Logo weiterlesen.de
Der Teufel von Aranaque: Fantasy Sammelband 2 Romane

UUID: fa4e4e82-5ca6-41e5-a396-f909dfb510d1
Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://write.streetlib.com) erstellt.

Inhaltsverzeichnis

  • Der Teufel von Aranaque: Fantasy Sammelband 2 Romane
  • Copyright
  • Todespfeile aus dem Jenseits
  • ​Duell in der Hölle

Der Teufel von Aranaque: Fantasy Sammelband 2 Romane

Art Norman

Der Mann, dessen Gesicht jeden Betrachter unwillkürlich an eine fette Kröte erinnerte, hob die Hand. Vor ihm drehte sich eine riesige, hausgroße Kugel langsam um ihre Achse. Sie leuchtete schwach von innen heraus, und auf ihr zeichneten sich Umrisse ab: Die Umrisse von Ländern, von Kontinenten.
Ein Punkt leuchtete heller als die übrige Fläche.
»Dort ist er«, sagte der Mann in der schwarzen Kleidung und warf mit einer ruckartigen Schulterbewegung den Umhang zurück, daß er wie eine Fahne im Wind wehte. »Dort ist er«, wiederholte er etwas leiser und zeigte auf den Punkt. »Der Fürst der Finsternis.«
Er lachte schrill, und die Umstehenden fielen in dieses Lachen ein. »Der ehemalige Fürst der Finsternis«, setzte der Dunkle hinzu. »Denn er wird es nicht mehr lange sein. Ich werde ihn töten, und ich werde auf seinem Thron sitzen. Es ist soweit. Wir haben ihn, und wir werden ihn erwischen. Geht und handelt!«
Und zwei Männer wichen von seiner Seite und eilten davon, den Willen ihres Herrn zu erfüllen.
Ihr Herr, der untersetzte Mann mit dem krötenähnlichen Gesicht, war Leonardo de Aranaque.



Dieser Band enthält folgende Romane von Art Norman:


Todespfeile aus dem Jenseits

Duell in der Hölle

Todespfeile aus dem Jenseits

Art Norman


Der Schädel veränderte sich.
Von einem Moment zum anderen waren die Augenhöhlen nicht mehr leer. Ein glühendes Augenpaar entstand, zwei Lichtpunkte in der umgebenden Finsternis. Sie bewegten sich, nahmen Eindrücke auf. Obgleich es stockfinster war, konnten sie Einzelheiten mühelos erkennen.
Der Schädel befand sich in einem abgeschlossenen metallischen Behältnis. Das Material war unangenehm und bedrückend; Silber, erkannte der Schädel sogleich. Pures Silber. Es behinderte ihn bei dem, was er sich zum Ziel gesetzt hatte. Da war eine Erinnerung, aber sie war undeutlich. Der Schädel wußte, daß er sein volles Wissen zurückerhalten würde, wenn er es benötigte. Zunächst aber war es noch nicht soweit.
In Stirnhöhe bildeten sich zwei Erhebungen. Sie wuchsen rasch empor, bis sie handspannenlang waren. Leicht gedreht, waren sie perfekte Teufelshörner.

Der Schädel war auch der eines Teufels.

***


Der schwere GMC-Truck donnerte mit etwas überhöhter Geschwindigkeit über den Highway Nr. 10. Vor einer Viertelstunde hatte er die Grenze zwischen Arizona und Kalifornien hinter sich gelassen und kämpfte sich jetzt eine Bergstrecke hinauf. Bis Los Angeles waren es noch etwas über 200 Meilen. Wenn nichts dazwischen kam, rechneten die beiden Männer im Führerhaus des GMC-General, daß sie in viereinhalb bis fünf Stunden am Ziel waren.
Ruhig und gleichmäßig donnerte der 600-PS-Cummins-Diesel unter der langen Fahrzeugschnauze. Die Klimaanlage summte leise, und aus dem CB-Funkgerät kam unverständliches Quäken und Rauschen. Der Sprecher war zu weit entfernt. Aber weder Duke Wesley noch sein Beifahrer Norman Kingston hatten im Augenblick Interesse an einer Funkunterhaltung mit den Kollegen. Kingston döste mit halbgeschlossenen Augen vor sich hin. Duke Wesley kämpfte gegen die Müdigkeit an, die ihn immer wieder übermannen wollte. Sie waren seit 30 Stunden auf den Beinen. Sie mußten pausenlos fahren, um genügend Geld zu verdienen. Der Sattelschlepper war noch nicht einmal zu einem Viertel abbezahlt und die Raten hoch. Nach Abzug aller Unkosten blieb schließlich nicht sonderlich viel zum Leben übrig. Festangestellte Trucker hatten es da besser, aber Wesley und Kingston arbeiteten auf eigene Rechnung. Sie liebten die Freiheit, die sich ihnen dadurch bot. Dafür mußten sie eben auch das Risiko eingehen, daß sie eines Tages auf die Nase fielen. Ein Unfall reichte schon aus…
Im Grunde war bei dieser Fahrt der Truck nicht ausgelastet. Der Auflieger war so gut wie leer. Nur eine schrankgroße Holzkiste war festgezurrt worden und sollte in Los Angeles ausgeladen werden. Aber der Auftraggeber bestand darauf, daß außer dieser Kiste nichts anders gefahren werden sollte. Und er zahlte teuflisch gut. Bei doppeltem Tarif konnte man schon einmal darauf eingehen, und zudem verbrauchte der Truck natürlich mit der geringen Last weitaus weniger Sprit; die Unkosten sanken also ebenfalls beträchtlich. Andererseits war ein Zeitlimit gesetzt worden. Die Fracht mußte zu einem bestimmten Zeitpunkt am Ziel sein, je eher, desto besser. Deshalb überschritten die beiden Männer, die sich beim Fahren abwechselten, die festgesetzte Höchstgeschwindigkeit von 55 Meilen pro Stunde beträchtlich, wo immer es möglich war.
Den Frachtpapieren nach befand sich ein kompliziertes Maschinenteil in der Kiste. Warum das so dringend und außerdem ohne jede weitere Fracht ans Ziel gebracht werden sollte, hatte den beiden Männern niemand erzählt. Wozu auch? Wer gut bezahlt wird, stellt wenig Fragen. Und im Grunde war es doch egal, ob sie ein paar Tonnen Schrauben, eine Ladung Bananen, Rinderhälften oder diese Maschine ans Ziel transportierten. Wichtig war allein Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und Verdienst.
»He - schau dir das mal an!« stieß Wesley plötzlich hervor. Kingston öffnete die Augen ein paar Millimeter weiter und pfiff durch die Zähne. Am Straßenrand stand ein Mädchen und reckte den Daumen hoch. Aber was für ein Mädchen!
Der enormen Mittagshitze wegen war das Girl entsprechend leicht bekleidet; knallenge Shorts, weiße Cowboystiefel, ein Stroh-Stetson und eine dünne Bluse, die lediglich über dem Bauchnabel locker verknotet war und mehr enthüllte, als sie verbarg. Im Sonnenlicht golden funkelnde Haare fielen bis auf die Hüften herab. Duke Wesley trat auf die Bremse. Der Truck wurde langsamer und rollte am Highwayrand aus. Daß sie diese Schönheit nicht stehen lassen konnten, war klar. Kingston, jetzt wieder hellwach, öffnete die Tür und beugte sich nach draußen. »Steig ein!«
»Ihr fahrt bis nach Los Angeles?« fragte das süße Girl zurück. Kingston bejahte. »Komm! Die Klimaanlage läuft! Da draußen holst du dir höchstens ’nen Hitzschlag!«
Er rutschte zur Mitte und machte Platz. Das langbeinige Prachtmädchen kletterte in den Truck und schmetterte die Tür hinter sich zu. »Hey«, sagte sie. »Ich bin Teri.«
Kingston stellte seinen Kameraden und sich vor. »Sag mal, wie kommst du in diese Einsamkeit?« wollte er wissen. »Hier ist doch weit und breit keine Ansiedlung.«
»Mich hat so ein Mistkerl in seinem Cadillac mitgenommen und wollte zudringlich werden. Als ich ihm was auf die Pfoten gab, hat er mich hier rausgeschmissen«, sagte Teri.
»Hm«, machte Kingston und betrachtete die aufreizende Kleidung des hübschen Mädchens. Da brauchte man schon eine gehörige Portion Beherrschung, um kühl zu bleiben. Aber Kingston war verheiratet und seiner Maybelle treu. Er naschte nur mit den Augen, wenn ihm was Hübsches über den Weg lief.
»Und wo willst du hin? Nach Hollywood zum Film?«
»So ein Blödsinn.« Teri schüttelte energisch den Kopf. »Ich will einen Freund besuchen. Wohnt mitten in der Innenstadt, aber da kommt ihr wahrscheinlich nicht hinein.«
