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Die Funkelponys (4). Jana auf Glücksmission

Weitere Bücher dieser Reihe:

Die Funkelponys. Eine Freundin für Sunny (Band 1)

Die Funkelponys. Geheimnis um Stella (Band 2)

Die Funkelponys. Luna und die Mondsteine (Band 3)

Emily Palmer

machte als Kind die Ponyrücken von der Heide über Holstein bis nach Dänemark unsicher und ist sogar schon mal in Südafrika geritten. Sie lebt mit Mann und zwei Söhnen zwischen Bäumen und Pferdekoppeln in der Lüneburger Heide. Dort schreibt sie alles, was man für Kinder zwischen Buchdeckel pressen kann: Sach-, Rätsel- und Bastelbücher, Schulbücher und natürlich Geschichten, unter anderem im Rahmen einer bekannten Pferdebuchreihe.

Kapitel 1

Am Ponysee

„Tschüss, Mama, tschüss, Papa!“ Fiona ließ sich von ihren Eltern umarmen und tastete nach dem Kettenanhänger unter ihrem Pulli. Ja, er war da, genau wie ihr Rucksack mit Regenjacke, Trinkflasche und Pausenbroten, Papas altem Handy, einer Karte und einem kleinen Erste-Hilfe-Set. Das Abenteuer konnte beginnen!

„Hab einen schönen Tag, mein Schatz. Bis nachher!“ Jan und Andrea Feldbaum standen in der Haustür und winkten ihrer Tochter nach. Fiona atmete tief ein. Was für ein schöner Frühlingsmorgen! Die Luft roch frisch nach Tau und Gras und feuchter Erde. Im Vorgarten badeten bunte Blumen in der Morgensonne. Die Büsche vor dem Haus glitzerten, als die warmen Strahlen Tautropfen auf ihren Blättern aufleuchten ließen.

Wenige Minuten später radelte Fiona zum Dorf hinaus und durch die Felder. In einem weiten Bogen umrundete die Straße den Lichtersee, dessen Oberfläche im Morgenlicht glänzte wie flüssiges Silber. Die lang gestreckte Form des riesigen Sees erinnerte Fiona immer ein wenig an ein zum Schlafen ausgestrecktes Pony. Ungefähr da, wo der Bauch des Ponys wäre, lag das Naturschwimmbad, in dem ihre Eltern arbeiteten. Direkt am See war dort ein Bereich zum Baden abgetrennt, komplett mit Liegewiese, Kiosk und Badesteg. Doch Fiona wollte heute gar nicht dorthin, sondern ungefähr zur Schweifrübe des Seeponys. Da wartete ihre beste Freundin auf sie.

Fiona bog auf einen Feldweg ab, schloss ihr Rad an einen Baum und lief zu Fuß weiter. Das lange Gras zu ihren Füßen war noch nass und die Bäume hielten die Morgensonne ab. Es war kühl hier, aber das machte Fiona gar nichts aus. Denn ihr wurde jetzt schon warm im Bauch, wenn sie an das Ende des Weges dachte und an den Tag, der vor ihr lag.

Endlich erreichte Fiona das Zaungatter, hinter dem sich eine Wiese mit saftigem Gras und einer Begrenzung aus hohen Bäumen erstreckte. Wo man hindurchspitzen konnte, glitzerte der Lichtersee. Und am anderen Ende, unter einer mächtigen Buche mit dunkelroten Blättern, standen fünf Ponys: ein Rappe, ein Schimmel, ein Fuchs, eine Graue und ein Pony mit hellbraunem, fast goldfarbenen Fell. Das war Sunny, Fionas Liebling und allerbeste Freundin.

„Hey, Sunny, komm doch her!“, lockte Fiona. Sie schlüpfte zwischen den Zaunlatten hindurch und lief über die Koppel. Mit einem fröhlichen Schnauben löste Sunny sich von ihrer Herde und trabte auf Fiona zu. Als sie sie erreicht hatte, drehte sie eine Runde um Fiona. Dann gab sie ihr einen Stups in den Bauch und sprang anschließend einen Schritt rückwärts.

„Guten Morgen, meine Süße!“ Fiona musste lachen. Sunny war immer so ausgelassen und verspielt! „Soll ich dich etwa fangen? Aber nicht, bevor wir uns richtig begrüßt haben.“ Sie breitete die Arme aus und Sunny trat näher. Fiona schmiegte sich an das Pony und lehnte ihre Wange an sein weiches Fell. Das roch so gut und fühlte sich so himmlisch warm und weich an! Sunny wurde plötzlich ganz ruhig. Selbst sie, dieser Wirbelwind, mochte nichts mehr, als mit Fiona zu kuscheln.

Doch irgendwann hielt Sunny es nicht mehr aus. Sie warf den Kopf zurück, dass ihre schimmernde Mähne nur so hin und her flog. Kurz sah Fiona an ihrer Stirn etwas aufblitzen.

„Jetzt willst du spielen, oder, Goldpony?“, fragte Fiona lächelnd. „Na, schön. Aber zeig mir vorher noch deinen Stein, ja?“ Sie schob Sunnys Stirnhaare auseinander, um den hübsch geschliffenen Stein zu betrachten, der in ihrem Schopf befestigt war.

Das war Sunnys Funkelstein, ein golden schimmernder Pyrit. Leonore Lichtenberg, Sunnys Besitzerin, hatte ihn in ihre Mähne eingeflochten. Fiona trug einen ganz ähnlichen an der Kette unter ihrem Pullover. Das taten sie aber nicht nur, weil die Steine hübsch aussahen oder weil sie ein Zeichen für die enge Freundschaft zwischen Fiona und Sunny waren. Sondern weil die Steine zauberhaft waren, ganz in echt.

Normalerweise schimmerte Sunnys Funkelstein nur sanft vor sich hin, so wie jetzt. Aber manchmal funkelte er hell und glänzend auf. Das war für Sunny, das Funkelpony, und Fiona, ihre Funkelfreundin, das Zeichen, dass sie eine neue Aufgabe hatten. Irgendwo wartete ein Mensch darauf, dass sie ihn oder sie aufmunterten, ihn fröhlicher, heiterer und gelassener machten. Denn genau das war es, was Sunny und Fiona besonders gut konnten.

Auch die anderen Ponys auf der Koppel waren Funkelponys und hatten besondere Talente, die sie für andere einsetzten: Der Fuchswallach Tiger konnte mit seiner Funkelfreundin Jana die kniffligsten Probleme und Rätsel lösen, der Rappe Opal und Jana schenkten Menschen Mut bei großen Veränderungen und die Schimmelstute Luna stand mit Aurelia Leuten bei, die eine schwere Zeit durchmachten. Der Funkelstein von Stella, der grauen Stute, stand für Ruhe und Frieden, aber ohne Funkelfreundin konnte sie nichts ausrichten. Alle drückten die Daumen, dass es Josie sein würde, die manchmal auf ihr ritt.

Trotz der zauberhaften Geheimnisse waren die Ponys auch ganz normale Pferde, die gern grasten, auf der Koppel herumtollten und mit ihren Reiterinnen ins Gelände gingen. Und genau deshalb war Fiona heute hier: Sie war mit Leni, Jana und Aurelia zu einem extralangen Ausritt verabredet. Es war Samstag und Fiona freute sich wie verrückt darauf, den ganzen Tag mit den Ponys und den anderen drei Funkelmädchen zu verbringen.

Eine Stunde später standen Fiona und Sunny aufbruchsbereit auf Hof Lichtenberg, dem Zuhause der Funkelponys. Der Hof lag außerhalb des Dorfes, ein Stück von der Koppel am Lichtersee entfernt. Zwischen alten Bäumen und umgeben von Blumenbeeten standen ein gemütliches Fachwerkhaus und ein geräumiger Stall. Alles war alt, hübsch und wahnsinnig behaglich. Ein kleines Reetdachhaus schmiegte sich außen an die Hofmauer wie ein Fohlen an seine Mutter. Das war das Haus der älteren Nachbarn, Elfriede und Hans-Heinrich Landmann.

„Seid vorsichtig, Mädchen“, mahnte Leonore Lichtenberg, die Hofbesitzerin. Sie war eine freundliche junge Frau mit langen Haaren, Reithosen und karierten Kniestrümpfen. „Überfordert die Ponys nicht. Ruft mich mittags an und seid spätestens um fünf Uhr zurück. Viel Spaß!“ Mit einer Hand winkte sie den Mädchen, mit der anderen hielt sie Stella am Zügel.

„Keine Sorge, auf uns ist einhundertprozentig Verlass, Leo“, sagte Aurelia ernst. Sie hatte glatte dunkle Haare und war oft ein wenig förmlich. Die Funkelmagie und alles, was dazugehörte, nahm sie schrecklich ernst. Dennoch war sie eine gute Freundin und eine tolle Reiterin.

Leni winkte ab. „Das geht schon klar, Leo, mach dir keinen Kopf, wir melden uns.“ Sie redete wie immer viel und schnell. „Bestimmt sind wir gegen Mittag schon in der Weidenbucht. Oder wir machen Rast am Hasenbach oder drüben in Neudorf. Ach, wir gucken einfach mal. Nur schade, dass Stella nicht mitkann. Aber Josie muss heute Vormittag ja zu ihrer Oma. Es wird trotzdem superlustig. Tschüss, Leo!“

„Danke, dass du uns den Tagesritt erlaubst“, sagte Jana mit ihrer leisen Stimme.

Leonore nickte und lächelte ein wenig schief. „Gern geschehen. Umso mehr Zeit habe ich, mich mit Stella anzufreunden.“ Die Graue war noch neu auf Hof Lichtenberg und manchmal scheu, aber Leo hatte als Pferdewirtin bisher zu jedem Tier einen guten Draht gefunden. „Am Nachmittag kommt Josie zum Reiten her. Macht’s gut!“

Fiona grinste breit. „Ich freu mich ja so! Bis nachher, Leo. He, Mädels, können wir jetzt endlich los?“

Im gemütlichen Schritt verließen die vier Freundinnen den Hof. Durch die Wiesen und Felder ging es Richtung Lichtersee. Sie hatten sich keine genaue Strecke überlegt, sondern wollten reiten, wohin die Hufe sie trugen.

Und das taten sie. Eine ganze Weile folgten sie dem Verlauf des Seeufers. Später schlug Leni vor, einen Abstecher zum Wald zu machen. Dort war es schattig und kühl und im Gegensatz zum hellen Seeufer ziemlich geheimnisvoll. Gegen Mittag entschieden sie daher, zum See zurückzukehren.