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Die radikale Freiheit vom Ich

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Himmelblau. Wolkenlos. Sonnenklar.

Einleitung

Was Dich wo in diesem Buch erwartet

Erster Teil: Das volle Glas leeren

Kapitel 1: Die Geschichten einer Suchenden

Kapitel 2: Der Beginn des "Ich"

Wenn ein "Ich" erwachen will

Finde heraus, was vor sich geht und bleibe dabei

Verleuchtet!

Erleuchtete Stilblüten

New Age Irrlichter

Der Realitätscheck

Kapitel 3: Konzepte filtern die Wahrheit

Zwischen uns die Vergangenheit

Etikettenschwindel

Sicherheit wird mit Freiheit bezahlt

Schreckgespenst Vergänglichkeit

Vom Anfang und Ende des Leidens

Die große Unruhe

Aus Liebe zur Wahrheit

Was ist die Wahrheit des gegenwärtigen Moments

Kapitel 4: Das "Ich" ist ein Gedanke

Wenn Du denkst, denkst Du nur, Du denkst

Die Illusion von Beständigkeit

Dem Leben nichts hinzufügen

Diese Übung kann Dein ganzes Leben verändern

Erscheint der Name, wird die Realität verschleiert

Kapitel 5: Endlosschleifen beenden

Das Leben sich leben lassen

Transformation wartet außerhalb der Komfortzone

Selbstbefreiende Weisheit

Verständnisvolles Mitgefühl

Durch das mitfühlende Herz in die Freiheit

Neutralität - der Punkt jenseits der Gegensätze

Wie man mit dem verweilt, was ist

Du bist die Lösung für das Problem

Und auch das geht vorüber

Die Angst vor Kontrollverlust überwinden

Die klare Stille im Hintergrund

Zweiter Teil: Die Leerheit des Glases

Kapitel 6: Erwachen - Jemand oder Niemand?

Tun oder nicht tun?

Wo willst Du denn hin?

Wo schaust Du nach?

Wann bist Du? Immer „Jetzt“?

Finde das Jetzt

Wie beständig ist das "Ich" wirklich?

Wo und wann hast Du angefangen zu sein?

Wo genau ist das "Ich" also?

Wann und wie hat Dein "Ich" angefangen zu sein?

Halte direkte Ausschau nach dem "Ich"

Wo hört das, was Du bist, auf?

Der Körper ist ein Produkt der Elemente

Subjekt – Objekt: eine spannende Erforschung

Hast Du ein Zentrum, aus dem Du existierst?

Du bist der Ozean, nicht die Welle

Individualität als Welle

Leben ohne Ich-Zentrum als natürlicher Zustand

Ein Experiment zur Kontrolle von Gedanken

Wem gehören Gefühle?

Kapitel 7: Konzeptloses Sehen

Sehen ohne zu sehen

Konzepte machen direktes Sehen unmöglich

Der Baum der Erkenntnis

Sehen ohne das Wort

Nichts ist, wie es (er)scheint

Wie wird erkannt, was Du bist?

Dritter Teil: Die Fülle im leeren Glas

Kapitel 8: Befreiung – Nichts wird „alles”

Es kann nur einfach sein

Lerne Deine wahre Natur näher kennen

Ist wirklich alles vergänglich?

Wann, wenn nicht jetzt und wo, wenn nicht hier?

Das, was Du bist, kannst Du nur sein

Deine wahre Natur kurz zusammengefasst

Vierter Teil: Weder nichts, noch alles

Kapitel 9: Form ist Leere. Leere ist Form

Nichts, alles, die Abwesenheit von nichts und allem

Eines ohne ein Zweites

Wenn die Blickwinkel vermischt werden

Das JA, jenseits von Ja und Nein

Warum die Leere eben nicht leer ist

Die Sache mit dem freien Willen

Kapitel 10: Weder Anfang, noch Ende

Vier Blickwinkel auf das unteilbare Eine

Wie es jetzt weitergeht

Anhang

Die Autorin

Danksagung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Als ich Sabina kennenlernte, war mir sofort klar: Diese Frau hat etwas begriffen! Recht schnell fanden wir uns in Gesprächen über die Ich-Illusion, Bewusstheit und Wahrnehmung wieder. Je mehr wir uns unterhielten, desto klarer wurde mir, dass sie ein Buch schreiben muss. Die Erfahrungen, über die sie berichten kann, sind viel zu kostbar, als dass man sie zurück hält. Hier ist es also, das Buch.