»Wir laden draußen vor der Stadt beim Frachthof ab«, sagte Wesley und ließ den GMC wieder schneller laufen.
»Was habt ihr denn geladen?«
»Maschinenteil«, brummte Wesley. Er warf einen Blick in den linken Rückspiegel. »Verflixt, das darf doch nicht wahr sein«, stöhnte er auf. »Wieso habe ich den Kerl nicht gesehen?«
»Was für einen Kerl?«
»Norman, hast du irgendwo am Straßenrand einen Smokey mit ’ner Speedygun gesehen? Da jagt einer hinter uns her und hat den Christbaum befackelt.«
»Wovon redest du?« wollte Teri wissen.
»Trucker-Jargon«, erklärte Kingston verdrossen. »Ein Smokey oder Bear ist ein Polizist, und mit der Speedy-Gun mißt er Geschwindigkeit und fotografiert. Und der Christbaum, das ist die Rotlichtbrücke auf dem Wagendach.«
Jetzt wurde auch die Sirene des Polizeiwagens hörbar. Der schwarzweiß lackierte Ford rückte langsam auf. Wesley fluchte ohne Rücksicht auf die zarten Öhrchen des Girls. »Da fährst du 1000 Meilen mit Volldampf, und ausgerechnet hier erwischen sie dich«, knurrte er. »Ich hätte gute Lust, den Smokey von der Fahrbahn zu rammen.«
»Das bringt uns auch nichts mehr ein. Wir müssen das Ticket eben bezahlen«, murrte Kingston. »Teri, hast du wenigstens einen Ausweis bei dir?«
Sie schüttelte stumm den Kopf.
»Auch das noch.«
Wesley bremste den Truck ab. Der Polizeiwagen blieb hinter ihm; eine Sicherheitsmaßnahme, falls der Gestoppte aggressiv wurde. Wenn sich der Streifenwagen vor den anderen setzte, konnte es geschehen, daß den Beamten in den Rücken geschossen wurde. Vorgekommen war es immerhin einige Male, und die Cops hatten daraus gelernt.
»Du solltest ihn vielleicht doch von der Fahrbahn werfen«, sagte Teri leise.
»Hast du was verbockt und die Smokeys zu fürchten? Dann verschwinde in der Schlafkabine und hoffe, daß sie keine Kontrolle durchführen.«
Wieder schüttelte Teri den Kopf. »Fahr weiter, Duke«, bat sie.
»Ich bin nicht lebensmüde«, sagte der Trucker. »Wenn noch ein paar Kollegen hier wären, könnten wir mit den Smokeys ein hübsches Spielchen machen. Aber wie es aussieht, sind wir auf weiter Strecke allein.«
Er brachte den Truck zum Stehen.
Irgendwie bemerkte er, wie sich der Körper des Mädchens verspannte. Da stimmte etwas nicht. Plötzlich kamen ihm Bedenken, daß sie das Girl mitgenommen hatten. Vielleicht ging es gar nicht um eine Geschwindigkeitsübertretung, sondern nur um die Goldblonde. Möglicherweise wurde sie gesucht und war beobachtet worden, wie sie in den Truck kletterte.
Der Streifenwagen hatte hinter dem Truck angehalten. Die beiden Beamten stiegen aus. Die Rotlichter flackerten weiter. Im Rückspiegel sah Wesley die Polizisten heranwalzen. Die Highway-Police legte Wert auf Kleiderschrank-Typen, und diese beiden sahen aus, als könnten sie allein den ganzen Truck auseinandernehmen. Die Gesichter waren grimmig verzogen.
Das gibt was, dachte Wesley und kurbelte die Fensterscheibe herunter. Da lag Teris Hand auf seiner Schulter.
»Nicht«, sagte sie. »Fahr weiter, sofort!«
Ihre Stimme hatte hypnotisierende Wirkung. Wesley trat die Kupplung und legte den zweiten Gang ein. Langsam ruckte er an.
»Laß den Quatsch«, warnte Kingston. »Die schießen uns die Reifen in Fetzen!«
Verdammt, warum will ich losfahren? Nur, weil das Mädchen es gesagt hat? durchfuhr es Wesley, und er brachte den schon angeruckten Truck wieder zum Stehen. Diesmal schaltete er auch den Motor ab.
»Sehr vernünftig«, sagte draußen der Polizist, der sich auf das Trittbrett geschwungen hatte. Eine großkalibrige Waffe schaute in die Kabine des GMC herein. Die Mündung wies auf Wesley.
»Ab jetzt übernehmen wir«, sagte der Mann in der Polizeiuniform und schoß. .
***
Der Schädel spürte eine Veränderung. Er nahm ein Gedankenmuster auf, das er nicht erforschen konnte. Aber es besaß die Aura Weißer Magie. Das gefiel ihm noch weniger als die Umhüllung aus Silber, aus der die Kiste bestand. Wenig später tauchten noch zwei weitere Gedankenmuster auf. Sie waren dunklen Ursprungs, aber auch sie waren ihm nicht wohlgesonnen.
Die Veränderung war inzwischen weiter vorangeschritten. Unter dem Schädel mit den Teufelshörnern entstanden Halswirbel, Nackenwirbel und Schulterblätter. Und dieser Vorgang war noch lange nicht beendet.
Langsam, aber stetig nahm etwas Gestalt an.
***
Duke Wesley bekam keine Zeit, Erschrecken zu zeigen. Er wurde zurückgerissen. Haarscharf vor seinem Gesicht pfiff die Kugel vorbei, verfehlte auch Teri und Kingston und zertrümmerte die Glasscheibe auf der anderen Seite. Kingston schrie auf. Teri, die den Trucker zurückgerissen hatte, bewegte zwei Finger. Die Pistole schmolz zu einem unförmigen Metallklumpen zusammen.
Wesley reagierte instinktiv. Er löste die Türverriegelung und trat zu. Die Tür schwang auf und schleuderte den Polizisten auf die Straße hinaus. Etwas Seltsames jagte an Wesley vorbei nach draußen und -traf den zweiten Polizisten. Schlagartig veränderte er sich. Sein Gesicht bekam eine Schuppenhaut, die Nase bildete sich zurück, und die Ohren wurden lang und spitz. Aus den Fingerspitzen wuchsen Krallen hervor. Ein durchdringendes Kreischen erklang.
Mit einem Satz schwang sich das Mädchen über Wesley hinweg und durch die offene Tür. Gleichzeitig löste es sich in Nichts auf. Einen Sekundenbruchteil später sah Wesley es drei Schritte hinter dem Polizisten aus dem Nichts auftauchen, der von der Tür getroffen worden war und sich gerade wieder aufrichtete. Teri setzte ihn mit einem wohldosierten Schlag außer Gefecht. Der mit der Schuppenhaut malte Zeichen in die Luft und schrie unverständliche Worte, die Wesley vorkamen wie das Gestammel eines Irren. Eine furchtbare Kraft traf das Mädchen und schleuderte es quer über die Straße. Wieder löste es sich auf und kam direkt hinter dem Schuppenhäutigen wieder aus dem Nichts. Es packte mit beiden Händen zu, bekam den Kopf zu fassen und drehte ihn.
Der Schuppenhäutige kreischte noch viel lauter.
Sie bringt ihn um, dachte Wesley entsetzt. Kingston und er waren wie gelähmt. Sie begriffen nicht, was hier vorging. Es knackte, und dann erschlaffte die entsetzliche Gestalt endlich. Im gleichen Moment ging sie in Flammen auf. Teri sprang gerade noch rechtzeitig auf, um von den Flammen nicht erfaßt zu werden. Der Schuppenhäutige verpuffte förmlich. Nur eine fette schwarze Qualmwolke blieb von ihm übrig.
Das Mädchen drehte sich um und, jetzt war es Teri, die mit beiden Händen Zeichen in die Luft malte und fremdartige Laute hervorstieß. Etwas Flirrendes löste sich aus ihren Händen, raste rotierend wie eine Windhose durch die Luft und traf den Polizeiwagen. Er verwandelte sich blitzschnell in ein schleimiges, feuerspeiendes Ungeheuer, das einen furchtbaren Brüllton von sich gab und dann explosionsartig zerplatzte.
»Ich träume«, keuchte Wesley. »Norman, sag, daß das alles nicht wahr ist.«
Das Mädchen lief leichtfäßig auf den Truck zu und kletterte zu Wesley hoch. Jetzt fielen ihm die schockgrünen Augen auf. Solche Augen konnte kein Mensch besitzen.
»Sie wollten eure Ladung«, sagte Teri.
»Du hast sie umgebracht«, keuchte Kingston. »Du hast zwei Smokeys umgebracht, verdammt!«
»Es waren keine Menschen«, sagte Teri. »Fahrt nicht nach Los Angeles. Dort wartet der Tod. Eure Fracht darf nicht ans Ziel kommen, aber auch nicht in andere Hände fallen. Am besten vernichtet die Kiste.«
»Was - was…«
»Ich habe keine Zeit für Erklärungen«, sagte Teri hastig. »Der andere kann jeden Moment wieder zu sich kommen, und allein kann ich ihn kein zweites Mal bändigen. Tut, was ich sage. Ich werde versuchen, euch weiter zu helfen. Aber jetzt muß ich vorübergehend verschwinden.«
»Ich verstehe nicht - du…«
Teri winkte ab. Sie sprang wieder ab und lief zu dem Bewußtlosen hinüber. Sie riß ihn vom Boden hoch, machte eine Vorwärtsbewegung und war mit ihm verschwunden.
Spurlos.
Nichts mehr deutete darauf hin, daß hier soeben noch ein bizarrer, unglaublicher Kampf stattgefunden hatte - nichts außer der zerschossenen Türfensterscheibe. Aber als die beiden Männer die Glasreste näher betrachteten, fielen ihnen Schmelzspuren auf. Die Scheibe war nicht nur von einer Kugel zerschlagen, sondern auch angeschmolzen worden.
»Das gibt es doch gar nicht«, keuchte Kingston. »Wir sind in einem Alptraum gelandet. Was zum Teufel ist hier bloß geschehen?«
***
Der Teufel in dem silbernen Behältnis war zufrieden. Alle drei Magischen waren wieder verschwunden, einer von ihnen tot. Das war ganz im Sinne des Schädels. Die Wirbelsäule war nun schon fast vollständig, und die Rippen begannen langsam von hinten nach vorn zu wachsen.
Nur das Silber konnte dem Teufelsschädel immer noch nicht gefallen.
***
»Laß uns weiterfahren«, sagte Wesley nach einer Weile. Sie hatten gegrübelt und sich die Köpfe zerbrochen. Aber was hier geschehen war, war unerklärlich. Kingston vermutete, daß sie es mit Außerirdischen zu tun hatten. Filme darüber gab’s ja genug. Hin und wieder wurde die Fernsehserie »Invasion von der Wega« von einer der unzähligen TV-Stationen wiederholt, und da verglühten die Außerirdischen auch auf so merkwürdige Weise. »Aber das ist doch nur Fantasie«, behauptete Wesley. »Spinnerei von verrückten Drehbuchschreibern.«
»Vielleicht ist doch was dran«, sagte Kingston. »Bedenke, wie viele Menschen schon im Altertum davon ausgingen, daß es auf anderen Sternen Leben geben müsse. Und… denk an die Theorien dieses Schweizers. Wie hieß er noch gleich…«
»Erich von Däniken«, half Wesley aus. »Hm…«
»Wir werden es wohl nicht so schnell enträtseln, und es ist Unsinn, daß wir uns jetzt die Köpfe zerbrechen. Am besten stellen wir uns ganz dumm, wissen von nichts und fahren weiter. Am nächsten Truck-Stop versuchen wir eine neue Scheibe zu bekommen, und das ist alles. Wenn wir hier warten und grübeln, verlieren wir nur Zeit. Wir haben ohnehin schon zu viel Zeit verloren.«
Der Dieselmotor sprang wieder an. Der bullige GMC-Truck rollte weiter und gewann rasch an Geschwindigkeit. Es blieben am Ort des Geschehens keine Spuren zurück…
***
»Das schafft sie nie«, sagte Gryf ap Llandsrysgryf, der blondhaarige Druide vom Silbermond. »Sie ist total übergeschnappt. Ich bin drauf und dran, ihr nachzuspringen.«
»Warte lieber noch ein paar Minuten«, empfahl Nicandra Darrell. »Du solltest Teri kennen. Sie geht kein unnötiges Risiko ein. Wenn sie glaubt, sie schafft es, dann schafft sie es auch.«
Am vergangenen Tag hatten sie sich in Long Beach in unmittelbarer Nähe Hollywoods ein kleines Ferienhaus gemietet, einen Bungalow mit Park und Swimming-pool inmitten einer größeren Freizeitanlage. Professor Moronthor, seine Gefährtin Nicandra Darrell und die beiden Druiden Gryf und Teri. Es ging um eine eigenartige Angelegenheit mit einem Teufelsschädel, der nicht erwachen durfte und nach dem sich diverse Dämonen alle Finger leckten. Das Erwachen des Schädels mußte verhindert werden. Und deshalb waren die Dämonenjäger nun hier.
Und Teri Rheken hatte beschlossen, einen Blitzeinsatz im Alleingang durchzuführen, um einen der Dämonen in ihre Gewalt zu bekommen, die hinter dem Schädel her waren. Er sollte verhört werden. Denn die nähe-, ren Einzelheiten fehlten der Moronthor-Crew noch. Sie wußten nur, was geschehen sollte, nicht aber, wie. Gryf hielt Teris Vorgehensweise für hellen Wahnsinn, hatte sie aber nicht aufhalten können, und er wußte, wie sauer sie reagieren konnte, wenn man ihr ungebetene Hilfe nachreichte. Sobald sie wußte, wo sich der Transport und die Jäger befanden, war sie im zeitlosen Sprung verschwunden.
»Ob das Klima etwas mit diesem Abenteuer zu tun hat?« überlegte Moronthor. »Teufel leben in der Hölle, dort ist es heiß, und hier ist es auch heiß.« Die Klimaanlage des Ferienhauses war am Morgen ausgefallen, und es war zu riskant, sie jetzt reparieren zu lassen. Der Techniker sollte nicht mitten in die großangelegte Aktion hineingezogen werden. Dementsprechend heiß war es im Haus geworden, und auch der Zugwind durch geöffnete Fenster schaffte nur wenig Linderung. Moronthor und Gryf trugen Shorts und offene Hemden, und Nicandra begnügte sich mit einem höllenroten Tangahöschen, das sie ebensogut im Koffer hätte lassen können. Verhüllende Funktionen hatte es jedenfalls so gut wie gar nicht. Moronthor hatte den Verdacht geäußert, Nicandra habe es sich aus einem Konfettifetzchen selbst angefertigt.
»Wir sollten die Anlage vielleicht doch reparieren lassen«, sagte er. »Es muß ja nicht sein, daß der Techniker tatsächlich etwas von unseren Aktivitäten in Sachen Dämonenjagd mitbekommt.«
»Wenn Teri den Dämon tatsächlich anschleppt, kannst du davon nur träumen«, sagte Gryf. »Dann ist hier was los…«
Einen Augenblick später war hier was los. Teri erschien per zeitlosem Sprung, war leicht außer Atem und schleppte einen Mann in Polizeiuniform mit sich, den sie einfach mitten im Zimmer auf den Boden fallen ließ. »Da ist er«, sagte sie einfach.
Das Amulett, das Moronthor vor der Brust trug, wurde sofort warm. Einen deutlicheren Beweis dafür gab es nicht, daß sie es mit einem Dämon zu tun hatten! Und der Bewußtlose begann soeben zu erwachen.
Moronthor erhob sich, nahm das Amulett ab und preßte es ihm gegen die Stirn. Er nahm es sofort wieder zurück, aber der kurze Augenblick hatte gereicht, ein feuerrotes Brandmal erscheinen zu lassen. Der Dämon sank wieder in Bewußtlosigkeit zurück. Rund um das Mal veränderte er sich und zeigte seine wahre Gestalt. Eine dunkelgrüne, rot gepunktete Haut, rauh wie die eines Haifischs, und wie ein Haifischmaul begann sich auch sein Gesicht vorzustülpen. Moronthor nickte Gryf zu. Die beiden Männer packten zu und trugen den Dämon ins Nebenzimmer, wo sie ihn in einen magischen Bannkreis legten. Er zuckte trotz seiner Bewußtlosigkeit heftig zusammen und schlug und trat um sich, als er durch den Kreis befördert wurde, erschlaffte dann aber wieder. Er war vorerst gefangen und würde sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien können.
Sie gingen ins Wohnzimmer zurück. »Wie hast du ihn erwischt?« wollte Moronthor wissen. Teri rasselte einen Kurzbericht herunter, während sie Bluse und Shorts abstreifte und Gryf an den Kopf warf. »Himmel, endlich werde ich die Klamotten los. Eine Hitze ist das, daß ich draußen am Highway fast verrückt geworden wäre, und hier drin ist es noch schlimmer. Ist die Klimaanlage immer noch defekt?«
Nicandra nickte. »Natürlich. Leider. Und nach draußen auszuweichen, bringt auch nicht viel, weil du im sonnigen Kalifornien nicht mal ›oben ohne‹ nach draußen darfst, ohne eingesperrt zu werden.«
»Spießig«, stellte die nackte Druidin fest. Gryf hatte sich wieder in einen Sessel geworfen, und Teri ließ sich auf seinem Schoß nieder. Sie hatte von jeher eine Abneigung gegen zuviel Kleidung, und in diesem Klima erst recht. »Wenigstens dürfen wir hoffen, daß kein Sheriff hier ins Haus hineinschaut.«
»Ich denke, ihr werdet auch für den Swimming-pool nicht unbedingt einen Wintermantel brauchen«, warf Gryf ein. »Von der Straße aus ist er nicht direkt einzusehen, und wenn ihr euch erfrischen wollt, dann springt hinein…«
»So eng sehen es die Behörden hier wohl inzwischen auch schon nicht mehr«, stimmte Moronthor zu. »Ihr braucht ja auch nicht unbedingt auf einer Hauptverkehrskreuzung zu posieren und den gesamten Verkehr zum Erliegen zu bringen…«
Teri und Nicandra sahen sich an. Über Nicandras Gesicht zog sich ein lausbübisches Lächeln. Moronthor ahnte etwas.
»Wäre das nicht was für uns?« fragte Nicandra. »Ich bin gerade dazu aufgelegt, einen Streich zu spielen! Sollen wir?«
Teri hob die Schultern. »Kann lustig werden. So für vier, fünf Sekunden… die werden ganz schön Augen machen!«
»Ihr seid ja verrückt«, sagte Moronthor. »Nichts als Blödsinn im Kopf! Erstens könnt ihr Auffahrunfälle provozieren und zweitens haben wir Wichtigeres zu tun als…«
»Es wird keine Unfälle geben, dafür sind wir zu schnell«, sagte Teri, während Nicandra ihr winzigrotes Etwas bereits abstreifte. Die beiden Mädchen faßten sich an den Händen, und ehe Moronthor weiter protestieren konnte, waren sie per zeitlosem Sprung verschwunden.
»Idiotisch«, sagte Moronthor. »Wir haben wirklich anderes zu tun als diese kindischen Späßchen…«
Gryf zuckte mit den Schultern. »Laß ihnen den Spaß. Sie sind ja gleich wieder hier. Manchmal habe ich auch das Bedürfnis, etwas total Verrücktes zu tun. Du nicht?«
»Aber doch nicht nackt eine Kreuzung zu blockieren!«
»Der eine so, der andere so«, sagte Gryf. »Darf ich dich an deine wilde Jagd auf den Burghahn Caruso erinnern, wo du den halben Tag lang Château Aranaque unsicher machtest und mit der Axt in der Hand hinter dem Hühnervieh hergerast bist?«
Moronthor verzog das Gesicht, als habe er in eine Zitrone gebissen. Er wartete darauf, daß die beiden Mädchen wieder im Zimmer erschienen. Vier, fünf Sekunden, hatte Teri gesagt.
Aber inzwischen war bereits eine Minute vergangen.
Und auch nach zehn Minuten waren Teri und Nicandra noch nicht wieder da…
***
Um die Wirbelsäule herum waren die Rippen jetzt vollständig, und Oberarmknochen begannen ebenso zu wachsen wie das Beckenteil. Der gehörnte Schädel fieberte bereits dem Moment entgegen, da der Körper vervollständigt sein würde. Lange konnte es nicht mehr dauern.
Er wußte jetzt, daß er einen Namen hatte.
Ratar.
Ratar, der Jäger aus dem Jenseits.
Nur die Silberummantelung des Behältnisses, in dem er sich befand, störte ihn mehr denn je.
***
Da stimmt was nicht, durchzuckte es die Silbermond-Druidin, noch während sie den zeitlosen Sprung durchführte. Er war diesmal nicht zeitlos. Eine Sekunde verging, dann die zweite… und immer noch waren sie nicht an ihrem Ziel erschienen. Dafür begann eine schwarze Kraft ihre Klauen nach den beiden Mädchen auszustrecken.
Von einem Moment zum anderen tauchten sie dann doch wieder in die normale Welt ein. Aber nicht an Teris Ziel, einer belebten Kreuzung im Zentrum von Los Angeles. Das hier war ein luxuriös eingerichtetes Wohnzimmer.
Jemand hatte ihren Sprung abgefälscht, hatte die Kontrolle übernommen.
Normalerweise konzentrierte sich ein Silbermond-Druide auf sein Ziel, stellte es sich in allen Einzelheiten, die bekannt waren, bildlich vor - je mehr Details, desto exakter war das Ziel anzupeilen. Dann wurde eine Bewegung gemacht, ohne welche der zeitlose Sprung nicht durchführbar war, und löste mit geistiger Kraft den magischen Impuls aus. In der gleichen Sekunde befand sich der Springer bereits an seinem Ziel. Die Entfernungen wurden lediglich durch die verfügbare weißmagische Druidenkraft begrenzt; je stärker das Vermögen, desto weitere Strecken konnten ohne jeden Zeitverlust zurückgelegt werden. War der Springer erschöpft, konnte er nur noch über kurze Distanzen springen -oder versagte gänzlich, wenn die geistigen Kraftreserven erschöpft waren.
Hier mußte es geschehen sein, daß ein anderer Teri ein fremdes, anderes Ziel aufgeprägt hatte, noch während sie sprang. Das mußte bedeuten, daß dieser Jemand auch von ihrem Sprung gewußt hatte - zumindest aber darauf wartete, daß er erfolgte. Mit ihrem Sprung war sie ahnungslos in eine Falle getappt, und in diese Falle hatte sie Nicandra auch noch mitgerissen.
Sie hielt Nicandras Hand fest, warf sich vorwärts, um sofort den nächsten Sprung auszulösen - zurück in das Wohnzimmer des kleinen Ferienhauses. Aber es klappte nicht. Für Augenblicke wurde die Druidin geistig »blind«. Sie war nicht mehr in der Lage, sich auf das Zimmer zu konzentrieren; alles blieb ein verwaschenes Grau ohne jegliche Konturen. Und ein spöttisches Lachen ertönte.
Sie wirbelte herum. Nicandra gab einen überraschten Laut von sich.
Drei Männer in dunklen Anzügen standen um die beiden nackten Mädchen herum. Allein das eigenartige Glühen ihrer Augen verriet, daß sie nur äußerlich Menschengestalt trugen. Aber damit hörte es auch schon auf.
Sie waren dämonisch.
Einer der drei Männer hob eine sechsfingrige Hand. »Hervorragend«, sagte er. »Das Biest, das Certon ermordete, und eine weitere Geisel dazu! Das paßt ja ausgezeichnet. Der Blutgötze wird mehr als zufrieden sein.«
»Was soll das?« stieß Nicandra hervor. »Wer seid ihr, was wollt ihr von uns? Wo sind wir hier?«
»Bist du wirklich so naiv?« fragt der Dämon. »Ihr seid genau in unsere Falle getappt. Wir haben sie im gleichen Moment aufgestellt, als wir bemerkten, daß eine Silbermonddruidin Certon ermordete und Alcyno kidnappte! Wir wußten, daß sie ein weiteres Mal springen würde, und brauchten nur zu warten. Daß es schnell gehen würde, hat allerdings auch uns überrascht.«
Nicandra und Teri begriffen. Diese drei Dämonen gehörten zu den beiden, die in Polizeiuniformen versucht hatten, den Truck mit dem Teufelsschädel zu übernehmen. Ausgerechnet denen waren sie jetzt in die Hände gefallen! Es sah nicht gut aus…
Teri versuchte abermals zu springen. Aber es gelang ihr wieder nicht.
»Du bist abgeschirmt«, lachte der Sprecher der drei Dämonen spöttisch. »Du hast keine Chance, zu entkommen, so oft du es auch versuchst.«
»Was habt ihr mit uns vor?« fragte Nicandra.
Die Antwort ließ sie erschauern.
»Der Blutgötze wird euch fressen.«
Im nächsten Moment traten zwei der drei Dämonen vor, packten zu und zerrten die beiden Mädchen davon. Sie versuchten sich zu wehren, aber die Berührung der Dämonenhände ließ ihre Kräfte blitzschnell erlahmen. Erschlafft und hilflos wurden sie von den Dämonen davongezerrt…
***
Darius Donovan sah auf die Uhr. »Es wird Zeit, daß der Truck kommt«, sagte er unruhig.
»Er wird doch wohl nicht aufgehalten worden sein?«
»Warum fragst du mich?« Lydia Donovan-Othis hob die Schultern. »Wir sollten uns ohnehin mehr um den Truck kümmern. Es war nicht gut, den Transport normalen Menschen zu überlassen. Wenn sie von den anderen überfallen werden, können sie sich nicht wehren. Ich habe dich von Anfang an gewarnt.«
»Ja, du hast mich gewarnt«, knurrte Darius unwillig. »Aber wenn wir von Anfang an in Erscheinung getreten wären, dann wüßte jetzt jeder, daß wir den Transport veranlaßt haben und daß wir Ratar wollen. Wenn er sein Behältnis verläßt, werden wir ihm unseren Willen aufprägen, und er wird uns dienen. Das gibt uns Macht.«
»Macht, Macht«, äffte seine Schwester nach. »Du bist verrückt, Darius. Sieh es einmal realistisch. Sobald wir stärker und einflußreicher werden, werden auch die Kämpfe gefährlicher. Man wird versuchen, uns in unsere Schranken zurückzuweisen, und bist du sicher, daß wir stark genug sind, uns zu behaupten?«
»Wenn wir Ratar haben, sicher! Ratar ist mehr als ein Teufel aus dem Jenseits. Er ist eine ultimative Waffe!«
»Nicht, wenn andere Dämonenfamilien sich zusammentun und gegen uns antreten. Viele Hasen können auch einen Hund töten, wenn sie ihn sich zu Tode rennen lassen.«
»Du siehst zu schwarz, Schwester, wie immer«, sagte Darius Donovan. »Es ist unsere große Chance, seit Asmodis im Untergrund verschwand. Niemand weiß, wer den Thron des Fürsten der Finsternis als nächster besteigen wird. Sanguinus und Belial konnten sich nicht halten. Sie sind tot. Wir müssen die Zeit der Wirren ausnutzen.«
»Vergiß nicht die SIPPE DER EWIGEN, die immer noch existiert und uns alle bedroht.«
»Eben!« Darius Donovan lachte spöttisch auf. »Alle fürchten sich vor der SIPPE! Alle richten ihre Blicke in panischer Furcht nach außen. Wir aber kommen von innen. Und selbst wenn nicht wir es sind, die den nächsten Fürsten stellen - unser Einfluß wird sich vergrößern. Durch Ratar. Wir müssen ihn hier haben, wenn er erwacht.«
»Aber wenn wir so vor uns hin träumen und alles den anderen überlassen, wie du es beabsichtigst, wird es nicht dazu kommen! Wir hätten ihn selbst hierher bringen sollen.«
»Und jeder hätte gewußt, daß wir dahinter stecken.«
»Du wiederholst dich.«
»Du dich etwa nicht? Aber ich denke, wir werden den Truck schon vor Los Angeles übernehmen. Marc soll das übernehmen.«
»Ich sag’s ihm. Er brennt schon darauf, endlich etwas tun zu können«, sagte Lydia. Sie verließ den Raum. Darius Donovan verzog das Gesicht. Wenn sie wüßten, was er wirklich plante…
Der Donovan-Clan war eine angesehene reiche Geschäftsfamilie. Keiner der Sterblichen ahnte, daß sich hinter dieser Familie Dämonen verbargen. Selbst einige angeheiratete Menschen nicht. Durch diese Geheimhaltung war der Donovan-Clan stärker, als es den Anschein hatte, Darius Donovan, Lydia Donovan-Orthis und Marc Donovan waren die stärksten Dämonen ihres Clans; sie hatten das Sagen, und alle anderen tanzten nach den Pfeifen dieser drei. Aber Darius war nicht länger gewillt, daß die Führungsspitze des Clans sich uneins war. Wenn Darius erst einmal den erwachenden Ratar zu seinem Gehilfen, zu seiner Waffe gemacht hatte, würde sein erster Befehl lauten, Lydia und Marc auszulöschen. Sie würden am Machtanstieg nicht mehr teilhaben. Darius war es leid, daß seine Entscheidungen ständig von den anderen kritisiert wurden. Und von selbst würden weder Lydia noch Marc zürückstecken. Also mußten sie sterben. Eine Zeitlang hatte Darius den Plan erwogen, seine beiden Verwandten dem Dämonenjäger Moronthor zuzuspielen. Aber das war auch für ihn gefährlich. Man sollte keine schlafenden Löwen wecken. Moronthor mochte auch auf die anderen Mitglieder des Clans stoßen… und bisher war es noch keinem gelungen, diesen Moronthor zur Strecke zu bringen. Nicht einmal dem Asmodis oder Leonardo de-Aranaque.
Und dann war Darius auf Ratar gestoßen, den erwachenden Jenseits-Jäger. Das war für ihn die Lösung sämtlicher Probleme.
Er mußte nur schneller sein als die anderen. Er hatte den Schädel des Ratar gefunden, bergen lassen, und jetzt war der Transport unterwegs nach Los Angeles. Sicher, auch Darius war es ein wenig unwohl bei dem Gedanken, Sterbliche mit diesem Transport beauftragt zu haben. Aber die konnten unmöglich ahnen, was es mit dieser Kiste auf sich hatte, die äußerlich mit Holz verkleidet und versiegelt war, innerlich aber aus purem Silber bestand, das Ratar an einer vorzeitigen Flucht hinderte.
Der Zeitplan stimmte. Wenn Ratar erwachte, würde er in Los Angeles sein. Und wenn er der geöffneten Silberkiste entstieg, würde Darius Donovan es sein, der ihm seinen Willen aufprägte.
Nicht mehr lange…
***
»Da ist etwas passiert«, sagte Gryf beunruhigt.
»Schlaumeier. Sie werden genau vor einem Polizisten aufgetaucht sein, und der hat sie sofort festgehalten und wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet«, hoffte Moronthor. An die andere Möglichkeit, daß Teri und Nicandra in eine Dämonenfalle gesprungen sein konnten, wollte er lieber noch nicht denken.
Dabei wußten sie alle nur zu genau, wie brisant diese Sache war. Wenn eine ganze Reihe von Dämonen hinter diesem erwachenden Teufel her waren wie derselbe hinter der verlorenen Seele, dann lauerte überall Gefahr. Bisher hatten sie es stets immer nur mit wenigen Dämonen zugleich zu tun gehabt. Das hier aber schien etwas Weltbewegendes zu werden, allein von der Bedeutung des Ereignisses her. Ein Machtkampf stand bevor. Und vordringlich galt es zu verhindern, daß der Schädel erwachte! Und darüber hinaus, daß er den jagenden Dämonen in die Hände fiel. Es war ein Vielfrontenkrieg, in den Moronthor und seine Gefährten hier eingestiegen waren. Niemand hatte jemals zuvor von dem Teufel gehört, dessen Schädel eines Tages erwachen sollte. Aber jetzt war Gryf mit der Botschaft gekommen, daß der Schädel existierte, und daß das Erwachen unmittelbar bevorstand.
Gryf verzog das Gesicht. »Erregung öffentlichen Ärgernisses? Was zum Teufel ist an einem hübschen Mädchen ein Ärgernis? Nackte Mädchen siehst du an jedem zweiten Filmplakat, warum also nicht einfach mal live? Weitaus größere Ärgernisse sind die Katastrophenberichte in den Nachrichtensendungen oder Kriegsschauplätzen in aller Welt.«
»Sag das den Verklemmten und Heuchlern«, riet Moronthor. »Aber an das öffentliche Ärgernis glaube ich schon fast nicht mehr… Ich fürchte, daß unsere Gegner -die Finger im Spiel haben.«
»Wir sollten uns allmählich um unseren haifischgesichtigen Gefangenen kümmern. Vielleicht erfahren wir dann mehr über unsere Gegner und können Gegenmaßnahmen treffen. Dafür schließlich hat Teri den Burschen doch besorgt.«
Moronthor nickte.
Sie gingen hinüber in den anderen Raum. Der Dämon war wieder bei Bewußtsein. Er tobte innerhalb des Kreises, kreischte und spie, als er seine beiden Bezwinger sah. Er hatte sich jetzt total verwandelt. Die Polizeiuniform war förmlich von ihm abgeplatzt, und er zeigte sich als scheußliche Kreatur, die nichts mehr mit einem Menschen gemein hatte.
Moronthor hob das Amulett.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Der Teufel von Aranaque: Fantasy Sammelband 2 Romane" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen