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Fadeaway

ZU DIESEM BUCH

Als Kyra ihr Psychologiestudium in Berlin beginnt, ist sie fest entschlossen, das Vergangene hinter sich zu lassen und nur noch nach vorn zu blicken. Doch das ist leichter gesagt als getan, wenn man andauernd daran erinnert wird, wie ungerecht die Welt ist, wie ungleich Menschen immer wieder behandelt werden. Um auf die Missstände an ihrer Uni aufmerksam zu machen, beschließt sie kurzerhand, einen Podcast zu starten. Was als Protest beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Plattform, auf der Betroffene über ihre Erfahrungen mit Missbrauch und Diskriminierung sprechen können. Aber je mehr Geschichten Kyra über ihren Podcast teilt und je mehr Leute sie damit erreicht, desto intensiver muss sie sich mit der Frage auseinandersetzen, warum sie selbst nicht über das sprechen kann, was ihr zugestoßen ist – und ob sie jemals bereit dafür sein wird. Vor allem als plötzlich Milan in Kyras Aufnahmeraum steht und ihre Welt mit einem einzigen Lächeln gefährlich ins Wanken bringt. Eigentlich ist der junge Handballspieler genau die Art Mann, die Kyra für immer meiden wollte. Und doch fällt es ihr mit jedem Moment, den sie mit Milan verbringt, schwerer, sich von ihm fernzuhalten. Auch wenn das bedeutet, dass sie bald keine andere Wahl hat, als sich ihrem größten Albtraum zu stellen …

Liebe Leser:innen,

bitte beachtet, dass Fadeaway Elemente enthält, die triggern können. Diese sind: Beschreibungen sexueller Gewalt.

Wir wünschen uns für euch alle das bestmögliche Leseerlebnis.

Eure Anabelle und euer LYX-Verlag

Für Maike.

Auf die nächsten zehn Jahre.

Das Leben mit dir ist eines der schönsten.

PLAYLIST

Deanz, Cartice – We Fade Away

Demi Lovato – Confident

Halsey – Roman Holiday

Sonya Belousova, Giona Ostinelli, Joey Batey –
Toss A Coin To Your Witcher

dodie – Boys Like You

Hailee Steinfeld – Most Girls (Acoustic)

Imagine Dragons – Thunder

Vigiland – Pong Dance

5 In Love – Girls Just Wanna Have Fun

Loud Luxury, CID – Nights Like This

5 Seconds of Summer – No Shame

The Beatles – Girl

Bing Crosby, The Andrew Sisters –
Pistol Packin’ Mama

Ibeyi – No Man Is Big Enough for My Arms

Taylor Swift – I Knew You Were Trouble

Leon Bridges – Mrs.

Lewis Capaldi – Bruises

Alec Wigdahl – Misbehaving

Bear’s Den – Berlin

Lynzy Lab – A Scary Time (for Boys)

NoMBe – Man

FINNEAS – New Girl

Little Mix – Salute

Bea Miller – S. L. U. T.

1. KAPITEL

Kyra

Ich hörte ein lautes Krachen hinter mir, gefolgt von einem tiefen »Oh Mist«.

»Elias!« Ich wirbelte, den Karton in der Hand, herum und schaute über das Treppengeländer nach unten, wo ich den braunen Schopf meines Bruders sah. Und meinen Schallplattenspieler, der drohte, von der kleinen IKEA-Kommode zu rutschen und nur noch nicht zu Boden gestürzt war, weil er mit dem Treppengeländer in Kontakt gekommen war. In sehr unsanften Kontakt, dem Geräusch nach zu urteilen.

Ich setzte meinen Karton neben mir auf der Treppe ab und lief, zwei Stufen auf einmal nehmend, zu meinem Bruder, um meinen geliebten Plattenspieler zu retten. Ich drehte ihn einmal in alle Richtungen und seufzte erleichtert auf, als ich sah, dass alles intakt war und er keine Kratzer oder sonstige Schäden davongetragen hatte.

»Ähm, Kyra?«

»Hm?« Ich blickte auf, direkt in die abwartende Miene meines großen Bruders.

Elias nickte an mir vorbei nach vorn. »Das Teil hier ist schwer. Wenn ihr beide dann fertig wärt … kannst du bitte weitergehen?« Seine Stimme klang gepresst und ich trat schnell einen Schritt zur Seite, um ihn vorbeizulassen. Das Treppenhaus des Altbaus war glücklicherweise breit und geräumig, sodass es sogar Miriams Couch ohne Probleme nach oben geschafft hatte. Elias schüttelte den Kopf, als er sich mit der weißen Kommode an mir vorbeischob, aber ich konnte das feine, unterdrückte Grinsen eindeutig erkennen. Ich verkniff mir einen flapsigen Kommentar, es tat viel zu gut, Elias endlich wieder glücklich zu sehen. Den Plattenspieler unter dem Arm folgte ich ihm und sammelte unterwegs die Kiste ein, die ich stehengelassen hatte.

»So, nur noch dein ganzer Dekoscheiß und dann war’s das, oder?«, fragte Elias, nachdem er die Kommode in meinem neuen Zimmer an die Wand gestellt hatte.

»Pflanzen sind kein Dekoscheiß«, widersprach ich mit gehobenen Augenbrauen und stellte Kiste und Plattenspieler zu den restlichen Kartons. Ich zog meinen Pferdeschwanz enger und sah mich in meinen neuen vier Wänden um. Die Wohnung war ein echter Glücksgriff. Ewig hatten wir nichts gefunden und ich hatte schon befürchtet, das Semester nächste Woche in meinem alten Kinderzimmer starten zu müssen. Aber dann war Elias, der nur wenige Straßen weiter wohnte, wortwörtlich in die Schlange der Wohnungsbesichtigung gestolpert und hatte mich direkt angerufen. Ich hätte zu gern gewusst, ob er den Typen der Hausverwaltung vorab bestochen hatte, aber tatsächlich hatte der die Wohnung an zwei frische Studentinnen gegeben anstatt an das Paar oder die Frau im Hosenanzug, die definitiv eine sicherere Einnahmequelle vorzuweisen gehabt hätte. Und jetzt waren wir hier. Das war wirklich unsere Wohnung.

Sowohl Miriams als auch mein Zimmer waren etwas über zwanzig Quadratmeter groß, hell, mit Fenstern zur Südseite des Hauses hin – und an unser gemeinsames Wohnzimmer angrenzend hatten wir sogar einen Balkon, was purer Luxus war. Sie war zwar alles andere als günstig, aber bezahlbar. Na ja, zumindest hatten wir nicht unser Erstgeborenes vorab verkaufen müssen und das grenzte für Kreuzberg und diese Art von Wohnung schon an ein Wunder. Außerdem hatte Miriam nur wenige Meter entfernt eine Garage für ihr Motorrad mieten können, sodass auch die Lage mehr als perfekt war.

Elias öffnete das Fenster und fuhr sich mit der Hand über den Nacken. Für Ende September war es erstaunlich warm, und das Kistenschleppen in den vierten Stock hatte sein Übriges getan. Auch ich spürte mein T-Shirt an meiner Haut kleben und freute mich schon auf die Dusche heute Abend. Sobald ich ein Handtuch und meinen Föhn aus den Kartons befreit hatte.

»Ist alles oben?« Miriam schob sich an einem Stapel Kartons vorbei in mein Zimmer. Die blonden Haare hatte sie zu einem unordentlichen Knoten auf den Kopf gedreht und ihr Gesicht war von der Anstrengung leicht gerötet. »Wenn ihr fertig seid, würden meine Eltern und Louisa den Transporter wegfahren.«

Ich nickte. »Nur noch ein paar Topfpflanzen und die letzte Kiste Platten.«

»Noch eine?«, fragten Elias und Miriam gleichzeitig.

Grinsend verdrehte ich die Augen. »Hey, du hast deine Bücher, ich meine Musik, okay?«, sagte ich an Miriam gerichtet.

»Es gibt da so eine App, mit der du all deine Musik online streamen kannst. Auf deinem Handy. Oder ist dir das zu 21. Jahrhundert?«, fragte Elias.

»Schatz, wo hast du den Werkzeugkoffer hingestellt?«, rief meine Mutter aus der Küche und ersparte mir so die erneute Diskussion über meine Plattensammlung, die – zugegeben – etwas unvernünftige Ausmaße angenommen hatte.

»Fensterbank im Wohnzimmer«, rief ich zurück.

»Ich geh ihr mal helfen«, meinte Elias und warf mir den Autoschlüssel zu. »Und du kannst deine Pflanzen selbst hochtragen. Ich verstehe eh nicht, wie du diesen Dschungel hier unterkriegen willst.«

Ich streckte ihm die Zunge raus, was Miriam zum Lachen brachte.

»Ich komm mit und helf dir tragen«, bot sie an und trat in den Flur, um Elias durchzulassen.

»Danke«, sagte ich. »Es sind auch nur noch drei. Elias soll sich nicht so anstellen.«

»Elias hat gerade deinen gesamten Hausstand hochgetragen. Benimm dich«, rief mir mein Bruder aus der Küche zu.

»Er wird mir das jetzt das gesamte Jahr über vorhalten. Wie damals, als er mal meine Mathehausaufgaben für mich gemacht hat. Ich musste ihm wochenlang Limo und Essen bringen.« Ich sah Miriam eindringlich an. »Lass dich niemals auf einen Deal mit meinem Bruder ein. Meinen Brüdern. Beiden. Du kannst nur verlieren.«

Miriam grinste. »Ist notiert. Aber es ist schön, Elias so zu sehen«, fügte sie leiser hinzu. »Ich hab mir echt Sorgen gemacht.«

Lächelnd sah ich Miriam an. Sie war einer der nettesten und empathischsten Menschen, die ich kannte. Als sie in der zehnten Klasse auf unsere Schule gewechselt war, hätte ich nie gedacht, dass wir beste Freundinnen werden würden – wir waren nicht nur optisch, sondern auch vom Charakter her komplett unterschiedlich.

Sie war blond, still, schüchtern und so nett, dass man ab der ersten Sekunde mit ihr befreundet sein wollte.

Ich stand nicht nur mit meinen braunen Haaren im Kontrast zu ihr, ich konnte seit meiner Kindheit wie ein Wasserfall reden, war auch sonst nicht gerade auf den Mund gefallen und kam – sehr zu meinem Unmut – oft arrogant rüber. Zumindest hatte ich das schon häufiger zu hören bekommen. Miriam zog die Leute förmlich an und schaffte es, dass sie ihr innerhalb von Sekunden ihre gesamte Lebensgeschichte erzählten. Mir begegneten andere wesentlich skeptischer.

Trotzdem war neben Phuong, die ich seit Kindertagen kannte, nun auch Miriam meine beste Freundin, wofür ich mich jeden Tag glücklich schätzte. Und jetzt wohnten wir sogar zusammen.

Ich stupste sie an.

»Komm. Los geht’s. Je schneller alles oben ist, desto eher bekomme ich meine Pizza. Oder Sushi. Oder beides. Ich sterbe vor Hunger.«

»Hast du gerade deine Pizza in meine Sojasoße getunkt?« Miriam rümpfte die Nase, als hätte sie etwas Widerliches gerochen.

Ich biss die Spitze des Pizzastücks ab und lehnte den Kopf zurück, um die langen, von der Soße dunkel getränkten Käsefäden abzuziehen.

»Du hast keine Ahnung, was du verpasst. Wie Kat immer meint: Sojasoße macht alles besser. Sie hat recht.«

»Ja, Sushi zum Beispiel«, gab Miriam zurück und tunkte ihr Avocado-Maki grinsend in die dunkle Flüssigkeit.

»Als Kind hat Kyra alles nur mit Ketchup gegessen. Kohlrabi, Wirsing, generell jegliches Gemüse war erst essbar, wenn es nicht mehr wie Gemüse aussah, sondern wie roter Matsch.« Meine Mutter lächelte selig, als handelte es sich dabei um einen Glanzmoment meiner jüngeren Jahre.

»Gut zu wissen, dass du heute immer noch genauso komisch bist«, sagte Elias zwischen zwei Bissen seiner Pizza Diavolo. Ich zielte mit dem Fuß auf sein Schienbein, aber da er im Gegensatz zu mir auf dem Sofa saß, hob er nur das Bein an und mein Tritt ging ins Leere.

Meine Mutter zuckte mit den Schultern. »Immerhin ist Sojassoße kein purer Zucker.«

Elias nickte. »Siehst du, Kyra, du entwickelst dich doch weiter. Langsam, aber immerhin.«

Ich holte erneut aus und Elias zog auch das andere Bein auf die Couch, sodass er im Schneidersitz und außerhalb meiner Reichweite dasaß.

»Wird Zeit, dass wir mal wieder ins Studio zum Boxen fahren, wenn deine Reaktionsgeschwindigkeit so nachlässt.«

»Ich geh mit Noah. Der ist immerhin nett zu mir«, gab ich zurück.

»Wo ist Noah überhaupt?«, fragte Miriam.

»Er und Papa haben irgendeinen Termin in Hamburg, der sich nicht verschieben ließ.«

Noah, mein zweiter Bruder, arbeitete seit ein paar Wochen gemeinsam mit meinem Vater an einigen Projekten unserer Firma. Er blühte bei der Arbeit total auf, allerdings machte ich mir insgeheim Sorgen, wie er all die Stunden im Betrieb mit der Uni unter einen Hut kriegen wollte, sobald das Semester nächste Woche begann.

»Oder aber er wollte sich nur vor der Arbeit drücken«, murmelte Elias.

Ich blickte zu Elias in der Befürchtung, Frustration in seinem Gesicht zu sehen, aber er kaute nur genüsslich seine Pizza. Normalerweise achtete ich darauf, das Gespräch nicht auf die Arbeit zu lenken. Denn Elias war von meinen Eltern aus dem Familienbetrieb geworfen worden, nachdem er Christopher Rothe, den Sohn des wichtigsten Geschäftspartners unserer Firma, auf der Jubiläumsparty zusammengeschlagen hatte.

Ich trank von meiner Sprite und schluckte das aufkommende Unwohlsein mit der Flüssigkeit hinunter. Selbst jetzt, Monate später, rief der Gedanke an das, was geschehen war, noch Übelkeit in mir hervor. An seine Hände, seinen Atem, seinen Körper, der sich zu schwer an meinen gepresst hatte. An das Gefühl von Machtlosigkeit. In den meisten Momenten konnte ich die Gedanken ohne Weiteres wegdrängen, doch manchmal – durch Gespräche oder Assoziationen – waren sie einfach da. Am häufigsten war das im Beisein meiner Familie der Fall, wenn einer von uns, so wie jetzt, auf den Betrieb zu sprechen kam. Ohne dass ich es wollte, dachte ich den Gedanken weiter.

Christopher Rothe hatte sich an mir vergehen wollen. Elias war mir gerade rechtzeitig zu Hilfe geeilt. Von dem Vorfall wusste außer Elias, Noah und mir allerdings niemand. Nicht einmal Miriam und Phuong, obwohl die beiden meine besten Freundinnen waren. Aber ich hatte es nicht noch einmal erzählen können. Hatte mich nicht noch einmal den mitleidigen, beinahe verletzten Blicken stellen wollen, als wäre nicht mir, sondern auch ihnen etwas genommen worden. Nur meine Brüder wussten, was geschehen war – und Christopher wusste es. Aber ich hatte nicht vor, ihm weiterhin Raum in meinem Kopf zu geben. Er hatte davon schon viel zu viel eingenommen und ich würde nicht zulassen, dass er einen weiteren Teil von mir, eine weitere Sekunde meiner Zeit bekam.

»Ist was?« Elias’ kritischer Blick riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich ihn noch immer anstarrte. Seine braunen Augen musterten mich und ich setzte schnell ein Lächeln auf, bevor sie die Sorge spiegeln konnten, die ich meinetwegen viel zu oft darin sah. Elias hatte so viel geopfert, um mir zu helfen. Er hatte nicht nur die Position in der Firma verloren, eine Zeit lang hatte er nicht einmal Kontakt zu meinen Eltern gehabt. Umso schöner war es, zu sehen, dass er jetzt gemeinsam mit unserer Mutter auf der Couch sitzen und Pizza essen konnte. Das alles hatte ich nur Noahs Freundin Lia zu verdanken. Ich wusste immer noch nicht, wie sie es angestellt hatte, aber sie hatte es vor wenigen Wochen geschafft, uns alle wieder enger zusammenrücken zu lassen. Sie hatte nicht nur Elias zu der Vorführung ihres Kurzfilms eingeladen, ihr Film und die Geschichte, die er erzählte, hatten mir auch den Mut gegeben, zumindest Noah endlich anzuvertrauen, was vorgefallen war. Und jetzt war es fast wieder wie früher.

Aber eben nur fast. Denn Elias würde ebenfalls zurück an die Uni gehen, im Gegensatz zu Noah allerdings, ohne dabei in der Firma zu arbeiten. Er hatte mir mehrmals versichert, dass ihm das nichts ausmachte, aber ich wusste, dass er das nur sagte, damit ich mich nicht schlecht fühlte.

»Alles gut«, meinte ich lächelnd und hoffte, dass Elias mich später nicht noch einmal darauf ansprach. Sosehr er mich auch immer neckte, er war viel zu aufmerksam und beschützend, wenn es um mich ging. Dabei stand der Umzug für mich nicht nur für den Beginn der Uni, sondern für den Beginn von etwas ganz Neuem. Ich wollte nach vorn blicken, ich wollte mich selbst besser kennenlernen. Und ich konnte es kaum erwarten, dass all das losging.

»Habt ihr eure Stundenpläne eigentlich schon erstellt?«, fragte meine Mutter.

Ich nickte im selben Moment, in dem Miriam den Kopf schüttelte.

»Ich hab angefangen«, sagte Miriam, nachdem sie fertig gekaut hatte, »aber es ist echt gar nicht so einfach. Superviel überschneidet sich, sogar zwei Seminare von Pflichtfächern. Aber wir haben eine Rundmail bekommen, dass wir ruhig die Einführungsveranstaltungen abwarten können, bis wir uns einschreiben.«

»Bei mir war es einfacher, weil ich mit Psychologie nur das eine Fach habe und alles aufeinander aufbaut«, sagte ich. »Bei Miri hab ich auch null durchgeblickt.«

Miriam studierte Deutsch und Englisch auf Lehramt, sodass sie zwei Fächer und Bildungswissenschaften managen musste. Ich hatte ihre Zusammenbrüche über den Vorlesungsverzeichnissen und Studienplänen live miterlebt und wollte wirklich nicht mit ihr tauschen.

»Ich bin mir sicher, dass nächste Woche alles klarer wird«, meinte meine Mutter und lächelte Miriam aufmunternd zu. »Du bist so intelligent, dass es daran nicht scheitern wird.«

»Du machst das schon«, stimmte Elias zu.

Ich schmunzelte, als ich sah, wie Miriams Wangen sich leicht röteten. Sie stand so ungern im Mittelpunkt, dabei hatte sie gar keinen Grund, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Aber egal ob Referate in der Schule oder ein nicht funktionierendes Kartenlesegerät an der Kasse – die ungeteilte Aufmerksamkeit anderer machte sie jedes Mal aufs Neue unglaublich nervös.

»Kommen deine Eltern oder deine Schwester eigentlich wieder?«, fragte ich, um das Thema zu wechseln, da Miriam unsicher von links nach rechts auf ihrem Kissen umherrutschte.

Sie legte die Holzstäbchen zurück in die Sushi-Schale und schüttelte den Kopf.

»Nein, sie wollten noch bei meiner Oma im Krankenhaus vorbeifahren, wenn sie schon in der Stadt sind.«

»Und du wolltest nicht mit?«, fragte Elias und legte den Kopf schief.

»Nein, ich lass den vieren ein bisschen Zeit für sich. Ich besuche sie ja sowieso fast jeden Tag. Und ich will nicht meinen eigenen Umzug verpassen, vor allem da Kyra und ich Pläne für heute Abend haben!«

Ich lachte. Ja, Pläne, die einen Filmabend beinhalteten. Nur dass Miriam der größte Disney-Film-Fan war und man mich entweder mit Klassikern à la Audrey Hepburn oder aber mit moderneren Action- und Superhelden-Filmen kriegte. Diesen Kampf würden wir wohl oder übel noch ausfechten müssen.

Miriam sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Lach nicht. Du hast Aladdin noch nicht gesehen, das grenzt an ein Verbrechen. Das müssen wir ändern.«

Ich schob mir den letzten Rest Pizza in den Mund und hob resignierend die Hände.

Meine Mutter legte ihr Besteck auf den Teller und stand auf. »Elias, ich glaube, das war unser Stichwort.«

»Was? Nein!«, winkte Miriam ab. »Ich wollte euch damit auf keinen Fall rauswerfen. Ohne euch beide wären wir in drei Stunden noch nicht fertig. Bleibt ruhig.«

Meine Mutter schmunzelte. »Nein, keine Sorge. Der Abend gehört euch, lebt euch erst mal ein. Wenn ihr die nächsten Tage Hilfe braucht, sagt Bescheid.«

»Ja«, meinte Elias. »Ruf mich einfach an, Ky, ich hab eh Zeit. Oder du, Miriam.«

Das Lächeln meiner Mutter geriet sichtlich ins Wanken, woraufhin ihr Elias kurz mit dem Ellbogen in die Seite stupste. »Mama, das muss aufhören. Ich sag das nicht, um euch eins auszuwischen. Ich wollte wirklich nur helfen.«

Meine Mutter zog kurz die Mundwinkel nach oben, aber es war nicht zu übersehen, dass Elias’ Äußerung sie trotzdem verunsichert hatte. Ich schluckte und die angespannte Stimmung, so fein sie auch war, hinterließ einen sauren Geschmack auf meiner Zunge. Ob sich das Ganze jemals wieder einrenken würde? Meine Eltern und meinen Bruder so miteinander reden zu sehen, schien vor Kurzem noch undenkbar, aber so viel Lia auch für unsere Familie getan hatte – sie hatte nicht alles fixen können. Denn unser Familienbetrieb war nach wie vor von Herrn Rothe abhängig, und nach wie vor dachten alle, dass er und sein Sohn Christopher in der ganzen Sache die Leidtragenden waren. Keiner wusste, was an dem Abend geschehen war. Und solange ich nichts sagte, würde das so bleiben. Nicht zum ersten Mal in den letzten Wochen kamen mir Zweifel an der Entscheidung, auch wenn mir klar war, dass sie zu dem Zeitpunkt die richtige gewesen war. Ich hatte von Foren über Reddit-Threads bis hin zu Büchern unglaublich viel über sexuelle Belästigung gelesen. So ziemlich all diese Quellen teilten einem mit, dass Reden half. Dass man eine Anzeige in Betracht ziehen sollte. Aber all das las sich wie ein theoretischer Schlachtplan. Eine To-do-Liste, die man abzuarbeiten hatte, damit es einem besser ging. Nichts davon hatte in meinen Augen die Leere, die ich gefühlt hatte, mit aufgegriffen. Die Antriebslosigkeit direkt nach dem Vorfall. Die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Die Furcht, alles wieder und wieder erleben zu müssen, wenn auch nur durch die Erzählung.

In meiner Zeit in Paris diesen Sommer hatte ich ein Mädchen kennengelernt, dem etwas Ähnliches passiert war – in der jungen Frau hatte ich die erste Person gefunden, die nachvollziehen konnte, wie es mir ging. Sie hatte meine Ängste nicht nur ernst genommen, sondern auch bestätigt, da ihr ein Gang zur Polizei nichts gebracht hatte, ganz im Gegenteil. Ihr hatte Kunst geholfen, das Erlebte zu verarbeiten, ähnlich wie es bei Lia der Fall gewesen war. Ich war mir nicht sicher, ob ich meinen Katalysator bereits gefunden hatte, aber was mir half, war der Sport, weshalb ich es wirklich kaum erwarten konnte, mit meinen Brüdern ins Boxstudio zu gehen und mich so schnell wie möglich in einem neuen Fitnessstudio anzumelden. Was mir hingegen gar nicht half, war das Wissen, dass mein Schweigen nach wie vor anderen schaden konnte. Nicht nur Frauen in Christophers Umfeld, sondern allen voran meinem ältesten Bruder. Denn unter den aktuellen Umständen würde er nicht in die Firma zurückkehren können.

Elias’ Blick traf meinen, und es brauchte keine Worte, um mich erkennen zu lassen, dass er genau wusste, was in mir vorging. Er stöhnte auf.

»Ihr zwei seid unmöglich. Ich wollte es eigentlich nicht heute sagen, weil das Kyras Tag ist, aber gut. Bevor ihr weiter auf Zehenspitzen um mich herumlauft: Ich hab nächste Woche eine Art … Bewerbungsgespräch.« Meine Mutter sah ihn mit großen Augen an.

»Was? Wo?«, fragte ich.

»In Berlin«, antwortete Elias knapp.

»Wow, Elias. So gesprächig wie eh und je. In Berlin! Danke, ich bin im Bilde, ich – ey!«

Ich sprang zur Seite, als Elias grinsend einen großen Schritt auf mich zu machte und versuchte, mir durch die Haare zu wuscheln.

»Bei Marc im Studio. Er hat viel Zulauf bekommen und gefragt, ob ich Kurse übernehmen möchte. Es wäre eine Stelle als Werkstudent.« Elias verschränkte die Arme. »Also könnt ihr mit den mitleidigen Blicken aufhören, es ist alles wie vorher.«

»Es ist toll, dass du was für den Übergang gefunden hast«, sagte meine Mutter. »Auch wenn es natürlich nicht ganz dein Metier ist. Vielleicht finden wir ja noch etwas, was zu deinem Studiengang passt. So bleibst du in der Übung, bis sich die Wogen geglättet haben.«

Elias nickte, und weder er noch meine Mutter oder ich fügten dem etwas hinzu. Denn uns allen war klar, dass es noch eine ganze Weile dauern konnte, bis die Wogen sich wieder glätteten.

»Okay. Bist du bereit für epische Musik, noch epischere Tanzszenen, Will Smith und weitere wunderschöne Menschen?«

Miriam schmiss sich neben mich auf die Couch und drückte mir ein Glas Rotwein in die Hand. Für sich selbst hatte sie eine Vanilla Coke geholt. Auf dem Couchtisch standen kleine Schüsseln mit Süßigkeiten, zwischen denen vereinzelte Teelichter angezündet waren. Miriam war völlig in ihrem Element, und dass wir keine für Disney typischen Maus-Haarreife anhatten, lag mit Sicherheit nur daran, dass sie noch in irgendeiner Kiste vergraben waren.

»Wie könnte ich dafür je bereit sein?«, fragte ich, was meine beste Freundin mit einem Augenrollen kommentierte. Ich hatte absolut kein Problem mit Disney, aber dafür umso mehr Spaß daran, sie aufzuziehen.

Ich rutschte ein Stück enger an Miriam heran und legte meinen Kopf auf ihrer Schulter ab. »Ich freu mich, dass du hier bist. Und dass wir zusammenwohnen können.«

»Ich mich auch«, sagte Miriam. Dann stieß sie ihr Glas leicht an meines. »Auf durchlernte Nächte in der Unibibliothek, Haareraufen über Prüfungen und eine gute Zeit.« Sie hielt kurz inne und zwirbelte mit der freien Hand eine ihrer blonden Haarsträhnen um den Zeigefinger. »Du zwingst mich nicht auf eine Ersti-Party, oder?«

Lachend hob ich meinen Kopf. »Würde ich dich denn dorthin bekommen?«

Miriams missmutiger Gesichtsausdruck war Antwort genug. »Das überlasse ich deinen Kommilitonen«, sagte ich.

Miriams Miene wurde noch ein bisschen missmutiger.

»Alles okay?«, fragte ich. »Hab ich was Falsches gesagt?«

Sie schüttelte den Kopf. »Ne, aber ich hoffe einfach, dass ich Anschluss finde.«

»Na klar findest du Anschluss. Warum auch nicht?«

Miriam zog eine Augenbraue in die Höhe, als sollte ich die Antwort darauf bereits kennen.

»Das ist nicht mehr die Schule«, sagte ich bloß. »Das wird gut, glaub mir.«

Sie hob die Schultern. »Mag sein, aber nur weil das ein neuer Lebensabschnitt ist, bin ich nicht automatisch ein neuer Mensch.«

»Zum Glück nicht«, erwiderte ich. »Du bist meine beste Freundin, weil du genau so bist, wie du bist. Du musst dich nicht verändern.«

»Das sagst du immer.«

Grübelnd legte ich mir einen Finger an die Lippe. »Vielleicht … sag ich es, weil es stimmt.«

Miriam boxte mich sanft gegen den Oberarm, was mich zum Lachen brachte.

»Du wirst mal eine tolle Psychologin«, sagte sie etwas ernster. »Ich glaub, du weißt gar nicht, wie sehr du mir schon geholfen hast.«

»Hey, aber im Ernst. Du siehst dich selbst viel zu kritisch. Ja, du quatschst keine Menschen an, aber du bist die offenste und liebste Person, die ich kenne. Du musst gar niemanden ansprechen, weil alle das selbst tun und dich ansprechen wollen. Dafür bewundere ich dich jedes Mal.«

Miriam lächelte leicht. »Ich bewundere dich auch, Kyra.«

»Du hattest früher Angst vor mir«, sagte ich mit einem Lachen.

»Keine Angst«, widersprach Miriam. »Eher eine Art gesunden Respekt.« Nun musste auch sie lachen.

»Siehst du, deshalb sind wir so ein grandioses Team«, meinte ich. »In jedem Action-Film braucht es diese Mischung aus gutem und bösem Cop.«

Miriam seufzte. »Falls das ein schlechter Versuch wird, dir einen anderen Film zu wünschen, vergiss es. Wir gucken jetzt Aladdin und du wirst mir den Rest der Woche danken und den Soundtrack heimlich laufen haben.«

Ich schnappte mir die Fernbedienung und eine Hand voll Chips vom Couchtisch. Dann drückte ich auf Play und beobachtete, wie das berühmte Disney-Schloss auf dem Bildschirm erschien.

»Dann lass uns mal prüfen, ob deine Theorie stimmt.«

2. KAPITEL

Milan

Der Pfiff durchschnitt das Geräuschgemisch aus quietschenden Turnschuhen, schwerer Atmung und dem gelegentlichen Rufen von Vornamen.

»Gute Arbeit, Leute!« Rico, unser Trainer, klatschte zweimal in die Hände, worauf auch die Letzten zum Stehen kamen. »Ich schick euch den neuen Trainingsplan per Mail. Yannick, sei pünktlich nächstes Mal, sonst kannst du Extrarunden drehen. Und bitte nehmt eure leeren Flaschen aus den Duschen mit. Ich krieg jedes Mal den Anschiss der Putzkräfte ab. Ich hab schon zwei Teenager daheim, denen ich hinterherräumen muss, das reicht mir.« Er griff nach seiner Wasserflasche und trank einen Schluck. »Schönes Wochenende, erholt euch gut!«

Ich lief ebenfalls zu meinem Wasser am Rand der Halle und trank in gierigen, großen Schlucken die Hälfte aus. Lukas ließ sich schwer atmend neben mir auf den Boden sinken und wischte sich über die vom Schweiß glänzende Stirn.

»Gut gespielt, Nowak«, sagte er und streckte die Beine von sich, bevor er sich darüber beugte, um sie zu dehnen.

»Nicht gut genug. Ich hab den Heber beim Siebenmeter verkackt«, murmelte ich und trank einen weiteren Schluck, bevor ich den Deckel auf die Wasserflasche schraubte.

»Der ging doch rein?« Lukas zog irritiert die Brauen zusammen.

»Ja, bei Ben ging er rein. Aber in zwei Wochen gegen Hannover reicht das nicht. Deren Torwart ist größer, der Ball hätte anders fliegen müssen.«

Lukas’ Mundwinkel zuckten, aber als er meinem Blick begegnete, wurde er ernster.

»Das wird schon. Wir machen die platt.« Er lehnte sich noch weiter über seine Oberschenkel. »Außerdem ist unser Kapitän beim nächsten Mal wieder dabei.«

»Wenn er denn voll einsatzfähig ist. Meinte sein Arzt nicht, er kann erst Mitte der Saison wieder einsteigen?« Ich sah zu Lukas hinab, bis er mir in die Augen blickte. »Ich will den Aufstieg in dieser Saison.« Wir waren im Juni so knapp am Aufstieg in die zweite Liga vorbeigeschlittert – das durfte nicht noch einmal passieren. Dass unser Kapitän wegen einer Verletzung ausgefallen war, hatte unsere Zuversicht nicht gerade gesteigert. Umso erleichterter war ich gewesen, als er vor zwei Wochen plötzlich beim Training aufgetaucht war.

»Wenn Chris’ Untersuchung heute gut läuft, ist er gegen Hannover ja am Start.«

»Du klingst richtig erfreut darüber«, gab ich mit einem Schmunzeln zurück. Es war kein Geheimnis, dass Lukas nicht sein größter Fan war. War ich auch nicht, aber selbst wenn es menschlich zwischen uns nicht passte, sah ich trotzdem, dass er ein guter Spieler und Kapitän war. Während ich ihn seit seiner Verletzung ein paarmal besucht hatte, hatte Lukas sich komplett ferngehalten.

Er setzte an, etwas zu erwidern, schloss den Mund aber wieder. Vermutlich, weil wir dieses Gespräch nicht zum ersten Mal führten und er genau wusste, dass unsere Diskussionen ins Nichts führten. Lukas stand auf, schüttelte beide Beine kurz aus und klopfte mir auf die Schulter. »Ich will was essen und für den restlichen Sonntag auf die Couch. Kommst du?«

Ich warf einen letzten Blick über meine Schulter – zurück zu dem Handball, der unbewegt im Torraum lag und sich förmlich in meine Netzhaut brannte. Ich wollte diesen Aufstieg wirklich. Klar, das wollten wir alle. Aber ich hatte zu hart dafür gearbeitet, war zu viele Kompromisse eingegangen, um in dieser Saison erneut nicht Staffelsieger zu werden.

»Milan!« Lukas stand an der Tür zu den Umkleiden und sah mich abwartend an, eine Hand in den blonden Haaren, die andere in die Hüfte gestützt. »Beweg deinen Arsch unter die Dusche, ich hab keinen Bock, schon wieder auf dich zu warten.«

Ich schenkte meinem besten Freund ein Augenrollen und joggte in seine Richtung. »Du kannst auch einfach sagen, wenn du nicht allein duschen möchtest.«

Lukas’ Antwort war ein Schlag gegen meine Schulter, als ich mich an ihm vorbei in die Umkleide schob.

Ich schloss die Haustür auf und warf das dunkelblaue Jersey mit der Nummer 8 vom Flur aus auf den Wäschekorb im Bad, bevor ich zu meinem Zimmer abbog.

»Sollen wir was bestellen?«, fragte Lukas und schloss die Tür hinter sich.

»Ich kann nicht, ich muss um zwei auf der Arbeit sein.« Ich spürte Lukas’ Blick förmlich in meinem Rücken. Mit verschränkten Armen drehte ich mich zu meinem Mitbewohner um. »Was?«

»Ich dachte, du machst keine Schichten mehr am Wochenende.« Innerlich stöhnte ich auf. Wusste ich es doch. Lukas hing mir seit Wochen in den Ohren damit, dass ich zu viel arbeitete. Dabei kannte er meinen Kontostand, den Grund für die zusätzlichen Schichten. Allerdings konnte er schwer nachvollziehen, wie ich mich mit der Doppelbelastung fühlte. Er studierte neben dem Handball zwar auch, musste aber immerhin nicht arbeiten, da die Spiele und das Sponsoring seine Ausgaben deckten und seine Eltern die Miete zahlten.

»Ich werd kein Training verpassen und mir genug Pausen gönnen, keine Sorge«, versicherte ich ihm.

Über Lukas’ Nase bildete sich eine feine Falte. »Ich mach mir keine Sorgen ums Training, Mann. Ich mach mir Sorgen um dich. Du bist kaum noch zu Hause.«

Ich trat einen Schritt auf ihn zu und fuhr ihm mit der Faust über den dunkelblonden Scheitel, bis seine stets perfekten Haare in unordentlichen Strähnen von seinem Kopf abstanden. »Aw, vermisst du mich?«

Lukas stieß ein schnaubendes Lachen aus und schlug meinen Arm mit seinen Händen weg. »Träum weiter. Für mich ist das wie Urlaub.«

Die Tür neben Lukas wurde geöffnet und Sebastian, mein zweiter Mitbewohner, trat hervor und rieb sich verschlafen über die Augen. Er trug eine dunkelblaue Schlafanzughose und ein schwarzes Shirt, auf dem Jon Snows Gesicht zu sehen war. Seine roten Haare waren auf der einen Seite platt gelegen, also war er wohl wirklich gerade erst aufgestanden. »Morgen«, murmelte er und ließ langsam die Hand sinken, sein verschlafener Blick war auf uns gerichtet.

»Alles okay bei euch?«

»Ob alles okay bei uns ist?« Lukas grinste. »Du bist derjenige, der um eins noch im Schlafanzug ist.«

»Dude, es ist Sonntag«, antwortete Sebastian. »Ich war bis kurz vor fünf Uhr wach, also hatte ich gesunde acht Stunden Schlaf.«

»Siehst du, Milan, gesunde acht Stunden Schlaf. Probier’s mal damit.«

Ich stieß Lukas zur Seite, als er mich mit dem Ellbogen schubsen wollte, und nickte zu Sebastian.

»Gezockt? Oder ist es wegen Sara …?«

»Das wird ’ne ganz schöne Umstellung«, unterbrach Sebastian Lukas, bevor dieser ihm weitere Fragen über seine Ex-Freundin stellen konnte. »Wenn die Uni übermorgen losgeht, meine ich.«

»Darauf hätte ich auch mal wieder Lust«, sagte ich auf seinen Themenwechsel eingehend. Die Trennung war gerade einmal eine Woche her, und auch wenn Sebastian kaum darüber redete, glaubte ich nicht, dass es ihn komplett kalt ließ.

»Aufs Zocken?« Sebastians hellbraune Augen blitzten auf und mit einem Mal schien jegliche Müdigkeit aus ihnen verschwunden. Er versuchte Lukas und mich seit Ewigkeiten zu einem gemeinsamen Gaming-Abend zu überreden, aber wir hatten stets abgelehnt. Lukas, weil er einfach nichts mit Videospielen anfangen konnte. Ich, weil ich mir einredete, dass es sich dabei um Zeitverschwendung handelte. So wie fast alles, was ich früher gern zum Zeitvertreib getan hatte. Seit Sebastians Trennung war Lukas jedoch um einiges weicher geworden und versuchte nun ebenfalls, mich von der Idee zu überzeugen.

Ich winkte ab. »Nicht so wichtig.«

Sebastian lehnte sich mit dem Rücken gegen den Türrahmen und drehte mit einer Hand an dem Ring in seinem linken Nasenloch. »Hm«, machte er.

»Was hm?«, fragte ich.

»Ich überlege nur, wie ich dich endlich auf meine Seite ziehe. Die gute Seite.«

»Du könntest ’ne Powerpoint machen und Milan zeigen, was für Vorteile es ihm beim Handball bringen würde«, sagte Lukas. »Reaktionsgeschwindigkeit ist total wichtig bei E-Sports und eine Fähigkeit, die dich auch im echten Spiel weiterbringt.«

»Seit wann interessierst du dich für E-Sports? Sagst du nicht sonst immer, das sei kein Sport?« Kritisch sah ich meinen besten Freund an, der mit den Schultern zuckte.

»Ist es auch nicht, aber wie eben schon gesagt …« Er trat vor mich und kniff mir mit einer Hand in die Wange. »Ich sorge mich um dich.« Lukas lachte, als ich ihn – schon wieder – von mir stieß.

»Gott, ihr seid schlimmer als meine Mutter.«

»Benimm du dich lieber, sonst meld ich das deiner Mutter«, sagte Lukas grinsend, bevor er seine Zimmertür aufstieß und seinen Laptop vom Schreibtisch holte. Das Gerät auf den Unterarm gestützt, kam er zurück in den Flur.

»Magst du auch ’ne Pizza, Sebastian? Oder willst du erst frühstücken?«

Sebastian schüttelte den Kopf. »Ich will erst mal ’nen Kaffee.«

Lukas seufzte. »Wofür wohne ich in ’ner WG, wenn ich trotzdem nicht auf den Mindestbestellwert komme?«

»Such dir halt ’ne Freundin«, erwiderte Sebastian. Als Lukas mit einem Schnauben abwinkte, wandte er sich wieder mir zu. »Glaub ja nicht, dass ich vergesse, was du gesagt hast. Du brauchst dringend ’ne Pause und ich kriege dich dazu.« Sebastian deutete mit Zeige- und Mittelfinger erst auf seine Augen und dann auf mich. Dann trottete er an uns vorbei in die Küche, vermutlich, um sich die erste seiner täglichen acht Tassen Kaffee zu machen.

»Der Hausälteste hat gesprochen«, sagte Lukas. »Wir sollten seinen weisen Ratschlägen folgen.«

Ich grinste. »Soll heißen, du holst dir Tinder und suchst dir ’ne Freundin?«

»Haha, Tinder hab ich durch.« Er grinste. »Wortwörtlich.« Mein Augenrollen ignorierte er gekonnt. »Soll heißen, dass du dir gleich keine zusätzlichen Schichten auf der Arbeit holst, sondern einen entspannten Abend mit uns einplanst.« Lukas klappte den Bildschirm des Laptops hinunter und ging an mir vorbei in Richtung des WG-Wohnzimmers. »Sonst bist du nämlich bald gar nicht mehr zu Hause, und dafür ist die Miete selbst in Moabit zu teuer.«

Ich schwang mich vom Fahrrad und schloss es vor dem Fitnessstudio an, in dem ich jobbte. Das Studio lag in der Nähe des Spittelmarkts, sodass ich von meiner Wohnung aus mit dem Rad nur knapp zwanzig Minuten brauchte. Es hatte vor etwa einem Jahr eröffnet und ich hatte mich auf einen Aushang hin beworben und den Job direkt bekommen, als mein Chef erfahren hatte, dass ich professionell Handball spielte. Falls er erstaunt war, dass ich nebenbei noch jobben wollte, hatte er es nicht gezeigt. Und dass er keine unnötigen Fragen gestellt hatte, die ich nicht beantworten wollte, hatte ihn mir direkt sympathisch gemacht. Der Lohn war okay und ich konnte das Studio umsonst nutzen, was ein Vorteil war. Wir hatten in der Vereinshalle zwar alle nötigen Geräte, aber hier musste ich mit niemandem reden und konnte, die Musik auf den Ohren, einfach abschalten. Nicht heute allerdings, denn heute war Arbeit angesagt und ich hatte eine der langen Schichten erwischt.

»Hey, Mann«, rief ich beim Reingehen und nickte Adrian zu, der hinter dem Tresen stand und irgendetwas auf dem Tablet tippte. Ihm gegenüber auf der anderen Seite des Tresens stand eine junge Frau mit langen brünetten Haaren, die zu einem Zopf zusammengefasst waren. Sie drehte sich zu mir um, als Adrian mir kurz zuwinkte. Für einen Moment traf ihr Blick meinen und ihre blauen Augen musterten mich, bevor sie sich wieder abwandte. Dann streckte Adrian ihr das Tablet entgegen und forderte ihre Aufmerksamkeit. Vermutlich hatte sie sich für ein Probetraining angemeldet. Was bedeutete, dass ich sie hier nie wieder sah, denn pünktlich zu Semesterstart griffen die meisten Erstsemester voll guter Vorsätze ihr Gratistraining ab, um danach nicht mehr aufzutauchen.

Ich bog zu den Umkleiden ab und unterdrückte ein Seufzen. Hoffentlich war ich heute nicht für die Einzeltrainings eingeteilt. Ich arbeitete gern mit Menschen und liebte es, andere beim Sport über ihre Grenzen hinaus zu pushen, bis sie mit jedem Mal mehr schafften. Aber Ole, unser Chef, lockte die Erstis jedes Semester aufs Neue mit Sonderpreisen und irgendwelchen Yoga-Kursen. Leider waren einige auch neu in Berlin und eindeutig auf der Suche – ob nach Beziehungen oder One-Night-Stands wusste ich nicht, aber ich hatte für beides keine Zeit. Zumindest im letzten Jahr war es so abgelaufen, und ich hatte kein Interesse daran, das Ganze zu wiederholen.

Ich zog mich um und stopfte meine Straßenschuhe und die Kleider in meinen Spind. Als ich mich umdrehte, fiel mein Blick zwangsläufig auf den Spiegel, der in der Mitte der Männerumkleide stand und sie in zwei Hälften teilte. Alles für das obligatorische Gym-Selfie. Ich fuhr mir mit der Hand übers Gesicht, als könnte ich so die Augenringe wegwischen, die sich deutlich unter meinen braunen Augen abzeichneten. Meine Kiefermuskeln bewegten sich unter meiner Haut, als ich noch ein wenig grimmiger dreinblickte. Shit. Vielleicht hatte Lukas recht und ich sollte wirklich einen Gang runterfahren. Mir war null geholfen, wenn ich fürs Training nicht ausgeruht war. Geld hin oder her. Ich stieß die Luft aus aufgeblasenen Wangen und versuchte, einen halbwegs freundlichen Gesichtsausdruck hinzukriegen. Heute war vielleicht nicht mein Tag, aber ich mochte sowohl meinen Boss als auch meinen Job, und es war niemandem geholfen, wenn ich meine Laune nach außen trug.

»Das ist Milan, er erarbeitet heute mit dir ein persönliches Trainingsprogramm, indem er guckt, auf welchem Stand du aktuell bist und auf welche Bereiche du dich fokussieren möchtest – Cardio, Kraftaufbau und so weiter und so fort. Den Rest erklärt er dir gleich. Viel Spaß.« Adrian klopfte mir im Weggehen auf die Schulter und ging zu einem Mann an der Brustpresse, um dessen Arme leicht zu beugen, damit er sich bei der Übung nicht an den Gelenken verletzte.

Ich wendete mich der dunkelblonden Frau vor mir zu, die ein Schmunzeln im Gesicht trug. Natürlich hatte ich doch das Glück gehabt, ein Probetraining anleiten zu dürfen.

»Hi«, sagte ich. »Wie du grad schon gehört hast, ist mein Name Milan. Mein Job heute ist, dafür zu sorgen, dass du hier mit ordentlichem Muskelkater rausgehst.«

»Ich bin Vicky. Studierst du auch?«

Ich nickte, ging jedoch nicht weiter auf ihre Frage ein.

»Cool. Ich starte jetzt im ersten Semester«, erzählte Vicky. Treffer versenkt.

Ich nickte erneut. Ich hatte wirklich keine Lust auf Small Talk, aber ich wusste auch, dass ich mich anstrengen sollte, falls sie wider Erwarten doch ein Abo abschloss.

»Ich hoffe, du hast einen guten Start.« Ich lief voraus zu den Beinpressen. »Dein Warm-up hattest du ja schon. Wir arbeiten uns von unten nach oben hoch und je nachdem, wie weit du bist, erstelle ich dir Sets, die du beim nächsten Mal wiederholen kannst. Wir passen sie nach einer Weile an. Wenn du dann noch Lust hast, kann ich dir ein paar Übungen mit eigenem Körpergewicht zeigen, die du gut zu Hause machen kannst. Wir haben aber auch eine Ecke für Functional Training, falls du lieber hier trainierst oder zu Hause keinen Platz hast.«

»Training mit Körpergewicht klingt gut«, sagte Vicky und ließ ihren Blick einmal von oben nach unten über mich wandern. »Muss ja nicht zwingend nur das eigene sein.«

War das ihr Ernst? Beinahe hätte ich laut aufgelacht, aber ich unterdrückte es im letzten Moment. Dafür ertönte hinter mir ein lautes Prusten. Irritiert blickte ich über meine Schulter, direkt in ein Paar strahlend blauer Augen. Es war die brünette Frau vom Eingang, die sich ebenfalls angemeldet hatte. Sie biss sich auf die Unterlippe und versuchte sichtlich, sich zusammenzureißen, um nicht loszulachen. Als ich in ihr amüsiertes Gesicht blickte, begann auch mein Mund zu zucken. Unsere Blicke hielten sich noch einen Moment gefangen, dann riss mich Vickys Räuspern wieder ins Hier und Jetzt.

Sie hatte den Kopf schief gelegt, als erwartete sie wirklich eine Antwort auf ihr Angebot. Ich war Avancen gewöhnt und es war nicht so, als würden sie mir nicht schmeicheln. Doch zum einen wäre ich niemals so dumm, mich bei der Arbeit darauf einzulassen, und zum anderen hatte ich in den letzten Monaten alles, was in die Richtung ging, abgeblockt. Ich hatte ein Ziel vor Augen. Und das beinhaltete keine Frauengeschichten.

»Netter Versuch«, sagte ich. »Aber wenn du mich nach dem Training noch magst, habe ich eindeutig etwas falsch gemacht. Niemand verlässt dieses Studio ohne Muskelkater.«

Vicky grinste nur zur Antwort und setzte sich an die Beinpresse, wo ich ihren Rücken und ihre Beine korrekt an den Pads positionierte.

»Abwarten«, kommentierte sie bloß, und nach einer kurzen Einweisung begann sie die Übung, wobei mir nicht entging, dass sie ihren Blick häufiger als nötig in meine Richtung wandern ließ.

Abwarten. Ich konnte ihr schon jetzt sagen, dass sie damit keinen Erfolg haben würde. Meine letzte Beziehung war am Handball oder besser gesagt an meinen eigenen Ambitionen im Handball gescheitert. Es war unschön gewesen, hatte mir aber eines deutlich gemacht: Solange ich nicht angekommen war, wo ich hinwollte, hatte ich nur Platz für eine Liebe in meinem Leben. Und die galt dem Sport.

3. KAPITEL

Kyra

Mein Handywecker riss mich unsanft aus dem Schlaf. Ich stöhnte genervt auf und ließ meine Finger über das kleine Schränkchen neben meinem Bett wandern, bis ich die Quelle des Lärms gefunden hatte. Mit zusammengekniffenen Augen blinzelte ich gegen das grelle Licht des Displays an und stoppte den Weckton.

Snooze war heute leider nicht drin, denn es war Dienstag. Mein Herzschlag beschleunigte sich bei dem Gedanken und vertrieb erstaunlicherweise die Müdigkeit. Das gelang sonst erst nach mehreren Tassen Kaffee und einer Menge Musik. Heute war es endlich so weit. Ich würde das Studium beginnen. Und mit ihm einen völlig neuen Lebensabschnitt.

Es war gerade einmal sieben Uhr und die Einführungsveranstaltung startete erst in etwas weniger als zwei Stunden, aber Miriam und ich wollten gemeinsam zur Uni fahren und auf keinen Fall zu spät kommen. Gestern hatten wir aufgrund des Feiertags noch Schonfrist gehabt, was sich bei den Massen an Umzugskartons als ein glücklicher Zufall erwiesen hatte. Doch heute hatte ich meinen ersten Tag an der Uni. Ich zog mir die warme Bettdecke noch ein letztes Mal bis zur Nase und genoss das Gefühl des weichen Stoffs an Armen und Gesicht. Ich glaubte nicht nur fest daran, dass mein Leben sich verändern würde, ich wusste es. Ich war den Sommer über zu meiner Tante Maren nach Paris geflohen, um alles Geschehene zu verarbeiten. Nun aber würde ich es vielleicht endlich vollständig hinter mir lassen können.

Ich spürte, wie sich mein Herzschlag gleich noch einmal beschleunigte, dieses Mal aber weniger vor Aufregung als vielmehr vor Freude. Ich grinste in die Bettdecke hinein. Es fühlte sich wie ein Neuanfang an. Und wie sich herausstellte, musste ich für diesen gar nicht die Stadt oder sogar das Land verlassen. Alles, was ich brauchte, war mich.

Es geht dir gut. Du bist in Sicherheit. Du hast die Kontrolle.

All diese kleinen Sätze hatte ich mir immer und immer wieder zugeflüstert, so lange, bis ich meinen Kopf überlistet hatte und meinen eigenen Worten Glauben schenkte. Na ja, zumindest tagsüber. Nachts, wenn ich meine Gedanken nicht länger beeinflussen konnte, hatte mein Unterbewusstsein die Zügel in die Hand genommen und mich alles noch einmal durchleben lassen. Christophers Gewicht an meinem Körper. Sein Mund an meinem Hals. Seine Hand auf meinem Mund.

Ich atmete einmal tief ein und wieder aus, wobei mein Atem die Decke an meinem Gesicht heiß werden ließ. Ich zog sie mit einem Ruck hinunter und die kühle Luft meines Zimmers traf wohltuend auf mein Gesicht.

Es war immer noch nicht leicht, an den Abend der Jubiläumsfeier zu denken. Vermutlich würde es das nie werden. Aber es wurde leichter. Es wurde mit jedem Gespräch leichter, das ich mit Elias und Noah führte. Und anscheinend hatte Noah recht gehabt und auch der Umzug hatte es leichter werden lassen. Ich selbst fühlte mich leichter. Und ich würde einen Teufel tun und mir das Leben unnötig erschweren, indem ich zurückschaute. Von heute an ging es nur noch nach vorn.

Als ich mit noch feuchten Haaren die Küche betrat, duftete es bereits himmlisch nach Kaffee.

»Guten Morgen, beste Mitbewohnerin der Welt«, sagte ich mit einem Seufzen und öffnete zwei Schränke, bevor ich unsere Tassen fand. Miriam und Elias hatten sich um die Küche gekümmert, während ich mit Miriams Schwester und meiner Mutter im Wohnzimmer zugange gewesen war. Ich griff nach der hässlichen, grellpinken Tasse mit der violetten 18 darauf, die Noah mir letztes Jahr zu meinem Geburtstag geschenkt hatte. Sie glitzerte im Licht der Küchenlampe, was sie noch ein klein wenig abscheulicher machte. Noah und Elias hatten eine Art Wette am Laufen, wer mir jedes Jahr das hässlichste Geschenk zum Geburtstag überreichte. Zu meinem achtzehnten Geburtstag hatte allerdings Elias gewonnen, da er mir einen Kalender mit Fotos von sich selbst geschenkt hatte, auf denen er Cover meiner liebsten 50er-Jahre-Platten nachgestellt hatte. Inklusive leichter Bekleidung und Make-up. Der Kalender zierte in der neuen Wohnung die Wand meines Zimmers, obwohl er aus dem letzten Jahr war. Zwar schenkten sie mir auch immer etwas Richtiges, aber insgeheim liebte ich diese Kleinigkeiten viel mehr.

Ich ließ mich auf den Küchenstuhl fallen und hielt Miriam meine leere Tasse entgegen. Diese schüttelte grinsend den Kopf und schenkte mir aus der großen French Press ein. »Beste Mitbewohnerin der Welt? Wie nett du bist, wenn du etwas willst.«

»Ich bin immer nett«, sagte ich und gab einen Schuss Hafermilch in meine Tasse. Ich nahm einen Schluck und schloss genüsslich die Augen. Es ging nichts über Kaffee.

»Was hast du geträumt? Ich hab gelesen, der erste Traum in einer neuen Wohnung geht in Erfüllung«, sagte Miriam und setzte sich mit ihrem Tee und einer Schale voll Müsli neben mich an den Tisch.

»Nichts, woran ich mich erinnere«, antwortete ich mit breitem Grinsen und hoffte zum ersten Mal, dass Miriams leichter Aberglaube recht behalten würde. »Das deute ich als sehr gutes Omen.«

Miriam hielt, ihren Müslilöffel in der Hand, inne. »Du hast so gute Laune. Du machst mir Angst.«

»Warum sollte ich keine gute Laune haben? Heute ist unser erster Tag an der Uni!«

»Ja, aber es ist vor acht Uhr. Deine Haare sind sogar schon gekämmt. Und du lächelst.« Miriams kritisch prüfender Blick brachte mich zum Schmunzeln. »Und du bist angezogen – coole Jeans übrigens.«

»Ich freu mich einfach auf heute. Auf die Einführung, die erste Vorlesung, den Austausch über all das mit Phuong und dir.« Ich zuckte die Schultern. »Das sind gleich drei Gründe für gute Laune.«

»Ich bin mehr nervös als vorfreudig«, murmelte Miriam kauend.

»Das wird schon«, sagte ich. »Was hast du eigentlich geträumt? Was geht bei dir in Erfüllung?«

Zum zweiten Mal hielt Miriam mitten in der Bewegung inne, nur dass ihre helle Haut diesmal einen leichten Rosaton annahm. »Nicht so wichtig.«

Ich setzte die Tasse ab und lehnte mich zu Miriam hinüber. »Hattest du Sexträume?« Ich wackelte mit den Augenbrauen und beobachtete amüsiert, wie ihr Gesicht noch eine Spur dunkler wurde.

»Kyra!«

»Was denn, hätte ja sein können.«

»Es passt echt, dass du heute mit Psychologie anfängst«, sagte Kyra. »Freud hat doch auch immer alles sexuell gedeutet, oder?«

Ich zuckte mit den Schultern. »Darauf lässt sich echt viel herunterbrechen. Na ja, auf jeden Fall könntest du mir sagen, wenn es so wäre. Und das ganz ohne rot zu werden.«

»Ich bin gar nicht rot«, protestierte Miriam, hielt sich im selben Moment aber eine Hand an die Wange, um zu testen, ob sich ihre Haut wärmer anfühlte als gewöhnlich.

»Bist du wohl«, sagte ich. »Und ich verstehe es echt nicht. Wenn du demnächst in deinen Literaturkursen sitzt, musst du das auch abkönnen. Shakespeare, Goethe und all die anderen waren in Wahrheit doch auch total versaut. In Faust wurde Gretchen schließlich auch nicht grundlos schwanger.«

»Ja, aber sie haben schönere Worte dafür benutzt«, nuschelte Miriam in ihre Teetasse hinein.

»Gut. Dann formuliere ich es um: Es ist voll in Ordnung, wenn du mir beim Frühstück von deinen Träumen des gepflegten Beischlafs berichten möchtest, o holde Maid.«

Lachend wehrte ich die Packung Taschentücher ab, die Miriam nach mir warf.

»Daran muss ich mich jetzt gewöhnen, oder?«, fragte sie.

»Aber so was von!« Mit einem Grinsen trank ich meinen Kaffee aus. Ich konnte diesen Tag, dieses gesamte Semester kaum erwarten.

Die Sonne brach durch die Wolkendecke hervor und tauchte die grauen Steinsäulen der Humboldt-Universität in warmes Licht. Auf dem Vorplatz standen vereinzelte Gruppen zusammen, einige Studierende fielen sich vor sichtlicher Wiedersehensfreude in die Arme, andere standen etwas eingeschüchtert und wartend am Rand und gehörten sicher – so wie ich – zu den Erstsemestern.

Es war ein neuartiges Gefühl, dieses Mal den Campus zu betreten. Natürlich war ich schon häufiger hier gewesen, wenn ich Miriam auf den Bücherflohmarkt begleitet oder Phuong, die nun im dritten Semester war, auf einen Kaffee getroffen hatte. Aber heute fühlte sich dieser gesamte Ort anders an, als hingen sämtliche Versprechen der kommenden Zeit in der frühen Herbstluft. Denn heute betrat ich nicht irgendeinen Campus, sondern meine Uni.

Wenn die Vorlesungen und Seminare richtig losgingen, müsste ich ins Institut für Psychologie, sodass ich gar nicht allzu oft hier wäre, aber die Einführungsveranstaltungen in der ersten Woche fanden in diesem Semester am Hauptcampus statt. Was ein Segen war, wenn ich mir Miriam so ansah, denn ihr stand die Aufregung deutlich ins Gesicht geschrieben. Ich drückte kurz ihre Hand und sie schenkte mir ein leichtes Lächeln.

»Jeder, der auch nur ein einziges Wort mit dir wechselt, liebt dich«, sprach ich ihr Mut zu.

Miriam schob den Daumen unter den Riemen ihrer Tasche und lief eine Weile schweigend neben mir her. Am Eingang des eindrucksvollen Gebäudes blieben wir stehen und sie stieß mit einem hörbaren Zischen einen Schwall Luft aus. Ich legte ihr die Hände auf die Schultern und schüttelte meine Freundin kurz hin und her.

»Locker bleiben. Ich weiß, ich hör mich an wie eine gesprungene Schallplatte, aber du schaffst das. Du gehst gleich in deine Veranstaltung, setzt dich neben irgendjemanden, der nett aussieht, und stellst diese üblichen Klischee-Fragen: Was ist dein Schwerpunkt? Studierst du auf Bachelor oder Lehramt? In welche Ecke Berlins hat es dich verschlagen? Und so weiter und so fort.«

Miriam blickte aus hellbraunen Augen kritisch zu mir auf. »Das sind stinklangweilige Small-Talk-Fragen. Die Leute studieren mit mir, da sollten sie ja wohl ähnlich coole Interessen haben. Wenn überhaupt frag ich sie über Bücher oder britische Serien aus.«

»Siehst du, du hast das Ganze sowieso schon im Griff.«

Miriam seufzte und trat an mir vorbei nach innen. »Na gut. Treffen wir uns später im Café?«

»Hab Phuong ausgerichtet, dass sie unseren Tisch freihalten soll.«

»Cool!«, sagte Miriam. »Ich schreib mich nach der Einführung noch schnell in die Kurse ein und warte vorn an der Mauer, dann können wir zusammen hin.«

Ich drückte meine Freundin kurz an mich, bevor sie nach links zu ihrer Veranstaltung abbog. Nach einem Blick auf mein Handy, um zu checken, wo genau ich langmusste, setzte auch ich mich in Bewegung zu meiner ersten Uni-Veranstaltung. Meine Turnschuhe quietschten leise, als ich die dunkelroten Marmortreppen nach oben stieg. Wir hatten bereits einen Infotag zu allem Organisatorischen gehabt, weshalb bei mir heute eine Vorlesung zu theoretischen Grundlagen der Psychologie und eine weitere zur Methodenlehre auf dem Plan standen. Das klang ziemlich trocken, aber ich freute mich trotzdem darauf. Ich hatte in den letzten Tagen schon einmal in den Reader reingelesen, also wusste ich ungefähr, was mich heute erwartete.

Ich glich die Raumnummer auf dem Schild an der Wand mit der auf meinem Handy ab. Dann zog ich die Tür zum Hörsaal auf. Vereinzelt saßen schon andere Erstsemester in den Reihen. Ich entschied mich für eine leere Reihe in der Mitte des Saals, schob mich durch den schmalen Gang und klappte einen der hellen Holzstühle herunter. Ich war früh dran, was mir Zeit gab, die Nachrichten auf meinem Handy kurz zu checken. Meine Eltern, Elias und Noah hatten ein paar motivierende Worte in unsere Familiengruppe geschrieben. Von Phuong war ein Selfie angekommen, mit Kaffeetasse in der linken und hochgestrecktem Daumen der rechten Hand. Meine beste Freundin hatte heute eine Schicht im Poet’s Corner, wo Miriam und ich sie nachher treffen würden.

Als es neben mir raschelte, blickte ich auf und lächelte der jungen Frau entgegen, die sich gerade in meine Reihe schob. Sie hielt einen knallpinken Kaffeebecher in der Hand und erwiderte mein Lächeln knapp. Anstatt sich zu mir zu setzen, ließ sie zwei Plätze zwischen uns frei. Sie nahm einen Block und einen Kugelschreiber aus ihrer Tasche und legte diese vor sich auf den schmalen Tisch.

Der Hörsaal füllte sich langsam, und auch wenn es schon ein paar Grüppchen gab, so schienen die meisten allein hier zu sein. Das beruhigte mich ein wenig. Ich hatte Miriam gerade zwar gut zugesprochen und mit ihr und Phuong bereits die besten Freundinnen, die ich mir wünschen konnte – aber etwas nervös war ich trotzdem. Ich wollte nicht diejenige sein, mit der man in den Seminaren keine Gruppenarbeiten machte. Genauso wenig wie ich die halbe Stunde zwischen den Veranstaltungen immer allein verbringen wollte. Also würde ich einfach zu jedem so freundlich wie möglich sein und auf das Beste hoffen.

Was sich jetzt schon als schwierig erwies. Gerade unterdrückte ich nämlich ein Augenrollen, als sich auch rechts von mir ein Kerl mit einem Platz Abstand hinsetzte. Bei dem Ansturm an Studierenden würde es in wenigen Minuten sowieso so voll sein, dass jeder Platz belegt wäre. Wieso sie sich nicht gleich alle nebeneinandersetzten, war mir ein Rätsel. Ich nahm mein Notizbuch und einen Stift aus meinem Rucksack und begann, kleine Motive an den Rand des Papiers zu malen.

Als ein älterer Mann mit Hemd und Aktentasche den Gang links von mir nach unten lief und sich hinter dem Pult einrichtete, ebbten die Stimmen auf leises Geflüster ab und die Studierenden, die noch unschlüssig in den Gängen gestanden hatten, setzten sich eilig. Da es immer voller wurde, schob sich das Mädchen nun doch auf den Sitz direkt neben mir, um den Nachzüglern Platz zu schaffen.

»Guten Morgen, sehr geehrte Damen und Herren«, begrüßte uns der Professor, der sich kurz darauf als Dr. Natonek vorstellte und über den Beamer eine Begrüßungsfolie an die Wand warf. Mit leichtem Herzklopfen richtete ich meine Aufmerksamkeit nach vorn. Ich hatte so hart dafür gearbeitet, hier angenommen zu werden, und jetzt ging es endlich los.

Knappe dreißig Minuten später hatte meine anfängliche Begeisterung sich verflüchtigt, und ich ließ unsicher den Blick über die Gesichter um mich herum schweifen. Aber sie alle schrieben fleißig die Literaturliste ab und notierten sich, welche Bücher sie zu besorgen hatten und welche Konzepte und Psychologen bis zum nächsten Mal vorbereitet werden sollten. Psychologen war dabei das richtige Wort. Denn bisher war alles ziemlich männlich. Und mit ziemlich meinte ich zu einhundert Prozent. Die Literaturliste beinhaltete nur wissenschaftliche Arbeiten von Männern. Die bisher angesprochenen Psychologen und Forscher waren allesamt männlich. Und trotz Meldungen von mir oder dem Mädchen neben mir hatte Dr. Natonek bei all seinen Fragen bislang nur meine männlichen Kommilitonen berücksichtigt.

Unruhig spielte ich mit dem Druckknopf meines Kugelschreibers, bis das Mädchen mit dem pinken Kaffeebecher mir einen genervten Blick zuwarf. Mein Finger verharrte und das Klicken meines Stifts stoppte. Aber die Gedanken in meinem Kopf taten es nicht. Ich übertrieb. Ganz sicher übertrieb ich. Ein blöder Zufall, mehr war das bestimmt nicht. Ich hatte den Reader und das Material für dieses Semester schon gesehen, und da standen ganz deutlich auch Psychologinnen auf dem Programm. Der Professor allerdings hatte noch nicht eine von ihnen vorgestellt oder angesprochen.

So etwas wäre mir früher nicht übel aufgestoßen. Vermutlich wäre es mir nicht einmal aufgefallen. Aber ich hatte diesen Sommer bei meiner Tante Maren in Paris verbracht, wo sie junge Musikerinnen förderte. Der Austausch mit ihr und all den Frauen, die gegen so viel anzukämpfen hatten, damit ihnen die gleiche Aufmerksamkeit zuteilwurde wie ihren männlichen Kollegen, hatte dafür gesorgt, dass ich seitdem regelmäßig auf solche Dinge stieß. In der Werbung, im Fernsehen, selbst in unserem Familienbetrieb. Nur hier, an der Uni, hatte ich einfach nicht mit so etwas gerechnet. Immerhin stand diese Universität für Fortschritt und lebte Gleichberechtigung – so war zumindest mein Eindruck.

Was, wenn es dem Dozenten überhaupt nicht aufgefallen ist?

Ich atmete tief ein und hob dann meine Hand. Da Herr Natonek keine Frage gestellt hatte und alle ruhig auf ihre Blöcke kritzelten, fiel ihm meine Meldung sofort auf. Er schob sich die Brille auf der Nase zurecht, bevor er mich ansah und mit einem Nicken drannahm. »Ja?«

Mit diesem einen Wort richtete sich plötzlich alle Aufmerksamkeit auf mich. Selbst die Köpfe in der Reihe vor mir suchten kurz den Raum ab, bevor sie sich zu mir herumdrehten. Ich strich mir eine Strähne hinters Ohr und räusperte mich.

»Entschuldigen Sie, aber ich hab schon einmal den Anfang des Readers gelesen und mir die Konzepte ein wenig angeschaut. Und … da sind nur Männer auf Ihren Folien?« Ich schluckte. »Nicht dass die nicht alle wichtig sind, und ich bin mir sicher, die ausgewählte Literatur ist toll, aber wäre es nicht gut, auch ein paar Psychologinnen mit aufzunehmen?« Ich machte eine kurze Pause, die Dr. Natonek jedoch nicht nutzte, um etwas zu erwidern.

»Mary Ainsworth wurde zum Beispiel im Reader unter Entwicklungspsychologie erwähnt«, fügte ich hinzu und merkte, wie mein Herz langsam unangenehm in der Brust pochte, weil immer noch niemand sprach und mich alle ansahen.

»Ich freue mich, dass Sie sich mit dem Material schon so vertraut gemacht haben«, sagte Herr Natonek nun endlich. »Aber ich wähle die zu behandelnden Forscher und Konzepte nach Relevanz aus. Und an Freud, Fromm, Wundt und C. G. Jung führt kein Weg vorbei, während die Psychologinnen da doch eine deutlich unbedeutendere Rolle einnehmen.« Der Professor rückte sein dunkles Brillengestell erneut zurecht und schien mich mit seinem Blick förmlich zu durchbohren.

»Möchten Sie die Veranstaltung leiten oder sind Sie hier, um etwas zu lernen? Je nachdem würde ich jetzt nämlich fortfahren.«

Meine Finger verkrampften sich um den Kugelschreiber, als Herr Natonek mich mit leicht erhobenen Brauen abwartend ansah. Dass ich aus dem Augenwinkel wahrnahm, wie das Mädchen neben mir die Mundwinkel hob und in sich hineingrinste, machte das Ganze definitiv nicht besser. Ich nickte und murmelte ein »Entschuldigung«.

Der Professor wandte sich wieder von mir ab und klickte auf seinen Pointer, sodass die nächste Folie an der Wand erschien. Nach und nach drehten sich die Köpfe meiner Kommilitonen und Kommilitoninnen wieder nach vorn. Auch wenn einige mich noch etwas länger ansahen. Toll. Mein Gesicht kannten sie also schon am ersten Tag.

»Machen wir weiter mit der Entwicklungspsychologie. Andere wichtige Vertreter sind beispielsweise James J. Gibson und …« Er machte eine Pause und sah gezielt in meine Richtung. »… seine Frau Eleanor J. Gibson.« Auf der Leinwand war ein schwarz-weißes Bild der beiden zu sehen.

»Wir werden uns James Gibsons ›Wahrnehmung und Umwelt‹ in wenigen Wochen genauer anschauen. Er wird in den Modulen zur Psychoanalyse und in den Veranstaltungen zur Bindungstheorie noch einmal auf Sie zukommen.«

Erneut machte er eine kurze Pause, in der er zielsicher in meine Richtung sah. Ich erwiderte seinen Blick, merkte aber, wie mein Herz noch immer zu schnell in meiner Brust schlug.

»Ich hoffe, Sie entschuldigen, dass wir uns hier primär Herrn Gibsons Werk widmen. Seine Frau Eleanor hat ebenfalls viel auf dem Gebiet geleistet. Berühmt wurde sie allerdings, weil sie …« Dr. Natonek zuckte mit den Schultern. »Nun ja, weil sie einen berühmten Psychologen geheiratet hat. Der noch dazu ihr Supervisor war.«

Der Typ zu meiner Rechten stieß ein leises Lachen aus und auch in den Reihen weiter vorn ertönte verhaltenes Gelächter. Mir war alles andere als nach Lachen zumute. Mein Mund klappte wie von selbst auf, als ich meinen Professor ungläubig anblickte. Das hier war sein voller Ernst, oder? Es schien ganz danach auszusehen, denn er klickte schon auf die nächste Folie, um das weitere Programm des Semesters durchzugehen. Ich konnte doch unmöglich die einzige Person sein, die sein Verhalten störte? Ich sah zu dem Mädchen neben mir, doch auch sie schrieb unbeirrt weiter den Lehrstoff und die benötigten Materialien nieder.

Ich griff ebenfalls nach meinem Stift und schrieb weiter mit. Meine Finger zitterten jedoch und ich hielt ihn so fest, dass er einen Abdruck auf meinem Mittelfinger hinterließ.

4. KAPITEL

Kyra

Die Klingel an der Tür des Poet’s Corners läutete viel zu fröhlich für meinen Geschmack. Ich ging geradewegs auf unseren Stammplatz in der hinteren Ecke zu, schmiss meinen Rucksack auf die Bank und ließ mich danebenfallen. Miriam setzte sich auf den Sessel schräg gegenüber und machte sich an den Knöpfen ihrer weiten Jeansjacke zu schaffen.

Den Kopf in die Hände gestützt stieß ich ein frustriertes Seufzen aus und suchte den Raum nach Phuong ab. Das Poet’s Corner war gut besucht, aber die meisten hatten es sich mit ihrem Laptop oder einem Buch bequem gemacht, sodass es trotzdem angenehm ruhig in dem Café war. Nur die leise Indie-Musik spielte wie immer im Hintergrund. Phuong erschien hinter der Theke, wo sie das Geld in ihrem Portemonnaie zählte und in die Kasse gab. Ich beobachtete sie dabei, wie sie den Knoten ihrer Schürze löste und diese unter der Theke verstaute, sodass ihre zerrissenen Jeans-Shorts zum Vorschein kamen. In ihnen steckte ein beigefarbener Pulli, auf dem in fetten Lettern das Wort »Nein« stand, und wie immer rundeten schwarze Boots ihr Outfit ab. Phuong wechselte ein paar Worte mit ihrer Kollegin und kam mit einem breiten Grinsen auf uns zu.

»Hey Kids!«, rief sie und warf sich neben mich auf die Bank, wobei sie mich mit ihrem Hintern ein wenig zur Seite schob. »Ich hab unseren Kaffee schon bestellt, Larissa bringt ihn gleich.«

»Hi«, sagte Miriam, die sich endlich aus ihrer Jacke befreit hatte. Sie hängte sie über die Lehne ihres Stuhls.

»Wie war euer erster Tag?«, fragte Phuong, bevor sie sich übertrieben mit beiden Händen an die linke Brust griff. »Ich kann es immer noch nicht ganz fassen. Meine Babys. Sie werden so schnell groß.«

Miriam verdrehte die Augen, musste aber lächeln. »Wir sind gleich alt, ich wurde sogar vor dir einundzwanzig, schon vergessen? Aber der Tag war echt gut.

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