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Heilsam kochen mit Ayurveda

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WICHTIGER HINWEIS

Alle Ratschläge und Anwendungen in diesem Buch wurden von den Autoren sorgfältig recherchiert und in der Praxis erprobt. Dennoch können nur Sie selbst entscheiden, ob und inwieweit Sie diese Vorschläge umsetzen können und möchten. Lassen Sie sich in allen Zweifelsfällen zuvor durch einen Arzt oder Therapeuten beraten.

Weder Autoren noch Verlag können für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den im Buch gegebenen praktischen Hinweisen resultieren, eine Haftung übernehmen.

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ALTES WISSEN: EIN SCHATZ FÜR DIE GESUNDHEIT

Die moderne Medizin ist unbestreitbar eine Errungenschaft, doch leider vergisst sie allzu oft den Menschen hinter einer Krankheit. Ganzheitliche und nachhaltige Heilung ist aber nur dann möglich, wenn es gelingt, neues und altes Wissen zu vereinen, und neben dem Körper auch der Geist und die Seele in die Behandung miteinbezogen werden.

DIE HEIL- UND KOCHKUNST DES AYURVEDA

Ayurveda ist kein Hokuspokus und keine Wellnessmode, sondern als Teil der Weltmedizin ein unschätzbares Kulturgut. Denn es bietet ein umfassendes System zur Gesundheitsvorsorge und zur Behandlung von Krankheiten.

Ganzheitlich und individuell: Das sind die wesentlichen Prinzipien meiner Medizin. Jeder Mensch hat einen Anspruch darauf, dass wir Ärzte alles anwenden, was hilft, Krankheiten zu verhindern sowie individuelles und allgemeines körperliches oder seelisches Leid zu überwinden – oder wenigstens um dieses zu lindern und gesünder zu leben. Das gilt für die Hightechverfahren der hochentwickelten Schulmedizin ebenso wie für die bewährten Therapien der Naturheilkunde und Psychologie. Egal, seit wann und wo sie bisher praktiziert werden beziehungsweise wurden – in Asien, in Europa, in der Neuen Welt oder sonst wo. Deshalb ist es auch höchste Zeit, die enormen Möglichkeiten – auch die digitalen – unserer global vernetzten Welt zu nutzen, um das medizinische Wissen aller Kulturen und Epochen zusammenzuführen: die Schulmedizin mit der Traditionellen Westlichen Medizin und den Heilweisen der Weltkulturen wie beispielsweise der Inder, dem Ayurveda. Altes Wissen kann das Know-how von morgen sein. Es nicht zu vergessen oder ad acta zu legen, sondern es geprüft mit dem Neuen von heute, morgen und übermorgen zu verbinden, sollte uns beflügeln – Therapeutinnen und Therapeuten aller Couleur ebenso wie jeden einzelnen Menschen. Denn es geht um unsere Lebensqualität und unser Wohlbefinden. Dazu, und nicht auf dieser oder jener Lehrmeinung zu beharren, verpflichtet mich als Arzt der hippokratische Eid. Deshalb habe ich den Begriff der WELTMEDIZIN geprägt.

_____ »Die Verantwortung für sich selbst ist die Wurzel jeder Verantwortung. Der Mensch ist von Natur aus gut!«

MENGZI (372–289 V. CHR.)

Von Kindesbeinen an bin ich mit den Möglichkeiten anderer Heilweisen konfrontiert gewesen. Bei jeder Erkrankung wurde ich zunächst mit naturheilkundlichen Methoden behandelt, bevor man im Einzelfall die »chemische Keule« auspackte. Aufsteigende Fußbäder bei Schlafstörungen, Bauchmassagen mit Melissenöl, Schwitzbäder zur Linderung von Muskelschmerzen oder zur Verhinderung von grippalen Infekten, bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit oder Bauchgrummeln und Pupserei – sei es mit speziellen Kräutertees mit Thymian, Ingwer, Kümmel und Co. – sind mir in guter Erinnerung. Gerade auch auf die Nahrung wurde bei uns zu Hause riesiger Wert gelegt. Meine Mutter war eine grandiose Köchin, die mir nicht nur das Kochen und Backen beibrachte, sondern auch die Erkenntnis, dass Nahrung ein Heilmittel ist, das »fantastisch hilft, Krankheiten zu lindern und zu verhindern, mein Junge«. Das war ihr Mantra, das sie mir unermüdlich eintrichterte. Was hat sie mir nicht alles diesbezüglich beigebracht. Dafür bin ich dir unendlich dankbar, meine liebe Mutti!

Der persönliche Drang, mich praktisch darin zu vertiefen, später auch medizinisch und wissenschaftlich, brachte mich unter anderem zu der Auseinandersetzung mit dem Ayurveda, der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), der Pflanzenheilkunde und anderen Heilweisen der Welt. Meine diesbezügliche Wissbegierde treibt mich seit meiner Schulzeit. Wichtig für mich war und ist dabei, in meiner täglichen Praxis von leicht nach schwer zu behandeln. Mit einfachen Methoden wie der Rezeptur von Pflanzen, Massagen oder Ernährungsumstellung anzufangen, bevor es invasiver wird. Das Bemühen, die im Einzelfall schwer zu verstehenden medizinischen Zusammenhänge und Begrifflichkeiten verschiedener Heilmethoden zu vereinfachen und für den Laien verständlich zu übersetzen, ist seit dieser Zeit ein wichtiger Teil meines Lebens geworden.

DER MENSCH IST KEINE MASCHINE

Wenn wir uns als Menschheit weiterentwickeln und als diese lang wohlbefindlich leben wollen, muss die heutige Medizin von den alten, den traditionellen Heilweisen der Kulturen lernen und den Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken. Übersetzungen zum Verständnis anderer medizinischer Methoden, vor allem alter und überlieferter Medizinsysteme, sind wichtig – für uns Ärzte, Therapeuten und die vielen anderen Berufsgruppen wie Ernährungsspezialisten und Köche genauso wie für Laien. Ungeahnte Schätze der Vergangenheit sind zu bergen und mit den wissenschaftlichen Methoden von heute zu erfassen, zu prüfen und in bestehende Vorsorge- und Behandlungskonzepte zu integrieren. Es bedarf jedoch wissenschaftlicher Neugier und hochkarätiger Forschung, um die Medizin von damals zu »übersetzen« und zu verstehen und sie kompetent und verständlich in die Zukunft zu transportieren. Toleranz dem neuen Alten gegenüber ist wichtig. Schul- und Naturmedizin gehören untrennbar zusammen, egal ob präventiv, therapeutisch oder nachsorgend. Es geht darum, jeden einzelnen Menschen als Persönlichkeit wahrzunehmen, mit all seinen individuellen Besonderheiten – und diese systematisch zu erfassen. Jeder Mensch, aber auch jeder Stoffwechsel ist anders, jede Krankheit erzeugt bei jedem Menschen unterschiedliche Reaktionen oder Symptome und muss deshalb individuell behandelt werden. Sich die Zeit zu nehmen, die es braucht, um sich menschlich auf die Kranken und Bedrückten einzulassen, das sollten wir von traditionellen Heilweisen lernen. Denn was im Zug des naturwissenschaftlichen Fortschritts mehr und mehr in Vergessenheit geriet, war für die Heiler, die Medizinmänner und -frauen vorzeiten selbstverständlich – besonders auch im Ayurveda.

WELTMEDIZIN IST EIN KULTURGUT

Medizin wie die ayurvedische Heilkunst ist ein Kulturgut, das so alt ist wie das Essen und Trinken. Überall auf der Welt! Sie erst hat ermöglicht, dass die Kulturen bis heute existieren. Die Medizin der Vergangenheit in allen Regionen der Welt hat uns Wesentliches mitgegeben und hält noch vieles für die Zukunft bereit: von heilsamer Nahrung über Heilkräuter bis zu lokalen Therapieverfahren und individueller und sozialer wohlbefindlicher Lebensführung. Kochen, Essen, Wohnen, Musik, Tanz, Meditation, Yoga, Sport und Entspannung sowie Traumdeutung und Achtsamkeit sich selbst sowie der Um- und Mitwelt gegenüber seien hier als Beispiele genannt. Deshalb mein Credo: Die Weltmedizin ist die integrative Medizin von morgen – von der Naturheilkunde bis zur Hightechmedizin und Psychosomatik. Wenn wir dieses Wissen nicht pflegen und weiterentwickeln, bleiben wir als Menschen auf der Strecke.

Die Schulmedizin stellt bis heute (noch) kein in sich geschlossenes Medizinsystem mit integrativem Denken und Miteinander und umfassender ganzheitlicher Medizintheorie dar. Die Aufsplitterung in viele Fachgebiete und Unterdisziplinen für einzelne Organe oder ihre Bestandteile sowie die Trennung von Körper, Psyche und Seelsorge, die Nichtintegration von Ernährung oder Sport, Entspannung oder Musiktherapie und so weiter schaffen jedoch beste Voraussetzungen für eine Synthese – und damit für die integrative kulturübergreifende Weltmedizin mit neuer Qualität.

Die beste Methode? Dafür gibt es keine Anleitung, keine App, die man sich nur herunterladen müsste. Das von verschiedenen Magazinen gelegentlich veröffentlichte Ranking der Mediziner verschiedener Fachrichtungen mag etwas über die fachärztliche Qualifikation aussagen. Welche Vorsorge- und/oder Behandlungsmethode aber im Einzelfall die beste ist, die schulmedizinische oder die der Naturheilkunde, lässt sich so nicht herausfinden. Hier kommt man nicht umhin, sich eine Ärztin oder einen Arzt »anzulachen«, die einem persönlich vertrauensvoll – Mensch zu Mensch – begegnen und ihre Grenzen kennen. Die am besten mit erfahrenen Naturheilkundlern, Psychologen und vor allem auch mit Ernährungsexperten zusammenarbeiten, wenn sie es nicht selbst sind – und genauso umgekehrt.

Höchste Zeit also, dass wir über alle medizinischen Grenzen hinweg zusammenrücken. Wovon können wir profitieren? Was lässt sich wirkungsvoll in Kombination von alt und modern nachweislich nutzen? Das Unerklärliche darf nicht sofort im Mülleimer der Geschichte verschwinden. Der beste Beweis dafür ist die getrocknete Rinde der Weide, etwa der Silberweide (Salix alba), als schmerz- und fiebersenkendes sowie entzündungshemmendes Heilmittel. Sie wurde schon im alten Ägypten angewandt und von Hippokrates, dem Urvater von uns Ärzten, verschrieben. Erst Jahrtausende später ist aus ihr das erfolgreichste Arzneimittel aller Zeiten entstanden: Aspirin.

Beide – Weidenrinde und Aspirin – werden heute im medizinischen Alltag mit unterschiedlichen Indikationen und Dosierungen genutzt. Denn es gibt keine verbindliche Empfehlung, keinen Katalog, in dem man nachschlagen könnte, welche Therapieform, welche Ernährung, welche Art von Nahrung, Heilpflanzen, Naturheilverfahren oder Schulmedizin bezogen auf unsere Konstitution, unser Geschlecht und Alter oder bei speziellem Unwohlsein oder einer bestimmen Erkrankung angezeigt ist. Generell sollte bei jedem Heilansatz gelten: Von leicht nach schwer behandeln. Weniger ist mehr! So lautet mein medizinisches Prinzip. Nicht bei jedem Bauchgrummeln oder Halskratzen, Durchfall, Schlafproblem, Leistungsabfall oder Rückenschmerz muss man gleich zum Arzt gehen. Oft ist es schon mit der Umstellung der Ernährung oder mit einem Tee, mit Massagen oder einem Wickel getan, kurz: den alten Hausmitteln. Nicht selten hilft sogar das Kochen einer wohlschmeckenden gesunden Speise. Naturheilpraktiker und sogar viele junge naturorientierte Menschen kennen sich da mitunter besser aus als wir Schulmediziner. Das lässt in Bezug auf neue und integrative Heilweisen, wie dem Ayurveda, hoffen.

GANZHEITLICH UND INDIVIDUELL

Wie jubilierte meine Seele, als ich erstmals mit indischen Ayurvedaärzten und -therapeuten in Berührung kam, die mich lehrten, dass meine Art und Weise, zu denken und zu behandeln, auch ein wesentlicher Bestandteil des Ayurveda ist. Ayurveda ist ein traditionelles Medizinsystem, das bereits vor Jahrtausenden vermutlich in der Region des Himalajas entstanden ist und auf milliardenfacher Beobachtung und Heilerfahrung aufbaut. Die Theorien und die daraus erfolgten therapeutischen Konzepte sind jahrtausendelang immer wieder in der Praxis geprüft und erprobt worden und haben bis heute ihre Gültigkeit bewiesen. Dies ist in der Tat eine andere Art der Statistik, als ich sie heutzutage als Wissenschaftler anwende. Als Arzt jedoch hat sie mir trotzdem wesentliche Ergebnisse und vor allem Erkenntnisse geliefert und neue »alte« Behandlungsansätze in Vorsorge und Therapie vermittelt. Mit Begeisterung habe ich seitdem das ein oder andere in meinen praktischen Alltag integriert. Für das Erfahrungswissen, auf dem diese Therapien aufbauen, sprechen die Erfolge, die seit jeher mit ihnen erzielt wurden.

Ayurveda wird an vielen indischen und zunehmend auch an anderen Universitäten weltweit gelehrt und wissenschaftlich überprüft. Jahrtausendelang hat diese Lehre ihre Gültigkeit bewahrt. Heute werden ihre Geheimnisse immer häufiger wissenschaftlich aufgeschlüsselt. Dennoch sind bisher nur wenige Methoden und Medikamente mit heutigen Methoden wissenschaftlich begründbar, wie zum Beispiel die antientzündliche, antioxidative und kortisonartige Wirkung von Kurkuma. Sie findet sich in jedem Curry als wichtiger Bestandteil neben anderen Gewürzen zur Verdauung wie Ingwer, Koriander, Chili, Kardamom. Das zeigt, so viel nebenbei, wie sehr die indische Küche vom Ayurveda beeinflusst ist.

In Indien und auch Sri Lanka ist die ayurvedische Medizin bis heute fester Bestandteil des Gesundheitswesens. Sri Lanka ist sogar das einzige Land der Welt, in dem Ayurveda wesentlicher Bestandteil der staatlichen Gesundheitsversorgung ist. Abermillionen Menschen werden von Hunderttausenden Heilerinnen und Heilern damit versorgt. Chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Gelenke und auch neurologische Störungen wie das Parkinsonsyndrom oder Multiple Sklerose werden mit Ayurveda erfolgreich behandelt. Zunehmend sind auch westliche Institutionen wie das Evangelische Krankenhaus in Hattingen davon überzeugt, die Neurologie mit einer Ayurvedaabteilung wie die dortige unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Horst Przuntek der Universität Bochum zu ergänzen.

Die Erfolge sprechen für sich. Die Schulmedizin versucht nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, Erkrankungen beispielsweise mit Schmerz- oder Blutdruckmedikamenten »punktgenau« direkt am betroffenen Organ zu behandeln. Ayurvedische Therapeuten sehen in aktuellen Beschwerden ein gesamtes Body-Mind-Problem und wollen daher umfassend das Milieu des Körpers verändern. Dazu kombinieren sie verschiedene innere und äußere Behandlungsverfahren. Sie behandeln internistisch und ernährungstherapeutisch mit individuellen Pflanzenkompositionen ohne »Leitsubstanz« wie in der Schulmedizin. Die Ernährung spielt überhaupt eine riesige Rolle im Heilprozess des ganzen Körpers.

Wir wissen heute, dass eine solche umfassende Theorie nicht abwegig ist. Erkennen wir doch auch bei uns im Westen zunehmend, dass eine Übersäuerung des Körpers durch Zucker, Fleisch oder Alkohol zu ernsthaften Veränderungen in den Gefäßen, den Gelenken und im Bindegewebe führen kann – bis hin zum Diabetes mellitus. Möglicherweise liegt die Chance des Ayurveda in seinen Komplexbehandlungen als synergistisches System, das auch bereits erfolgte degenerative Veränderungen regenerieren lassen könnte. Vermutlich liegt die Wahrheit in beiden Methoden und damit der Kombination von zielgenauem Behandeln und einer Milieuveränderung unseres gesamten Körper-Geist-Systems.

AYURVEDA SCHENKT GESUNDHEIT UND WOHLBEFINDEN

Haben Sie schon einmal eine ayurvedische Synchronmassage ausprobiert? Wenn nicht, sollten Sie es unbedingt tun! Der ganze Körper wird dabei sehr vorsichtig mit erwärmtem Sesamöl massiert. Sofort nach meiner allerersten Anwendung fühlte ich mich in eine andere Welt gebeamt. Eine unendliche Ruhe und Leichtigkeit und ein wahnsinniges Glücksgefühl durchströmten mich. Ich fühlte mich wie neugeboren. Und das duftende, schmackhafte und leichte Essen, das mir danach andächtig gereicht wurde, führte zu einem himmlischen Gefühl ewiger Gesundheit – auch wenn es ja nur ein klitzekleiner Moment meiner Existenz war. Aber immerhin! Ich begriff, dass Leben mehr ist, als ich bisher gedacht oder gefühlt hatte. Und auch, dass Ayurveda mehr ist als Hokuspokus.

Übersetzt bedeutet der Begriff »Ayurveda« das »Wissen vom Leben«. Wissen über die Prinzipien des Lebens im Allgemeinen genauso wie Wissen über Ernährung, Bewegung, Biorhythmen und spezielle Behandlungsansätze, körperlich wie psychisch. Zu begreifen, woraus Leben entsteht und sich regeneriert, war der Anspruch der indischen Philosophie und Medizin seit Jahrtausenden – auch, welche Rolle Partnerschaft, Lebensform, Architektur oder Verjüngungsmethoden dabei spielen. Auf einen Nenner gebracht, ist wahrscheinlich in keiner anderen Medizintheorie der Welt so viel Wissen um ein erfülltes und langes Leben verborgen wie in diesem Lebens- und Medizintheoriesystem. Viele wirksame Heilschätze könnten hier noch geborgen werden.

Das Grundprinzip eines individuellen, langen und erfüllten Lebens basiert auf einer gesunden Lebensweise und einer gesunden, konstitutionsorientierten Bewegung, Entspannung und Ernährung. Es gilt für jeden von uns, doch in unterschiedlicher individueller Ausprägung, da wir alle zwar grundsätzlich gleich, aber doch jeder einzigartig ist. »Viele Gesetzmäßigkeiten von Ayurveda leben wir alle bewusst oder unbewusst jeden Tag. Gleichzeitig entfernen wir uns immer wieder von unseren typgerechten Bedürfnissen«, hat mir Vaidya, ein für mich wichtiger Lehrer der ayurvedischen Medizin, vor Jahren erklärt. »Dadurch produzieren wir ein inneres Ungleichgewicht, das zu Krankheiten führen kann. Ayurveda hilft, die innere Balance wiederherzustellen.«

Dass die fantastisch schmeckenden und verlockenden Gerichte die Herstellung des inneren Gleichgewichtes vorsorgend und therapeutisch wesentlich unterstützen, habe ich lang bevor ich Volker Mehl begegnete, von meinem lieben Freund Ekki, ebenfalls einem begnadeten Koch, gelernt. Er hat als alter Kenner vedischer Texte und Zusammenhänge das ayurvedische Kochen in Indien gelernt und bereits vor Jahrzehnten versucht, das uralte Kochprinzip mit europäischen Pflanzen und Nahrungsbestandteilen aufzufrischen. »Kochen und Heilen gehören zusammen wie Ayurveda und Yoga oder Körper und Geist, lieber Dietrich. Sie sind eins, zwei Seiten derselben Medaille.« Ich bin ihm so dankbar dafür. Und ich habe mich seitdem bemüht mitzuhelfen, dieses Wissen zu transportieren und in den weltmedizinischen Kanon zu integrieren.

Unser schulmedizinisches Verständnis vom Begriff »Gesundheit« existiert im Ayurvedischen nicht, sondern es gibt dort eigentlich nur eine Annäherung: Der Sanskritbegriff »Swastha« bedeutet in etwa so viel wie »selbst stehen« oder besser »selbstständig sein« beziehungsweise »sich seiner selbst bewusst sein«. Ein jahrtausendealtes emanzipatorisches Prinzip, das bis heute in Heilprozessen kaum Beachtung gefunden hat. Welch eine (vergessene) Bereicherung oder besser, welch ein Schatz zum Verständnis der Lebensprozesse in uns. Was für eine immense Kraft könnte jeder von uns hieraus schöpfen.

»Gesundheit« ist nach ayurvedischer Auffassung auch, »wenn sich die Körperfunktionen der Gewebe, des Stoffwechsels, der Verdauung und der Ausscheidung im Gleichgewicht und sich Seele, Körper und Geist in andauerndem Zustand inneren Glücks befinden«, erkannte Sushruta bereits im Jahr 750 vor Christus. Jeder Mensch ist einzigartig und jeder ist seines Glückes Schmied. Mit einer solchen Haltung, so meine ich, liegt die Verantwortung über sich selbst auch bei jedem Einzelnen von uns. Wir Ärzte und Therapeuten sind nur Gehilfen. So hat es schon mein ärztlicher Vorfahre Paracelsus vor mehreren Hundert Jahren formuliert – genauso wie die für mich so wichtig gewordene Heilformel: »Liebe dich selbst.« Beste Voraussetzung also, selbstbestimmt seine eigenen Heilungsprozesse zu aktivieren und durch eine gesunde Lebensweise ein langes und erfülltes Leben vorsorgend zu gestalten.

LIEBE DICH SELBST

Nur wer sich selbst liebt, kann dieses Gefühl auch seinem Nächsten weitergeben und so zusammen ein heilsames Wirgefühl erzeugen. Für mich ein wesentliches Element einer mentalen, emotionalen und körperlichen Gesundheit. Mit dieser Haltung zu sich selbst kan man sich selbst und andere heilen beziehungsweise ihnen Kraft geben so wie ich als Arzt oder Volker als Koch. Oder wie eine Mutter oder ein Vater ihren Kindern.

Alle Therapien sind so angelegt, dem Menschen sowohl auf körperlicher als auch auf geistiger Ebene im Dasein zu stärken, ihm einen achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper, dem eigenen Geist, dem Atem und einer ethischen Lebensführung zu ermöglichen. Nicht nur nach ayurvedischer Auffassung besitzt jeder Mensch einen individuellen Stoffwechsel, ein individuelles Verhalten und einen individuellen Körperbau. Das ist auch Bestandteil anderer Medizintheorien – und genauso der Schulmedizin. Aber besonders Ayurveda richtet sich an der Konstitution sowie der täglichen Kondition und dem Gesundheitszustand des einzelnen Menschen aus. Ein Prinzip, das mehr und mehr auch in der modernen individualisierten und personalisierten Medizin seinen Niederschlag findet. Ich persönlich sehe jeden Einzelnen in all seinem Sein und Tun als wichtigen Bestandteil einer Ganzheit: von der Familie über die regionale Gemeinschaft bis hin zur Weltgemeinschaft der Menschen, Tiere und Pflanzen sowie als Teil einer allumfassenden Existenz auf der Erde und im Universum.

JUNG ALT WERDEN

Ayurveda ist wie die altgriechische, die arabische oder die altägyptische und die chinesische Heilkunst sozusagen eine philosophische Lebenslehre. Der Anspruch der indischen Medizin war es von Beginn an herauszufinden, was uns das Leben bedeuten sollte. Therapeutisches Handeln und das gleichzeitige Nachdenken darüber entwickelten sich parallel. Die Bedeutung von Lebensentwürfen, Partnerschaften und Lebensformen sowie sozialem Miteinander bis zu wirksamen Verjüngungsmethoden war immer ein wichtiges Element des Ayurveda mit seiner langen und lebendig gehaltenen Anwendungspraxis über Jahrtausende hinweg. Keine andere Medizintheorie der Welt verfügt über so viel Wissen über ein erfülltes und langes gesundes Leben.

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch nicht weiterexistieren wird, wenn wir weiterhin den Traum verfolgen, dass zukünftig der Computer, dass künstliche Intelligenzen den Menschen bestimmen. Das kann nicht funktionieren! Weiterentwickeln können wir uns nicht durch den Computer, sondern nur mit ihm. Im Gesundheitssektor bedeutet das naturwissenschaftliche und psychosoziale Medizin plus die Erfahrungsheilkunde traditioneller Heilweisen wie dem Ayurveda in Verbindung mit digitaler Kompetenz zur Diagnose und Therapieempfehlung.

Körper und Psyche bilden eine Einheit, den Körpergeist (Bodymind), wie ich ihn in meinen Publikationen zur »Weltmedizin« genannt habe. Jeder und jede bemerkt ihn, wenn beispielsweise zu viel Essen den Kopf lähmt oder psychischer Stress oder Angst zu muskulären Verspannungen führen. Deshalb und um möglichst lang wohlbefindlich zu leben, sollten und müssen wir uns viel mehr als bisher darauf konzentrieren, Krankheiten zu verhindern. Ayurvedische Präventionsmaßnahmen könnten hierzu ein bedeutsamer Baustein für ein »jung bleibendes Altern« sein. Achtsamkeit, Eigenverantwortung, Bewegung wie mit Yoga, Massagen und Ausleitungsverfahren, Meditation und insbesondere die Ernährung spielen eine wichtige Rolle – und natürlich das Wissen um uns selbst: Alles, was uns guttut! Emotional, psychisch und körperlich.

Die Traditionelle Indische Medizin, der Ayurveda, ist keine Voodoomedizin oder neue Wellnessmode. Sie ist eine systematische maschinenfreie psychosomatische »Body-Mind-Medizin«, die sich der Natur mit ihren Pflanzen, dem Wasser, der Luft und der Wärme bedient. Zusammen mit den »psychobiologischen« Verfahren von Yoga und Meditation ist Ayurveda vor allem ein umfassendes System zur Vorsorge und auch zur Therapie. Als Beginn eines krank machenden Prozesses werden besonders der Verdauungstrakt und die Verdauungskräfte für viele Leiden verantwortlich gemacht. Wenn das Verdauungsfeuer Agni »schwächelt«, werden »G

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