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Die gekaufte Braut des Scheichs

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1. KAPITEL

Es war mitten in der Nacht, als Victoria McCallan aus dem Schlaf hochschreckte und ihr Bett von fünf bewaffneten, kräftig gebauten Palastwachen umzingelt fand. Augenblicklich wusste sie, dass die nächsten Stunden nicht besonders erfreulich verlaufen würden.

Ganz vorsichtig, die Bettdecke unter die Achseln geklemmt, setzte sie sich auf und knipste die Nachttischlampe an. Dann blinzelte sie in das plötzliche Licht.

Großer Gott, sehr kräftige, uniformierte Wachtposten. Die Stirn gerunzelt, stellte Victoria fest, dass jeder der Männer die rechte Hand knapp über dem Pistolengriff gespreizt hielt. Nein, das verhieß wahrhaftig nichts Gutes.

Sie räusperte sich und musterte den Wächter mit den meisten Rangabzeichen an der Uniform. „Sind Sie sicher, dass Sie sich im richtigen Zimmer aufhalten?“

„Victoria McCallan?“

Verdammt … Nun wurden die Neugier und die vage Sorge von wachsender Furcht verdrängt.

Das ließ sie sich nicht anmerken. Schon immer hatte sie dank ihres überzeugenden schauspielerischen Talents den Anschein erweckt, alles wäre in bester Ordnung – selbst wenn die Welt ringsum einzustürzen drohte.

„Ja?“ Sie hob das Kinn und unterdrückte das Zittern in ihrer Stimme. „Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Prinz Kateb möchte Sie sofort sehen.“

„Prinz Kateb?“

Natürlich war sie ihm bereits begegnet. Als Prinz Nadims Privatsekretärin kannte sie natürlich auch dessen Bruder, allerdings nur flüchtig. Prinz Kateb kam selten in die Stadt, weil er es vorzog, in der Wüste zu leben – zum Ärger seines Vaters.

„Was will er von mir?“

„Es steht mir nicht zu, darüber Auskunft zu geben. Wenn Sie uns folgen würden?“

Vielleicht äußerte der Wachtposten eine Bitte. Aber Victoria hatte das Gefühl, dass es zwecklos war, Nein zu sagen.

„Ja, gewiss. Geben Sie mir ein paar Minuten Zeit, und warten Sie draußen, damit ich mich anziehen kann …“

„Nicht nötig“, unterbrach er sie und warf ihr den Morgenmantel zu, der am Fußende des Betts gelegen hatte. Dann bedeutete er den anderen Wächtern, sich umzudrehen.

Victoria rang nach Atem. „Selbstverständlich werde ich dem Prinzen nicht im Morgenmantel gegenübertreten.“

Wie der stahlharte Blick des Wachmanns bekundete, befand sie sich im Irrtum.

Was geht hier vor? fragte sie sich. Unbehaglich schlüpfte sie in den Morgenmantel und stieg aus dem Bett.

„Verrückt“, murmelte sie vor sich hin und folgte den Männern zur Tür hinaus. „Wo ich doch gar nichts verbrochen habe …“

Sie war eine tüchtige Sekretärin, kümmerte sich gewissenhaft um Prinz Nadims Termine und die reibungslose Funktion seines Büros. Niemals feierte sie Partys in ihrem Zimmer, und sie war auch nicht mit dem königlichen Tafelsilber durchgebrannt. Sie besaß einen gültigen Reisepass, verstand sich gut mit den anderen Angestellten im Palast, und ihre Steuern bezahlte sie pünktlich.

Was um alles in der Welt mochte Prinz Kateb, den sie kaum kannte, veranlasst haben, diese Wachtposten in ihr Zimmer zu beordern? Dafür gab es keinen Grund …

Abrupt blieb sie stehen. Der Boss der Wächter wies sie an, weiterzugehen, und sie gehorchte. Aber sie beachtete nicht, wohin sie geführt wurde. Inzwischen hatte sie herausgefunden, worin das Problem lag. Und es war ein ziemlich großes.

Vor einem Monat, in einem Moment emotionaler Schwäche, hatte sie ihrem Vater eine E-Mail geschickt – in dem Wissen, welch schweren Fehler sie beging, wenn sie Kontakt mit ihm aufnahm. Aber als er geantwortet hatte, war es zu spät für einen Sinneswandel gewesen. Er war sofort an Bord eines Fliegers gegangen, um sie zu besuchen.

