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Gespenster-Krimi 0042 - Horror-Serie

Die Rache der steinernen Bestien

von Rebecca LaRoche

Auf Burg Yellow wurde Hochzeit gefeiert.

»Ich kenne meinen Bruder«, hatte Constantin mit kurzem Lachen gesagt. »Er wird die Nerven verlieren. Man kann darauf warten. Haltet die Hunde bereit.«

Constantin Lord Yellow wusste, dass sein Zwillingsbruder Salvator eine panische Angst vor Hunden hatte. Mit ihrer Hilfe würde er ihn von der Burg jagen. Und dann war er ihn hoffentlich für alle Zeiten los. Zufrieden beobachtete er, wie der Butler Johnson Smith die acht Bluthunde aus dem Zwinger ließ. Langsam schritt er in den Festsaal der alten Burg – und plötzlich standen sich die Zwillingsbrüder gegenüber.

»Ich hoffe, du amüsierst dich gut«, sagte Constantin mit eisig glitzernden Augen.

Die kalte Höflichkeit seines Bruders Constantin versetzte Salvator in Wut. Sie waren Zwillingsbrüder, zugegeben. Aber er hasste Constantin aus tiefster Seele …

»Ich wollte Charlot heiraten«, murmelte Salvator.

»Ich bin dir zuvorgekommen. Heute, zur Hochzeit, bist du noch eingeladen«, höhnte Constantin, »aber danach verschwindest du. Du kennst das Testament. Für zwei Lord Yellows ist auf der Burg kein Platz.«

Salvator spreizte die Finger und schloss sie wieder.

Ich bin stark, dachte er. Ich könnte Constantin erwürgen. Sein Widerstand wäre schwach. Aber alle wüssten dann, dass ich der Täter bin. Ich muss mir etwas anderes einfallen lassen.

Inzwischen war Lady Charlot zu den Brüdern getreten.

Salvator starrte Lady Charlot an, die ihm versprochen gewesen und seit heute mit Constantin verheiratet war.

Sie war das einzige adelige Fräulein weit und breit gewesen, das sich zur Burgherrin eignete. Salvator hatte die schöne Frau zuerst entdeckt. Constantin aber hatte sie geheiratet.

Ich werde mich furchtbar an beiden rächen, dachte Salvator.

»Wir können gute Freunde bleiben«, sagte die Lady und lächelte in falscher Freundlichkeit.

Constantin lachte. »Ich habe die Frau und bekomme die Burg. Salvator hat seine Steine.«

Fühl dich ruhig überlegen, Constantin, dachte Salvator. Ich bin ein genialer Bildhauer. Ich werde zuletzt triumphieren.

»Seine Steine?« Lady Charlot ließ ein perlendes Lachen hören. »Wie komisch …«

Um Salvators Selbstbeherrschung war es geschehen. Er stürzte auf die schöne Braut zu und legte ihr die langen, sehnigen Finger um den Hals.

»Hilfe!« Lady Charlot gurgelte.

»Smith!«, keuchte Lord Constantin. »Die Meute – schnell …«

Von überall her jagten sie heran.

Fürchterlich bleckten sie die Zähne mit kurzem, röchelndem Keuchen.

»Fasst ihn!«, schrie Lord Constantin.

Lord Salvator hatte Lady Charlot längst losgelassen. Er wich vor den blutrünstigen Bestien zurück.

Das Bellen der Hunde wurde zu einem geisterhaften schrillen Chor. Immer weiter taumelte Salvator zurück.

Wie Schemen nahm er die weißen Gesichter der Hochzeitsgäste wahr.

Und er hörte von ferne den Ruf seines Zwillingsbruders Constantin. »Das muss ich mir nicht bieten lassen. Er vergriff sich an Lady Charlot, meiner Braut …«

»Recht geschieht ihm«, flüsterten viele Stimmen.

Bleigraues Licht herrschte draußen. Dort winkte Salvator die Freiheit. Doch noch ehe er sich herumwerfen und fliehen konnte, stolperte er. Teuflisches Jaulen klang in seinem Ohr, als sich die Hunde über ihn drängten.

Wie eine Wildkatze wehrte sich Salvator Lord Yellow. Dann erlahmten seine Kräfte. Er spürte die scharfen Zähne der Bestien.

Doch er fiel nicht in Ohnmacht. Er spürte jeden Biss der rasenden Hunde mit vollem Bewusstsein, und es war, als ob die grausamen Tiere in immer größere Ekstase versetzt würden.

Über und über voll Blut wankte Salvator Lord Yellow schließlich aus der mittelalterlichen Burg, die heute zur Hochzeit mit Blumen und Fahnen geschmückt war.

Die Diener wichen vor ihm zurück.

»Fangt ihn!«, hörte er den Schrei seines Zwillingsbruders hinter sich.

Zwei der Diener, Vince Matthews und John Calbet, stürzten Salvator nach. Salvator Lord Yellow aber war verschwunden, ehe sie ihn vor Lord Constantin zerren konnten. Sie eilten durch das Burgtor und durchsuchten das Gelände hinter dem Gebüsch. Nein, Lord Salvator hatte sich in Luft aufgelöst. Es war wie ein Spuk.

Matthews und Calbet sahen sich entgeistert an. Als sie dem Bräutigam meldeten, was passiert war, winkte er ab. Er war gnädig gestimmt.

»Der lebt nicht mehr lange«, sagte er. »Und niemand wird seine Leiche identifizieren können. Die Hunde haben sein Gesicht zerfetzt.« Er lachte breit.

Die beiden Diener bekamen eine Gänsehaut.

»Man wird irgendwo einen unbekannten männlichen Leichnam beerdigen«, fuhr Lord Constantin fort. »Und nur ich werde wissen, dass er meinem Zwillingsbruder Salvator gehört.«

Seine Skulpturen waren weltberühmt. Er schuf aus Stein Menschen mit stumpfen, finsteren Gesichtern und tief in den Höhlen liegenden Augen. Meist hatten sie einen gedrungenen, kurzen Hals, hochgezogene Schultern, ein vorgerecktes eckiges Kinn. Es gab keinen Betrachter, den nicht ein unbehagliches Gefühl beschlichen hätte. Andererseits strömten diese Steinfiguren unnachahmliche Vitalität aus, eine akute Bedrohung, der sich keiner, der sie betrachtete, entziehen konnte.

Salvatore Bottis Figuren zierten Empfangshallen von Versicherungskonzernen, die Vorplätze von Sportanlagen und Verwaltungen. Ein echter Botti wurde hoch gehandelt. Die Auftragshonorare des Künstlers hatten schwindelnde Höhen erreicht.

Eigentlich ähnelten die Skulpturen einander sehr. Doch niemand hatte sie bisher nebeneinander gesehen. Dabei wäre nämlich erkennbar geworden, dass jede Figur ein eigenes Leben, einen ganz speziellen Charakter verkörperte.

Salvatore Botti blieb immer im Hintergrund. Seine zwei Manager erledigten alles Geschäftliche. Aber auch sie konnten sich nur telefonisch mit ihm in Verbindung setzen. Sie kannten Salvatore Botti nicht persönlich, doch sie wussten seine Geheimnummer. Ja, sie ahnten nicht einmal, wo er sein Atelier hatte. Sie fürchteten des großen Meisters Zorn, wenn sie versuchen würden, es herauszufinden. Deshalb ließen sie es bleiben.

Nie hatte jemand ein Foto des großen Salvatore Botti erblickt. Keine Zeitung brachte je ein Konterfei des großen Künstlers. Ein Heer von Journalisten bemühte sich rund um die Uhr, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln. Vergebens. Salvatore Botti liebte die absolute Anonymität. Und er war geschickt genug, um nicht aus seiner Versenkung aufzutauchen.

Man wusste nicht einmal, ob Salvatore Botti jung oder alt war. War er verheiratet? Hatte er Kinder? War er ein fröhlicher Mensch? Sprühte er vor Geist?

Allmählich erschien Salvatore Botti in der Vorstellungskraft seines Publikums wie eine seiner Figuren. Man stellte ihn sich vor mit stumpfem, finsterem Gesicht, tief in den Höhlen liegenden Augen in undefinierbarer Farbe, mit kurzem Hals, hochgezogenen Schultern und vorgerecktem Kinn.

Salvatore Botti … Keiner wünschte sich, ihm persönlich zu begegnen.

Dann aber hielt die Welt den Atem an.

Gerüchte schwirrten umher, wurden nicht dementiert, und sie hielten sich hartnäckig, ohne bestätigt worden zu sein.

Salvatore Botti sollte jetzt in Schottland leben!

Die Preise für Salvatore Bottis Arbeiten stiegen noch höher. Die Nachfrage nach den Skulpturen war größer denn je, aber sie wurde nicht befriedigt. Botti schien eine Pause eingelegt zu haben. Die Manager bemühten sich angestrengt, den Kontakt mit ihm aufrechtzuhalten. Vergebens. Die Verbindung zu dem großen Meister war abgerissen. Salvatore Bottis Schaffensfreude schien versiegt zu sein. Trotz vieler Bestellungen aus allen Teilen der Welt verließ keine Skulptur mehr Bottis Atelier.

Aber wo in dem großen Schottland sollte man den Meister suchen?

Die sieben Kapuzenmänner standen auf dem alten Ruinenhof beisammen. Schweigend und finster. In Holzkäfigen gackerten Hühner und Fasane.

Das leise Gemurmel der Männer klang zu Salvatore Botti. Es kümmerte ihn nicht. Er stand an der niedrigen Mauer und sah hinüber zur Burg Yellow. Das Fernglas hielt er fest an die Augen gepresst.

Unter dem schwarzen Gesichtstuch atmete er ruckartig. Es schien, als wäre die Zeit in den letzten zehn Jahren stehen geblieben.

Dort drüben im Burghof bot sich ihm das von früher vertraute Bild. Die Bediensteten eilten hin und her. Eine alte Magd fegte den Hof mit einem Strohbesen.

Zehn Jahre lang habe ich nur auf diese Heimkehr gewartet, dachte Salvatore Botti.

Und auf meine Rache!

Einmal vor Jahren in Spanien, bei dem wilden Hexentanz der Zigeuner hoch oben an den steilen Hängen der Plaza del Moro Almazor, habe ich erkannt, dass ich übersinnliche Fähigkeiten besitze.

Ich schnitzte aus einem Baumstamm die aufreizende Figur der jungen Zigeunerin Pilarette. Und als die echte Pilarette über mich lachte, schwor ich ihr Rache. Ich nahm die Holzfigur mit mir und zelebrierte – eigentlich nur aus einem plötzlichen Einfall heraus – eine sogenannte schwarze Messe. Und siehe da, die Gestalt erwachte zum Leben, sie bewegte sich und wurde mein Geschöpf. Und sie ging hin, um Pilarette zu töten.

Salvatore Botti stutzte, presste das Fernglas noch fester an die Augen und sah Constantin Lord Yellow über den Burghof gehen.

Heißer, versengender Hass packte Salvatore, als er seinen Bruder nach so vielen Jahren wiedersah.

Er ließ das Fernglas sinken.

»Steht alles bereit?«, fragte er in Richtung der Kapuzenmänner.

Die Männer bejahten furchtsam.

Salvatore ging an ihnen vorbei in sein Atelier. Es befand sich in dem ehemaligen Audienzsaal der Ruine.

Er riss das Gesichtstuch von seiner entstellten Fratze. Dunkelrot und drohend leuchteten in Salvatores Gesicht die Narben, die die Bisse der Hunde vor zehn Jahren hinterlassen hatten. Dort, wo früher die Nase gewesen war, war jetzt ein Krater.

Salvatore wusste, dass er furchterregend aussah.

Pilarette hatte ihn so gesehen – und über ihn gelacht. Sie hatte ihr Lachen mit dem Tode bezahlen müssen.

Salvatore griff nach dem Meißel und begann den riesigen Steinklumpen, der auf dem Podest mitten im Atelier stand, zu bearbeiten. Mit geübten Bewegungen löste er mit Meißel und Schlägel die Steinsplitter heraus. Schon nach kurzer Zeit kristallisierten sich die Umrisse eines Menschen aus dem Steinkoloss.

Salvatores Augen verengten sich. Er sah die Gestalt und das Antlitz seines Zwillingsbruders Constantin vor sich.

Mit Meisterhand schlug er die kalten schönen Gesichtszüge seines Bruders in den Stein. Die hohe Stirn, die herabgezogenen Überheblichkeit ausdrückenden Mundwinkel, die leicht geblähten Nasenflügel … Jeder Hieb, den Salvatore Botti mit dem Schlägel tat, verriet seinen abgrundtiefen Hass auf Constantin.

Salvatore war wie im Fieber.

Ja, das wird Constantin, dachte er. Wie er leibt und lebt. Er wird dem echten Constantin immer ähnlicher. Doch dieser Constantin, der jetzt unter meinen Händen entsteht, ist mein Freund. Er ist mein Geschöpf. Er wird tun, was ich befehle.

Über das grausam entstellte Gesicht zuckte ein Lachen. Es machte das Antlitz zu einer gespenstischen Grimasse.

Jetzt trat Salvatore ein paar Schritte zurück. Er nahm die von ihm geschaffene Gestalt optisch in sich auf. Er hatte Schultern, Arme, Rumpf und Beine genau ausgearbeitet. Auf schlankem Hals saß der Kopf. Das war das Abbild von Constantin Lord Yellow.

Salvatore Botti trat an die Skulptur heran.

»Du bist Constantin«, murmelte er.

Seine schwieligen Hände zitterten. Er ließ die Schultern der Steinfigur los und wankte zur Tür.

»Männer«, keuchte er. »Wo seid ihr, Männer?«

Sie schlichen durch die Gänge zu ihm. Vermummt unter den Kapuzen, mit demütig gesenkten Häuptern.

Monatelang hatte Salvatore Botti diese Männer im Okkulten geschult. Sie waren ihm verfallen, ihm zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet. In portugiesischen Gefängnissen hatten sie geschmachtet. Es waren Lebenslängliche.

Sieben Lebenslängliche.

Er hatte sie befreit. Er hatte sie fortgeholt aus Portugal, ihnen zu essen und zu trinken gegeben, sie gezwungen, die Kapuzenkutten zu tragen. Diese sieben Männer waren ihm untertan. Sie hatten gemeinsam dreizehn Menschen getötet und dafür im Gefängnis gesessen.

»Bereitet alles vor!«, befahl Salvatore mit Grabesstimme. »Wir zelebrieren die schwarze Messe, Männer! Manuel, Fernando, Alfredo! Tragt vorsichtig diese Figur hinunter.«

Die Männer gehorchten.

Salvatore trat an das kleine Fenster und stieß die blinden Scheiben auf. Zwischen der Ruine, in der er sich mit seinen Männern befand, und dem Berg, auf dem die Burg Yellow stand, war eine kleine Schlucht.

Salvatore entsann sich, dass er als Knabe oft den Berg von der Burg heruntergerannt und dann wieder zur Ruine hinaufgelaufen war. Die uralte Ruine, schon halb verfallen, eignete sich damals herrlich für Knabenspiele. Einmal hatte er auch seinen Zwillingsbruder Constantin zur Ruine gelockt – und ihn, als er kam, fürchterlich verprügelt.

Schon als Knaben hatten sie einander nicht ausstehen können.

»Am selben Tag vom selben Mutterleib geboren«, hatte der alte Reverend aus dem Dorf einmal gesagt, »doch man kann sich keine größeren Gegensätze vorstellen.«

Geringschätzig zog Salvatore die Mundwinkel herunter.

Dann wandte er sich langsam um und folgte seinen Männern mit gemessenen Schritten hinunter in die Katakombe der Ruine.

Kerzen brannten in hohen Leuchtern. Die starken Säulen, von denen die Katakombe gestützt wurde, warfen hohe, gespenstische Schatten. Der steinerne Altar war mit einem blutroten dreieckigen Tuch bedeckt.

Darauf stand eine Opferschale aus gelblichem Material, das wie Marmor schimmerte. Über dem Altar hing ein mit kabbalistischen Zeichen bedeckter Vorhang. Die Instrumente lagen auf einem kleinen Beistelltisch aus Messing, darunter auch ein Skalpell und ein Dolch mit gebogener Chinesenklinge.

Feierlich trat Salvatore Botti hinter den Altar und hob die Hände. »O Satan, wir bringen dir ein Opfer!«, rief er dumpf.

»Ein Opfer, o Satan«, wiederholten die sieben Kapuzenmänner.

»Nimm es an, unser Opfer, o Satan«, rief Salvatore.

»Unser Opfer, o Satan«, lautete das Echo der sieben.

»Doch, o Satan, wir erbitten etwas von dir für unser Opfer«, schrie Salvatore mit erhobener greller Stimme.

»Für unser Opfer, o Satan«, wiederholte der monotone Chor.

»Wir bringen dir das Fleisch des Fasans als Opfer dar«, sprach Salvatore feierlich. »Doch das Leben des Opfers, o Satan, wollen wir dieser Steinfigur einhauchen. Satan, wir wünschen uns von dir die Lebendigmachung dieser Steinfigur.«

Stille lastete über den Menschen. Sie hatten einen Halbkreis vor dem Altar gebildet.

In der Mitte des Halbkreises stand die von Salvatore Botti geschaffene Steinfigur. Das Licht der Kerzen flackerte, ließ den bräunlichen Sandstein, aus dem die Figur gehauen war, plötzlich wie braune Haut wirken.

»Weigere dich nicht, o Satan, unseren Wunsch zu erfüllen. Wir sind deine Leibeigenen, deine Geschöpfe, deine treuesten Diener!«, rief Salvatore.

»Deine treuesten Diener«, sprachen die sieben Männer eintönig.

Alle Blicke waren wie gebannt auf die Steinfigur gerichtet.

Salvatore griff nach dem Skalpell. Einer der Kapuzenmänner reichte ihm den Fasan. Der Vogel flatterte angstvoll mit den Flügeln. Er stieß ein gequältes Gurren aus. Salvatore Botti trennte ihm mit einem scharfen Schnitt den Kopf vom Hals ab. Das Gurren hielt noch Sekunden an, dann verstummte es jäh.

Salvatore hob den Tierkadaver und ließ die Blutstropfen, die aus dem Hals quollen, auf seine rechte Hand fließen. Dann ließ er den Fasan achtlos fallen und trat auf die Steinfigur zu.

»Du bist Constantins Zwilling«, sprach er düster. Dann strich seine blutige Hand über das Gesicht der Figur, über den Hals, die Arme, den Körper, die Beine – und schließlich blieb sie auf der linken Brust der Skulptur liegen. »Du lebst – du bist ein Mensch. Du kannst atmen«, fuhr Salvatore fort.

Die sieben Kapuzenmänner traten einige Schritte zurück. Das Entsetzen packte sie, hielt sie gefangen wie mit knochigen Krallen.

Und das Unglaubliche geschah!

Die steinerne Figur begann sich zu bewegen. Zuerst breitete sie die Arme aus, winkelte sie an, spreizte die Hände, dann hob und senkte sich der Brustkorb.

Wie gebannt starrten die Männer die sich bewegende Figur an. Sie erlebten zum ersten Mal so ein grausiges Schauspiel mit.

Salvatore Botti hatte es vorausgesagt: Seine Skulpturen würden lebendig werden. Sie hatten es nicht glauben wollen. Er war ein mächtiger Zauberer. Er war mit dem Teufel im Bunde!

»Du kannst dich bewegen. Du kannst atmen, Zwilling«, sprach Salvatore monoton. »Zu denken brauchst du nicht. Das besorge ich für dich. Doch du kannst mir gehorchen. Und du kannst sprechen.«

Die Steinfigur schlug die Augen auf. Der Blick war starr, ausdruckslos. Nun öffneten sich die Lippen. Und mit Constantins Stimme sprach die Figur: »Ja, Meister. Ich kann sprechen.«

Die Kapuzenmänner wichen vor ihm zurück. Die Bewegung der Glieder der Figur hatten sie noch als etwas Mystisches ertragen. Die unheimliche Stimme aber versetzte sie in helle Panik. Sie machten Anstalten, fluchtartig die Katakombe zu verlassen.

»Halt!«, schrie Salvatore. »Ihr verlasst den Raum nicht eher als der Zwilling.«

Salvatore trat an die Steinplastik heran.

»Geh hin«, sprach er mit metallischer Stimme. »Geh hinüber zur Burg und töte Constantin.«

»Ich töte Constantin«, sagte die steinerne Figur.

»Zurück! Geht ihr aus dem Weg!«, schrie Salvatore.

Schritt für Schritt setzte sich die Figur in Bewegung. Der Boden der Katakombe dröhnte unter den schweren Schritten. Langsam bewegte sich die Figur auf den Ausgang zu.

Die Männer hielten den Atem an und folgten der Figur mit den Augen.

Erst als man die Schritte der steinernen Füße draußen auf der abgebröckelten, baufälligen Treppe hörte, befahl Salvatore: »Löscht die Kerzen! Wir können hinaufgehen. Die schwarze Messe ist zu Ende.«

Salvatore betrat die Treppe erst, als sich die Schritte der Figur oben entfernt hatten. Er wankte in sein Atelier und ließ sich auf das niedrige Bett sinken.

Salvatore Botti war schweißüberströmt.

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