Worum geht es? Es geht um den, wie ich es gerne nenne, Hauch hinter dem Sturm. Es geht um den Spiegel hinter den Bildern. Es ist eine Bewusstheit, beziehungsweise eine Wahrnehmung, von der ich lange Zeit nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Wenn man nicht weiß, wonach man sucht, übersieht man es. Unsere Gedanken, unsere Kognition sind so laut, dass wir die Wahrheit überhören. Sabina zeigt in ihrem Buch, worauf wir hören können, wonach wir schauen können, was es eigentlich zu verstehen gilt.

Wenn ich mich im Alltag umschaue, wird mir sehr schnell deutlich: Unwissenheit spaltet, Meisterschaft verbindet. Sabina verbindet und legt die Erkenntnis nahe, dass das Leben nicht persönlich gemeint ist. Was für eine Erleichterung, wenn die Projektionsfläche für Leid verschwindet und Platz macht für Freude. Meine liebe Freundin Sabina gibt den Lesern die Gelegenheit, die Menge an Wahrnehmungsmöglichkeiten um eine sehr freudvolle, befreiende Variante zu erweitern.

Sabina lehnt Guru-Rollen für sich selbst ab. Ich persönlich weiß gute Lehrer durchaus zu schätzen, freue mich aber genauso über jeden unabhängigen Geist und Freund auf dem Weg. Ich wünsche mir, dass dieses Buch vielen Menschen den Weg zur inneren Freiheit zeigt und dass Sabina den Erfolg hat, den sie verdient.

Michael Kirchhoff

Himmelblau. Wolkenlos. Sonnenklar.

Erinnerst Du Dich daran wie es ist, im Gras zu liegen und in einen tiefblauen Himmel zu schauen? Irgendwann verliert sich der Blick in der endlosen blauen Weite und da ist nur noch Himmel. Grenzenlos und frei. Das bist Du!

Hin und wieder taucht eine Wolke auf, wie im Leben auch. Das Ziel ist nicht, dass keine Wolken mehr entstehen, das ist unmöglich. Sie kommen und sie gehen.

Wir können aber aufhören, uns für die Wolken zu halten und erkennen, dass wir wie der Himmel sind. Wolken entstehen und vergehen und Du bist, was Du immer warst, Himmel.

Ist das erkannt, ist alles ganz klar: Du bist wie die Sonne. Du leuchtest aus Dir selbst heraus und bist Dir selbst ein Licht.

Grenzenlose, selbstleuchtende Leerheit,

offen wie der Himmelsraum,

das bist Du.

Einleitung

Wo, bitte, geht’s zur Erleuchtung?

Gehen wir auf eine längere Wanderschaft, bereiten wir uns entsprechend vor. Wir haben eine Idee davon, wohin wir wollen und was wir an Rüstzeug benötigen. Planen wir eine größere Etappe, sind Wanderkarten und ein Kompass dabei.

In gewisser Weise gleicht die spirituelle Suche nach unserem Ursprung und unserer wahren Natur einer Wanderschaft, nur stellt sich mitunter jeder etwas anderes darunter vor. Die einen meinen, sie wären mal kurz um den Block, andere glauben, es ging eine Runde durch den gepflegten Stadtpark. Die nächsten klingeln an jeder Tür und wundern sich, dass sie irgendwann nicht mehr wissen, wohin sie eigentlich wollten. Ganz wenige kommen ans Ziel, ohne je gesucht zu haben. Die meisten jedoch brechen unfreiwillig und völlig unvermittelt auf.

Was lässt uns überhaupt suchen? Wer die Verbindung zu sich selbst nicht gänzlich verloren hat, bemerkt irgendwann, dass das Leben farbloser und unerfüllter wird. Durch die Hintertür schleicht sich eine Ahnung ein, dass das nicht alles gewesen sein kann. Unruhe und Unzufriedenheit breiten sich aus und immer häufiger zweifeln wir am Sinn des Ganzen. Wir beginnen nach dem zu suchen, was fehlt.

Nicht für alle beginnt die Suche derart sanft. Im zunehmenden Tempo des Lebens wird so mancher plötzlich in einer unerwarteten Steilkurve aus der gewohnten Fahrbahn geworfen. Krankheit, der Verlust eines geliebten Menschen, des Arbeitsplatzes oder der Heimat, große Herausforderungen oder Katastrophen können das vertraute Leben abrupt beenden. Wenn der Staub des Aufpralls sich legt, wird klar, dass es nie wieder so sein wird wie zuvor.