Seit jeher hat er mir nur Schwierigkeiten gemacht, dachte sie erbost, während sie mit den Wachtposten in einen Lift stieg und die Taste für das Untergeschoss gedrückt wurde. Normalerweise gab es in diesen Palästen keine Untergeschosse, sondern Verliese. Und ihr war klar, dass man in solchen Verliesen nichts Gutes erwarten konnte.

Die Tür öffnete sich, und sie betraten einen langen Korridor, dessen Wände aus unverputztem Stein bestanden. Die eisige Luft und die bedrückende Atmosphäre kündeten von vergangenen Jahrhunderten, von Angst und Schrecken.

Die Kehle von kalter Furcht verengt, konnte Victoria kaum atmen. Offensichtlich hatte ihr Vater etwas verbrochen. Daran zweifelte sie nicht. Nun lautete die Frage nur noch, welche Konsequenzen sie dafür auf sich nehmen musste. Wieder einmal …

Sie wurde zu einer offenen Tür geführt, und der Oberst der Palastwache bedeutete ihr, die Schwelle zu überqueren. Nach einem tiefen Atemzug – hoffentlich nicht ihr letzter – straffte sie die Schultern und betrat den Raum.

Erstaunlicherweise war es keine Gefängniszelle. An den Wänden hingen Gobelins, in der Mitte stand ein Spieltisch, von einem halben Dutzend Stühlen umgeben.

Victorias Blick blieb an dem Tisch haften, auf dem Spielkarten lagen. Dann sah sie ihren Vater in einer Ecke stehen und wusste Bescheid. Dean McCallan hatte sein Versprechen, nie wieder Karten zu spielen, nicht gehalten.

„Was hast du getan?“, fragte sie und ignorierte die anderen Anwesenden. Sie musste erfahren, was ihrem Vater und ihr selbst drohte.

„Nichts, Vi. Das musst du mir glauben.“ Um seine Unschuld zu betonen, hob er beide Hände. „Nur eine freundschaftliche Pokerpartie …“

„Du wolltest nie wieder spielen! Hast du nicht behauptet, du hättest deine Sucht überwunden und drei Jahre lang keine einzige Karte angerührt?“

Dean schenkte ihr sein berühmtes Lächeln, bei dessen Anblick ihre Mutter immer weiche Knie bekommen hatte. Auf Victoria übte es die gegenteilige Wirkung aus. Sie wusste, dass ihr Ärger bevorstand.

„Nun, der Prinz hat mich zu einem Spiel aufgefordert. Und es wäre unhöflich gewesen, das abzulehnen.“

Klar, dachte sie bitter, deine Schuld kann es ja gar nicht sein. Niemals würde ihr liebenswürdiger Vater sagen: Moment mal, Königliche Hoheit, vielen Dank für die Einladung. Aber ich bin kein guter Spieler. Oder, genauer ausgedrückt, ein viel zu guter. Drücken Sie mir ein Kartenpäckchen in die Hand, und ich vergesse alles andere …

Sie verdrängte die Erinnerungen an die Vergangenheit. „Wie viel?“, fragte sie stattdessen und ahnte, dass sie ihr Sparguthaben würde opfern müssen. Wahrscheinlich auch die Rücklagen für ihre Altersvorsorge.

Nach einem kurzen Blick auf die Wachtposten lächelte Dean seine Tochter freundlich an. „Um Geld geht es nicht, Vi.“

Angst krampfte ihr den Magen zusammen. „Um was dann?“, flüsterte sie von einer bangen Vorahnung erfüllt.

Im Korridor erklangen Schritte. Sie drehte sich um und sah Prinz Kateb eintreten.

Trotz ihrer Pantoffeln mit den Zehn-Zentimeter-Absätzen überragte er sie mindestens um Haupteslänge. Seine Augen waren so schwarz wie sein Haar. Über eine Wange erstreckte sich eine Narbe, die bis zum Mundwinkel reichte und ihn ein wenig nach unten schob, wodurch der Eindruck entstand, der Scheich verachte alles und jeden.

