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Der magische Blumenladen 2: Ein total verhexter Glücksplan

Der Unfall

„Oh, verflixt! UUAAAAHHH!“

Tante Abigails Stimme gellte so laut aus dem Treppenhaus in den Blumenladen, dass Violet vor Schreck fast den Topf mit den Moosröschen fallen ließ, den sie gerade ins Regal stellen wollte.

„Ach du liebe Zeit!“, krächzte der alte Mr Bennings, der seinen Rollator in den Laden schob. „Das hört sich gar nicht gut an.“

„Schade, schade, schade!“, rief Lady Madonna, Tante Abigails türkisfarbener Wellensittich. Aufgeregt hüpfte sie in ihrem Käfig über der Ladenkasse auf und ab.

„Ich schau mal kurz nach.“ Violet stellte den Röschentopf ab und flitzte durch die Hintertür. Sie wäre fast über ihre Tante gefallen, die am Fuß der Treppe lag. Vor ihr saß Lord Nelson und leckte sich das honigfarbene Fell.

„Was ist denn hier passiert?“, fragte Violet.

„Dieser dumme Kater musste sich ausgerechnet auf die Treppe legen, um ein Nickerchen zu machen!“, schimpfte Tante Abigail. „Und ich bin über ihn gestolpert.“

Lord Nelson maunzte und klang dabei so vorwurfsvoll, als ob er über Tante Abigail gefallen wäre und nicht umgekehrt.

„Haben Sie sich verletzt?“, fragte Mr Bennings besorgt. Er hatte seinen Rollator zur Hintertür bugsiert und schaute nun über Violets Schulter.

„Ich befürchte, ja.“ Unglücklich blickte Tante Abigail auf ihr linkes Bein. Es sah auch ganz komisch aus. Der Unterschenkel war seltsam verdreht, der Fuß zeigte nach außen, statt nach innen.

„Wir brauchen sofort einen Krankenwagen!“, erklärte Mr Bennings. „Das Bein ist gebrochen, das sieht ja ein Blinder mit Krückstock.“

Noch bevor Tante Abigail etwas entgegnen konnte, hatte er sein Handy aus der Tasche gezogen und wählte die Nummer des Notrufs.

Violet kniete sich neben ihre Tante auf den Boden und sah sie voll Mitleid an. „Tut es sehr weh?“ Tante Abigail war so blass, dass sich die Sommersprossen auf ihrer Nase noch deutlicher als sonst von ihrer Haut abhoben. Ihre roten Locken leuchteten wie Feuer, genau wie Violets Haare. Sie und ihre Tante sahen sich nämlich total ähnlich.

„Es geht schon“, flüsterte Tante Abigail und biss sich auf die Lippen.

„Halten Sie durch!“, rief Mr Bennings. „Der Notarzt ist bereits unterwegs.“

„Ein Glück, dass der Krankenwagen so schnell da war“, sagte Violet. Sie saß auf dem Etagenbett ihrer Freunde Zack und Jack Dumpling und berichtete ihnen von den aufregenden Geschehnissen des Tages.

„Ich wäre so gerne mitgefahren, aber ich durfte nicht. Obwohl ich doch Tante Abigails einzige Nichte bin.“

„Immer wenn es spannend wird, wollen sie uns Kinder nicht dabeihaben“, sagte Zack.

„Eine Riesengemeinheit!“, fand Jack.

Zack und Jack waren Zwillinge, das sah man auf den ersten Blick. Beide waren schlaksig, hatten lustige Stupsnasen und kurze blonde Haare. Dass Jack in Wirklichkeit Jacqueline hieß und ein Mädchen war, sah man hingegen nicht.

„Das geht ja auch keinen etwas an“, sagte Jack immer.

Denn sobald die Leute mitbekamen, dass sie ein Mädchen war, machten sie die seltsamsten Dinge: Sie schenkten ihr rosa Kleider und Rüschenblusen oder Schmuck und Glitzerspielzeug. Dabei spielte Jack viel lieber Fußball oder Verstecken.

Ihr Mädchenspielzeug warf sie achtlos in die Ecke, wo Zack und Violet das ein oder andere wieder hervorholten, wie zum Beispiel die bunten Backformen oder die Stickerbücher. Violet spielte gerne mit Jack, aber am allerliebsten spielte sie mit beiden Zwillingen gemeinsam. Was nicht immer einfach war, denn Zack interessierte sich nicht die Bohne für Fußball.

„Wie lange muss Tante Abigail denn im Krankenhaus bleiben?“, fragte Jack.

„Das steht noch nicht fest“, antwortete Violet. „Sie hat jetzt erst mal einen Gips bekommen. Morgen sagen sie ihr dann, wann sie wieder nach Hause darf.“

„Hoffentlich bald“, sagte Zack. „Jemand muss sich doch um den Blumenladen kümmern.“

Jack nickte. „Und um Lord Nelson und Lady Madonna.“

„Das mache ich“, erklärte Violet. „Tante Abigail hat mir den Schlüssel gegeben, bevor sie ins Krankenhaus gebracht wurde. Ich füttere die beiden morgens vor der Schule. Abends gieße ich die Blumen und schau auch noch mal im Laden vorbei, ob alles in Ordnung ist.“

„Aha“, sagten Jack und Zack gleichzeitig. Dann sagten sie nichts mehr.

Violet schwieg ebenfalls. Sie war sich aber absolut sicher, dass sie gerade alle drei an dasselbe dachten: an Tante Abigails zitronengelbes Blumenbuch.

Als Abigail vor ein paar Wochen verreist war, hatte Violet das Buch in einem Geheimversteck hinter dem Badezimmerspiegel gefunden. Es war kein normales Buch, das hatten die drei Freunde auf den ersten Blick erkannt. Die Blumen, die darin beschrieben wurden, waren alle magisch.

Sie hatten einen der Blumenzauber natürlich sofort ausprobiert und damit ein ziemliches Chaos angerichtet. Auch wenn am Ende alles gut ausgegangen war, hatte Violet ihrer Tante hoch und heilig versprechen müssen, dass sie das Buch nicht mehr anrühren würde.

Seitdem war das Buch verschwunden, Tante Abigail hatte es diesmal offensichtlich noch besser versteckt. Sie hatte Violet allerdings auch ihr Wort gegeben: Sobald Violet sechzehn war, würde sie alles über das Buch erfahren. Aber bis dahin waren es noch sieben lange Jahre!

„Wisst ihr, was richtig blöd ist?“, fragte Jack. „Tante Abigail wollte doch zum Turnier kommen. Und jetzt verpasst sie alles.“

Sofort verdüsterte sich Zacks Miene. „Sei still!“ Er hielt sich die Ohren zu. „Ich will nichts davon hören.“

In zwei Tagen war es nämlich wieder so weit: In ihrer Schule fand das alljährliche Sportfest statt. Einen Tag lang wurde nicht gebüffelt, sondern um die Wette gerannt, gesprungen, geworfen und geturnt. Für alle Leistungen gab es Punkte und der Schüler mit den meisten Punkten bekam am Ende einen Pokal und durfte ihn ein ganzes Jahr lang behalten. Bis zum nächsten Turnier.

Im letzten Jahr hatte Jack den Pokal gewonnen. Kein Wunder, sie war nämlich eine super Sportlerin. Und nun konnte sie es kaum erwarten, ihren Schatz zu verteidigen.

Violet freute sich auch auf das Turnier. Sie konnte sehr schnell laufen, weit springen und turnte gerne. Nur im Werfen war sie ziemlich schlecht.

Zack war dagegen überall ziemlich schlecht. Um genau zu sein: Er war eine Katastrophe.

Er hing wie ein Sandsack am Reck, beim Laufen wurde er von den Erstklässlern überholt und beim Werfen schaffte er höchstens drei Meter. Und zwar nach hinten.

Zacks Unsportlichkeit lag vor allem daran, dass er überhaupt keine Lust hatte, sich anzustrengen. Er konnte nicht verstehen, warum die anderen so wild darauf waren, einem Ball hinterherzulaufen oder um die Wette zu rennen. Da tüftelte er lieber über einer komplizierten Matheaufgabe oder schrieb einen Aufsatz.

Bisher war das für niemanden ein Problem gewesen. Aber vor Kurzem war ein neuer Junge in die Klasse gekommen: Olli Carmichael.

Olli war schon zehn, er war viel größer und stärker als die anderen und eine richtige Sportskanone. Alle in der Klasse fanden ihn cool, besonders die Jungs.

Olli machte ständig Witze über Zack, wie zum Beispiel: „Wenn du Zack in der Mannschaft hast, brauchst du keine Gegner mehr.“

Er hatte sich auch einen Spitznamen für Zack ausgedacht: „Luschen-Zack„. Inzwischen nannten ihn auch die anderen Jungs so.

Und neulich hatte Olli Zack ein Bein gestellt und alle hatten gelacht, als er gestolpert war. Sogar die Mädchen.

„Beim Turnier ist Olli bestimmt extragemein zu mir“, sagte Zack. „Ich möchte bloß wissen, was der gegen mich hat. Ich habe ihm doch nichts getan.“

„Über den Blödmann würde ich mir nicht den Kopf zerbrechen“, meinte Violet. „Einfach nicht beachten. Das ist das Beste.“

Aber Zack hörte gar nicht richtig zu. „Diesmal gewinnt bestimmt Olli den Pokal. Dann finden die anderen ihn noch toller und er ist noch fieser zu mir.“

„Olli bekommt den Pokal nie und nimmer!“, rief Jack. „Weil ich ihn gewinnen werde!“

Zack seufzte schwer. „Ich wünschte, ich wäre die Treppe runtergefallen und hätte mir das Bein gebrochen. Und nicht Tante Abigail. Dann könnte ich gemütlich im Krankenhaus rumliegen und müsste nicht zum Sportfest.“

„Du spinnst wohl“, sagte Violet. „Tante Abigail hat fast geweint, weil ihr das Bein so wehgetan hat.“

„Das wär mir egal“, erklärte Zack. „Wenn ich nur nicht mitspielen müsste.“

„Nun sei doch nicht so ein Feigling!“, rief seine Schwester wütend. „Wenn du immer klein beigibst und vor Olli wegrennst, dann wird er dich nie in Ruhe lassen. Im Gegenteil, da denkt er sich doch nur noch viel schlimmere Gemeinheiten für dich aus.“

„Ach ja? Und was soll ich deiner Meinung nach tun?“

„Du könntest dich zur Abwechslung einfach mal anstrengen“, sagte Jack. „Wenn du dir nur ein bisschen mehr Mühe geben würdest, wärst du vielleicht sogar richtig gut in Sport.“

„Und dann würde Olli mich in Ruhe lassen?“

Jack zuckte mit den Schultern. „Ich würde mir jedenfalls nicht alles von ihm gefallen lassen.

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