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Die McNamara-Codes (Der Baron #6)

Die McNamara-Codes (Der Baron #6)

Glenn Stirling

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

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DER BARON #6: Die McNamarra-Codes

Copyright

Das sind die Leute, die Sie kennenlernen sollten:

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DER BARON #6: Die McNamarra-Codes

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von Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buchs entspricht 121 Taschenbuchseiten.

Alexander von Strehlitz, der „Baron“, ist ein Draufgänger und Abenteurer, der das Leben voll auskostet, aber er hilft auch Menschen in Not. Unterstützt wird er von seinem Chauffeur James, dem Sekretär Robert und seinem Freund Michel, genannt „Le Beau“. Als der Baron mit Sir Winnibald im Ausland weilt, werden seine Leute von Unbekannten angegriffen und Robert Burton entführt. Die schöne Maria soll den Baron dazu bringen, eine Produktionsliste mit Codes der McNamarra-Fabriken zu besorgen. Aber auch als „Le Beau“ in die Hände der Verbrecher fällt, lässt von Strehlitz sich nicht ins Bockshorn jagen – sondern dreht den Spieß um ...

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Das sind die Leute, die Sie kennenlernen sollten:

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Alexander von Strehlitz, genannt der „Baron“, 38 Jahre, 1,88 m groß, dunkelhaarig, gut aussehend, schlank und muskulös, sehr sportlich, abgeschlossenes Zoologiestudium, Hobbysegler und Hochseeschiffer mit Kapitänspatent für große Fahrt, bekannter Schriftsteller von Reiseberichten und Expeditionserlebnissen, Leiter von verschiedenen Expeditionen in Afrika und Südamerika, in Übersee durch seine Goodwillreisen zugunsten unterentwickelter Gebiete in Südamerika bekannt geworden, Sieger vom Indianapolis-Rennen für schwere Tourenwagen 1969, ebenso bekannt in Monte Carlo und der Jet-Society als brillanter Pokerspieler und Gesellschafter. Frauen vergöttern ihn, Männer schätzen ihn als prächtigen Partner und umsichtigen Leiter oft abenteuerlicher Unternehmungen.

Robert Burton, der Sekretär des Barons, 35 Jahre alt, 1,70 m groß, spärliches dunkelblondes Haar, korpulent, Brillenträger, gelernter Bankkaufmann, ein Mathematiker aus Passion, spricht sieben Fremdsprachen und hat ein fabelhaftes Gedächtnis, viel Sinn für Statistiken und Daten. Robert arbeitet seit Jahren für den Baron und weiß über dessen Finanzen besser Bescheid als der Baron selbst. Hat die Eigenart, immer dann französisch mit dem Baron zu sprechen, wenn es um Geldfragen geht.

Michel Dupont, genannt „Le Beau“, 28 Jahre alt, 1,75 m groß, drahtiger durchtrainierter Mann mit dunklem Haar, kantigem, nicht sehr schönem Gesicht mit zerschlagener Nase. Seit vielen Jahren dem Baron ein treuer Freund und Begleiter auf vielen abenteuerlichen Reisen. Le Beau ist gebürtiger Franzose, sehr leidenschaftlich, liebt Frauen und gutes Essen und Trinken, ist leicht zu erregen, ein ausgezeichneter Karatekämpfer, Motorbootfahrer aus Leidenschaft und begeisterter Reiter. Außer Frauen und Pferden liebt er auch rasante Wagen. Er ist gelernter Motorenschlosser und Flugzeugmechaniker.

James Morris, der Chauffeur des Barons, 31 Jahre alt, 1,94 m groß, sehr stark und breit, wiegt über zwei Zentner, Stirnglatze, sonst struppiges, dunkelblondes Haar, breites Gesicht mit Stupsnase. James war früher Artist, nämlich Untermann einer menschlichen Pyramide. Nach einer Knöchelverletzung verlor er sein Engagement und geriet in schlechte Kreise. Der Baron holte ihn gegen Kaution aus einem Lissaboner Untersuchungsgefängnis und fand in James den treuesten Anhänger, den ein Mensch sich denken kann. Wo James hinschlägt, blüht keine Blume mehr, aber gleichzeitig hat der Hüne ein friedliches gutartiges Gemüt, tut für den Baron alles, aber dass der Baron einen so mäßigen Autofahrer wie ihn zum Chauffeur gemacht hat, begreift James selbst nicht.

