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Die stolze Braut des Highlanders

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1. KAPITEL

Rosslyn Castle, Midlothian, Ende März 1425

„Unsere Eltern zu belauschen entspricht vermutlich nicht dem damenhaften Verhalten, das Mutter dir jeden Tag predigt.“

Caitriona Sinclair warf ihrem Bruder einen finsteren Blick zu, ehe sie sich wieder der verschlossenen Tür zuwandte, hinter der ihre Eltern gerade über ihre Zukunft sprachen. Die Stimme ihres Vaters klang zu ruhig und gefasst, um viel von seinen Worten verstehen zu können. Ihre Mutter hingegen war alles andere als zurückhaltend. Ihrem Unmut war es zu verdanken, dass Caitriona immerhin einige Fetzen dieser Unterhaltung aufschnappte. Die Worte Highlands, Barbaren und Hochzeit waren jedoch nichts, was Caitriona gerne hörte.

„Das ist mein letztes Wort!“, drang nun doch die Stimme ihres Vaters an ihr Ohr. In dem Wissen, dass dies nur bedeuten konnte, dass er sich auf dem Weg zur Tür befand, zog Caitriona sich hastig zurück und zerrte ihren Bruder mit sich.

„Heiraten“, murmelte sie vor sich hin, während sie die Halle durchschritt und auf die Eingangstür zuging.

„Überrascht dich das etwa? Du hättest wissen müssen, dass es nicht mehr lange dauert. Fearchara war ein Jahr jünger als du, als sie geheiratet hat. Eigentlich haben sich Mutter und Vater sogar viel Zeit bei dir gelassen.“

Caitriona blieb auf der Außentreppe stehen und fuhr zu ihrem Bruder herum. Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und funkelte ihn an.

„Falls du versuchst, mich aufzuheitern, misslingt dir das gerade sehr, Monroe.“

Ihr Bruder grinste sie an und zuckte mit den Schultern.

„Ich sage nur, du hättest damit rechnen müssen.“

„Das habe ich auch. Nur noch nicht jetzt. Und nicht so weit weg von zu Hause.“ Mit großen Schritten überquerte Caitriona den Burghof. Dass ihre Mutter ihr diese Gangart sofort als äußerst unschicklich auslegen würde, war ihr im Augenblick egal. Sie wusste nicht, was sie von dieser neuen Entwicklung in ihrem Leben halten sollte. Und wenn sie verwirrt war, gab es nur eine Sache, die ihr half, ihre Gedanken zu ordnen. Zielstrebig ging sie zum Übungsplatz der Krieger und griff sich einen Bogen.

„Die Highlands. Glaubst du, Mutter hat Recht? Dass die Menschen dort alle Barbaren sind?“, fragte sie Monroe, während sie den Bogen spannte und mit zusammengekniffenen Augen die Zielscheibe auf der anderen Seite des Platzes anvisierte. Caitriona ließ die Sehne los und der Pfeil surrte durch die Luft, ehe er die die Mitte der Zielscheibe traf.

„Ich glaube, wenn es jemanden gibt, der sich keine Sorgen um Barbaren machen muss, dann du“, erwiderte Monroe, während Caitriona den nächsten Pfeil in die Sehne spannte.

„Wäre es dir lieber, mit einem Mann wie Sterling verheiratet zu sein?“

Caitriona erschauerte bei dem Gedanken an ihren Schwager. Nein, sie wollte wirklich nicht mit Fearchara tauschen. Iain Sterling war ein schrecklich langweiliger Mann, der kaum ein anderes Gesprächsthema kannte, als den neuesten Klatsch um die Intrigen und Ränkespiele auf Edinburgh Castle. Aber musste es deswegen gleich ein ungehobelter Highlander sein?

Der zweite Pfeil traf sein Ziel und durchbohrte die Scheibe neben seinem Vorgänger.

„Oder stell dir vor, du müsstest Davinas Platz einnehmen. Es gibt kaum eine Familie im Land, die nicht für einen ihrer Söhne um ihre Hand anhält.“

„Davina ist kaum dreizehn Jahre alt. Der König wird sie wohl kaum an den Meistbietenden verkaufen.“

„Wieso nicht? Sie ist seine Cousine, außer dieser Verbindung bringt sie den Namen Sinclair und ein beträchtliches Erbe in eine Ehe mit.“

Caitriona ließ den Bogen sinken und sah ihren Bruder lange schweigend an.

„Du denkst doch hoffentlich nicht selbst daran, um ihre Hand anzuhalten?“ Caitriona deutete mit dem Pfeil in ihrer rechten Hand auf Monroe und trat einen Schritt auf ihn zu. Ihr Bruder war nur ein Jahr älter als sie und auch wenn er sie um mehr als einen Kopf überragte, hatte sie nie gelernt, sich ihm unterzuordnen.

Ihr Bruder hatte inzwischen gelernt, damit zu leben. So hob er nun auch abwehrend die Hände und trat einen Schritt zurück, als er das gefährliche Funkeln in den Augen seiner Schwester erkannte. Wenn es in ihrer Macht gestanden hätte, Caitriona hätte wohl alle Bewerber um Davinas Hand eigenhändig bekämpft, um ihre Cousine zurück nach Rosslyn Castle zu holen. Schließlich war sie seit dem Tod ihrer Eltern hier Zuhause gewesen, ehe König James I. sie nach seiner Rückkehr aus englischer Gefangenschaft nach Edinburgh geholt hatte.

„Gott bewahre, natürlich nicht. Ich bin froh, wenn dieser Kelch noch einige Jahre an mir vorübergeht, und selbst wenn es dereinst soweit sein sollte, so hoffe ich doch, dass Vater mich nicht mit einer Kindsbraut überraschen wird. Natürlich müsste er erst einmal mich selbst nicht mehr als ein Kind sehen.“ Den letzten Satz murmelte er leise vor sich hin, doch Caitriona entging er nicht. Ebenso wenig wie das kurze Aufflackern verletzten Stolzes, das sie im Gesicht ihres Bruders bemerkte.

„Er konnte dich nicht mit Dermid nach Frankreich gehen lassen“, versuchte sie die Entscheidung ihres Vaters zu rechtfertigen. „Wie hätte es denn ausgesehen, wenn er seine zwei ältesten Söhne außer Landes schickte?“

„Er hat noch drei weitere“, widersprach Monroe und verschränkte die Arme vor der Brust. „Und er hat uns und vor allem Mutter mehrmals versichert, dass Dermids Auftrag vollkommen ungefährlich sei.“

„Wenn du ein Abenteuer suchst, wieso reist du dann nicht an meiner statt in die Highlands?“, zog Caitriona ihren Bruder auf und zielte erneut mit dem Bogen auf die Zielscheibe. „Ich bin mir sicher, dir würde es dort wesentlich besser gefallen, als es mir je könnte.“

Als auch dieser Pfeil sein Ziel fand, sah Caitriona aus den Augenwinkeln, wie Moira, die Zofe ihrer Mutter, auf sie zukam. Mit einem Seufzen stellte sie den Bogen ab und wandte sich wieder Monroe zu.

„Es scheint, als würde mir nun mein künftiges Schicksal mitgeteilt werden. Begleitest du mich? Ich fürchte, so aufgebracht wie Mutter vorhin reagiert hat, habe ich noch lange nicht alles erfahren, was ich wissen sollte.“

„Mylady, hier seid Ihr! Ich habe bereits die halbe Burg nach Euch abgesucht, ehe mir eines der Mädchen sagte, dass sie Euch hat das Haupthaus verlassen sehen. Schnell, beeilt Euch, Eure Eltern verlangen Euch zu sprechen.“ Moira war vollkommen außer Atem, als ihr Blick von Caitriona zu Monroe wanderte. „Euch beide.“

Überrascht sahen die Geschwister sich an, ehe sie Moira zurück in die große Halle folgten.

***

Hatte Caitriona noch Zweifel an dem Entschluss ihres Vaters, sie über eine bevorstehende Vermählung zu unterrichten, so schwanden diese gänzlich, als ihre Mutter beim Betreten der Halle sofort auf sie zukam. Dank der gleichen roten Haarfarbe, der braunen Augen und der ähnlichen, feinen Gesichtszüge sah Caitriona ihre eigene Zukunft deutlich vor sich, wenn sie ihre Mutter betrachtete. Im Augenblick sah sie vor allem die Sorge, die sich im Gesicht ihrer Mutter widerspiegelte. Sie ergriff ihre Hände und drückte sie fest, während sie ihr ein zaghaftes Lächeln schenkte, das ihre Augen nicht erreichen wollte.

„Ihr wolltet uns sprechen?“, fragte Caitriona und versuchte, gegen das lauter werdende Klopfen ihres Herzens anzukämpfen. Monroe hatte schließlich Recht, sie hatte seit Monaten mit diesem Tag gerechnet, gewusst, dass er irgendwann kommen musste, sobald ihr Vater einen geeigneten Kandidaten für ihre Hand gefunden hatte.

„In der Tat“, ergriff ihr Vater das Wort. „Ich stehe seit einigen Monaten bereits in Kontakt mit den MacKays in Sutherland, seit der Krönung von James, um genau zu sein.“

Sutherland. Caitriona ignorierte die Tatsache, dass ihr Vater bereits seit weitaus mehr als ein paar Monaten ihre Hochzeit plante. Sutherland. Nur noch die Inseln waren nördlicher gelegen. Das Blut rauschte in ihren Ohren, als sie daran dachte, das ganze Land zwischen sich und ihrer Familie zu wissen.

„Sutherland …“, flüsterte sie, doch ihr Vater schien nicht zu bemerken, wohin ihre Gedanken wanderten. Er sprach unbeirrt weiter, auch wenn Caitriona ihm nicht mehr zuhörte.

„Ihr reist in zwei Tagen ab.“ Seine letzten Worte vermochten es sehr wohl, wieder an ihr Ohr zu dringen. Überrascht sah sie zu ihrer Mutter, hoffte, von ihr eine Antwort auf die tausend und abertausend Fragen zu erhalten, die sie sich nicht auszusprechen wagte.

„Ich wünschte so sehr, ich könnte dich begleiten, mein Kind“, sagte ihre Mutter und strich ihr mit der Hand über die Wange. „Aber die Ärzte raten mir so kurz vor der Geburt davon ab, eine so lange Reise auf mich zu nehmen.“

„Ich … ich muss allein reisen?“, fragte Caitriona fassungslos.

Ihr Vater runzelte die Stirn und räusperte sich, ehe ihre Mutter antworten konnte. „Ich denke kaum, dass man dies so sehen kann, wenn dein Bruder dich begleitet. Sicherlich wäre es besser, könnten wir mitkommen oder die Hochzeit gar hier stattfinden lassen, aber wir haben uns für diesen Weg entschieden.“ Sein Gesicht nahm sanftere Züge an und etwas von der Härte schwand aus seiner Stimme.

„Es gibt keinen Grund, sich Sorgen zu machen, Caitriona. Ramsay MacKay wird dir ein guter Ehemann sein. Ich bin mir durchaus bewusst, wie wenig du von deinem Schwager hältst, und ich hätte nicht versucht, dich mit einem Mann seines Formats zu verheiraten. MacKay hingegen … Ja, ich bin überzeugt davon, dass diese Verbindung unter einem guten Stern stehen wird. Nun schau nicht so trübselig, mein Kind. Du solltest deinem zukünftigen Ehemann mit einem Lächeln entgegentreten. Und du“, er wandte sich an Monroe, und Caitriona spürte, wie ihr Bruder sich neben ihr ein wenig aufrechter hinstellte und die Schultern durchdrückte.

„Ich muss wohl nicht betonen, dass du deine Schwester auf der Reise nach Norden beschützen wirst. Dass du deiner Familie keine Schande machen wirst. Du bist ein Sinclair, Monroe, lass den Namen nicht in Verruf geraten.“ Mit einem letzten Nicken in ihrer beider Richtung ließ Irvine Sinclair seine Frau mit ihren Kindern allein. Caitriona starrte ihrem Vater noch immer fassungslos nach, während Monroe langsam den Atem ausstieß, wobei Caitriona sich fragte, wie lange er ihn angehalten hatte.

„Mutter, das kann nicht sein Ernst sein. Es muss doch …“

Ihre Mutter schüttelte den Kopf und unterbrach sie, bevor sie weiterreden konnte.

„Dein Vater hat sich entschieden und es gibt keine Möglichkeit, ihn umzustimmen. Wir müssen darauf vertrauen, dass er weiß, was das Beste für den Clan ist. Fearchara ist glücklich in ihrer Ehe mit Iain. Ich hoffe, du wirst ihr Schicksal teilen.“ Ihre Mutter beugte sich vor, küsste ihre Wange und drückte erneut ihre Hände.

„Nun macht nicht solche Gesichter, meine Lieben. Euer Vater hat Recht. Ihr brecht in zwei Tagen zu deiner Hochzeit auf und repräsentiert dabei unseren ganzen Clan.“

Caitriona sah ihrer Mutter an, dass ihre Worte nicht mit ihren eigenen Gefühlen entsprachen, doch sie sagte nichts. Wenn sie nur noch zwei Tage mit ihren Eltern haben sollte, wollte sie diese nicht im Streit verbringen. Die kostbare Zeit würde ohnehin zu schnell vergehen und sie alsbald auf ihrem Weg gen Norden sein.

„Sieh es doch so, mein Kind, du hast so viel Zeit bei Barabal in der Küche verbracht und von ihr die Sprache der Highlander gelernt, es wird dir zumindest nicht schwerfallen, dich dort zu verständigen.“

„Hätte ich gewusst, dass mir meine Sprachkenntnisse einen Highlander zum Mann bescheren, hätte ich mich von Barabal ferngehalten.“

Ihre Mutter warf ihr einen Blick zu, der deutlich zeigte, wie wenig sie den Worten ihrer Tochter glaubte. Caitriona unterdrückte ein Seufzen. Ihre Mutter hatte Recht. Als Kind hatte sie die fremde Sprache des Küchenmädchens fasziniert. Barabal war vor einem herrischen Vater aus den Highlands geflohen, hatte in einem Krieger der Sinclairs die Liebe ihres Lebens gefunden und war ihm nach Rosslyn Castle gefolgt. Ihre Fähigkeiten, Scots zu sprechen, waren bei ihrer Ankunft kaum vorhanden gewesen. Caitriona hatte es sich zur Aufgabe gemacht, dies zu ändern und als Gegenleistung von diesem Gälisch gelernt. Barabal war seit Jahren kein einfaches Küchenmädchen mehr, sondern hatte sich ihren Posten als Köchin der Burg redlich verdient. Und Caitriona konnte sich noch heute gewiss sein, dass Barabal ihr stets die beste Wildpastete zukommen ließ. Nein, dachte sie, sie hätte die Freundschaft Barabals nicht missen wollen.

Im Gegensatz zu Caitrionas Stimmung schien sich die ihres Bruders offensichtlich rasch zu verbessern. Die Gelegenheit, sich endlich zu beweisen und nicht länger im Schatten des älteren Bruders als unmündiger Knabe zurückzustehen, ließ ihn bereits wenige Stunden nach dem Gespräch mit ihren Eltern mit den Kriegern auf dem Übungsplatz lachen und feixen.

Caitriona beobachtete ihn vom Fenster ihres Zimmers aus und konnte nicht umhin, ihn zu beneiden. Zu gern hätte sie seinen Platz eingenommen, wenn sie dafür den ihren hätte abtreten können. Kopfschüttelnd wandte sie sich vom Fenster ab. Es half nichts. So sehr sie sich auch wünschte, dass es anders wäre, sie würde diesen Highlander heiraten müssen. Ihr blieb nur zu hoffen, dass die Angst ihrer Mutter, bei den Highlandern würde es sich grundsätzlich um wilde und ungehobelte Barbaren ohne jegliche Manieren handeln, unbegründet war.

***

Mòrag MacKay stand mit vor der Brust verschränkten Armen vor ihrem ältesten Sohn und musterte ihn eindringlich. In manchen Augenblicken fiel es ihr schwer, zu glauben, dass sie es bei ihm und seinen beiden Brüdern mit erwachsenen Männern zu tun hatte. Vielleicht war das aber auch das Los jeder Mutter, in ihren Kindern stets genau das zu sehen – Kinder.

„Das kann nicht dein Ernst sein!“, sagte sie an diesem Tag zum wiederholten Male zu Ramsay, während sie ihn dabei beobachtete, wie er ungerührt weiter seine Sachen zusammenpackte.

„Angus, geh und lass dir in der Küche einen Laib Brot, Käse und Wurst für mich einpacken. Und füll den hier mit Met.“ Ramsay reichte dem Jungen, der ihm beim Packen half, einen Trinkschlauch.

„Du kannst Diùranais Castle jetzt keinesfalls verlassen“, beharrte Mòrag und blickte zu ihrem Sohn auf, als sich Ramsay aus seiner knienden Position erhob.

„Ramsay! Die Sinclairs sind nur noch wenige Tagesritte von Diùranais Castle entfernt.“

„Ich werde rechtzeitig wieder hier sein, um meine Braut willkommen zu heißen, Mutter“, versicherte Ramsay ihr und legte die gleiche Verachtung in das Wort Braut, mit dem er es schon in den vergangenen Wochen bedacht hatte.

„Gib mir nur diese paar Tage, bevor ich mich den Ehefesseln beugen muss.“

Mòrag schnalzte missachtend mit der Zunge, während sich Ramsay durch das dichte, braune Haar strich, das er von ihr geerbt hatte.

„Rede nicht so verächtlich, Junge. Ich bin mir sicher, das Mädchen wird eine wundervolle Braut für dich sein.“

Ramsay verzog das Gesicht. Sinclairs. Lowlander, die vor ein paar hundert Jahren aus Frankreich und England gekommen waren. Wie seine Mutter auf den Gedanken kommen konnte, eine Frau dieser Familie sei eine geeignete Ehefrau für einen MacKay, würde ihm wohl für immer ein Rätsel bleiben. Die Männer des Clans schlossen bereits Wetten darauf ab, wie lange sie das Leben in den Highlands ertragen würde.

Ihr ganzer Clan würde zum Gespött der Highlands werden, davon war Ramsay überzeugt, doch seine Mutter hatte davon nichts hören wollen.

„Sicher“, erwiderte er ausweichend und ging mit seinem Packen an ihr vorbei.

„Du wirst schon sehen“, war seine Mutter überzeugt, während sie ihm die Stufen hinab folgte. Am Fuß der Treppe wartete Angus bereits darauf, seinem Clanoberhaupt die erbetenen Lebensmittel auszuhändigen.

„Das Pferd steht bereits gesattelt auf dem Hof.“

„Danke Angus. Bis in drei Tagen, Mutter.“

„Ramsay! Überleg dir das bitte noch einmal!“, rief Mòrag ihm hinterher, doch Ramsay ignorierte die Rufe seiner Mutter, was in seinem fast dreißigjährigen Leben nicht häufig passiert war. Er hatte es sich bereits gut genug überlegt. Er hatte sich mit dieser Hochzeit einverstanden erklärt, auch wenn sich alles in ihm dagegen sträubte. Doch das Wort seines Großvaters war Gesetz. Ramsay mochte der Anführer seiner Linie sein, doch Tasgall MacKay hatte als Chieftain noch immer das Sagen. Wenn Tasgall mit Ramsays Mutter darin übereinstimmte, dass es an der Zeit war zu heiraten, gab es nichts, was er noch dagegen hätte sagen können. Nun wollte er zumindest seine letzten Tage ohne eine Lowlanderbraut in der Abgeschiedenheit der Wälder genießen, die Diùranais Castle umgaben.

***

„Wie weit ist es noch?“, fragte Caitriona, als sie am Abend ihr Lager aufschlugen. Es war bereits die dritte Nacht in Folge, die sie fernab jeglicher Siedlung verbrachten. Seit zwei Wochen waren sie nun unterwegs, und Caitriona sehnte sich mittlerweile nach einem richtigen Bett, einem Tag, an dem sie nicht in der Kutsche durchgeschüttelt wurde, und sogar ein wenig nach den schützenden Mauern einer Burg. Zwar war ihre Reise ohne besorgniserregende Vorkommnisse verlaufen, aber seit sie die Dörfer, Städte und Burgen in immer größeren Abständen erreichten, war es Caitriona nicht entgangen, dass die Männer angespannt waren. Selbst Monroe schien seit einigen Tagen ständig auf der Hut. Einzig Fiona, Caitrionas Zofe, schien die zunehmende Unruhe der Soldaten entgangen zu sein.

„Wir sind mittlerweile auf MacKay-Land“, erklärte Monroe, als er sich zu Caitriona ans Feuer gesellte. „Noch zwei Tage, dann erreichen wir Diùranais Castle.“

Nur noch zwei Tage. Caitriona versuchte, sich ihre Besorgtheit nicht anmerken zu lassen. Das Land um sie herum war mit jedem Tag rauer geworden. Wilder und ungezähmter. Obgleich sie diese Eigenschaften an der Landschaft durchaus zu schätzen wusste, befürchtete sie dieselbe in den Menschen, die ihr in wenigen Tagen begegnen würden. Sie wusste nichts über den Mann, den sie heiraten sollte. Auch ihr Vater war Ramsay MacKay nie begegnet. So hatte sie nur die Einschätzung ihrer Mutter über die Highlander, um sich daran zu orientieren. Und die war alles andere als vorteilhaft, wenn ihre Mutter Recht behalten sollte.

Während sie am Feuer saßen und zu Abend aßen, versuchte Caitriona vergeblich, ihrem Bruder zu folgen, der sich darum bemühte, sie in ein Gespräch zu verwickeln. Schließlich gab er auf und riet ihr, schlafen zu gehen.

„Wir sollten morgen früh aufbrechen, um den größten Teil der verbleibenden Strecke zurücklegen zu können. Im näheren Umkreis von Diùranais Castle sollten auch wieder einen Gasthof finden, in dem wir die letzte Nacht verbringen können.“

Auch wenn Caitriona nichts dagegen hatte, die Reise noch ein wenig zu verlängern, nun, da sie so kurz vor ihrem Ziel standen, zog sie sich mit Fiona in ihr Zelt zurück.

„Nur noch zwei Tage, Mylady“, erinnerte ihre Zofe sie, während sie ihr aus dem Kleid heraushalf. Caitriona schloss für einen Moment die Augen.

„Ihr müsst sehr aufgeregt sein. Was glaubt Ihr, wie sieht Euer zukünftiger Gemahl wohl aus? Oh, ich bin so gespannt auf Eure erste Begegnung mit ihm.“

„Du solltest nicht zu viel erwarten“, warnte Caitriona sie.

„Aber wieso nicht? Wer weiß, vielleicht verliebt Ihr euch ja Hals über Kopf in ihn. Es wäre doch möglich.“

„Vielleicht finde ich ihn auch furchtbar abstoßend und die Ehe mit ihm wird eine reine Qual“, gab Caitriona leise zu bedenken.

„Oh, nicht doch“, entfuhr es Fiona. „Sagt so etwas nicht, Mylady. Ihr müsst nur selbst ganz fest daran glauben, dass alles gut wird.“

Caitriona zweifelte daran, doch wer war sie, die romantische Träumereien ihrer Zofe zu zerstören. Die Zeit würde dies sicher noch früh genug erledigen und Fiona jäh aus ihren Tagträumen reißen.

Ein wenig beneidete sie ihre Zofe sogar. Immerhin ließ Fionas Glaube an eine gute Zukunft für sie und ihre Herrin sie schnell in einen tiefen, friedlichen Schlaf fallen. Ein Umstand, der Caitriona in dieser Nacht verwehrt blieb. Obwohl sie auf der Reise nie Anlass zur Klage verspürt hatte, konnte sie heute einfach nicht einschlafen. Das Lager war unbequem, die Geräusche des Waldes, der Pferde und der Krieger, die ihr Nachtlager bewachten, zu laut. Immer wieder schreckte sie aus einem leichten Schlaf auf und brauchte anschließend lange, um wieder zur Ruhe zu kommen.

Als der Morgen graute, gab sie sich schließlich geschlagen und akzeptierte, dass sie keinen Schlaf mehr finden würde. Leise, um Fiona nicht zu wecken, zog sie ihr Kleid an und schnürte es notdürftig, so gut es ihr allein gelingen wollte. Sie schlich aus dem Zelt und entfernte sich einige Schritte davon, um einen der Männer zu fragen, ob sie in der Nähe einen Bach oder eine ähnliche Wasserquelle entdeckt hatten.

„Nicht weit von hier ist ein kleiner Waldsee“, erklärte der Krieger auf Caitrionas Frage hin, runzelte aber die Stirn, als sie sich abwandte und auf den Weg dorthin machen wollte.

„Ihr solltet dort nicht allein hingehen, Mylady. Er ist außer Hörweite des Lagers und wir wissen nicht sicher, welche Gefahren in der Gegend auf uns lauern.“

„Wir sind auf dem Land der MacKays, nicht wahr?“, erkundigte sich Caitriona, woraufhin der Mann eifrig nickte. „Wenn wir Überfälle rechnen müssten, so hätte man uns doch sicherlich darauf hingewiesen, bevor wir die Reise angetreten haben.“

„Mylady, wir sind bereits seit zwei Wochen unterwegs, in dieser Zeit kann sich viel verändert haben. Davon abgesehen würde man uns nicht vor wilden Tieren warnen. Ich muss darauf bestehen, Euch nicht ohne Begleitung gehen zu lassen. Euer Bruder …“

„Glaubt Ihr denn, meinem Bruder wäre wohler dabei, wenn er wüsste, dass mich einer seiner Männer bei meinem Morgenbad beobachtet?“

Jegliche Farbe wich aus dem Gesicht des Kriegers, ehe es sich purpurrot färbte.

„Nun … nein … ich meine … also … ich habe Befehl … Mylady, Ihr …“

Caitriona hatte beinahe Mitleid mit ihm, während er stotternd nach einer Antwort suchte.

„Nun, nachdem wir das geklärt hätten, mache ich mich nun auf den Weg zu diesem Waldsee. Wenn mein Bruder aufgewacht ist, könnt Ihr ihn ja darüber in Kenntnis setzen, wo ich bin, sollte ich noch nicht zurückgekehrt sein.“

„Aber … Mylady … allein …“

„Ja, allein“, bestätigte sie und wandte sich von ihm ab. Allein. Ein paar himmlische Augenblicke nur für sich. Wie sehr sehnte sie sich gerade danach. Und wie sehr ließ der Anblick des kleinen Sees, den sie am Ende ihres Weges erreichte, ihr Herz höher schlagen.

Der Krieger hatte nicht übertrieben. Der See lag tatsächlich außer Hörweite des Lagers. Keine Stimmen drangen an ihr Ohr, keine Pferdegeräusche. Nur ein paar Vögel zwitscherten in den Baumwipfeln über ihr. Selbst im Unterholz war alles ruhig. Nebel lag über dem Waldboden und schwebte über dem Wasser.

Wäre ihre Mutter hier gewesen, sie hätte Caitriona allein für die Idee gescholten, in diesem See zu baden. Caitriona warf einen raschen Blick über ihre Schulter. Ihre Mutter mochte weit weg in Rosslyn Castle sein, doch Fiona stimmte in vielen Dingen mit ihr überein. Ein morgendliches Bad in einem kalten Waldsee war ganz gewiss eines davon.

Als sie davon überzeugt war, allein zu sein, zog sie sich hastig das Kleid und das Unterkleid über den Kopf, stieg aus den Schuhen und blieb einen Moment lang einfach stehen. Caitriona bewegte die Zehen im kühlen Gras und spürte, wie die Halme ihre Zehen kitzelten. Der Nebel legte sich kalt und klamm um ihre Waden. Es war ein herrliches Gefühl.

Langsam ging sie die letzten Schritte zum Seeufer, ließ das Wasser ihre Füße umspielen. Eine Gänsehaut zog ihr über die Haut. Das Wasser war noch kälter, als sie erwartet hatte. Nur langsam ging sie weiter. Schritt für Schritt ließ sie sich tiefer in das kühle Nass sinken. Der See schlug mit sachten Wellen gegen ihre Beine und sie hielt einen Augenblick inne, um sich an die Kälte zu gewöhnen, ehe sie sich fortbewegte. Mit jedem Schritt ein Stück tiefer. Mit den Fingerspitzen tastete sie über die Wasseroberfläche, streifte darüber hinweg. Dann tauchten ihre Hände ein, ihre Hüften. Als das Wasser ihre Taille erreichte, wurde die Gänsehaut stärker. Noch einen Schritt, schließlich gab sie sich einen Ruck und stürzte sich kopfüber in den See. Ein glückliches Seufzen fiel ihr von den Lippen, als sie auftauchte. Das Wasser mochte kalt sein, doch jetzt, da sie ganz darin versunken war, war es ein herrliches Gefühl.

***

Als Ramsay sich früh am Morgen auf den Weg zu dem kleinen Waldsee machte, in dessen Nähe er spät in der letzten Nacht sein Lager aufgeschlagen hatte, glaubte er, seinen Augen nicht zu trauen.

Die Geschichten, denen er als kleiner Junge am winterlichen Kamin auf Diùranais Castle gelauscht hatte, kamen ihm in den Sinn. Geschichten von Waldelfen und Feen, die nackt im Kreis tanzten und unvorsichtige Wanderer anlockten, um sie für ihre restliche Lebenszeit mit an den Hof des Feenvolks zu nehmen. Oder von Wassernymphen, die einen Mann mit einem tödlichen Kuss zu sich hinab in ihr Reich zogen, das sein ewiges Grab bedeutete.

Vor ihm, am Rand des Sees stand ein solches Feenwesen. Nackt im spärlichen Morgenlicht, das durch die Blätter fiel. Zumindest schien es so, denn der Nebel breitete sich wie ein Schleier um ihre Beine aus, als sie den ersten Schritt ins Wasser tat.

Ihre Haut war so hell, als habe sie nie das Tageslicht gesehen, ihr Haar hingegen so rot wie die Sonne, wenn sie im Meer versinkt, und ihr Körper würde jeden Mann verlocken, ihr blind in den Tod zu folgen.

Im nächsten Moment schallt Ramsay sich einen Narren. Feen, Elfen, Nymphen. Nichts davon gab es wirklich. Was er vor sich sah, war eine Frau aus Fleisch und Blut, die so einfältig war, sich in das eiskalte Wasser des Sees zu begeben. Sie würde sich den Tod holen. Vielleicht war dies sogar der Grund für diese närrische Tat, schoss es Ramsay durch den Kopf.

Er unterdrückte ein Fluchen und rannte auf den See zu, als er sah, dass sie sich kopfüber ins Wasser stürzte. Er löste den Gürtel und die Fibel, die seinen Belted Plaid hielten und ließ ihn ins Gras fallen, ehe er nur noch mit seinem Leinenhemd bekleidet in den See rannte. Die Fremde war inzwischen wieder aufgetaucht, doch Ramsay konnte nur ihren Kopf sehen und wusste nicht, ob ihr Gesicht noch unter Wasser war. Ohne zu zögern griff er nach ihr und schlang die Arme um ihre Mitte. Sobald sie ihn bemerkte, begann sie zu schreien, schlug um sich und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien. Scheinbar suchte sie tatsächlich den Tod in diesem See. Doch er wollte verdammt sein, wenn er diese Tat zulassen würde.

Ramsay hielt sie fest und trug sie aus dem See hinaus ans Ufer, wo er sie auf dem Boden absetzte und ihr den Weg zum See verstellte – bereit, sie abzufangen, sollte sie ihren närrischen Plan erneut in die Tat umsetzen wollen.

Die Fremde wirbelte zu ihm herum. „Was erlaubt Ihr Euch?“, fuhr sie ihn an. Ihre braunen Augen funkelten.

Sie spricht kein Gälisch, dachte Ramsay und wunderte sich über sich selbst. Da stand diese Frau vor ihm – nackt, durchnässt und wütend – und das erste, was ihm auffiel, war, dass sie die Sprache der Highlands nicht sprach.

Vor ihm stand eine Lowlanderin. Und dafür gab es nur eine einzige Erklärung: Er stand seiner künftigen Braut gegenüber. Langsam ließ er seinen Blick über ihren Körper wandern. Vielleicht hatte er sich doch zu lange gegen eine Ehe gewährt.

2. KAPITEL

„Ich erlaube mir, Euch das Leben zu retten“, antwortete der Fremde, während er sie eindringlich musterte.

Plötzlich fiel Caitriona ein, dass sie gänzlich nackt vor ihm stand. Mit Mühe unterdrückte sie einen Aufschrei und spürte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss. Schützend schob sie die Arme vor ihren Körper und sah sich nach ihrer Kleidung um. Sie lag nur zwei Schritte von ihr entfernt, doch in diesem Augenblick schienen sie unendlich weit weg zu sein.

„Das Einzige, vor dem ich gerettet werden muss, seid Ihr“, erwiderte Caitriona und reckte das Kinn in die Höhe. Sie würde keine Angst vor diesem Wilden zeigen. Sie trat einen Schritt zurück. Einen Schritt näher zu ihren Kleidern. Der Mann schnaubte und wandte sich von ihr ab. Caitriona nutzte diese Gelegenheit, um den letzten Schritt zurückzulegen und sich hastig ihr Unterkleid über den Kopf zu ziehen. Nachdem sie auch ihr Übergewand verschnürt hatte und gerade in ihre Schuhe schlüpfte, stand der Fremde erneut vor ihr, eine dunkle Wolldecke in der Hand, die er ihr entgegenhielt.

„Eines möchte ich nur gern wissen: Seid Ihr nur eine Närrin oder sehnt Ihr Euch wirklich nach dem Tod?“

Caitriona sah ihn entrüstet an. Was glaubte dieser Wilde, wer er war, dass er so mit ihr sprechen konnte? Ihre Mutter hatte offensichtlich Recht gehabt, in den Highlands lebten Barbaren. Keine Manieren, kein Anstand und keine Beinkleider. Letzteres fiel ihr erst jetzt auf. Ihr Gegenüber trug nichts außer einem Hemd, das ihm bis zu den Oberschenkeln reichte. Was hatte sich ihr Vater nur dabei gedacht, sie an einen solch gottlosen Ort zu schicken?

„Ich bin weder das eine, noch das andere“, erwiderte Caitriona und ignorierte den angebotenen Umhang. Es war ohnehin höchste Zeit für sie, ins Lager zurückzukehren. Dorthin, wo anständige Menschen waren. Sie hoffte nur, Monroe war noch nicht aufgewacht, damit sie diese Begegnung für sich behalten können. Gott behüte, dass ihr Bruder durch einen solchen Vorfall auf den Gedanken kam, sie könne nicht allein auf sich achten.

Der Fremde schnaubte verächtlich in Erwiderung ihrer Worte, und eine zügige Rückkehr ins Lager war für Caitriona vergessen. Sie stemmte die Hände in die Hüften und baute sich so gut sie konnte vor ihm auf. Dass er sie um mehr als einen Kopf überragte, störte sie dabei nicht. Monroe und Dermid waren nur wenig kleiner als er.

„Was glaubt Ihr eigentlich, wer Ihr seid?“, fuhr sie ihn an.

Bevor der Highlander antworten konnte, drang Monroes Stimme an ihr Ohr, der ihren Namen rief.

Caitriona presste die Lippen zusammen. Sie hätte doch sofort zurückgehen sollen, statt sich auf ein Wortgefecht mit diesem Wilden einzulassen, schallt sie sich, als sie ihren Bruder erneut nach ihr rufen hörte. Ein rascher Blick über ihre Schultern sagte ihr, dass Monroe sie soeben gefunden hatte. Mit schnellen Schritten kam er auf sie zu, eine Hand auf seinem Schwertgriff.

„Cait?“, wandte er sich fragend an sie, während er sich schützend vor sie stellte und den Highlander mit einem finsteren Blick bedachte.

Zuhause auf Rosslyn Castle hätte Caitriona dagegen protestiert, dass Monroe sich als ihr Beschützer aufspielte. Hier in der Wildnis des Nordens erschien es ihr jedoch sicherer, ihn gewähren zu lassen.

„Ich war früh auf und wollte die Gelegenheit nutzen, mich in Ruhe zu waschen, als dieser … Kerl auftauchte.“ Sie deutete unwirsch auf den Fremden.

Monroe warf ihr einen raschen Blick zu. „Deine Haare sind nass“, stellte er anklagend fest.

„Das kommt vor, wenn man versucht, sich zu ertränken“, warf der Fremde ein.

„Ich habe nicht versucht, mir das Leben zu nehmen“, entgegnete Caitriona aufgebracht. „Ich wollte lediglich im See baden“, fügte sie als Erklärung für ihren Bruder hinzu. Sie sah, wie Monroe die Hand um seinen Schwertgriff versteifte und die Klinge ein wenig hervorzog.

„Du warst im See?“

Caitriona verzog das Gesicht über den Vorwurf, der in der Frage ihres Bruders mitschwang.

„Das heißt er …“

„Hat sie aus dem Wasser geholt, bevor sie eine größere Dummheit begehen kann“, fiel ihm der Fremde ins Wort. Die Miene ihres Bruders verfinsterte sich. „Das Wasser des Sees ist eiskalt. Und wenn sie noch länger mit nassen Haaren hier herumsteht, hätte ich sie genauso ertrinken lassen können.“

„Was erlaubt Ihr Euch?“, erwiderte Monroe und wiederholte unwissentlich die Worte seiner Schwester. „Was glaubt Ihr, wer Ihr seid?“

Ein grimmiges Lächeln legte sich auf das Gesicht des Fremden, als sein Blick von Monroe zu Caitriona glitt.

„Ramsay MacKay.“

Diese zwei Worte genügten, um Caitriona beinahe schwarz vor Augen werden zu lassen. Sprachlos starrte sie den Mann an. Monroe fing sich schneller als sie. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie er sein Schwert wieder gänzlich in der Scheide verschwinden ließ und die Hand, die er eben noch um dessen Griff geklammert hatte, dem Fremden entgegenstreckte.

„Ich bin Monroe Sinclair“, stellte er sich vor und trat einen Schritt zur Seite. Gerade jetzt, wo es Caitriona lieb gewesen wäre, er hätte sich wieder schützend vor sie gestellt, ließ er sie derart sträflich im Stich. „Meine Schwester, Caitriona“, sagte er und rückte einen Schritt zur Seite. Ein Schauer lief Caitriona über den Rücken, während sie zitternd zu Boden blickte.

„Eure Schwester scheint zu frieren. Ich will nicht derjenige sein, der Euren Eltern mitteilt, dass sie nicht einmal die Reise nach Diùranais Castle überlebt hat.“

Caitriona sah, wie Monroe sich bei diesen Worten anspannte und sich zu ihr umwandte.

„Er hat Recht. Du solltest sofort zurück ins Lager.“

Caitriona traute ihren Ohren kaum. Sie öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, doch Monroes Blick hielt sie für einen Moment davon ab. Im nächsten Augenblick war er neben ihr, ergriff ihren Arm und lenkte sie in Richtung des Lagers.

„Wo habt ihr Euch niedergelassen?“, fragte der Highlander ihren Bruder, ehe dieser ihm ebenfalls den Rücken zuwenden konnte. Monroe erklärte ihm, wo sie ihr Lager aufgeschlagen hatten.

„Ich hole mein Pferd und mein Gepäck und treffe Euch gleich dort“, erwiderte Ramsay MacKay und kam ein letztes Mal auf sie zu.

„Bevor Eure törichte Schwester erfriert“, wandte er sich an Monroe und reichte ihm den Umhang, den Caitriona bereits verweigert hatte. Monroe nahm ihn mit einem Nicken entgegen und schlang ihn um ihre Schultern. Als der Highlander sich umdrehte und in die entgegengesetzte Richtung davonging, wollte sie sich den Umhang von den Schultern ziehen, doch Monroe hielt sie davon ab.

„Lass ihn an“, sagte er düster und schob sie vor sich her in Richtung des Lagerplatzes.

„Was soll das?“, fragte Caitriona schließlich, als sie ihre Stimme endlich wiedergefunden hatte.

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