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Heiß verführt – eiskalt betrogen?

Jennifer Lewis

Heiß verführt – eiskalt betrogen?

1. KAPITEL

Wer um alles in der Welt rief um diese Zeit mitten in der Nacht an?

Alicia Montoya streckte die Hand unter der Decke hervor und griff nach dem Telefon auf dem Nachtschrank. Blinzelnd schaute sie auf die grüne Leuchtzifferanzeige ihrer Uhr.

2.07 Uhr nachts. Wer zum Teufel …?

Sie hob den Hörer an das Ohr. „Hallo?“

„Dir geht es gut. Gott sei Dank.“

„Wer ist denn da?“ Ihr verschlafenes Flüstern war kaum zu hören.

„Hallo, meine Schöne.“

Oh, Mann. Als Alicia die volle, tiefe Stimme erkannte, erwachten plötzlich Regionen in ihrem Körper zum Leben, die ihr unbekannt gewesen waren, bevor sie Rick Jones getroffen hatte. „Hi, Rick.“

„Ich bin ja so froh, dass es dir gut geht.“

Alicia blickte erneut zur Uhr. „Mir ist es gut gegangen, bevor das Telefon mich geweckt hat. Hab ich dich nicht gebeten, mich nicht zu Hause anzurufen?“

Sie fragte sich, ob ihr Bruder Alex das Klingeln gehört hatte. Vermutlich. Da sie normalerweise sehr tief schlief, hatte es bestimmt schon eine Weile geklingelt. Nur sehr wenig geschah in Houston, ohne dass Alicias Bruder Wind davon bekam. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis er in ihr Zimmer platzen würde, um nach dem Rechten zu sehen.

„Liebling, bist du auch wirklich nicht verheiratet?“, neckte Rick sie, denn sie hatte darauf bestanden, ihre Beziehung geheim zu halten. Wenn man es überhaupt eine Beziehung nennen konnte. Bisher hatten sie sich noch nicht einmal geküsst, aber zumindest hatten sie Händchen gehalten. Das zählte doch schon, oder?

„Ich bin ganz sicher nicht verheiratet.“ Sie lachte. „Noch nicht mal beinah. Aber ich habe dir erzählt, dass mein Bruder es mit seiner Fürsorge für mich wahnsinnig übertreibt. Du willst bestimmt nicht, dass er von deinem Anruf um diese Zeit etwas mitbekommt.“

„Warum denn nicht? Du bist eine erwachsene Frau und kannst morgens um zwei machen, was du willst.“ Sein Tonfall ließ durchblicken, dass ihm einige delikate Dinge in den Sinn kamen, die sie gemeinsam in diesem Moment tun könnten.

Alicia rekelte sich unter der warmen Decke. Wie würde es wohl sein, mit Rick im Bett zu liegen, seine durchtrainierte Brust zu spüren und sein weiches dunkles Haar zu berühren? Sie hatte keine Ahnung, wie es sich anfühlen würde. Und wenn Alex etwas von Rick erfuhr, würde sie auch nie Gelegenheit bekommen, es herauszufinden.

„Vertrau mir einfach. Es ist besser, wenn er nichts von dir weiß. Warum rufst du eigentlich mitten in der Nacht an? Um mich mit dem Klang deiner sexy Stimme zu quälen?“ Alicia lächelte vor sich hin. Noch nie zuvor war sie einem Mann begegnet, in dessen Gegenwart sie sich so wohlgefühlt hatte. In Ricks Nähe war sie so entspannt, dass sie sogar zu Neckereien und Flirts aufgelegt war und einfach sie selbst sein konnte.

„Eigentlich rufe ich an, weil ich wissen wollte, ob es dir gut geht. Im Fernsehen wurde gerade das Programm für eine Sondersendung über ein großes Feuer in Somerset unterbrochen. Schwer zu sagen, was da im Dunkeln vor sich geht, aber es sieht aus wie El Diabolo.“

„Was?“ Alicia fragte sich, ob sie vielleicht träumte. „Bei uns auf der Ranch ist alles in Ordnung.“ Trotzdem wurde sie von Furcht erfasst und schlüpfte aus dem Bett. „Warte bitte einen Moment, ich schaue mal aus dem Fenster“, sagte sie und ging über den kühlen Holzfußboden ans Fenster, um die schweren Vorhänge aufzuziehen.

„Oh, mein Gott!“ Sie presste eine Hand vor den Mund. Ein orangefarbener Lichtschein erhellte den Nachthimmel.

Einsatzwagen mit Blaulicht kamen die Auffahrt der Ranch hochgefahren, und selbst durch die schallisolierten Fenster konnte Alicia das Dröhnen eines Helikopters vernehmen, der über ihnen kreiste.

„Es brennt! Die Scheune brennt! Oh, nein, die Tiere sind noch drinnen …“ Sie lief durch den dunklen Raum zu dem Kleiderschrank.

„Ich komme rüber.“

„Nein, bitte nicht.“ Voll Panik zog sie eine Jeans unter ihr Nachthemd. „Was immer hier auch vorgeht, wenn du hierherkommst, wird es nur noch schlimmer. Ich muss Alex finden. Die Kälber …“ Für einen Moment kämpfte sie damit, ein Paar Stiefel anzuziehen. „Ich muss jetzt gehen.“

„Bitte, lass mich herüberkommen.“

„Nein, Rick. Nicht jetzt. Ich rufe dich so schnell an, wie ich kann.“ Sie beendete das Gespräch.

„Alex!“, rief sie in den Flur des großen Ranchhauses.

Im Erdgeschoss war Licht, und die Tür zu Alex’ Schlafzimmer stand offen. „Alex, bist du hier?“ Keine Antwort. Zwei Stufen auf einmal nehmend, eilte sie nach unten zur Eingangstür. Als sie die Tür öffnete, nahm sie beißenden Rauchgeruch und Sirenengeheul wahr. Das Scheunendach war von einem Flammenmeer eingehüllt, das den ganzen Weg bis zum Hauptgebäude in helles Licht tauchte. „Alex!“

Alicia rannte über den Rasen, der das Haus von der Scheune trennte. Rufe mischten sich mit dem Getöse von knisternden Flammen, splitterndem Holz und dem Rauschen des Löschwassers.

„Alex, wo bist du?“ Vor Angst überschlug sich ihre Stimme.

Intuitiv wusste sie, dass ihr Bruder mitten in der brennenden Scheune steckte. Mit vor Aufregung klopfendem Herzen lief sie auf das Feuer zu. Alex mochte gelegentlich rechthaberisch und anmaßend sein, aber gleichzeitig war er der beste Bruder und fürsorglichste Mann der Welt. Seit dem Tod ihrer Eltern hatte er Alicia aufgezogen und – auch wenn es nicht immer einfach für ihn gewesen war – erfolgreich dafür gesorgt, dass sie ein ausgezeichnetes Leben führen konnten.

Aus der Dunkelheit kam einer der Rancharbeiter auf sie zu. „Diego, haben Sie Alex gesehen?“, fragte Alicia.

„Er schickt mich, damit ich Sie wecke. Ich soll dafür sorgen, dass Sie im Haus bleiben, bis er kommt.“

„Geht es ihm gut?“

Diego zögerte. „Er versucht, die Kälber zu retten.“

„Oh, nein! Ich hab gewusst, dass er dort drinnen ist. Wir müssen ihn rausholen.“

Sie wollte zur Scheune laufen, doch Diego packte sie am Ärmel. „Miss Alicia, bitte. Alex will nicht, dass Sie in die Nähe des Feuers kommen.“

„Mir ist es egal, was dieser sture Dummkopf will. Ich muss ihn da rausholen.“ Sie befreite sich aus Diegos Griff und setzte ihren Weg fort. Nicht umsonst war sie die beste Läuferin an ihrer katholischen Schule gewesen. Diego rannte ihr hinterher und bat sie vergeblich stehen zu bleiben.

„Da ist er!“, rief Alicia.

Alex trieb gerade durch das breite Scheunentor eine Herde Kälber vor sich her. Die jungen Rinder waren völlig verstört und rannten kopflos in alle Richtungen. Einige versuchten sogar, wieder in die brennende Scheune zu gelangen. Die Arbeiter gaben sich alle Mühe, die Tiere in Sicherheit zu bringen. Alicia eilte in die Mitte der Herde und packte das nächste Kalb, was sie zu fassen bekam, an seiner Halskette. „Komm, Prinzessin. Du willst bestimmt nicht wieder dort hinein“, sagte sie und zog das Tier von dem Tor fort. Die Flammen schlugen in der Scheune hoch, und Asche wirbelte in der rauchigen Luft umher und brachte ihre Augen zum Tränen. Als sie sich umdrehte, sah sie Alex, der wieder in das Gebäude ging. Sie gab dem Kalb einen Klaps auf das Hinterteil und lief zu dem Eingang, durch den ihr Bruder gerade verschwand.

„Alejandro Montoya! Wenn du nicht gleich aus dieser brennenden Scheune kommst, dann werde ich …“

Alex wirbelte zu ihr herum. „Alicia! Du solltest gar nicht hier sein! Ich habe Diego gesagt …“

„Ich weiß, was du ihm gesagt hast, aber jetzt bin ich hier, und du solltest dort herauskommen, bevor das Dach einstürzt. Es steht völlig in Flammen.“

„Ich sehe nur nach, ob sie alle draußen sind.“

„Nein!“ Alicia packte ihn vorn an seinem Hemd. Sein Gesicht war fast schwarz vor Ruß, aber seine dunklen Augen strahlten feste Entschlossenheit aus. „Setz dein Leben nicht aufs Spiel!“

„Wir haben sie alle draußen!“, rief eine Stimme aus dem Dunkeln. „Ich habe sie gezählt. Alle fünfundvierzig Kälber sind in Sicherheit.“

„Gott sei Dank.“ Alex griff nach Alicia und warf sie sich wie ein Feuerwehrmann über die Schulter, wobei ihr die Luft aus den Lungen entwich.

Sie widerstand dem Drang, gegen dieses überhebliche Verhalten zu protestieren. Zumindest bewegte ihr Bruder sich von der Scheune weg, sodass sie ihn wenigstens in die richtige Richtung hatte zwingen können.

„Du gehst ins Haus zurück und wartest da, bis ich dich hole!“, sagte er, als er sie im sicheren Abstand zu dem Feuer wieder absetzte.

„Ich bin kein Kind mehr, Alex. Ich kann helfen.“

„Nichts kann die Scheune jetzt noch retten.“ Alex zuckte zusammen, als eine Seitenwand einstürzte und das brennende Dach langsam in sich zusammenfiel.

„Sie ist noch älter als dieses Haus. Sie ist über hundert Jahre alt, und jetzt …“ Alex schüttelte den Kopf.

Sie biss sich auf die Lippe. Alicia wusste, wie viel jeder Zoll dieser Ranch ihrem Bruder bedeutete. Er hatte schwer dafür geschuftet. Als sie El Diabolo gekauft hatten, war das ein wunderbarer Moment für sie beide gewesen. Sie hatten bewiesen, dass sie allen schlechten Aussichten zum Trotz schließlich doch noch erfolgreich gewesen waren.

Sie sah zur Scheune zurück, die jetzt nur noch eine schwankendes Gebilde aus hellen Flammen war. „Was ist passiert?“

„Das wissen wir nicht. Das Feuer war plötzlich wie aus dem Nichts da. Gott sei Dank haben die Rauchmelder Dave und Manny im Apartment darüber geweckt. Sie haben die Feuerwehr alarmiert, aber das Gebäude war bereits in Flammen aufgegangen, als der erste Wagen hier eingetroffen ist.“

Ein Polizeibeamter kam auf sie zu. „Hier entlang, bitte.“ Er deutete zur Auffahrt, wo mehrere Einsatzwagen mit blinkenden Lichtern im orangefarbenen Halbdunkel parkten. „Wir brauchen Sie alle an einem Ort.“

„Ich bin der Besitzer“, sagte Alex. „Ich schütze meine Tiere.“

Der hochgewachsene Mann straffte die Schultern. „Wir müssen alle hier befragen.“

„Was meinen Sie damit?“ Alicia blinzelte in die vom Feuer erhellte Dunkelheit.

„Zwar ist es noch ein wenig verfrüht, aber der Marschall geht von Brandstiftung aus. Man hat leere Benzinkanister in der Nähe des Brandherdes gefunden.“

Alicia biss sich auf die Lippe. Wer würde so etwas tun? Ihr Bruder setzte sich durch, wenn es sein musste, und hatte sich daher den einen oder anderen Feind gemacht, aber wer hasste ihn so sehr, dass er die Ranch zerstören wollte?

„Brandstiftung?“ Alex’ Stimme hatte einen gefährlichen Klang angenommen. „Wenn ich herausfinde, wer das hier getan macht, dann …“

„Bitte, Sir. Folgen Sie mir. Wir müssen von jedem eine Aussage aufnehmen, und ich bin auf Ihre Mitarbeit angewiesen.“

Alex stieß einen verächtlichen Laut aus und nahm Alicias Hand. „Wer auch immer das getan hat, er wird dafür bezahlen.“

Alicia hielt den Mund. Ohnehin würde es keinen Sinn machen, mit Alex in diesem Moment zu streiten. Es war schon viel wert, wenn er sich aus der Gefahrenzone heraushielt und sich auf etwas konzentrierte, um diese furchtbare Nacht zu überstehen. Sie stapften durch das Gras, als ihr ein seltsamer Gedanke kam. „Hat es nicht neulich erst bei Lance Brody gebrannt?“

„Ein Feuer hat es bei Brody Oil and Gas gegeben, ja. Und das Schwein hatte die Nerven, mich deswegen zu beschuldigen. Als würde ich mich zu so etwas herablassen.“ Er schnalzte mit der Zunge.

Alicia runzelte sie Stirn. „Wenn Lance Brody wirklich glaubt, dass du dahintersteckst, könnte das hier dann nicht ein Racheakt von ihm sein?“

An Alex’ Blick konnte sie erkennen, dass er bereits daran gedacht hatte. Die Feindschaft zwischen Alex und Lance Brody ging bis in ihre Zeit an der Maverick High School zurück, wo sie sich bereits um den Platz im Fußballteam gestritten hatten. Diese alte Feindschaft wieder aufflammen zu sehen war allerdings das Letzte, was Alicia jetzt gebrauchen konnte.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass er es nicht gewesen ist.“ Sie wedelte mit der Hand in der rauchigen Luft herum. „Ich weiß gar nicht, warum ich das gesagt habe. Warum sollte ein erfolgreicher Geschäftsmann sich in ein Verbrechen verstricken lassen?“

„So einer wie der hat seine bezahlten Schergen für die Drecksarbeit“, erwiderte Alex. „Das würde ich Lance oder seinem Bruder Mitch durchaus zutrauen. Ich bin ihnen schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Vielleicht versuchen sie ja, mich auf diese Weise von hier zu vertreiben.“

Er sah zum Scheunengebäude. Flammen züngelten durch die Fensteröffnungen des Heubodens. In Alex’ Blick spiegelte sich eine Mischung aus Ärger und Schmerz wider. „Aber niemand vertreibt mich von El Diabolo, und wer immer das getan hat, wird den Tag seiner Geburt noch bereuen.“

Beim Mittagessen am nächsten Tag lief Alex im Esszimmer der Ranch auf und ab, wobei er den Burger auf dem Teller kalt werden ließ. „Alicia, du bist hier nicht sicher. Wenn es jemand auf mich abgesehen hat, können wir nicht wissen, was er als Nächstes tut. Du kannst zu El Gato gehen.“

Als Alicia von ihrem Essen hochsah, spürte sie, wie sie eine Gänsehaut bekam. „Ich bin sicher hier. Außerdem brauchst du jemanden, der sich um dich kümmert.“ Herausfordernd deutete sie auf seinen Teller. „Iss auf.“

„Ich meine es ernst, kleine Schwester. Hier ist es nicht sicher.“

„Bei Paul ‚El Gato‘ Rodriquez zu sein, das ist nicht sicher. Du hältst zwar viel von ihm, aber jeder weiß, dass er in Drogengeschäfte verwickelt ist.“

Seufzend setzte Alex sich hin. „Ihnen passt es nur nicht, dass ein Latino viel Geld macht. Du wärst entsetzt, wenn du wüsstest, wie viele Leute denken, dass ich etwas mit Drogen, Waffen oder solchen Sachen zu tun habe. Sie können nicht glauben, dass wir unser Geld auf die dieselbe altmodische Weise verdienen wie sie.“ Er biss von dem Hamburger ab. „Das ist auch der Grund, warum es mir so viel bedeutet hat, in den Texas Cattleman’s Club aufgenommen zu werden. Wenn ich dort bin, bin ich einer von ihnen, ein Clubmitglied. Sie müssen lächeln und höflich sein, auch wenn sie mich lieber hängen sehen würden.“ Er lächelte. „Ich liebe das.“

Alicia fand es furchtbar, dass ihr Bruder sich immer noch wie ein Außenseiter fühlte – sogar jetzt, wo er einer der reichsten Männer der Gegend war. „Man hat dich in den Texas Cattleman’s Club aufgenommen, weil du ein Mann von Ehre und ein aufrechtes Mitglied der Gesellschaft von Somerset bist. Du bist einer von ihnen.“

„Das ist einer der vielen Gründe, warum ich dich liebe, Schwester. Du hast so viel Vertrauen in die Menschen.“ Er blinzelte, als er einen Schluck Mineralwasser trank. „Trotzdem bleibst du nicht hier. El Gato kann dich beschützen.“

„Sicher kann er das. Vermutlich hat er Neunmillimeterwaffen im Kofferraum seines Wagens versteckt. Aber um ehrlich zu sein, diese Art von Schutz macht mich etwas nervös.“

„Er ist einer von uns. Wenn es hart auf hart kommt, ist es besser, sich auf seinesgleichen zu verlassen.“

„Ich betrachte einen Kriminellen keineswegs als meinesgleichen.“

„Du weißt, was ich meine. Wenn du aus einem spanischsprachigen Stadtteil kommst, siehst du die Welt mit anderen Augen.“

„Das hört sich ja fast so an, als wären wir nicht zusammen groß geworden.“ In Alicia sträubte sich alles, weil ihr Bruder sie wie ein Kind behandelte. „Ich bin mit dir dort im Barrio aufgewachsen, erinnerst du dich? Ich weiß, was schwere Zeiten sind, und ich bin mehr als froh, dass sie hinter uns liegen. Du musst endlich diesen Komplex loswerden“, fuhr sie fort, um ihren Bruder umzustimmen. „Ich könnte auch bei einem unserer Nachbarn bleiben.“

Alex kniff die Augen zusammen. „Ich traue diesen Leuten nicht. Nicht jetzt.“

„Was ist mit Maria Nunez? Du kennst sie schon so lange wie ich. Du hast mich sogar bei ihr schlafen lassen, als wir noch zur Schule gegangen sind. Ich bin sicher, dass es ihr nichts ausmacht, wenn ich ein paar Nächte bei ihr bleibe.“

„Marias Eltern sind zwar gute Leute, von ihr glaube ich das aber nicht. Wohnt sie zu Hause?“

Alicia lachte. „Nein. Sie ist sechsundzwanzig Jahre alt, schon vergessen? Sie hat ein Apartment in Bellaire. Das ist eine sichere Gegend.“

„Wenn sie nicht verheiratet ist, sollte sie zu Hause bei ihrer Familie wohnen.“ Alex trank einen Schluck Kaffee.

„Wir leben nicht mehr im neunzehnten Jahrhundert, Alex. Mach dir das endlich klar. Ich rufe sie gleich an. Wenn sie Nein sagt, gehe ich zu El Gato, okay?“ Die Lüge kribbelte förmlich auf ihrer Zunge, denn sie hatte keineswegs vor, sich auch nur in die Nähe von Paul Rodriquez und seiner Truppe Furcht einflößender Handlanger zu begeben – auch, wenn er einer der ältesten Freunde ihres Bruders war.

„Du bist stur“, bemerkte Alex unzufrieden.

„Nur vernünftig.“ Sie lächelte honigsüß. „Du weißt, dass ich das bin. Vertraust du mir denn nicht?“ Ihr Herz klopfte aufgeregt, denn sie wusste, dass er jeden Grund dafür haben würde, ihr nicht zu trauen.

„In Ordnung, du kannst bei Maria bleiben. Du bist vernünftig, und ich bin sehr stolz auf dich. Ich liebe dich wie verrückt, kleine Schwester, weißt du das?“

„Das tue ich, und ich liebe dich auch, du großer Bär von einem Bruder.“ Sie ging um den Tisch herum, um Alex aufs Haar zu küssen, bevor sie sich mit pochendem Herzen in die obere Etage begab. Nachdem sie die Schlafzimmertür verschlossen hatte, holte sie ihr Telefon hervor. Alicia hatte sich noch nicht einmal getraut, Ricks Nummer einzuspeichern. Zu groß war ihre Furcht davor, dass Alex ihr Telefon in die Finger bekam und eine neue Nummer unter denen ihrer alten Schulfreunde fand. Vor Erwartung und Angst zitterten ihr die Finger, als sie wählte, und es klingelte nur einmal, bevor Ricks sanfte und verführerische Stimme erklang. „Hallo, meine Schöne.“

Alicia lächelte. „Was wäre, wenn ich im Augenblick überhaupt nicht schön aussehe?“

„Unmöglich. Du kannst gar nichts dagegen tun“, erwiderte er, und ihr wurde ganz warm. „In den Nachrichten sagen sie, dass das Feuer gelöscht und niemand verletzt worden ist. Mann, bin ich froh.“

„Erzähl mir mal, was ich noch nicht weiß. Wir haben alle Kälber gerettet, sie haben nur ein paar Schrammen abbekommen. Trotzdem ist die Scheune verloren.“

„Das tut mir leid. Ich hoffe, ihr seid versichert.“

„Das sind wir, aber die Scheune bleibt unersetzbar. Sie war eines der ältesten Gebäude in Somerset. Ein wirklich historisches Wahrzeichen. Ich wollte sie eigentlich unter Denkmalschutz stellen lassen, aber das kann ich jetzt ja wohl vergessen.“ Sie seufzte. „Es hätte aber auch schlimmer kommen können. Bei stärkerem Wind hätte das Feuer auf das Wohnhaus überspringen können.“

„Ich wünschte, ich wäre da und könnte dich drücken.“

„Glaub mir, das könnte ich jetzt wirklich brauchen.“

„Weil du ja nicht willst, dass ich einen Fuß auf El Diabolo setze, wirst du schon hierherkommen müssen, um dich umarmen zu lassen.“

Alicias Adrenalinspiegel stieg. Wie konnte sie ihn taktvoll – oder ihretwegen auch taktlos – fragen? „Kann ich die Nacht bei dir verbringen?“

Als am anderen Ende Schweigen herrschte, begann ihr Puls zu rasen, doch die Stille wurde unterbrochen durch ein hastiges: „Natürlich.“ Beinah hätte sie wegen der Begeisterung in seiner Stimme gelacht.

„Wow, das klingt nicht gut, oder? Aber Alex denkt, dass es hier nicht sicher für mich ist. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, und Alex hat Angst, der Kerl könnte wiederkommen und seinen Job zu Ende bringen. Er möchte, dass ich bei einem alten Schulfreund von ihm bleibe, aber ich kann den Typen nicht ausstehen.“

„Ich will dich nicht in der Nähe von jemand anderem außer mir wissen. Und für den Fall, dass du es noch nicht gewusst hast: Meine Suite im Omni hat vier Schlafzimmer.“

„Du machst Scherze.“

„Kein bisschen. Pack deine Sachen und komm rüber.“

„Mein Auto hat hinter der Scheune gestanden. Es hat ziemlich gelitten.“

„Keine Panik, ich hole dich ab.“ Sie hörte ihn atmen.

Alicia lächelte. „Nein, besser nicht. Wenn Alex dein Auto sieht, wird das alles ruinieren. Ich bitte ihn, mich zum Texas Cattleman’s Club zu fahren. Dann schöpft er keinen Verdacht, und du kannst mich da abholen. Ich könnte um vier heute Nachmittag da sein.“

„Wir treffen uns davor.“

Alicia runzelte die Stirn. Es wäre schön gewesen, ein bisschen Zeit im Club zu verbringen. Ihr würde es nichts ausmachen, sich mit ihrem neuen Freund zu zeigen. Aber vielleicht wollte er einfach nur ihre Sachen in seine Suite bringen. Oder sie. Ein verwegenes Lächeln umspielte ihre Lippen, Alicia verspürte ein aufregendes Kribbeln. Sie würde allein mit Rick sein, in seiner Hotelsuite. Und sie hatte das Gefühl, dass die heutige Nacht unvergesslich werden würde.

„Großartig. Ich treffe dich dann am Haupteingang. Bis später.“

Nachdem sie das Gespräch beendet hatte, stieg ihre Aufregung. Erst kürzlich hatte sie sexy Unterwäsche im Sweet Nothings gekauft, weil sie gehofft hatte, dass sie und Rick einander näherkommen würden. Jetzt würde sie hoffentlich die Gelegenheit haben, diese Sachen anzuziehen – und Rick dabei zusehen können, wie er sie ihr auszog.

Justin drückte den Knopf, sodass das Dach seines Porsche-Cabrios hochfuhr. Er war nicht sicher, ob Alicia Wind in den Haaren mochte. Wie alles, was er bisher von ihr gesehen hatte, war ihr Haar seidenweich und tadellos gepflegt. Er konnte es kaum erwarten, viel mehr von ihr zu sehen zu bekommen – jetzt, da er sie für sich allein in seiner Hotelsuite ein paar Tage und Nächte nacheinander haben würde. Er wollte das Verlangen in diesen großen braunen Augen aufflammen sehen und erwartungsvoll ihre samtige Haut streicheln. Er lächelte begierig, nahm sich aber vor, immer schön ruhig zu bleiben. Denn Alicia war traumatisiert wegen des Feuers auf der Ranch, die sie mit ihrem Bruder betrieb. Alicia brauchte seine Hilfe und nicht seine Hände, die an ihr herumfummelten.

Außerdem hatte sie keine Ahnung, wer er wirklich war.

Fluchend trommelte er mit den Fingern aufs Lenkrad, als er an einer roten Ampel wartete.

Warum hatte er sich auch Rick Jones nennen müssen, als er ihr zum ersten Mal begegnet war? Klar, er hatte diesen Namen schon oft benutzt, aber gewöhnlich nur, um Hotelreservierungen zu tätigen oder eine Frau zu treffen, der das Wort Goldgräberin sozusagen schon auf der Stirn geschrieben stand. Sicher hatte es Zeiten gegeben, in denen es eine große Verpflichtung bedeutet hatte, Justin Dupree – von den Duprees – zu sein.

Wenn die Leute aber erst einmal wussten, dass er mehr Geld besaß als der liebe Gott, behandelten sie ihn vollkommen anders. Er war es müde, dass die Klatschpresse ihm auf den Fersen war, ständig auf der Suche nach neuem Tratsch für ihre Kolumnen. Ihr verdankte er es, dass er jetzt einen Ruf als Playboy besaß, den er nur halb verdient hatte. Okay, vielleicht zu drei viertel. Aber das gehörte alles der Vergangenheit an.

Mittlerweile war er dreißig und beständiger. Ihm lag nicht mehr so viel daran, die Nächte durchzufeiern. In letzter Zeit wollte er sogar Zeit mit einer Frau verbringen, um sie besser kennenzulernen, bevor er mit ihr schlief. Zum Beispiel Alicia. Wie oft hatten sie sich jetzt schon getroffen? Vielleicht achtmal, und er hatte immer noch nicht mit ihr geschlafen. Er hatte sie ja nicht einmal geküsst.

Er atmete tief aus. Die Ampel sprang auf Grün, und er hupte, damit der Wagen vor ihm anfuhr. Acht Dates und noch nicht einmal ein Kuss auf die Lippen? Das war lächerlich. Er war sich auch nicht sicher, wie es dazu hatte kommen können.

Da gab es etwas so Perfektes an Alicia, etwas, das so rein, süß und sanft war, dass er es niemals für richtig gehalten hatte, sie in seine Suite zu bitten. Sie gehörte zu den ...

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