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How to Drink Gin: Deutschland

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Oliver Steffens

Steffens zählt zu den führenden deutschen Gin-Experten. Als Betreiber von »Ginthusiast« und Mitgründer des Blogs »Trinklaune« gehört er zu den prägenden Figuren der hiesigen Cocktailszene. Für dieses Buch hat er sämtliche porträtierten Gins verkostet und beschrieben.

 

Stefan Adrian

Der Österreicher mit Sitz in Berlin ist gefragter Fachjournalist und Buchautor in allen Bereichen der Kulinarik und Trinkkultur. Im Einleitungstext dieses Bandes führt er umfassend in die deutsche Wacholder-Tradition ein.

 

Tim Klöcker & Sebastian Böhme (»OTTTN«)

Unter dem Pseudonym »OTTTN« erzählen der Fotograf Klöcker und der Bartender Böhme innovative Bildergeschichten rund um den Drink als Kunstform – mal minimalistisch, mal experimentell. Die Fotos der Gins stammen von den beiden.

 

Mixology – das Magazin für Barkultur

Seit 2002 begleitet und beobachtet Mixology die Bar- und Spirituosenbranche als maßgebliches deutsches Fachmagazin. Das Konzept des vorliegenden Bandes wurde von der Mixology-Redaktion entwickelt.

A SPICY STORY

Deutscher Gin ist erst seit wenigen Jahren »in«. Doch die heimische Tradition der Wacholder-Destillate ist nicht neu, sie hat hierzulande eine Geschichte, die mehrere Jahrhunderte zurückreicht. Obwohl es manchem Fußballfan nicht gefallen wird: Die kulturelle Nähe zu den Niederlanden spielt dabei eine zentrale Rolle. Und ein Ski-Unfall hat auch noch seinen Teil zur Historie beigetragen.

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Die Brennerei Eversbusch in Hagen-Haspe im Jahre 1938. Geändert hat sich dort bis heute nur wenig: Auch der »Doppelwachholder« von dort schreibt sich noch immer stolz mit »hh«.

ZWISCHEN GESTERN UND HEUTE: DIE GESCHICHTE DES DEUTSCHEN GINS

Die neue deutsche Gin-Welle beginnt wahrlich mit einem Knall: In den Tiroler Alpen fahren sich Dr. Ulf Stahl und Gerald Schroff gegenseitig in die Skier. Wie es der Zufall will, begegnen sie sich noch am gleichen Abend an einer Hotelbar wieder: der eine, dekorierter Mikrobiologe, als Gast, der andere, Diplom-Hotelier, als Bartender. Über mehrere Abende entsteht eine kleine Freundschaft, die kurze Zeit darauf in einer großen Idee mündet: der Wiederbelebung von Adler Gin.

Schroff, der schon für Alfons Schuhbeck gearbeitet hat, verlässt die Berge und zieht nach Berlin, wo er die im Dornröschenschlaf liegende Preussische Spirituosen Manufaktur vorfindet, wo Stahl tätig ist. Das ist zumindest die romantische Version. In der Realität bedeutet die Revitalisierung der Anlage, die 1874 als Versuchsanstalt des Verbandes der Spirituosenfabrikanten Deutschlands (VLSF) im rauen Stadtteil Wedding eröffnet wurde, harte Arbeit. »Die Scheiben sahen aus, als wären sie aus Milchglas. In Wahrheit war es der jahrzehntelange Beschlag von ätherischen Ölen, den wir in Handarbeit mit der Rasierklinge abkratzen mussten«, erinnert sich Schroff an die Anfänge.

2007 schließlich kommt Adler Gin auf den Markt, der großteils auf einem Rezept von Max Delbrück beruht, dem ersten Leiter der VLSF. Adler Gin leitet somit nicht nur als Produkt die neue deutsche Gin-Welle ein, sondern nimmt auch deren Philosophie vorweg: Es geht um hochwertige, handgemachte Spirituosen, in denen persönliche Leidenschaft steckt.

Dass Schroff und Stahl in ihrem Vorhaben auf ein Rezept aus dem vorigen Jahrhundert zurückgreifen, verdeutlicht aber auch, dass deutscher Gin auf eine Historie zurückblicken kann. Sie mag nicht so groß sein wie in England, dem Mutterland des Gins; aber die Deutschen und Wacholder – das ist schon lange eine Liaison. Sie war nur etwas in Vergessenheit und Verruf geraten.