Oft wissen wir zu Beginn nicht einmal so genau, wonach wir suchen. Die einen suchen etwas, das fehlt, die anderen festen Boden, wenn alles zusammenbricht. Viele suchen im Spirituellen auch nach dem Mystischen, dem Verborgenen, dem Unsichtbaren oder einfach nach der Erfüllung all dessen, was ihnen bislang auf anderem Wege im Leben versagt geblieben ist.

Ich bin sanft gestartet mit einer großen Neugier auf das, was ich hinter einem dünnen Schleier erahnte, aber nicht wirklich greifen konnte. Irgendwann aber war auch ich gründlich raus aus der Komfortzone und abwechselnd auf Achterbahnfahrt und im freien Sturzflug ohne Fallschirm. Trotzdem war das, was ich suchte, stets sonnenklar: nicht weniger als Befreiung und das Ende des Leidens.

Wenn Du dieses Buch in Händen hältst, bist Du wahrscheinlich ein Suchender. Suchen kann Spaß machen. Bunt, vielfältig und verlockend sind die Angebote des prall gefüllten Marktplatzes. Vielleicht wanderst Du aber auch abseits der vollen Gassen, bist wie Parzival auf der Suche nach dem Heiligen Gral, dem Höchsten, das es zu finden gibt. Erleuchtung sagten Gnosis und indische Weisheitslehren dazu, der Buddha nannte es Erwachen, im Zen oder der Advaita Vedanta spricht man von Befreiung und für Ramana Maharshi war es die Verwirklichung. Diese herrlich klingenden Begriffe verheißen ein Leben in immerwährender Glückseligkeit. Sie alle meinen damit das Erkennen Deiner wahren Natur.

Wie jedoch findet Parzival nun seinen Gral, der sich ihm immer wieder zu entziehen scheint? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen sagen, dass es bestenfalls in soundsoviel Leben mit der Erleuchtung klappt, wohlgemerkt nur bei guter Führung und unter optimalen Bedingungen. Die anderen versprechen Dir Befreiung bequem per Energieübertragung, was natürlich seinen Preis hat. Manche gehen einen Weg lebenslanger Entsagung. Wieder andere investieren in Reisen zu exotischen Orten oder Menschen mit besonderer Energie, in der Hoffnung, sie kämen dem Erwachen dort ein wenig näher. So mancher verliebt sich geradezu in die Rolle des Suchers, weil es seinem Leben Inhalt, Wert und Sinn verleiht.

Das sind allesamt interessante Geschichten, die Spaß machen können. Du kannst sie glauben oder auch nicht. Mit Erwachen hat das jedoch nichts zu tun, denn das Erwachen selbst ist in den Geschichten nicht zu finden. Leicht übersehen wir dabei mitunter sogar das, was wir wirklich sind. Dass es einfach und selbstverständlich ist, weil Du schon bist, was Du suchst, sagen Dir vermutlich wenige.

Deine Suche kann hier und jetzt unmittelbar enden, wenn Du erkennst, dass das, wofür Du Dich bislang gehalten hast, so nicht existiert. Wenn Du es also liebst zu suchen, dann mach lieber einen Bogen um Bücher wie dieses. Enttäuscht werden vermutlich auch jene, die eine Handlungsanweisung erwarten, wie man durch das Erkennen der wahren Natur zu Berühmtheit, Reichtum und Erfolg gelangt, einen rundherum sorglosen Zustand erreicht oder übersinnliche Fähigkeiten entwickelt. Man mag reich und berühmt werden oder auch nicht. Mit Erwachen hat auch das nichts zu tun.

Liest Du jedoch weiter, so erwartet Dich eine spannende Forschungsreise. Wir prüfen, hinterfragen und erkunden praktisch und unmittelbar. Möglicherweise fällt dadurch immer mehr von dem weg, was Du dachtest zu sein und es kann spontan gesehen werden, was Du wirklich bist. Das nennt man Erwachen.

Vielleicht fragst Du Dich gerade:

„Wer erwacht da eigentlich?“ Niemand.

„Und wer wird befreit?“ Kein Jemand.

„Na, geht dann wenigstens irgendwem ein Licht auf?“ Nein.

Hab trotzdem viel Spaß mit diesem Buch und möglicherweise ist Erwachen so ganz anders, als Du denkst.

Was Dich wo in diesem Buch erwartet

Es liegt mir fern, Dich von etwas überzeugen zu wollen oder meine Erkenntnisse zur absoluten Wahrheit zu erklären. Mein Ansatz ist weder theoretisch noch philosophisch, sondern rein praktisch. Ich schreibe, wie es mir entspricht – gradlinig, auf den Punkt und ohne Beiwerk.

