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Familie mit Herz - Folge 8

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Dein Lachen lässt mein Leid vergessen
  4. Vorschau

Dein Lachen lässt mein Leid vergessen

Herzbewegender Roman um ein wahres Mutter-Kind-Schicksal

Von Isi Halberg

Es war die große Liebe, für die Ewigkeit gedacht und durch die Geburt eines süßen Töchterchens gekrönt. Doch dann kam der Tod, und Patty blieb mit der kleinen Mareike allein zurück. Die Trauer ist bis heute ihr Begleiter. Männern, die um sie werben, gibt die junge Witwe keine Chance, denn dem Vergleich mit ihrem geliebten Florian hält sowieso keiner stand.

Die achtjährige Mareike dagegen wünscht sich sehnlichst einen neuen Papi, vor allem einen, der ihrer traurigen Mami das Lachen zurückgeben kann.

Da tritt Lars Wolfsen in ihr Leben, und für eine kurze Zeit scheint es so, als könnte er der Mann sein. Aber Mareike hat ein ungutes Gefühl. Irgendetwas stimmt mit diesem Lars Wolfsen nicht …

Ein sonniger Frühlingstag war angebrochen. Von draußen wehte ein Duft nach Flieder und Jasmin herein. Patty stand am offenen Fenster und atmete tief die frische Morgenluft ein. Es war noch früh, ihre achtjährige Tochter schlief noch. Aber gleich würde sie Mareike wecken müssen, damit sie nicht zu spät zur Schule kam.

Ein wenig Zeit blieb Patty noch, um sich in den Tag hineinzutasten. Es fiel ihr nicht leicht, Mareike jeden Morgen mit ein paar fröhlichen Worten und einem Lächeln zu wecken. An manchen Tagen fühlte sie sich deprimiert, und obwohl sie erst dreißig Jahre alt war, fehlte ihr oft der Schwung, der sie früher bei ihren Bekannten so beliebt gemacht hatte. Es war mühsam, wieder einen neuen Tag zu beginnen – einen Tag ohne Florian.

Während sie ins Bad ging, um zu duschen und die letzten Spuren der Müdigkeit zu vertreiben, musste sie wieder an ihn denken, und das perlende Wasser der lauwarmen Dusche vermischte sich mit ihren Tränen. Noch immer erschien es ihr unfassbar, dass Florian nicht hereinkam, sie zärtlich in die Arme nahm und küsste. Nie wieder würde es so sein wie früher. Florian war tot, hatte sie und Mareike in einer brennenden Trauer zurückgelassen.

Zwei Jahre war es nun schon her, dass ihr Mann mit seinem einmotorigen Sportflugzeug abgestürzt war. Der Tag, sie erinnerte sich genau, war ein Frühlingstag gewesen wie dieser, aber schon am Morgen war die Sonne seltsam trübe erschienen, wie mit einem roten Tuch verhangen.

Florian war immer ein begeisterter Hobbypilot gewesen, nie leichtsinnig, aber auch nicht übertrieben ängstlich. Sie hatte sich oft gewünscht, dass er sich ein anderes Hobby zulegen würde, denn diese kleinen Flugzeuge kamen ihr »wacklig« vor, wie sie es nannte. Aber es war sinnlos, ihn von der Fliegerei abbringen zu wollen, sie hatte es ja gewusst, als sie ihn geheiratet hatte. Nur sehr selten hatte sie sich überwinden können, mit ihm in sein Sportflugzeug zu steigen, und wenn, dann hatte sie völlig verkrampft neben ihm gesessen.

»Süßes kleines Angsthäschen«, pflegte Florian zu sagen, wenn sie wieder sicher gelandet waren. »Warum machst du dir nur solche Gedanken? Es passieren viel mehr Unfälle im Straßenverkehr als in der Luft mit einem Flugzeug!«

Stillschweigend hatten sie ein Abkommen geschlossen: Sie nörgelte nicht mehr an seinem Hobby herum, und er versuchte nicht, sie zum Mitkommen zu überreden.

An jenem Tag vor zwei Jahren hatte er sich mit einigen Freunden in Hamburg treffen wollen zum jährlichen Fliegerfest, das die Vereinigung der Hobbypiloten, der er angehörte, an wechselnden Orten veranstaltete. Heiter und liebevoll, wie es seine Art war, hatte er sich von seiner Frau und seiner kleinen Tochter verabschiedet, und obwohl Patty ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend verspürt hatte, war sie auf seinen ungezwungenen Ton eingegangen. Aber sie hatte ein wenig länger als gewöhnlich an seinem Hals gehangen, hatte wieder und wieder durch sein dichtes braun gelocktes Haar gestreichelt.

»Bleib doch da, Papa!«, hatte auch Mareike gebettelt. »Ich möchte lieber in den Zoo gehen oder auf dem Rhein Schiff fahren!«

Eine Weile hatte Florian gezögert und schließlich lachend gemeint: »Man soll es doch nicht für möglich halten! Meine zwei Mädchen tun ja geradeso, als ob ich zum Nordpol fliege. Hamburg ist doch wirklich nicht aus der Welt! Ich fliege hin, übernachte dort, und morgen bin ich schon wieder da! Mareike, Spätzchen, ich verspreche dir, am nächsten Wochenende fahren wir mit dem Schiff und gehen außerdem noch stundenlang in den Zoo! Und die Mama lade ich zum Essen ein, quasi als kleine Entschädigung. Seid ihr nun beide zufrieden, ihr zwei Angsthasen?«

Aber er hatte sie beide, seine geliebte Patty und die immer fröhliche kleine Mareike, ganz fest in die Arme gezogen.

Weder zu der Fahrt mit dem Schiff noch zum ausgiebigen Zoobesuch war es noch gekommen. Florian war erst kurz unterwegs gewesen, als sich der Himmel verdüstert hatte und ein merkwürdiger, richtungsloser Wind aufgekommen war, der sein leichtes Flugzeug von einer Böe in die nächste geschleudert hatte.

Patty hatte daheim mit tiefer Besorgnis den plötzlichen Wetterumschwung bemerkt, und als Mareike sich ängstlich an sie geklammert hatte, weil der Sturm sie erschreckte, hatte eine eiskalte Faust nach ihrem Herzen gegriffen.

Wenig später hatte das Telefon geklingelt, und man hatte ihr mitgeteilt, dass Florian abgestürzt und sofort tot war.

Doch nicht er!, hatte Patty wie gelähmt gedacht und darauf gewartet, weinen zu können. Florian doch nicht! Mit so viel Flugerfahrung! Das muss ein Irrtum sein!

Aber sie hatte gewusst, dass es kein Irrtum war. Warum war sie nicht so vernünftig wie Mareike gewesen, die ständig geschluchzt hatte: »Papa kommt nicht wieder. Mein lieber Papa kommt nicht wieder!« Dabei waren unzählige Tränen über das hübsche kleine Gesicht gelaufen. Ja, Mareike hatte weinen können, sie nicht.

Bewegungslos hatte Patty die Formalitäten der Beerdigung über sich ergehen lassen. Ebenso starr hatte sie Kondolenzbesuche von Verwandten und Freunden entgegengenommen.

Sie hatte sich in eiskalten Schmerz vergraben, bis Mareike sie eines Tages umarmt und geschluchzt hatte: »Mami, ich bin ganz allein! Mit Papi kann ich nicht mehr sprechen, er kommt nicht wieder, und du sagst nichts mehr zu mir. Du sitzt da herum und guckst so merkwürdig. Wenn du mich nicht mehr willst, will ich auch dahingehen, wo Papa jetzt ist!«

Da war Patty zu sich gekommen: Das Kind brauchte sie doch! Und zwar noch mehr als früher, denn wie sollte die Kleine es auch verkraften, dass ihr geliebter Papa nicht mehr da war?

Sie hatte Mareike ganz fest in die Arme geschlossen, und nach der eiskalten Erstarrung hatte sich jetzt all ihre Trauer in einem Strom von Tränen gelöst.

Schwer, unendlich schwer war es gewesen, ohne Florian weiterzuleben. Die schöne helle Wohnung in dem gepflegten Vier-Familienhaus war Patty auf einmal fade und trist vorgekommen. Sie hatte kaum eines der Möbelstücke ansehen können, die sie zusammen mit Florian gekauft hatte, ohne sofort wieder in Tränen auszubrechen. Sie hatte keine Lust mehr gehabt, sich mit Freunden oder Bekannten zu treffen.

Es war ihr gleichgültig gewesen, ob die Zimmerpflanzen vor sich hin welkten oder ob der Wasserhahn im Bad tropfte. Was ihr an Kraft verblieben war, hatte sie für Mareikes Betreuung gebraucht.

Nur langsam hatte Patty kleine Schritte ins Leben zurückgemacht. Es hatte sie große Überwindung gekostet, sich wieder im Spiegel anzusehen. Die Trauer hatte Spuren auf ihrem Gesicht zurückgelassen, dennoch war sie eine bezaubernde junge Frau mit großen graublauen Augen in einem schmalen Gesicht. Ihre helle Porzellanhaut harmonierte perfekt mit den gewellten goldblonden Haaren.

Die blonden Haare hatte Mareike von ihr geerbt, die Kleine trug sie mit einer Schleife zu einem Pferdeschwanz gebunden.

Mareike liebte Pferde und Ponys über alles, weshalb für sie natürlich auch keine andere Frisur infrage kam: Sogar ihre Freundin Inga hatte sie inzwischen mit ihrer Pferdeliebe angesteckt, und die beiden hatten es durchgesetzt, einmal in der Woche zum Reiten zu gehen. Am Stadtrand von Guntersberg, gar nicht weit von Patty Walters Wohnung entfernt, lag der Reiterhof »Waldwinkel«, in dem die kleineren Kinder Unterricht auf Shetlandponys erhielten.

Mit der Zeit hatte sich Patty wieder in den Griff bekommen und vermochte auch ihre Tochter zu trösten, wenn diese einmal wieder über Papas Tod weinte. Sie sagte der Kleinen, in Gedanken könne sie doch immer mit Papa sprechen, der ihr bestimmt zuhören könne. Der Papa sei zwar nicht mehr bei ihnen, aber er sei ganz gewiss irgendwo anders, wo es ihm gut gehe.

Das leuchtete Mareike ein. Klar, Papa würde sie bestimmt liebhaben, sie und die Mami, anders war es gar nicht möglich. So akzeptierte Mareikes kleine Kinderseele nach und nach die Tatsache, dass der Vater von ihr gegangen war.

Patty hatte wieder angefangen zu arbeiten, teils um sich von ihrem Schmerz abzulenken, teils um die Kasse aufzubessern. Zwar hatte es keine direkte finanzielle Not für sie und Mareike gegeben, denn Florian hatte gut vorgesorgt und außerdem eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen, aber Patty wollte sich doch gerne einige Rücklagen bilden. Außerdem war die Miete erhöht worden. In eine preiswertere Wohnung umziehen wollte sie trotzdem nicht. Mareike hatte hier ihre gewohnte Umgebung, ihre Spielgefährten, vor allem Inga, und der viel geliebte Reiterhof war auch in der Nähe.

In ihrem Beruf als Fremdsprachensekretärin war Patty eine gesuchte Fachkraft, und ihre Anstellung bei der Ex- und Importfirma »Hallwange & Co.« war ein Volltreffer gewesen. In kurzer Zeit hatte sie sich zur Chefsekretärin von Dr. Peer Hallwange hochgearbeitet, einem liebenswürdigen älteren Herrn, der so gar keine Chefallüren hatte.

So verlief das Leben für Patty und ihre kleine Tochter in recht angenehmen Bahnen. Die Wochenenden verbrachten die beiden bei schönem Wetter im Freien, ansonsten standen Kinobesuche, Bastelnachmittage und Besuche bei Freunden und Verwandten auf dem Programm.

Wenn da nur nicht diese Tage gewesen wären, an denen Patty mit einem Gefühl tiefster Depression aufwachte! Trotz ihres beruflichen Erfolges, trotz der Harmonie mit ihrer Tochter fehlte ihr jemand, mit dem sie ihre Probleme besprechen konnte, an dessen Schulter sie sich lehnen konnte, wenn sie sich müde fühlte – kurzum: Ihr fehlte Florian!

Immer wieder tauchte er in ihren Träumen auf, seine schönen braunen Augen mit den goldenen Pünktchen, die Mareike von ihm geerbt hatte, blickten sie tief und lange an, und am Morgen erwachte sie dann wie zerschlagen, das fein gezeichnete schmale Gesicht nass von Tränen.

***

Auch an diesem Frühlingsmorgen fühlte sich Patty bedrückt und mutlos. Würde sie es auf die Dauer schaffen, das Leben allein zu bewältigen und ihrer Mareike ein gutes Rüstzeug für die Zukunft mitzugeben?

Ihre Freundin Cornelia, mit der sie manchmal über ihre schwankenden Gefühle sprach, meinte, sie solle endlich ihre Trauer um Florian so weit überwinden, dass sie sich einem neuen Partner öffnen könnte.

»Es wäre Florian bestimmt nicht recht, wenn er sehen würde, wie niedergeschlagen und mutlos du manchmal bist«, fügte Cornelia hinzu. »Du musst doch weiterleben mit Mareike und auch mal wieder lachen können. Du darfst dich nicht einigeln, geh auch mal wieder unter Menschen, in ein Restaurant, ins Theater. Mareike ist doch so vernünftig, sie würde es verstehen, wenn du mal abends ausgehst. Du bist doch in den besten Jahren!«

Patty schlüpfte in ein leichtes Frühlingskleid und bürstete ihre vollen blonden Haare. Cornelia hatte sicher nicht unrecht, aber allein der Gedanke an einen anderen Mann kam ihr völlig abwegig vor. Wer könnte schon Florian ersetzen? Und was würde Mareike sagen, wenn ihre Mami plötzlich mit einem anderen Mann auftauchen würde? Es würde Schwierigkeiten geben.

Nein, dem fühlte Patty sich nicht gewachsen. Lieber blieb sie allein mit ihrer Tochter, schlief abends mit dem Gedanken an Florian ein und wachte am Morgen mit seinem Bild vor den Augen auf.

Leise deckte Patty in der Küche den Frühstückstisch: Cornflakes und Milch für Mareike, Butter, Toast und Konfitüre für sich selbst.

Sie nahm das Tuch von Tillys Käfig und sagte: »Guten Morgen, Sängerlein … ist ein richtiger Frühlingstag! Ich hoffe, du weißt, was das bedeutet! Als Kanarienvogel musst du dich heute so richtig ins Zeug legen, was das Singen anbelangt. Hör dir mal die Piepmätze draußen an, die veranstalten schon ein richtiges Konzert, und das am frühen Morgen!«

Tilly, klein, zitronengelb, betrachtete sie eine Weile aus seinen schwarzen Knopfaugen, schüttelte sein Gefieder und entschloss sich dann zu einem kurzen morgendlichen Begrüßungsträller. Im Grunde wartete er auf Mareike, die er heiß und innig liebte.

Gerade kam die Kleine im Nachthemd aus ihrem Zimmer getapst.

»Ist es schon so spät, Mami?«, rief sie fröhlich und öffnete die Balkontür. »Oh, tolles Wetter! Genau richtig für unser Klassenpicknick.«

»Zieh dich nur schnell an, Maus«, sagte Patty betont heiter, um vor Mareike zu verbergen, dass sie wieder einmal geweint hatte. »Der Kartoffelsalat für euer Picknick steht im Kühlschrank, den Rest mache ich dir gleich fertig. Am besten, du nimmst die kleine Kühltasche mit, dann schmeckt alles besser.«

»Ja, super!«, flötete Mareike vor Tillys Käfig. »Schade, dass du nicht mitkommen kannst in den Stadtwald zu unserem Klassenpicknick, Tilly. Du bist immer so lange allein den ganzen Tag.«

Tilly betrachtete Mareike mit schief gelegtem Kopf und brach in einen begeisterten Kanariengesang aus.

Sein melodisches Trillern verstummte während des ganzen Frühstücks nicht. Mareike, die ihre Cornflakes löffelte, betrachtete ihre Mutter verstohlen und platzte schließlich heraus: »Du hast wieder geweint, Mami! Wegen Papi, stimmt doch, oder? Bitte, Mami, sei nicht mehr so traurig. Der Papi will bestimmt nicht, dass du immer noch weinst.«

»Ach Maus!«, entgegnete Patty und seufzte. »Ich muss halt immer wieder an ihn denken. Und dann passiert es einfach, dass ich weine. Aber du hast recht, an einem so schönen Tag muss man einfach fröhlich sein. Und du vor allen Dingen, denn euer Klassenpicknick ist doch immer eine Wucht! Wir wollen jetzt mal an deinen Picknick-Proviant denken! Was möchtest du denn noch mitnehmen außer dem Kartoffelsalat?«

Schließlich war die Kühltasche für den Klassenausflug in den Stadtwald fertig gepackt, Tilly hatte frisches Futter erhalten, und Patty und Mareike verließen das Haus.

Drei Stationen vor Patty stieg Mareike mit Inga aus dem Bus, nachdem sie ihrer Mutti ein herzliches Abschiedsküsschen gegeben hatte.

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