Das also sind der BARON und seine Freunde ROBERT, LE BEAU und JAMES. Ein echter und draufgängerischer Mann und seine Freunde. Ihr Feld ist die Welt, heute sind sie reich, morgen haben sie keinen roten Heller, und immer sind sie bereit, dem Teufel auf den Schwanz zu treten, wenn es gilt anderen zu helfen, die in Bedrängnis sind. Keiner von ihnen ist ein Tugendbold, aber wenn die Lage es erfordert, halten sie eiserne Disziplin. Sie sind vier knallharte Männer, und für manch einen sind sie die letzte Hoffnung. Sie lieben das Abenteuer, sie lieben das Leben. Ob im Orkan auf See, im dampfend heißen Urwald oder auf schillerndem Parkett des Casinos von Monte Carlo, sie sind überall zu Hause. Es gibt Zeiten, da trinken sie Sekt und essen Kaviar, und es gibt Situationen, da teilen sie sich den letzten Tropfen lauwarmen und brackigen Wassers und kauen auf harter Brotrinde. Und immer bleiben sie Kameraden und halten zusammen ... der Baron und seine Crew.

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Die Geschichte mit der Loreley, die sich kämmt, vom Felsen herunter die Schiffersleute irritiert, dass die auf Riffe fahren, kennt jeder. Eine neuere Version ist die, dass ein Autofahrer von den rassigen Beinen einer Schönen so verwirrt gemacht wird, dass er bei Rot über die Kreuzung fährt.

Bei James war es im Prinzip ähnlich und doch wieder ganz anders. Als er mit dem Rolls-Royce von Sir Winnibald die Rochester Road dahinfuhr, hatte er keine Riffe und Klippen vor sich, sondern eine schöne, ziemlich breite und kerzengerade Landstraße, keine Bäume an den Seiten, sondern kleine Markierungspfähle, die schon beim geringsten Stoß umklappten. Rechts und links nicht etwa Steilhänge oder tückische Wassergräben. Nein, flache Felder, harmloser als ein Sandhaufen. Es brausten auch nicht etwa andere Autos durch die Lande. James war mutterseelenallein, mit Sir Winnibalds Rolls-Royce, versteht sich. Und dieser Silver Shadow hatte präzise in dieser Ausstattung hundertdreißigtausend Mark gekostet, besaß etwa 250 DINPS, trank pro hundert Kilometer seine fünfundzwanzig Literchen und war für seine viele Kraft und den unbändigen Durst gar nicht einmal so mobil; jeder deutsche Opel-Admiral oder Mercedes 280 war schneller und beschleunigte besser. Aber darauf kam es den Leuten, die den Gegenwert eines Einfamilienhauses für ein Auto ausgaben, nicht an.

James fuhr etwa achtzig Stundenkilometer. Der Motor summte nur leise, und die Reifen rauschten. Es war geradezu eine Fahrt für Anfänger, wo sich Fahrlehrer meist eine Pfeife stopfen, weil, wie man so schön sagt, nichts passieren kann.

Es passierte aber etwas, eigentlich eine ganze Menge. Und all das hier könnte gar nicht geschrieben werden, wenn James nicht am Abend zuvor im Kino Violet Lindon gesehen hätte, im Film natürlich. Und Violet Lindon war für James der Traum, der absolute Wunschtraum seiner schlaflosen Nächte. Violet, das dunkelhaarige Mädchen, schön wie einst Liz Taylor, temperamentvoll und rassig. Und während aus dem Autoradio zärtliche Musik erklang, hatte James plötzlich eine Vision. Er dachte, dass er das träumte, was er sah.

Da stand neben der Straße, wie aus dem Nichts aufgetaucht, Violet Lindon. Sie stand da, im knappen Supermini, rank, hundert Pfund leicht, das Haar wie schwarzer Lack bis hinab zur Brust, diese Brüste verdeckt von einem Blüschen, das so knapp saß, dass man um die Nähte bangen musste. Filmstar Violet Lindon, ausgerechnet Violet, Liebling von Tausenden, die sie aus Film und Fernsehen kannten.

Er sah, wie sie winkte, sein Traum. Wie sie ihren schlanken Arm hob, wie sie ihm zulächelte, bittend, verführerisch ... Sein Traum! Ausgerechnet sie! An die er dauernd dachte, von der er träumte, die er sich immer herbeigewünscht hatte! Und sie stand ausgerechnet hier, an dieser Straße, ein Anhalter! Und er kam im Rolls, niemand sonst im Wagen. Ein fantastischer Zufall!

Ein Wunder! Violet Lindon auf dieser Straße! Gerade jetzt!

Da war er schon neben ihr, wollte bremsen, aber alles war bei ihm vor Fassungslosigkeit durcheinander. Statt zu bremsen, gab er Gas, und er sah immer noch auf sie, sah, wie sie lächelte, wie sie den Mund öffnete, als wolle sie ihm etwas zurufen ...

Und da war er schon von der Straße herunter. Klapp, klapp machte es, als er die Markierungspfähle umfuhr wie Schießbudenfiguren. Und der ehrwürdige Rolls wühlte sich auf einmal durch einen weichen Acker, und dann kam das Loch.

Es war mehr ein Graben, angelegt, um über den Winter Futterrüben einzumieten. Jetzt waren keine Futterrüben drin. Jetzt war da nur mehr eine Pfütze, etwas verfaultes Kraut, Gestank und weiche Erde, sehr viel, sehr weiche Erde. Und in die plumpste der Rolls hinein.

Es tat einen Klatsch. Wasser, Schlamm spritzten hoch, übergossen den vornehmen, so tadellos polierten dunkelblauen Silver Shadow, verwandelten gleißend blinken den Chrom in ein unansehnliches, von trüber Brühe überzogenes Etwas. James schlug mit der Brust gegen das Lenkrad, als der Rolls so plötzlich zum Stehen kam, und dann war seiner Stirn auch noch die Sonnenblende im Wege. Er donnerte genau gegen die Gusshalterung, und das hätte sogar einen Ochsen betäubt. James sank in einen tiefen Schlaf.

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Zuerst sah er wogende Nebel und rote Schleierfetzen dazwischen, aus denen ein Geisterbild wuchs, das Bild einer Frau. Ihr dunkles Haar umrahmte das helle Gesicht mit den großen Augen. Die vollen Lippen, rot wie Kirschen, bewegten sich, und er sah die beiden Reihen ihrer perlweißen Zähne. Allmählich hörte dieser Anblick auf, vor seinen Augen zu verschwimmen. Klare Konturen wurden sichtbar, und sein Traum begann sich immer mehr zu einem wirklichen Bild zu formieren.

Aber es war nicht Violet Lindon. Gewiss, dieses Gesicht ähnelte dem im Film gestern Abend. Aber Violet war das nicht. Violet war nicht mehr so jung. Plötzlich fielen ihm auch die Skandalgeschichten ein. Diese Frau hier war nicht nur jünger, sie wirkte auch mädchenhafter.

„Mein Gott, kommen Sie doch zu sich!“, hörte er sie sagen, und auch diese Stimme war anders als gestern im Film.

Violet Lindon besaß eine Sopranstimme. Dieses Mädchen hier hatte ein dunkles, schwingendes Organ, das wie eine Glocke anschlug.

Er spürte ihre Hand an seiner linken Wange. Ein Gefühl, das ihn glauben ließ, er befände sich doch in Violet Lindons Armen.

Doch dann riss ihn die dunkle, etwas rauchige Stimme wieder aus diesen Träumen heraus. „Wie konnte denn das nur passieren? Warum sind Sie von der Straße heruntergefahren? Ich meinte, Sie würden halten und mich mitnehmen. Ihr Auto sieht nicht gut aus, Sie selbst auch nicht gerade.“

Sie legte ihm etwas Kühles, Feuchtes auf die Stirn. Es schmerzte erst, aber dann tat es ihm wohl.

„Eine Beule“, meinte sie fachkundig, „aber wir haben die bald wieder weg. Ich fürchte nur, eine Gehirnerschütterung ist auch drin. Richten Sie sich mal auf! Haben Sie Schmerzen im Leib?“

Wie, so fragte er sich, kann ich Schmerzen haben, wenn mir so eine Fee die Stirn kühlt und ihre zarten Hände beruhigend an meine Schläfe legt. Wie lange war es her, dass ihm so etwas zum letzten Male widerfahren war?

„Sie sind aber kräftig gebaut“, meinte das Mädchen anerkennend. „Und so groß!“

Er wusste, dass er keine Schönheit war, aber wenn eine Frau seine Größe und seine Kraft bewunderte, hatte ihm das schon immer gutgetan. Doch er begann Kopfschmerzen zu spüren. Auch sein Brustbein schmerzte, und die Sorge, was mit dem Rolls geschehen sein konnte, wuchs auch. Es war der Rolls von Sir Winnibald, nicht der vom Baron, James’ Chef. Er sollte den Rolls zurück zum Cottage von Sir Winnibald bringen. Eine Gefälligkeit, weil Sir Winnibalds erster Chauffeur erkrankt war und Sir Winnibald selbst mit Baron Strehlitz in dessen Leihflugzeug nach Paris geflogen war.

Der Gedanke, dass ihm nun auch der Baron nicht helfen konnte, weil er gar nicht in England war, verstärkte James’ Depressionen noch um einiges. Aber da war wieder das Gesicht.

„Sind Sie Violet Lindon?“, fragte er heiser.

Sie sah ihn verblüfft an, dann lachte sie. „Nun, Sie sind gut! Liegt da, hat eine Riesenbeule, und redet von Violet Lindon. O nein, die bin ich nicht. Mein Name ist Ruth Bardal.“

Er hörte, dass sie einen leichten Akzent besaß, wusste aber nicht, woher sie stammen könnte. „Sind Sie aus Italien nach England gekommen?“

Sie lachte wieder. „Nein, als ich ganz klein war, sind meine Eltern von Ungarn hergekommen. Mein Vater war Ungar, aber er ist tot. Meine Mutter war Österreicherin. Sie hat hier wieder geheiratet, und ich bekam durch Adoption den Namen meines Stiefvaters. Er ist ein Postbeamter. Ein guter Vater.“ Sie hielt inne, sah ihn an und fragte: „Und Sie?“

„Ich heiße James Morris und bin Chauffeur, ein schlechter dazu. Ich hatte eine Vision, als ich Sie so plötzlich sah.“

„Plötzlich? Nun hören Sie mal! Sie müssen geträumt haben. Ich habe eine Stunde dort gestanden und sah Sie von Weitem kommen. Sie waren meine ganze Hoffnung. Hier fahren ja kaum Autos. In der Stunde ist eines gekommen, aber es war ein Schaftransporter, und der Fahrer hielt zwar, sagte aber, ich sollte besser nicht mitfahren, weil ich noch in drei Wochen danach riechen würde. Nun, dann kamen Sie. Gleich ein so großartiger Rolls. Und fährt ins Feld!“ Sie schüttelte den Kopf, als könnte sie es noch immer nicht verstehen.

„Ich meinte, Sie wären Violet Lindon. Ich war gestern noch in einem Film gewesen, in dem sie gespielt hat.“

Sie lachte. „Sie mögen Violet Lindon, nicht wahr? Und nun sind Sie enttäuscht, was?“

„Im Gegenteil, sehr im Gegenteil“, meinte er aufgeregt. „Sie sind noch schöner ... Sie ...“

„Nett, wie Sie das gesagt haben, James! Nennen Sie mich Ruth!“ Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Wange und fuhr fort: „Können Sie aufstehen?“

Ihr Anblick hätte ihm dazu selbst mit einem Bauchschuss die Kraft gegeben.

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Le Beau biss behaglich von seinem mit Butter und Marmelade bestrichenen Hörnchen ab, streckte sich wohlig aus, sodass der Schaum des Bades, in dem er saß, wie Schnee über seine behaarte Brust rieselte. In der Linken hielt Le Beau ein Glas mit Orangensaft.

Das Tablett mit Tee, Säften und diversen belegten Hörnchen hing an der Badewannenseite an einer Klammer, und die beiden leeren Teller bewiesen, dass Le Beau und Ilona schon die Eier mit Schinken verzehrt hatten.

Ilona saß dem agilen Franzosen gegenüber in der Wanne, splitternackt wie Le Beau auch; sie löffelte gerade einen Becher Joghurt aus.

Ilona, das waren hundert Pfund verführerisches Fleisch, Kurven und hinreißender Sex. Blond war sie übrigens auch. Ihre Augen schienen zu leuchten, wenn das Licht in sie fiel. Es waren graublaue Augen. Aber keine kalten, im Gegenteil. Denn sogar jetzt, während sie Joghurt schaufelte, schien sie an eine Neuauflage dessen zu denken, was kurz vor dem Bad noch gelaufen war. Um das Manöver gleich einzuleiten, krabbelte sie mit dem rechten großen Zeh an Le Beaus Bauch, dann etwas tiefer, und er grunzte nur wohlig, widmete sich aber trotzdem mehr dem Marmeladenhörnchen als Ilonas neckischem Fußballspiel.

„Schnurri?“, meinte sie voller Verlangen.

Er blinzelte über sein Hörnchen hinweg zu ihr hin. „Ja, meine kleine wilde Taube?“

„Ich verbrenne!“

„In einer Badewanne voller Wasser ist das eine ziemlich schwierige Sache, Täubchen. Wie machst du das?“

„Ich verglühe, Schnurri!“ Sie machte Anstalten auf seine Seite zu klettern, schob eine Woge Schaum vor sich her und stellte zudem die statischen Berechnungen der Wannenkonstrukteure durch solch plötzliche Gewichtsverlagerung auf die Probe. Die Wanne kippte nicht, die Halterungen hielten, aber die Schaumwoge überrollte Le Beaus Hörnchen, und in solchen Dingen verstand er herzlich wenig Spaß.

„Aber, Ilona, nun pass doch auf!“, maulte er.

Sie war ganz auf das eingestellt, was sie so beschäftigte. „Schnurri, ich will nur Liebe, sonst gar nichts!“ Und da verlor sie das Gleichgewicht und landete mit einem Planscher auf seinem Bauch, begrub das Hörnchen mitsamt Butter und Marmelade unter ihrem Busen, tauchte den abgerutschten Le Beau in den Schaum, dass er sprudelte wie ein Vulkan beim Ausbruch, und schließlich ging sie selbst unter! Ihr Schrei „Meine Frisur!“, erstickte in einem unartikulierten Gebrabbel.

Als sie beide wieder auftauchten, waren sie schaumgekrönt, machten Gesichter wie halb ertränkte Katzen und prusteten, schnieften und niesten. Das Marmeladenhörnchen klebte an Le Beaus Brusturwald, und die Orangenscheibe aus dem Saftglas hing in Ilonas Haar, das jetzt alle Pracht eingebüßt hatte und in kleinen Ringellöckchen am Schädel klebte.

„Verglühst du immer noch?“, fragte er.

„Du bist gemein!“, keuchte sie, aber dann musste sie wieder niesen, und ihm flog eine Handvoll Schaum ins Gesicht.

In dieses Idyll der Zweisamkeit schellte das Telefon. Le Beau hatte es sinnigerweise ins Badezimmer geschleppt, wozu die lange Schnur gerade noch reichte.

„Verdammt!“, fauchte Le Beau, stieg aus der Wanne, sprengte den Fußboden wie ein Blumenbeet, stapfte, während wahre Bäche von ihm rannen, zum Telefon und nahm den Hörer.

Ilona, die sich daran nicht störte, keifte wütend: „Du Schuft! Warum lässt du mich allein?“

„Sei doch mal still, ich verstehe nichts!“, fuhr er sie an und meldete sich noch einmal: „Dupont hier ...“

„Schnurri, so komm doch! Lass doch das dumme Telefon, Liebling!“, plapperte Ilona dazwischen und streckte ihr schlankes linkes Bein aus der Wanne, um ihn damit anzustupsen.

Er stopfte den Finger ins rechte Ohr und blökte in den Hörer: „Was sagst du da? Verunglückt? Mit Sir Winnibalds Rolls? Wo, zum Donnerwetter? — Hah, sprich doch lauter, Ilona ist hier und spielt Schaufelraddampfer! — Ilona, sei doch mal still, zum Teufel!“

Ilona planschte, als sei sie bestrebt, auch noch den Teil des Badezimmers unter Wasser zu setzen, der noch trocken war. Und dabei schlug sie mit Händen und Füßen ins Badewasser, dass es noch mehr schäumte, und dieser Schaumberg quoll auch prompt wie übergärender Hefeteig über den Wannenrand.

„Ja“, brüllte Le Beau, um den Lärm zu übertönen, „es ist gut. Ich werde kommen, aber erst muss ich Ilona den Hintern versohlen. Ja, Robert, ich beeile mich. Mann, wenn unser Häuptling zurückkommt, wird der sich aber freuen! Ende, Robert.“ Er legte auf.

Im Badezimmer war es plötzlich sehr still geworden. Ilona hatte das mit dem „Hintern versohlen“ noch sehr gut gehört. Jetzt, als Le Beau mit hängenden Armen und wütender Miene auf sie zu kam, ging sie auf Tauchstation. Die ohnehin ramponierte Frisur brauchte sie nicht mehr zu beachten.

Aber sie war keine gute Taucherin. Ihr ging schon nach ein paar Sekunden die Luft aus. Zudem brannte das Schaumbad in den Augen, und so tauchte sie prustend und schniefend wieder auf.

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