, die sie für die Arbeit tragen musste, ins Wanken geraten war.

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