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Familie mit Herz 087 - Familienroman

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Als Mami und Papi noch glücklich waren ...
  4. Vorschau

Als Mami und Papi noch glücklich waren ...

Ein kleiner Junge leidet, denn Scheidung tut so weh

Von Charlotte Vary

Im Sizilienurlaub lernen Sören Ekstad und seine Familie die Boutiquebesitzerin Barbara Denne kennen. Während Annika Ekstad die ständige Anwesenheit der fremden Frau als störend empfindet, ist ihr Mann empfänglich für die Avancen der aufregend schönen Frau. Gezielt setzt diese sämtliche Verführungskünste ein, um den attraktiven Familienvater zu erobern. Und sie weiß, dass sie die Stärkere ist. Gegen die Waffen, mit denen sie um den Mann kämpft, hat seine brave Ehefrau keine Chance. Und tatsächlich: Zurück in Deutschland beginnt Sören eine Affäre mit Barbara. Das Familienglück zerbricht. Besonders der kleine Sven leidet furchtbar unter der Trennung der Eltern – so sehr, dass er schwer krank wird ...

Sizilien! Meer und Himmel bilden eine Sinfonie in Blau, vom hellen, schillernden Türkis bis zu tiefstem, sattem Aquamarin. Leichter Wind weht einen würzigen Duft von den Zitronen- und Orangenhainen herüber zum Strand von Mazzaro in der Nähe der traumschönen Stadt Taormina, die sich mit ihren kalkweißen und terrakottafarbenen Häusern an die Berghänge schmiegt. Der Gipfel des Ätna leuchtet schneebedeckt aus einem dünnen Wolkenschleier. Irgendwo zirpt eine Mandoline eine süße Weise von Liebe und Glück ...

Annika Ekstad dehnte sich lächelnd in ihrem Liegestuhl. Zwei Tage waren sie nun hier, in einem gemütlichen Familienhotel, und ihr schlanker Körper hatte schon eine wunderbare Farbe bekommen. Sie war ein brünetter Typ und bräunte schnell. Auch musste sie die Sonne nicht so sehr fürchten wie ihr Mann Sören, dem man seine skandinavische Abstammung ansah. Sören hatte norwegische Eltern, war aber bereits in Deutschland aufgewachsen.

Der junge Elektronikingenieur war das getreue Abbild eines echten Wikingers, groß, athletisch, weizenblond und mit leuchtend meerblauen Augen. Annika war nach sieben Jahren Ehe immer noch rasend verliebt in ihren Mann.

Aber wo blieb er nur so lange? Er war mit Sven, ihrem sechsjährigen Jungen, schon vor einer Stunde in einem gemieteten Ruderboot hinausgefahren.

Annika sprang auf und beschattete mit der Hand die Augen vor der grellen Mittagssonne. Endlich, da kamen sie ja! Der hochgewachsene Mann in seinen verwaschenen, abgeschnittenen Jeans und der kleine dunkelhaarige Junge stapften Hand in Hand durch den goldgelben Sand, ein Bild holder Eintracht.

Annika lachte ihnen entgegen. Da riss sich Sven von seinem Vater los und rannte laut und aufgeregt rufend auf sie zu. Seine helle Kinderstimme kippte fast über vor Wichtigkeit.

»Mami, Mami, ich bin geschwommen, ganz weit! Ich kann es jetzt schon ohne Schwimmflügel! Und Papi hat mir eine Muschel heraufgetaucht, guck!«

Annika nahm die hübsch geformte, rosa Muschelschale bewundernd entgegen.

»Toll! Das ist ja eine ganz seltene Art! Aber nun kommt und zieht euch an! Es ist Mittagszeit!«

Sie half ihrem Sohn in trockene Shorts und ein Hemd, während Sören nur ein T-Shirt über seinen muskulösen Oberkörper zog und in seinen Jeans blieb. Er legte seinen Arm beschützend um Annikas schmale Schultern, dann stiegen sie den Pfad zur »Villa Ninfa« hinauf, dem Hotel, in dem sie wohnten.

Nach dem Essen wurde, schon wegen der glühenden mittäglichen Hitze, eine ausgiebige Siesta eingelegt. Später besichtigten sie die Ruinen des griechischen Theaters von Taormina und genossen den einzigartigen Ausblick von halber Höhe auf Stadt und Meer.

Während Sven auf den Steinterrassen herumkletterte, meinte Annika zu ihrem Mann: »Es ist noch viel schöner hier, als ich es mir vorgestellt habe. Aber ob es für Sven nicht zu anstrengend wird?«

Sören gab sich sorglos. »Ach was! Sven ist gesund und ein drahtiger kleiner Bursche, der schon was aushält. Wir müssen nur darauf achten, dass er genügend Schlaf erhält. Wir können ihn übrigens heute Abend ruhig im Hotel lassen. Die Padrona hat versprochen, nach ihm zu sehen, wenn wir tanzen gehen. Er ist ja schließlich kein Baby mehr.«

Annika nickte zustimmend. »Dass wir Gunilla bei meiner Mutter zu Hause gelassen haben war doch ein guter Einfall«, versetzte sie. »Für einen Säugling von sechs Monaten ist es hier zu heiß. Die häusliche Umgebung und der gewohnte Rhythmus sind für die Kleine das Beste. Und Mama freut sich ja, wenn sie Babysitter spielen kann.«

Sören drückte seine Frau an sich und küsste sie auf die Wange.

»Ja, Anni«, sagte er warm. »Du machst schon alles richtig. Bist ja eine vorbildliche Mutter. Wir wollen sie genießen, diese vierzehn Tage! Ich finde, wir haben sie verdient!«

Sie lebten in einer mittelgroßen norddeutschen Stadt, und Sven arbeitete als Diplom-Ingenieur für Elektronik in einem größeren Unternehmen. Als sie mit Gunilla schwanger gewesen war, hatte Annika ihre Arbeit als Physiotherapeutin an einem Krankenhaus aufgegeben und war jetzt nur mehr für Mann und Kinder da. Ihre Ehe war glücklich und ausgefüllt. Sie liebten und verstanden sich. Sören sprach zwar wenig über Gefühle – als Nordländer lag es ihm nicht sehr, über solche Dinge zu reden – aber seine liebevolle Sorge um Frau und Kinder ließ Annika nie an seiner Zuneigung zweifeln. Sie war stolz auf ihren attraktiven Ehemann. Trotzdem plagte sie Sören nie mit Eifersuchtsanfällen. Es war so selbstverständlich, dass sie zusammengehörten.

Von den beiden Ehepartnern war Annika der weniger auffallende Teil. Doch sie war ein Typ, der sich jugendliche Schlankheit und ein altersloses Aussehen bis in die reifen Jahre bewahren würde. Ihr ruhiges, klares Gesicht unter dem sportlich geschnittenen schwarzbraunen Haar strahlte eine sympathische, warme Fraulichkeit aus. Und so wie ihr Antlitz war auch Annikas Wesen, geradlinig, ohne Mätzchen, Koketterien und Winkelzüge. Sie war stets ehrlich und erwartete dies auch von ihren Mitmenschen. Wer sie einmal enttäuscht hatte, zu dem fasste sie kaum mehr Vertrauen. An den Charakter der Menschen, mit denen sie umging, stellte sie hohe Ansprüche. Sonst jedoch war sie eine bescheidene Frau.

Der sechsjährige Sven glich äußerlich ganz seiner Mutter. Er war ein fröhliches, sensibles Kind, das unendlich an seinem vergötterten Vater hing. Als Gunilla zur Welt gekommen war, hatte Sven Anfälle von Eifersucht auf die kleine Schwester gehabt. Doch seine Eltern hatten die Gefühle der Rivalität geschickt in richtige Bahnen gelenkt. Sie hatten Sven von Anfang an zur Betreuung des Babys herangezogen, soweit er dazu fähig war. Heute fühlte der Junge sich als Beschützer des Schwesterchens, das ja noch so hilflos war.

Am Abend saßen Sören und Annika dann im »Gambero Rosso«, einem bekannten Lokal von Taormina. Sie tranken schweren Mandelwein, lauschten der Musik und fühlten sich wohl. Annika ließ es jedoch Svens wegen nicht allzu spät werden. Mit einem Carretto, das als Folklore-Taxi zweckentfremdet auf die Touristen wartete, fuhren sie schließlich ins Hotel zurück. Das über und über buntbemalte Wägelchen wurde von einem Pferd gezogen, dessen Zaumzeug mit roten Troddeln und Perlenstickereien geschmückt war.

Annika und Sören hielten sich an den Händen wie ein junges Liebespärchen, während der Kutscher mit der knallroten Mütze ein Liedchen von Amore trällerte.

»Es wirkt alles so heiter und unbeschwert hier«, meinte Annika, die sich immer um alles Gedanken machen musste. »Und doch gibt es so viel Armut und Elend auf dieser Insel. Fahren wir eigentlich nun morgen mit der Gruppe nach Cefalù? Den berühmten Normannendom würde ich sehr gerne sehen.«

»Klar, wenn du willst«, stimmte Sören gähnend zu. »Wir schauen uns alles an, was dich interessiert. Wer weiß, ob wir noch einmal in unserem Leben hierher kommen werden.«

Sven schlief tief und fest in seinem Zimmer, als sie nachsahen. Annika atmete auf. Sie hatte immer ein wenig Angst um den Jungen, wenn sie einmal weggingen. Sören blieb da viel sorgloser.

♥♥♥

Der nächste Morgen brachte eine Überraschung. Am gleichen Frühstückstisch saß eine Dame, die gestern spätabends angekommen sein musste. Neugierig blickte sie der kleinen Familie entgegen, und ihre Augen blitzten interessiert auf, als sie Sören wahrnahm. Die Padrona kam eilig mit der Kaffeekanne näher und sagte, sie habe Signora Denne am Tisch der Ekstads platziert, weil die Dame in der gleichen Stadt zu Hause war. Es sei doch zu traurig, ganz allein an einem Tisch zu frühstücken, und es sei den Herrschaften doch hoffentlich nicht unangenehm.

Natürlich versicherte man das Gegenteil.

Barbara Denne war eine auffallende Person. Sie mochte etliche Jahre mehr als Annika zählen, doch sie wusste etwas aus sich zu machen und gab sich betont jugendlich. Sie hatte eine gute Figur, sportgestählt und drahtig, war aber vollbusig. Ihr tiefgebräunter Teint stammte wohl von der Sonnenbank und bildete einen scharfen Kontrast zu der blonden Lockenmähne, die das stark geschminkte Gesicht umrahmte. Die sehr knappen weißen Shorts und das weitgeschnittene Top, das sie trug, waren vielleicht etwas zu teenagerhaft für eine Frau über dreißig, aber Frau Denne konnte es sich leisten.

Sie hatte ein lebhaftes Temperament und eine offenherzige Art. Sie besitze eine Boutique für schicke Damenmode in der Marienstraße, erzählte sie. Frau Ekstad solle sie nur einmal besuchen und sich etwas Schönes auswählen. Leider habe ihr Lebensgefährte sie nicht auf diese Reise begleiten können, da er geschäftlich in London zu tun habe.

»Aber ich suche mir schon mein Vergnügen«, gestand sie freimütig. »Ich habe keine Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen. Ich finde es toll, dass ich in diesem Hotel gleich auf Landsleute gestoßen bin. Es wäre doch zu nett, ab und zu etwas zusammen zu unternehmen.«

Sören stimmte heiter zu. Annika störte es ein bisschen, dass diese Frau Denne sich so ausschließlich an ihren Mann wandte. Doch bewunderte sie gleichzeitig die lockere, unkomplizierte Art, in der diese Barbara mit ihr eigentlich wildfremden Leuten verkehrte. Sie selber tat sich viel schwerer damit, Bekanntschaften zu schließen.

Die Gruppe, die mit einem Kleinbus nach Cefalù fahren sollte, bestand nur aus sechs Personen. Da eine Dame wegen Kopfschmerzen absagte, meldete Frau Denne sich spontan als Ersatz. Während der Fahrt plauderte sie unentwegt mit Sören. Annika widmete sich unterdessen ihrem Jungen und erklärte ihm anhand der Autokarte die Gegend.

In Cefalù brach man dann zur Besichtigung des Normannendoms auf. Barbara Denne zog eine Grimasse und rollte die Augen zum Himmel. Für Kirchen und modrige Gebäude habe sie gar nichts übrig, gestand sie ehrlich. Sie werde stattdessen einen Stadtbummel unternehmen und irgendwo einen Imbiss nehmen. Man träfe sich dann wieder auf dem Parkplatz.

Der Reiseleiter äußerte jedoch Bedenken.

Sören zögerte kurz. »Anni, hast du etwas dagegen, wenn ich Frau Denne begleite?«, fragte er dann. »Man kann sie doch nicht mutterseelenallein in einer fremden Stadt aussetzen. Der Dom, na ja! Wenn ich ihn nicht sehe, geht die Welt nicht gleich unter. Du weißt ja, wir sind hauptsächlich deinetwegen hier. Du bist ein Fan von historischen Sehenswürdigkeiten.«

Annika war wenig erfreut, doch sie machte gute Miene zum bösen Spiel. Sven aber zog einen Flunsch.

»Ach Papi! Du solltest doch bei uns bleiben!«

»Wir sehen uns doch in zwei Stunden wieder«, tröstete Sören. »Dann können wir noch viel unternehmen.«

Und schon zog er mit Frau Denne ab. Die winkte neckisch zurück.

»Tschüs! Viel Spaß!«

Nach dem Rundgang durch den Dom und die historische Altstadt wollte die Gruppe eine Zitronenplantage und eine Keramikmanufaktur besichtigen. Doch Herr Ekstad und Frau Denne fehlten noch.

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