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Finanzielle Unabhängigkeit - Strategie

Thilo Riegel

Finanzielle Unabhängigkeit
Strategie

Wie Sie

die finanzielle Dimension

Ihres „Projekts Unabhängigkeit“

abdecken

V. 1.6.2/mix

Vorwort

1. Dezember 2013. Ich war auf dem Rückweg von Ghana, wo ich gerade einen Monat ehrenamtlich als Grundschullehrer für eine NGO gearbeitet hatte. Die letzte Nacht hatte ich auf dem Rückflug von der Hauptstadt Accra nach Lissabon verbracht, und ich saß jetzt in der ersten Maschine von Lissabon nach München. Die Sonne ging gerade auf, das Frühstück war gerade abgeräumt worden, und die meisten der wenigen anderen Passagiere schliefen. Ich dachte über meine Situation nach.

Fast ein Jahr war vergangen, das Sabbatical war also fast um. Zu schnell, wie befürchtet.

Obwohl wir uns vorgenommen hatten, bis zu einem Stichtag im Februar/März keine Gedanken an die Zeit „danach“ zu verschwenden, dachte ich also darüber nach, was denn jetzt kommen würde. Wie würde es aussehen, mein neues „normales“ Leben? Womit würde ich mein Geld verdienen?

Ich brauchte nicht wirklich zu überlegen, ob ich wieder in die Beratung zurückgehen wollte: Nein, jedenfalls nicht unter diesen – leider recht üblichen – Bedingungen! Würde ich mir also irgendwo in einer großen Firma einen „sicheren“ Job, eine Nische in der Linie suchen? Vor dieser Vorstellung graute mir! Würde mich überhaupt noch jemand nehmen, mich Querkopf mit meinen 42 Jahren, der lautstark im Vorstellungsgespräch bewusst kantig auftreten würde?

Und selbst, wenn ich also etwas fände: Würde die Bezahlung für das teure München reichen? Wären wir überhaupt noch in München? Wie lange würde es dauern, bis mir im Job wieder die Galle hoch käme? Der Sucht-Effekt, den das Sabbatical auf uns hatte, war stärker als erwartet: Wir hatten Blut geleckt. Freiheit macht süchtig! Nie wieder wollten wir unsere Zeit jahrelang in Bürojobs verplempern! Nie wieder wollten wir uns von tausend dämlichen Regeln gängeln lassen! Nie wieder wollten wir uns so abhängig von Erwartungen machen und zu Sklaven unserer Lebensläufe werden! Auf welchen Job könnte ich jetzt noch passen? Was könnte ich jetzt im Beruf noch groß lernen? Wie man den Chef noch schneller reich macht? Ich hatte das Gefühl, zu einem guten Zeitpunkt gegangen zu sein.

In Ghana hatte ich an einem ruhigen Sonntagnachmittag die Unterteilung unseres „Alterstopfes“ skizziert – er würde uns in Zukunft teilweise tragen müssen. In diesem Sinne hatte unser „Alter“ gerade begonnen. Das würde uns ein Stück unabhängiger machen! Und im Projekt dort hatte ich gelernt, mich zu fokussieren und keine Zeit mit dummen und destruktiven Leuten zu verschwenden, sondern mich an die konstruktiven zu halten, weil mein Einsatz so kurz war. Das ganze Leben ist so kurz… diese Krankheit hätte mich vor nicht einmal 2 Jahren fast dahingerafft…

Damals im Krankenhaus, im Januar 2012, als ich mich zeitweise ernsthaft fragen musste, ob ich eigentlich meinen nächsten Geburtstag noch erleben würde (und wenn ja, in welchem Zustand), hatte ich mir eingestehen müssen, dass ich in den letzten Jahren zu viel Zeit verschwendet hatte. Ich hatte der Arbeit viel zu viel Zeit gewidmet; Arbeit, die durchaus nicht schlecht war, aber die mir nicht annähernd so viel bedeutete, um das zu rechtfertigen. Darüber hatte ich vergessen, zu leben. Mir das einzugestehen, tat sehr weh. Mein zweites Leben, das am Tag meiner Operation beginnen würde, würde ich nicht mehr verschwenden.

Diese Gedanken kamen mir wieder, als ich mir weiter Notizen machte. Der ganze Bewerbungs-Zirkus und das soziale Verhalten im Job funktionieren nach bestimmten Regeln, die ich nicht mehr ganz akzeptierte. Wenn ich an die kommenden Vorstellungsgespräche dachte, regte sich innerer Widerstand. Ich erinnerte mich an die arroganten Schnösel, mit denen ich im letzten Interview im Sommer 2011 gesprochen hatte, mit ihren Reinhau-Fressen, die gänzlich von sich eingenommen waren und mich wie einen Bittsteller behandelten bzw. irritiert reagierten, weil ich mich in ihren Augen nicht devot genug verhalten hatte. Es ist verrückt, seine wertvolle Zeit mit solchen Leuten in solchen Umgebungen zu verschwenden! Mir wurde klar, dass ich mittlerweile überhaupt nicht mehr System-kompatibel war. Allein beim Gedanken an einen „normalen“ Job krampfte sich bei mir innerlich alles zusammen.

Meine Gedanken wanderten weiter zu diesem einen Abend im Projekt, im Juni 2012, als das hohe Tier nach einem langen und harten Arbeitstag immer noch kein Ende der Besprechung fand – wo ich es als einziger gewagt hatte, mich zu beschweren, dass ich nun aber Hunger hätte und ich keine Lust hätte, noch bis Mitternacht zu arbeiten. Dieses peinlich berührte Schweigen von allen, als ich tatsächlich das Undenkbare tat: Meine Sachen packen und gehen! Ich würde es nicht mehr zulassen, dass mir irgendwelche hohen Tiere mein Leben stahlen! Schon gar nicht in einer Umgebung, die für solche Reaktionen keinerlei Verständnis zeigte.

Etwas Sinnvolles zu tun und sich mit Leuten zu umgeben, die noch nicht oder nicht mehr so System-versaut waren, wie z.B. in Ghana, das war doch mal eine sehr viel bessere Art, seine Zeit zu verbringen! Sicher, auch dort war ich nicht über alles hocherfreut, auch dort gibt es Arschlöcher, und auch so etwas würde ich nicht länger machen wollen, aber wenigstens war es mal eine echte Alternative, nicht dieser ewig gleiche, pseudo-vielfältige Scheiß…

Dann setzte ich beim Schreiben ab und traf eine Entscheidung, und ich schrieb sie in Großbuchstaben aufs Papier:

ICH WERDE NIE WIEDER MEINE ZEIT VERSCHWENDEN!

Damit war klar: Ich würde mir keinen neuen Job suchen. Nie wieder durfte es vorkommen, dass ich mich an eine Firma verkaufte. Nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ! Konnte die Not wirklich so groß werden, dass ich das doch noch einmal täte, gezwungenermaßen? Das würde ich eben verhindern müssen! Ich wusste noch nicht genau, wie, aber ich würde es tun. Meine Unabhängigkeit ist mir viel zu wichtig!

An diesem Tag begann ein neues Stadium in meinem persönlichen „Projekt Unabhängigkeit“.

Inhaltsverzeichnis

1    Armut? Ja bitte! Wie Sie mit Sicherheit scheitern

1.1    Ihr Leben: Eigentlich ist doch alles in Ordnung, oder?

1.2    Willkommen, Alters-Armut!

2    Armut? Nein danke! Der Weg zur Unabhängigkeit

2.1    Das Framework

2.2    Fundament und Erdgeschoss

2.3    Erster Stock

2.4    Zweiter Stock

2.5    Dritter Stock

2.6    Dach

2.7    Der Weg nach oben

3    Umsetzen, bitte!

3.1    Ansatz

3.2    Technisches

3.3    Schluss

4    Übergreifendes und Sonderthemen

4.1    Immobilien zur Selbstnutzung

4.2    Investments und passives Einkommen

4.3    Produktives Eigentum

4.4    Privatrente

4.5    Versicherungen

4.6    Gesundheit und Pflege der Eltern

4.7    Kinder

4.8    Disziplin

4.9    Angst und Sicherheit

5    Quellen und Verzeichnisse

5.1    Literaturverzeichnis

5.2    Kommentare zu ausgewählter Literatur

5.3    Abbildungsverzeichnis

Kapitel 1

Armut? Ja bitte! Wie Sie mit Sicherheit scheitern

Kennen Sie Nico Semsrott, den Satiriker und Stand-Up-Comedian („Tragedian“), der immer in seiner Figur als ständig depressiver, Suizid-gefährdeter „Demotivationstrainer“ auf Tour geht?1

Nein, ich bin nicht ständig depressiv, und diese Masche wird sich sicherlich auch irgendwann einmal totlaufen, aber eines mag ich besonders an seinen Nummern: Er spielt gekonnt mit Tabus und nicht erfüllten Erwartungen des Publikums. Er verdreht, womit wir täglich so medial überzogen werden: Positives Denken, „Du kannst Dich verbessern/alles erreichen“, „im Leben stehen uns alle Möglichkeiten offen“ usw. – der morbide Reiz seiner Nummern besteht für mich darin, dass er das alles gekonnt und rabulistisch ins Gegenteil verkehrt und die teilweise naive Philosophie dahinter entlarvt.

Was hat das mit uns und unserem Thema zu tun?

  • Er rüttelt auf. Er nimmt knallhart unsere schönen Vorstellungen aufs Korn – und übertreibt dabei auch gezielt. Das will ich auch.

  • Er macht es satirisch. Ich mache das nicht (oder nur ein ganz klein wenig, hier und da).

Es steckt natürlich eine tiefere Absicht dahinter. Diejenige nämlich, dass ich einigen von Ihnen einen Spiegel vorhalten möchte.

Lesen Sie im Folgenden eine Geschichte à la Nico Semsrott.

1.1    Ihr Leben: Eigentlich ist doch alles in Ordnung, oder?

Sie haben bis jetzt einen schönen Lebenslauf „absolviert“: Schule mit Abitur und Studium jeweils mit guten Noten abgeschlossen. Und ein bisschen herumgekommen sind Sie auch damals, der Spaß ist nicht zu kurz gekommen.

Ersten Job erfolgreich gekriegt. Sie mussten 1,5 Jahre für zu wenig arbeiten, und am Anfang wurden Sie kaum wahrgenommen. Aber dann hat man Ihnen eine Chance gegeben, in der Sie sich beweisen konnten. Dann hat man Ihnen mehr Verantwortung gegeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten (Sie mussten noch was lernen) haben Sie das auch ganz gut gepackt. Weitere 1,5 Jahre später standen Sie vor der nächsten Beförderung.

So ging das weiter. Inzwischen sind Sie in Ihrem dritten oder vierten Job. Sie haben stetig dazu gelernt, es gab mehr Gehalt… es hat sich eben ganz gut entwickelt. Inzwischen leiten Sie ein kleines Team. Sie haben viel Stress, tragen viel Verantwortung (vielleicht ein bisschen zu viel für das Geld, das Sie bekommen) und können sich einbringen. Ganz so rasant geht es inzwischen nicht mehr so voran mit der Karriere, weil die Wirtschaftslage schwierig ist, und weil man ja ab einem gewissen Level auch nicht mehr alles nehmen will und auch die Konkurrenz härter wird…

Es hat sich auch privat einiges getan. Vor zehn Jahren haben Sie Ihre Frau kennengelernt, vor sieben Jahren haben Sie geheiratet. Sie haben zwei Kinder bekommen, und nächstes Jahr kommt das zweite in die Schule. Sie haben sich ein Haus gekauft, die Kinder brauchen Platz. Es ist etwas weiter draußen (zentral ist es unbezahlbar), daher haben Sie zwei Autos. Ihre Frau, die vorher auch gearbeitet hatte, konnte drei Jahre nicht oder kaum arbeiten, und inzwischen verdient sie wenigstens wieder ein bisschen dazu.

Finanziell kommen Sie zurecht. Ihre Frau überwacht das Haushalts-Budget. Es könnte natürlich mehr sein, aber Sie müssen nun wirklich keine Not leiden. Sie tun was zur Seite. Altersvorsorge muss sein. Über Ihren Arbeitgeber haben Sie eine Direktversicherung bekommen, und Sie riestern. Die staatliche Förderung muss man mitnehmen. Sie können sich einen großen Urlaub im Jahr leisten. Wenn es geht, machen Ihre Frau und Sie auch mal eine Städtereise übers Wochenende oder so. Sie haben auch noch Geld auf der Bank, aber es ist nicht viel, schließlich müssen Sie den Kredit abbezahlen. Aktien haben Sie nicht – das heißt, abgesehen von den Aktien vom Arbeitgeber, die sind Gehaltsbestandteil. Aber ansonsten lassen Sie die Finger davon, denn das ist zu riskant. Sie müssen schließlich eine Familie ernähren. Sie haben mal was mit Zertifikaten probiert vor ein paar Jahren, aber das war kein sehr großer Betrag, und es hat sich auch nicht überragend entwickelt.

Überhaupt haben Sie nicht so viel Zeit dafür. Der Job fordert Sie, und aus ihm kommt schließlich das ganze Einkommen. Sie konzentrieren sich darauf, für Ihren Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, denn heute muss man froh sein, einen Job zu haben. Und mit der Beförderung, die nächstes Jahr klappen könnte, kommt ja dann auch wieder mehr Geld. Dann können auch endlich die neuen Möbel gekauft werden.

Eigentlich haben Sie’s bisher sehr gut gehabt im Leben. Ihre Familie füllt Sie aus, in der Gemeinde sind Sie unter den Nachbarn gut gelitten, Ihr Job ist OK, Ihr Arbeitgeber stellt noch Leute ein, Sie können sich was leisten, und fürs Alter ist auch vorgesorgt. Was will man mehr?

1.2    Willkommen, Alters-Armut!

Nur zu, machen Sie so weiter wie vielleicht 90% der Bevölkerung in allen westlichen, reichen Ländern: Machen Sie sich systematisch arm!

Sie haben einen Job, der Ihnen Ihre Einnahmen bringt. Genauer: Ihr Arbeitgeber bezahlt Sie. Aus diesem Geldfluss heraus bezahlen Sie fast alles (Abbildung 1.1 auf der nächsten Seite).

Es geht ganz gut, aber es reicht leider nicht ganz. Also nehmen Sie sich einen Kredit hier und da. Die Lebenshaltung in Ihrer Gegend ist teuer, die Rate für den Hauskredit ist hoch, die Kinder brauchen mal wieder ein paar neue Klamotten, und das Auto musste kürzlich wieder in die Werkstatt. Also brauchten Sie kurz mal einen Kredit. Zur Überbrückung. Für diesen Kredit müssen Sie Zinsen zahlen, und das Darlehen fürs Haus läuft natürlich noch eine Zeit. Sie würden sich gerne einen Urlaub leisten (Sie haben schließlich hart gearbeitet), und am Keller müsste auch noch was gemacht werden. Aber es geht gerade nicht. Da kommt ein paar Tage später ein Brief von der Bank ins Haus. „Erfüllen Sie sich Ihre Wünsche mit unserem unkomplizierten Sofort-Komfortkredit!“. Sie werden schwach und greifen zu. Schließlich haben Sie es sich verdient, und – meine Güte! – so schlimm ist es ja auch wieder nicht. Sie sind ja schließlich nicht auf dem Weg zur Überschuldung.

Abbildung 1.1: Armut, Teil 1

Zur Überschuldung zwar nicht – noch nicht – aber auch nicht viel besser. Viele Leute machen das so, ohne wirklich arm oder überschuldet zu sein, sind also nicht wirklich ein Fall für Peter Zwegat.2 Und doch ist es – langfristig gesehen – der sichere Weg in die Altersarmut. Sie haben i.W. nur eine Geldquelle, und die Lebenshaltung ist nicht abgedeckt. Die Kredite müssen bedient werden, d.h. Sie arbeiten zuerst für die Bank, bevor Sie sich etwas zu essen kaufen können (bevor Sie überhaupt die Miete bezahlen können). Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, verschärfen Sie die Situation noch dadurch, dass Sie sich Goodies auf Kredit kaufen, was nichts anderes bedeutet, als dass Sie die nächsten Monate noch länger für die Bank arbeiten, bevor Sie irgendetwas anderes bezahlen können. Sie legen nichts zur Seite – wie auch? Alle Finanzratgeber sagen (zu Recht!), dass man erst seine Schulden abbezahlen muss, bevor man sich daran macht, das Geld anzulegen. Also haben Sie kein Vermögen (abgesehen vom Haus, was aber noch mit einer Hypothek belastet ist) und erst recht kein passives Einkommen. Sie werden auf absehbare Zeit auch keines haben. Es wird einfach immer so weiter gehen. Wir wollen erst gar nicht davon reden, was passiert, sollten Sie länger krank werden und das Gehalt fällt aus… Die „Kurzform“ all dessen sehen Sie in Abbildung 1.2.

Abbildung 1.2: Armut, Teil 2

Ihnen rinnt das Geld durch die Finger. Sie gehören zu den 90%, die verlieren. Sie sind in der Falle, und die meisten sind sich noch nicht einmal dessen bewusst. Und diejenigen, die es doch sehen, sehen keinen Weg heraus, jedenfalls keinen schnellen – stimmt, weil es keinen schnellen Weg heraus gibt.3 Und es wird leider nicht wirklich besser, sondern eher schlimmer. Man arbeitet und arbeitet und kommt trotzdem irgendwie nicht weiter. Die letzte Gehaltserhöhung ist schon länger her, die Zeiten sind hart. Der Chef hat angedeutet, dass die nächste auch nicht so hoch sein wird, wie Sie sich erhofft haben. Ohnehin werden Sie nur dann befördert, so hat man Ihnen zu verstehen gegeben, wenn Sie sich ordentlich reinhängen. Das Projekt muss pünktlich fertig werden, koste es, was es wolle. An pünktlichen Feierabend ist schon lange nicht mehr zu denken, man will ja auch nicht als faul herüberkommen. So wird das nichts mit der Beförderung. Also mehr und härter arbeiten. Das zehrt an der Substanz. Sie fühlen sich manchmal einfach nur erschöpft. Sie wollen sich mal was gönnen. Sie brauchen Ablenkung. Also kaufen Sie sich dieses eine Goodie. Also brauchen Sie dafür mal wieder einen kleinen Kredit, weil’s gerade knapp ist. Nur diesen einen, es ist wirklich das letzte Mal…

Zwei Jahre später haben Sie keinen Job mehr. Es ist nicht Ihre Schuld, so etwas kann heutzutage jeden treffen. Die Firma konnte ihre Produkte und Dienstleistungen nicht mehr gut verkaufen. Es hat leider nicht mehr ganz gereicht. Sie haben zum Glück recht schnell einen neuen Job gefunden. Leider nicht ganz so gut bezahlt. Und in einer anderen Stadt. Sie müssen jetzt pendeln, eine kleine Wohnung in der Stadt unterhalten. Das geht ins Geld. Aber es muss sein. So geht das ein weiteres Jahr. Ihre Ehe läuft nicht mehr so gut. Sie hat gelitten, schon unter dem alten Job. Der neue mit Wochenendehe macht’s natürlich nicht einfacher. Die Kinder wollen ständig neue Klamotten und das neueste xyz-Phone, sonst sind sie out und ausgegrenzt. Der letzte teure Urlaub sollte die Familie wieder zusammenbringen, die Ihnen in letzter Zeit so fremd geworden war, aber er hat an den Tag gebracht, wie schlimm es wirklich inzwischen steht.

Ihre Frau und Sie trennen sich. Es geht einfach nicht mehr. Das Haus ist zum Glück noch was wert. Im Prinzip. Nur jetzt gerade nicht. Sie suchen ein Jahr lang einen Käufer, bevor Sie’s doch verkaufen können – mit Verlust. Die Einrichtung war teuer (Ihre Frau wollte unbedingt die Hauptbull-Küche und Sie die teuren Fliesen), aber der Käufer zahlt Ihnen keine gute Ablöse dafür. Der Makler nimmt auch noch ordentlich was, aber er hat immerhin geholfen; ohne Makler geht heute nichts, und Sie haben schließlich anderes zu tun. Ein Teil vom Darlehen bleibt noch. Sie zahlen Unterhalt für Frau und Kinder – neben Ihrer eigenen Wohnung.

Sie sind jetzt nicht nur wieder bei Null, sondern schlechter dran, als Sie es jemals waren. Sie haben Schulden (wenn auch nicht mehr ganz so hohe) und keinerlei Vermögen. Die letzten 4 Jahre waren hart, und Sie sind voll in der Midlife-Crisis. Sie müssen mal ausspannen, brauchen ein bisschen Ablenkung, damit Sie wieder gut Gas geben können. Was gewesen ist, ist gewesen, Sie müssen nach vorne schauen. Sie buchen sich das teure Wellness-Wochenende…

Weitere 5 harte – sehr harte! – Jahre später teilt Ihnen Ihr Chef mit, dass er Sie nicht mehr braucht. Nach allem, was Sie für ihn getan haben.

1www.mehr-depression.de

2 Falls Sie ihn nicht kennen sollten: Der Schuldenberater-Papst in Deutschland mit seiner eigenen Sendung.

3 Ich nehme mal an, dass Sie nicht im Lotto gewinnen und keine reiche Tante haben, die Sie beerben können.

Kapitel 2

Armut? Nein danke! Der Weg zur Unabhängigkeit

Sie haben den vorigen Abschnitt gelesen. Fühlten Sie sich angesprochen? Fanden Sie es eher amüsant oder eher nervig oder gar unverschämt, weil er gewisse Unterstellungen und implizite Botschaften enthält?

Haben Sie Lust, weiter zu lesen? Natürlich wird die Beschreibung nicht ganz genau auf Sie passen, aber könnte es sein, dass Sie ein leichtes Gefühl des Unbehagens spüren, weil Sie gewisse Parallelen sehen? Es würde mich nicht wundern, denn so leben viele Leute. Auch ich habe mal ähnlich gelebt.1

Ich gehe davon aus, dass Sie nicht wirklich Lust darauf haben, im Alter arm zu sein, und dass Sie deshalb auch Lust haben, weiter zu lesen. Den „Nico-Semsrott-Modus“ schalte ich jetzt auch wieder aus.

Hier können Sie also lesen, wie Sie es besser machen.

2.1    Das Framework

Unabhängigkeit zu erlangen, ist ein langfristiges und aufwändiges Projekt; ich sehe es sogar als Lebensaufgabe. Da müssen wir uns ein bisschen Struktur geben.

Abbildung 2.1: Das Gesamt-Framework

Wenn Sie bereits ein bisschen auf projekt-unabhaengigkeit.de gestöbert haben, dann sind Sie mit dem Framework vertraut. Abbildung 2.1 zeigt das Gesamt-Framework. Dieses Buch beschränkt sich, wie der Titel schon sagt, auf die Wabe links unten, also das materiell-finanzielle – im Rahmen dieses Buchs bleiben wir sogar nur beim rein Finanziellen.2

Wenn wir also geistig einen Klick auf diese Wabe machen und eine Detailebene tiefer steigen, dann sehen wir eine Untersystematik in Form eines Hauses, die in Abbildung 2.2 auf der nächsten Seite dargestellt ist. Dieses Haus bezeichnen wir künftig der Einfachheit halber (und abweichend von den Web-Seiten) als „das Framework“. Das Framework beschreibt, wie der Weg zur Unabhängigkeit aussieht.

Zu jedem der Bausteine im Framework auf dem Weg zum „Dach“, Ihrer Unabhängigkeit, werden Sie in den folgenden Abschnitten Einzelheiten lesen.

Bevor wir dabei zum Kern der Sache kommen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein – das sind die Basis-Bausteine im unteren Teil des Bildes: „Ihre Voraussetzungen“ und „Ihre Werte und Ihr Mind-Set“. Ich behaupte, dass man dieses Programm nicht durchlaufen kann, wenn diese Basis nicht steht. Dass Ihre Voraussetzungen dabei erfüllt sind, setze ich, wie der Name schon sagt, eben voraus. Wenn das bei Ihnen nicht der Fall sein sollte, dann dürfte die weitere Lektüre für Sie wohl nur von akademischem Interesse sein. Zu den Werten und dem Mind-Set: Das kann ich Ihnen natürlich ebenfalls nicht einfach „überstülpen“, aber im Gegensatz zum untersten Baustein gehe ich hier davon aus, dass Sie das entwickeln können und dieses Buch dazu vielleicht relativ schnell einen Anstoß geben kann.

Abbildung 2.2: Das finanzielle Framework

2.2    Fundament und Erdgeschoss

Wenn Sie Häuslebauer sind, dann wissen Sie, dass das Fundament, im Vergleich zum Rest des Hauses, am längsten braucht und am teuersten ist. Und das, obwohl man es zum Schluss nicht sieht und es im Bau auch ziemlich unspektakulär aussieht. Auch ein Erdgeschoss macht für sich allein noch nicht viel her. Trotzdem muss es alle anderen Stockwerke tragen.

Und ich glaube, dass ich die Metapher mit dem Haus nicht zu weit treibe, wenn ich behaupte, dass die beiden Bausteine, die jetzt folgen, für die meisten von Ihnen die mit Abstand schwersten sein werden. Und im Gegensatz zum Fundament und Erdgeschoss bei Ihrem Haus werden dieses Fundament und Erdgeschoss wohl nie wirklich abgeschlossen sein. Sie werden ständig, für den Rest Ihres Lebens, daran arbeiten müssen, es stabil zu halten und auszubauen.

Ich selbst z.B. habe Jahre gebraucht, um mein Fundament und Erdgeschoss so weit zu bringen, wie sie heute sind, und ich bin auch heute noch immer wieder damit beschäftigt, an ihnen zu arbeiten. Und das war und ist nicht einfach für mich!

Packen wir’s an, Grund abstecken, Bagger her!

Ihre Voraussetzungen

Ich hatte im Abschnitt „Armut? Ja bitte! Wie Sie mit Sicherheit scheitern“ [Abschnitt 1 auf Seite 7] bereits den Comedian Nico Semsrott erwähnt. An dieser Stelle muss ich nochmal auf ihn zurückkommen, denn einen Punkt muss ich zu ihm noch erwähnen: Er ist nicht für jeden genießbar, und das strebt er auch gar nicht an.

Dasselbe gilt für mich. Ich verlange viel von meinen Lesern. Pädagogisch-psychologisch geschicktes Vorgehen gehört nicht zu meinen allergrößten Stärken. Ich werde daher gar nicht erst versuchen, Sie „sanft“ dazu zu überreden, doch vielleicht einmal in Erwägung zu ziehen, ob das, was ich Ihnen zu sagen habe, eventuell von Vorteil für Sie sein könnte. Im Grunde genommen will ich Sie zu gar nichts überreden, weder sanft noch unsanft. Vielmehr werde ich Sie immer wieder mal auf Wege abseits des Mainstreams mitnehmen und dabei auch dann und wann einmal ein bisschen provozieren, um Sie aus der Reserve zu locken. Das, was ich Ihnen zeige, sind nur „kleine Zipfel“. Sie müssen sich den Rest erarbeiten. Andere Autoren würden das eine oder andere Thema vielleicht etwas diplomatischer angehen, und ich könnte das wohl auch – halte das aber hier nicht für zweckmäßig und habe, ehrlich gesagt, auch keine besondere Lust darauf.

Mentale Voraussetzungen

Wenn Sie durch dieses Buch kommen möchten, ohne sich ständig zu ärgern, sollten Sie sich daher innerlich wappnen. Ich bezwecke nicht, jedem von Ihnen zu bestätigen, dass Sie aus meiner Sicht alles richtig machen. Ich erwarte, dass Sie im einen oder anderen Abschnitt ein bisschen Geduld zeigen und nicht gleich nach jedem Satz, mit dem Sie nicht 100%-ig einverstanden sind, die Augen rollen und das Buch weglegen. So bringt das nichts. Sie sollten dieses Buch – wie alles, was einen wirklich weiter bringen soll, offen und „wohlwollend“ lesen.

Das Projekt, das ich in diesem Buch beschreibe, ist nicht für jeden geeignet!

Sie haben gute Chancen, dieses Buch/dieses Projekt gut durch zu bekommen, wenn für Sie die folgenden notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sie haben bereits auf die übliche Art „vorgesorgt“, sind sich aber nicht so sicher, ob das wirklich reicht/Sie vor Altersarmut rettet.

  • Sie haben das Gefühl, ständig einen Schritt vor und einen zurück zu machen, aber nicht wirklich voran zu kommen.

  • Sie haben keine Angst vor Veränderungen oder vor dem Anders-Sein, ohne gleich aus Prinzip alles anders zu machen.

  • Sie stellen Bestehendes auch mal in Frage, ohne gleich bei allem eine allgemeine Motz-Haltung einzunehmen.

  • Sie können auch mal provokante Thesen und aufrüttelnde Gedanken ertragen.

  • Sie sind der Meinung, dass finanzielle Unabhängigkeit eine wichtige Voraussetzung für (aber nicht gleichbedeutend mit) generelle(r) Unabhängigkeit ist. Sie wissen, dass „Reichtum“ natürlich auch mit materiellem Reichtum zu tun hat, aber nicht allein darauf reduziert werden kann (und schon gar nicht aufs zur-Schau-Stellen teurer Anschaffungen).

  • Sie investieren vielleicht schon fleißig und schauen sich auch die Angebote genau an. Anschaffungen (z.B. Auto) werden gemacht, aber das nimmt nicht allzu viel Zeit in Anspruch, solange es im vernünftigen Rahmen bleibt. Wenn Sie es nicht so machen, dann könnten Sie sich vorstellen, das zu ändern.

  • Sie können sich fokussieren und längere Durststrecken durchhalten.

  • Sie können mit Begriffen wie „Schicksal“, „Bestimmung“ u. dgl. nicht viel anfangen. Das bedeutet nicht, dass Sie naiv glauben, dass Sie alles in Ihrem Leben vollständig und bis ins Detail steuern können, und dass alles, was man ernsthaft zu erreichen versucht, auch klappt. Aber Sie fühlen sich verantwortlich für Ihr Leben, und Sie wissen, dass Ihr Handeln wesentlichen Einfluss hat; dass man für sein Glück etwas tun muss und daher nicht einfach nur schicksalsergeben ist, sondern seine Chancen nutzen muss. Und damit meine ich nicht beten, sondern weltliche Entscheidungen und Handlungen.3

  • Sie sind bereit, einen nicht unerheblichen Teil Ihrer Zeit in das Projekt zu stecken.

  • Sie haben einen gewissen Durchsetzungswillen.

  • Sie sind hungrig nach Unabhängigkeit!

Und das Folgende sind die Negativ-Voraussetzungen – also diejenigen, die ausreichend sind, damit Sie dieses Buch/dieses Programm nicht durchbekommen oder Sie damit zumindest erhebliche Schwierigkeiten haben werden:

  • Sie sind nicht fähig, provokante Thesen ernsthaft innerlich zu diskutieren und schmettern sie sofort mit einem „ist doch Quatsch!“ ab.

  • Sie haben Angst, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und flüchten sich lieber in eine schöne Traumwelt.

  • Sie wissen bereits alles.

  • Sie wissen, dass man mit dem Strom schwimmen und Teil der „Gemeinschaft“ sein muss, wenn man weiterkommen will.

  • Sie wissen, dass man, um Unabhängigkeit zu erlangen, einen hochbezahlten Job haben muss. „Reichtum“ äußert sich in Form hoher Eingänge am Monatsende und vieler schöner Sachen, die man sich dafür gönnt.

  • Sie brauchen nicht ehrlich zu reflektieren.

  • Sie sind nicht kritikfähig.

  • Sie denken, dass das Bestehende nicht in Frage zu stellen ist, weder bei Ihnen persönlich noch in Ihrer Umgebung – höchstens ein paar Details hier und da, aber nichts Grundsätzliches.

  • Sie investieren nicht oder kaum. Wenn überhaupt, dann kaufen Sie den Fonds, den Ihnen Ihr Berater nennt; er ist schließlich der Profi. Aber Sie schauen bei Anschaffungen (z.B. Auto) ganz genau auf die Konditionen und den Preis. Sie wollen das auch so beibehalten.

  • Sie wissen, dass die Mehrheit immer Recht hat.4

  • Sie wissen, dass es für alles eine einfache und schnelle Lösung gibt. Quick Wins sind gefragt!

  • Sie pflegen Ihr Anspruchsdenken und Ihre Versorgungsmentalität. Sie sind schließlich Mitglied der xyz-Gruppe, die gefüttert werden muss!

  • Sie wissen, dass das „Schicksal“ für Sie einen ganz bestimmten Lebenslauf vorgesehen hat, und dass es keinen Sinn hat, dagegen anzukämpfen. Sie fügen sich Ihrer „Bestimmung“ und wissen, dass Sie daran nichts Wesentliches ändern können.

  • Sie haben eigentlich „keine Zeit“ für solch ein Projekt. Ihr Job und alles andere nehmen Sie voll und ganz in Anspruch, und das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern.

  • Sie sind nicht bereit, in Ihr Leben und Ihre Unabhängigkeit zu investieren – was soll überhaupt dieses ganze Gerede von Unabhängigkeit?

Materielle Voraussetzungen

Ich sollte noch erwähnen, dass es da auch materielle Voraussetzungen gibt: Bitte nicht missverstehen, dies soll keine Wertung sein, aber wenn Sie ein unterdurchschnittliches Einkommen haben, dann können Sie diesem Buch gute Grundgedanken entnehmen (v.a. bis zum „zweiten“ Stock des Hauses,5 und Sie können sich damit gut innerlich vorbereiten, aber die praktische Umsetzung wird für Sie wahrscheinlich verfrüht sein. Ich fange in diesem Sinne die Beschreibung des Wegs zur Unabhängigkeit nicht „bei Null“ an.

Sie müssen kein Top-Verdiener sein, aber ein gewisses finanzielles Polster und ein Einkommen, bei dem Sie nicht jeden Euro zweimal umdrehen müssen, sollten Sie schon haben – zumindest wird das sehr hilfreich sein. Und Sie sollten keine großen Schulden haben.

Wenn das nicht der Fall sein sollte: Auch für Sie gibt es Ratgeber, und auch für Sie steht langfristig der Weg zur Unabhängigkeit offen; nur wird dieses Buch wahrscheinlich nicht der richtige Anfang für Sie sein.

Mein Versprechen

Umgekehrt kann ich Ihnen von meiner Seite versichern: Ich verkaufe Ihnen nichts! Es stimmt zwar, Sie haben für dieses Buch ein bisschen Geld bezahlt, aber das deckt erstens nicht annähernd meine Kosten, und das ist auch nicht der Punkt. Mir ist wichtig, festzuhalten: Ich habe kein finanzielles Interesse dahinter! Ich bewerbe hier weder Dienstleistungen noch Güter und kriege auch von niemandem Provision.6 Sollte sich das einmal ändern (was derzeit nicht zu erwarten ist), dann werde ich es deutlich kenntlich machen und offen legen. In diesem Buch, jedenfalls, werden Sie nichts lesen, was in dieser Hinsicht hervorgehoben, hinzugefügt, weggelassen oder verzerrt worden ist.

Ich schwatze Ihnen nichts auf – dieses Buch ist „sauber“. Es geht tatsächlich nur um das Wissen, was ich Ihnen vermitteln möchte, und das ist von niemandem gesponsort!

Ihre Werte und Ihr Mind-Set

„It all starts in your head!“ heißt es so schön in den Motivations-Ratgebern, „Du kannst alles schaffen, sofern Du es Dir nur wirklich ernsthaft vornimmst“. Ich bin kein besonderer Freund von naiven Erfolgsbuch- und Motivationstrainer-Philosophien, aber ich stimme solchen Aussagen insofern teilweise zu, als es tatsächlich ohne eine gewisse Grundeinstellung und einen bestimmten Fokus, ohne einen gewissen Durchsetzungswillen, nun einmal nicht geht. Nicht, dass das allein schon ausreichend wäre, aber es ist eben eine nötige Voraussetzung.

It all starts in your head.

Was sind Ihre höchsten Werte? Haben Sie sich das schon einmal genauer überlegt? Vielleicht Integrität? Zusammenhalt? Familie? Sicherheit? Für mich steht an erster Stelle die Unabhängigkeit.

Den Weg, den ich Ihnen aufzeige, können Sie auch mit einer anderen Nr. 1 gehen, aber die Unabhängigkeit sollte auch bei Ihnen schon recht weit oben stehen. Dazu gehört auch eine gewisse Eigenständigkeit und der Wille, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das klingt eigentlich ganz selbstverständlich, ist es aber eben nicht. Es bedeutet z.B., dass man sich nicht von jedem aus der eigenen Umgebung einreden lässt, was gut für einen ist und was nicht, und dass man es auch nicht bei Diskussionen dazu lässt, sondern auch handelt. Dass man sich auch nicht eine Standard-Biografie überstülpen lässt, nur weil es vielleicht der Weg des geringsten Widerstands ist.

Leute, die unabhängig sind/werden wollen, machen nicht aus Prinzip alles anders, aber sie treffen ihre eigenen Entscheidungen. Und das kann auch durchaus mal bedeuten, aus der Umgebung nur Unverständnis und Kopfschütteln als Reaktion zu bekommen, und es kann (muss aber nicht) der schwerere Weg sein.7

Sie sollten auch ein positives Verhältnis zu materiellem Reichtum haben. Das bedeutet nicht, dass Geld bei Ihnen an erster Stelle stehen muss, oder dass Sie für Geld „über Leichen gehen“, oder dass Sie sich ständig mit flashy Konsumkram umgeben wollen.8 Aber Sie sollten eben in materiellem Reichtum nichts prinzipiell Schlechtes sehen. Ich habe mal ein schönes Zitat gehört: „Ich sehe materiellen Reichtum als ein Grundrecht an – nicht in dem Sinne, dass jedes konkrete Gut jedem jederzeit einfach so zusteht, sondern dass es jedem ermöglicht werden sollte, es aus eigenem Antrieb materiell so weit zu bringen, dass er/sie sich diesbezüglich keine großen Sorgen mehr machen muss. Es ist eines jeden Menschen Recht, den Weg offen zu haben, an dessen Ende er nicht materielle Not leiden muss“.9 Wenn Sie so etwas oder Ähnliches unterschreiben könnten, dann sind Ihre Werte kompatibel zu dem, was kommt.

Um im Alter nicht arm zu sein, müssen Sie finanziell unabhängig werden, zumindest zu einem gewissen Grad. Und um das zu schaffen, müssen Sie sich verdammt anstrengen! Das ist für die meisten von uns – auch für mich – eine Lebensaufgabe. Und diese werden Sie nicht meistern, wenn Sie es nicht wirklich wollen, wenn Sie dafür nicht den notwendigen Willen und die notwendige Energie aufbringen. Das hat wenig bis gar nichts mit der Art kurzfristiger „Yes-we-can“-Motivation zu tun, die uns Motivationstrainer in ihren Seminaren und Büchern und amerikanische Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf aufpfropfen.

Ich rede von langfristiger Motivation. Diese kommt nicht von außen, weil Ihnen jemand „komm, Du schaffst es!“ zuruft,10 sondern sie kommt von innen, weil Sie es schaffen, dauerhaft und nachhaltig eine positive Grundeinstellung zu ihrem Vorhaben aufzubauen. Sie – nicht die anderen – müssen davon überzeugt sein, dass das geht, und dass es erstrebenswert ist. Niemand hat gesagt, dass das leicht ist, oder dass das in 2 Monaten oder in 2 Jahren geht. Sie werden wahrscheinlich ein paar Rückschläge und Umwege in Kauf nehmen müssen. Sie werden elektrisierende Höhen und frustrierende Tiefen auf Ihrem Weg durchleben. Sie werden Ihr Leben ändern müssen. Sie werden neue Prioritäten setzen, schlechte Angewohnheiten ablegen und sich neue, bessere aneignen müssen. Das alles ist nicht leicht und geht nicht über Nacht. Aber es geht. Davon müssen Sie überzeugt sein.

Es wird Kritiker, Klugscheißer, Besserwisser geben, die Ihnen alle wohlmeinend und mehr oder weniger herablassend sagen werden, dass das nicht geht, oder dass Sie sich in etwas verrannt haben. Dass Sie lieber den „bewährten“ Weg nehmen sollten, oder dass diese Trauben doch sowieso zu sauer sind. Das ist unvermeidlich. Und bei genauer Betrachtung haben diese Leute vielleicht gar nicht mal in allen Aspekten so unrecht. Aber sie haben eben auch nicht vollständig recht. Letztlich aber kann Ihnen niemand die Verantwortung dafür abnehmen: Sie müssen es wollen, Sie müssen es machen – zusammen, hoffentlich, mit Ihrem Lebenspartner. Niemand sonst wird es für Sie (beide) tun.

Wenn Sie genau das tun, was alle anderen machen, dann werden Sie auch genau so enden wie alle anderen – jetzt finanziell abhängig und im Alter arm. Deshalb müssen Sie es anders machen. Das wird Sie teilweise sozial isolieren. Ein soziales Umfeld mag es in der Regel nicht, wenn man anfängt, Sachen anders zu machen als die anderen. Das hält niemand leicht aus, und das kann sogar sehr weh tun. Aber man kann da hineinwachsen. Sie werden vielleicht Freunde verlieren, aber wahrscheinlich dafür auch neue finden. Ihr soziales Umfeld wird sich verändern.

Und damit kommt der Kern der Sache: F

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