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Der Rosengarten am Meer

Über Nele Jacobsen

Nele Jacobsen, geboren 1976 in West-Berlin, ist Diplom-Politologin und Journalistin und arbeitete jahrelang für Print und Fernsehen. Mit ihrer Familie lebt und schreibt sie in der Nähe von Dresden. In ihrem Garten am Elbhang blüht ihre Lieblingsrose, eine »Eliza«, jedes Jahr ab Juni in silbrig schimmerndem Rosa.

Bei atb sind ihre Romane »Unser Haus am Meer« sowie »Ein Sommer im Rosenhaus« lieferbar.

Mehr Informationen zur Autorin unter www.nele-jacobsen.com.

Informationen zum Buch

Der Duft der Rosen am Meer.

Nachdem ihr Mann sie verlassen hat, sucht die Landschaftsarchitektin Isabel einen Neuanfang. Aus der Enge Wiens zieht es sie an die Ostsee, wo sie dem Künstler Alex beim Wiederaufbau eines prächtigen Schlossgartens helfen soll. Schnell stellt sie fest, dass der Garten ein Geheimnis birgt: Er scheint die Kopie eines legendären Rosariums aus dem zwanzigsten Jahrhundert zu sein. Isabel begibt sich auf eine Spurensuche, die sie bis an den Rand der Karpaten bringt – und auf die Fährte einer außergewöhnlichen Frau. Sie entdeckt eine die Zeiten überdauernde Liebe und kommt ihrem eigenen Glück ein ganzes Stück näher ...

Mit zauberhaften Rosenrezepten zum Nachkochen.

Gott schenkt uns Erinnerungen,

damit wir im Winter Rosen haben.

BALTISCHES SPRICHWORT

Zur Erinnerung an die

»Rosengräfin« Marie Henriette Chotek

(1863–1946)

Prolog

Ostseestrand bei Dierhagen

Ende August 2017

Isabel parkte den Range Rover vor der Hundsrosenhecke. Der Wackel-Elvis tat seinen letzten Hüftschwung. Als sie auf den Parkplatz hinaussprang, fuhr ihr der Wind ins Haar. Sie raffte die Wollstrickjacke enger um sich, roch das Salz, den Sand, das Dünengras, und sobald sie an dem umgedrehten Boot mit den zusammengelegten Netzen vorbeiging, auch den Fisch. Ihre Füße sanken tiefer in den Sand, sie streifte die matschverkrusteten Camelboots ab und ließ sie am Dünenaufgang liegen. Sie hatten ihr gute Dienste erwiesen, aber am Ende war alles umsonst gewesen. Alles.

Der Sand fühlte sich kalt und feucht unter ihren nackten Fußsohlen an. Es gab kein Zurück mehr. Sie hatte es ruiniert. Sie hob einen von den Wellen glattgescheuerten Stein auf und schleuderte ihn mit aller Kraft ins Wasser. Weit hinten plumpste er in die Gischt, die Schaumkämme verdeckten die Stelle sofort. Der Stein hinterließ keine Spuren.

So wie sie hier oben im Norden?

Sie zog das Smartphone aus der Tasche. Als sie das Display antippte, leuchtete ein Foto des Gutshauses auf – mit dem efeubewachsenen Tudortürmchen, der Backsteinfassade mit ihren Erkern, den auf den Simsen hockenden Gnomen und mit den neugotischen Fenstern. Von der Terrasse darunter winkten Enno, Sina und er. Davor erstreckte sich der Rosengarten, der zum Zeitpunkt der Fotografie diesen Namen noch nicht verdient hatte. Auch jetzt, bei Isabels überstürzter Abreise, war er bei weitem nicht fertig. Er war angelegt und gerade dabei, in historischer Pracht wiederzuentstehen. Noch sah man jedoch nicht viel davon. Wie gerne würde sie ihn vollenden, ihn in einem der nächsten Sommer in voller Blüte erleben. Den Rosengarten. Ihren Rosengarten.

Nein, das stimmte nicht. Er gehörte nicht ihr: Es war der Rosengarten der mutigen und bemerkenswerten Frau, für den sie ihn rekonstruiert hatte. Die sich in einer Männerwelt behauptet und ihren Traum gelebt hatte zu einer Zeit, als Frauen noch keine Träume zugestanden wurden. Sie hatte ihren Traum gelebt und sich nicht durch ein dummes Gefühl wie die Liebe durcheinanderbringen lassen. Nicht wahr?

Der Wind wehte Sandkörner in ihre Augen. Sie blinzelte.

Immerhin, dachte Isabel, eines habe ich geschafft: Ich habe es auf den Weg gebracht, dieser Frau zu der ihr gebührenden Ehre zu verhelfen.

Das Display wurde wieder dunkel. Vor noch nicht einmal zwölf Wochen war das Foto entstanden. In diesen drei Monaten hatte sie es also fertig gebracht, sich ein neues Leben aufzubauen, ihren eigenen Traum zu finden – und alles gleich wieder zu zerstören.

Sie ließ sich in den Sand fallen, hörte die Wellen immer heftiger an den Strand schlagen. Der Wind blies die Sandkörner nun über sie hinweg. Wenn sie hier liegen bliebe, würde er sie bei lebendigem Leibe begraben. Wäre das eine Option?

Sie krallte die Hand in den feuchten Boden. Die Wolken hingen tief und grau über ihr. Schon spürte sie den ersten Regentropfen im Gesicht.

Sie würde einfach liegen bleiben. Es vermisste sie sowieso niemand.

Außer Mama und Cora natürlich, aber die waren in Wien.

Sie schaute den gehetzten Wolken nach. Grau, zerrissen, zerfetzt änderten sie ständig ihre Form. Das Leben war nun mal permanente Veränderung. Nicht ein Tag glich dem vorherigen, jeder Tag hinterließ eine eigene Lebenskerbe. Nichts konnte man konservieren. Das wusste sie.

Aber wie gerne hätte sie die Tage in Lundwitz konserviert, sie festgehalten. Sich dort festgeklammert.

Würde sie je wieder ein Zuhause finden nach diesem verrückten Jahr, in dem zuerst ihre vermeintlich glückliche Ehe mit Marco zerbrochen war und nun auch noch jenes, das sie als ihr neues Zuhause erhofft hatte?

Wieder schaute sie auf ihr Smartphone. Aber es vibrierte nicht, es klingelte nicht. Niemand holte sie zurück.

Sie warf das Telefon in weitem Bogen von sich.

Sie hatte es verbockt. Sie hatte es dermaßen verbockt. Die kalten Regentropfen, die nun auf ihre Stirn und die Augenlider prasselten, vermischten sich mit ihren warmen Tränen. Sie wollte sich dem Elend hingeben, doch dann durchfuhr es sie: Was hätte Marie gemacht?

Isabel ging in die Hocke und suchte tastend nach dem Smartphone, wischte über das Display, schüttelte, pustete den Sand ab, so gut es ging.

Es funktionierte noch.

Die Regentropfen klatschten jetzt auf den Sand und hinterließen runde Einschlaglöcher. Isabels Haare klebten an ihrem Gesicht, die Strickjacke, das T-Shirt und die Jeans waren bis auf die Haut durchweicht.

Sie kehrte mit schweren Schritten zum Parkplatz zurück, öffnete den Range Rover, warf das Telefon auf den Beifahrersitz und lehnte den Kopf gegen das Lenkrad.

Es war Zeit loszufahren.

Nur wohin?

Sie hob den Kopf. Der Wackel-Elvis schaute sie auffordernd an. Sie würde es nicht ertragen, ihn die ganze Fahrt über wackelnd vor sich zu sehen. Marco hatte ihn ihr einst geschenkt, sie hätte ihn schon längst loswerden sollen. Sie riss ihn vom Armaturenbrett, öffnete die Tür einen Spalt und warf ihn in die Hundsrosenhecke.

Es war Zeit loszufahren.

Aber wohin nur?

1

Wien, Josefstadt, Mai 2017

(drei Monate zuvor)

Pünktlich, als die Glocken des Stephansdoms dreimal schlugen, empfing Marco sie vor der Haustür auf der Florianigasse. Aus Gewohnheit hätte Isabel sich beinahe auf die Zehenspitzen gestellt, um ihm einen Kuss zu geben.

»Ich nehme nur rasch die Post mit«, sagte er und leerte im Hausflur den Briefkasten, wie er es schon so oft gemacht hatte. Er stieg vor ihr die Treppe hinauf vorbei an der Bürotür im zweiten Stock, hinter der ein Telefon klingelte und Lachen zu hören war. Die Terrazzo-Stufen glitzerten an einigen Stellen, und Isabel bemühte sich, nicht auf Marcos Po zu schauen, sondern auf seine Budapester. Im vierten Stock schloss er die Wohnungstür auf, wie er es unzählige Male gemacht hatte, wenn sie zusammen nach Hause gekommen waren. Aber Isabel war bewusst, dass sie zum letzten Mal durch diese Tür trat.

»Es wäre gut, wenn du in einer Viertelstunde fertig bist. Ich habe gleich ein Meeting«, sagte Marco, blickte auf den Stapel Briefe in seiner Hand und ließ sich auf der Lehne der Ledercouch nieder, die sie zusammen in Milano gekauft hatten. Isabel erinnerte sich daran, wie viel Spaß sie damals hatten, als sie die Couch in Marcos Fiat mit offenem Rolldach über die Alpen nach Hause bringen mussten. Die Ledercouch würde hierbleiben, wie so vieles andere. Wo sollte Isabel auch hin damit? Die paar Dinge, die sie mit in die Ehe gebracht hatte – ihren Chippendale-Schreibtisch, die zwei Adirondack-Stühle und die Art-Deco-Kommode –, standen längst im Storage. Und das Einzige, was ihr in dieser Wohnung wirklich etwas bedeutet hatte, war sowieso immer … Damit er ihr Gesicht nicht sah, zog sie sehr langsam den Reißverschluss ihres Koffers auf und fummelte an den Haltegurten herum.

Aber Marco blätterte nur die Post durch. »Hier, deine Architectural Digest.« Er warf sie ihr zu. »Du solltest die Adresse endlich ändern.«

Sie verstaute die Zeitschrift im Koffer, packte ein paar Romane aus dem Regal dazu, ging am Ehebett vorbei ins Ankleidezimmer und zog die letzten Kleider von den Bügeln, lange Roben zumeist, die sie an vergangene Theaterbesuche und Charity-Galas erinnerten. Ihr Blick fiel auf seine Schrankhälfte, auf die hellblauen und weißen Oberhemden und maßgeschneiderten Anzüge in Dunkelblau, Anthrazit und Schwarz. Darunter in Reih und Glied die braunen und schwarzen Budapester. Auf einmal wurde sie stinkwütend, weil seine Schuhe hier standen und stehen bleiben würden. Und ihre leere Schrankhälfte würde bald wieder gefüllt sein mit den Kleidern einer neuen Frau. Sie holte aus und versetzte den Budapestern einen Kick. Die Schuhe krachten gegen die Wand, ein dunkler Fleck blieb zurück.

»Alles in Ordnung?«, rief Marco aus dem Wohnzimmer.

»Natürlich!«, beeilte sich Isabel zu antworten, zog einen anthrazitfarbenen Anzug vor den Fleck und stellte die Schuhe wieder an ihren Platz zurück. Sie fuhr sich durch die Locken und trat mit den Roben über dem Arm aus dem Ankleidezimmer und legte sie in den Koffer. Fehlte noch etwas? Das Ölgemälde von dem Rosengarten samt Schlösschen, das sie mit Cora auf dem Flohmarkt im fünften Bezirk entdeckt hatte. Sie nahm es von der Wand, und ein helles Rechteck war dort zu sehen, wo es gehangen hatte. Marco hatte es sowieso gehasst. Ihre Rosenliebe hatte er nie verstanden. Hoffentlich kümmerte er, oder besser Frau Dagic, sich wenigstens gut um ihre Pflanzen auf der Dachterrasse. Sie wollte sich noch von ihnen verabschieden.

Sie stieß die Glastür auf, trat auf die Marmorplatten und atmete durch. Hinter den Schornsteinen, Antennen und Satellitenschüsseln glänzte in der Ferne das golden-grüne Dach des Stephansdoms, gerade schlug das Primglöcklein zur Viertelstunde. Isabel ließ ihren Blick über die Rosen schweifen. Sie beugte sich zur Dame Judi Dench hinunter, bewunderte ihre satt apricotfarbenen Blüten und gleich daneben die cremeweißen der Imogen. Geoff Hamilton duftete intensiv nach Apfel und The Poet’s Wife nach Zitrone – wie üppig sie alle wuchsen und schon jetzt in der warmen Maisonne erste Blüten zeigten! Isabel hatte es geliebt, früh am Morgen mit einem frisch gebrühten Kaffee hier herauszutreten und dem Sonnenaufgang über den Dächern Wiens zuzuschauen, zu lauschen, wie die Stadt erwachte, wie die ersten Tauben gurrten.

Sie hörte, wie Marco hinter ihr auf die Terrasse trat. Schnell beugte sie sich zur York and Lancaster und zupfte ein gelbes Blatt ab.

»Das war auch noch in der Post für dich«, sagte er und reichte ihr einen Brief, als sie sich zu ihm umdrehte. Post vom Gericht! Nun war es also offiziell. Sie ließ den Brief sinken.

»Meiner war heute auch in der Post«, sagte er leise und fuhr sich durch die Haare. »Bist du dann fertig?« Er hielt ihr die Glastür auf, und sie trat wieder in ihre ehemalige Küche, ging zu dem Eichentisch mit den Kerben, an dem sie so viele Abende zu zweit bei Rotwein und Spaghetti und bei Dinnerpartys mit Freunden gesessen hatten.

Ja, sie war fertig. Ganz und gar.

Er trug ihr den Koffer aus der Wohnung und durchs Treppenhaus am Büro vorbei. Zwölf Jahre hatten sie dieses Büro gemeinsam geführt, dachte sie, hatten Parks in ganz Europa angelegt und unzählige Preise gewonnen. Marco würde gleich wieder dort hineingehen und weitermachen.

Und sie?

Hätte sie dem Vergleich doch nicht zustimmen sollen? Aber wie hätte es denn sonst funktionieren sollen? Schließlich gehörte dieses Stadtpalais in der Florianigasse seit Generationen seiner Familie. Kein Anwalt hätte ihn hier herausklagen können.

Marco stellte den Koffer auf dem Bürgersteig ab und lehnte das Gemälde dagegen. Als er ihr »Alles Gute!« gewünscht hatte und die Haustür zugefallen war, als sich seine Schritte auf dem Terrazzo-Boden entfernten, da spürte Isabel, wie ihre Knie nachgaben.

2

Wien, Meidling

vier Stunden später

Es war schon kurz nach neunzehn Uhr, als sie den Koffer und das Bild in den nach Bratkartoffeln riechenden Fahrstuhl bugsierte. Im Spiegel sah sie eine Frau mit Augenringen, strähnigen Locken und hängenden Mundwinkeln. In der siebten Etage stieg sie aus und drehte den Schlüssel in der Wohnungstür. Gedreht hatten sich auch ihre Gedanken, als sie auf der Bank im Schönbornpark gesessen hatte, zu der sie sich von Marcos Tür aus geschleppt hatte, nachdem sie ihre Sachen im Range Rover verstaut hatte. Immer wieder waren ihre Gedanken um die Frage nach dem Warum gekreist. Sie hatte all die langen Gespräche rekapituliert, die sie geführt hatten, sich an seine Worte über das Auseinanderleben erinnert, von Träumen, die nicht seine eigenen waren. Damit hatte er das Baby gemeint, das sich Isabel nun mit Ende dreißig gewünscht hatte. War denn das zu viel verlangt? Eine Familie zu gründen, wenn zwei Menschen sich liebten?

Vielleicht hatte Marco sich gefangen gefühlt im Alltag zwischen ihrer Wohnung und dem Büro nur zwei Etagen tiefer. Zwischen Frühstück am Küchentisch mit Blick auf den Stephansdom und Mittag am Küchentisch – immer zusammen mit Isabel. Zusammen im Büro, zusammen im Ehebett, zusammen im Bad. Zwölf Jahre lang. Sie hatte dieses Leben geliebt.

Alles Gute, hörte sie noch einmal seine Stimme.

»Kind, da bist du ja endlich! Ich hab mir Sorgen gemacht.« Ihre Mutter umarmte sie mit Tränen in den Augen.

»Lass gut sein, Mama.« Isabel befreite sich, trat in die Wohnung und schnupperte. »Hast du gekocht?«

Sie zog ihren Sommerblazer aus und stellte die Loafers auf dem Schuhregal ordentlich nebeneinander, bevor sie sich wieder aufrichtete in der Hoffnung, dass ihre Mutter den feuchten Schein in ihren Augen im Halbdunkel des Flurs nicht bemerkte. Sie musste etwas essen, sonst würde Mama keine Ruhe geben. Aber danach wollte sie sich in ihr altes Kinderzimmer zurückziehen.

»Ich dachte, du kannst heute etwas Kraftspendendes gebrauchen. Es gibt Szegediner Gulasch mit Semmelknödeln.«

Isabel roch das Sauerkraut, die dicke Sauce, das Brataroma.

»Komm, ist schon gedeckt.« Ihre Mutter zog sie mit in die Küche, auf die Eckbank, auf der Isabel gelernt hatte, mit einer Schere zu schneiden, und auf der sie später ihre Schulaufgaben erledigt hatte. Hier hatte sie ihren ersten Freund bekocht, und am Anfang ihrer Beziehung auch Marco.

»Setz dich.« Ihre Mutter streichelte ihr über die Wange und schob sie auf das Bauernpolster. Am Herd häufte sie Knödel mit Gulasch auf die Teller und kam mit dem dampfenden Essen zurück. Sie aßen schweigend. Isabel war dankbar, dass ihre Mutter nichts fragte, keinen Kommentar abgab. Nur ihr Blick blieb an dem Tiffany-Ring mit dem in Herzform eingefassten Diamanten hängen, den Isabel noch nicht geschafft hatte abzulegen. Schnell ließ sie die Hand unter dem Tisch verschwinden. Mama hatte Marco auch sehr gemocht, das wusste sie. Sie hätte sich für ihre Tochter eine ebenso lange Ehe gewünscht wie für sich selber.

Bis dass der Tod euch scheidet. Und nicht zwei Unterschriften auf einem Dokument und ein Amtsstempel.

»Danke fürs Essen.« Isabel gab ihrer Mutter einen Kuss aufs Haar. »Ich geh in mein Zimmer.«

Alles sah aus wie früher. Der Glücksbärchis-Aufkleber klebte noch immer auf der Schreibtischplatte, Prinzessinnen zierten die Vorhänge, und das Bett war inzwischen zu schmal, bezogen mit ausgeblichener Monchichi-Bettwäsche. Nur das Bügelbrett stand jetzt auch noch dort vor dem Bücherregal mit den Hanni-und-Nanni-Bänden.

Isabel ließ sich auf das Bett fallen und vergrub das Gesicht in der Armbeuge ihres Kaschmirpullis. Tränen flossen über ihre Schläfen ins Haar. Sie merkte, wie müde sie war, rollte sich auf die Seite und zog die Beine an.

Schlafen. Das war alles, was sie wollte, nur schlafen. Hier bei ihrer Mutter – und nie mehr in der Dachwohnung bei Marco und ihren Rosen.

3

Am nächsten Morgen weckte sie der Duft von Kaffee. Semmeln lagen im Brotkorb bereit, als sie in die Küche kam, dazu gab es Marillenmarmelade, die ungarische Salami, die sie so gerne mochte, und ein Zettel lag auf dem Tisch: Genieße Dein Frühstück, mein Schatz. Bin gegen 16 Uhr wieder zu Hause, Mama.

Isabel trank eine Tasse Kaffee und schaute auf ihr Handy. Keine Nachricht. Alle machten weiter, als ob nichts sei.

Sie trat mit ihrer Tasse zum Fenster. Im Hinterhof streckte sich der Kastanienbaum zwischen den vier Miethäusern dem Himmel und dem Licht entgegen. Im Sandkasten daneben vergammelten Plastikschaufeln und -förmchen. Oft hatte sie sich vorgestellt, dort einmal mit ihrem Kind zu buddeln. So wie sie selbst damals. Ihre Mutter hätte ihnen vom Fenster aus zugerufen, dass das Mittagessen fertig sei. Im Herbst hätten sie Kastanien in die Jackentaschen gestopft und stolz Oma gezeigt.

Als sie merkte, dass sie an den Fingernägeln knabberte, wandte sie sich vom Fenster ab und stellte die Tasse in die Spüle.

Sie zwang sich dazu, ihren Koffer auszupacken, der immer noch im Flur stand. Sie zog die Romane, die Klamotten, auch die Zeitschrift hervor und bewunderte wie immer den glänzenden Druck der Architectural Digest. Alles Schöne dieser Welt in einer Zeitschrift. Gut, ein paar mehr Rosen hätten vorkommen können, fand sie, nahm das Magazin mit zur Küchenbank und las sich bei einer frischen Tasse Kaffee fest.

Ein Bericht über die neuesten Baufortschritte der Hafencity in Hamburg, mittendrin die Elbphilharmonie in ihrer bemerkenswerten Schönheit. Eine Homestory in Jennifer Anistons Haus in Beverly Hills, eine Reportage über die schwierige Sanierung der Oper in Sydney. Und plötzlich fiel ihr Blick auf eine Anzeige. Nicht sehr groß, als hätte derjenige, der sie aufgeben hatte, sparen wollen. Sie überflog sie kurz, schaute hoch zur Keramikküchenuhr, die leise vor sich hin tickte, und las die Stellenanzeige noch einmal. Dann schüttelte sie den Kopf und klappte die Zeitschrift zu. Konnte sie sich das vorstellen? Sie kam aus einem etablierten Wiener Landschaftsarchitekturbüro, hatte Projekte auf der ganzen Welt betreut, in einem Monat Singapur, in der Woche darauf in San Francisco, dann in Paris. Da war das doch wirklich nichts.

Andererseits hatte sie sich seit der Trennung noch nirgends beworben, war nach dem Ende des gemeinsamen Arbeitslebens in eine Starre geraten, in der sie zu keinem Schritt fähig gewesen war. Isabel schaute auf das Cover der zugeklappten Zeitschrift.

Sie blätterte noch mal zur Anzeige: Künstlerkommune in Gutshaus nahe der Ostsee sucht erfahrene/n Landschaftsarchitekten/in zur Rekonstruktion einer historischen Parkanlage nach Denkmalschutzvorgaben. Kost und Logis frei.

Isabel lehnte sich gegen das Bauernpolster. Was für eine spannende Aufgabe! Hatte sie nicht irgendwo gelesen, dass immer mehr Familien die verfallenen Gutshäuser in Ostdeutschland samt Parks aufkauften und wiederbelebten? Zumindest in Mecklenburg-Vorpommern war das so, wusste sie. Einen dieser Parks zu rekonstruieren, das wäre eine wunderbare Herausforderung. Es wäre aufregend, zu recherchieren, wie es dort einmal ausgesehen hatte. Vielleicht hatte eine berühmte Persönlichkeit dort gelebt? Hatten sich dramatische Ereignisse abgespielt, große Liebesgeschichten, politische Verwicklungen? Würde sie vielleicht alte Pflanzensorten entdecken, die es wiederzubeschaffen und zu rekultivieren galt? Oder hatte vielleicht einst gar ein berühmter Kollege den Park angelegt? Der Gartenkünstler Lenné?

Die Hand, in der sie ihre Kaffeetasse hielt, zitterte, als sie sie zum Mund führte.

Kompetent genug für diese Aufgabe war sie allemal, dachte sie und konzentrierte sich wieder auf die Anzeige: Kost und Logis frei. Das klang natürlich gut. Bedeutete aber im Umkehrschluss, dass eine Bezahlung nicht vorgesehen war. Mit Marco war vereinbart, dass ihr Gehalt noch bis Jahresende weiterlaufen würde, an finanziellen Mitteln sollte es also nicht scheitern.

Entlang der Ostsee zog sich eine ziemlich lange Küste, soviel sie wusste. Sie war erst einmal dort gewesen, als Marco sie mit einem Wochenende in einem mondänen Hotel direkt am Strand überrascht hatte. Isabel sah wieder die weiße Fassade, den hellen Strand und die blau-weiß gestreiften Strandkörbe vor sich. Später hatten Marco die Adria und die Côte d’Azur stets mehr gelockt, und sie waren dorthin gereist.

Nahe der Ostsee. Vor ihrem geistigen Auge sah sie einen Baumstamm, umweht von Treibsand, und Eiszapfen, die sich bei einem Wintersturm an der Seebrücke festklammerten.

Das Wort Künstlerkommune klang allerdings erschreckend. Sie sah einen Haufen Typen mit langen Haaren und Klamotten aus Cord vor sich, die Selbstgedrehten gingen niemals aus, das Rotweinglas war stets in Reichweite. Oder stammte ihre Vorstellung aus den siebziger Jahren? Waren junge Künstler heutzutage nicht very veggie, trugen Dutt und Vollbart, rührten im Smoothie und machten den ganzen Tag Yoga?

Sie trank ihren Kaffee aus und goss sofort nach.

Sollte sie das wirklich machen und mit ihren fast vierzig Jahren einen Neuanfang wagen? Sie zog ihre Hand zurück, als sie merkte, dass sie wieder an den Fingernägeln geknabbert hatte. Sie stellte sich vor, dass sie die einzig Vernünftige dort oben sein würde, umgeben von Idealisten, Hals über Kopf in einem Projekt, das wahrscheinlich völlig undurchführbar war. Alles verwildert, überwuchert, ein Dornröschengarten.

Das Klingeln ihres Smartphones riss sie aus ihren Gedanken. Cora ruft an, stand auf dem Display. Na, wenigstens ihre älteste Freundin vergaß sie also nicht.

»Schatz, komm gleich mal in meinen Laden. Ich hab etwas für dich«, hörte sie, sobald sie abnahm.

»Muss das sein? Ich bin gerade sehr beschäf …«

»Bist du nicht! Du sitzt bei deiner Mutter auf der Küchenbank und weinst in eine ihrer Kaffeetassen.«

Cora kannte sie einfach zu gut.

»Komm schon«, sagte sie. »Ich hab hier Marzipan-Pralinen, die dich alles vergessen lassen. Und eine Überraschung.«

4

Coras Dutt wippte, als sie die Kundin mit dem in Zellophan eingepackten Bouquet aus Pagageienblumen, Kornblumen und Rosen verabschiedete und zur Tür brachte, wo Isabel schon auf sie wartete. Cora nahm sie in den Arm und führte sie durch den kühlen, herrlich duftenden Laden, der eher einer Galerie glich, so elegant präsentierte Cora ihre floralen Schätze. Der Laden existierte schon seit zwanzig Jahren, und sie hatte sich inzwischen einen Namen in der Stadt gemacht. Stammkunden kamen sogar aus anderen Bezirken, um sich von Cora den perfekten Strauß, das ideale Gesteck und den passenden Tischschmuck für jede Gelegenheit binden zu lassen.

Am Bindetresen, der aus einem antiken Refektoriumstisch bestand, zauberte sie hinter einer Vase mit orangefarbenen Gladiolen eine Schachtel Pralinen hervor und reichte sie Isabel. »Pro Praline ein Kilo mehr, aber eine Sorge weniger«, sagte sie und nahm sich selbst auch eine.

»Was hast du denn für Sorgen?«, fragte Isabel kauend und schob mit ihrem Schuh – dem Manolo Blahnik, den sie zur Aufmunterung angezogen hatte – ein paar Schnittreste unter den Bindetresen. Marzipan und Nougat zergingen auf ihrer Zunge. Sie nahm noch eine Praline.

Cora winkte ab, wählte drei Gladiolen und fünf Gardenien aus und ordnete Grünzeug drum herum an. »Reden wir lieber über deine Sorgen, meine Liebe. Heute ist Tag eins deines neuen Lebens voller Freiheit. Wie fühlst du dich?«

Isabel schnaubte nur und nahm die dritte Süßbombe. Die Schokoladenkaffeebohne, die zur Deko auf der Praline geklebt hatte, fiel beim Hineinbeißen herunter und hinterließ eine Schokospur auf ihrem Samtblazer.

»Sieh es mal so: Endlich kannst du frei entscheiden, was du machen willst.« Cora band den Strauß mit einem Band zusammen und schnitt mit einem Messer die Stiele an. »Kein Klotz, ich meine, kein Marco am Bein, der dich dauernd bevormundet.«

Isabel hörte auf zu kauen. »War das dein Eindruck?«

Cora hielt ihr den Strauß vor die Nase. »Was meinst du, dreißig oder fünfunddreißig Euro?«

Isabel schob ihn zur Seite. »Ich habe immer nur das getan, wozu ich Lust hatte und was richtig für mich war.«

Cora zog die Augenbrauen hoch und ließ Wasser in eine Vase laufen.

»Hab ich wirklich! Ich habe mich während unserer Ehe wohl gefühlt und weiterentwickelt.«

»Entwickelt?« Ihre Freundin stellte die Vase mit dem Gladiolenstrauß ins Schaufenster. »Zum Stubenhocker?«

»Meine Liebe, falls ich dich erinnern darf: Den zwanzigsten Geburtstag haben wir beide vor knapp zwanzig Jahren gefeiert. In unserem Alter darf man auch mal einen gemütlichen Abend zu Hause genießen.«

»Dreihundertfünfundsechzig gemütliche Abende pro Jahr, meinst du wohl.«

»Tu doch nicht so, als wärst du die Gesellschaftskönigin.«

Die Türglocke läutete. Mit ausgebreiteten Armen lief Cora einer Kundin entgegen, die trotz der moderaten Temperaturen im Fuchsmantel unterwegs war.

»Frau Haller! Was für eine Freude! An Sie habe ich gerade heute Morgen gedacht. Ein Gladiolenstrauß wäre doch etwas für die Kirschholzkonsole in Ihrem Vestibül.« Sie zeigte auf den Strauß im Schaufenster. »Schauen Sie, ist der nicht entzückend?«

Frau Haller schob ihre Gucci-Sonnenbrille ins blond getönte Haar und nickte wohlwollend. »Den nehme ich gerne. Und wenn Sie mir bis heute Abend noch ein Tischbouquet mit Rosen und Margeriten machen könnten? Ich bekomme überraschend Gäste. Der Bürgermeister und seine Frau, spontane Menschen.« Ihr Handy klingelte in der gesteppten Handtasche. »Bringen Sie es mir vorbei, seien Sie so gut, ja?« Sie zog das Telefon heraus. »Hallo, Liebling! Wartest du bitte kurz? Ich bin nur schnell bei Cora, die Blumen bestellen. Was? Nein, den Tafelspitz habe ich noch nicht abgeholt.«

Cora tat, als ob sie sich die Bestellung notieren müsste. »Selbstverständlich, Frau Haller. Um achtzehn Uhr ist das Bouquet bei Ihnen.«

Die Kundin verabschiedete sich mit zwei Wangenküsschen und verließ mit den Gladiolen den Laden.

»Fünfundvierzig Euro, geht doch«, sagte Cora und begann die Rosen und Margeriten für das Tischbouquet zusammenzusuchen. Sie legte den Kopf schief und betrachtete die Blumen. »Womit gedenkst du denn ab jetzt dein Geld zu verdienen, wo dein holder Exgatte dich aus dem Büro geworfen hat?«

Isabel verschluckte sich an der Schokolade und hustete. »Er hat mich nicht rausgeworfen! Es war einfach das Vernünftigste so.«

»Für wen?« Cora suchte ein längliches Moosgrün aus.

»Für uns alle. Und jetzt lass mich damit in Frieden.« Isabel nahm gleich zwei Pralinen und stopfte sie sich in den Mund.

»Mit der Einstellung kannst du bald in Frieden zum Arbeitsamt stiefeln.« Sie wässerte das Grün ein wenig und begann die Rosenstiele zurechtzuschneiden und hineinzustecken. »Gemütliche Schalensitze haben die da, sagt man.«

Isabel kaute und zeigte Cora den Stinkefinger. Die lachte.

»Und die Nummernanzeige piepst so schön, wenn man endlich dran ist.«

Isabel ging zur Tür. »Tschüss Cora, Waidmannsheil, du Blumenfee.«

Cora lief hinter ihr her. »Entschuldige bitte. Ich will dich doch nur anstacheln, nicht hinter deinem Potential zurückzubleiben. Du bist eine exzellente Landschaftsarchitektin. Lass dir nicht von Marco einen Knick in deine Karriere machen, indem du lange untätig bleibst. Hast du dich schon beworben?«

»Ich bin seit gestern geschieden und raus aus dem Büro. Mein Gehalt läuft noch bis Jahresende. Ich möchte jetzt einfach mal ein bisschen traurig sein, meine Wunden lecken und mich von meiner besten Freundin trösten lassen.«

Cora schüttelte den Kopf. »Kommt nicht in Frage!« Sie zog etwas aus der Hosentasche. »Hier!«

Isabel nahm den Gegenstand und drehte ihn in der Hand hin und her. »Ein Schrittzähler?«

Cora nickte. »Damit du nicht auf die Idee kommst, jetzt stehen zu bleiben.«

Isabel umarmte die Freundin. Irgendwie war sie auf ihre Art ja rührend. Nach kurzem Zögern sagte sie: »Es gibt da tatsächlich etwas, das mir sofort Beine machen könnte. Ich habe eine Anzeige in einer Zeitschrift entdeckt.«

»Erzähl!« Cora legte Rosen und Messer aus der Hand und hörte ihr aufmerksam zu.

Dann meinte sie: »Die Chance musst du nutzen! Wenn du nicht auf der Stelle dort anrufst, dann zwinge ich dich, meine Assistentin zu werden und täglich Kundinnen wie Frau Haller zu beliefern.«

»Aber bin ich nicht raus aus dem Alter für Work and Travel

»Papperlapapp. Das wird kein Work and Travel, sondern eine hervorragende Referenz für dein späteres Arbeitsleben. Du erntest doch da keine Kiwis! Vergiss diese Bedenken. Genieß einfach deine Freiheit und nutze die Möglichkeit.« Sie wedelte Isabel gen Ausgang. »Ruf jetzt an. Sofort! Und komm nicht wieder, bevor du nicht den Auftrag hast!«

Isabel lachte, schnappte sich noch eine letzte Praline und verließ den Laden.

Auf dem Weg zur Wohnung ihrer Mutter spazierte sie über den Meidlinger Markt vorbei an den bunten Verkaufshäuschen mit Cafés, Gemüseläden und Dönerbuden. Cora hatte recht, es ging jetzt darum, selbständig auf die Beine zu kommen. Zwölf Jahre hatten Marco und sie zusammengearbeitet, hatten ihr Büro gemeinsam aufgebaut, sich einen Namen gemacht. Marco behielt diesen Firmennamen nun. Und sie? Sie musste neu anfangen, eine Grundlage schaffen für ihr weiteres Berufsleben. Einen fundierten Erfahrungsschatz hatte sie, das wusste sie. Ihr war nicht bange, dass sie der neuen Aufgabe nicht gewachsen sein würde. Sie musste nun eine eigene Firma aufbauen, die ihren Lebensunterhalt langfristig sichern konnte. Denn den Beruf aufzugeben, sich irgendwo unter ihren Fähigkeiten anstellen zu lassen oder gar in ein anderes Berufsfeld zu wechseln, das kam gar nicht in Frage. Sie liebte ihre Arbeit in den Gärten und Parks. Für eine eigene Firma brauchte sie schnell gute Referenzprojekte, und die Gestaltung eines historischen Parks wäre perfekt. Wenn alles klappte, hätte sie sogar die Möglichkeit, sich mit dem neuen Büro auf ein äußerst interessantes Segment zu spezialisieren: auf die Rekonstruktion alter Landschaftsgärten. Isabel Manzetti – Historische Landschaftsgärten in Perfektion. Oder besser: Manzettis Historische Landschaftsgärten?

Ihr Herz tat einen harten Schlag. Sie hieß seit gestern offiziell gar nicht mehr Manzetti. Sie biss die Zähne aufeinander. Sie war jetzt wieder Isabel Huber. Sie musste tief durchatmen und sich zwingen weiterzudenken. Historische Landschaftsgärten neu belebt. Sie wusste, dass es im Norden Deutschlands zuhauf verlassene Gutshäuser samt Parks gab, die zu neuem Leben erweckt werden wollten. Warum nicht diese Marktmöglichkeit nutzen, um sich gleich ordentlich zu positionieren?, dachte sie, als sie die Wohnung betrat und den Blazer an den Kleiderhaken hing. Warum ni …

»Gut, dass du kommst«, begrüßte ihre Mutter sie.

Isabel fuhr zusammen. »Ich dachte, du bist erst um vier Uhr zurück.«

»Ich werde wohl in meiner eigenen Wohnung auftauchen dürfen, wann ich will.« Sie stemmte die Hände in die Hüften. »Wir müssen reden.« Sie machte kehrt und ging voraus in die Küche. Dort bedeutete sie Isabel, sich auf die Bauernbank zu setzen. »Ich habe mit Harald gesprochen.«

Isabel stöhnte. Bitte nicht … »Aber du weißt, dass ich den Harald partout nicht …«

»Hör mir erst mal zu.« Ihre Mutter setzte sich zu ihr. »Ich will nicht, dass meine Tochter sich zu einer depressiven Frau mit schlechten Haaren und strenger Falte um den Mund entwickelt.«

»Wie bitte?« Isabel fuhr sich durch die Locken. Sah sie schon so schlimm aus?

»Und das Nägelkauen muss ein Ende haben. Ich finde es ja toll, dass du in dieser Situation nicht wieder mit dem Rauchen anfängst, aber nun mach endlich Klarlack drauf und kauf dir Kaugummis.«

»Mama!« Isabel legte die Hände flach auf den Tisch. Der Herzdiamant an ihrem Ring funkelte. Sie zog die Hände wieder zurück.

Ihre Mutter winkte ab. »Ich habe mit Harald geredet, und er hat angeboten, dich ab dem ersten Juli einzustellen.«

Isabel setzte sich gerade hin. »Auf gar keinen Fall! Ich werde unter keinen Umständen bei Harald …«

»Aber Mäuschen, es ist eines der renommiertesten Architekturbüros in der Stadt. Sie können sich vor Aufträgen nicht retten. Und Harald war ganz angetan von meiner Idee, mit dir eine Landschaftsarchitektin ins Team zu holen. In letzter Zeit bekommen sie immer mehr solcher Aufträge und müssen sie an befreundete Büros abgeben.«

Isabel sprang auf. »Es ist mir egal, was die …«

Ihre Mutter zog sie zurück auf die Bank. »Jetzt hör mir doch zu! Harald schafft dir eigens eine Stelle mit einem sehr guten Gehalt, das hat er mir versichert. Mensch, er und Papa waren doch seit der Schulzeit wie Brüder. Da ist es doch kein Wunder …«

Warum konnte Mama das nicht verstehen? »Ich glaube, Harald bietet das nur aus schlechtem Gewissen und Mitleid an.«

»Schlechtes Gewissen, wieso denn das?« Ihre Mutter sah sie ehrlich erstaunt an.

Hatte sie noch nie darüber nachgedacht? Isabel zögerte kurz aus Angst, sie könnte ihre Mutter kränken. »Weil er Karriere gemacht hat, und Papa nicht. Ja, sie sind befreundet geblieben, obwohl Papa zeitlebens in der Fabrik geackert und nur Harald den Studienplatz bekommen hat.«

»Aber Kind, das ist doch fünfzig Jahre her. Sei doch vernünftig.«

»Ich mag Harald aber nicht, und ich will keine Hilfe von Vitamin B.« Isabel riss sich los.

»Du immer mit deinen Prinzipien …« Ihre Mutter sank an die Rückenlehne.

»Schluss, Mama, ich mache das nicht! Und im Übrigen habe ich bereits eine andere sehr gute Stelle bekommen.«

»Ach ja?«

»Allerdings!«, rief Isabel und lief mit ihrem Smartphone in ihr altes Zimmer. Jetzt musste sie nur beten, dass die Stelle noch nicht vergeben war.

5

Die zwei Alukoffer lagen aufgeklappt auf den grünen und rosafarbenen Fransen des Teppichs. Isabel warf hinein, was ihr in die Finger kam. Erst mal Kleidung für den Sommer und den Herbst, dachte sie. Vielleicht auch noch was für den Winter? Wie lange würde es wohl dauern, den Park wieder zum Leben zu erwecken?

Der Mann am Telefon hatte jedenfalls ganz nett geklungen, dachte sie. Er hatte sich als Alex vorgestellt und war offenbar der Chef der »Künstler«. Sie schmunzelte. Er hatte sehr langsam und bedacht gesprochen mit einer tiefen, samtigen, ein wenig verschlafen klingenden Stimme, mit der er jede Versicherung hätte verkaufen können. Isabel hatte sich einen jungen Alain Delon vorgestellt, mindestens. Er hatte sich als zeitgenössischer Maler bezeichnet, der ursprünglich aus Hannover stamme, später aber in New York gelebt habe, und seit nunmehr einem Jahr sei das Gutshaus Lundwitz nahe der Ostsee sein Zuhause. Es erwarte sie eine spannende Aufgabe, hatte er gesagt. Sie müsse allerdings ein wenig flexibel sein, was den Wohnstandard angehe, man sei noch mitten im Umbau und mit der Sanierung des Hauses beschäftigt.

Ein wenig flexibel. Fließend Wasser werde es ja wohl geben, hatte Isabel scherzend gefragt. Meistens, hatte er geantwortet und ein rauchiges Lachen hinterhergeschickt.

Sie nahm das Cocktailkleid mit den Pailletten wieder aus dem Koffer, ebenso zwei Paar High Heels. Auch wenn sie sie liebte, die würde sie dort oben garantiert nicht brauchen. Stattdessen packte sie drei Paar Sneakers und ihre Camelboots ein, die sie immer bei Baustellenbegehungen und einmal in der Woche im Garten Kunterbunt trug, wenn sie mit den Stadtteilkindern Gemüse säte und Beete umgrub. Sie musste lächeln, als sie an diese Mittwochnachmittage dachte, die sie nie ausfallen ließ, egal welche Sitzung oder welcher Bauherr sich in ihren Terminplan drängen wollte. Der Garten Kunterbunt war ihre kleine Großstadtoase auf dem Dach eines Achtgeschossers gleich bei ihrer Mutter um die Ecke. Was hatte sie kämpfen müssen, um das Projekt von der Stadt genehmigt zu bekommen, als ihr diese zugegebenermaßen leicht verrückte Idee nicht mehr aus dem Kopf gegangen war. Marco hatte stets nur die Augen verdreht und gemeint, sie verschwende ihre kostbare Zeit, warum wolle sie denn für diese verlorenen Gören überhaupt etwas tun? Sie hatte sich nicht beirren lassen, hatte das Theater wegen Sicherheitsmaßnahmen und Vorschriften durchgestanden und schließlich eine Lösung errungen. Das Ergebnis war, dass nun schon seit fast fünf Jahren jede Woche rund vierzig Kinder pflanzten, gruben und ernteten und so ein paar glückliche Stunden an der frischen Luft im Garten Kunterbunt jenseits ihres meist wenig bunten Alltags zwischen Schule und Spielkonsole verbrachten. Sie sah die geröteten Gesichter vor sich, hörte die hin und her fliegenden Kommentare, wenn sie Karotten aus der Erde zogen, Johannisbeeren direkt vom Strauch naschten oder in der knallbunt angestrichenen Laube von Isabel oder einer ihrer Mitstreiterinnen Palatschinken direkt aus der Pfanne bekamen, auf die sie selbst gekochte Erdbeermarmelade strichen.

Isabels Augen begannen zu brennen, schnell konzentrierte sie sich wieder aufs Packen. Hatte sie denn wirklich nur zwei Paar Jeans? Im Büro hatte sie zu Kundengesprächen stets einen ihrer schwarzen oder dunkelblauen Hosenanzüge oder Kostüme mit Bluse und High Heels getragen. Wie hatte sie diese Meetings gehasst, in denen man lächelnd die zum Teil grotesken Vorstellungen der Kunden gutheißen musste. Viele Leute hatten wirklich nicht ein Fünkchen Stil. Mancherorts hatten sie die kitschigsten Botschaften in die Buchsbäume schnitzen lassen müssen: Herzen, Statuen, einmal sogar ein Bild des Yorkshire Terriers der Hausherrin.

Bei dem neuen Projekt gab es vermutlich keinen Kitsch, sondern eine feste historische Vorlage. Bilder vom Park und Pläne. Viel hatte dieser Alex am Telefon jedoch noch nicht verraten. Nur, dass das Projekt von der EU gefördert werde und dass die Denkmalschutzbehörde sehr konkret und vor allem korrekt in die Planung und Umsetzung eingebunden werden müsse, nicht nur was das Gutshaus anging, sondern eben auch den Park. Er hatte einige Fragen zu ihrem Lebenslauf gestellt, den Isabel ihm umgehend gemailt hatte, und war beeindruckt gewesen von den Projekten, die sie betreut hatte. Nach einer kurzen Pause, in der Isabel schon dachte, die Leitung sei zusammengebrochen, hatte er sie eindringlich gefragt, ob sie auch wirklich wisse, worauf sie sich einlasse? Es sei die Chance, ein historisches Ensemble wiederherzustellen und zu prägen mit den vielen kleinen Details, die es zu entscheiden gelte, weil sie möglicherweise in den historischen Vorlagen nicht ganz ersichtlich waren. Es sei aber auch ein Abenteuer, das mehr mit Improvisation zu tun habe, denn mit Komfort und Planmäßigkeit.

Kurz hatte sie überlegt, einen Rückzieher zu machen, aber schließlich hatte die Neugier gesiegt. Und die Angst vor der Leere, die ihr Leben zurzeit bestimmte. Der Leere hier zu Hause in Wien. Ohne Marco, ohne Job.

Natürlich gab es auch manches, was sie an Wien sehr vermissen würde. Die Arbeit im Garten Kunterbunt natürlich. Aber das würde auch ohne sie laufen, schließlich hatte sie inzwischen einen Mitarbeiterstab von acht Frauen aus der Nachbarschaft aufgebaut. Jetzt musste sie für eine Weile loslassen und sich um ihre eigene Zukunft kümmern.

»Meinst du denn, es gibt dort in der Nähe ein Spa-Hotel, damit ich dich mal besuchen kann?«, hatte Cora am Telefon gefragt. »Denn auf einer Baustelle werde ich mit Sicherheit nicht übernachten.«

»Um deinen Urlaub kümmern wir uns später, meine Liebe«, hatte Isabel geantwortet. »Jetzt muss ich erst mal dort oben ankommen.«

»In der von Dornen überwucherten Trümmerwüste von Alain Delon.« Cora kicherte.

»Sehr witzig.« Isabel hatte sie weggedrückt.

Und dann war der Tag ihrer Abreise gekommen. Isabel gab ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und umarmte sie fest. Die Koffer waren schon unten im Range Rover verstaut.

»Gib auf dich acht, mein Schatz«, sagte ihre Mutter nun und umarmte sie fest.

»Und du auf dich!« Isabel musste sich zusammenreißen, dass ihre Augen nicht feucht wurden.

»Grüß deine Mitbewohner von mir.« Ihre Mutter schaute sie ernst an. »Und sollte es dort zu wild zugehen, in dieser Gutshaus-WG: Dein Zimmer hier steht immer für dich bereit.«

Isabel gab ihr einen Kuss und stieg in den Fahrstuhl. Als die Tür zuglitt und sie sich zum Spiegel umdrehte, sah sie dort eine Frau im mittleren Alter, die sie fragend anblickte. Immerhin waren ihre Haare nun gewaschen, die Locken hatten wieder Kraft und glänzten, als sie mit der Hand hindurchfuhr. Auf den Nägeln hatte sie Klarlack aufgetragen. Die Augenringe schienen ein wenig kleiner – und sie entdeckte sogar einen Hauch frischer Röte auf den Wangen.

6

Die Fahrt auf der Autobahn zog und zog sich. Der Wackel-Elvis musste inzwischen eine lahme Hüfte haben. Nach vier Stunden taten auch Isabel der Hintern und der Rücken weh. Ihr Magen, den sie nur mit ein paar Gummitieren versorgt hatte, beschwerte sich und verlangte ein warmes Mittagessen. Isabel nahm die nächste Abfahrt irgendwo bei Dresden. Tschechien hatte sie bereits hinter sich gelassen. Sie folgte einem Schild, das einen Mittagstisch versprach und eine dampfende Kaffeetasse zeigte, und bog auf einen Parkplatz, zwischen dessen Steinplatten Gras sprießte. Sie hielt an, und der Motor verstummte.

Stille.

Isabel stieg aus und streckte sich. Die Luft roch nach Abgas, Bratensauce und Rotkohl. Die Glasmosaiktür zur Gaststätte knarrte, und Isabel setzte sich an einen von vier Tischen mit Plastiktischdecken. Unechte Nelken steckten in einer schmalen Vase. Zwei weitere Tische waren besetzt von einem Mann, wohl einem Lastwagenfahrer, der Kohlroulade mit Rotkohl und Knödeln aß, und von zwei Frauen mit schwarz-bunt gefärbten Kurzhaarfrisuren, die jede ein Schnitzel mit Pommes vor sich hatten. Isabels Auftritt wurde genau beobachtet, auch von dem dicken Wirt, der auf den Tisch zugeschaukelt kam, ein Geschirrtuch im Hosenbund.

Isabel legte ihren Schlüsselbund mit dem Anhänger vom Botanischen Garten Berlin neben die Nelkenvase und bestellte ein Bauernfrühstück. Dabei konnte man nun wirklich nichts verkehrt machen, dachte sie und trank ihre Club Cola, die der Mann ihr sofort gebracht hatte. Im Radio wurde das Wetter verlesen. Man erwarte für die Region sonniges Frühsommerwetter, von Norden ziehe allerdings Tief »Hermann« heran und sorge ab dem späten Nachmittag für starken Regen und Wind mit Böen bis zu Windstärke acht.

»Romantik ist was anderes«, sagte eine der beiden Frauen gerade zur anderen und kaute ihr Schnitzel.

»Er lässt sich nie etwas einfallen«, sagte die andere. »Könnte ja wenigstens einmal im Jahr an unseren Hochzeitstag denken.«

»Ist nicht zu viel verlangt.«

»Ist es nicht. Muss ja nicht gleich ein ganzer Strauß sein. Eine einzelne Rose reicht mir auch, kostet doch nur einen Euro. Aber ist ihm zu kitschig.«

Ein Chart-Hit tönte aus dem Radio.

»Ist doch nicht kitschig!«

Schweigen. Der Verkehrsfunk meldete Stau auf der A13 zwischen Radeburg und Schwarzheide. Hoffentlich war er vorbei, bis sie aufgegessen hatte, dachte Isabel.

»Früher waren die Menschen eben noch richtig romantisch«, sagte die eine Frau nun. »Ellenlange Liebesbriefe haben die sich geschrieben, und ich krieg noch nicht mal ’ne SMS, geschweige denn eine lumpige Rose zum Hochzeitstag.«

Isabels Bauernfrühstück kam. Das warme Ei und die leicht angebrannten Bratkartoffeln taten gut. Laut Navi waren von hier aus noch knapp viereinhalb Stunden zu fahren. Vorausgesetzt, rund um Berlin gab es keinen Stau.

Sie war vor acht Jahren zum letzten Mal in Berlin gewesen, mit Marco am Hochzeitstag. Isabel schaute zu den beiden Frauen. Das musste man Marco lassen, für die Hochzeitstage hatte er sich immer etwas Besonderes einfallen lassen – natürlich auf seine Marco-Art, die immer ein wenig übertrieben war. Er hatte ihr damals nicht verraten, wo es hinging, bis sie am Flughafen eingecheckt hatten. Ein Wagen hatte sie in Tegel abgeholt und in ein Hotel am Gendarmenmarkt gebracht. Marco hatte eine Suite gebucht, in der der Champagner schon bereitstand. Als Höhepunkt der Reise hatte er sie in den Botanischen Garten geführt, wo sie einen ganzen Nachmittag damit verbracht hatten, das Arboretum, die Orchideensammlung, das Tropenhaus und natürlich den Rosengarten rund um die Rosenlaube zu erkunden. Warum nur war es später im Alltag so schiefgegangen?

»Zufrieden mit dem Bauernfrühstück?«, unterbrach der Wirt ihre Gedanken und nahm das leere Colaglas vom Tisch. »Noch ’ne Cola?«

»Kaffee bitte«, sagte Isabel. »Das Bauernfrühstück war hervorragend.«

»Will ich doch meinen. Meine Frau macht das beste.« Er lächelte. »Wir sind seit sechsunddreißig Jahren verheiratet.«

»Alle Achtung!«, sagte Isabel, aber innerlich zog sich alles zusammen. Sechsunddreißig Jahre, davon waren sie und Marco weit entfernt geblieben. Sie biss die Zähne fest zusammen und schaute auf ihre Nelke. Hier in dieser Raststätte würde sie bestimmt nicht anfangen zu weinen. Sie schob sich einen frischen Kaugummistreifen in den Mund und erinnerte sich an etwas, was vor drei Jahren vorgefallen war. Sie und Marco waren zu einer Geburtstagsfeier eines Freundes in einem teuren italienischen Restaurant eingeladen. Der Freund war ein ehemaliger Kommilitone von Marco, mit dem er eine WG geteilt hatte. Isabel kannte ihn nur flüchtig, denn die beiden hatten sich nach dem Ende des Studiums aus den Augen verloren. Er hatte Marco und Isabel überschwänglich begrüßt und sie der Runde von etwa fünfzehn Leuten vorgestellt. Die Frauen waren alle sehr gepflegt, trugen Designerkleider, goldene Uhren und lackierte Fingernägel. Armreifen klimperten, Champagnergläser klirrten. Isabel war direkt von der Arbeit gekommen, sie trug ihren dunkelblauen Hosenanzug und nur wenig Make-up. Die Haare hatte sie mit einer Klammer nach oben gesteckt, die Nägel nicht lackiert. Ein anstrengender Arbeitstag lag hinter ihr, an dem sie sich mit einer Rechtssache hatte herumschlagen müssen, in die Marco die Firma manövriert hatte. Nun hockte sie erschöpft zwischen den schillernden Gestalten und erntete ab und an einen missbilligenden Blick von Marco, der am anderen Tischende saß, der ihr sagte, sie solle sich amüsieren. Aber sie fand diese Leute nicht interessant, sie wollte nur nach Hause, eine Dusche nehmen und ins Bett. Sie war gleich nach dem Essen durch die dunklen Straßen alleine nach Hause spaziert, denn Marco hatte noch bleiben wollen. Am nächsten Morgen hatte sie sich sein Gemecker darüber anhören müssen, was für eine Spielverderberin sie sei.

Ihr Smartphone brummte. Die Verkehrs-App gab die Auflösung des Staus zwischen Radeburg und Schwarzheide durch. Sie schaute noch schnell nach dem Wetter. Nördlich von Berlin würde sie in Regen hineinfahren, sagte die App voraus. Isabel seufzte. Wenigstens passte das Wetter hervorragend zu ihrer Stimmung.

Sie trank den Kaffee aus, zahlte und fuhr wieder auf die Autobahn – ihrem neuen Leben entgegen. Oder war das alles nur eine Schnapsidee, und sie würde schon in wenigen Tagen wieder nach Wien zurückkehren?

Isabel drehte die Musik im Autoradio auf volle Lautstärke, um ihre Gedanken zu übertönen. Der Wackel-Elvis gab sein B

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