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Die Chroniken des Magnus Bane – Die Flucht der Königin

Cassandra Clare/Maureen Johnson

DIE CHRONIKEN DES MAGNUS BANE

DIE FLUCHT
DER KÖNIGIN

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Aus dem Amerikanischen
von Ulrike Köbele

 

 

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Cassandra Clare
wurde in Teheran geboren und verbrachte die ersten zehn Jahre ihres Lebens in Frankreich, England und der Schweiz. Ihre Reihe Chroniken der Unterwelt sowie die zweite Trilogie Chroniken der Schattenjäger wurden auf Anhieb zu einem internationalen Erfolg, ihre Bücher stehen weltweit auf den Bestsellerlisten. Cassandra Clare lebt mit ihrem Mann, ihren Katzen und einer Unmenge an Büchern in einem alten viktorianischen Haus in Massachusetts.

Weitere Titel von Cassandra Clare im Arena Verlag:
CHRONIKEN DER UNTERWELT:
City of Bones
City of Ashes
City of Glass
City of Fallen Angels
City of Lost Souls

City of Bones/Ashes/Glass/Fallen Angels
sind auch als Hörbuch erhältlich.

CHRONIKEN DER SCHATTENJÄGER
Clockwork Angel
Clockwork Prince
Clockwork Princess
Clockwork Angel ist auch als Hörbuch erhältlich.

Maureen Johnson
wurde 1973 während eines Schneesturms geboren. Sie hat an der
Columbia University Dramaturgie und Kreatives Schreiben studiert.
Seitdem arbeitet sie in New York als freie Autorin und schreibt überaus
erfolgreich Romane für Jugendliche.

Weitere Titel von Maureen Johnson im Arena Verlag:
Tage wie diese
(zusammen mit John Green und Lauren Myracle)

 

Weiter Titel in der Reihe

DIE CHRONIKEN DES MAGNUS BANE

Was geschah tatsächlich in Peru?

Bereits erschienen

Vampires, Scones und Edmund Herondale

Juni 2013

Der Aufstieg des Hotels Dumont

Juli 2013

Der Niedergang des Hotels Dumont

August 2013

Die Rettung Raphael Santiagos

September 2013

Unsterbliche können keine Geheimnisse bewahren

Oktober 2013

Der Fluch wahrer Liebe (und erster Dates)

November 2013

Was braucht ein Schattenjäger, der schon alles hat?

Dezember 2013

Der Brief

Januar 2014

PARIS
Juni 1791

An den Sommermorgen lag über Paris ein Geruch, den Magnus sehr mochte. Das war eigentlich erstaunlich, denn an Sommermorgen roch Paris nach Käse, der den ganzen Tag in der Sonne gelegen hatte, nach Fisch und nach den nicht ganz so begehrenswerten Überresten von Fisch. Es roch nach Menschen und allem, was diese Menschen so hervorbrachten (womit weder Kunst noch Kultur gemeint sind, sondern die sehr viel grundlegenderen Dinge, die eimerweise aus den Fenstern gekippt wurden). Doch diese Gerüche wurden immer wieder von anderen Aromen durchbrochen, die sich von Straße zu Straße, ja selbst von Gebäude zu Gebäude veränderten. Auf den kurzen, aber kräftigen Duft frischer Backwaren konnte ein unerwarteter Hauch von Gardenien folgen, der aus einem Garten drang, nur um gleich darauf dem eisengeschwängerten Gestank eines Schlachthofs zu weichen.

Paris war wie ein lebender Organismus – die Seine pulsierte arteriengleich und die breiten Straßen verästelten sich wie Blutgefäße in immer kleinere Gässchen – und jeder einzelne Zentimeter hatte seinen eigenen Geruch.

Das alles roch nach Leben – nach Leben in all seinen Formen und Farben.

Heute allerdings waren die Gerüche doch etwas streng. Magnus war auf einer ihm unvertrauten Route unterwegs, die ihn durch ein ziemlich raues Fleckchen von Paris führte. Hier waren die Straßen in bestürzend schlechtem Zustand.

In dem Einspänner, mit dem er über die Fahrbahn holperte, war es unerträglich heiß. Magnus hatte einen seiner prächtigen chinesischen Fächer mit einem Zauber belegt, sodass er ihm von allein Luft zufächelte. Leider brachte selbst das keine merkliche Veränderung; dem Fächer gelang es kaum, auch nur den leisesten Windhauch zu erzeugen. Wenn Magnus ganz ehrlich war (was er nicht sein wollte), war es wohl doch ein bisschen zu heiß für seinen neuen blau-rosa gestreiften Gehrock aus Taft und Satin und die Failleweste mit den aufgestickten Vögeln und Cherubim. Der Kläppchenkragen, die Perücke, die seidene Kniebundhose und die wunderbaren neuen Handschuhe in zartestem Zitronengelb … all das war ein bisschen zu warm.

Trotzdem. Wenn man schon die Möglichkeit hatte, so fantastisch auszusehen, dann war man auch dazu verpflichtet. Entweder man trug alles oder man trug nichts.

Er lehnte sich zurück und erduldete den Schweiß voller Stolz. Immerhin blieb er seinen Prinzipien treu – Prinzipien, die in Paris nur allzu willkommen waren. In Paris kleidete man sich stets nach der neuesten Mode. Perücken, die bis an die Decke reichten und mit kleinen Booten geschmückt waren; dekorative Schönheitsflecken; die Schnitte; die Farben … In Paris konnte man die Augen einer Katze haben (so wie er) und den Leuten weismachen, dass es sich um eine modische Spielerei handelte.

In einer solchen Welt gab es für einen geschäftstüchtigen Hexenmeister viel zu tun. Der Adel hatte eine Vorliebe für Magie und zahlte bereitwillig dafür. Sie zahlten für ein glückliches Händchen am Pharotisch. Sie bezahlten ihn dafür, dass ihre Äffchen sprachen, ihre Vögel ihre liebsten Opernarien sangen und ihre Diamanten in verschiedenen Farben funkelten. Sie wollten Schönheitsflecken in der Form von Herzen, Champagnerkelchen oder Sternen, die von jetzt auf gleich auf ihren Wangen aufleuchteten. Sie wollten ihre Gäste mit Feuer speienden Springbrunnen in Erstaunen versetzen und anschließend zur Belustigung selbiger Gäste deren Chaiselongues durch den Saal spazieren lassen.

Und was die Liste ihrer Wünsche in Bezug auf das Schlafzimmer betraf – nun, darüber führte er sorgfältig Buch. Diese Wünsche waren ausgesprochen einfallsreich.

Kurz, die Einwohner von Paris und dem nahe gelegenen königlichen Anwesen in Versailles waren die dekadentesten Menschen, denen Magnus je begegnet war, und dafür verehrte er sie zutiefst.

Gut, die Revolution hatte dem Ganzen natürlich einen kleinen Dämpfer verpasst. Magnus wurde jeden Tag aufs Neue daran erinnert – selbst jetzt, als er die blauen Seidenvorhänge seiner Kutsche beiseitezog. Er fing einige durchdringende Blicke von den sans-cullotes ein, die ihre Karren herumschoben oder ihr Katzenfleisch feilboten. Magnus wohnte immer noch im Marais, auf der Rue Barbette, ganz in der Nähe des Hôtel de Soubise, in dem sein alter (und inzwischen verstorbener) Freund, der Prince de Soubise, gelebt hatte. Der Hexenmeister besaß das Privileg, durch dessen Gärten spazieren oder sich darin vergnügen zu dürfen, wann immer ihm danach war. Tatsächlich konnte er jede beliebige Villa in Paris betreten und wurde überall herzlich empfangen. Seine adeligen Freunde waren albern, aber weitestgehend harmlos. Doch mittlerweile war es gefährlich, in ihrer Gesellschaft gesehen zu werden. Manchmal war es sogar gefährlich, überhaupt gesehen zu werden. Es war nicht mehr von Vorteil, reich zu sein oder gute Verbindungen zu haben. Die ungewaschenen Massen, Urheber des Gestanks, hatten Frankreich übernommen und auf ihrem ungewaschenen Vormarsch alles durcheinandergebracht.

Er betrachtete die Revolution mit gemischten Gefühlen. Die Menschen litten wirklich Hunger und der Brotpreis war immer noch sehr hoch. Da half es auch nicht, dass Königin Marie Antoinette auf die Mitteilung, ihr Volk könne sich kein Brot leisten, antwortete, dann solle es doch Kuchen essen.

Er fand es durchaus verständlich, dass das Volk nach Nahrung, Brennholz und den grundlegendsten Gütern, die es zum Leben brauchte, verlangte. Ja, er fand sogar, dass es ein Anrecht darauf hatte. Magnus hatte schon immer ein Herz für die Armen und Elenden gehabt. Andererseits hatte es nie zuvor eine Gesellschaft gegeben, die so wunderbar war wie die französische, mit all ihren schwindelnden Höhen und Exzessen. Und auch wenn er immer für ein Abenteuer zu haben war, gab es ihm doch ein gutes Gefühl zu wissen, was um ihn herum vor sich ging – nur war von diesem Gefühl gerade nicht mehr viel übrig.

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Viel Spaß!



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