Zu einer dunklen Hose trug er ein weißes Hemd – eine legere Kleidung, aber an ihm wirkte sie irgendwie majestätisch. Ohne die Narbe wäre er attraktiv gewesen. Und mit ihr glich er dem zum Leben erwachten Albtraum eines Kindes. Victoria musste sich beherrschen, um nicht zu erschauern.

„Ist das Ihr Vater?“, fragte er und starrte sie an.

„Ja.“

„Haben Sie ihn hierher eingeladen?“

Sollte sie sagen, dass sie es bedauerte? Dass sie ihn jahrelang nicht gesehen und dummerweise seinem Schwur, nie mehr zu spielen, geglaubt habe?

„Ja.“

Katebs dunkle Augen schienen in die Tiefe ihrer Seele zu blicken. Nervös zog sie den Morgenmantel fester um ihre Taille und wünschte, er würde nicht aus dünner Seide bestehen, sondern aus blickdichterem Material. Warum besaß sie keinen Morgenmantel aus Chenille wie normale Frauen? Und einen Jogginganzug? Den könnte sie tragen statt dieses kurzen Nachthemds mit dem süßen passenden Bikinihöschen. Nicht dass Kateb sich für ihren modischen Stil interessieren würde …

„Er hat beim Kartenspiel betrogen.“

Mit dieser Erklärung überraschte der Prinz sie nicht. Victoria schaute ihren Vater nicht einmal an. Er würde alles sagen oder tun, um sich aus der Affäre zu ziehen. Würde er die Wahrheit gestehen, wäre es ein glücklicher Zufall.

„Dafür entschuldige ich mich, Sir“, erklärte sie in ruhigem Ton. „Vermutlich werden Sie ihn sofort des Landes verweisen. Kann ich die Summe ersetzen, die er ergaunert hat?“

Nun trat Kateb einen Schritt näher. „Eine Deportation wäre keine ausreichende Strafe für dieses Verbrechen, Miss McCallan, weil sein Verhalten mich entehrt hat. Nicht nur mich, auch die königliche Familie von El Deharia.“

„W…was bedeutet das?“, stammelte Dean mit zitternder Stimme. „Vi, du darfst diesen Leuten nicht erlauben, mich zu foltern.“

Aber Victoria beachtete ihn nicht. Ihre Gedanken überschlugen sich. Sie musste einen Juristen finden, der bereit war, den Fall ihres Vaters zu übernehmen … Und sich gegen die königlichen Hoheiten zu stellen? Nein, das würde wohl kaum jemand riskieren. Gewiss, sie konnte sich an die amerikanische Botschaft wenden. Doch die Diplomaten hielten nicht viel von US-Bürgern, die gegen die Gesetze von El Deharia verstießen. Insbesondere, wenn sie Prinzen der Regentenfamilie verärgerten …

„Als seine ehrlose Tat entdeckt wurde“, fuhr Kateb fort und schaute Victoria eindringlich in die Augen, womit er sie offensichtlich auf den Ernst der Situation hinweisen wollte, „besaß er nicht genug Geld, um seine Schulden zu begleichen.“

„Wie ich bereits sagte, Sir, dafür werde ich aufkom…“

„Stattdessen bot er mir Sie an“, unterbrach er sie.

Der Raum begann sich, um sie zu drehen. Victoria verlor beinahe das Gleichgewicht, streckte die Hand aus und suchte Halt an der Wand.

„Das … begreife ich nicht“, wisperte sie.

Gleichmütig zuckte Kateb die Achseln. „Als ich Ihren Vater mit seinem Vergehen konfrontierte, bat er um Gnade. Er bot mir Geld an, das er sicher nicht besitzt. Nachdem er mit diesem Vorschlag keinen Erfolg erzielte, erwähnte er seine schöne Tochter, die alles tun würde, um ihn zu retten. Und er betonte, ich dürfte mich so lange mit Ihnen amüsieren, wie ich es wünsche.“

Victoria straffte die Schultern und starrte ihren Vater an, der ihrem Blick auswich und den Kopf senkte.

„Glaub mir, Schätzchen, ich hatte keine Wahl …“

„Oh, du hast immer eine Wahl“, erwiderte sie kühl. „Zum Beispiel hättest du nicht pokern müssen.“

Sie zwang sich zu einer würdevollen Haltung und schaute wieder den Prinzen an. „Was geschieht jetzt?“

„Natürlich wird Ihr Vater ins Gefängnis gebracht. Der Richter muss das Strafmaß festlegen. Acht oder zehn Jahre sollten reichen.“

„Großer Gott, nein!“ Dean McCallan sank auf den Steinboden und schlug die Hände vors Gesicht.

In diesem Moment wirkte er wie ein völlig gebrochener Mann. Zu gern wollte Victoria glauben, er hätte die Konsequenzen seiner Taten endlich erkannt, seine Lektion gelernt und er würde sich ändern. Doch sie wusste es besser. Er war unfähig zu einer solchen Einsicht.

Aber vor zehn Jahren hatte die Mutter ihr das Versprechen abgenommen, Dean zu schützen. Um jeden Preis. Victoria war die schwere Verpflichtung eingegangen, weil ihre Mom sie stets geliebt und unterstützt hatte. Ihre einzige Schwäche war Dean gewesen. Und durfte sich nicht jeder Mensch einen Fehler erlauben?

„Bitte, Prinz Kateb, bestrafen Sie mich an seiner Stelle.“

„Das würdest du für mich tun, Vi?“, fragte Dean hoffnungsvoll und stand auf.

„Nein, für Mom“, widersprach sie, ohne Kateb aus den Augen zu lassen. „Werfen Sie mich ins Gefängnis. Auch ich bin eine McCallan. Was mein Vater tat, verletzt meine Ehre genauso wie seine.“

„Mag sein. Trotzdem widerstrebt es mir, Sie hinter Gitter zu bringen.“ Kateb sehnte sich nach der Wüste zurück. Dort war das Leben einfach, und man musste sich keine Gedanken über Gesetze machen. An die hielt man sich, ohne Fragen zu stellen. Wäre Dean McCallan da draußen bei einem Betrug ertappt worden, hätte ihm jemand die Hand abgehackt – oder den Kopf. Da würde es keine langwierigen Diskussionen geben.

Sollte er eine Frau für das Verbrechen ihres Vaters im Gefängnis büßen lassen? Unvorstellbar. Nicht einmal diese Frau, die nur eine Verschwendung der Luft darstellte, die sie einatmete.

Er kannte Victoria McCallan – zumindest gut genug, um ihren Charakter zu beurteilen. Gewiss, sie war hübsch, mit reizvollen Rundungen und blondem Haar. Sie arbeitete für Nadim. Seit zwei Jahren versuchte sie sein Interesse zu erregen, weil sie einen Prinzen heiraten wollte. Davon abgesehen, machte sie sich nichts aus Nadim, was Kateb ihr nicht verübelte. Der Mann besaß die emotionale Tiefe eines Sandkorns und die Persönlichkeit einer grau gestrichenen Wand.

Vor Kurzem waren ihre Pläne jedoch durch Nadims Verlobung mit einer Frau, die der König ausgesucht hatte, vereitelt worden. Kateb nahm an, Victoria würde das Land bald verlassen, auf der Suche nach einem anderen reichen Heiratskandidaten. In der Zwischenzeit musste er entscheiden, was mit ihrem Vater geschehen sollte.

Er wandte sich an den Oberst der Palastwache. „Führen Sie ihn ab.“

Atemlos umklammerte Victoria Katebs Arm, und er ignorierte die Reaktion seines Körpers auf die Berührung. Sie war eine Frau, er ein Mann – mehr steckte nicht dahinter.

„Nein, das dürfen Sie nicht tun.“ Flehend schaute sie zu ihm auf. „Ich werde alle Ihre Wünsche erfüllen, wenn Sie ihn verschonen.“

Kateb schüttelte ihre Hand ab. „Sie überschreiten Ihre Grenzen, Miss McCallan, und Sie strapazieren meine Geduld.“

„Bitte – er ist mein Vater!“

Sein Blick schweifte zwischen Victoria und Dean McCallan hin und her. Beinahe hätte er schwören können, sie würde ihren Vater verachten. Wozu dieser Gefühlsausbruch? Warum sorgte sie sich um den Mann? Oder ging es ihr gar nicht um sein Schicksal? Sah sie in dieser Situation eine neue Chance? War ein Prinz so gut wie der andere?

Früher hatte er die Frauen nicht so zynisch betrachtet. Er hatte an die Liebe geglaubt, an das Glück einer Ehe. Aber seit fünf Jahren wurde er auf allen Kontinenten von Frauen verfolgt. Für ihn persönlich interessierten sie sich nicht. Nur für seinen Titel und das Vermögen, das sie gewinnen würden, wenn sie einen Scheich heiraten.

Er trat zurück und musterte die Frau, die vor ihm stand. In Seide und Spitze, in lächerlichen Pantoffeln. Mit langen Locken, großen Augen und rosigen, verführerischen Lippen. Der Ausschnitt ihres Morgenmantels zeigte den Ansatz voller Brüste.

Was immer nötig war, um ihren Willen durchzusetzen, würde sie tun. Und obwohl er einen Feind respektierte, der jedes Mittel nutzte, das ihn zum Sieg führte – er schätzte es nicht, wenn solche Taktiken gegen ihn verwendet wurden.

Dachte sie wirklich, er wäre so dumm, auf ihre oberflächliche Schönheit hereinzufallen? Wie weit würde sie gehen, um einen Prinzen zu erobern?

Er schaute ihren Vater an, der mit angstvoll geweiteten Augen dastand. Würde er untätig mit ansehen, wie seine Tochter sich für ihn opferte? Oder machten die beiden gemeinsame Sache, weil sie den Scheich in den Hafen der Ehe locken wollten?

Nein, sagte ihm seine Intuition. Doch solange er nicht sicher war, rechnete er mit dem Schlimmsten.

„Bringt ihn nach draußen, und haltet ihn dort fest“, befahl er leise.

Die Wachtposten packten Dean, der sich jammernd und flehend wehrte, zerrten ihn aus dem Raum und schlossen die Tür.

„Was würden Sie tun, um Ihrem Vater zu helfen, Miss McCallan?“, fragte Kateb.

„Was immer Sie verlangen, Sir.“

In ihren blauen Augen flackerte etwas auf, das er für Angst gehalten hätte, wäre er ein gütiger Mann gewesen. Aber das war er schon lange nicht mehr.

„Einer alleinstehenden Frau muss es schwerfallen, sich in einer Männerwelt wie der unsrigen zu behaupten.“ Es irritierte ihn, dass er Victoria McCallan trotz ihrer derangierten äußeren Erscheinung begehrenswert fand, und er versuchte seinem wachsenden Verlangen nach ihr keine Beachtung zu schenken. „Wie lange arbeiten Sie schon für Nadim?“

„Seit zwei Jahren.“

„Schade, dass er verlobt ist und Ihre Pläne durchkreuzt wurden.“

Victoria zuckte zusammen. „Mit meinem Vater hat das nichts zu tun.“

„Sind Sie sicher? Vielleicht wollen Sie jetzt mich umgarnen, nachdem Nadim unerreichbar ist. Welch eine großartige Chance für Sie … mir in einer solchen Aufmachung gegenüberzutreten und mich um Gnade zu bitten.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Sie glauben, ich will Sie verführen?“ In ihrer Stimme schwang unverhohlener Zorn mit. „Und dass ich beim Anblick von fünf Wachtposten, die um mein Bett herumstanden, dem Himmel für diesen Glückstag dankte und dachte: ‚Oh, wundervoll, endlich kann ich mich an Prinz Kateb heranmachen! Dann suche ich mir mal ein aufreizendes Outfit heraus!‘“

Irgendwie klingt ihre Ironie glaubwürdig, gestand er sich widerstrebend ein. Diesen Gedanken teilte er ihr natürlich nicht mit. Und sie besaß ein Temperament, das ihm genauso gut gefiel wie ihr Körper.

„Bestreiten Sie, dass Sie Nadim heiraten wollten?“

Plötzlich schien ihr Kampfgeist zu verfliegen. „Ich hätte nicht Nein gesagt“, gab sie zu und senkte den Blick. „Aber es war nicht so, wie Sie vermuten. Mir ging es vor allem um Sicherheit. Prinzen lassen sich nicht scheiden. Zumindest nicht in diesem Land.“

„Fühlen Sie sich nicht zu ihm hingezogen?“

„Nun, er ist nett.“

Kateb wartete.

Zögernd hob sie den Kopf. „Was wollen Sie? Mich bestrafen, weil ich von einer Ehe mit einem Prinzen geträumt habe? Also gut, tun Sie es meinetwegen – es steht in Ihrer Macht. Vorerst sorge ich mich viel mehr um meinen Vater.“

„Warum?“

„Weil er mein Vater ist.“

„Das ist nicht der Grund. Ich habe bemerkt, wie sehr Sie ihm grollen, weil er Sie in diese Situation gebracht hat.“

„Trotzdem bleibt er mein Vater.“

Ihren Worten folgte ein längeres Schweigen, das Kateb nutzte, um sie forschend zu betrachten. Ohne mit der Wimper zu zucken, hielt sie seinem Blick stand. Was immer sie sonst noch veranlassen mochte, für ihren Vater einzutreten, sie war nicht bereit, es ihm zu verraten. Interessant …

„Würden Sie seinen Platz einnehmen?“, fragte er leise.

„Ja.“

„Im Gefängnis?“

Sie schluckte schwer, und er spürte ihre Furcht.

„Ja.“

„Obwohl das Leben hinter Gittern sehr unangenehm ist?“

„Ich habe ein Versprechen gegeben.“

Nur widerwillig schien ihr das Geständnis über die Lippen zu kommen, und er ahnte, dass es wichtig war, wenn er sich auch nicht vorstellen konnte, worum es ging.

Ein Versprechen. Was wusste eine Frau wie sie über Versprechen?

„Ihr Vater versuchte mich zu bestehlen“, erklärte er in frostigem Ton. „Hätte ich ihn nicht entlarvt, wäre er mit siebenhunderttausend Dollar geflohen.“

Entsetzt hielt Victoria den Atem an.

„Kehren Sie in Ihr Zimmer zurück“, befahl er. „Sobald das Urteil feststeht, werden Sie verständigt. Sie dürfen Ihren Vater noch einmal sehen, bevor er seine Haftstrafe antritt. Danach nicht mehr, weil …“

„Nein!“ Mit beiden Händen ergriff sie seinen Arm. „Nein, bitte nicht!“ In ihren Augen glänzten Tränen. „Ich habe meiner Mutter auf ihrem Sterbebett versprechen müssen, ihn zu beschützen. Sie liebte ihn abgöttisch, und ich flehe Sie an, sperren Sie ihn nicht ein! Nehmen Sie mich an seiner statt! Er hat mich Ihnen doch angeboten, nicht wahr?“

Katebs Augen verengten sich. „Das war nicht ernst gemeint.“

„Doch. Und Sie haben sich darauf eingelassen und gewonnen. Nehmen Sie mich!“

„Als – was?“

Sie ließ seinen Arm los und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf. „Was immer Sie wünschen …“

2. KAPITEL

Nur zu deutlich spürte Victoria, wie der Scheich die Geduld verlor. Allzu viele Möglichkeiten blieben ihr nicht mehr. Verdammt, dachte sie erbost und schlüpfte aus ihrem Morgenmantel.

Die leichte Seide sank auf den Steinboden. Schimmernd lag sie zu ihren Füßen. Kateb hielt seinen Blick auf ihr Gesicht gerichtet.

„Vielleicht wirken Sie nicht so verführerisch, wie Sie glauben.“

„Vielleicht nicht. Aber ich muss es versuchen.“

Mit unergründlichem Augenausdruck betrachtete er sie, und sie unterdrückte ein Zittern. Schließlich schob er einen dünnen Träger ihres Nachthemds über ihre Schulter hinab, dann den anderen. Auch das kurze Hemdchen glitt zu Boden.

Nur mit ihrem winzigen Bikinihöschen bekleidet, stand sie vor Kateb. Verzweifelt wollte sie ihre nackten Brüste bedecken und sich abwenden. Scham und Verlegenheit trieben ihr brennende Röte in die Wangen. Aber sie rührte sich nicht. Was sie dem Scheich offerierte, war ihre letzte Trumpfkarte. Wenn sie damit keinen Erfolg erzielte, musste sie sich mit der Niederlage abfinden.

Dean McCallan verdiente nicht, was sie für ihn tat. Das wusste sie. Doch um ihn ging es nicht – nur um das Versprechen, das sie ihrer Mutter gegeben hatte.

Was mochte Kateb denken, während er sie von oben bis unten musterte? Sie hatte keine Ahnung. Gefiel sie ihm? Oder nicht?

Nach einigen Sekunden kehrte er ihr den Rücken. „Ziehen Sie sich an.“

Also hatte sie verloren.

Jeder weitere Versuch, den Scheich umzustimmen, wäre sinnlos gewesen. Victoria riss sich zusammen. Nein, vor diesem Mann würde sie nicht weinen. Unglücklich bückte sie sich, hob ihre Sachen auf, schlüpfte in das Nachthemd und den Morgenmantel.

Kateb ging in den Korridor hinaus. Da sie nicht wusste, was sie sonst tun sollte, folgte sie ihm. Er blieb vor ihrem Vater stehen.

„Ihre Tochter hat sich bereit erklärt, mir als Geliebte zu dienen. Ich nehme sie in die Wüste mit, für sechs Monate. Sie, Mr. McCallan, werden El Deharia mit dem ersten Flugzeug morgen früh verlassen und nie wieder hierher zurückkehren. Haben Sie mich verstanden?“

Zum zweiten Mal in dieser Nacht fiel es Victoria schwer, ihr Gleichgewicht zu wahren. Also nahm Kateb ihr Angebot an, und ihr Vater würde nicht hinter Gittern landen?

Ihrer momentanen Erleichterung folgte die beklemmende Erkenntnis, dass sie sich einem Mann verkauft hatte, von dem sie fast nichts wusste und der offensichtlich nicht viel von ihr hielt.

Kateb wandte sich zu den Wächtern. „Bringen Sie Mr. McCallan in sein Zimmer. Bewachen Sie ihn, während er seine Sachen packt, und fahren Sie ihn zum Flughafen.“

Victoria beobachtete, wie ihr Vater weggeführt wurde. Am Ende des Korridors drehte er sich um und winkte ihr zu. „Sicher wird es dir gut gehen, Vi. Ruf mich an, wenn du wieder daheim bist.“

Ohne eine Miene zu verziehen, ignorierte sie ihn. Und dann war sie mit dem Wüstenscheich allein.

„Morgen brechen wir auf“, erklärte er. „Seien Sie um zehn Uhr bereit.“

Victoria wünschte, er möge ihr versichern, dass sie kein allzu schlimmes Schicksal befürchten müsse – dass er kein Unmensch sei und die Zeit schnell vergehen würde. Aber sie bedeutete ihm nichts. Also fühlte er sich auch nicht verpflichtet, sie zu trösten.

„Gehen Sie in Ihr Zimmer zurück“, befahl er.

Sie nickte und setzte sich in Bewegung.

„Jenes Versprechen – war er es wert?“, hörte sie Kateb plötzlich fragen.

Sie drehte sich um. „Für mich nicht“, gab sie zu. „Nur für meine Mutter.“

Victoria hatte befürchtet, sie würde nicht rechtzeitig fertig sein. Aber diese Sorge war unbegründet. Wenn man nicht schlafen kann, hat man Zeit in Hülle und Fülle, dachte sie, während sie ihre Schubladen ein letztes Mal inspizierte.

Um neun Uhr achtundfünfzig hörte sie Schritte im Flur. Ihr Gepäck stand bereit – die Koffer für die Reise in die Wüste, die Kartons, die ihr restliches Eigentum enthielten. Ein imposanter Haufen. In den letzten beiden Jahren hatte sich einiges angesammelt.

Es klopfte an der Tür, und Kateb stolzierte ins Zimmer.

Mit anderen Worten konnte man sein Erscheinen nicht beschreiben. Er bewegte sich schnell und selbstbewusst, mit einer maskulinen Geschmeidigkeit, die bekundete, dass er sich in jeder Situation zurechtfand. Eigentlich hatte Victoria erwartet, er würde für die Reise ein traditionelles Gewand wählen. Stattdessen trug er Jeans, ein langärmliges Hemd und Stiefel. Abgesehen von seiner majestätischen Arroganz hätte er beinahe wie ein normaler Mann gewirkt – ein sehr attraktiver ...

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