Dieses Buch ist für all jene geschrieben, die sich ernsthaft fragen: „Wer bin ich wirklich?“ und die spüren, dass das Leben ständige Veränderung ist, weil alles irgendwann vergeht. Oft dämmert es uns erst, nachdem wir immer wieder scheitern, dass die Lösung dort, wo wir sie bisher gesucht haben, nicht (dauerhaft) zu finden ist. Glück, Freude, Zufriedenheit und Freiheit sind unabhängig von äußeren Dingen.

Vielleicht werden Deine vertraute Welt und Identität gerade bis in die Grundfesten erschüttert, während die wohlbekannten Wege plötzlich ins Leere laufen. Oder haben Dich die jahrelangen Runden über den spirituellen Marktplatz ermüdet und Du fragst Dich, ob es auch anders gehen kann?

Ja, das kann es! Anstatt noch mehr Wissen und Techniken anzuhäufen, lade ich Dich im ersten Teil dieses Buches ein, mehr und mehr von dem wegzulassen, was Du dachtest zu wissen und zu sein. Wir werden zuerst das Glas voller Konzepte leeren, die sich wie dichte Schleier über die Wahrnehmung legen. Hinter Konzepten stehen oft komplexe Gedankengerüste, die unser Erleben beeinflussen und durch die wir die Welt kontrollieren wollen. Ich stelle Dir Herangehensweisen vor, bei denen Du weitgehend auf Konzepte verzichten kannst. Im zweiten Teil werde ich Dich Schritt für Schritt ins „konzeptlose Sehen“ begleiten, dem unmittelbaren Sehen der Wirklichkeit.

Wenn Dich dieses Buch anspricht, dann suchst Du vermutlich mehr als nur Lösungen für Deine Probleme. Wahrscheinlich bist Du schon länger auf der spirituellen Suche und die Themen Erwachen, Befreiung und Erleuchtung haben für Dich eine starke Resonanz. Obwohl Du bereits Einblicke in Deine wahre Natur gewonnen hast, sucht etwas in Dir trotzdem weiter. Auch für Dich ist dieses Buch geschrieben. Es handelt von keinem fernen Wunschtraum, sondern von einer im Alltag erlebbaren Realität. Ein vom begrenzenden Glauben an ein "Ich" befreites Leben zu leben, ist jederzeit möglich. Es ist weder das Privileg weniger Auserwählter noch ein Akt der Gnade, die nur ein Meister oder eine Gottheit gewähren kann. Denn: Erwachen geschieht einfach - ganz unabhängig von Rahmenbedingungen. Es hat nichts mit DIR zu tun. Du (als "Ich") kannst nichts tun, um zu erwachen, weil dieses "Ich" in der bisher angenommenen Form nicht existiert. Es gibt keinen Jemand der erwacht und niemand wird erleuchtet. Und doch gleicht das Erkennen Deiner wahren Natur dem Erwachen in einem Traum, bei dem sich der Träumer bewusst wird, dass er träumt.

Daher gibt es weder einen Weg zum Erwachen, noch eine Methode es zu erreichen oder einen Meister, der Dir diese Erkenntnis übertragen kann. Die Vorstellung eines "Ich", geschaffen durch Konditionierung und Konzepte, wird als Trugbild erkannt, ähnlich einer Fata Morgana, die Wasser mitten in der Wüste erscheinen lässt. So wenig wie die Erscheinung echtes Wasser ist, ist das "Ich" unsere wahre Natur. Ist das erkannt, wird die Fata Morgana nicht länger für Wasser gehalten.

Der Traum geht weiter, die Wahrnehmung verlagert sich jedoch zur wahren Natur. Das wird als Befreiung erlebt. Diese Freiheit ist keine Freiheit für das "Ich", sondern die Freiheit vom Glauben an ein "Ich". Es ist ein Freisein vom Suchen, von Erwartungen, vom Hoffen auf erleuchtete Bewusstseinszustände und vom Glauben, alles kommt auf wundersame Weise in Ordnung. Alles ist bereits in Ordnung und das war es immer schon. Das ist das Wesen Deiner wahren Natur.

Erwachen ist nicht in diesen Worten und auf diesen Seiten zu finden. Worte können zwar auf die Wahrheit hindeuten, sind aber nicht das, was sie beschreiben. Wir bedienen uns ihrer, doch sind sie lediglich als Fingerzeige zu verstehen. Wenn Du den Hinweisen im dritten Teil direkt folgst, anstatt sie zu analysieren, zu interpretieren, zu übersetzen oder zu vergleichen, können sie über die Worte hinaustragen, dorthin, wo Deine wahre Natur sich als sich selbst erkennt. Sollten die Formulierungen oder Übungen den Eindruck vermitteln, sie wären Wege oder Methoden, die es einem "Ich" ermöglichen zu erwachen, ist dies der dualistischen Natur unserer Sprache geschuldet. Auch Konzepte lassen sich nicht gänzlich vermeiden, das liegt im Wesen der Worte.

Das Erkennen Deiner wahren Natur kann immer und zu jeder Zeit geschehen. Wenn Dich der Wecker unsanft aus den Federn holt, Du pitschnass vom Regen die Rücklichter des verpassten Busses siehst, für Deinen Hund Stöckchen wirfst oder gerade den Abwasch machst. Es kann ein Moment himmelhochjauchzender Freude sein, ebenso wie einer des tiefsten Schmerzes oder ein völlig alltägliches Erlebnis ohne besondere Bedeutung. Alles und jedes trägt in sich den Impuls, Dein Gefühl der Getrenntheit aufzulösen.

Dieses Gefühl der Getrenntheit werden wir besonders im zweiten Teil sehr genau beleuchten. Anhand praktischer Übungen hinterfragen wir die gängigsten Konzepte, auf denen es basiert, wie zum Beispiel die Überzeugungen, wir wären das Bewusstsein, das diese Zeilen liest, der Körper, der das Buch hält, der in Raum und Zeit existiert und eine persönliche Geschichte aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat. Wir finden heraus, was gesehen wird, wenn diese und andere Konzepte wegfallen. Davon kündet der vierte Teil dieses Buches.

Und dann?

Dann bleibt möglicherweise alles beim Alten und ist gleichzeitig radikal anders. Im folgenden Kapitel werde ich Dir ein wenig von meiner Suche berichten.

ERSTER TEIL: DAS VOLLE GLAS LEEREN

Kapitel 1: Die Geschichten einer Suchenden

Mein Name ist Sabina.
Das ist ein nützliches Konzept,
das die Kommunikation erleichtert,
ist aber nicht das, was ich bin.
Das, was ich bin, ist dasselbe, was Du bist.

Dies sind die Geschichten einer Suchenden, die irgendwo im Laufe der Suche einfach verschwunden ist. Zugegeben, zuerst wollte ich nichts aus „meinem Leben“ erzählen, denn das, was ich erlebt habe, ist völlig unerheblich für das Erkennen Deiner wahren Natur. Jede Erzählung birgt in sich die Gefahr, die eigenen Erlebnisse daran zu messen, sich zu vergleichen oder Konzepte daraus zu machen. Das Betonen einer persönlichen Geschichte widerspricht all dem, worum es in diesem Buch geht. Ich bin nicht meine Geschichte, noch bist Du die Deine.

Aber sei’s drum. Wenn ich Dir etwas vermitteln kann, dann dies: Erwachen ist einfacher, als es erscheint, weil Du schon bist, was Du suchst. Befreiung ist möglich, weil Du immer frei warst. Und Erleuchtung ist vielleicht ganz anders, als Du denkst.

Dies wird allerdings nicht die schillernde Erzählung, die mancher erwarten mag. Ich habe weder berühmte Lehrer getroffen, noch zu Füßen von erleuchteten Meistern meditiert. Auch in Indien oder Tibet war ich nicht. Ich habe in keiner wilden Kommune gelebt oder mit Drogen experimentiert.

Meine Geschichte ist vermutlich wie die vieler Suchender - voller Berge und Täler, Sackgassen und Irrwege. Ich bin immer wieder gescheitert, bin Selbstzweifeln und spiritueller Verblendung erlegen. Aber genau da liegt möglicherweise der Nutzen meiner Erzählung: Dich wissen zu lassen, dass das, was Du gerade erlebst oder bereits durchlebt hast, auch anderen widerfahren ist. Das hat mich letztendlich bewogen, doch zu schreiben.

Auf mittelalterlichen Seekarten kann man lesen: „Hier wohnen Drachen”1 und kennzeichnete damit ein Land, das noch unerforscht war. Ich war unterwegs in einem solchen „Land der Drachen“, auf der Suche nach dem Ende des Leidens, ohne Landkarte und Wegbegleiter. Es war ein pfadloses Land2 und allein die Liebe zur Wahrheit war mein Kompass und ein Licht in dunklen Zeiten.

Meine Wanderschaft war gekennzeichnet von der Entschlossenheit dran zu bleiben, komme was wolle. Als Suchende war ich unbequem, hatte gefühlte tausend Fragen. Ich wollte die Dinge stets bis in die Tiefe durchdringen und habe mich nie mit oberflächlichen Antworten zufriedengegeben. Wichtiger als alles andere war mir zu erkennen, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Ich wollte verstehen, warum wir unser Leiden ständig wiederholen und wie es beendet werden kann.

Etwas trieb mich unaufhörlich weiter, während ich gleichzeitig immer wieder an unsichtbaren Grenzen scheiterte. Da ich weder Anleitung noch Lehrer hatte, habe ich so lange geforscht und die Dinge immer und immer wieder durchlebt, bis ich verstand, was ich erlebte. Doch bin ich fündig geworden. Das, was ich entdeckte, ist so einfach, dass ich es drei Jahrzehnte lang übersehen habe. Als es dann erkannt wurde, war die Suche unmittelbar beendet und die Suchende verschwunden. Meine Erkenntnisse teile ich sehr gerne mit Dir. Möge diese Geschichte inspirieren, ermutigen und vielleicht das eine oder andere wissende Schmunzeln, erleichterte Seufzen oder wilde Kopfnicken hervorrufen.

Kampf ums Leben

Meine Mutter war gerade mal 20 Jahre alt, als sie mit mir schwanger wurde. Ich war ein Wunschkind, sagt sie. Wenn man es genau nimmt, war ich eher der ersehnte Anlass, endlich meinen Vater heiraten zu können, den ihre Eltern kategorisch ablehnten. Zu unterschiedlich waren die Weltansichten der beiden Familien und es blieb eine unsichtbare Kluft, die nie überwunden wurde.

An einem frostigen Januartag rutsche meine Mutter im siebten Monat auf dem Eis aus und die Fruchtblase platzte. Plötzlich musste alles ganz schnell gehen. Es war eine Zangengeburt, die nicht nur sprichwörtlich fast ins Auge ging. Da war ich nun, ein winziges Fliegengewicht und noch nicht ganz fertig. Mitte der 60er Jahre brachte man bei weitem nicht alle Frühchen durch. Um mein Leben zu retten, kam ich in den Brutkasten der nächsten Großstadtklinik, weit weg von Zuhause.

Isolation prägte meine ersten Lebenswochen, in denen ich mich Tag für Tag ein Stückchen mehr ins Leben kämpfte. Es war ein einsamer Start, getrennt von meiner Mutter. Weite Teile meines Lebens haben sich die Gefühle von Isolation, Einsamkeit und Schutzlosigkeit immer wieder gezeigt, um gesehen und umarmt zu werden.

Als einziges Kind wuchs ich in einem Haus mit drei Familiengenerationen und einem Hund auf, den ich kurzerhand zu meinem Bruder erklärte. Wir lebten auf dem Land und ich war den ganzen Tag in der Natur. Wie selbstverständlich sah ich die unsichtbaren Naturreiche und redete mit Steinen, Pflanzen, Gnomen und Elfen und der toten Urgroßmutter. Besonders letzteres machte die Familie ziemlich nervös.

Urgroßvater und Großmutter lebten mit im Haus, so dass immer jemand da war und sich kümmerte. Auf den alten Fotos ist ein fröhliches Kind zu sehen, auch wenn ich meine Kindheit gar nicht so sonnig in Erinnerung habe. Rückblickend kann ich sagen, dass alle ihr Bestes gegeben haben, ausgehend von dem, wie sie selbst aufgewachsen waren. Sie wussten es nicht besser, wie sollten sie auch, traumatisiert durch zwei Weltkriege, entwurzelt und ihrer Heimat beraubt.

Licht und Schatten

Schon in jungen Jahren lernte ich mich anzupassen und zu funktionieren, wie es erwartet wurde. Einen eigenen Rhythmus und meine Grenzen der Belastbarkeit konnte ich dabei nicht entwickeln. Es gab einfach zu viele unausgesprochene Regeln: Wann morgens aufgestanden wurde und wie schnell etwas zu erledigen war. Pausen gab es in der Regel erst dann, wenn mein Punkt der Erschöpfung weit überschritten war. Bestraft wurde durch eisiges Schweigen. Sehr genau erinnere ich mich, Todesängste durchlebt zu haben bei dem Gedanken, meine Mutter würde sich von mir abwenden, weil ich nicht gut genug war. Ich fürchtete tatsächlich zu sterben, sollte sie mich verlassen.

Ich weiß aber auch von glücklichen Kindertagen. So zum Beispiel, wenn mein Vater die Schallplatten hervorholte, die knisternd ihre Runden auf dem Plattenspieler drehten. Dann wirbelte er mit mir zu den Klängen von Elvis Presley und Paul Anka durchs Wohnzimmer, während meine Mutter noch schnell die Möbel aus dem Weg räumte.

Der Garten war voller Obstbäume, auf denen man herrlich klettern und dabei naschen konnte. Es gab auch einen Acker an den Bahngleisen, wo meine Mutter Kartoffeln, Erdbeeren und Gemüse anbaute. Schon als ganz Kleine bekam ich mein eigenes Stückchen Erde, in der ich buddeln durfte. Im Herbst loderten dort die Kartoffelfeuer und im kleinen, halb verfallenen Schuppen paffte ich meine erste und einzige Zigarette, die ich von meiner Mutter stibitzt hatte.

Wir hielten zwei Schweine und etliche Hühner. Das Federvieh, das es wagte, nach meinen mageren Beinchen zu picken, landete kurzerhand im Kochtopf. Jeden Sommer wurde das Auto bis zum Dach vollgestopft und wir fuhren zusammen mit den Familien meiner Cousins zum Camping gen Süden. Dort wurde eine kleine Zeltstadt errichtet, im Meer geschwommen, Sonne getankt oder eine Sandburg gebaut und „das süße Leben“ genossen – Urlaub wie in den farbenfrohen deutschen Filmen der 60er Jahre. Es war herrlich.

Besonders magisch war die Zeit, die ich bei meinen Großeltern mütterlicherseits verbrachte, die in der Nähe eines großen Sees mit endlosen tiefen Wäldern lebten, die man nach Herzenslust durchstreifen konnte. Es gab einen Hasenstall, einen Garten mit Wicken, die ihren betörenden Duft verströmten und köstliche Himbeeren. Hier fühlte ich mich frei und unbeschwert, bis mein Großvater starb.

Aus dem wilden und fröhlichen Kind wurde eine ernste, zurückgezogene Altkluge. Ich saß bevorzugt allein in meinem Zimmer und las. In meinem Erinnerungsstrom an diese Zeit klaffte ein gigantisches schwarzes Loch, auf das ich keinen Zugriff hatte. Dramatisches war geschehen, das ich erst vier Jahrzehnte später erkennen und erlösen konnte. Das unbeschwerte Leben war vorüber. Ab dem Alter von 10 Jahren erlebte ich aus dem Umfeld wiederholt Übergriffe, über die ein Mantel des Schweigens gelegt wurde. Schutz, Verständnis und Unterstützung erfuhr ich keine.

Das Zuhause erlebte ich oft als starkes Spannungsfeld. Meine Eltern kamen aus Familien, die in ihrer Wesensart nicht unterschiedlicher sein konnten. Andererseits teilten sie ähnliche Schicksale. Mein Vater wurde als kleiner Junge mit seiner Mutter aus Ostpreussen vertrieben und lernte seinen Vater nie kennen, weil er im Krieg gefallen war. Meine Mutter wurde kurz vor der Flucht aus dem Sudetenland geboren und kämpfte schon in ihren ersten Tagen ums blanke Überleben. Beide hatten nie wirklich gelernt, ihre Konflikte miteinander zu lösen. So wurde ich zum Kummerkasten und Puffer für ihre enttäuschten Erwartungen, Schuldzuweisungen und gegenseitigen Verletzungen.

Je älter ich wurde, desto mehr fühlte ich mich fremd in meiner Familie, als wäre ich von einer anderen Art, käme von einem anderen Stern. Der einzige, dem ich mich tief im Herzen verwandt empfand, war mein Urgroßvater. Ein sanftmütiger Mann mit liebevollen Augen unter dicken Brauen. Als er starb, haderte ich derart mit Gott, dass meine kindliche Hingabe an das Göttliche und mein Sehen der unsichtbaren Welten abrupt endete. Wie konnte Gott nur zulassen, dass so ein gütiger Mensch wie mein Urgroßvater sterben musste? Ich war fertig mit Gott.

Religiosität gab es in meiner Familie praktisch nicht. Ich war die einzige, die freiwillig in die Kirche ging, hauptsächlich wegen der schönen Lieder. Ich las die Bibel und war als Kind von solcher Trauer und Schuld erfüllt, dass ich Jesus nicht mehr treffen konnte, da wir grausamen Menschen ihn auf dem Gewissen hatten. Ich wünschte mir so sehr, eins mit ihm zu sein, beschützt und geborgen. Diese Eindrücke prägten meine Jugend derart, dass ich seitdem unbewusst auf der Suche nach Verbundenheit, Gemeinschaft und meinen Wurzeln war. Mein Berufswunsch als Kind: Archäologin. Ich wollte unsere verborgene Herkunft ausgraben und sichtbar machen, was sonst?!

Ikarus

Meinen Mann Michael lernte ich schon mit 15 Jahren kennen. Von Anfang an verband uns das Interesse am Übersinnlichen und Mystischen. Eine tiefe geistige Verbundenheit hat uns durch die Höhen und die Krisen unserer inzwischen fast 40 gemeinsamen Jahre getragen.

Und so war es absehbar, dass wir irgendwann zusammen einen spirituellen Weg gehen würden. Also lernten wir Kriya Yoga und Meditation. Schon bald danach kamen wir zu einem spirituellen Lehrer der urchristlichen Essener-Tradition, ließen uns dort beide als geistige Heiler ausbilden und lernten viel Wertvolles.

In den ersten 13 Jahren wähnten wir uns gut aufgehoben in dieser Gemeinschaft Gleichgesinnter, umgeben von Engeln und Christus-Energie, begleitet von einem Lehrer, dem wir bedingungslos und blind vertrauten. Kaum waren die ersten Einweihungen empfangen, erstürmte mein entfesselter Geist die himmlischen Reiche in einem Tempo und mit einem Wissensdurst, der mich rückblickend mit dem Kopf schütteln lässt. Höher, weiter, intensiver, mehr davon. Von Anfang an hatte ich eine klare innere Schau, nahm Energien auf vielen Ebenen wahr. Nur das gesunde Hineinwachsen und Verkörpern kam viel zu kurz. Und die Demut.

Die Folge waren spirituelle Höhenflüge, Selbstüberschätzung und Verblendung. Mein Körper war viel zu verhärtet und ich zu sehr dem Perfektionismus verfallen, um mich wirklich zu entspannen. Man mag sich die Schmerzen kaum vorstellen, wenn hochschwingende Energien auf Körperpanzer treffen. Nach Fortbildungen lag ich oft stundenlang in der Badewanne und weinte vor Schmerzen. Das Ganze gipfelte in einer Sehnenscheidenentzündung von den Fingerspitzen bis zum Hals an beiden Armen. Lange Zeit ging fast nichts. Zeitweise musste mich mein Mann füttern und waschen. Damals durfte ich all das im Nachgang integrieren, was ich mir im Schnelldurchlauf geistig einverleibt hatte. Eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die ich nie vergessen habe.

Manipulation

Mit der Rückkehr auf dem Boden der Tatsachen und dem einhergehenden geistigen Reifeprozess, begann ich immer deutlicher zu sehen, dass die Gemeinschaft, in der wir uns so zuhause fühlten, auch ihre Schattenseiten hatte. Energetische Manipulation, emotionale Abhängigkeit, finanzieller Druck und bedingungslose Gefolgschaft wurden sichtbar. Infragestellen unerwünscht.

Wie sehr ich mich durch meinen Hunger nach Spiritualität und Gemeinschaft darin verstrickt hatte, wurde mir erst klar, als ich versuchte, mich daraus zu lösen. Todesängste, ähnlich denen, die ich in der Kindheit durchlebte, kamen hoch. Nicht enden wollende Wut, Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Scham. Wie hatte ich das zulassen und so blind sein können? Vermeintliche spirituelle Freunde aus der Gemeinschaft kehrten sich plötzlich reihenweise von uns ab. Wir fühlten uns wie Abtrünnige, die das Unaussprechliche wagten und den Lehrer infrage stellten.

Da war ich also: Ich hatte die richtigen Antworten, konnte Energien sehen, meditieren und erfüllte perfekt die Rolle einer spirituell Wissenden und energetischen Therapeutin. Ich hatte alle möglichen Vorstellungen von mir selbst als Lichtwesen, Seele, Höheres Selbst. Nur wer ich wirklich war, davon hatte ich keine Ahnung. Und dass ich keine Ahnung hatte, war mir in keiner Weise bewusst. Der spirituelle Kindergarten war plötzlich zu Ende.

Sturzflug

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