Logo weiterlesen.de
Geheime Affäre mit dem Milliardär

1. KAPITEL

Als der Vibrationsalarm seines Mobiltelefons erklang, war Lucas Atraeus gerade dabei, in seinem privaten Fitnessstudio Gewichte zu stemmen, die so viel wogen wie er selbst.

Er richtete sich auf und sah auf das Display des Telefons. Nur wenige Menschen hatten seine Privatnummer, und lediglich zwei davon würden es wagen, ihn während seines morgendlichen Workouts zu stören.

„Si“, sagte er lediglich, als er den Anruf entgegennahm.

Das Gespräch mit seinem Bruder Constantine, dem Chef des milliardenschweren Familienunternehmens Atraeus-Group, war kurz. Erst als Lucas es beendet hatte, wurde ihm bewusst, wie viel sich innerhalb weniger Sekunden für ihn verändert hatte.

Constantine beabsichtigte, in knapp vierzehn Tagen zu heiraten – womit er leider Lucas’ Leben stark verkomplizierte.

Die Braut, Sienna Ambrosi, war die Chefin von Ambrosi-Pearls, einem Unternehmen mit Sitz in Sydney. Außerdem war sie die Schwester der Frau, mit der Lucas zurzeit sozusagen liiert war – obwohl das vielleicht nicht die passende Bezeichnung für die leidenschaftliche und obsessive Beziehung war, in die sich Lucas in den vergangenen zwei Jahren verstrickt hatte.

Ein weiteres Mal erklang der Vibrationsalarm, und Lucas wusste auch ohne einen Blick auf die Nummer, um wen es sich bei diesem Anrufer handelte. Carla Ambrosi. Schwarzes, wallendes Haar, honigfarbener Teint, faszinierend hellblaue Augen und jene Art von sinnlichem Körper, der jederzeit ein Verkehrschaos auszulösen vermochte.

Plötzlich überkam Lucas ein wildes Verlangen. Es erschien ihm umso überwältigender, da er normalerweise überaus diszipliniert und distanziert war, seitdem seine damalige Freundin vor fünf Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Seit Sophies Tod hatte er geschworen, sich niemals wieder von seiner Leidenschaft lenken zu lassen.

Seit einiger Zeit allerdings – um genau zu sein, seit etwas mehr als zwei Jahren – hatte er diesen Vorsatz mit schöner Regelmäßigkeit gebrochen.

Doch das war jetzt vorbei.

Es fiel ihm schwer, den Anruf nicht anzunehmen. Zu seiner großen Erleichterung verstummte das Telefon einige Sekunden später.

Er strich sich das feuchte Haar aus der Stirn und ging über den Marmorfußboden zur Dusche hinüber. Er war stolz auf seinen athletischen Körperbau, der eines medinischen Kriegers würdig wäre und für den er hart trainierte. Doch heutzutage wurden Kriege auf Medinos an den Tischen der Vorstandsetagen ausgefochten; die modernen Waffen waren Wertpapiere und Gold, das dem kargen Eiland abgerungen wurde.

Als Geschäftsmann war Lucas ungeschlagen. Bei Beziehungen jedoch hatte er bisher weniger durchschlagende Erfolge verzeichnet.

Das angenehme Gefühl, das er normalerweise nach dem Workout empfand, wurde von der unerwünschten Begierde verdrängt, die ihn durchflutete, während er sich auszog und unter die Dusche stellte.

Wenn er nichts gegen diese riskante Beziehung unternahm, die ihn zusehends stärker in ihren Bann schlug, dann würde er bald mit einer Frau verlobt sein, die genau das Gegenteil von dem war, was er sich unter einer idealen Ehefrau vorstellte. Eine zweite verhängnisvolle Affäre – eine zweite Sophie.

Seine einzige Chance bestand darin, sich von seinen Gefühlen zu verabschieden und sich allein auf die geschäftsmäßige Distanz zu verlassen, mit der er im Geschäftsleben so erfolgreich war. Er musste um seinetwillen – und um Carlas willen – diese Beziehung beenden, bei der von Anfang an abzusehen gewesen war, dass sie unweigerlich auf eine Katastrophe hinauslaufen würde.

Schon einmal hatte er versucht, mit Carla Schluss zu machen – und war damit kläglich gescheitert. Ein weiteres Mal würde ihm das nicht passieren.

Es war endgültig vorbei.

Endlich würde Lucas ihr einen Heiratsantrag machen.

Es war bereits dunkel, und der Mond stand hell am Himmel, als Carla Ambrosi ihren gemieteten Sportwagen am Tor des Castellos der Familie Atraeus auf Medinos stoppte.

Ein wenig benommen vor Freude – aber auch vor nervöser Aufregung – registrierte sie die Paparazzi, die sich anlässlich der morgigen Hochzeit ihrer Schwester Sienna mit Constantine Atraeus auf der Mittelmeerinsel eingefunden hatten. So viel zum Thema, unerkannt im Dunkeln einzutreffen.

Einer der Sicherheitsleute klopfte gegen die Scheibe, und Carla reichte ihm die Einladung zum vorhochzeitlichen Dinner durchs Autofenster.

Er nickte kurz, gab ihr die Karte zurück und winkte sie durch.

Ein Blitzlicht blendete sie, als sie den Wagen vorsichtig durch die Menschenmenge lenkte, und sie wünschte, sie hätte statt des kleinen Sportwagens eine große Limousine gewählt. Doch es war ja ihre Absicht gewesen, einen quirligen und lebhaften Eindruck zu erwecken, so, als hätte sie keinerlei Sorgen …

Einer der Journalisten klopfte laut an das Beifahrerfenster und riss sie aus ihren Gedanken.

„Ms Ambrosi, wussten Sie bereits, dass Lucas Atraeus heute Morgen auf Medinos eingetroffen ist?“

Plötzlich schien ihr Körper vor heißer Sehnsucht in Flammen zu stehen. Im Frühstücksfernsehen hatte sie Lucas’ Ankunft mitverfolgt. Ein paar Minuten darauf hatte sie einen flüchtigen Blick auf sein Auto erhaschen können, als sie auf dem Weg zum Strand gewesen war, um Kaffee und Brötchen für das Frühstück zu kaufen.

Durch die getönten Scheiben der auffälligen und vom Sicherheitsdienst eskortierten Limousine hatte Carla leider nicht erkennen können, wer im Wagen saß. Da ihr das Frühstück mit einem Mal völlig unwichtig erschienen war, hatte sie Lucas umgehend getextet. Daraufhin hatten sie sich verabredet, doch leider hatte Carla ein spontanes Interview mit einem bekannten amerikanischen Fernsehsender einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da die neue Schmuckkollektion von Ambrosi-Pearls in weniger als einer Woche auf den Markt kommen sollte, war Siennas Hochzeit für die Publicity des Familienunternehmens ein unermesslicher Glücksfall, den sich Carla um keinen Preis entgehen lassen wollte. Sie hatte ihr Date mit Lucas zwar nur äußerst ungern abgesagt, doch sie wusste, dass Lucas als waschechter Geschäftsmann ihre Gründe verstehen würde. Außerdem sah sie ihn ja heute Abend – jetzt gleich.

Ein weiteres Blitzlicht sorgte dafür, dass sich plötzlich die Kopfschmerzen verstärkten, die sie schon seit dem späten Nachmittag plagten. Sie wusste, was sie zu bedeuten hatten. Sie musste das Tempo herunterfahren und endlich damit aufhören, alles kontrollieren zu wollen. Ihre Ärztin Jennifer – die zufälligerweise auch eine gute Freundin war – hatte ihr geraten, nicht mehr jedes Detail ihres Lebens zwanghaft planen zu wollen, wenn sie jemals das nervöse Magenleiden loswerden wollte, unter dem sie schon so lange litt.

Ihre strengen Maßstäbe für Beziehungen waren ein weiteres Ergebnis ihres überhöhten Anspruchsdenkens. Wie sollte Mr Right jemals eine Chance bei ihr haben, wenn sich niemand überhaupt für ein zweites Date qualifizierte? Stress war eindeutig ein Stimmungskiller, und Jennifer hatte ihr schon vor zwei Jahren empfohlen, unbedingt etwas dagegen zu tun und sich mehr Spaß zu gönnen. Vielleicht einfach einmal mit jemandem ins Bett zu gehen …

Eine Woche später war sie Lucas Atraeus begegnet.

„Ms Ambrosi, da Ihre Schwester jetzt Constantine heiratet, besteht die Chance, dass Ihre Beziehung mit Lucas wieder auflebt?“

Verbissen lenkte Carla den Wagen weiter und ärgerte sich gegen ihren Willen über die respektlose Frage des Reporters. Eine Frage, die an ihr nagte, seitdem Sienna vor zwei Wochen bekannt gegeben hatte, dass sie Constantines Frau werden würde.

Dabei wollte Carla heute Abend eigentlich niemandem sein Interesse oder die Fragen verübeln. Zwei Jahre lang hatte sie es vermieden, mit Lucas in Verbindung gebracht zu werden. Damals hatte die Presse Vermutungen über eine gemeinsam verbrachte Nacht angestellt … Nun könnte sie endlich allen die Wahrheit über ihre Beziehung verraten.

Der Finanzbetrug, der einst die Familien Atraeus und Ambrosi entzweit hatte, sowie der Kummer ihrer Schwester, als Constantine ihre Verlobung vor zwei Jahren gelöst hatte, gehörten endgültig der Vergangenheit an. Sienna und Constantine hatten ihr Happy End bekommen. Und heute Abend würden sie und Lucas ihres finden.

Das Dröhnen eines starken Motors ließ sie in den Rückspiegel sehen. Ein großer schwarzer Wagen folgte ihr.

Lucas, dachte sie mit wild klopfendem Herzen. Da er im Castello wohnte, kam er sicher von einem Meeting in der Stadt zurück. Oder vielleicht war er auch bei dem kleinen Stadthaus gewesen, das sie, Sienna und ihre Mutter für die Zeit der Feierlichkeiten bewohnten, vielleicht hatte er sie abholen wollen. Der Gedanke erfüllte sie mit prickelnder Vorfreude.

Einen Augenblick später war der Weg vor ihr frei, denn die Pressemeute hatte sich um Lucas’ Maserati geschart. Carla nutzte die Gunst der Stunde und trat aufs Gas, um rasch die Zufahrt hinter sich zu bringen. Kurz darauf bog sie um eine letzte Kurve und sah die Umrisse des imposanten Castellos vor sich, eines Bauwerks aus dem Mittelalter, das sie bisher nur auf Fotos in Zeitungsartikeln gesehen hatte.

Die Scheinwerfer von Lucas’ Wagen waren wieder hinter ihr zu sehen, als Carla auf dem Kiesplatz vor dem Säuleneingang parkte. Mit einem Mal kam sie sich lächerlicherweise sehr verletzlich vor, und sie umklammerte beim Aussteigen nervös die feuerrote Seidentasche, die farblich auf ihr Kleid abgestimmt war.

Als die Scheinwerfer des Maseratis erloschen, stand Carla plötzlich im Dunkeln vor dem erleuchteten Castello. Sie verschloss ihre Wagentür und ging zu Lucas’ Auto hinüber. Lichtpunkte flackerten vor ihren Augen, was sie unangenehm an die Auswirkungen eines Virus’ erinnerte, den sie sich während eines gemeinsamen Thailandurlaubes mit Lucas eingefangen hatte.

Statt des romantischen Techtelmechtels, das sie sorgfältig geplant hatte und das eigentlich mit dem heiß ersehnten Heiratsantrag hätte enden sollen, hatte Lucas sie pflegen müssen, während sie fiebernd im Bett lag. Nach ihrer Rückkehr nach Sydney hatte sie sich immer noch nicht richtig gesund gefühlt und war zum Arzt gegangen. Die Untersuchung ergab, dass die Viruserkrankung ihr nervöses Magenleiden so sehr verschlimmert hatte, dass sie daraufhin sogar für eine Weile ins Krankenhaus musste.

Als die Fahrertür des Maseratis aufgestoßen wurde, begann ihr Puls zu rasen. Endlich würde sie Lucas nach langer Zeit wiedertreffen.

Treffen. Dieses Wort war wohl kaum passend, wenn sie an die leidenschaftlichen Zusammenkünfte mit Lucas dachte, die im Laufe des vergangenen Jahres immer intensiver geworden waren.

Der Reporter am Eingangstor hatte mit seiner Frage unwissentlich den Finger in eine empfindliche Wunde gelegt. Würde sie ihre Beziehung mit Lucas wiederaufleben lassen?

Streng genommen war sie noch nicht einmal sicher, ob sie überhaupt etwas teilten, was man eine Beziehung im herkömmlichen Sinne nennen konnte. Sie war jedenfalls kläglich gescheitert mit dem Versuch, dem Ganzen eine unbeschwerte, spaßige Note zu verleihen, um Lucas für sich zu gewinnen. Doch er schien recht zufrieden zu sein mit den gelegentlichen Treffen, bei denen sie wilden, erfüllenden Sex hatten. Carla war das nicht genug, auch wenn sie sich wirklich darum bemüht hatte, eine unbeschwerte Beziehung zu führen. Leidenschaft war ja wirklich etwas Tolles … Aber sie liebte es nun einmal, die Kontrolle über jede Lebenslage zu haben. Indem sie sich allerdings krampfhaft darauf konzentriert hatte, die Dinge scheinbar ganz locker anzugehen, hatte sie sich unweigerlich noch mehr unter Druck gesetzt.

So hatte sie auch das Kleid, das sie heute Abend trug, sehr sorgfältig ganz in Hinblick auf Lucas’ Vorlieben ausgesucht. Es war nicht nur überaus körperbetont, sondern schlichtweg spektakulär. Der seitliche Schlitz setzte ihre langen, gebräunten Beine gekonnt in Szene. Der drapierte Kragen betonte äußerst reizvoll ihr Dekolleté und verlieh dem Outfit ein klassisches griechisches Flair. Darüber hinaus kaschierte der Schnitt geschickt, dass sie in den vergangenen Wochen wegen ihres Magenproblems und der starken Tabletten, die sie dagegen einnehmen musste, abgenommen hatte.

Wie gebannt beobachtete sie, mit welch geschmeidigen Bewegungen Lucas aus seinem Wagen stieg. Allein daran hätte sie ihn sofort erkannt. Fasziniert betrachtete sie seine dunklen Augen, die von langen Wimpern umrahmt wurden, seine leicht verwegen wirkende Nase, der man die zwei Jahre ansah, die er professionell Rugby gespielt hatte, sein männliches Kinn und die sinnlichen Lippen. Trotz des Designeranzugs und des Siegelrings an seinem Finger erinnerte er sie irgendwie an einen wilden Krieger. Unwillkürlich musste sie ihn sich nackt in ihrem Bett vorstellen … Sie dachte an seine breiten, muskulösen Schultern und daran, wie sich seine sonnengebräunte Haut vom Weiß der Laken abhob. Sie schluckte schwer.

Sein Blick traf ihren, und augenblicklich war Carla klar, dass sie ihr brennendes Verlangen füreinander nicht bis nach der Hochzeit verheimlichen konnten. Sie begehrte ihn. Zwei Jahre lang hatte sie gewartet, weil sie wie gelähmt gewesen war, wegen Siennas Schmerz über die gescheiterte Verlobung mit Constantine. Carla liebte ihre Schwester über alles und war ihr gegenüber völlig loyal. Es wäre unverzeihlich gewesen, wenn sie sich nach Constantines Fortgang immer noch öffentlich mit seinem jüngeren – und ihrer Ansicht nach besser aussehenden – Bruder getroffen hätte.

Doch heute Abend würden Lucas und sie endlich in aller Öffentlichkeit zu ihren Gefühlen stehen können … ohne allerdings viel über die vergangenen zwei Jahre preiszugeben.

Als Expertin in Sachen Public Relations für Ambrosi-Pearls wusste Carla genau, wie sie das anzustellen hatte. Auf keinen Fall würde es wieder die fetten Schlagzeilen wie nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht geben. Auch keine Ankündigungen, keine feierlichen Fanfarenklänge … zumindest nicht vor der morgigen Hochzeit ihrer Schwester.

Trotz ihrer hochhackigen Riemchenpumps, die zwar hervorragend zum Kleid passten, ihr auf dem Kies jedoch nicht sehr viel Halt gaben, begann sie, das letzte Stück schneller auf Lucas zuzulaufen, um sich ihm in die Arme zu werfen.

Schon nahm sie seinen vertrauten männlichen Duft mit der unverkennbaren Sandelholznote wahr. Sie hatte das Gefühl, die Welt würde sich um sie drehen. Oder lag es vielleicht an der Wiedersehensfreude und dem Umstand, dass sie ihn nach zwei langen Monaten zum ersten Mal wieder berühren würde?

Die kühle Meeresbrise wehte ihr einige dunkle Haarlocken ins Gesicht, als sie sich auf die Zehenspitzen stellte und seinen Nacken umschlang. Überglücklich schmiegte sie sich an ihn, genoss seine wohltuende Wärme, das vertraute Gefühl seiner breiten Schultern – und die Tatsache, dass sie seine Erregung deutlich an ihrem Körper spüren konnte.

Ein paar lästige Tränen schossen ihr in die Augen, und sie wusste, dass dies alles nicht zu dem gelassenen Auftritt passte, den sie eigentlich geplant hatte. Doch zwei Monate lang hatte sie ihren Mann weder berühren, küssen noch lieben können, stattdessen hatte sie ständig ängstlich auf die nächste Hiobsbotschaft gewartet.

Sie hatte Lucas verschwiegen, dass die Viruserkrankung nach ihrer Heimkehr ihr Magenleiden verschlimmert hatte, und dass sie im Krankenhaus gewesen war, denn sie fürchtete sich vor seiner Reaktion. Jahrelang hatte er sich mit großartigen, glamourösen Frauen getroffen, weswegen Carla stets darauf bedacht war, dass Lucas sie ausschließlich von ihrer besten Seite sah. Nichts an dem Fieber, das sie in Thailand erwischt hatte, war glamourös gewesen. Und an dem darauf folgenden Aufenthalt in einem Krankenhaus in Sydney erst recht nicht.

Lucas schloss sie in seine Arme, und als sie sein Kinn an ihrer Wange spürte, erschauerte sie wohlig, bevor sie sich noch dichter an ihn schmiegte und den Kopf nach hinten neigte, um ihn zu küssen. Allerdings erwiderte er ihren Kuss nicht, sondern versteifte sich und löste ihre Hände von seinem Nacken. Plötzlich kam es ihr so vor, als herrschte zwischen ihnen eine Eiseskälte, die sie frösteln ließ.

Als sie Anstalten unternahm, einen Schritt auf ihn zuzumachen, umfasste er ihre Arme.

„Carla“, stieß er mit seiner sexy klingenden dunklen Stimme hervor, der man nur ganz leicht den medinischen Akzent anmerkte. „Ich habe versucht, dich anzurufen. Warum bist du nicht ans Telefon gegangen?“

Diese sehr nüchterne Frage holte sie augenblicklich von ihrem romantischen Höhenflug zurück auf die Erde. „Ich hatte es während des Interviews ausgeschaltet und anschließend aufgeladen.“

Das hatte allerdings nicht mehr als eine Stunde in Anspruch genommen. Als sie aus dem Haus gegangen war, hatte sie es in die Tasche gesteckt.

Er ließ sie los und sah zu, wie sie das Telefon hervorzog und auf das Display schaute. In der Eile hatte sie vergessen, es anzuschalten.

Als sie das nachholte, entdeckte sie die Benachrichtigungen über die verpassten Anrufe. „Tut mir leid“, sagte sie. „Ich habe vergessen, es anzuschalten.“

Stirnrunzelnd schaute sie ihn an, als er nicht antwortete, und steckte das Mobiltelefon um Fassung bemüht wieder zurück in ihre Tasche. Okay, es sah ganz danach aus, als wollte Lucas es cool angehen lassen.

Cool ging in Ordnung, aber keineswegs würde sie den Fußabtreter für ihn spielen. „Es tut mir leid, dass wir uns vorhin nicht treffen konnten, aber wir hätten uns ja zum Lunch verabreden können.“

Ein leises Geräusch brachte sie dazu, sich umzusehen. Die Beifahrertür des Maseratis wurde aufgestoßen und jemand, den Carla wegen der getönten Scheiben nicht gesehen hatte, stieg aus. Es war nicht der Bodyguard, wie sie im ersten Moment vermutet hatte, sondern eine Frau.

Ihr Herz begann wie wild zu schlagen, als sie nach und nach immer mehr Einzelheiten wahrnahm. Die Frau hatte dunkles, seidig glänzendes Haar, das zu einem Chignon zusammengefasst war, ihr schlanker, sinnlicher Körper steckte in einem glänzenden, perlmuttfarbenen Kleid.

Carla wurde heiß, dann kalt, dann wieder heiß, und sie wurde das Gefühl nicht los, in einem bösen Traum gefangen zu sein.

Sie und Lucas hatten sich darauf geeinigt, gelegentlich andere Partner zu treffen, um die Presse in die Irre zu führen und ihre Privatsphäre zu schützen, auf die Carla so viel Wert legte. Aber doch nicht hier – und vor allem nicht jetzt!

Unbeholfen machte sie einen Schritt zurück und sah Lucas ins Gesicht. Zum ersten Mal wurde sie sich der Kälte in seinem Blick bewusst. Dieselbe Distanziertheit, die er normalerweise für geschäftliche Gespräche reserviert hatte.

Das Pochen in ihrem Kopf verschlimmerte sich, und sie begann zu zittern. Sie hielt ihre Tasche fest umschlossen und unterdrückte das kindische Verlangen, die Arme um sich selbst zu schlingen, um die Kälte zu vertreiben.

Eine andere Frau? dachte sie bestürzt. Nie hätte sie damit gerechnet. Ihr Verstand arbeitete fieberhaft. Nein, das konnte doch nicht sein!

Wenn sie eben bei der Begrüßung nicht seine Erregung so deutlich gespürt hätte, dann könnte man beinahe meinen, dass Lucas …

„Ich glaube, du kennst Lilah bereits“, sagte er.

Natürlich kannte sie Lilah Cole, und Lilah kannte sie. „Ja“, erwiderte Carla und sah zu der exotischen Schönheit hinüber. Lilah Cole war bei ihrer Firma, bei Ambrosi-Pearls, als Chefdesignerin angestellt.

Und Lilah schien weit mehr über sie zu wissen als umgekehrt, wenn Carla den mitleidigen Ausdruck in ihrem Blick richtig deutete.

Wie konnte Lucas es wagen, ihr Geheimnis mit jemand anderem zu teilen? Die Coles arbeiteten schon so lange für die Ambrosis, wie Carla sich zurückerinnern konnte. Einst hatte Carlas Großvater Sebastian Lilahs Mutter eingestellt. Lilah war seit fünf Jahren für Ambrosi-Pearls tätig und für einige ihrer schönsten Schmuckkollektionen verantwortlich.

Lilah lächelte etwas unsicher, als sie die Wagentür schloss und auf sie zukam.

Das betretene Schweigen wurde unterbrochen, als sich die Haustür öffnete, Licht plötzlich den Rasen erhellte und die sanften Klänge klassischer Musik aus dem Haus nach draußen drangen.

Ein schlanker, gut gekleideter Mann, den Carla als Constantines persönlichen Assistenten Tomas erkannte, sprach sie auf Medinisch an und bedeutete ihnen, einzutreten.

Mit einem kurzen Nicken ließ Lucas den beiden Frauen den Vortritt. Wie ein Roboter ging Carla die breiten Stufen hoch. Ihr war plötzlich egal, was der Kies mit ihren Schuhen anstellen mochte, die genauso exquisit waren wie alles, was sie für den heutigen Abend ausgesucht hatte – von ihrem Kleid über den edlen Schmuck bis hin zu den raffinierten Dessous.

Mit jedem Schritt schien sich der Abstand zwischen ihr und Lucas zu vergrößern. Es versetzte ihr einen weiteren Stich, als sie sah, wie Lucas seine Hand auf Lilahs Rücken legte, um sie höflich zu führen. Mit einem Mal wurde sie sich der geheimen Angst bewusst, die sie seit zwei Jahren quälte.

Sie hatte gewusst, was für ein ernst zu nehmender Geschäftsmann Lucas war, denn das erwartete man von ihm als rechte Hand Constantines. Doch dass er im Privaten genauso unerbittlich sein könnte …

Insgeheim hatte sie die ganze Zeit auf eine Hiobsbotschaft gewartet, wurde ihr klar. Jetzt war sie eingetroffen: Soeben hatte sie sang- und klanglos einen Korb bekommen.

2. KAPITEL

Carla strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Frisur kam ihr mit einem Mal viel zu wild und ungebändigt für ein formales Familientreffen vor. Als sie den eleganten Empfangsbereich betrat, fühlte sie sich fehl am Platze.

Dabei befanden sich dort nur eine Handvoll Gäste: Tomas und Mitglieder der Familie Atraeus, darunter Constantine, sein jüngerer Bruder Zane und Lucas’ Mutter Maria Therese. Außerdem bemerkte sie ihre eigene Mutter, die sich angeregt mit Sienna unterhielt.

Sienna, die ein elfenbeinfarbenes Kleid trug und damit bereits deutlich als zukünftige Braut zu erkennen war, sah sie als Erste. Ihre Schwester umarmte sie herzlich, obwohl sie beide bereits den ganzen Morgen damit zugebracht hatten, gemeinsam die Einzelheiten der Hochzeitsfeier zu besprechen. Unwillkürlich musste Carla schlucken.

„Geht es dir nicht gut?“, fragte Sienna besorgt und nahm ihre Hand. „Du siehst ein bisschen blass aus.“

„Alles in Ordnung, ich hatte nur ein wenig Stress und habe nicht mit dem Presseansturm draußen vor dem Tor gerechnet.“ Carla rang sich ein strahlendes Lächeln ab. „Du kennst mich doch. Ich steh zwar voll auf Publicity, aber Reporter sind für mich wie ein Rudel Wölfe.“

Constantine begrüßte sie mit einer kurzen Umarmung, und ihr wurde wieder einmal bewusst, dass sie schon bald ein Mitglied der mächtigsten und wohlhabendsten Familie auf Medinos sein würde. Constantines gelassene Ausstrahlung ließ nicht vermuten, dass er sogar so weit gegangen war, Sienna förmlich zu kidnappen, um ihr Herz für sich zu gewinnen. „Die Sicherheitsleute hätten sie dir eigentlich vom Leibe halten sollen“, sagte er.

„Die Security hat wirklich einen guten Job gemacht“, entgegnete Carla, während sie ihre Mutter umarmte und der Versuchung widerstand, sich wie ein Kind Trost suchend an sie zu klammern. Sie wusste genau, wenn sie das täte, würde sie zu weinen beginnen, und das wollte sie auf keinen Fall, wenn Lucas dabei war.

Ein Kellner reichte ihr Champagner, und als sie das Glas anhob, traf ihr Blick zufällig den von Lucas. Unwillkürlich krampfte sie die Finger um den zarten Stiel, als sie die Nachricht verstand, die sie in seinen dunklen Augen las.

Sprich nicht. Mach keinen Ärger.

Sie trank einen Schluck Champagner. „Leider waren die Fragen der Reporter ein wenig unangenehm. Allerdings bin ich sicher, dass alle Gerüchte durch die Ankunft von Lucas und Lilah im Keim erstickt worden sind.“

„Heißt das etwa, dass sie versucht haben, diese alte Geschichte zwischen dir und ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Geheime Affäre mit dem Milliardär" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen