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Die Sommer meines Lebens

Über Fiona Valpy

Fiona Valpy lebte sieben Jahre lang in Frankreich, wo sie mit ihrer Familie ein altes Gutshaus in den Weinbergen bei Bordeaux restaurierte. Die Liebe zu dem Land und seinen Bewohnern, seiner Küche und besonderen Geschichte inspirierten sie zu diesem Roman. Fiona Valpy lebt heute in Schottland, auf der Suche nach Sonne findet sie jedoch immer wieder ihren Weg nach Frankreich.

Marie Rahn studierte an der Universität Düsseldorf Literaturübersetzen. Sie übersetzt aus dem Französischen, Italienischen und Englischen, u.a. Lee Child, Aldo Busi, Kristin Hannah, Silvia Day und Sara Gruen.

Informationen zum Buch

Die Liebenden von der Île de Ré

Edinburgh, 2014: Kendras autistischer Sohn hat Probleme, sich in der Welt zurechtzufinden, und darüber gerät ihre Ehe in die Krise. Dann bittet ihre Großmutter Ella, deren Erinnerungen allmählich verloren gehen, sie darum, diese für sie niederzuschreiben. Schon bald fragt sich Kendra, ob der Grund für ihre schwierige Familiengeschichte in Ellas Vergangenheit liegt.

Frankreich, 1937: Ella verbringt den Sommer an der französischen Atlantikküste. Sie lernt den Franzosen Christophe kennen und will mit ihm leben. Doch dann bricht der Krieg aus, und zurück in Schottland erreichen sie Neuigkeiten von Christophe, die ihre Pläne zunichtemachen. Lange Zeit später erhält sie dann einen Brief, der alles in Frage stellt, was Ella sich inzwischen aufgebaut hat.

Eine mutige Frau vor der Frage, welches Opfer sie für ihre große Liebe zu bringen bereit ist

Fiona Valpy

Die Sommer meines Lebens

Roman

Aus dem Englischen
von Marie Rahn

Souvenir Subst. neutr.:

Gegenstand, geschenkt oder aufbewahrt,

der an etwas Vergangenes erinnert

(aus dem Frz.: se souvenir: sich erinnern)

In meiner Erinnerung gleicht jener Tag

dem Stück aus einem goldenen Tuch.

Das seidig glatte Meer erstreckte sich

bis zum fernen Horizont,

und der Wind brachte den

Strandhafer zum Glänzen.

Wir schlenderten am Wassersaum entlang und

badeten unsere Füße in Wellen, die wie leise Seufzer,

wie reine Versprechen, den Sand benetzten.

Eine Muschel, hell im dunklen Tanggeflecht,

barg die Sonne, den Mond und all die Sterne.

Ich trage sie immer bei mir, denn sie hält

jenen Tag auf ewig sicher verwahrt.

Ella Dalrymple

2014
Edinburgh

Willkommen im Drumbeig-Seniorenheim steht auf dem Schild. Ich warte im strömenden Regen vor der Tür und neige mein Ohr angestrengt zur Sprechanlage, in der Hoffnung, irgendjemand hat die Klingel gehört und lässt mich hinein. Ich drücke mich dicht an die Wand, weil mir von der Regenrinne des schmalen Vordachs noch mehr dicke Tropfen auf den Rücken platschen. Der Wind reißt gelbe Blätter von den Platanen, die das graue Gebäude umgeben, und wirft sie gegen die Fenster, wo sie einen Augenblick kleben bleiben, bevor der Regen sie auf den Kies spült. Ungeduldig blicke ich auf meine Uhr, in Gedanken schon zu Hause – Kommt Dan zurecht? Hat er Finns Medikamente auch nicht vergessen? –, bevor ich noch einmal, diesmal länger, auf die Klingel drücke.

»Verzeihung, dass Sie warten mussten. Könnten Sie sich kurz hier eintragen?« Die Frau am Empfang reicht mir Stift und Klemmbrett. Ich ziehe mir meinen durchweichten Mantel aus, damit das Wasser aus meinem Ärmel nicht auf ihren polierten Schreibtisch tropft. »Waren Sie schon mal bei uns?«

Ich schüttle den Kopf und trage meinen Namen und das Datum ein. In die Spalte »Bewohner« schreibe ich den Namen meiner Großmutter: Mrs. E. Dalrymple.

Sie dreht das Formular um und liest. »Ach, Sie möchten zu Ella? Das ist aber schön. Sie gewöhnt sich gut ein, und ihr Sohn kommt sie regelmäßig besuchen. Sie wird sich sicher freuen.«

Schlechtes Gewissen macht sich in mir breit. Am liebsten würde ich ihr sagen, dass ich schlichtweg nicht früher kommen konnte: Ich bin Lehrerin, wissen Sie, und mein Sohn hat gesundheitliche Probleme, da habe ich nur wenig Zeit … Doch ich schlucke die Worte hinunter und zwinge mich zu einem höflichen Lächeln, während ich mir mit den Fingern durch meine wirren Haare fahre, die sich in der Treibhausluft des Seniorenheims bereits zu kräuseln beginnen.

Ich bin nach einem Anruf meines Onkels Robbie hierhergekommen. »Sie würde dich sehr gerne sehen, Kendra, wenn du Zeit hättest. Sie hat eine Bitte. Aber ich muss dich warnen, momentan ist sie nicht besonders bei Kräften. Seit deinem letzten Besuch, als sie noch zu Hause war, hat sie sich verändert. Sie ist jetzt öfter mit den Gedanken woanders.« Sein Ton war sanft und doch so drängend, dass mein Schuldgefühl wuchs, weil ich sie noch nicht besucht hatte. Meine Mutter steht Ella nicht sehr nahe – wegen einer komplizierten Mutter-Tochter-Geschichte, über die wir nicht sprechen –, also hatten wir in meiner Kindheit und Jugend nicht viel Kontakt zu meiner Großmutter. Ich werde meiner Mutter auch nicht von diesem Besuch erzählen. Ich will nicht, dass sie sich verraten vorkommt, auch wenn mir nicht ganz klar ist, warum sie meinen Besuch überhaupt als Verrat empfinden könnte. Bestimmt würde sie, wie beiläufig ich es auch erwähnte, am Telefon schnauben und abrupt das Thema wechseln.

»Zweiter Stock, ganz am Ende des Flurs. Die letzte Tür auf der linken Seite«, erklärt mir die Empfangsdame mit nichtssagendem Lächeln.

Es liegt ein schwerer, durchdringender Geruch nach Kohl in der Luft, der sich unangenehm mit dem Duft von Lufterfrischer und Desinfektionsmittel mischt. Auf dem dicken blauen Teppich sind meine Schritte nicht zu hören. Da ich befürchte, im Aufzug Platzangst zu bekommen, nehme ich die Treppe und freue mich plötzlich über die Bewegung. Im zweiten Stock ist mir so warm, dass ich zu schwitzen anfange. Ich ziehe den Stoff meines Rollkragens etwas von meiner Haut und versuche, wieder zu Atem zu kommen. Wie kann sich meine Großmutter nur an ein Leben in derart stickiger Atmosphäre gewöhnen?, frage ich mich. Auch wenn es sauber und warm ist? Und ist das Personal auch freundlich? Vermisst sie nicht die Eigenständigkeit, die sie in ihrem Haus in Morningside hatte, mit den großen Räumen, den hohen Decken und all ihren Erinnerungsstücken? Oder bedeutet ihr das alles nichts mehr? Hat sie auch das vergessen, wie so vieles in letzter Zeit? Das Gedächtnis meiner Großmutter scheint Erinnerungen auszusortieren, wie sie auch Besitztümer aussortiert hat, um ihr Leben auf das Wesentliche zu reduzieren. Ihr gesamtes Dasein scheint geschrumpft zu sein.

Auf der letzten Tür links steht die Nummer 12 und darunter, auf einem Schildchen in einem Metallrahmen, Ella Dalrymple, mit Bleistift und in ordentlichen, kindlich runden Buchstaben. Das ist nicht Ellas elegante, kursive Handschrift, die mit jeder Weihnachtskarte immer zittriger wird.

Aus dem gegenüberliegenden Zimmer höre ich einen Fernseher, der viel zu laut gestellt ist. Hinter Ellas Tür herrscht hingegen tiefe Stille, selbst als ich direkt davor stehe.

Leise klopfe ich an. Vielleicht schläft sie ja. Dann kann ich eine Nachricht hinterlassen, mich davonschleichen, ohne sie zu stören, und rechtzeitig zu Hause sein, um nach Finn zu sehen, mit dem Abendessen anzufangen und einunddreißig Aufsätze zu korrigieren.

Ein Teil von mir möchte einfach kehrtmachen und gehen. Schließlich kann ich nun wahrheitsgemäß behaupten, ich hätte es versucht, und mein Gewissen wäre rein. Gleichzeitig widerstrebt es mir ein wenig, nach Hause zu fahren. So geht es mir in letzter Zeit öfter, und kaum habe ich die Schwelle zu unserer Wohnung übertreten, meide ich Dans Blick, nur um nicht seine niedergeschlagene Miene zu sehen, die er nicht verbergen kann, und sein Schuldgefühl zu spüren, weil ich wieder einmal erschöpft von einem langen Arbeitstag nach Hause komme. Dann werden wir beide so tun, als wäre alles in Ordnung. Er wird ein tapferes Gesicht machen und sich wegen seiner neuesten Bewerbung zuversichtlich geben, und ich werde mich bemühen, munter von meinem Tag zu erzählen und mit aufgesetztem Lächeln eine lustige Geschichte über einen meiner Schüler zum Besten zu geben. Aber wir werden es beide wissen. Obwohl wir einander schützen wollen, sind wir beide krank vor Sorge um unsere finanzielle Lage und noch mehr um die Zukunft. Was hält sie für unseren wunderbaren Sohn bereit, der manchmal unerreichbar scheint?

Finn war von Anfang an schwierig, und die Ärzte vermuteten zuerst, dass Koliken für seine Teilnahmslosigkeit, die sich mit schrecklichen Wutanfällen abwechselte, verantwortlich waren. Dann gaben sie dem Zahnen die Schuld und schließlich einem unbekannten Virus. Erst als er zwei Jahre alt war, erkannte man seine ›signifikanten Entwicklungsverzögerungen‹ und überwies uns an Spezialisten, die schließlich Autismus diagnostizierten. Seitdem ist jeder Tag ein ständiger Kampf, in dem wir versuchen, Finn dabei zu helfen, mit seiner Angst und seiner Wut klarzukommen, und von den Behörden mehr Hilfe für ihn zu bekommen. Zwar geben Dan und ich uns große Mühe, tagsüber zuversichtlich zu sein, doch nachts, wenn wir nebeneinander im Bett liegen, tut sich ein riesiger Abgrund zwischen uns auf. Es fühlt sich an, als würde jeder von uns in einem Meer voller Sorgen ertrinken und wäre nicht in der Lage, den Arm auszustrecken und den anderen ans rettende Ufer zu ziehen. Wir driften immer weiter auseinander, weil uns die Kraft schwindet, gegen die Strömung anzukämpfen, die uns nach unten zieht.

Eine Krankenschwester eilt vorbei und trägt etwas, das mit einem Handtuch abgedeckt ist. Als sie mir ein knappes, forsches Lächeln zuwirft, wende ich mich wieder Ellas Tür zu und klopfe ein wenig lauter. Die sanfte Stimme meiner Großmutter, die mittlerweile so kratzig klingt wie ihre alten Grammophonplatten, bittet mich hinein.

»Hallo Granny, ich bin’s, Kendra. Ich wollte mal sehen, wie es dir so geht.« Meine Stimme klingt in meinen Ohren gekünstelt, übertrieben munter, um das schlechte Gewissen zu übertünchen.

Ich weiß nicht mal, ob sie mich erkennen wird. Als ich sie einmal bei ihr zu Hause besuchte, nannte sie mich Rhona, der Name meiner Mutter, und ihr Gesicht mit den vielen Falten erstrahlte vor lauter Erleichterung darüber, dass ihre Tochter endlich zu ihr gekommen war. »Ich bin Kendra, Rhonas Tochter, erinnerst du dich? Aber Mum wird dich bald besuchen, da bin ich sicher.« Und es ist höchste Zeit, dachte ich, sprach es aber nicht aus.

Meine Mutter war schon seit Jahren nicht mehr in Edinburgh und weigert sich, Granny zu besuchen. Sie hat alles auf Onkel Robbie abgewälzt, sogar den Umzug ins Seniorenheim und das Ausräumen und den Verkauf des Hauses.

Aber ich merke, dass Ella heute einen guten Tag hat. Ihre Augen leuchten, und ihr Verstand ist klar.

»Kendra, Liebes, wie schön! Komm und setz dich zu mir. Du bist ja tropfnass! Hier, häng deinen Mantel an die Heizung, dann kann er trocknen. Draußen ist es heute ziemlich ungemütlich.«

Als ich sie umarme, fällt mir auf, wie zerbrechlich sie ist, wie dünn sich die Haut ihrer Wange an meiner anfühlt.

Ich ziehe einen Stuhl heran und sehe mich um. Mit den wenigen persönlichen Gegenständen, die Ella von zu Hause hat mitbringen dürfen, haben Robbie und seine Frau Jenny das Zimmer mit den altrosafarbenen Wänden und dem beigen Teppich etwas gemütlicher gemacht.

Auch Ellas Bilder haben sie aufgehängt, darunter mein Lieblingsbild: ein Strand mit einem Segelboot. Es hängt so, dass Ella es vom Bett aus sehen kann. Auf dem Teppich liegen ein paar ihrer alten Läufer, deren Farben immer noch leuchten, obwohl sie an manchen Stellen schon etwas in die Jahre gekommen sind. Ihre Bücher und andere Kleinigkeiten schmücken die Regale. Aus dem Fenster sieht man Baumwipfel, hinter denen in der Ferne das hell erleuchtete Edinburgh Castle schwebt wie ein Schiff auf der welligen See aus belaubten Ästen.

Auf dem Nachttisch neben ihrem Bett steht eine elegante Schale, deren dunkelblaues Glas von einer blitzförmigen Ader aus echtem Gold durchzogen ist. Darin liegt eine Handvoll Muscheln, die mich irgendwie rühren, obwohl sie eigentlich nichts Besonderes sind. Ich frage mich, welche Bedeutung sie für Ella haben. Vielleicht sind es kostbare Erinnerungen an längst vergangene Ferien, an Tage, die man inmitten von Sonne, Wind und Meer am Strand verbracht hat. Ich schlucke, weil ich plötzlich einen Kloß im Hals habe.

»Hast du dich schon eingewöhnt, Granny?«

Ich weiß, dass der Umzug schwer für sie war, dass er sich angefühlt haben muss wie das Eingeständnis einer Niederlage, wie ein Abschluss, und tatsächlich huscht ein Schatten über ihr Gesicht. Aber sie fasst sich schnell wieder und zeigt ihr übliches ruhiges Lächeln. »Eigentlich fände ich es gar nicht so schlimm, wenn nur nicht so viele alte Leute hier wären.«

Ich erwidere ihr Lächeln. »Verstehe. Ich nehme an, dass du dich mit deinen vierundneunzig Jahren selbst nicht zu den alten Leuten zählst?«

»Selbstverständlich nicht.« Gespielt entrüstet zieht sie die Augenbrauen in die Höhe. »Zwar sieht man es mir nicht an, aber in Wahrheit bin ich erst siebzehn. Ich glaube, dass in meinem Alter die Kraft der Erinnerungen darüber entscheidet, wie alt man sein möchte, und heute war ich in Gedanken wieder achtzehn Jahre alt.«

Ich werfe ihr einen prüfenden Blick zu und befürchte, sie könnte wieder einen ihrer Ausfälle haben, in denen ihr Gehirn die Verbindung zur Gegenwart verliert und sie stattdessen in die Vergangenheit entführt und sie immer mehr von uns entfremdet.

Aber ihre Augen sind klar und beobachten mich aufmerksam. Sie muss die Sorge in meinem Gesicht bemerkt haben, denn sie nimmt meine Hand und hält sie fest in der ihren.

»Keine Angst, Kendra. Ich ziehe dich nur auf. Heute bin ich ganz hier.«

Ich spüre, wie ich erröte. Ich lege meine zweite Hand auf ihre und wende mich ihr ganz zu. Die Erkenntnis, dass es ihr bewusst ist – dass sie ihre Gedächtnislücken bemerkt –, trifft mich. Ich kann nichts erwidern.

»Aber ich spüre, dass ich allmählich den Verstand verliere«, fährt sie fort. Sie tätschelt meine Hand, als ich zu protestieren versuche: Nein, das ist doch nicht wahr! Als könnten Lügen uns beiden die Situation erleichtern.

»Doch, Liebes, so ist es. Es hat doch keinen Sinn, das zu leugnen. Und aus diesem Grund möchte ich dich um einen Gefallen bitten. Du kannst doch gut mit Worten umgehen, und da ich nun mal hier bin« – sie verweist mit einem Kopfnicken auf das Zimmer mit den Habseligkeiten, die ihr noch geblieben sind –, »habe ich viel Zeit nachzudenken und einen Kopf voller Erinnerungen. Bevor ich sie alle vergesse und mir wirklich nichts mehr bleibt, sollst du sie für mich aufschreiben. Ich möchte dir meine Geschichte erzählen. Würdest du das für mich tun? Ich weiß, du wolltest immer Schriftstellerin werden. Das hier ist die Gelegenheit.«

»Du weißt doch, wie man sagt: ›Wer es kann, tut es; wer es nicht kann, unterrichtet es.‹ Aber trotzdem würde ich sehr gerne deine Erinnerungen aufschreiben, Granny. Das Problem ist nur, dass ich nicht so viel Zeit habe. Ich könnte dich nur nach dem Unterricht besuchen, obwohl ich in den Ferien wahrscheinlich mehr Zeit haben werde. Andererseits ist da noch Finn …«

Ich verstumme, weil ich mich schon wieder schuldig fühle. Natürlich könnte ich versuchen, mir mehr Zeit für sie zu nehmen, aber Dan ist im Moment zu gestresst, weil er den ganzen Tag allein ist mit unserem Jungen, den wir über alles lieben, aber mit dem es nicht immer einfach ist. Ich weiß, dass die ständige Erinnerung daran, dass Finn anders ist, die qualvolle Sorge um die Zukunft unseres Sohnes … dass ihn das alles sehr trifft. Wie wird sich Finns Autismus im Laufe der Jahre entwickeln? Wer wird für ihn sorgen, wenn wir nicht mehr da sind? Wenn Dan sich nicht gerade um unseren Sohn kümmert, verbringt er jede freie Minute mit dem Schreiben von Bewerbungen, so aussichtslos es auch scheint. In letzter Zeit gab es für ihn nur schlechte Nachrichten: Kollegen, die ebenfalls entlassen wurden, und die ständigen Absagen, die ihn in eine Depression gestürzt haben.

Ella nickt, lässt meine Hände los und öffnet eine Schublade ihres Nachttischchens.

»Ich weiß, wie viel du zu tun hast, Liebes, und möchte dich nicht noch mehr belasten. Also habe ich Robbie gebeten, mir das hier zu besorgen.« Sie hält ein Diktiergerät in der Hand. »Ich werde meine Erinnerungen aufnehmen und dir dann die Kassetten geben, damit du zu Hause alles niederschreiben kannst, wenn du die Zeit dazu hast. Diese Alben hier kannst du auch mitnehmen – vielleicht helfen sie dir dabei, dir alles bildlich vorzustellen und die Menschen und Orte zum Leben zu erwecken.«

Neben ihrem Bett stehen eine mit Kordel verschnürte Schuhschachtel und ein größerer Pappkarton, der etliche Fotoalben enthält. Ich nehme das oberste, schlage es in der Mitte auf und sehe auf einem Foto meine Mutter als junges Mädchen, das mir ernst entgegenblickt. Darunter steht in Grannys ordentlicher Schrift – in weißer Tinte – Rhona, im Alter von acht Jahren.

Als ich aufschaue und Ellas Blick begegne, frage ich mich wieder einmal, was zwischen meiner Mutter und meiner Großmutter vorgefallen ist. Es fühlt sich an, als befände sich zwischen ihnen ein unüberwindbares Eisfeld, voll tiefer Spalten, die das Leben zwischen ihnen gegraben hat.

Ella legt ihre Hand auf meine, umfasst sie fester als eben und sagt in drängendem Ton:

»Bitte, Kendra. Mir läuft die Zeit davon. Würdest du meine Geschichte aufschreiben, bevor es zu spät ist, bevor ich alles vergesse und niemand mehr da ist, der es erzählen kann?«

Wieder blicke ich auf das Foto im Album, auf das Mädchen in ordentlicher weißer Bluse und mit gestreifter Schulkrawatte, mit glatten, straff aus dem Gesicht frisierten blonden Haaren und dunklen, unergründlichen Augen. Und da begreife ich, dass meine Großmutter mich nicht nur um etwas bittet, sondern mir gleichzeitig auch etwas anbietet. Vielleicht Erklärungen. Ganz sicher jedoch Einblicke.

Als ich auf den Karton mit den Fotoalben blicke, wird mir bewusst, wie wenig ich über das Leben meiner Großmutter weiß. Weil zwischen ihr und meiner Mutter kein Kontakt bestand, habe ich als Kind wenig Zeit mit Granny verbracht, und erst als ich für meine Ausbildung am Moray House nach Edinburgh kam, Dan kennenlernte und ihn heiratete, besuchte ich meine Großmutter öfter. Allerdings war ich so mit meinem eigenen Leben beschäftigt, dass Ella nur eine ältere Verwandte für mich war, die ein schlechtes Gewissen bei mir auslöste.

Daher finde ich die Aussicht faszinierend, all diese Alben durchzublättern und mehr über die Vergangenheit meiner Mutter und meines Onkels zu erfahren. Sicher werde ich auch Fotos von meinem Großvater finden, an den ich mich nur noch schemenhaft erinnere. Er starb, als ich sieben war. Ich erinnere mich noch an die lange Fahrt von London zu seiner Beerdigung und an eine kalte schottische Kirche, an meine weinende Mutter, die mein Vater nicht trösten konnte; und danach erinnere ich mich an Shortbread und Orangensaft in Grannys Haus. Wir blieben nicht über Nacht bei ihr, obwohl Platz genug gewesen wäre. »Bleiben wir lieber bei Robbie«, sagte meine Mum zu Dad, und ihre Stimme klang plötzlich laut und schrill.

Als ich mit meinen Gedanken in die Gegenwart zurückkehre, sehe ich, dass meine Großmutter mich eindringlich ansieht.

»Okay, abgemacht«, sage ich lächelnd, und Ella strahlt vor Erleichterung.

»Das hatte ich gehofft! Hier sind die ersten zwei Kassetten, außerdem habe ich Robbie gebeten, dir auch so ein Gerät zu kaufen, damit du sie zu Hause abspielen kannst.« Sie legt einen dicken Umschlag auf die Fotoalben im Karton. »Ach, und Kendra, erzähle meine Geschichte auf deine Art. Nimm meine Worte und Bilder und mach eine richtige Geschichte daraus. Nutze dein Talent, damit andere sie lesen und verstehen können.«

Langsam nicke ich und bemerke erneut den dringlichen Unterton in ihrer Stimme.

In dem Moment sind gleich zwei Augenpaare erwartungsvoll auf mich gerichtet: Ellas und die Augen meiner Mutter, die ich auf dem Foto in meinem Schoß mustere.

Erster Teil

1938
Île de Ré

An der Mole stand ein junges Mädchen und sah zu, wie die Fähre, die sie zur Insel bringen würde, sich ruhig durch die blauen Wellen auf die Anlegestelle zuschob.

Sie stellte den Reisekoffer aus hellem Leder ab und streifte sich die steife Weste von den Schultern, befreite sich von ihrer Enge und genoss die Wärme der französischen Sonne auf ihrer Haut. Ihre Arme waren blass, denn der Winter im Norden war lang gewesen, und einen Frühling hatte es dieses Jahr kaum gegeben. Jetzt fühlte sie sich wie ein Schmetterling, der sich aus seiner zähen Verpuppung kämpft, plötzlich seine Flügel entdeckt und sie ausbreitet, um Wärme, Licht und Farbe aufzunehmen.

Eine Brise – der sanfte Atem des endlosen Atlantiks, der sich hinter der flachen Insel bis ans Ende der Welt erstreckte – fuhr in ihr honigfarbenes Haar, das ihr über die Schultern fiel, und kühlte ihren Nacken und ihre erhitzten Wangen.

Von Edinburgh war es eine lange Reise voller neuer und aufregender Eindrücke gewesen. Sie hätte sich erschöpft fühlen müssen, doch die Aussicht auf ihre Gastgeber machte sie nervös. Die näher kommende Fähre verstärkte ihre Aufregung. Im Nachtzug nach London hatte ihre Mutter tief geschlafen. Sie hatte darauf bestanden, Ella bis zum Umsteigen in den Fährzug zu begleiten, obwohl Ella protestiert und gesagt hatte, dass sie mit siebzehn alt genug sei, um allein zu reisen. Die regelmäßigen Atemzüge ihrer Mutter aus der Koje über ihr hatten sich mit dem Rattern der Räder auf den Gleisen und dem gelegentlichen Donnern eines entgegenkommenden Zugs vermischt.

Aber Ella, die an die Stille ihres Zimmers am grünen Stadtrand von Edinburghs Süden gewöhnt war, hatte kaum ein Auge zugetan. Sie musste ständig an den Sommer und seine Möglichkeiten denken, die verheißungsvoll vor ihr lagen. Also verbrachte sie eine schlaflose Nacht in ihrer engen, hin und her schwankenden Koje mit der gestärkten Bettwäsche und einer grauen Wolldecke und übte im Stillen französische Redewendungen. Sie war zwar die Beste in ihrer Klasse und erntete nur Lob von Mademoiselle Murray, allerdings war ihr schon aufgefallen, dass das Französisch ihrer Lehrerin von einem starken schottischen Akzent durchdrungen war, denn wie anders hatte die Sprache auf den Grammophonplatten von Maurice Renard geklungen, die ihre Mutter so häufig spielte. Sie versank dabei gern in Erinnerungen an ihre Zeit als junges Mädchen in Paris, als sie den Sänger persönlich hatte auftreten sehen. »Weißt du, Ella, wenn man eine Fremdsprache wirklich gut sprechen will, muss man Zeit in dem Land verbringen, in dem sie gesprochen wird«, hatte sie erklärt. »Auch, um die Kultur zu verstehen.«

Und so hatte ihre Mutter in der letzten Weihnachtszeit ihrer alten Freundin Marianne Martet geschrieben und sie gefragt, ob Ella sie wohl für ein, zwei Wochen in Frankreich besuchen dürfe.

»Es kommt noch besser«, hatte sie irgendwann verkündet. »Statt sie nur vierzehn Tage lang in Paris zu besuchen, lädt sie dich ein, den ganzen Sommer mit ihrer Familie in ihrem Ferienhaus auf der Île de Ré zu verbringen. Sechs volle Wochen mit ihren Zwillingen! Stell dir vor, dann wirst du Französisch sprechen, als wäre es deine Muttersprache!«

Insgeheim war Ella ein bisschen enttäuscht. Sie hatte sich auf die Eleganz von Paris gefreut und einen Artikel in der Picture Post über die berühmte Weltausstellung verschlungen, die die Stadt im Vorjahr veranstaltet hatte. Von der Île de Ré hatte sie dagegen noch nie gehört. Ihr dicker Weltatlas zeigte, dass es sich um eine von mehreren winzigen Inseln handelte, die aussahen, als wären sie vom französischen Festland abgebrochen und in den Atlantik gefallen. Dennoch blieb es in jedem Fall ein Abenteuer, vor allem für ein Mädchen, das sein Heimatland noch nie verlassen hatte.

Die Planung hatte Wochen in Anspruch genommen. Sie hatten drei Badeanzüge besorgen müssen, dazu neue Unterwäsche und mehrere leichte Baumwollkleider, die hübscher waren als alles, was Ella je zuvor getragen hatte.

»Aber du musst wegen deiner hellen Haut aufpassen«, hatte ihre Mutter sie ermahnt. »Vergiss nie, deinen Sonnenhut zu tragen, sonst bekommst du noch Sommersprossen, und dann wirst du es bereuen.«

Am Tag vor ihrer Abreise hatte ihr Vater sie mit einem kleinen Reisekoffer überrascht. »Ich habe gehört, dass jede junge Dame, die ins Ausland reist, so etwas braucht«, sagte er lächelnd. Mit dem kleinen Schlüssel, den sie an einem Band um ihren Hals trug, konnte sie das Messingschloss öffnen und den Deckel aufklappen, hinter dem sich ein mit kirschroter Seide gefüttertes Inneres verbarg, in dem mehrere Fläschchen mit silbernen Schraubverschlüssen, einige Pinsel und ein kleiner ovaler Spiegel mit schmalen Lederriemen befestigt waren. Es war gerade genug Platz für ein Nachthemd und die wichtigsten Utensilien, die sie für die Fahrt brauchte. Alles andere hatte sie, ordentlich gefaltet und in Seidenpapier eingeschlagen, im großen Koffer untergebracht.

Die Fähre drosselte ihr Tempo, als sie sich der Mole näherte, und mit einem Mal brach im Hafen hektische Betriebsamkeit aus. Ein Matrose trug ihr Gepäck an Bord und warf ihr über die Schulter einen anerkennenden Blick zu, als sie ihr Köfferchen hochhob und ihm auf die Fähre folgte. Ein Mann mit einer Baskenmütze stellte einen Käfig voller gackernder Hühner in den Schatten des Ruderhauses und lächelte Ella zu, als er auf der harten Holzbank an der Reling Platz nahm. Und dann ertönte lautes Rufen, Menschen winkten zum Abschied, und schon wurden die Leinen gelöst, und die Fähre begann ihre Rückreise zur Insel.

Ella ging zum Bug, um ihrem Ziel entgegenzublicken, einem blassen Streifen Land, der fast in den Wellen zu versinken schien. Bei einem Unwetter muss doch alles überspült werden, dachte Ella. Da sie die Warnungen ihrer Mutter noch im Ohr hatte, drückte sie den Hut fest auf den Kopf, denn auf dem Wasser war der Wind stärker und drohte ihn ihr zu entreißen und über die Wellen tanzen zu lassen. Als sie mit der Zungenspitze über ihre trockenen Lippen fuhr, schmeckte sie Salz. Der Himmel über ihr war tiefblau – ganz anders als die graue Wolkendecke über Edinburgh, die sie gewohnt war –, und sie legte den Kopf in den Nacken, um dem Flug einer Möwe hoch über ihr zu folgen.

Ohne die Möwe aus den Augen zu lassen, drehte sie den Kopf und sah, wie sich das Festland hinter der schäumenden Kielwelle immer weiter entfernte. Einen Augenblick lang hatte sie das eigenartige Gefühl, sie wäre tatsächlich über den Rand der Welt gekippt, und die hektischen Stationen ihrer Reise – Edinburgh, London und Paris – gehörten einem ganz anderen Universum an, das sie nun hinter sich gelassen hatte.

Als sich die Fähre einen Weg durch die Wellen pflügte und die weißen Strände der Île de Ré immer näher kamen, musste Ella an die Gemälde von William Turner denken, die sie im Kunstunterricht gesehen hatte. Im milchigen Licht eines Frühsommerabends schillerte das Meer in Lapislazuli und Türkis. Die Insel vor ihr war mit dichten grünen Pinienwäldern bewachsen und sah in der Sonne aus, als wäre sie aus Weißgold geschmiedet. Ella atmete tief die salzige Luft ein und wünschte plötzlich, die Überfahrt würde nie enden und sie könnte immer in diesem Schwebezustand bleiben, so frei wie die Vögel, die im atemberaubend blauen Himmel über ihr segelten.

Aber viel zu schnell legte die Fähre an der Mole des Hafens an, wo unter dem Lärm von Menschen und Möwen Fracht auf ein größeres Schiff verladen wurde.

Die Passagiere nahmen ihr Gepäck und strömten von Bord. Der Mann mit der Baskenmütze balancierte den Hühnerkäfig auf einem Fahrrad und schob es über eine kurze Gangway an Land.

Ella griff nach ihrem Gepäck und ging, ein bisschen wackelig auf den Beinen, von Bord. Marianne Martet hatte geschrieben, man werde sie abholen, aber Ella hatte keine Ahnung, nach wem sie Ausschau halten sollte. Ihre Mutter hatte ihre alte Freundin als sehr schön und lebhaft beschrieben, mit großen Augen und dunklen Locken. In ihren Briefen hatte Marianne erzählt, dass ihre Zwillinge – Caroline und Christophe – achtzehn Jahre alt waren und sich auf eine Freundin für den Sommer freuten.

Als sich die Menschenmenge zerstreute und die Autos, die die Fähre verlassen hatten, sich über die staubige Straße entfernten, fiel Ella am hinteren Ende der Mole ein Karren mit einem Esel auf. Wohl um die Menge überblicken zu können, standen darauf ein Mädchen mit einem kastanienbraunen, wilden Lockenschopf und ein Junge, dem Haarsträhnen in die Augen fielen, und winkten in ihre Richtung. Das Sonnenlicht warf Schatten ins Gesicht des Jungen und betonte seine markanten Gesichtszüge. Beide strahlten eine so gelassene Schönheit aus, dass Ella sie sofort ins Herz schloss und jegliche Beklommenheit verlor.

Das Mädchen trug eine kurzärmlige Bluse und eine Hose, unter der ihre gebräunten Beine zu sehen waren, und der Junge eine weite Hose und ein Hemd, wie man es von Fischern kannte. Mit einem Mal fühlte sich Ella in ihrer adretten Kostümjacke und dem Kleid mit dem weiten Rock viel zu eingezwängt und förmlich.

Christophe und Caroline sprangen vom Karren und liefen auf sie zu. Zur Begrüßung streckte Ella Caroline die Hand entgegen und wurde rot, als diese sie auf beide Wangen küsste. Verwirrt und mit verrutschtem Hut wandte sie sich zu Christophe und zögerte, weil sie nicht wusste, was die Etikette verlangte. Ihr Gesicht fühlte sich noch heißer an, als er ihr ebenfalls einen Kuss auf beide Wangen drückte. Um ihre Verlegenheit zu überspielen, presste sie den Sonnenhut fest auf ihren Kopf und war dankbar für seine breite Krempe.

»Eleanor Lennox. Herzlich willkommen!« Christophes Augen strahlten vor Vergnügen, als er sich bückte, um ihren großen Koffer anzuheben.

»Sagt bitte einfach Ella zu mir, so nennen mich alle, außer ich habe etwas verbrochen.«

»Ich glaube nicht, dass ein Mädchen wie du je etwas verbrechen könnte«, lachte er. »Dafür wirkst du viel zu nett und adrett! Oh là là, und in diesem Koffer stecken eindeutig jede Menge weiterer Kostüme! Das kann die arme Anaïs unmöglich auch noch schleppen. Wir müssen neben dem Karren herlaufen.«

»Bitte achte gar nicht auf ihn, er zieht dich nur auf.« Caroline nahm Ellas Hand. »Dein Kleid ist wunderschön, genau wie dein Koffer. Du musst uns entschuldigen, hier auf der Insel sind wir immer so décontractés und zwanglos. Das ist eine herrliche Abwechslung von unserem Leben in Paris. Wir vergessen einfach, wie man sich vornehm kleidet.«

»Ja, ja, aber was genau ist eigentlich Kultiviertheit?« Christophe verstummte kurz und stellte den schweren Koffer hinter dem Karren auf dem Weg ab. »Ich behaupte, so wie hier auf der Île de Ré sollte das wahre Leben eigentlich sein, und das ganze Getue in Paris ist nur Theater. In der Stadt gibt es unzählige Leute, die alles andere als kultiviert sind. Und was die große weite Welt betrifft«, fuhr er fort, und seine Augen blitzten plötzlich auf, weil ihm das Thema offenbar am Herzen lag, »so haben wir zum einen die Faschisten in Spanien, die ihre eigenen Landsleute umbringen, und zum anderen die Deutschen, die jedes Versprechen von Versailles brechen, die sich wieder bewaffnen und dann Österreich annektieren. Sie wollen ihr Reich vergrößern – niemand weiß, was sie vorhaben, aber es kann nichts Harmloses sein. Paris wird von Flüchtlingen überflutet, und unsere eigenen Verwandten mussten aus Angst vor Verfolgung ihre Heimat verlassen. Ganz Europa befindet sich im Aufruhr. Wie kann man das als kultiviert bezeichnen?«

Im Schutz ihrer Hutkrempe betrachtete Ella sein attraktives Gesicht, das noch ausdrucksvoller wurde, je leidenschaftlicher er sprach. Um seiner Überzeugung Nachdruck zu verleihen, gestikulierte er mit seinen starken, sonnengebräunten Händen.

»Komm schon, Christophe«, sagte Caroline sanft und legte ihm ihre schmale, ebenfalls sonnengebräunte Hand auf den Arm. »Jetzt ist nicht der rechte Zeitpunkt für eine politische Tirade. Eleanor ist nach der langen Reise bestimmt müde, und Maman wartet schon auf uns.«

Mit einem resignierten Seufzer bückte sich Christophe, um den Koffer wieder aufzunehmen, und hievte ihn auf den kleinen Holzkarren. Der dumpfe Schlag ließ den hellgrauen Esel, der vom Wegesrand Grasbüschel rupfte, innehalten und sie verwirrt aus dunklen, verträumten Augen anschauen.

»Anaïs, darf ich dir Miss Eleanor Lennox und ihren Riesenkoffer vorstellen?«, verkündete Christophe mit großer Geste und streichelte die weichen Ohren und das Maul des Esels und fasste ihn dann am Geschirr, um ihn in einem weiten Kreis zu führen, bis der Karren richtig stand.

»Guten Tag, Anaïs. Du bist ja eine Schönheit.«

»Steigen Sie ein, Miss Eleanor Lennox. Ihr Wagen wartet.« Christophes funkelnde Augen standen im Gegensatz zu seiner förmlichen Aufforderung.

»Wie ich schon sagte: Ich heiße Ella. Und ich laufe lieber. Schließlich habe ich eine Ewigkeit im Zug gesessen. Ich möchte mir gerne die Beine vertreten.« Insgeheim hatte Ella Angst, ihr Koffer könnte wirklich zu schwer sein, aber sie wollte diesem scharfzüngigen französischen Jungen nicht zeigen, dass sie seine Scherze ernst nahm.

Jetzt betrachtete er sie, als wäre er überrascht, dass sie sich nicht von ihm einschüchtern ließ. Sie spürte, wie er die anmutige Silhouette von ihrer Taille bis zu ihrem Arm musterte, mit dem sie immer noch ihren Hut festhielt, damit er nicht von der Meeresbrise erfasst wurde. Herausfordernd sah sie ihn mit ihren klaren grünen Augen an, und sie ahnte nicht, dass er in diesem Moment ihre fließenden Kurven und die windzerzausten Haare am liebsten mit einem Bleistift auf Papier gezeichnet hätte. Mit einem Mal wurde seine Miene ernst, und er nickte. »Also gut, dann Ella. Und Anaïs dankt dir für deine Rücksichtnahme.«

Als sie den Hafen verließen, wurde aus der Straße schnell ein unbefestigter Weg, fast schon ein Pfad, den die Räder zahlloser Karren in das Gras gegraben hatten, das den rieselnden Sand darunter zusammenhielt. Ellas enge Lederschuhe wurden immer staubiger. Neidisch blickte sie auf die weichen Baumwollschuhe von Caroline und Christophe, die im Vergleich zu den tiefen Abdrücken ihrer Absätze kaum Spuren hinterließen. Zu Hause, in ihrer vertrauten Welt, war es ihr so wichtig erschienen, die richtige Garderobe für diese Sommerferien auszuwählen. Ihre Mutter sah das ebenso, denn sie hatte, als Ella im Schuhladen verschiedene Paare anprobiert hatte, erklärt, dass die Pumps mit dem kleinen Absatz – die in ihrer konservativen Familie normalerweise mit einem Stirnrunzeln betrachtet worden wären – wirklich chic genug für Frankreich seien. Und jetzt, nur wenige Minuten nach ihrer Ankunft, war Ella schon klar, dass diese Garderobe für die Île de Ré vollkommen falsch war.

Die drei schlenderten neben dem Karren her und folgten dem Pfad, der schnurgerade, unbehindert von Hügeln oder Tälern, über die flache, dicht über dem Meeresspiegel liegende Insel verlief. Im weichen Licht der Abenddämmerung leuchteten stolz aufragende Stockrosen vor den weiß getünchten Mauern der Fischerhütten, die hier und dort den Weg säumten. Die Farben der Blumen – himbeerrot, zitronengelb, pflaumenblau und apricot – leuchteten, als wäre das Licht hier viel klarer als auf dem Festland. Ella zog die Krempe ihres Huts etwas tiefer, denn die untergehende Sonne blendete sie und war, obwohl es schon spät war, immer noch wärmer, als Ella es selbst vom mildesten schottischen Sommer kannte. Sie hatte das Gefühl, als entfalte sich in all dem Licht und der Wärme ihr Körper wie eine junge Pflanze. Sie spürte, wie ihre Kleider, ihre steifen Lederschuhe, ihr Hut und ihre Handschuhe sie beengten.

Als sie den kleinen Ort Sainte-Marie-de-Ré erreichten, fragte sich Ella, wie weit sie wohl noch gehen mussten. An ihrer Ferse bildete sich mittlerweile eine Blase, und langsam bereute sie, dass sie das Angebot, auf dem Karren zu fahren, ausgeschlagen hatte. Endlich bog der kleine Esel selbständig in einen noch schmaleren Pfad ein, der kaum sichtbar zwischen zwei weißen Cottages verlief.

»Was sind das für Pflanzen?«, fragte Ella und zeigte auf die grünen Reihen vor den Häusern.

»Das sind Weinreben«, erklärte Christophe. »Siehst du, die ersten Trauben bilden sich schon.«

»Ich wusste gar nicht, dass Wein so nah am Meer wächst.«

Christophe nickte. »Doch, einige der besten Weingärten befinden sich am Meer. Die Seeluft tut den Trauben genauso gut wie den Menschen.«

Plötzlich konnten sie hinter dem Strandhafer, der die niedrigen Dünen bedeckte, das Meer sehen, dessen unzählige kleine Wellen das Licht der Sonnenstrahlen wie glitzernde Diamanten reflektierten. Rechts von ihnen sahen sie ein hübsches, einstöckiges Haus, kaum größer als die Häuschen, an denen sie vorbeigekommen waren, leuchtend weiß mit Fensterläden in einem Blau, das an die Farbe von Gischt erinnerte. In den hohen Fenstern spiegelte sich das Gold der sinkenden Sonne.

Christophe öffnete das kleine Tor in der niedrigen Mauer, die einen Blumengarten umgab, und führte Anaïs zur offen stehenden Haustür, so dass der Wind vom Meer sanft in die zarten, weißen Gardinen fahren konnte.

Christophe zerrte den Koffer vom Karren. »Lassen wir den erst mal hier. Ich bringe ihn hinein, wenn ich Anaïs versorgt habe. Komm, altes Mädchen, befreien wir dich von deinem Geschirr.«

Als er den Esel ums Haus führte, erschien eine lächelnde Frau im Türrahmen. Sie hatte dieselben warmen Augen und wilden Locken wie Caroline und streckte Ella beide Hände entgegen.

»Bienvenue, Ella. Wir freuen uns sehr, dass du hier bist. Ich hätte dich überall erkannt, du bist deiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten. Bitte nenn mich Marianne, wir sind hier nicht förmlich. Du bist nach der langen Reise bestimmt erschöpft, aber in den nächsten sechs Wochen musst du nicht weiter gehen als zum Strand oder in den Ort. Caroline wird dir dein Zimmer zeigen, damit du dich vor dem Abendessen noch ein bisschen frisch machen kannst.«

Ella folgte Caroline über gebleichte Eichendielen durch einen Flur und warf neugierige Blicke in die Zimmer, an denen sie vorbeigingen. Dieses Haus am Meer unterschied sich vollkommen von ihrem Zuhause in Morningside, einem Stadtteil von Edinburgh, mit den schweren Samtvorhängen und den dunklen Mahagonimöbeln. Die Zimmer waren strahlend weiß gehalten mit hellen Deckenbalken und wenigen schlichten Möbeln, die kaum zusammenpassten und doch elegant wirkten.

Die Mädchen stiegen eine breite Treppe hinauf, deren Holzstufen leise unter ihren Füßen knarrten, und Caroline öffnete eine Tür auf der linken Seite des dämmrigen Korridors. Auch hier blähten sich ihnen weiße Gardinen entgegen, als sie das Zimmer betraten, und auf einmal fühlte sich Ella wie auf einem Schiff, das mit vollen Segeln durch das Wasser glitt.

Ein verblichener Flickenteppich auf den Holzdielen war der einzige Farbtupfer in dem hellen Zimmer. Auf dem Nachttisch verströmte ein Blumenstrauß aus Geißblatt und Rosen einen zarten Duft. Ella nahm ihren Hut ab und ließ sich dankbar auf den Quilt aus Baumwolle sinken, der auf ihrem Bett ausgebreitet war. Sie streifte sich die Schuhe ab und wackelte mit den Zehen, über denen sie weiße Seidenstrümpfe trug. Auf der anderen Seite des Zimmers reflektierte der Spiegel eines Kosmetiktischs die letzten Sonnenstrahlen und ließ sie auf den Gardinen tanzen. Über dem schmiedeeisernen Bett hing in einem schmalen Goldrahmen ein Aquarell von einem Segelboot, das über das aquamarinblaue Meer auf die niedrigen Dünen des Ufers zu flog.

»Das ist aber schön!«, sagte Ella und zeigte darauf. »Man kann fast den Wind und die Sonne spüren und das Meer riechen.«

Caroline nickte und setzte sich neben sie auf das Bett. »Das Bild hat Christophe gemalt. Es verbindet seine beiden Leidenschaften: Malen und Segeln. In letzter Zeit ist er in beidem ziemlich gut geworden, aber sag ihm das nicht, sonst steigt es ihm zu Kopf.«

Die beiden Mädchen kicherten, als sie ein lautes Poltern auf der Treppe hörten. Christophe stieß die Tür auf und zerrte Ellas Koffer hinter sich ins Zimmer. »Wer soll was nicht sagen?«, fragte er mit breitem Grinsen. Ohne auf eine Antwort zu warten, warf er sich neben seiner Schwester aufs Bett. »Puh, jedenfalls sind Anaïs und ich sehr erleichtert, dass wir diesen fetten Mühlstein erst mal ein paar Wochen nicht zu sehen bekommen.«

»Ella hat nur dein Bild von Bijou bewundert«, sagte Caroline und wies mit dem Kinn auf das Gemälde.

»Morgen fahren wir mit ihr raus«, erwiderte Christophe lächelnd. »Sie ist eine wahre Schönheit.«

Ella fand es erstaunlich, wie sein Gesicht sich mit jeder Äußerung zu verändern schien und seine Gefühle erkennen ließ. Der Ausdruck in seinen dunklen Augen konnte innerhalb weniger Sätze von Belustigung zu Nachdenklichkeit wechseln, wie das Meer, das sich verdunkelte, wenn der Wind dicke Wolken darübertrieb, um kurz darauf wieder im Sonnenlicht zu erstrahlen. Ella hingegen hatte von ihren Eltern gelernt, ihre Gefühle zu verbergen. Aber den Zwillingen schien eine solche Zurückhaltung fremd, und Ella spürte, wie ihr Herz sich ein wenig weitete, um für alle Eindrücke offen zu sein – anders, als es ihr in ihrer behüteten Kindheit in Edinburgh möglich gewesen war. Sie hatte das Gefühl, als entfalte sich etwas in ihr, direkt unterhalb ihres Brustkorbs, und sie wurde von dem plötzlichen Drang überwältigt, ihre Jacke aufzuknöpfen und ihr Kleid zu lockern, um Platz zu machen für das, was in ihr Herz wollte.

Ein köstlicher Duft nach leckerem Essen drang von unten in ihr Zimmer.

»Allons, Christophe. Lassen wir Ella ein paar Minuten allein, damit sie sich vor dem Abendessen noch ausruhen und auspacken kann.« Caroline lächelte Ella an. »Du musst dich nicht umziehen, außer du möchtest es nach der langen Reise. Wir bleiben, wie wir sind. Es war mein Ernst, als ich sagte, dass wir hier sehr entspannt sind. Das Bad ist die nächste Tür auf der rechten Seite, falls du dich frisch machen willst, direkt gegenüber. Komm runter, wenn du fertig bist. Wir sind entweder in der Küche oder sitzen auf der Terrasse hinter dem Haus.«

Nachdem Ella eilig ihre Kleider in den großen Schrank in der Ecke des Zimmers geräumt und ihre ordentlich gefaltete Unterwäsche in eine hübsche cremefarbene Kommode mit rosa Rosengirlanden gelegt hatte, machte sie sich auf die Suche nach dem Bad.

Sie bürstete ihr windzerzaustes, dunkelblondes Haar, bis es glatt um ihr ernstes, ovales Gesicht fiel. Obwohl sie sich an den Rat ihrer Mutter gehalten hatte, war es der Sonne und dem Wind dennoch gelungen, ihre Wangen unter der Hutkrempe mit einem goldenen Schimmer zu überziehen. Als sie sich im schwindenden Abendlicht etwas genauer betrachtete, entdeckte sie mindestens fünf Sommersprossen auf ihrem Nasenrücken. Sie schüttelte den Kopf über sich selbst, als sie die Sorgenfalte auf ihrem Gesicht bemerkte. »Es hat doch keinen Sinn, sich die nächsten sechs Wochen über Sommersprossen Gedanken zu machen«, ermahnte sie ihr Spiegelbild streng. »Hier auf der Île de Ré sind wir très décontractés.« Sie lächelte. »Und Ihr accent Français klingt schon sehr viel besser, Mademoiselle Lennox.«

Sie wusch sich die Hände mit cremiger Seife, und als sie sie mit einem weißen Leintuch abtrocknete, fühlten sie sich besonders weich an. Dann hängte sie ihre Kostümjacke in den Schrank, legte sich, falls es kühl werden würde, eine Baumwollweste um die Schultern und eilte nach unten, durch die Küche hinaus auf die Terrasse.

Hinter dem Haus lag ein großer Garten, der von hohen, weiß getünchten Mauern umgeben war. Darüber blühte Geißblatt, aus dem wohl auch der Blumenstrauß in ihrem Zimmer gebunden war, und sein Duft mischte sich mit dem von Jasmin, dessen sternförmige Blüten sich über eine schmiedeeiserne Pergola über der Terrasse rankten. Am hinteren Ende des Gartens konnte Ella durch ein offenes Tor Anaïs sehen, die zufrieden unter den Bäumen eines kleinen Obstgartens graste. Marianne, Caroline und Christophe saßen an einem breiten Holztisch, der mit weißem Leinen und Besteck mit elfenbeinfarbenen Griffen eingedeckt war. In der Mitte des Tisches stand ein bemalter Steinkrug mit einem Strauß Rosen in einem satten Rosa und daneben ein Kristallkrug mit Wasser und eine Flasche Rotwein. Durch die stille Abendluft hörte man, wie die Kirchturmglocke in Sainte Marie die achte Stunde schlug.

Christophe hatte sein Kinn auf die Hand gestützt und zeichnete etwas in ein Skizzenbuch, schlug es aber hastig zu, als Ella näher kam.

»Komm«, Marianne klopfte auf den Stuhl neben sich, »setz dich zu mir, Ella, und erzähl mir von deiner Mutter. Es ist schon so viele Jahre her, seit ich sie das letzte Mal gesehen habe, aber du weckst all die glücklichen Erinnerungen an meine Zeit in Edinburgh in mir, als ich in deinem Alter war. Caroline, reich Ella doch die Oliven. Möchtest du ein Glas Wein mit uns trinken? Wir können ihn mit Wasser verdünnen, falls du es nicht gewohnt bist, etwas Alkoholisches zu trinken.«

Der tiefdunkle Wein in dem schweren Kristallglas färbte sich rubinrot, als Madame Martet etwas Wasser aus dem Krug dazugab. Ella nippte erst zögernd daran und versuchte, so zu wirken, als würde bei ihr zu Hause zu jedem Abendessen ein Château Talbot gereicht, wie sie auf dem Etikett der Flasche lesen konnte. Selbst verdünnt war der Wein schwer und vollmundig, und auch die letzte Anspannung wegen der Reise und der Vorfreude auf diesen Sommer fiel von ihr ab und schwand mit dem letzten Tageslicht, während sich die Nacht über die Insel senkte.

Im Schein einer Laterne, die Marianne zusammen mit einer Platte Blanquette de Veau auf den Tisch gestellt hatte, warf Ella einen verstohlenen Blick auf Christophe. Schatten spielten auf seinem Gesicht, und seine Augen schienen von innen heraus zu leuchten. Als er aufsah und sich ihre Blicke trafen, spürte sie eine zarte Verbindung zwischen ihnen. Um ihre Überraschung zu überspielen, wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Essen zu und beantwortete Carolines Fragen über das Leben in Schottland.

Als schließlich die Abendluft merklich abkühlte, erschauerte Ella leicht und musste gähnen. Marianne bemerkte es und sagte lächelnd: »Kommt, es ist Zeit, ins Bett zu gehen. Ich glaube, wir waren alle etwas aufgeregt wegen Ellas Besuch. Selbst ihr, meine redseligen Zwillinge, seid heute Abend ziemlich still. Lasst alles so stehen, Sandrine wird sich morgen früh darum kümmern. Schlaft gut, meine Lieben. Das Wetter soll morgen schön werden, ihr könnt mit Bijou eine lange Segeltour unternehmen. Wenn ihr wollt, bereite ich euch ein Picknick vor.«

In ihrem Zimmer im ersten Stock lag Ella zwischen weichen Baumwolllaken und starrte in die Dunkelheit. Die Nachtluft brachte einen salzigen Duft herein und bewegte sanft die Gardinen. Durch eine Lücke zwischen den Fensterläden sah sie zu, wie der Vollmond immer höher stieg und einen silbernen Lichtstrahl über die Dielen und ihre Bettdecke warf. Der riesige Ozean direkt hinter den Dünen reflektierte das Mondlicht und schuf ein seltsames, traumartiges Zwielicht, als würde bereits um Mitternacht die Dämmerung einsetzen. Das leise Geräusch der Wellen schürte ihre Vorfreude auf den vor ihr liegenden Sommer.

Es ist gar nicht richtig dunkel, war Ellas letzter Gedanke, bevor sie einschlief.

* * *

Sie wachte auf, als jemand – Christophe vermutlich – die Marseillaise pfiff, während er die Treppe ins Erdgeschoss hinunterging, und jemand anderes – Caroline oder Marianne – ihn zum Schweigen brachte.

Golden und nicht mehr silbrig wie in der Nacht fiel ein heller Lichtstrahl schnurgerade durch die Lücke zwischen den Fensterläden. Die Sonne hatte den Mond abgelöst. Ella sprang aus dem Bett und lief über den Flickenteppich zum Fenster, legte den schweren Metallriegel der Fensterläden um und stieß sie auf. Sofort strich eine warme Brise über ihre nackten Arme und wehte den feinen Saum ihres Nachthemds um ihre Fußknöchel. Sonnenstrahlen drangen überraschend warm in das Zimmer.

Ella zog sich ihren Rock und eine Bluse an, kämmte sich und eilte nach unten.

Wie am Abend zuvor stand in der Küche die Flügeltür zur Terrasse offen, durch die gerade eine stämmige, grauhaarige Dame mit einer weißen Schürze über einem Rock aus gestreiftem Drillich hereinkam. Sie trug ein leeres Tablett und klackerte mit ihren Holzschuhen über die Terracottafliesen. »Bonjour, Mademoiselle. Enchantée.« Förmlich reichte sie Ella ihre kräftige, raue Hand und strahlte sie an. Caroline kam direkt hinter ihr herein und stellte die Frau, die sich nun zur Spüle wandte, als Sandrine vor.

»Komm, Ella, auf der Terrasse gibt es Frühstück«, sagte Caroline und nahm zwei Kannen vom Küchentisch. Als sie unter die vom Jasmin beschattete Pergola traten, verkündete sie: »Voilà, ich bringe Ella und Kaffee.«

»Da bist du ja, meine Liebe. Hast du gut geschlafen?« Marianne reichte Ella den Brotkorb, während Caroline für jeden von ihnen duftenden pechschwarzen Kaffee in Schälchen goss und sie mit heißer, cremiger Milch auffüllte.

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