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Fool's Gold - Wo die Liebe wohnt

Susan Mallery

Fool’s Gold – Wo die Liebe wohnt

Ja, ich will ein Date mit dir

Seite 7

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Liebe gut, alles gut

Seite 127

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Mit Küssen und Nebenwirkungen

Seite 199

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Aller Liebe Anfang ist ein Kuss

Seite 275

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Küssen nach Rezept

Seite 349

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Alle handelnden Personen in dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Susan Mallery

Ja, ich will ein Date mit dir

Roman

Aus dem Amerikanischen von
Claudia Weinmann

1. KAPITEL

Katie, mein Schatz, du brauchst unbedingt eine Begleitung für die Hochzeit deiner Schwester.“

„Ich hatte eine Begleitung, Mom! Er ist der Bräutigam.“ „Ja, ja, ich weiß. Deine Schwester hat dir den Freund ausgespannt.“ Janis McCormick seufzte. „Und natürlich war das nicht richtig von ihr. Aber das alles ist nun schon über ein Jahr her. Du musst endlich akzeptieren, dass die beiden heiraten werden. Nicht nur unsere ganze Familie wird anreisen, sondern außerdem noch über 200 weitere Hochzeitsgäste. Glaub mir, du solltest nicht allein zu der Feier kommen. Sie würden dich und mich mit ihrem Mitleid und ihren Fragen in den Wahnsinn treiben. Bitte, Katie, tu es für mich!“ Mit flehendem Blick sah Janis ihre Tochter an.

In Augenblicken wie diesem hasste Katie es, erwachsen und vernünftig sein zu müssen. Wie gern hätte sie einen handfesten Wutanfall bekommen, doch theatralische Auftritte waren noch nie ihre Stärke gewesen – ganz im Gegensatz zu ihrer Schwester. Außerdem war es schwierig, ihrer Mutter etwas abzuschlagen. Vor allem, weil Janis sie nur sehr selten um etwas bat. Sie war eine wunderbare, sehr warmherzige Mutter, die ihr noch immer einen Fünfzigdollarschein zusteckte, wenn Katie zum Essen vorbeikam. Obwohl Katie seit dem Collegeabschluss auf eigenen Beinen stand und einen großartigen Job hatte.

„Mom, du weißt, dass ich dich liebe …“

„Sag jetzt bloß nicht ‚aber‘! Ich habe es schon schwer genug. Deine Schwester macht mich wahnsinnig! Seitdem sie beschlossen hat zu heiraten, muss ich mir die Haare tönen. Ich schwöre dir, dass ich von dem Tag an grau geworden bin, an dem sie das erste Hochzeitsmagazin gekauft hat. Seitdem geht es nur noch um Kleider, Deko, Blumen und Menüs. Es ist unerträglich!“

Katie lehnte sich zurück und sah aus dem Fenster des kleinen Restaurants, in dem sie sich mit ihrer Mutter zum Mittagessen verabredet hatte. Draußen herrschte herrlicher Sonnenschein, und in den Blumenkästen auf der Fensterbank blühten die Geranien in leuchtenden Farben. Wie gern wäre Katie ein wenig durch die Straßen geschlendert oder vielleicht kurz ins Schwimmbad gefahren, doch stattdessen musste sie sich mit ihrer Mutter über Courtneys jüngste Planänderungen unterhalten. Es schien ihre kleine Schwester nicht im Geringsten zu irritieren, dass die Hochzeit bereits in zwei Wochen stattfinden würde.

Genauso wenig, wie es sie irritiert hatte, Katie den Freund wegzuschnappen.

Nein, sie würde nicht verbittert enden! Eifersucht war etwas für Kleingeister. Courtney war ihre Schwester und Blut nun einmal dicker als Wasser. Sollte Courtney allerdings am Morgen ihrer Hochzeit einen Riesenpickel auf der Nase haben, würde sich Katies Mitleid in Grenzen halten.

Katie räusperte sich. „Wie auch immer – selbst wenn ich es wollte, könnte ich keinen Mann zu den Hochzeitsfeierlichkeiten mitbringen, denn es gibt einfach im Moment keinen in meinem Leben.“

„Willst du damit andeuten, dass du mit niemandem ausgegangen bist, seitdem du dich von Alex getrennt hast?“

Genau genommen hatten sie sich nicht getrennt. Katie hatte Alex zum Essen mit zu ihren Eltern genommen – wie fast jeden Sonntagabend. Der einzige Unterschied bestand darin, dass sie den Verdacht hatte, er würde ihr an dem Abend einen Antrag machen. Da sie sich kurz zuvor bei einem Footballspiel seine Jacke geliehen und in der Tasche eine Quittung über einen Brillantring gefunden hatte, war dieser Verdacht durchaus begründet gewesen.

Katie war sich nicht sicher gewesen, ob Alex der Richtige für den Rest ihres Lebens war, aber plagten diesbezüglich nicht jede Frau leise Zweifel? Wie sollte man wissen, ob eine Beziehung ein Leben lang halten konnte?

Doch er hatte sie nicht gefragt.

Ihr gemütliches Abendessen war durch Courtneys unerwartetes Auftauchen abrupt beendet worden. Alex und Courtney hatten sich angesehen, und von dieser Sekunde an hatte Katie quasi nicht mehr existiert.

„Katie? Hast du wirklich keinen einzigen neuen Freund gehabt?“

„Nein. Ich hatte bei der Arbeit viel zu tun und außerdem keine Lust auf eine neue Beziehung.“

Ihre Mutter seufzte. „Es werden vier qualvoll lange Tage, und du wirst die Frage nach deinem Liebesleben eine Million Mal zu hören bekommen. Du musst einfach jemanden finden!“

„Tut mir leid, aber es gibt niemanden.“

„Was ist mit Howie?“

Um Himmels willen!

Am liebsten hätte Katie entnervt in die Tischplatte gebissen, denn das wäre immer noch angenehmer, als vier Tage mit Howie zusammen zu sein. „Auf keinen Fall, Mom!“

„Aber warum nicht? Er ist klug und reich und sehr unterhaltsam.“

Seine Mutter und Janis waren seit Jahrzehnten beste Freundinnen und träumten seit einer Ewigkeit davon, ihre Kinder miteinander zu verkuppeln. Das letzte Mal, als sie Howie getroffen hatte, waren er und seine Mutter in Fool’s Gold zu Besuch gewesen. Damals war er etwa sechzehn gewesen und ein so guter Schüler, dass er bereits aufs College ging. Groß, schlaksig und mit zu kurzen Hosen. Durch seine dunkle Hornbrille hatte er Katie angesehen, als sei sie ein langweiliges Insekt. Sie hatten sich nichts, rein gar nichts zu sagen gehabt.

„Hör zu Mom, ich würde dir ja gern den Gefallen tun, aber Howie … Das geht einfach gar nicht. Da lasse ich mich lieber vier Tage lang bemitleiden.“

„Ach Katie, muss ich denn wirklich die strenge Mutter herauskehren?“

Katie grinste. „Ich bin siebenundzwanzig. Die Nummer mit der strengen Mutter zieht bei mir nicht mehr.“

„Wetten doch?“ Janis seufzte. „Bitte! Ich flehe dich an. Willst du mir wirklich diesen kleinen Gefallen abschlagen? Ich möchte doch nur, dass du dich amüsierst. Im Rahmen deiner Möglichkeiten. Es sind nur vier Tage, und das Gebäude ist sehr weitläufig. Ihr werdet euch kaum sehen.“

Vier Tage gefangen in einem Luxushotel auf einem Berggipfel. Mit ihrer kompletten Familie. Wie sollte man da irgendjemandem aus dem Weg gehen?

„Er ist beruflich sehr eingespannt. Bestimmt wird er die meiste Zeit auf dem Zimmer bleiben und arbeiten.“

Katie zögerte. Nicht nur, weil sie ihre Mutter sehr gern hatte, sondern auch, weil die ständige Fragerei ihrer Familie ihr tatsächlich seit Monaten auf die Nerven ging. Ihre Verwandten verstanden nicht, dass sie immer noch Single war, während ihre Schwester es keine fünfzehn Minuten aushielt, ohne sich zu verlieben.

„Na gut“, gab sie schließlich nach. „Aber nur für die Hochzeit. Danach ist Schluss. Keine Fortsetzung!“

Ihre Mutter strahlte. „Wunderbar! Ich werde ihm gleich Bescheid sagen. Du wirst sehen, es wird eine großartige Party!“

Wunderbar? Großartig? Katie fielen eine Menge Wörter ein, um ihre Erwartungen zu beschreiben, aber diese beiden gehörten definitiv nicht dazu. Schon jetzt bedauerte sie es, sich auf den Plan ihrer Mutter eingelassen zu haben. Vier Tage mit Howie? Vor vierzehn Jahren hatten sie es kaum eine Stunde im selben Raum ausgehalten. Der einzige positive Aspekt war, dass er sie genauso verabscheut hatte wie sie ihn. Vielleicht war er ja energischer und würde seiner Mutter die Bitte abschlagen, Katies Begleiter zu sein. Dann wären alle Probleme gelöst.

„Nein Mutter, das werde ich nicht tun!“ Howard Jackson Kents Stimme klang sehr bestimmt.

„Aha.“

Ein einziges Wort. An und für sich unbedeutend, doch der Tonfall, in dem seine Mutter es sagte, ließ ihn Böses ahnen.

„Wir ignorieren also einfach, dass Janis McCormick meine beste Freundin ist?“ Sie sah ihn über seinen Schreibtisch hinweg tadelnd an.

Seine Mutter war unangemeldet bei ihm im Büro vorbeigekommen, und der Umstand, dass sie ihn genau zwischen zwei Meetings abgepasst hatte, konnte kein Zufall sein. Er würde später ein ernstes Gespräch mit seiner Assistentin führen müssen.

„Und wir ignorieren die Tatsache, dass Janis mich um Hilfe gebeten hat?“

Schade, dass sie genau das nicht tun würden. Resigniert lehnte Howard sich zurück.

„Wie wäre es, wenn du es Katie zuliebe tätest? Sie ist so eine nette junge Frau.“

Gab es einen Satz, den ein Junggeselle noch lieber hörte? Grimmig lächelte er vor sich hin.

„Katie und ich konnten uns noch nie sonderlich gut leiden.“

Auch wenn es viele Jahre her war, konnte er sich noch ziemlich genau an den Sommernachmittag erinnern. Seine Mutter hatte darauf bestanden, dass er sie zu ihrer Freundin Janis begleitete. In dem Augenblick, in dem er Katie begegnet war und diese ihn mit einem enttäuschten Seufzen angesehen hatte, hatte er seine Entscheidung sofort bereut.

Katie war rechthaberisch und arrogant gewesen. Ihr einziges Interesse galt dem Sport, und sie hatte ihn mehr als herablassend behandelt. Nun gut, er war damals ein Nerd gewesen, dem es ziemlich schwergefallen war, Kontakte zu knüpfen. Doch sie war unfreundlich und genervt gewesen und hatte ihm sogar gedroht, ihn zu verhauen. Was ihr vermutlich sogar gelungen wäre.

„Euer letztes Treffen ist eine Ewigkeit her. Bestimmt ist jetzt alles anders. Sie ist eine ganz entzückende junge Frau geworden.“

„Mhm.“

Seine Mutter richtete sich auf. Tina Kent war klein, doch Howard wusste, dass man sich von ihrer zierlichen Statur nicht täuschen lassen durfte.

„Erinnerst du dich daran, wie ich vor zehn Jahren Brustkrebs hatte?“

Howard unterdrückte ein Stöhnen. Nein, nicht schon wieder. Alles, nur das nicht.

„Du warst gerade auf dem College, und ich wollte dich nicht beunruhigen, damit du in Ruhe deinen Master machen konntest.“

Während dieses Jahres auf dem College hatte er die Software entwickelt, die ihn innerhalb von nur drei Jahren zu einem Multimillionär gemacht hatte.

„Mom …“

Abwehrend hob sie ihre Hand. „Als du heimgekommen bist, hast du dir fürchterliche Sorgen um mich gemacht. Ich habe dir damals versprochen, wieder gesund zu werden.“ Erwartungsvoll sah sie ihn an.

„Und ich habe gesagt, wenn das stimmt, würde ich alles tun, worum du mich bittest“, ergänzte Howard pflichtbewusst.

„Nun, ich habe mein Versprechen gehalten. Jetzt bist du dran. Du wirst Katie zu der Hochzeit ihrer Schwester begleiten. Ihr verbringt vier wundervolle Tage in einem traumhaften Hotel in Fool’s Gold, und du wirst alles in deiner Macht Stehende tun, damit Katie sich wie eine Prinzessin fühlt.“

Wie hatte er sich bloß in diese unmögliche Situation gebracht? Warum konnte er nicht so sein wie die meisten seiner Freunde, die so gut wie nie mit ihren Eltern sprachen? Warum hing er so sehr an seiner Mutter? Howard kannte die Antwort, denn abgesehen von ihren Verkupplungsversuchen war seine Mutter eine außergewöhnliche Frau, mit der man über fast alles reden konnte, denn sie war nicht nur klug, sondern auch sehr schlagfertig und witzig. In diesem Moment hätte er ein wenig mehr Distanz jedoch ganz nett gefunden. Wie sollte er es vier Tage lang mit der schrecklichen Katie McCormick aushalten?

„Mom …“ Resigniert schüttelte er den Kopf. Was waren schon vier Tage? Er würde es zweifellos überleben. Außerdem war die Gegend um Fool’s Gold herum angeblich wunderschön und landschaftlich sehr reizvoll. Falls das strahlende Sommerwetter sich hielt, würde es bestimmt ganz nett werden. „Also gut. Du hast gewonnen.“

Glücklich strahlte sie ihn an. „Wunderbar! Janis war jeden einzelnen Tag meiner Krankheit für mich da. Ich bin so glücklich, dass ich mich endlich ein wenig revanchieren kann!“

„Indem du deinen eigenen Sohn verkaufst“, stichelte Howard. „Was werden die Nachbarn wohl dazu sagen?“

„Ganz einfach: Sie werden sagen, dass es höchste Zeit für dich ist, eine nette Frau zu finden.“

2. KAPITEL

Katie wartete nervös in der Lobby des Gold Rush Ski Lodge and Resort Hotels. Der lange, wenig attraktive Name ließ nicht vermuten, dass es sich um eine geschichtsträchtige, überaus luxuriöse Herberge handelte.

Das Hotel befand sich auf der Kuppe eines Hügels, sodass man einen fantastischen Blick über das Städtchen Fool’s Gold hatte. Architektonisch war es irgendwo zwischen einem viktorianischen Herrenhaus und einem schweizerischen Chalet angesiedelt, und insgesamt sah es sehr einladend und elegant aus. Das exquisite Fünfsternerestaurant war weit über die Stadtgrenzen hinaus berühmt, nicht zuletzt für seinen legendären Service. Die meist sehr wohlhabenden Gäste konnten in einer der Nobelboutiquen in der Eingangshalle shoppen gehen oder sich in dem erstklassigen Wellnessbereich verwöhnen lassen.

Wäre es ihre eigene Hochzeit gewesen, dann hätte Katie sicherlich ein etwas bescheideneres Ambiente gewählt. Eine schlichte Trauung am Strand des Sees und danach ein Empfang in einem der Restaurants in der Stadt. Doch ihre Schwester war schon immer etwas extravagant gewesen, und so würde die Hochzeit eben vier Tage lang im noblen Gold Rush Ski Lodge and Resort Hotel stattfinden.

Katie hatte genau wie der Rest ihrer Familie bereits eingecheckt, und die Gäste von außerhalb würden sicher auch bald eintreffen. Es war also höchste Zeit, Howie zu finden – bevor jemand anderes es tat, denn sie mussten sich unbedingt über die Details ihrer angeblichen Beziehung absprechen.

Einen kurzen Augenblick lang überlegte Katie, ob es nicht doch besser wäre, das Täuschungsmanöver abzublasen. Die Vorstellung, die nächsten vier Tage doch nicht mit Howie zusammen sein zu müssen, war sehr verlockend. Andererseits würden die anderen Gäste sie dann für die alte Jungfer halten, die sie im Grunde auch war.

Obwohl das einundzwanzigste Jahrhundert bereits begonnen hatte und Frauen frei und unabhängig leben konnten, war es in der McCormick-Familie nach wie vor eine Katastrophe, wenn eine Frau mit knapp dreißig noch keinen Mann abbekommen hatte.

„Aber du bist doch eine Sportreporterin“, würde ihre Tante Tully wieder einmal sagen. „Da müsstest du doch massenhaft reiche und attraktive Männer treffen.“

Wenn es doch nur so einfach wäre. Katie liebte den Sport – die Wettbewerbe, die Höchstleistungen, zu denen man manchmal fähig war, die Spannung – doch die Athleten selbst fand sie nur wenig attraktiv. Vielleicht lag es daran, dass sie diese Männer in Extremsituationen erlebte. Es war vergleichbar mit einem Job in einer Restaurantküche. Wenn man jeden Tag dort arbeitete, hatte man keine Lust mehr, auswärts essen zu gehen.

Ein großer, dunkelhaariger Mann betrat die Lobby. Er war so außergewöhnlich attraktiv, dass sämtliche Frauen sich nach ihm umdrehten. Breite Schultern, lange, kräftige Beine, das blau gestreifte Hemd lässig in die Jeans gesteckt. Das Leben war einfach ungerecht! Wieso konnte Katie nicht so ein Exemplar an Land ziehen? Stattdessen stand sie hier und wartete auf Howard, den Nerd, der sich zu allem Überfluss auch noch verspätete.

Er machte irgendetwas in der Computerbranche – vielleicht hätte sie ihn per E-Mail an ihre Verabredung erinnern sollen?

„Katie?“

Der dunkelhaarige Fremde war vor ihr stehen geblieben. Ungläubig starrte Katie ihn an. Sein Gesicht war gleichmäßig, mit einem energischen Kinn und leuchtend grünen Augen hinter der modischen Brille.

Sie öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, brachte jedoch kein Wort heraus. Konnte das wahr sein?

„H…Howie?“

Der Mann lächelte, und es war ein so verführerisches Lächeln, dass sie fast leise aufgestöhnt hätte.

„Jackson“, korrigierte er sie. „Ich nenne mich seit Jahren bei meinem zweiten Vornamen. Jackson.“

Sahneschnitte wäre ein mindestens genauso passender Name gewesen, überlegte Katie und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren. Er war viel größer als damals. Und kräftiger. Selbst sein Haar war perfekt.

„Howie?“, wiederholte sie ungläubig.

„Na komm schon, so sehr habe ich mich jetzt auch nicht verändert!“

Aber hallo!

„Du bist … ähm … groß geworden“, stammelte sie und hoffte, nicht so dämlich auszusehen, wie sie sich gerade fühlte.

„Genau wie du.“

Katie kräuselte ihre Nase. Nein, sie war während der letzten vierzehn Jahre eigentlich nicht mehr gewachsen. Allerdings hatte sie über zehn Kilo Gewicht verloren und gelernt, sich vorteilhaft zu kleiden und zu schminken. Obwohl sie sich nur durchschnittlich hübsch fand, beschwerte sie sich nicht, auch wenn sie es manchmal deprimierend fand, dass in ihrer Familie alle außer ihr schlank, groß und attraktiv waren. Warum musste gerade sie diese üppigen Rundungen haben?

„Naja, zumindest habe ich meinen Babyspeck verloren.“ Jackson sah sie aufmerksam an. „Deine Augen haben sich nicht verändert. Sie sind genauso schön wie damals. Ich kann mich noch gut an die Farbe erinnern.“

„Vermutlich, weil ich dich angestarrt habe.“

„Allerdings. Ich hatte furchtbare Angst, du würdest mich verhauen.“

„Du hast mich behandelt, als wäre ich eine Idiotin.“

„Ich wollte nur meine Unsicherheit überspielen. Tut mir leid. Damals war ich nun einmal so.“

„Das ist wohl der Nachteil, wenn man eine sechzehnjährige Intelligenzbestie ist.“

„Du konntest dich aber auch recht gut verteidigen.“ Katie lachte. „Ja, allerdings nur durch rohe Gewalt. Das ist eher peinlich.“

„Unsinn. Du warst beeindruckend. Und heute bist du eine berühmte Sportjournalistin?“

Hätte Katie gerade etwas getrunken, dann hätte sie sich mit Sicherheit vor Schreck verschluckt.

„Das ist völlig übertrieben. Hat meine Mutter dir das erzählt?“

Er nickte.

„Ich arbeite für die Lokalzeitung, die Fool’s Gold Daily Republic, und bin dort für die Sportredaktion verantwortlich. Das ist nicht gerade eine glänzende berufliche Karriere.“

„Du magst deinen Job. Das höre ich deutlich aus deinen Worten heraus. Und das ist die Hauptsache.“

„Stimmt.“ Sie sah in seine dunkelgrünen Augen und fragte sich, weshalb sie nicht schon viel früher auf ihre Mutter gehört und ihn getroffen hatte.

Howie … ach nein: Jackson war einfach umwerfend.

„Ich habe gehört, dass du eine erfolgreiche Computerfirma hast?“ Wieso hatte sie sich nicht die Mühe gemacht, ihn zu googeln? „Du hast irgendein Programm geschrieben … für Firmen?“

Wieder lächelte er sein etwas verruchtes, sexy Lächeln. „Inventurkontrolle. Glaub mir, du möchtest die Einzelheiten nicht hören. Es ist sterbenslangweilig.“

„Wahrscheinlich hast du recht. Aber trotzdem ist es wichtig, dass sich jemand um solche Inventursachen kümmert. Bestimmt ist das total prozessoptimierend.“

Verwundert sah er sie an. „Prozessoptimierend?“

„Ich habe Sportjournalismus studiert und nicht BWL. Was weiß ich, wie man das nennt. Ich dachte, es geht immer um Prozessoptimierung. Gib mir etwas Zeit zum Recherchieren, und ich werde dich mit meiner Sachkenntnis beeindrucken.“

„Vielleicht bin ich ja schon beeindruckt.“

Sie war sich nicht sicher, ob es an seinen Worten oder an der Art, wie er sie gesagt hatte, lag, aber zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie sich wieder wie ein junges Mädchen. Wäre ihr Haar nur ein wenig länger gewesen, dann hätte sie es jetzt schwungvoll nach hinten geworfen. Wie gut, dass ihre Mutter sie überredet hatte, ein hübsches Sommerkleid anzuziehen, anstatt wie üblich in Jeans und T-Shirt herumzulaufen. Katie hatte sogar ausnahmsweise Mascara und Lipgloss aufgetragen.

„Du bist ganz anders, als ich es erwartet hatte“, gab Jackson zu.

„Ich weiß“, erwiderte Katie und widerstand nur mühsam dem Impuls, mit den Wimpern zu klimpern. „Als meine Mutter dich als meine Aushilfsbegleitung vorschlug, war ich alles andere als begeistert. Doch ich bin dir wirklich sehr dankbar, dass du zugestimmt hast.“

„Gern geschehen.“

„Das sagst du jetzt. Du hast ja keine Ahnung, was dich erwartet.“ Sie lächelte vielsagend. „Vielleicht sollte ich dir die Autoschlüssel wegnehmen, bevor ich dich über die nächsten vier Tage aufkläre. Damit du nicht schreiend weglaufen kannst.“

„Ist es so schlimm?“

„Nun ja, sagen wir mal so: Meine Schwester ist nur dann glücklich, wenn alles um sie herum hochdramatisch ist. Mit Mittelmäßigkeit gibt sie sich nur ungern zufrieden. Dann ist da noch meine Tante, die sich bei solchen Gelegenheiten immer einen Spaß daraus macht, die Freunde oder Ehemänner der anderen Frauen zu verführen. Was den Bräutigam betrifft: Ich schätze, deine Mutter hat erwähnt, dass ich früher mit ihm zusammen war. Und das ist erst der Anfang.“

„Hört sich nett an.“

„Du hast ja keine Ahnung! Noch kannst du verschwinden.“

„Kein Problem. Ich schaffe das schon. Oder zweifelst du etwa daran?“

Nein, Katie hatte nicht den geringsten Zweifel, dass Jackson mit jeder Situation fertig werden würde. Und sie fand die Aussicht, die nächsten Tage mit ihm zu verbringen, ausgesprochen verlockend.

„Du solltest jetzt einchecken. Warst du während der letzten Jahre in Fool’s Gold?“

„Nein. Nicht seit unserem letzten Zusammentreffen.“

„Aber du bist doch in Sacramento aufgewachsen, also ganz in der Nähe.“

„Mich hat’s nach dem College in die andere Richtung gezogen, an die Ostküste.“ Interessiert sah er sich in der Lobby um. „Dieses Hotel ist unter Skifahrern ziemlich berühmt.“

„Fährst du auch Ski?“

„Ein wenig. Es gefällt mir sehr, aber leider bin ich nicht besonders gut.“

„Geht mir genauso. Aber es ist einfacher als Snowboarding. Ich probiere gern neue Sportarten aus, auch wenn ich bis jetzt keine gefunden habe, in der ich richtig gut bin.“

Sie gingen langsam auf die Rezeption zu. „Im Winter gibt es hier einige sehr gute Pisten. Um diese Zeit sind natürlich keine Wintersporttouristen hier, sodass das Hotel sich auf Hochzeitsgesellschaften und Themenwochenenden spezialisiert hat. Das Konzept ist ziemlich erfolgreich; aus dem ganzen Land kommen Gäste, die etwas erleben oder Wellnessurlaub machen wollen.“

„Offenbar kennst du dich ziemlich gut aus. Arbeitest du nebenbei in der Tourismusbranche?“

Katie lachte. „Ich lebe in dieser Stadt. Da bekommt man zwangsläufig mit, was hier oben im Hotel passiert.“

„Du bist also in Fool’s Gold aufgewachsen und immer hiergeblieben? Hattest du nie den Wunsch, woanders zu leben?“

Katie schüttelte den Kopf. „Nein, eigentlich nicht. Ich bin zum Studieren ans Ashland College gegangen, doch obwohl es mir dort sehr gut gefallen hat, konnte ich es kaum erwarten, wieder zurückzukommen. Fool’s Gold ist einfach mein Zuhause.“

Aus ihren Worten klang Zufriedenheit. Jackson hatte in Sacramento eine glückliche Kindheit verlebt, und auch an der Ostküste, während seines Studiums am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, hatte er sich sehr wohlgefühlt. Doch als er einen Ort für seine Firmengründung suchte, hatte es ihn wieder nach Westen gezogen. Kalifornien war einfach ein ganz besonderer Flecken.

Inzwischen lebte er in Los Angeles, doch auch wenn er die Stadt sehr mochte, empfand er nicht dieses Gefühl von Heimat, das Katie ganz offensichtlich verspürte.

Sie war vollkommen anders, als er es erwartet hatte. Offen und selbstbewusst und voller Energie. Sie schien rundum zufrieden zu sein, und in ihren blauen Augen erkannte er Intelligenz und Humor. Ihre Figur war üppig. So verführerisch üppig, dass ihm der Atem stockte. Ihre Art zu gehen konnte man nur als erotisch bezeichnen, und sein Körper reagierte unmissverständlich auf ihren sexy Gang.

Mit sechzehn hatte er eine Heidenangst vor ihr gehabt, doch nun, vierzehn Jahre später, war sie eine wandelnde Versuchung. Natürlich würde er nicht darauf eingehen. Ein Flirt mit der Tochter der besten Freundin seiner Mutter war völlig indiskutabel. Abgesehen davon, dass die beiden Mütter ihre Beziehung mit Argusaugen überwachen würden, war Jackson klar, was passieren würde, sollte er Katie das Herz brechen.

Schade eigentlich, überlegte er mit leisem Bedauern.

„Die Familienmitglieder sind alle auf dem gleichen Gang“, erklärte Katie gerade. „Ich habe dafür gesorgt, dass du so weit wie möglich von ihnen entfernt untergebracht wirst. Wir wollen schließlich nicht, dass Tante Tully sich nachts in dein Zimmer schleicht.“ Schelmisch lächelte sie ihn an. „Du bist noch jung genug, um bleibende Schäden davonzutragen, falls sie dich vernascht.“

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich Lust habe, sie kennenzulernen.“

„Keine Angst, ich beschütze dich.“

Schnell checkte er ein und bekam einen altmodischen Schlüssel.

„Da geht’s entlang.“ Katie wies auf die Fahrstühle. „Und heute Abend wird es ernst. Die Feierlichkeiten beginnen mit einer Party.“

„Parties sind toll.“

„Es ist eine Themenparty. 50er Jahre. Ich habe schon ein Kostüm in dein Zimmer bringen lassen.“

Eine Kostümparty? Offenbar hatte seine Mutter ihm einige entscheidende Details verschwiegen. „Hört sich super an“, log er.

Lachend tätschelte Katie seinen Arm. „Mach dir keine Sorgen. Die Jungs tragen nur ein kurzärmliges weißes Shirt und Jeans. Falls du zufällig Slipper dabei hast, wäre dein Auftritt perfekt.“

„Mit weißen Socken, nehme ich an.“

„Das wäre großartig.“

Er spürte ihre warme Hand auf seiner Haut, und es gefiel ihm. Sehr sogar. Am liebsten hätte er sie ebenfalls berührt. Sein Blick wanderte zu ihrem Mund. Ihre Lippen waren voll und schön geschwungen – genau wie der Rest von ihr. Katie war der Inbegriff von Üppigkeit.

„Ich bin viel schlechter dran als du, denn ich muss einen albernen Petticoat tragen. Mit einem Twinset. Grauenhaft!“

Eine interessante Vorstellung, fand Jackson, dem es nicht gelang, seinen Blick von ihrem Gesicht zu lösen. Normalerweise fand er den Retrolook nicht sonderlich attraktiv, doch er hatte den Verdacht, dass Katie ihm heute Abend ziemlich gut gefallen würde.

„Wir sollten jetzt unsere Geschichte abstimmen“, schlug Katie leise vor.

Verwundert sah er sie an. Ihre Pupillen waren ein wenig geweitet, und sie schien etwas aufgeregt zu sein. Zum Anbeißen.

„Ich meine, wie wir zusammengekommen sind“, fügte sie hinzu.

„Am besten bleiben wir möglichst nah an der Wahrheit. Unsere Mütter haben uns verkuppelt.“

„Gut. Sagen wir, vor einem halben Jahr?“

„In Ordnung. Seitdem sind wir unzertrennlich.“ Er grinste. „Natürlich war ich etwas erstaunt, als du gleich am ersten Abend mit mir schlafen wolltest, aber als perfekter Gentleman konnte ich die Einladung wohl nicht ausschlagen.“

Mit großen Augen sah sie ihn an und runzelte dann die Stirn. „Wie bitte? Du warst derjenige, der schon nach fünf Minuten vollkommen verrückt nach mir war. Du hast mich regelrecht verfolgt! Im Grunde bin ich nur aus Mitleid mit dir ausgegangen, weil ich befürchtete, dass du sonst völlig durchdrehen würdest.“

Jackson lachte charmant. „Wie wäre es, wenn wir uns in der Mitte treffen? Es war bei uns beiden Liebe auf den ersten Blick.“

„Okay. Auch wenn mir die Vorstellung, dass du verrückt nach mir warst, besser gefällt.“

Sie hatte ja keine Ahnung, wie wenig nötig war, um genau das zu bewirken. Nur mit Mühe konnte er dem Drang widerstehen, sie anzufassen, denn er hätte zu gern gewusst, ob ihr ganzer Körper so warm und weich war wie ihre Hände.

Sie gingen zum Fahrstuhl, doch noch bevor sie ihn erreicht hatten, stürmte eine etwa fünfzigjährige Frau auf sie zu. Jackson erkannte die beste Freundin seiner Mutter sofort.

„Hallo Janis! Schön, dich wiederzusehen.“

„Howie“, begrüßte sie ihn kurz.

Er zuckte zusammen. Da seine Mutter darauf bestand, ihn weiterhin Howie zu nennen, kannte Janis ihn natürlich auch nur unter diesem Namen.

„Es ist eine Katastrophe passiert!“, wandte Janis sich an Katie.

„Nur eine? Das geht doch noch.“

„Fordere bitte das Schicksal nicht heraus!“ Janis holte tief Luft. „Es geht um die Torte. Genau genommen um die Konditorin. Anscheinend werden die Dekorationen im Vorfeld einer Hochzeit hergestellt und dann am Hochzeitstag auf die frisch gebackene Torte gesetzt. So ganz genau hab ich das alles nicht verstanden.“

„Und wo liegt jetzt das Problem?“

„Die Konditorin hatte einen Autounfall. Keine Angst, sie hat überlebt, doch ihre beiden Arme sind gebrochen. Ich will ja nicht herzlos erscheinen, aber hätte das nicht an einem anderen Tag passieren können? Die Torte befand sich auch im Auto und ist natürlich hinüber. Wir haben also die Dekorationen, die schon gestern geliefert wurden, aber keine Torte und niemanden, der sich um die Fertigstellung kümmern könnte.“

Janis klammerte sich an Katies Arm. „Ich halte das alles nicht mehr aus! Deine Schwester ist vollkommen hysterisch und dein Vater ist mir auch keine Hilfe. Außerdem muss ich ständig neu angekommene Verwandte begrüßen, und zu allem Überfluss schleicht Tante Tully bereits um einen der Hotelpagen herum. Du musst mir helfen!“

„Warum habe gerade ich so eine unmögliche Familie?“ Resigniert sah Katie ihre Mutter an.

„Das ist kein bisschen hilfreich“, tadelte Janis sie, wobei ihre Stimme mit jedem Wort schriller wurde.

„Tut mir leid. Bestimmt finden wir eine andere Konditorin.“

„Und wie? Wir sind mitten in der Hochzeitssaison. Sie sind alle ausgebucht. Ich fürchte, das hier ist ein Wink des Schicksals. Die Hochzeit wird eine Katastrophe – ich spüre es genau!“

„Mom, bitte beruhige dich!“

„Ich kann nicht …“

Jackson holte sein Mobiltelefon heraus. „Vielleicht kann ich euch helfen. Ich habe eine Freundin, die eine Cateringfirma betreibt. Sie hat schon öfter Hochzeitstorten gemacht, und ich bin mir sicher, dass ich sie überreden kann, einzuspringen.“

Janis sah ihn an. „Bitte mach mir keine falschen Hoffnungen, Howie. Das wäre ja zu schön, um wahr zu sein.“

„Ich rufe sie sofort an.“

Er suchte in seiner Kontaktliste nach Ariel. Sekunden später war sie am Apparat. Jackson begrüßte sie und erklärte ihr die Situation.

„Aber es ist nicht etwa deine eigene Hochzeit?“, erkundigte Ariel sich argwöhnisch.

„Nein. Die Hochzeit einer Freundin. Ich bin nur übers Wochenende hier und fahre dann wieder nach L. A.“

Sie zögerte. „Eigentlich habe ich keine Zeit, aber da heute ein Kunde abgesagt hat, könnte ich morgen früh da sein. Ich brauche allerdings die Hotelküche.“ Sie nannte einen Preis, der ihn erstarren ließ, doch Janis nickte unbekümmert.

„Also abgemacht. Wir sehen uns dann morgen.“

Als er aufgelegt hatte, umarmte Janis ihn überschwänglich. „Du hast mein Leben gerettet!“

„Es ist doch nur eine Torte. Du tust ja so, als hätte ich dich aus einem brennenden Haus getragen.“

„Genauso erleichtert fühle ich mich auch!“ Sie legte theatralisch eine Hand auf ihre Brust. „Ich kann wieder atmen! Zumindest bis zur nächsten Katastrophe. So Kinder, jetzt geht in eure Zimmer und macht euch für die Party fertig. Ich brauche erst einmal einen Drink.“

Grinsend sah Jackson ihr nach und drückte dann auf den Fahrstuhlknopf. Katie blickte ihn skeptisch an. „Ariel ist also eine Exfreundin von dir?“

„Woher weißt du das?“

„Männer haben normalerweise nicht die Nummer eines Cateringservice in ihrer Kurzwahlliste.“

„Unsinn. Sie ist in meinem ganz normalen Telefonbuch.“

„Trotzdem hatte ich recht.“

Die Türen öffneten sich, und sie traten ein. Katie drückte den Knopf für die vierte Etage.

„Und – war es schlimm? Die Trennung, meine ich.“

„Eigentlich nicht. Genau genommen war es ganz einfach. Sie hat mich verlassen. Zuerst fühlte ich mich grässlich, aber das ging schnell vorüber.“ In der Tat war er so schnell über das Ende der Beziehung hinweg gewesen, dass er rasch eingesehen hatte, wie wenig zukunftsträchtig die Beziehung gewesen war.

„Glückwunsch. Das ist auf jeden Fall besser, als monatelang in Liebeskummer zu versinken.“

Er musterte sie prüfend. „Bist du eher der Liebeskummertyp?“

„Hm, es gab ein, zwei Mal in meinem Leben deprimierende Episoden, aber insgesamt neige ich nicht so dazu.“

Der Fahrstuhl hielt an, und sie stiegen aus. Katie zeigte Jackson den Weg zu seinem Zimmer.

„Meins ist gleich gegenüber.“

Grinsend sah er sie an. „Ich hoffe, ich bin hier vor dir sicher.“

„Wenn du vor vierzehn Jahren schon so gewesen wärst wie heute, hätte ich nie damit gedroht, dich zu verhauen.“

„Wäre ich vor vierzehn Jahren so gewesen wie heute, dann hätte ich mir gewünscht, dass du es versuchst.“

Sekundenlang sahen sie sich in die Augen. Schließlich wandte Katie den Blick ab. „Die Party fängt in einer Stunde an. Am besten machst du dich jetzt fertig. Mach dich auf das Schlimmste gefasst.“

„Ich bin nicht so leicht zu verunsichern. Außerdem hast du versprochen, mich zu beschützen.“

„Du solltest darum beten, dass Tante Tully dich in Ruhe lässt.“

„Ich werde schon mit ihr fertig.“

„Warte es ab …“ Mit einem Lächeln auf dem Gesicht ging Katie in ihr Zimmer.

3. KAPITEL

Jrgendwie sah dieses 50er-Jahre-Kostüm gar nicht so übel aus, dachte Katie, als sie sich im Spiegel betrachtete. Natürlich ließ der Rock ihre ohnehin nicht sehr langen Beine noch ein wenig kürzer erscheinen – was für jemanden aus einer Familie mit fast ausschließlich großen, schlanken Menschen nur schwer zu ertragen war –, doch ihre Taille wurde durch den Petticoat sehr vorteilhaft betont. Übermütig drehte sie sich ein paar Mal im Kreis.

Ihr schulterlanges Haar hatte sie mit einer quietschgelben Schleife zu einem kecken Pferdeschwanz zusammengebunden. Dazu trug sie eine falsche Perlenkette, um den Retrolook perfekt zu machen.

Ein energisches Klopfen an ihrer Tür ließ sie zusammenzucken.

Sie riss die Tür auf und sah Jackson beeindruckt an. Er trug eine Jeans und hatte die Ärmel seines engen weißen T-Shirts hochgerollt. Sein dunkles Haar war mit Pomade nach hinten gekämmt, was nicht nur sehr sexy, sondern auch verwegen aussah. Eine ausgesprochen verlockende Kombination.

„Die West Side Story ist der Lieblingsfilm meiner Mutter“, erklärte Katie lachend. „Du siehst wie ein perfekter Jet aus.“

Jackson musterte sie von Kopf bis Fuß mit so unverhohlenem Interesse, dass Katie eine Gänsehaut bekam.

„Sehr hübsch. Ich mag den Rock.“

Sie drehte sich einmal im Kreis. „Ja, nicht wahr, er ist großartig. Ich habe noch nie vorher einen Petticoat getragen.“

„Du siehst aus wie …“

„Ein braver Backfisch? Oder besser wie eine alte Jungfer?“

„Nein, wie das Mädchen, mit dem man zum Abschlussball gehen möchte.“

Sie freute sich über das Kompliment, gab sich jedoch Mühe, es sich nicht anmerken zu lassen. „Dann habe ich ja alles richtig gemacht.“

Schnell steckte sie ihren Lipgloss und den Zimmerschlüssel in ihre Tasche und trat zu ihm auf den Gang.

Während sie auf den Fahrstuhl warteten, lehnte Jackson sich lässig an die Wand und sah sie unschlüssig an.

„Händchen halten? Küssen? Ständiges Aneinanderkleben? Wie wollen wir der Welt und vor allem deiner Familie zeigen, dass wir unzertrennlich sind?“

Sex, dachte Katie. Sie sollten Sex haben, um den Eindruck eines glücklichen Pärchens zu vervollständigen. Sie hätte absolut nichts dagegen.

„Tja, ein wenig Körperkontakt sollte schon da sein. Courtney und Alex können keine Minute die Finger voneinander lassen, aber ehrlich gesagt finde ich das manchmal schon etwas peinlich.“

„Einverstanden.“

Er sah sie eindringlich an, ganz so, als würde er über eine Sache angestrengt nachdenken. Langsam machte er sie nervös. Wo blieb nur der Fahrstuhl?

Sekundenlang sagte keiner von ihnen etwas. Dann trat Jackson auf Katie zu, nahm zärtlich ihr Gesicht in die Hände und strich mit den Lippen über ihren Mund.

Sein Kuss kam unerwartet, er war gleichzeitig sanft und leidenschaftlich. Eine Hitzewelle stieg in Katie auf, und am liebsten hätte sie sich in seine Arme geworfen. Doch er war schon wieder einen Schritt zurückgetreten; seine Hände umfassten allerdings noch immer ihr Gesicht, und er streichelte sanft ihre Wangen.

„Wir mussten uns schließlich eine Generalprobe zugestehen“, erklärte er grinsend. Katie schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass noch weitere Trainingseinheiten folgen würden.

Als sie gerade vorschlagen wollte, die Übung zu wiederholen, öffneten sich die Türen des Fahrstuhls. Leider war es Tante Tully, die sie hocherfreut begrüßte.

„Katie!“, rief die ältere Frau überschwänglich und trat auf den Gang. „Ich habe dich schon überall gesucht!“ Dann bemerkte sie Jackson und strahlte ihn an. „Hallo, mein Süßer! Ich bin Katies Lieblingstante, und wir beide teilen uns immer alles.“

Jackson trat erschrocken einen Schritt zurück. Katie wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.

Tully war die Schwester ihres Vaters; eine mollige, kleine, sehr lebhafte Frau mit blondiertem Haar, die sich kleidete wie eine Zwanzigjährige. Bestenfalls. Nur ihr Schmuck zeigte, dass sie sehr reich geheiratet hatte. Mehrmals. Im Augenblick war Tully auf der Suche nach Ehemann Nummer sechs.

Verheiratet oder nicht – Tully liebte die Männer. Alle Männer. Selbst diejenigen, die verheiratet oder mit anderen Frauen zusammen waren. Sie war der Mittelpunkt einer jeden Party, vertrug eine Menge Alkohol und ignorierte konsequent die Grenzen, die andere Menschen ihr aufzeigten. Katie liebte und fürchtete sie gleichermaßen.

Jackson schien sich von dem Schrecken erholt zu haben und streckte ihr seine Hand entgegen.

„Sie müssen Tante Tully sein. Freut mich, Sie kennenzulernen.“

„Na los jetzt!“, forderte Tante Tully ihn auf. „Sie gehören nun zur Familie. Da erwarte ich mehr als ein Händeschütteln.“

Zögernd kam er näher und nahm sie widerstrebend in den Arm. Doch Tante Tully war für zurückhaltende Gesten nicht zu haben. Beherzt zog sie ihn an sich, drückte ihren Busen an seine Brust und gab ihm einen schmatzenden Kuss auf den Mund. Katie wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken.

Schnell löste Jackson sich aus der Umarmung.

Besitzergreifend legte Katie ihren Arm um Jacksons Taille. „Tante Tully, er gehört mir! Du bekommst ihn nicht!“

Tully verzog schmollend ihren Mund und sah Katie herausfordernd an. „Bist du sicher? Ich kaufe dir ein Auto. Den neuen Lexus Hybrid.“

„Danke, aber die Antwort ist Nein.“

„Willst du Geld?“

Jackson räusperte sich. „Ms. McCormick, ich fühle mich sehr geschmeichelt, aber …“

Ungeduldig unterbrach Tully ihn. „Das haben Sie nicht zu entscheiden. Ich verhandle mit Katie. Also?“

„Nein, Tante Tully. Wirklich nicht!“

„Na gut. Dann muss ich mir halt einen anderen Mann suchen. Hat der Bräutigam zufällig einen Bruder?“

„Nein“, antwortete Katie und war sehr stolz auf sich selbst, weil sie der Versuchung widerstanden hatte, Tante Tully Alex selbst vorzuschlagen. Es wäre zwar nur gerecht gewesen, wenn jemand Courtney den Mann wegnähme, doch im Augenblick wäre es für zu viele Menschen eine Katastrophe. Abgesehen davon bestand die geringe Möglichkeit, dass ihre Schwester Alex wirklich liebte.

Der Fahrstuhl hielt erneut in ihrer Etage an, und Tully stieg ein.

„Wir nehmen den nächsten“, erklärte Katie, die annahm, dass Jackson sich gern einen Moment erholen wollte. „Wir sehen uns dann auf der Party!“ Leise schloss sich die Tür.

Jackson lehnte sich an die Wand. „Das war also Tante Tully.“

„Ich habe versucht, dich zu warnen.“

„Sie wollte mich kaufen!“

„Ich weiß.“

„Sie hat dir ganz ernsthaft Geld angeboten!“

„Sie steht nun mal auf Männer.“

„Aber sie könnte vom Alter her meine Mutter sein.“

„Versuch einfach, nicht mehr daran zu denken.“

Er schüttelte den Kopf. „Jetzt verstehe ich, weshalb du unbedingt eine Begleitung für diese Familienfeier haben wolltest.“

„Nur ein Teil meiner Familie ist so schräg. Meine Eltern beispielsweise sind ganz entzückend. Und Courtney ist sehr hübsch.“ Am liebsten hätte Katie hinzugefügt, dass es ausgesprochen nett wäre, wenn Jackson darauf verzichten könnte, sich in Courtney zu verlieben, doch sie widerstand dem Impuls. Es würde sowieso nichts nützen. Wenn es passieren sollte, dann würde es auch passieren.

„Also ist Tully die Schlimmste von allen?“

Katie lachte. „Ja, ganz bestimmt. Die anderen Mitglieder meiner Familie werden sich darauf beschränken, peinliche Fragen zu stellen. Zum Beispiel seit wann wir schon zusammen sind und ob du ernsthafte Absichten hast.“

„Sie wollen dich also unter die Haube bringen?“

„Ja, das ist seit Jahren ihr gemeinsames Ziel. Man sollte ja annehmen, dass es reicht, einen tollen Job und viele nette Freunde zu haben, aber das stimmt nicht. Manchmal beneide ich euch Männer. Ihr müsst euch diese Sticheleien nie anhören.“

„Da irrst du dich. Meine Mutter erklärt regelmäßig sehr deutlich, dass sie endlich Enkelkinder haben möchte. Aber ich ignoriere sie einfach.“

Gut für ihn, wenn er das so einfach konnte, überlegte Katie und drückte auf den Fahrstuhlknopf.

„Warum bist du noch nicht verheiratet? Oder gehörst du etwa zu den Männern, die sich nicht festlegen wollen? Bist du ein eingefleischter Junggeselle?“

„Nein. Mir gefällt die Vorstellung, eines Tages eine Frau und Kinder zu haben. Aber als ich noch jünger war, hatte ich leider nur wenig Erfolg bei den Mädchen.“

Sie sah ihn an, betrachtete seine breiten Schultern, die leuchtend grünen Augen und seinen sexy Mund. „Auch auf die Gefahr hin, dass du dir etwas darauf einbildest – ich denke nicht, dass dieses Problem immer noch besteht.“

„Nein. Heute besteht die Schwierigkeit darin, die richtige Frau zu finden.“

„Wonach suchst du denn?“

Wieder sah er ihr sekundenlang tief in die Augen. Als wollte er …

In diesem Augenblick öffneten sich die Fahrstuhltüren erneut.

„Katie, mein Schatz. Da bist du ja!“ Katies Mutter kam leicht taumelnd auf sie zu.

Katie sah ihren Vater entsetzt an. „Sie hat einen Schwips!“ „Meinst du?“ Ihr Vater hielt Jackson die Hand hin. „Hallo! Ich bin Mike McCormick.“

„Jackson Kent. Ich bin der Sohn von Tina.“

„Ich weiß.“ Er legte einen Arm um seine Frau. „Deine Mutter hatte zwei Martinis“, erklärte er leichthin.

Katie zuckte zusammen. „Um Himmels willen! Normalerweise ist sie schon nach einem beschwipst! Auch wenn sie dann immer sehr charmant ist, finde ich nicht, dass heute ein passender Anlass für zwei Martinis ist.“

Sie stiegen ein, und die Türen schlossen sich wieder.

Janis tätschelte ihrem Mann die Wange. „Jetzt tu nicht so, als würde es dich stören. Wir wissen doch beide, dass du es magst, wenn ich ein bisschen angeheitert bin. Dann kriegst du mich eher rum.“

„Mom!!!“ Entsetzt hielt Katie sich die Ohren zu. „Bitte hör auf! Ich will so etwas nicht hören!“

Janis sah ihre Tochter nachsichtig an. „Du solltest dich darüber freuen, dass deine Eltern immer noch Sex haben. Das ist ein Zeichen dafür, dass unsere Ehe in Ordnung ist. Du möchtest doch nicht, dass wir uns scheiden lassen, oder?“

„Soll ich ein Lied singen, damit du sie nicht mehr hören kannst?“, schlug Jackson grinsend vor.

„Du findest das also lustig?“ Katie war nun fuchsteufelswild. „Wie würdest du es finden, wenn deine Eltern dir über ihr Intimleben berichteten?“ Sie sah ihre Mutter wütend an. „Das hier ist Courtneys Hochzeit! Reiß dich gefälligst zusammen!“

„Schon gut, Kleines. Ich wollte ja nur sagen, dass der Sex immer besser wird, je älter man ist. Früher mussten wir immer darauf achten, dass ihr Kinder uns nicht überrascht habt. Ich mag gar nicht an all die Nachmittage denken, an denen wir versucht haben, uns unter der Dusche zu lieben und ständig eine von euch an die Tür geklopft hat. Mami hier und Mami da. Kannst du mal … Darf ich ein Eis … Wo ist mein Taschenrechner? Es war furchtbar. Einmal dachte ich, wir hätten vergessen, die Tür abzuschließen, und ich hätte deinem Vater vor Schreck fast in sein bestes Stück gebissen.“

Die Türen öffneten sich und Katie stürmte aus dem Fahrstuhl. Sie musste fort, einfach nur fort, und die grässlichen Bilder aus ihrem Kopf bekommen. „Kleine Kätzchen und Eiscreme“, murmelte sie. „Oder London. Ich denke einfach an London.“ Sie blieb stehen und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Was für ein Albtraum!

Plötzlich spürte sie, wie jemand sie in den Arm nahm und an sich zog. Die mitfühlende Geste wurde allerdings durch Jacksons glucksendes Lachen abgeschwächt.

„Falls es dich beruhigt: Dein Vater wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken.“

„Nein, das beruhigt mich nicht. Wie konnte sie nur so etwas sagen?“

„Naja, sie ist betrunken.“

„Trotzdem.“ Katie schüttelte sich und presste ihr Gesicht an seine Schulter. „Das war widerlich. Natürlich freut es mich, dass sie glücklich verheiratet sind, aber Eltern sollten nie, wirklich niemals, in Gegenwart ihrer Kinder über ihr Sexleben sprechen!“

„Du brauchst eine Ablenkung, um auf andere Gedanken zu kommen.“

„Ich brauche eine Gehirnwäsche!“

„Katie?“

Fragend blickte sie zu ihm hoch. Im selben Augenblick küsste er sie.

Seine Lippen waren herrlich weich, und sein Kuss, erst unglaublich zärtlich, dann immer leidenschaftlicher, ließ ihre Knie weich werden.

Er hielt sie fest an sich gedrückt, und Katie konnte sich keinen Ort auf der Welt vorstellen, an dem sie gerade lieber wäre als hier in seinen starken Armen. Sanft streichelte er über ihren Rücken und umfasste dann wie selbstverständlich ihren Po, um sie noch näher an sich heranzuziehen. Selbst durch den Petticoat hindurch spürte sie seine Hitze und sein Verlangen.

Sein Kuss wurde immer fordernder, und Katie schlang ihre Arme um seinen Hals und gab sich ganz und gar dem köstlichen Augenblick hin.

Er raubte ihr den Atem, wie es schon seit langer Zeit kein Mann mehr getan hatte. Viel zu lange. Fast hätte sie vergessen, wie gut es sich anfühlte, begehrt zu werden. Und zu begehren.

Im Hintergrund hörte sie Stimmen, doch sie ignorierte sie. Sie wollte Jackson küssen. Küssen und noch viel mehr. Alles andere war unwichtig. Am liebsten hätte sie für den Rest ihres Lebens eng umschlungen mit ihm hier in der Lobby gestanden.

Leider waren seine Fähigkeiten als Gedankenleser nicht so gut entwickelt wie die als Liebhaber, denn nach einer Weile ließ er sie los und trat einen Schritt zurück.

„Und? Geht es dir nun besser?“

Katie zuckte zusammen. „Hast du das nur getan, um mich abzulenken?“

„Teilweise.“

Na wunderbar. Da hatte sie ihre erste erotische Begegnung seit ungefähr einem Jahr, und für ihn war es lediglich eine Mitleidsbekundung gewesen.

Jacksons Mund verzog sich im gleichen Moment zu dem Katie nun schon wohlbekannten sexy Lächeln. „Aber ich habe es auch getan, weil ich es wollte.“

4. KAPITEL

Am nächsten Tag quälte Katie sich frühmorgens aus dem Bett, um im Fitnessraum des Hotels ein wenig zu trainieren, bevor der eigentliche Hochzeitstrubel begann. Schlaftrunken stolperte sie durch die Hotelhalle – ungekämmt, in einer alten Jogginghose und mit einer kleinen Wasserflasche bewaffnet. Sie rechnete nicht damit, so früh jemanden zu treffen, und ging davon aus, dass sie den Fitnessraum für sich allein haben würde.

Umso erstaunter war sie, Jackson auf einem der Ergometer zu sehen. Im Gegensatz zu ihr sah er auch völlig verschwitzt noch unglaublich gut aus. Er hatte Kopfhörer im Ohr und schaute während des Trainings offenbar gerade die Nachrichten auf dem großen Flachbildfernseher. Bis jetzt hatte er sie noch nicht bemerkt.

Nach dem albtraumhaften Auftritt ihrer Mutter und dem atemberaubenden Kuss in der Hotellobby war der Rest des Abends vergleichsweise unspektakulär verlaufen. Tante Tully hatte freundlicherweise Abstand gehalten, auch wenn sie Jackson immer wieder aufreizende Blicke zugeworfen hatte.

Keiner von Katies Verwandten war durch zu hohen Alkoholkonsum negativ aufgefallen – doch das Wochenende hatte ja auch gerade erst angefangen. Katie ging zu dem zweiten Ergometer.

Wegen Jackson den Fitnessraum zu verlassen kam für sie nicht infrage. Nicht bei ihrer genetischen Veranlagung zur Molligkeit. Wenn sie nicht sehr auf ihr Essen und auf regelmäßige Bewegung achtete, ging sie auf wie ein Hefekloß. Sollte Jackson übernächtigte, verschwitzte Frauen unattraktiv finden, war das sein Problem.

Nachdem sie auf das Gerät geklettert war, studierte sie die Bedienungsanleitung. Zum Glück war es ein Modell, das sie aus ihrem Fitnessstudio bereits kannte. Sie wählte ihr Lieblingsprogramm und schummelte bei der Gewichtsangabe nur um fünf Kilo, bevor sie den Startknopf drückte und sich mental auf den kommenden Schmerz einstellte.

Neben ihr nahm Jackson die Kopfhörer ab. „Guten Morgen!“, begrüßte er sie erfreut.

Auch er war weder geduscht, noch hatte er sich rasiert oder auch nur gekämmt. Warum zum Teufel sah er trotzdem so umwerfend aus? Das Leben war einfach ungerecht!

„Hi!“

„Du bist also eine Frühaufsteherin.“

„Ich muss hart dafür arbeiten, meinen BMI im zweistelligen Bereich zu halten.“

Jackson sah sie von oben bis unten an und schüttelte dann den Kopf. „Unsinn. Du siehst großartig aus!“

Sofort lief Katie rot an. Zum Glück würde es ihm nicht auffallen, denn sie war wegen der sportlichen Anstrengung sowieso schon rot im Gesicht. „Danke. Aber du irrst dich. Du hast mich doch damals gesehen. Ich habe nicht vor, es noch einmal so weit kommen zu lassen.“

Jackson runzelte die Stirn.

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