Logo weiterlesen.de
Ein Herzensbrecher zum Verlieben

Robyn Grady

Ein Herzensbrecher zum Verlieben

1. KAPITEL

Das laute Splittern von Glas ließ Eden Foley heftig zusammenzucken. Vielleicht war es der Fluchtinstinkt, der sie dazu veranlasste aufzuspringen, während der Swarovski-Kristallleuchter über ihr heftig klirrte.

Großer Gott! Hatte etwa jemand eine Bombe auf die Innenstadt von Sydney geworfen?

Mit wild pochendem Herzen spähte Eden durch die massive Glastür des Restaurants. Draußen auf dem Bürgersteig stand eine Frau, die einen schweren Baseballschläger umklammert hielt. Vor ihr parkte ein Luxus-Sportwagen, dessen Frontscheibe völlig zertrümmert war. Im nächsten Moment holte die Frau erneut aus, um mit dem Schläger auf die glänzende schwarze Motorhaube zu zielen.

Ihr Outfit – ein Nachthemd? – umwehte ihren zarten Körper, während sie all ihre Kraft in den nächsten Schlag legte. Als Boutique-Besitzerin musste Eden zugestehen, dass das Retro-Blumenmuster des Kleidchens in dieser Saison sehr im Trend lag. Obszöne Flüche und knirschende Zähne allerdings nicht.

In dem Augenblick, als die Unbekannte den Baseballschläger auf die Motorhaube krachen ließ, umrundete ein großer, muskulöser Mann den Wagen. Mühelos entwand er ihr den Schläger, und keine zwei Sekunden später kam ein Polizeiauto mit quietschenden Bremsen und lauter Sirene neben dem Paar auf dem Bürgersteig zum Stehen. Zwei Polizeibeamte beugten sich zu der verzweifelten Frau im Blümchenkleid hinunter, die mittlerweile zu einem Häufchen Elend auf dem Boden zusammengesunken war.

Erleichtert sank Eden wieder auf ihren Stuhl.

Sie kannte den verteufelt attraktiven Besitzer des Wagens. Er war ihr Lunch-Date. Vor einer halben Ewigkeit hatte er ihr völlig den Kopf verdreht, und vier atemberaubende Monate lang war sie in seinen Armen dem Glück ein Stück näher gekommen.

Auch wenn ihre Affäre unschön zu Ende gegangen war, würde sie niemals bestreiten, dass sie etwas Besonderes geteilt hatten – eine Verbindung, von der eine junge Frau wie sie geglaubt hatte, dass sie ewig halten würde. Erst vor sechs Wochen war Edens Schwester in eine ähnliche Falle getappt. Sabrina ging seitdem mit Devlins jüngerem Bruder aus, dem notorischen Playboy Nathan Stone.

Genauso wie Devlin ihr, Eden, den Laufpass gegeben hatte, als er das Interesse an ihr verlor, so würde Nathan die arme Sabrina abservieren, wenn er genug von ihr hatte. Doch das wollte und konnte Eden nie und nimmer zulassen. Nein, sie würde nicht tatenlos zusehen, wie ihrer kleinen Schwester das Herz gebrochen wurde!

Die einzig praktikable Lösung lag darin, an Devlins Mitgefühl zu appellieren und ihn zu bitten, mit Nathan zu reden, so wie es nur ein großer Bruder tun konnte. Irgendjemand musste Nathan dazu bringen, Sabrina in Ruhe zu lassen – und zwar jetzt, ehe ihre Gefühle noch intensiver wurden und der Absturz somit umso schmerzhafter. Nach allem, was Eden wegen Devlin durchgemacht hatte, war er ihr das wirklich schuldig.

Nicht dass ihr Devlin Stone heute noch irgendetwas bedeutete.

Von ihrem Platz aus warf sie einen verstohlenen Blick über die ledergebundene Speisekarte hinaus, um die Ereignisse auf dem Bürgersteig im Auge zu behalten. Devlin hatte die Hände in die Seiten gestützt und sprach mit den beiden Polizisten. Manchmal wirkte sein Gesichtsausdruck düster, manchmal lachte er, als plaudere er mit zwei alten Freunden.

Himmel, wenn Devlin es darauf anlegte, konnte er mit seinem Charme selbst eine Nonne becircen.

Zwanzig Minuten und zwei Mineralwasser später fuhr der Polizeiwagen schließlich davon, und ihr attraktiver Ex betrat das Restaurant.

Jeder andere hätte in dieser Situation ein wenig konsterniert gewirkt, doch Devlin war die Lässigkeit in Person. Er stoppte kurz am Empfang, richtete seine goldenen Manschettenknöpfe und warf einen suchenden Blick durch den Raum. Sein rabenschwarzes Haar war elegant geschnitten, und seine umwerfenden Augen strahlten immer noch so unglaublich blau, wie Eden es in Erinnerung hatte. Mein Gott, wie sehr sie jedes Mal dahingeschmolzen war, wenn er sie mit diesen Augen angelächelt hatte – sie hatte sich so lebendig und begehrenswert gefühlt.

Und als sie sich trennten …

Rasch griff sie nach ihrem Glas.

Nun, als sie sich trennten, hatte sie die Scherben aufgesammelt und keinen einzigen Blick zurückgeworfen.

Nachdem der Oberkellner mit dem Kopf in ihre Richtung gedeutet hatte, bahnte sich Devlin seinen Weg durch die Tische hindurch. Die angrenzenden Wände schienen zu schrumpfen, bis er direkt vor ihr stand – ein menschlicher Turm, in mehr als einer Hinsicht.

Devlin Stone war gefährlich.

Zur Hölle, das machte ja einen Großteil seiner Attraktivität aus.

„Eden. Schön, dich zu sehen.“

Als sie seine tiefe, männliche Stimme vernahm, stockte ihr förmlich der Atem. Auch wenn ihr Herz wie verrückt pochte, gelang ihr ein souveränes Lächeln.

„Hallo, Devlin.“

„Tut mir leid, dass ich dich warten lassen musste.“ Er zog einen Stuhl heran. „Ich wurde aufgehalten.“

„Aufgehalten“ stimmte. Es schien so, als würden die Frauen immer noch den Kopf verlieren, wenn es um Devlin Stone ging – und zwar buchstäblich. Ein Teil von ihr wünschte sich, die Einzelheiten zu erfahren – immerhin war Neugier eine allzu menschliche Regung. Doch Eden entschied sich für die sicherere Alternative: kühle Höflichkeit.

„Ja, das sah nach einer unangenehmen Situation aus. Es überrascht mich, dass die Presse nicht gleich vor Ort war.“

Mit verächtlich gekräuselten Lippen glitt Devlin aus seinem Jackett.

So, so. Offensichtlich hasste er die Paparazzi noch immer. Schon seltsam in Anbetracht der Tatsache, dass sein Bruder deren Aufmerksamkeit zu lieben schien.

„Falls du unser Treffen lieber auf einen anderen Zeitpunkt verschieben möchtest“, hob sie an. „Vielleicht morgen …“

„Ganz ehrlich? Nach dieser Episode freue ich mich darauf, in angenehmer Gesellschaft ein wenig entspannen zu können.“ Er grinste träge, und sein Blick verdunkelte sich. „Ich bin froh, dass du angerufen hast.“

Ihre Augen weiteten sich, und sie bekam ein ganz flaues Gefühl im Magen.

Hatte er bei ihrem gestrigen Gespräch nicht richtig zugehört? Bei diesem Treffen ging es nicht um sie. Sie waren längst Geschichte. Kein „um der alten Zeiten willen“. Da konnte er so viel Charme aufwenden, wie er wollte, sie war kein naives junges Ding mehr. Nein, sie würde ganz bestimmt nicht mit ihm flirten.

Devlin hängte sein Jackett über die Stuhllehne, stützte die Ellbogen auf den Tisch und beugte sich ein Stückchen vor. „Ich gehöre ganz dir.“

Dazu ein schiefes Grinsen.

Als ob.

„Ich weiß zu schätzen, dass du mir deine Zeit schenkst, Devlin. Ich hatte gehofft, wir könnten über die Situation unserer Geschwister reden.“

„Du meinst die Tatsache, dass sie miteinander ausgehen?“ Äußerst verführerische Grübchen bildeten sich auf beiden Seiten seines Mundes. „Hast du sie zusammen gesehen?“

„Nathan hat Sabrina ein paarmal in der Lobby unseres Apartmentgebäudes abgeholt, aber … nein, sie hat ihn nicht mit hinaufgebracht, um ihn mir vorzustellen.“

Zweifellos hatte Sabrina Angst vor der Reaktion ihrer großen Schwester. Schließlich wusste sie von deren unglückseliger Affäre mit Devlin. Oft genug hatte sie sich Edens Lektionen angehört, dass sie die Finger lassen solle von herzlosen Mistkerlen, die eine Frau sofort fallen ließen, sobald das Interesse verraucht war. Die Stone-Brüder waren da ein klassisches Beispiel.

Ganz so als erinnere er sich gerade an etwas, das sowohl Wehmut wie auch Belustigung auslöste, lachte Devlin leise und lehnte sich zurück. „So wie ich das sehe, sind die beiden hoffnungslos verliebt. Ich habe Nate noch nie so erlebt.“

„Sie treffen sich erst seit sechs Wochen“, protestierte Eden.

„Kann schon sein“, stimmte er zu. „Wie lange waren wir zusammen? Vierzehn, fünfzehn Wochen?“

Ein heißer Schauer durchlief sie. Sechzehn Wochen, zwei Tage, elf Stunden, falls er es genau wissen wollte. Lang genug, dass Devlin sich wieder „entlieben“ konnte.

Sie faltete die Hände auf dem Tisch zusammen, wobei ihre Knöchel weiß hervortraten. „Können wir bitte bei der Sache bleiben? Wir reden von meiner Schwester – ein leicht zu beeindruckendes Mädchen in ihrem letzten, wichtigen Jahr an der Uni, und sie verbringt Zeit mit einem Mann, der dafür bekannt ist, dass er Rave-Partys auf Mykonos feiert.“

„Eine Rave-Party.“ In seiner Stimme lag ein tadelnder Unterton. „Und das ist bereits ein Jahr her.“

„Und zwölf Monate sind ja auch so eine lange Zeit.“

„Menschen reifen.“

„Nicht jeder.“ Als er die Stirn runzelte, atmete sie heftig aus. „Ich bin nicht hergekommen, um dich zu beleidigen, Devlin.“

„Natürlich nicht.“ Er grinste frech. „Ich hatte gehofft, du wolltest mir sagen, dass du mich vermisst hast.“

Ihr Herz setzte einen Schlag aus, und sie musste ein bitteres Lachen unterdrücken. Er war einfach unverbesserlich. So was von eingebildet. Und so verdammt unwiderstehlich …

Rasch verschränkte sie die Arme vor der Brust und betrachtete ihn aus schmalen Augen. „Du bist wirklich ein arroganter Mist…“

„Und du bist genauso umwerfend, wie ich dich in Erinnerung hatte.“

Sein Blick streichelte ihr Gesicht, so intim und erregend wie die Berührung eines Geliebten. Hastig setzte sie sich weiter zurück und schlug die Beine übereinander. „Wirst du mir jetzt helfen oder nicht?“

Devlin rollte die Schultern. „Ich bin mir nicht sicher, ob ich weiß, was du willst.“

Schön. Dann würde sie es eben klar aussprechen. „Ich will, dass du mit deinem Bruder redest. Sag ihm, dass er Sabrina in Ruhe lassen soll. Sie ist so verletzlich, Devlin. Ich will nicht, dass er ihr wehtut.“ Das Paar am Nachbartisch warf einen neugierigen Blick zu ihnen herüber, sodass Eden sich nach vorn beugte und die Stimme senkte. „Wenn das noch länger so weitergeht, dann wird sie am Boden zerstört sein, wenn Nathan die Affäre schließlich beendet.“

„Wer sagt denn, dass er die Affäre beendet?“

Eden setzte sich völlig perplex wieder zurück. „Was ist mit den unzähligen Frauen, die er in der Vergangenheit geliebt und dann verlassen hat?“

Devlin starrte sie einen Moment lang an, während ein Muskel in seiner Wange zu ticken begann. „Also gut, Nate hatte bereits ein paar Freundinnen …“

„Mehr als ein paar“, murmelte sie.

„… aber du vergisst etwas. Mein Bruder ist erwachsen. Und deine Schwester ist, soweit ich weiß, auch schon über einundzwanzig.“

„Gerade so.“

„Es steht uns nicht zu, uns in ihre Angelegenheiten einzumischen.“

„Das kannst du leicht sagen. Es ist ja auch nicht dein eigen Fleisch und Blut, das sich monatelang jede Nacht in den Schlaf weinen wird …“

Als es in seinen Augen interessiert aufflackerte, wurde sie rot und presste die Lippen zusammen. Damit verriet sie viel zu viel.

Schnell konzentrierte sie sich wieder auf ihr eigentliches Ziel – ihre Schwester davor zu bewahren, denselben Schmerz zu erfahren, den sie durch einen Stone-Bruder erlitten hatte – und versuchte es noch mal. „Ich bitte dich um deine Hilfe.“

Seine Pupillen vergrößerten sich, bis sie das strahlende Blau komplett verdrängt hatten. „Die beiden sind nicht unsere Kinder, Eden. Es geht uns nichts an. Das ist allein ihre Sache.“

Als sie seinen entschlossenen Gesichtsausdruck sah, schwand ihre Hoffnung.

Das war’s also. Sie hätte wissen müssen, dass es verlorene Liebesmüh war. Devlin Stone interessierten nur zwei Dinge im Leben: sein nächstes Abenteuer und seine nächste Affäre – in dieser Reihenfolge – was keinerlei Spielraum für Mitgefühl ließ.

Wahrscheinlich hatte er seinem kleinen Bruder oft genug Tipps gegeben, wie man einer Frau am geschicktesten den Laufpass gab. Wie dumm von ihr, dieses Gespräch mit ihm auch nur zu versuchen!

„Es tut mir leid, dass ich deine Zeit vergeudet habe.“ Mit wackeligen Beinen stand sie auf und griff ruhig nach ihrer Handtasche. „Aber du kannst mir glauben, dass ich Sabrina noch mehr bedaure.“

Devlin dachte kurz daran, Eden am Arm zu packen und sie zurück auf ihren Platz zu drücken, doch er verwarf den Gedanken gleich wieder. Sie hatte schließlich ihn treffen wollen. Er war hier, um zu reden. Trotzdem musste er nach kaum zehn Minuten ihrer Begegnung beobachten, wie die nervtötendste Frau, die er je gekannt hatte, ihn verließ.

Schon wieder!

Eden verlangte tatsächlich, dass er sich direkt in die Angelegenheiten seines Bruders einmischte. Dass er Nate sagte, mit wem er ausgehen solle und mit wem nicht. Sie vergaß dabei völlig, dass Nate und Sabrina erwachsen waren – alt genug, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, egal ob ihr das nun behagte oder nicht. Sie mochte ja zierlich wirken, aber Eden Foley besaß den Kampfgeist einer Amazone.

Und sie hatte die Dinge gern unter Kontrolle.

Unwillkürlich dachte er an ihre straff gespannten Schultern, den trotzigen Blick ihrer jadegrünen Augen …

Sein Magen zog sich zusammen, während sein Blick wie von selbst zu den großen Fensterscheiben des Restaurants hinüberwanderte – genau in dem Moment, als Eden draußen auftauchte. In dem schwarz-cremefarbenen Kleid sah sie wahnsinnig verführerisch aus. Sie hob einen Arm, um sich ein Taxi heranzuwinken. Der erste gelbe Wagen brauste zwar an ihr vorbei, doch das nächste Taxi würde sicher anhalten. In wenigen Minuten wäre sie aus seinem Leben verschwunden.

Wieder einmal.

Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar, schob den Stuhl zurück, stand auf und ging auf den Ausgang zu.

Verdammt, was hatte diese Frau nur an sich? Die umwerfende Figur? Der scharfe Verstand? Das schimmernde honigblonde Haar?

Ja, ja und ja.

Doch da war noch mehr. Etwas nagte an ihm, wann immer er mitten in der Nacht aufwachte.

Das fortdauernde Bedürfnis, sie zu zähmen?

Nein, Unterwerfung war niemals sein Ziel gewesen. Er hatte nie das Verlangen verspürt, eine Frau zu zähmen – nur sie zu genießen. Sie zu verwöhnen. In seiner Jugend hatte er den Eindruck gehabt, die Welt stecke voller aufregender Möglichkeiten. Dann nahm seine Ölfirma einen kometenhaften Aufstieg, und er traf Eden – eine Frau, die den verführerischen Widerspruch aus natürlicher Unschuld und sinnlicher Versuchung in sich vereinte – eine Mischung, die regelrecht süchtig machte.

Als seine Sekretärin ihm am Vortag mitgeteilt hatte, dass Eden Foley am Apparat sei, da war seine Hand ganz feucht gewesen, als er nach dem Hörer griff. Edens Einladung zum Lunch hatte er sofort angenommen und dann eine unruhige Nacht verbracht, in der er sich ihre bevorstehende Begegnung lebhaft ausmalte. Als er vorhin aus dem Taxi gestiegen war, Gott steh ihm bei, da hatte er seine Bürgerpflicht ignorieren und an der Verrückten vorbeigehen wollen, die das Auto irgendeines armen Kerls zertrümmerte. Das Auto ihres Ehemannes, wie einer der Polizisten ihm verraten hatte.

Als er nun nach draußen trat, atmete Devlin tief die frische Luft ein, während sich über ihm ein Donnergrollen bemerkbar machte.

Er entdeckte Eden etwa zehn Meter von sich entfernt. Sie stand auf den Zehenspitzen und winkte einem weiteren Taxi zu. Unschlüssig rieb er sich das Kinn.

Es war an der Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Die Erinnerung an diese Frau verfolgte ihn noch immer, was so nicht länger hinnehmbar war. Also ging er auf sie zu, stoppte direkt hinter ihr und beobachtete den Verkehr. Die Hände hatte er in den Hosentaschen vergraben, während ein kühler Wind durch sein Haar fuhr. „Es ist ganz schön viel los für einen Samstag.“

Als sie seine Stimme hörte, versteifte sie sich, doch sie drehte sich nicht zu ihm um. „Es ist weniger los als vorhin. Wie ich sehe, hat man deinen Wagen abgeschleppt.“

Devlin runzelte verwirrt die Stirn. „Du meinst den zertrümmerten BMW?“ Er schüttelte den Kopf. „Schöner Wagen, aber nicht meiner.“

Müde seufzend erwiderte sie: „Devlin, ich habe gesehen, wie die Frau auf die Motorhaube eingeschlagen hat, wie du um den Kofferraum herum kamst und ihr den Baseballschläger aus der Hand genommen hast. Natürlich war es dein Wagen.“

Tatsächlich könnte es so gewirkt haben. „Ich war zufälligerweise zur falschen Zeit am richtigen Ort. Auf dem Bürgersteig befanden sich Kinder. Jemand musste die Frau stoppen. Ich wünschte nur, ich hätte gewusst, dass bereits ein Polizeiwagen unterwegs war, es hätte mir eine Menge Ärger erspart.“

Plötzlich verwandelte sich ihr Gesichtsausdruck von verärgertem Desinteresse in langsames Verstehen. „D…du kanntest sie nicht?“

„Glaubst du, ich habe eine verrückte Cousine in der Familie?“

„Keine Cousine …“

Da fiel der Groschen auch bei ihm. „Oh, Eden, nein. Du hast wirklich geglaubt, diese Frau und ich wären ein Paar?“

„Es schien alles zusammenzupassen.“ Die Verwirrung verschwand aus ihren Augen. „Aber wahrscheinlich hätte mir die tatsächliche Erklärung klar sein müssen.“

Während ihre Worte sich im Wind verloren, klatschte ein großer kalter Tropfen auf Devlins Nase, und der Geruch von Regen, der auf heißen Zement traf, erfüllte die Luft. Kritisch schaute er zum grau bewölkten Himmel hinauf. Eine Sekunde später öffneten sich die Schleusen mit aller Macht.

Eden kreischte entsetzt auf und zuckte zusammen, als peitschender Regen auf sie herabprasselte. Devlin zog sie rasch an sich, hielt zum Schutz sein Jackett über ihre Köpfe und stürmte in eine schmale Nische in der Fassade des Gebäudes. Sie bot gerade genug Platz für zwei Personen.

Als er das Jackett ausschüttelte, jammerte sie bekümmert: „Ich bin völlig durchnässt!“

„Es ist nicht tödlich. Du trocknest wieder.“

„Erst wenn dieses Kleid in den Mülleimer wandert. Es besteht aus einem feinen neuen Wollgemisch, das nur chemisch gereinigt werden darf. Montagmorgen sollte es eigentlich in meinem Schaufenster hängen. Hunderte von Dollars einfach dahin.“

Er wusste, dass sie eine Boutique im Zentrum besaß. Dennoch, was er an Damengesprächen bei Galaveranstaltungen aufgeschnappt hatte, so verfügte „Temptations“ über einen ausgezeichneten Ruf, wenn es um exklusive Abendgarderobe ging.

Eden zitterte neben ihm so stark, dass er automatisch einen Arm ausstreckte, um sie zu wärmen. „Dir ist kalt.“

Sofort zuckte sie zurück. „Ich zittere, wenn ich wütend bin.“

Nur mit Mühe verbarg er ein Grinsen. Er erinnerte sich. Sie zitterte auch bei anderen Gelegenheiten.

„Es könnte schlimmer sein.“

Ihre einzige Reaktion auf diese Aussage bestand darin, dass sie sich noch enger an die Wand drückte, die Arme um den Oberkörper schlang und die Lippen zusammenpresste.

Devlin lachte. „Oh, komm schon. Seit wann bist du ein solcher Miesepeter?“

„Seit dein Bruder angefangen hat, mit meiner Schwester auszugehen. Und bevor du jetzt von Neuem loslegst – du hast deinen Standpunkt in dieser Hinsicht sehr deutlich gemacht. Ich möchte es nicht noch einmal durchgehen.“

Sie hatte recht. Es war sinnlos, das Ganze noch einmal zu diskutieren. Nate konnte seine Angelegenheiten selber regeln. Allerdings schien jetzt, wo sie durch den Wolkenbruch so dicht beieinander standen, die optimale Gelegenheit, jenen anderen längst überfälligen Punkt anzusprechen.

„Eden, warum hast du meine Anrufe nicht erwidert?“

„Du hast gestern zurückgerufen?“

Als er den Kopf drehte, begegnete er ihrem betont unschuldigen Blick. „Ich meinte vor drei Jahren.“

Ihre grünen Augen wirkten plötzlich sehr kühl. Langsam schüttelte sie den Kopf. „Es sollte mich nicht überraschen …“

„Das ist keine Antwort“, entgegnete er und hob eine Augenbraue.

„Also gut, hier kommt der Rest. Es sollte mich nicht überraschen, dass du keine Verantwortung übernehmen willst.“

Ihr Ton sollte schneidend sein. Stattdessen sorgte ihr Zorn dafür, dass sein Blut zu rauschen begann. Himmel, sie war wirklich süß, wenn sie sich aufregte. Allerdings hatte er nicht den blassesten Schimmer, wovon sie redete.

„Das heißt also, dass ich unverantwortlich bin?“

„Ich weiß, dass es ein Schock für dich sein wird“, versetzte sie zuckersüß, „aber nicht alle Frauen sind bereit, auf den letzten Schlussakkord zu warten.“

Er stieß sich von der Wand ab.

Okay. Jetzt hatte er eine vage Ahnung. Sorgfältig betonte er jedes einzelne Wort, damit kein Missverständnis aufkommen konnte. „Du willst damit sagen, dass du mit mir Schluss gemacht hast, bevor ich mit dir Schluss machen konnte?“

„Du bist an jenem letzten Morgen nach Großbritannien geflogen, ohne dich auch nur zu verabschieden.“

Richtig. „Du hast noch geschlafen. Ich wollte dich nicht wecken.“

„Du hast nicht angerufen, als du gelandet warst.“

Er runzelte die Stirn. „Ich wusste nicht, dass ich mich offiziell anmelden musste.“

„Du hattest einen Flug genommen, um an Bord eines Schiffes zu gehen, das in der eisigen Nordsee gekentert war.“

Nur mit Mühe hielt er sich davon ab, die Augen zu verdrehen. Jetzt kommt es.

Bevor er Eden verlassen hatte, hatte er mit einem Kollegen vereinbart, ihre Operationen westlich der Shetland Inseln zu überprüfen. Das Schiff – ein massiver Schlepper – war beauftragt worden, den achtzehn Tonnen schweren Anker eines Ölbohrturms zu lokalisieren und zu sichern. Das Manöver hatte eine harte Drehung gen Steuerbord beinhaltet, um für mehr Stabilität zu sorgen. Dabei war die Ankerkette über das Deck auf die Backbordseite geknallt und der Ölbohrturm umgekippt. Menschliches oder technisches Versagen, vielleicht auch ein Konstruktionsfehler … die anschließende Untersuchung hatte kein klares Ergebnis gebracht.

Er rieb sich ein Auge. „Pass auf, ich verstehe, dass du dir Sorgen gemacht hast. Ich habe mit dir telefoniert, sobald ich es konnte.“

Ihre eisige Maske löste sich auf. „Devlin, über den Unfall wurde in den Nachrichten berichtet! Ich konnte niemanden erreichen, der irgendetwas wusste. Ich war ganz krank vor Sorge. Und als ich dann endlich mit dir sprechen konnte, da hast du mir gesagt, dass ich überreagiere.“

In ihren Augen spiegelte sich ihre emotionale Erregtheit, und obwohl er nichts falsch gemacht hatte, überkam ihn ein schlechtes Gewissen.

„Niemand ist gestorben“, wandte er ein, wobei er sich an das Blitzlichtgewitter erinnerte, als er nach dem Unglück endlich wieder an Land kam. „Mir ging es gut.“

„Genauso wie es dir gut geht, wenn du deine Ultraleichtflugzeuge fliegst?“

Er blähte die Nasenflügel. „Das ist ein Hobby, das mir Spaß macht.“

„Genauso wie es dir Spaß macht, endlich die todbringende Eiger Nordwand zu besteigen?“

„Da habe ich nur einen Scherz gemacht.“ Zumindest bis er mehr Erfahrungen in den Alpen gesammelt hatte.

„Genauso wie es dir Spaß macht, wenn du, du …“, frustriert wedelte sie mit dem Arm durch die Luft, „… wenn du auf offener Straße mit Verrückten ringst.“

Devlin stöhnte laut. „Eden, bitte …“

„Du schreckst vor Gefahren nicht zurück, vor Risiken, Abenteuern“, fuhr sie fort. „Wohingegen ich ein großer Fan bin von Dingen wie Sicherheit und Vorhersagbarkeit. Es war nett, solange es andauerte, Devlin. Wirklich nett. Aber lass uns ehrlich sein …“ Ihre grünen Augen funkelten, und sie senkte die Stimme. „Ich war nicht aufregend genug für dich. Wir haben uns, schon lange bevor du nach Schottland geflogen bist, auseinandergelebt.“

Schmerz und Bedauern verschwanden. Erneut legte sich die Resignation wie eine Maske über ihr Gesicht. Tief Luft holend, betrachtete sie den Himmel und erklärte, ganz so als hätten sie sich die ganze Zeit über das Wetter unterhalten: „Ich glaube, der Regen lässt nach.“

Devlin verschränkte die Arme über der Brust.

Nicht so schnell.

„Wir sind noch nicht fertig.“

Abschätzend blickte er sie an. Sie wirkte versöhnt, doch er sah ganz deutlich, wie heftig sich ihre Brust hob und senkte, oder wie sie sich auf die Lippe biss, während sie den Kopf abwandte.

Fünf Tage die Woche saß er hinter seinem Schreibtisch und organisierte Expertenteams, die alle Aufgaben anpackten, die im ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Ein Herzensbrecher zum Verlieben" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen