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Imperium der Drachen – Das Blut des schwarzen Löwen

Weitere Titel des Autors

Die Carya-Trilogie:

1. Flammen über Arcadion

2. Im Schatten des Mondkaisers

3. Das geraubte Paradies

Imperium der Drachen:

1. Das Blut des Schwarzen Löwen

2. Kampf um Aidranon

Frontiersmen (als Wes Andrews):

1. Höllenflug nach Heaven’s Gate

2. Blutfehde auf Alvarado

Frontiersmen – Civil War:

1. Revolte auf Higgins’ Moon

2. Vierzig Frachter randwärts

3. Die Verdammten von Fort Hope

4. Die Tochter des Admirals

5. Die Rache der Peko

6. Showdown bei Alamo

Über dieses Buch

Der junge Iolan ist ein Findelkind und wächst gemeinsam mit seinen Ziehgeschwistern Markos und Mirene als Sohn eines einfachen Fischers auf. Am Tage seiner Weihe zum Mann wird sein Heimatdorf von Soldaten des Königs zerstört. Iolan kann mit seiner Schwester dem Gemetzel entkommen und flieht – nicht wissend, dass auch Markos überlebt hat und auf der Suche nach ihnen ist.

Unterstützt von dem alten magiekundigen Quano Arastoth, will Iolan sich am König für den Tod seiner Familie rächen und reist mit ihm in die Hauptstadt des Reiches. Doch bald schon muss er erkennen, dass die Wahrheit komplizierter ist, als er dachte, und dass er in einem dichten Netz aus Wahrheit und Lüge verstrickt ist. Denn Iolan ist kein anderer als der verfluchte und totgeglaubte Sohn des Königs.

Unterdessen wird Markos’ Reise zu einer Odyssee durch die gefährlichen Gewässer des Inneren Ozean, die alle Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit seiner Familie zunichte zu machen droht. Keines der drei Geschwister ahnt, wie sehr das Schicksal der Welt von ihnen abhängt. Yeos steht an einer Zeitenwende – denn der Fluch, der noch immer in Iolan schlummert, hat weit größere Macht, als selbst die Magier des Reiches geahnt haben.

Über den Autor

Bernd Perplies, geboren 1977 in Wiesbaden, studierte Filmwissenschaft und Germanistik in Mainz. Parallel zu einer Anstellung beim Deutschen Filminstitut in Frankfurt a. M. wandte er sich nach dem Studium dem Schreiben zu. Heute ist er als Schriftsteller, Übersetzer und Journalist tätig. 2015 erhielt Bernd Perplies den Deutschen Phantastik Preis in der Kategorie »bester deutschsprachiger Roman« für sein Werk Imperium der Drachen – Das Blut des Schwarzen Löwen.

Bernd Perplies

Das Blut des schwarzen Löwen

Imperium der Drachen

Band 1

beBEYOND

Für Yvonne

1

UNTER ARIOCRASTS SCHWINGEN

20. Tag des 5. Mondes

im 282. Jahr der cordurischen Könige

Das Klirren der Schwerter hallte durch die steinernen Gänge des Tempels. Die Schreie Sterbender, gebrüllte Befehle, das Rasseln von Rüstungen und das Trommeln vieler Stiefel mischten sich hinein.

»Sie kommen näher«, flüsterte Enari.

»Ich weiß«, erwiderte Deomene. »Uns bleibt nicht mehr viel Zeit.«

Der Tod hatte Evolos, die Hauptstadt von Dyrrach, erreicht, und jetzt hielt er auch in diesen heiligen Hallen Einzug. Der Schwarze Löwe kannte keine Gnade. Männer, Frauen und Kinder fielen unter den Waffen seiner Soldaten, Häuser brannten, Götterstatuen stürzten. Er würde sie alle auslöschen, ihr ganzes Volk.

Deomene strich sich mit der graubraunen Hand über die Knochenwülste, die ihre Augen einrahmten, und versuchte, die furchtbaren Gedanken aus ihrem Kopf zu verdrängen. Es half nichts, mit einem Schicksal zu hadern, das so unvermeidlich war wie der Lauf der Sonne und des Mondes. Weder sie noch Radirha oder Enari würden ihr Volk retten können. Sie hätten es selbst dann nicht vermocht, wenn sie große Kriegerinnen gewesen wären und nicht bloß die Wächterinnen der Ewigen Flamme von Ariocrast, dem Gottdrachen des Wissens und der Heilung.

Deomene, obwohl schon lange eine alte Frau mit ergrautem Haar und hageren Gliedern, war keineswegs schwach oder wehrlos. Genau wie ihre Gefährtinnen war sie eine Berührte Dyrracherin. Ariocrast war mit und in ihr. Hätte sie den Kampf gesucht, wäre mehr als ein Feind von ihrem Zorn überrascht worden. Aber Radirha, Enari und sie hatten etwas Wichtigeres zu tun, als ihre Leiber den Speeren und Kurzschwertern entgegenzuwerfen. An einen Sieg gegen die Eroberer war nicht mehr zu denken. Doch wenn ihr Plan Erfolg hatte, war ihnen zumindest ihre Rache und damit ein Hauch von Genugtuung sicher.

Irgendwo in den Tiefen des Tempels war ein Poltern und Bersten zu hören, als sei eine der großen Statuen im Hauptzeremonienraum von ihrem Sockel gestoßen worden. Vielleicht hatte auch einer dieser elenden Quano-Theurgen, dieser Unheilsmagier, die ihrem Volk jede Kraft raubten, die Statue mit einer gewaltsamen Emanation zerschmettert.

»Macht weiter!«, befahl Deomene. »Rasch.«

Die drei Priesterinnen knieten im hinteren Bereich des Sanktuariums, eines fensterlosen, mit seinen nackten Steinwänden und der gewölbten Decke an eine Höhle erinnernden Raums tief im Inneren der Tempelanlage. An der Rückwand direkt neben ihnen erhob sich auf einem steinernen Podest ein weiteres, mächtiges Abbild von Ariocrast. Der vollkommen aus Gold gegossene Gottdrache saß auf den Hinterbeinen und hatte die gewaltigen Schwingen weit gespreizt. Die schuppigen Vorderglieder hielt er halb ausgestreckt, und in seinen zu einer Schale gewölbten Pranken brannte die Ewige Flamme, ein Sinnbild für die Erleuchtung, die er seinen Anhängern versprach. Es lagen kein Holz und keine Kohle in Ariocrasts Klauen. Das Feuer schien einfach so in der Luft zu entstehen, vom göttlichen Geist genährt.

Deomene wusste, dass dies eine Täuschung war. Unter der Kammer lag eine Felsspalte, durch die Gase aus den Tiefen der Erde aufstiegen. Dank des Geschicks der Architekten dieses Tempels strömten sie durch Leitungen im Boden in den Leib der Drachenstatue, um an den Pranken schließlich auszutreten.

Für gewöhnlich verspürte sie ein Gefühl tiefsten Friedens, wenn sie vor der Statue kniete und dem endlosen Flackern der Flamme zusah. Heute jedoch hatte sie keinen Blick dafür. Begleitet vom rituellen Gemurmel der jungen Akolythin Enari und unter Mithilfe ihrer Gefährtin Radirha, welche die Flüssigkeit in der flachen Schale umrührte, die zwischen ihnen auf einem kupfernen Dreibein ruhte, wirkte Deomene ihren Zauber.

Es war ein uraltes Ritual, dem große Schöpfungskraft innewohnte. Doch so heilig der Akt für die drei Priesterinnen aus dem Volk der Dyrracher sein mochte, er barg auch die Saat für den grauenvollen Fluch, mit dem Deomene ihren Peiniger zu belegen gedachte. Wenn die Gottdrachen mir hold sind und ich ihn zu Gesicht bekomme, dachte sie.

Sie war die Hohepriesterin, die Älteste im Tempel des Ariocrast und eine der angesehensten Frauen ihres Volkes. Der Schwarze Löwe würde es sich nicht nehmen lassen, sie persönlich in Ketten zu legen. Doch natürlich bestand die Möglichkeit, dass ein übereifriger Hauptmann oder ein hasserfüllter Theurg sie zuerst entdeckte und umbrachte. Lassen wir es einfach nicht dazu kommen, sagte sie sich. »Unser Schicksal liegt unter Ariocrasts Schwingen«, fügte sie leise hinzu und sprach damit eine der tiefen Wahrheiten ihres Glaubens aus.

Radirha und Enari blieben ihr die gebräuchliche Erwiderung schuldig. Die beiden Frauen warfen Deomene nur kurze Blicke zu, in denen sich der verzweifelte Wunsch widerspiegelte, es möge ein gutes Schicksal sein. Eins, in dem die blutbesudelten Klingen ihrer Feinde keine Rolle spielten. Dann fuhren sie mit ihren Beschwörungen fort, die dem Zweck dienten, den Funken Ariocrasts in dem Gebräu zu binden, das zwischen ihnen kalt dampfte.

Draußen in den Gängen wurden das Waffengeklirr und die Schreie der Kämpfenden lauter. Ob man das Geschehen tatsächlich einen Kampf nennen konnte, war zweifelhaft. Viel wahrscheinlicher handelte es sich um ein Massaker, das die eindringenden Soldaten an den Gläubigen anrichteten.

Deomene spürte, wie der schwelende Zorn in ihren Eingeweiden stärker wurde, heißer. Am liebsten wäre sie aufgesprungen, hätte die Macht ihres Gottes in ihren faltigen, greisen Körper gerufen und diese Mörder für ihre Gräueltaten bezahlen lassen.

Das Gemurmel von Enari wurde hastiger und Radirha rührte etwas schneller, während Deomene die Ingredienzien, die sie zuvor aus geheimen Kellern des Tempels geholt hatten, nacheinander in genau bemessener Menge in die Schale gab. Ein dumpfes, rotorangefarbenes Glühen wurde sichtbar, wie das Licht eines sehr alten Feuers aus dem Schoß der Erde.

»Es dauert zu lange«, murmelte Deomenes alte Freundin. »Wir haben zu spät begonnen.«

»Nein«, widersprach Deomene. »Sag so etwas nicht.«

Ein krachender Donnerschlag, der durch die Gänge hallte, ließ alle drei zusammenzucken. Krieger brüllten triumphierend. Ein Mann schrie über den Jubel hinweg, in der Sprache Cordurs. Deomene verstand nur wenig von dem, was er sagte, doch ein Satz erklang laut und deutlich: »Findet die Priesterinnen!«

»Wir schaffen es nicht rechtzeitig«, flüsterte Radirha verzweifelt.

»Wir müssen«, erwiderte Deomene. »Wir müssen.«

Enari raffte ihr bodenlanges, weißes Akolythengewand und stand auf. In ihren Augen loderte ein Feuer, das Deomene nur zu gut nachempfinden konnte. »Macht ohne mich weiter«, sagte sie. »Das Ritual ist weit fortgeschritten; ihr braucht mich nicht mehr. Ich werde gehen und sie aufhalten.«

Vor Schreck hörte Radirha auf zu rühren, was gegenwärtig glücklicherweise folgenlos für das Ritual blieb, und ihre Augen weiteten sich im Schatten der Knochenwülste. »Das ist dein Tod, Enari.« Die alte Frau hob eine Hand, als wolle sie die junge aufhalten.

Enari ergriff die dargebotene Rechte ihrer Mentorin und drückte sie kurz. »Unser aller Tod liegt nicht mehr fern, fürchte ich. Ich möchte kämpfend sterben und nicht wie ein Opfertier auf dem Altar wehrlos erschlagen werden.«

»Dann geh«, sagte Deomene mit zustimmendem Nicken. »Reiß ein paar dieser Schlächter mit dir in den Tod.«

Ein unheilvolles Lächeln umspielte die schmalen Lippen der jungen Frau. Zum Abschied legte sie die Hand kurz auf die knochig gefurchte Stirn, bevor sie herumwirbelte und barfuß und mit wehendem schwarzem Haar davoneilte.

Radirha und Deomene wechselten einen besorgten Blick, bevor sie erneut anfingen, die Beschwörungsworte zu intonieren und die verbliebenen Zutaten in das Gebräu zu geben. »Das Blut«, sagte Radirha leise. Sie hob den schlanken, fein verzierten Zeremoniendolch auf, der neben ihr auf dem Steinboden lag, und hielt ihn Deomene mit dem Griff voran hin.

Andächtig nahm die Hohepriesterin ihn entgegen. Ihr Blick glitt über die mit alten Schriftzeichen bedeckte Klinge, die im Schein der Ewigen Flamme rotgolden schimmerte. »Möge der kochende Lebenssaft des Gottdrachen, der durch meine Adern rauscht, unseren Feind verderben und seinen Sieg schal werden lassen«, sprach sie, zog den Ärmel ihres weiten Gewandes zurück und setzte den Dolch an ihren linken Unterarm. Sie wappnete sich gegen den Schmerz und stach die Klinge ins zähe Fleisch. Dunkles Blut trat aus der Schnittwunde und rasch hielt sie den Arm über die dampfende Schale, damit es sich mit dem Gebräu vermischte.

»Es soll geschehen, wie es geschehen soll«, intonierte Radirha und begann die Abschlussworte des Rituals zu sprechen.

Ein ohrenbetäubendes Brüllen erfüllte das Innere des Tempels, begleitet von einem Stampfen und Donnern, als bewege sich ein gewaltiges Untier durch die heiligen Hallen des Ariocrast. Deomene presste die Lippen zusammen und ihr dünner Arm, aus dem noch immer das Blut tropfte, zitterte.

Ein Fauchen war zu vernehmen, dann wurde das Gemäuer erschüttert, als schlage einer der zornigen Kriegsgötter ihrer Feinde mit einem gewaltigen Hammer auf die Grundfesten des Tempels ein. Steinstaub rieselte von der Decke und Radirha hielt instinktiv das Dreibein fest, auf dem die Schale stand. Wenn das Gebräu verschüttet wurde, waren all ihre Bemühungen umsonst.

Der schmerzerfüllte, lang gezogene Schrei einer Frau wehte zu ihnen herüber, bevor er unvermittelt abbrach. Und Enaris Opfer wäre auch umsonst gewesen, dachte Deomene düster. Das würde sie nicht zulassen!

Das Geräusch selbstbewusst marschierender Soldaten näherte sich vom Gang vor dem Sanktuarium. Der letzte Widerstand der Tempelbewohner war dahin und der Feind hatte sie beinahe erreicht.

Radirha nahm die letzten zwei kleinen Fläschchen auf, die sie aus den Kellern mitgebracht hatten. Unter eiligem Gemurmel schüttete sie den Inhalt in die Schale. Das dumpfe Glühen verstärkte sich, und ein Geräusch wie das Zischen einer wütenden Schlange war zu hören.

Die andere Priesterin nickte Deomene zu, woraufhin diese tief Luft holte, beide Hände hob und in die unheilvoll leuchtende Flüssigkeit tauchte. Sie zuckte zusammen und ein leises Stöhnen kam über ihre Lippen, denn obwohl das Gebräu eiskalt war, brannte es auf ihrer Haut, als bade sie ihre Rechte und Linke in flüssiger Lava. Doch Deomene ertrug den Schmerz und wartete, bis sie sicher sein konnte, dass die Flüssigkeit ihre Haut benetzt hatte.

Der Vorhang, der das Sanktuarium vom Gang trennte, wurde beiseite gerissen. Rasch zog Deomene die Hände aus der Schale und Radirha kippte diese um, damit keiner der Neuankömmlinge erkannte, was genau sie getan hatten. Zischend bildete die Flüssigkeit eine breiter werdende Pfütze auf dem Steinboden und tränkte den Saum ihrer schlichten Gewänder, als sich die beiden Frauen erhoben.

»Wer wagt es, diese heilige Stätte zu betreten?«, verlangte Deomene mit aller ihr zu Gebote stehenden Autorität zu wissen. Sie mochte eine alte Frau sein und nicht groß von Statur, aber sie war noch immer die Hohepriesterin eines Gottdrachen.

In Bronze und Leder gekleidete Soldaten strömten in den Raum, mindestens ein halbes Dutzend. Sie trugen spitze Helme mit Nacken- und Wangenschutz, und von ihren Kurzschwertern und den metallenen Rundschilden troff Blut. Den Verzierungen an ihren Rüstungen zufolge musste es sich um die Leibgarde des Heerführers selbst handeln. Stilisierte schwarze Löwenschädel prangten auf Brustplatten und Schildbuckeln. Reihen fremdartiger Symbole, die in goldener Farbe auf ihre Klingen und Schilde gemalt worden waren sowie ihnen in Schärpen eingestickt quer über die Brust hingen, deuteten außerdem darauf hin, dass die Männer von Quano-Theurgen unheilige Segnungen erfahren hatten.

Diese Befürchtung der Hohepriesterin bestätigte sich sogleich, als die nächsten ungebetenen Gäste auftauchten, drei hagere Gestalten in braunen Roben, deren graue Gesichter im Schatten der Kapuzen verschwunden wären, wenn ihre in kühler Ruhe erhobenen Hände nicht von einer gleißenden Aura gelbweißen Lichts umgeben gewesen wären. Es sah aus, als hielten sie winzige Sonnen zwischen den Fingern.

Deomene spürte, wie Wellen unsichtbarer Energien in den kleinen Raum schwappten und über sie hinwegspülten. Wie Wasser, das in eine Glut gegossen wird, löschten sie die Hitze in ihren Adern und raubten ihr jede Kraft. Diese Männer besaßen wahrlich Macht, wenn es ihnen gelang, Deomenes eigene Gaben so vollständig zu unterdrücken. »Dämonen«, spie sie den drei Theurgen entgegen. »Ariocrast soll Euch mit seinen Krallen zerfetzen.«

»Er hat es versucht«, antwortete ihr der Mann, der zuletzt eintrat. »Mehrfach sogar. Doch selbst ein Gottdrache vermag die Armee des Schwarzen Löwen nicht zu bezwingen.«

»König Agathon …« Deomene ballte die Fäuste und trat einen Schritt auf ihn zu. »Euer Gestank wehte Euch voraus.«

»Hütet Eure Zunge, Priesterin oder ich lasse sie Euch abschneiden«, warnte Agathon sie, und seine Miene verfinsterte sich. Der König des Cordurischen Reichs war noch vergleichsweise jung an Jahren, aber ein kräftiger Mann, und die schwere Kriegsrüstung, die er trug, ließ ihn, gemeinsam mit dem Fell eines schwarzen Löwen, das ihm als Trophäe über die Schulter hing, noch eindrucksvoller erscheinen. Auch an seinem mit Gold verzierten Schwert klebte frisches Blut, das bewies, dass dieser Mann seine Truppen nicht von einem fernen Feldherrenhügel befehligte, sondern sich an ihrer Spitze in die Schlacht stürzte.

»Legt Hand an die Hohepriesterin, und ich reiße euch in Stücke«, mischte sich Radirha ein, ein Satz, der unter gewöhnlichen Umständen aus dem Mund einer alten, fragilen Frau für Gelächter gesorgt hätte. Doch keiner der Eindringlinge lachte. Sie alle wussten, dass der Schein trog – und dass nur die Kräfte der Quano-Theurgen sie vor einem raschen, hässlichen Tod bewahrten.

Agathon warf Deomenes Gefährtin einen kurzen Blick zu und ein Lächeln trat auf seine Lippen, denn auch er wusste natürlich, wie leer diese Drohung war, solange die drei Roben tragenden Männer mit ihren gleißenden Händen einen schützenden Halbkreis hinter ihm bildeten. »Ihr kläfft wie ein in die Enge getriebener Straßenköter. Aber genug der Höflichkeiten.« Ohne Eile wischte er seine Waffe am schwarzen Gewand ab und schob sie hinter seinen Rundschild, bevor er sich wieder Deomene zuwandte. »Beenden wir diese unwürdige Szene«, befahl er ebenso ruhig wie bestimmt. »Ich lasse Euch die Wahl: Ihr könnt hier unter den Augen Eures machtlosen Gottes sterben. Oder Ihr unterwerft Euch mir und folgt mir als Kriegsgefangene nach Aidranon …«

»Niemals«, zischte Deomene und sprang unvermittelt nach vorne. »Niemals!«, wiederholte sie, diesmal aus vollem Halse schreiend, während sie den Schild Agathons zur Seite zerrte. »Ihr Ungeheuer!« Oh, wie sie es sich wünschte, von ihrer alten Kraft erfüllt zu sein. Sie hätte den muskulösen Arm dieses selbstgerechten Schlächters wie einen trockenen Zweig zerbrochen.

Stattdessen ließ sie blitzschnell ihre rechte Hand vorschnellen und riss Agathon mit den vergifteten Fingernägeln blutige Furchen in die linke Wange. Dabei traf es sie fast wie ein Schlag, als ihr auch noch die letzte Stärke aus dem alten Leib gesaugt wurde. Der König verfügte offenbar über eine persönliche Schutzaura, eine Rückversicherung, falls seine Theurgen dem Feind zum Opfer fallen sollten.

Mit einem überraschten Aufschrei zuckte Agathon zurück. Doch er fasste sich sofort wieder, schüttelte Deomene ab, holte aus und schleuderte sie mit einem machtvollen Hieb seines Schildes zu Boden.

Radirha nahm den Angriff ihrer Anführerin zum Anlass, ebenfalls auf den König loszuspringen, doch sie hatte die kurze Strecke kaum halb überwunden, als drei gleißende Energieschläge in rascher Folge auf ihren Körper einhämmerten. Schreiend vor Schmerzen brach sie zusammen. Den Theurgen allerdings schien das nicht zu genügen. Sie rückten zwei Schritte vor und setzten ihre magischen Angriffe fort. Die Emanationen aus ihren Händen hagelten auf Deomene und Radirha ein wie die Tritte einer brutalen Straßenbande auf ein wehrlos im Staub liegendes Opfer. Der einzige Unterschied lag darin, dass sie nicht vor Vergnügen johlten, sondern mit grauenvoller Bedachtsamkeit zu Werke gingen.

Wieder und wieder trafen die Energieschläge Deomene, die ihnen nichts entgegenzusetzen hatte. Die Sinne schwanden ihr, bis sie nichts mehr wahrnahm als das helle Knistern der Entladungen, bunte Flecken vor den Augen und Schmerzen, grauenvolle Schmerzen überall im Körper.

»Das genügt!«, rief eine Stimme, die von weit her zu kommen schien.

Die Marter endete so plötzlich, wie sie begonnen hatte.

»Auf die Knie mit ihnen«, befahl Agathon und die ihn begleitenden Gardisten beeilten sich, der Weisung Folge zu leisten. Jeweils zwei packten Deomene und Radirha an den Oberarmen, zogen sie grob in die Höhe und hielten sie fest. Verzweifelt sammelte Deomene den letzten Rest ihres Zorns und hob den Kopf, um ihren Bezwinger furchtlos anzufunkeln.

»Also schön«, knurrte der König, als er langsam sein Schwert zog und sich den Schild von einem der Soldaten abnehmen ließ. Frisches Blut rann ihm über die Wange und den Hals hinunter. Er hielt den Kopf ein wenig gesenkt, und auf seinen Zügen lag die Mordlust eines hungrigen Raubtiers. Beinahe glich er wirklich dem legendären Schwarzen Löwen, den er im Kampf besiegt hatte und dessen Namen er trug. »Ihr habt den Tod gewählt. Der Tod soll Euch ereilen.«

»Ihr seid ein Ungeheuer«, wiederholte Deomene mit letzter Kraft, »und ich verfluche Euch. Das Ende meines Volkes soll auch das Ende Eures Geschlechts sein. Eure Nachkommen sollen Zeugnisse Eurer Grausamkeit sein. Sie sollen Monster sein, so wie Ihr.«

»Es reicht!«, donnerte Agathon. »Ihr habt mich lange genug beleidigt, Weib!« Er drehte sich zu seinen Theurgen um. »Bindet Sie!«

Die grauhäutigen Quano gehorchten, indem sie ihre Hände einmal mehr auf Radirha und Deomene richteten. Dünne Lichtfäden peitschten den beiden Priesterinnen aus ihren Fingern entgegen und fesselten sie stärker, als es jedes gewöhnliche Seil vermocht hätte. Deomene stöhnte erneut auf, und ihr Körper sackte im Griff der Soldaten zusammen.

Das Schwert in der Rechten schon zum Schlag bereit, trat Agathon vor, packte Radirha unwirsch an den Haaren und richtete ihren Blick auf Deomene. »Verabschiedet Euch voneinander, denn jetzt ist Eure letzte Gelegenheit dazu.«

Die Blicke der beiden Frauen kreuzten sich. Deomene verspürte, wie eine tiefe Ruhe sie überkam. Das Ende war von Anfang an unvermeidlich gewesen. Sie hoffte bloß, dass ihre Mühen nicht umsonst gewesen waren. »Leb wohl, teure Freundin«, sagte sie leise. »Wir sehen uns unter Ariocrasts Schwingen wieder.«

Radirha nickte bloß. Tränen standen ihr in den Augen.

Die Hohepriesterin sah ihren Bezwinger an und nickte stumm.

Agathon zwang den Kopf ihrer Gefährtin nach unten. Wäre er ein normaler Mann mit einem gewöhnlichen Schwert gewesen, hätte Deomene sein Vorgehen für grausam gehalten, denn den dicken, mit Knochenwülsten bedeckten Nacken eines Dyrrachers zu durchschlagen war alles andere als leicht und erforderte sicherlich mehrere Hiebe.

Doch der König von Cordur besaß nicht nur die Kraft und das Geschick des erfahrenen Kriegers, sondern auch die übernatürliche Stärke der Quano-Zauberei.

Sein kräftiger Schwertarm schlug einmal zu. Radirhas Kopf ließ er achtlos zu Boden fallen. Dann kam Agathon wortlos zu ihr herüber, packte ihr Haar und schlug ein zweites Mal zu.

Es wurde Nacht um Deomene.

2

DER FLUCH DER DRACHENHEXE

4. Tag des 4. Mondes

im 284. Jahr der cordurischen Könige

Ein Reisender, der sich mit dem Schiff über die Auriolische See der Königsstadt Aidranon näherte, mochte ihre Größe und Pracht zunächst unterschätzen. Ihr am Fuße einer mächtigen Klippe liegender Seehafen, der durch eine Bucht vor den Gezeiten geschützt wurde, war durchaus eindrucksvoll. Atemberaubend war er jedoch nicht, was vor allem daran lag, dass sich die Herrscher Cordurs seit jeher mit ihren Heeren und Handelszügen bevorzugt über Land bewegten und die Meere dem mächtigen Rivalen Carthaos überließen. Zahlreiche Ruder- und Segelschiffe lagen an den gemauerten Kais, die dazu dienten, vor der Küste zu patrouillieren oder mit den nahen Inseln Handel zu treiben.

Zweifellos fielen dem Reisenden auch der Leuchtturm oben am Rand der Klippe und die trutzige Seefestung auf, die den Hafen vor Angreifern schützte. Doch auch diese beiden Bauwerke waren nicht dazu angetan, die Augen des Neuankömmlings vor Erstaunen groß werden zu lassen, und für die eher schäbigen Wohnhäuser und holzgezimmerten Hütten, die sich entlang gewundener Straßen die steile Küste hinaufzogen, galt das schon gar nicht.

Das wahre Gesicht Aidranons offenbarte sich einem erst, wenn man durch das Seetor trat, welches, als Teil der schützenden Stadtmauer am oberen Rand der Klippe gelegen, das Hafenviertel vom Hauptteil der Stadt trennte. Denn von dort übersah der Reisende plötzlich ein Meer von Gebäuden, das sich in einem weiten Halbkreis beinahe drei Meilen weit in jede Richtung über das küstennahe Hügelland erstreckte. Rotbraune Ziegeldächer drei- oder sogar viergeschossiger Wohnhäuser glänzten in der hellen Nachmittagssonne. Auf breiten, gepflasterten Straßen tummelten sich freie Bürger, Kaufleute, Soldaten und Sklaven. In kleinen Parks wuchsen Schatten spendende Planata-Bäume, und Springbrunnen sprudelten zur Erfrischung. Über alldem aber ragten die prächtigen Sechsgöttertempel, die Große Bibliothek, das Ratsgebäude und die Akademie auf. Das imposanteste Bauwerk jedoch war der mächtige, auf dem nächsten Hügel errichtete Königspalast.

Von dort aus hatte man den besten Blick über die Stadt. Bei klarem Wetter konnte König Iurias Agathon, wenn er auf der obersten Aussichtsplattform des himmelwärts strebenden Verdamon-Turms stand und über Land und Meer schaute, sogar die ersten Inseln ausmachen, die dreißig Meilen vor der Küste aufgereiht waren wie ungeschliffene Edelsteine auf einer Schnur.

Heute musste er sich mit der etwas weniger spektakulären Aussicht zufriedengeben, die sich ihm aus dem breiten, von Steinsäulen gesäumten Fenster bot, das von seinem Strategiezimmer aus nach Süden wies. Es kümmerte ihn nicht, denn genau genommen achtete er kaum auf die zu seinen Füßen liegende Stadt. Sein Blick wanderte von dem goldenen Kuppeldach des aus weißem Marmor erbauten Trahjana-Tempels über das Große Forum hinüber zur ziegelgedeckten Markthalle, die als Hauptanlaufplatz für die Händler Aidranons galt. Doch sosehr ihm diese Momente der stillen Betrachtung für gewöhnlich dabei halfen, zur Ruhe zu kommen: Heute gelang es Iurias nicht, seine Sorgen zu bezwingen.

Hinter ihm wurden Schritte laut, und als der König sich umdrehte, betraten seine obersten Heerführer und Berater den Raum. Iurias nickte den sechs Männern zu, von denen zwei die Gewänder von Großbürgern und Senatoren trugen, drei militärische Kleidung und einer – ein grauhäutiger Quano – die Robe eines Theurgen. Die sechs bildeten den Kleinen Rat, eine Gruppe wechselnder Würdenträger, denen Iurias sein Ohr lieh, auf dass sie ihm beim Regieren des unablässig wachsenden Cordurischen Reichs mit Rat und Tat zur Seite standen.

»Ich grüße Euch, mein König«, sagte der älteste der drei Militärführer, ein Mann mit wettergegerbtem Gesicht und schütterem, eisengrauen Haar, in dessen Blick zugleich die Härte eines langen Lebens als Soldat und die tiefe Hingabe zu seinem Herrscher zu erkennen war.

»Legar Rameos«, erwiderte Iurias. »Es tut gut, Euch zu sehen.« Er hob die Arme in einer alle einschließenden Geste. »Und Euch auch, edle Freunde. Kommt. Setzt Euch. Lasst Euch von den Dienerinnen Wein einschenken.«

Im Grunde gab es, vielleicht von Rameos, seinem ehemaligen Lehrmeister und väterlichen Freund, abgesehen, keinen in diesem Rund, dem er sein Leben anvertraut hätte. Mindestens zwei der Anwesenden hätte der König aus eigenem Betreiben wahrscheinlich nicht einmal in den Kleinen Rat berufen. Ihm selbst stand lediglich zu, die Hälfte der jeweils fünf Jahre dienenden Kandidaten auszuwählen. Die andere Hälfte bestimmte der mächtige Große Rat der Stadt, der damit seine Interessen gewahrt sehen wollte. Doch auch wenn Agathon einige dieser Männer nur der Form halber als Freunde bezeichnete, lag ihnen allen Cordurs Macht und der innere Friede am Herzen. Das einte sie genug, um eine leidlich gute Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Während sich die Gruppe auf den breiten Sitzgelegenheiten im linken Teil des Raums niederließ, huschten in fließende Gewänder gekleidete junge Frauen durch den Raum, um die Pokale der Männer mit dem tiefroten Wein aus dem Süden Cordurs zu füllen. Die bronzefarbene Haut und das lange, glatte, tiefschwarze Haar verrieten, dass sie aus dem fernen Xol stammten. Iurias hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, bei wichtigen Besprechungen nur die Anwesenheit von Sklaven zuzulassen, die des Cordurischen nicht mächtig genug waren, um irgendjemandem seine Pläne zu verraten.

Die Männer hoben die Pokale und tranken auf das Wohl Cordurs. »Nun«, sagte Iurias, »berichtet mir, wie es um das Reich bestellt ist. Aber belastet mich nicht mit Unbedeutendem. Ihr wisst sicher alle, dass mein Geist heute mit anderen Sorgen beschäftigt ist.«

Verständnisvolles Nicken antwortete ihm.

Der Militär, der neben Rameos Platz genommen hatte, ein kaum weniger verdienter Mann namens Sereno, räusperte sich. »Mein König, die Piratenplage im Ydrischen Meer bereitet uns nach wie vor Kopfzerbrechen. Von den Küsten konnten wir sie vertreiben, aber es muss Unterschlupfe auf hoher See geben, Inseln, die wir bislang noch nicht finden konnten und von wo aus sie zuschlagen, um unsere Handelstransporte zwischen Dyrrach, Quanish und Cordur zu überfallen.«

Iurias runzelte die Stirn. »Ist es denn immer noch nicht gelungen, einige dieser Seeteufel gefangen zu nehmen und einer gründlichen Befragung zu unterziehen, Legar?«

»Doch, durchaus«, bestätigte Sereno nickend. »Leider versteht der gewöhnliche Halsabschneider wenig von Navigation, und die Kapitäne und Steuermänner konnten sich uns stets entziehen, entweder indem sie sich ins Meer oder kämpfend in eine unserer Klingen stürzten.«

»Sosehr ich zu schätzen weiß, dass diese Männer ihre Heimat mit ihrem Leben zu schützen bereit sind, so wenig können wir diese Plage noch länger dulden. Wie soll Cordur wachsen und gedeihen, wenn unsere Goldschiffe aus Dyrrach immer wieder ausgeraubt werden?« Unwillig nahm Iurias einen Schluck Wein zu sich und dachte nach. »Wenn Eure Truppen nicht imstande sind, eines Piratenkapitäns habhaft zu werden, sollten sie vielleicht das Meer Meile für Meile nach den Verstecken dieser Verbrecher absuchen.«

Serenos Augen weiteten sich. »Das Ydrische Meer ist gewaltig, mein König. Dazu brauche ich mehr Schiffe.«

Fragend hob Iurias die Augenbrauen und wandte sich dem Quano-Theurgen zu. »Botschafter Arastoth, ich weiß, dass die Quano keine eigene Seefahrt betreiben, aber könnte die Zauberkunst Eures Volkes nicht helfen?«

Der grauhäutige, haarlose Mann schüttelte den Kopf. »Ich bedaure, König Agathon. Wir betreiben keine Ritualmagie wie etwa diese barbarischen Druiden der Borden. Unsere Magie wirkt auf eine unmittelbarere Art und Weise.«

Iurias vermochte bis heute die Mimik der Quano nicht recht zu deuten, doch ihm war, als hielte sich Arastoths Bedauern, nicht zu Diensten sein zu können, in Grenzen. Ich glaube, es wird Zeit, in Quanish unsere Truppen zu verstärken, damit diese Grauschädel sich etwas mehr anstrengen, ihren Teil zu diesem Bündnis beizutragen, dachte er.

»Auch die Quano gewinnen, wenn der Seehandel mit Cordur sicherer wird«, bemerkte der neben ihm sitzende Großbürger und Senator Grekeas aus dem Haus Verga, ein hagerer Mann, dessen scharfe Züge ihm das Aussehen eines Raubvogels verliehen.

»Daran zweifle ich nicht, aber wir vermögen die uns verliehene Gabe nicht zu ändern«, erwiderte Arastoth.

Der König beugte sich auf seinem Stuhl nach vorne. »Legar Sereno, wie viele Schiffe braucht Ihr?«, wollte er wissen.

»Mindestens zwanzig.«

»Könnten wir diese aus der Auriolischen See abziehen?«

»Nicht ohne unsere Macht dort gegenüber Carthaos merklich zu schwächen. Und das sollten wir nicht wagen. Ihr wisst, dass unsere Feinde sofort beginnen würden, weitere Inseln zu besetzen.«

Iurias nahm einen weiteren Schluck Wein. Ihm kam ein Gedanke. »Grekeas, können wir es uns leisten, kurzfristig zwanzig neue Schiffe in Auftrag zu geben?«

»Dank des erfolgreichen Kriegszuges in Dyrrach ist die Staatskasse gut gefüllt, mein König«, gab der Rat zurück. »Aber zieht Ihr wirklich in Erwägung, bloß für die Bekämpfung der Piratenplage so hohe Kosten auf Euch zu nehmen?« Er wirkte nicht sehr angetan von der Vorstellung.

»Mitnichten«, sagte der König. »Wir werden uns zweier Ärgernisse zugleich entledigen. Wir bauen die Schiffe, finden diese verdammten Piraten, räuchern sie aus, verlegen die komplette Flotte in die Auriolische See und treiben dort die Carthaoten aufs Festland zurück.«

»Wenn wir in Aidranon so viele Schiffe bauen, wird Carthaos das mitbekommen«, gab Rameos zu bedenken. »Ihre Spione sind überall.« Er richtete einen beinahe vorwurfsvollen Blick auf den dritten Militär im Raum, dessen schwarz-silbernes Gewand sich von den anderen beiden unterschied und ihn als Angehörigen der Königsgarde auswies.

»Würde mir freie Hand gelassen, gäbe es diese Spione nicht mehr lange«, knurrte der vierschrötige Offizier.

»Würde Ihnen freie Hand gelassen, Legar Galban, wäre Aidranon nicht mehr das strahlende Juwel Cordurs, sondern ein Gefängnis«, entgegnete der zweite Großbürger und Vertreter des Großen Rats, Lahrian aus dem Haus Kamenor. Von allen Anwesenden war er derjenige, den Iurias am wenigsten leiden konnte. Der gut aussehende und für sein Einfühlungsvermögen gerühmte Mann war ein brillanter Redner – leider ging es in seinen Reden ständig darum, den Einfluss des Volkes auf die cordurische Politik zu stärken und die Macht des Königs zu beschneiden. Irgendwann überspannst du den Bogen, dachte Iurias. Dann muss ich dich loswerden. Und er würde sich auch nicht davon abhalten lassen, dass Lahrian vor zehn Jahren mit dem Segen von Iurias’ Vater Heroas Agathon seine jüngste Schwester Inrikeis geheiratet hatte.

Laut sagte er: »Wir bauen die Schiffe an der Ostküste, in einer der Städte am Ydrischen Meer, in Brendesi oder Thessara. Das dürfte weit genug entfernt sein, um unsere Bemühungen vor den Augen des Feindes zu verbergen. Vor allem, wenn wir ihre Aufmerksamkeit auf ein anderes Ziel lenken, etwa indem wir von Atlesia aus einen kleinen Vorstoß über die Meerenge von Thanus wagen.« Er nickte Rameos zu. »Leitet das in die Wege, Legar Rameos, indem Ihr einen Boten zu unseren Besatzungstruppen dort schickt.«

»Sofort, mein König.«

»Sehr gut. Was habt Ihr noch für mich?«

Lahrian richtete sich ein wenig auf seinem Stuhl auf. »Gestattet mir, Euch darüber in Kenntnis zu setzen, was auf der letzten Sitzung des Großen Rats besprochen wurde.«

»Natürlich«, sagte Iurias, auch wenn er sich innerlich wand. Nichts interessierte ihn weniger als die ewigen Streitereien der Senatoren. Wäre das Bestehen des Rats nicht eine seit Jahrhunderten bestehende Tradition, die eine Art Gegengewicht zur Macht des Königs darstellte und dessen Auflösung daher für größte Unruhe in der Oberschicht Cordurs gesorgt hätte, wäre Iurias nichts lieber gewesen, als sich dieser zusätzlichen Bürde zu entledigen.

Der Senator setzte gerade zu seinem Bericht an, als unvermittelt ein Mann in einer Rüstung hereinstürzte, auf deren Brustplatte der schwarze Löwenkopf prangte. »Mein König«, rief er atemlos.

»Daimur«, sprach Iurias einen seiner treusten Leibwächter an, während er gleichzeitig auf die Beine kam. »Ist es geschehen?«

»Ja, Herr«, bestätigte der Angesprochene nickend.

»Und ist es ein Junge oder ein Mädchen?«, wollte Iurias aufgeregt wissen. Auch die übrigen Anwesenden erhoben sich nun von ihren Plätzen und sahen den Boten der frohen Kunde erwartungsvoll an.

»Ein … ein Junge, mein König«, erwiderte Daimur, doch er wirkte keineswegs so glücklich, wie er anlässlich der Nachricht, dass dem Herrscher von Cordur soeben ein Erbe geschenkt worden war, eigentlich hätte sein sollen.

Mit zwei raschen Schritten war Iurias bei ihm. Er wünschte sich, befreit lachen und nach mehr Wein rufen zu können, um diesen besonderen Augenblick gebührend zu feiern. Stattdessen krallte sich die Angst in seine Eingeweide. »Was ist los, Daimur? Warum schaust du mich so seltsam an? Stimmt etwas nicht mit meinem Sohn?«

Der Soldat schluckte merklich. »Herr, ich … Kommt bitte mit mir und seht selbst.«

Iurias drehte sich zu seinen Gästen um. Es sah besorgte und betroffene Gesichter, wenngleich dieser Ausdruck von Mitgefühl, da war sich der König sicher, zumindest im Fall von Grekeas und Arastoth nur eine Maske war. »Verzeiht, aber alles Weitere muss warten«, verkündete er. »Wir treffen uns morgen erneut zur fünften Nachmittagsstunde. Leitet den Schiffsbau in die Wege, Grekeas. Und findet mir diese verfluchten Piraten, Sereno.«

Er wartete die Bestätigung von Rameos und den anderen nicht ab, sondern stürmte aus dem Raum. Daimur beeilte sich, ihm nachzufolgen.

Schnellen Schrittes durchquerte Iurias die Gänge seines Palasts, um in den Westtrakt zu gelangen, wo sich die Gemächer befanden, in denen die Königin während der letzten Stunden in den Wehen gelegen hatte. Die Diener, denen er begegnete, sprangen aus dem Weg und drückten sich an die Wände. Sie alle wussten, dass der König, wenn er in einem Gemütszustand wie diesem war, nicht lange fackeln und vermeintliche Hindernisse schnell aus dem Weg räumen würde.

Vor der Tür, hinter der sich Cassendrea und sein neu geborener Sohn aufhielten, stand ein weiterer seiner treusten Leibwächter. Schon vor Wochen hatte Iurias sie persönlich ausgewählt und zum Schutz der jungen Mutter abgestellt. Er glaubte zwar nicht, dass jemand im Palast es wagen würde, seine schwangere Frau anzugreifen, aber er wusste, dass er nicht ohne Feinde war, und die Aussicht auf einen Erben mochte manchen seiner Gegner selbst zum Unvorstellbaren verleiten.

»Mein König«, sagte Pheleos, als er in vorauseilendem Gehorsam die Tür aufzog. »Wie gut, dass Ihr kommt.« Aus dem Inneren war das klagende Wimmern einer Frau zu hören.

Im vorderen Bereich der Gemächer saßen zwei Frauen beisammen, eine jung und von unschuldiger Schönheit, die andere älter und mit rundem Gesicht. Es musste sich um die Ammen handeln. Beide wirkten so verunsichert und verängstigt, als hätten sie nicht soeben den Sohn des Königs zur Welt gebracht, sondern einem Dämon aus der Dunkelwelt ins hässliche Antlitz geschaut.

Iurias bedachte sie kaum mit einem Seitenblick, bevor er durch den mit einem Tuch verhängten Durchgang stürzte, der ins Hauptgemach führte.

Im Raum dahinter herrschte trotz der Nachmittagssonne diffuses Halbdunkel. Jemand hatte die schweren Vorhänge vor die Fenster gezogen. In dem großen Bett an der Stirnseite des Raums lag Cassendrea, dahingestreckt wie eine Erschlagene. Arme und Kopf hatte sie in die weißen Laken vergraben. Ihr langes, dunkles Haar war nur lose hochgesteckt, das helle, leichte Geburtsgewand noch nass von der Wassergeburt, die soeben erst in einer großen Wanne stattgefunden hatte.

An ihrer Seite stand Chrysostomus, der Leibmediker des Königs, ein Mann, der sich für gewöhnlich nicht mit Entbindungen abgab, aber an diesem besonderen Tag bereitstand, um mit helfender Hand einzugreifen, wenn bei der Geburt Schwierigkeiten eingetreten wären. Cassendrea allerdings wirkte unverletzt, wenngleich vollkommen aufgelöst. Sie schluchzte so heftig, dass ihr ganzer schlanker Körper bebte.

»Was in Vegares Namen ist hier geschehen?«, verlangte Iurias zu erfahren. Sein Blick zuckte von der Königin zum Mediker und zurück. Hinter sich hörte er jemanden die Tür zum Gang schließen, dann tauchte Daimur im verhängten Durchgang auf und postierte sich an der Wand, ein stummer Wächter und Zeuge des Geschehens.

Der Mediker trat auf Iurias zu. Auf seinem bärtigen, von Falten durchzogenen Gesicht lag Kummer, und an seinen Händen und den weiten Ärmeln seines robenartigen Gewandes klebten Reste von Blut. »Mein König«, sagte er leise. »Es tut mir leid …«

Eine grauenvolle Ahnung verwandelte Iurias’ Magen in einen harten Knoten. »Bei den Sechsgöttern …«, flüsterte er erstickt, während er Chrysostomus an den Oberarmen packte. »Ist er tot? Ist mein Sohn tot zur Welt gekommen, treuer Chrysostomus?«

Der ältere Mann blinzelte und schüttelte den Kopf. »Nein, Herr, das nicht.«

»Was ist es dann? So sprecht doch, oder hat euch das Entsetzen die Zunge gelähmt?«

»Nein, mein König«, erwiderte der Mediker. »Aber warum etwas in schlimme Worte fassen, das Ihr mit eigenen Augen sehen könnt. Kommt her.« Er begab sich zu einer Krippe hinüber, die einige Schritte vom Bett entfernt stand, fast so, als hätte sie jemand beiseite gerückt, weil die Königin ihre Nähe nicht ertrug.

Aus der Krippe drangen leise Laute, wie von einem Säugling. Tot war sein Sohn offensichtlich wirklich nicht. Doch dass er hier am fernen Ende des Raums lag, statt in den Armen seiner Mutter, konnte nichts Gutes verheißen. Langsamen Schrittes näherte sich Iurias ihm.

»Wappnet Euch, mein König«, warnte Chrysostomus ihn. »Ihr müsst jetzt stark sein.« Dann beugte er sich über die Krippe und schlug das Tuch, in das der Säugling gewickelt war, zur Seite.

Iurias musste sich zusammenreißen, um nicht bestürzt aufzukeuchen. Was er dort erblickte, traf ihn wie der Keulenhieb eines bordischen Berserkers, wie ein Blitz von Procyros, dem Gott des Krieges. Seine Lippen wurden zu einem schmalen Strich, und er ballte die Fäuste, während er den Säugling, seinen Sohn, ansah und um Fassung rang.

Die Haut des Kindes war nicht von einem frischen Rosa, sondern hatte eine schmutzigbraune Färbung. Unförmige Wucherungen zogen sich den Nacken und Rücken hinab, bedeckten Teile seines Gesichts, seiner Schultern, Hüften und Oberschenkel. Das Unheimlichste allerdings waren seine Augen, die nicht braun waren, wie die seines Vaters und seiner Mutter, sondern von einem rötlichen Gelb, das an geronnenes Feuer denken ließ.

Eine gefühlte Ewigkeit starrte er auf den neugeborenen Jungen hinab, diese Abscheulichkeit, die aus dem Schoß der Königin gekrochen war. Nun verstand er Cassendreas Verzweiflung, denn auch in ihm erstickte sie jedes andere Gefühl. Mein Sohn, dachte er. Mein Erbe … Oh, ihr Götter, warum straft ihr mich so sehr? Habe ich euch nicht stets treu gedient?

Endlich gelang es ihm, sich von dem Ungeheuer in der Krippe abzuwenden. Er atmete mehrmals tief ein und aus. Sein Körper fühlte sich an wie die gespannte Sehne eines Speergeschützes. Wie sehr wünschte er sich, irgendetwas zu zerschmettern und all sein Entsetzen und seine Trauer hinausschreien zu können. Aber er war ein Soldat. Er würde sich nicht vergessen. Nicht hier und nicht jetzt.

Iurias hob den Blick und sah, dass die Königin ihn aus tränenverschleierten Augen anblickte. »Wir sind verflucht.« Die Worte kamen ihr stockend und unter Schluchzen über die Lippen.

Ihm kam die Prophezeiung der alten Drachenpriesterin in den Sinn, die er vor zwei Jahren auf dem Dyrrach-Feldzug erschlagen hatte. Das Ende meines Volkes soll auch das Ende Eures Geschlechts sein. Eure Nachkommen sollen körperliche Zeugen Eurer Grausamkeit sein. Sie sollen Monster sein, so wie Ihr.

»Nein …«, flüsterte er, und die Narbe auf seiner linken Wange, die er ihren Klauen verdankte, brannte plötzlich. »Nein!« Er funkelte Cassendrea mit einer Wut an, die nicht ihr galt. »Das lasse ich nicht zu! Ich bin der König von Cordur! So eine elende Hexe wird mich nicht bezwingen.«

Er fuhr herum und wandte sich an Daimur, der stumm an der Wand auf Befehle wartete. »Hol mir Orontoghast her.«

»Den Erztheurgen?«, fragte Chrysostomus zweifelnd. Auf seiner Miene zeichnete sich deutliche Missbilligung ab. Iurias wusste, dass der Mediker als Naturkundiger nicht viel von dem Zauberwerk der Quano hielt.

Doch das kümmerte den König im Augenblick wenig. »Wo Eure Heilkunst versagt, kann vielleicht seine Magie etwas bewirken. Oder habt Ihr besseren Rat für mich?«

Der ältere Mann schüttelte bedauernd den Kopf. »Nein, mein König.«

Daimur eilte davon, um den höchsten der Quano-Magier in Aidranon zu suchen. Unterdessen kam Iurias ein weiterer Gedanke. Er musste dafür Sorge tragen, dass dieser Vorfall nicht bekannt wurde. Die Nachricht, dass der König und die Königin von Cordur eine Missgeburt zur Welt gebracht hatten, wäre Öl auf das Feuer machtgieriger Männer wie Grekeas. Unwillkürlich blickte Iurias zu der Krippe hinüber, in der dieses Geschöpf, dieses Kind lag, das nur halb ein Mensch war. Niemand darf es erfahren!, entschied er.

Er zog den Mediker beiseite. »Wer alles hat dieses Kind gesehen?«, fragte er leise.

»Niemand, mein König, außer den Ammen, Euren beiden Leibwächtern, ich selbst und die Königin«, antwortete Chrysostomus. »Mir war sogleich klar, dass die Kunde über dies hier nicht weitergetragen werden dürfe. Daher habe ich auch Pheleos befohlen, vor der Tür Wache zu stehen, um das Hereinkommen neugieriger Diener oder Hofdamen zu verhindern.«

»Sehr gut.« Iurias legte dem älteren Mann die Hand auf die Schulter. »Ich gehe davon aus, dass ich mir Eurer Verschwiegenheit sicher sein darf?«

»Bei meiner Ehre als Mediker, mein König«, versprach sein Gegenüber. »Nie habe ich auch nur ein Wort über irgendwelche Gebrechen, von denen ich Euch oder die Königin heilte, verloren – und das wird auch weiterhin der Fall sein. Procyros soll mich erschlagen, wenn ich diesem Schwur untreu werde.«

Iurias nickte zufrieden und ließ den Mann los. »Ich wusste, dass ich Euch vertrauen kann, treuer Chrysostomus.« Er beugte sich näher und senkte die Stimme noch ein wenig. »Was diese Ammen angeht … Verbindet Euch etwas mit einer von Ihnen?«

Der Mediker blinzelte beunruhigt. Er schien zu überlegen, was er antworten sollte. Iurias wusste, dass Chrysostomus jede Gewalt verabscheute, vor allem Unschuldigen gegenüber. »Muss das wirklich sein, mein König?«

»Die Gefahr ist zu groß. Sie würden reden.«

»Könnte nicht Orontoghast sie einfach vergessen lassen, was geschehen ist? Ich schätze seine Gaben nicht, aber hier scheinen sie mir barmherziger zu sein.«

»Das wären sie wohl«, räumte Iurias ein. »Ich werde ihn fragen, ob sich das bewerkstelligen lässt. Und nun seid so gut und bringt die Königin an einen freundlicheren Ort. Dort soll sie zur Ruhe kommen, während ich mich um alles Weitere kümmere.«

Chrysostomus neigte gehorsam das weise Haupt. »Ja, Herr.« Er ging zum Bett hinüber und begann leise auf Cassendrea einzureden.

Iurias zog den Vorhang beiseite und ging in den Vorraum. Die beiden Ammen saßen noch immer beisammen. Fragend blickten sie ihn an. Er öffnete die Tür zum Gang und befahl Pheleos zu sich. »Bring diese beiden Frauen irgendwohin, wo sie sich erholen können. Gib ihnen Wein und etwas Zeit.« Er schenkte den beiden Ammen ein kurzes Lächeln und gab den Weg frei.

»Danke, Herr«, sagte die Ältere, als beide aufstanden und in den Gang huschten. Bevor Pheleos ihnen folgen konnte, hielt der König ihn am Arm zurück. »Und danach«, fügte er im Flüsterton hinzu, »sorgst du dafür, dass keine von beiden jemals auch nur ein Wort über das hier Geschehene verlieren kann. Verstehen wir uns?«

Die Miene des Soldaten verhärtete sich. »Natürlich, mein König.«

3

DEM TODE GEWEIHT

4. Tag des 4. Mondes

im 284. Jahr der cordurischen Könige

Im Laufe der Jahre hatte Iurias gelernt, auf die kaum merklichen Veränderungen in den Gesichtern der Quano zu achten, die bei diesem äußerlich geradezu steinern wirkenden Volk auf Gefühlsregungen hindeuteten. Am heutigen Abend hätte er den Kummer des greisen Quano selbst dann erkannt, wenn er nie zuvor einem der grauhäutigen, kahlköpfigen Männer und Frauen begegnet wäre.

»Ihr bringt mir schlechte Neuigkeiten, Orontoghast«, kam er dem Erztheurgen zuvor, als dieser mit langsamen Schritten das stille, dunkle Strategiezimmer betrat, in das Iurias sich zurückgezogen hatte, um sich zu sammeln und ein stummes Gebet an die Sechsgötter zu schicken. Wie es schien, hatten sie ihn nicht erhört.

Der Erztheurg legte den Säugling, den er in ein dickes Tuch gewickelt hatte, auf den Tisch. Das Kind rührte sich nicht. Iurias fragte sich, ob es bei den Versuchen des Magiers, es von den Entstellungen zu befreien, gestorben war. Doch dann zuckte das Bündel kurz. Wie es schien, lag der Junge bloß in einem tiefen Schlaf.

»Es tut mir leid, mein König«, sagte Orontoghast mit der leisen, heiseren Stimme des Alters. »Ich habe all mein Wissen und all mein Können aufgewandt. Doch das, was den Knaben verändert hat, sitzt tief. Sein ganzer Leib ist nur zum Teil menschlich. Ihn zu heilen überschreitet meine Möglichkeiten, und wenn ich es nicht vermag, zweifle ich, dass irgendein Quano dazu imstande ist.«

Iurias spürte, wie sich seine Kiefermuskeln verspannten. »Ihr könnt also nichts für ihn tun?«, fragte er gepresst und warf dem Bündel auf dem Tisch einen weiteren, kurzen Blick zu.

Der Erztheurg hob die Hände und drehte die Handflächen nach oben, eine Geste der Ratlosigkeit. »Ich könnte wohl den Anschein erwecken, als sei er ein gewöhnlicher Knabe. Doch das wäre eine Illusion. Sein Leib, sein Herz, blieben uns nach wie vor fremd.«

»Nein«, sagte der König kopfschüttelnd. »So soll mein Erbe nicht aufwachsen. Sein Dasein wäre eine Lüge. Und die Wahrheit …« Er brach ab und holte tief Luft. Während die Sonne im Westen über dem Meer versunken war, hatte er lange darüber nachgedacht, und auch wenn er sich noch immer innerlich dagegen sträubte, fiel ihm keine andere Erklärung für das Geschehene ein, als dass die Drachenhexe aus dem Ariocrast-Tempel in Evolos ihre Finger dabei im Spiel hatte.

»Die Wahrheit, mein König, ist, dass Euer Sohn das Opfer dunkler Magie wurde«, bestätigte Orontoghast Iurias’ Befürchtungen. »Und dem Anschein nach zu urteilen, möchte ich sagen, handelt es sich um dyrrachische Magie. Der Fluch eines Gottdrachen hat ihn entstellt. Oder eines seiner Diener.«

»Es war eine Dienerin«, sagte Iurias dumpf. »Eine Hohepriesterin, und genau genommen hat sie mich verflucht.«

Auf den Zügen des Erztheurgen zeigte sich ein Anflug von Überraschung. »Davon habt Ihr mir nie etwas berichtet.«

Iurias wandte sich ab und ging ein paar Schritte zum Fenster. »Ich habe ihre Worte für das Gekeife eines zahnlosen alten Weibes gehalten«, bekannte er, während er auf die Lichter des nächtlichen Aidranons hinunterblickte. »Das war wohl ein Fehler.« Er drehte sich wieder zu seinem Gast um. »Könnt Ihr wenigstens mir helfen, wenn für meinen Sohn jede Hilfe zu spät kommt?«

»Ich will es gerne versuchen, mein König«, erwiderte der Quano und neigte das Haupt. »Was soll unterdessen mit dem Knaben geschehen?«

Der König wusste, dass es nur eine Antwort auf diese Frage geben konnte. Er spürte, wie eine Welle der Trauer über ihm zusammenschlug, die ihn niederzuwerfen und zu ertränken drohte, doch mit schierer Willenskraft hielt er sich aufrecht. Er ließ zu, dass seine Züge so hart und gefühllos wurden, dass selbst ein Quano nichts mehr darin über seinen Gemütszustand würde lesen können. »Ich nehme an, Euer Rat würde lauten, ihn zu töten.«

»Vergebt mir, mein König, aber Ihr habt recht«, gab Orontoghast zurück. »Der Knabe ist von dunkler Magie erfüllt. Nichts Gutes kann daraus erwachsen. Ich vermag ihm einen schmerzlosen Tod zu bescheren. Dann äschern wir ihn ein und setzen ihn still in einer Urne bei. Es werden keine Spuren verbleiben, die auf seinen Makel hindeuten. Sagt der Königin, der Knabe sei an der Last seines nicht lebensfähigen Leibes eingegangen. Dem Rat und Eurem Volk erzählt die traurige Geschichte eines plötzlichen Kindstods. Die Männer werden Euch ihr Beileid aussprechen. Die Frauen Euer Unglück beklagen. Niemand wird ahnen, was geschehen ist. So lautet mein Rat.«

Iurias nickte widerstrebend. Er wünschte sich, ihm bliebe ein anderer Ausweg, denn selbst dem Schwarzen Löwen, der seinen Feinden im Kampf keine Gnade erwies, fiel es schwer, sein eigen Fleisch und Blut umzubringen. Andererseits ist es gar nicht mein eigen Fleisch und Blut, dachte er. Es ist ein Wechselbalg, den diese Hexe uns eingepflanzt hat. Der Gedanke rief Zorn in ihm hervor und er hielt sich daran fest, weil er besser war als Trauer.

»Tut es«, befahl er dem Erztheurgen. »Befreit mich von diesem … Ding. Und nehmt so schnell wie möglich diesen Fluch von mir.« Und danach, fügte Iurias in Gedanken hinzu, werde ich diese elenden Dyrracher für all das bezahlen lassen!

Orontoghast zog die Kapuze seiner dunkelblauen Robe über den kahlen Schädel und trat auf den Tisch zu, auf dem das Menschenkind lag. Es musste mittlerweile Hunger und Durst haben, und es schrie nur deshalb nicht, weil er es mit einer beruhigenden Emanation in tiefen Schlaf versetzt hatte. Mit einem kurzen Auflegen seiner knöchernen Hand frischte er den Zauber ein wenig auf, dann nahm er das Bündel, neigte zum Abschied den Kopf und verließ den Raum. Der König blieb zurück.

Auf leisen Sohlen glitt der Erztheurg durch die stillen, spätabendlichen Gänge des Palasts. Die wenigen Diener, Wachen und Höflinge, die ihm begegneten, warfen ihm kurze, misstrauische Blicke zu. Die meisten von ihnen hatten Angst vor ihm oder verspürten zumindest einen gehörigen Respekt vor dem geheimnisumwitterten und etwas unheimlichen alten Quano. Zweifellos fragten sie sich, welchen finsteren Geschäften er zu dieser späten Stunde nachging. Doch da überall bekannt war, dass Orontoghast hoch in der Gunst des Königs stand und sich weitgehend frei im Palast bewegen durfte, stellte niemand unangenehme Fragen.

Um ganz sicher zu gehen, dass sich dies auch nicht änderte, wenn er hinunter in die Keller stieg, wo sich sein Sanktuarium befand, rief der Erztheurg die Gaben zu Hilfe, die ihm von Gahat, der Weltseele von Yeos, verliehen wurden, und kleidete sich in eine Aura der Unscheinbarkeit. Man würde ihn zwar weiterhin wahrnehmen, ihm aber aufgrund der theurgischen Emanationen keinerlei Beachtung schenken und ihn schnell wieder vergessen. Vor allem würde sich niemand daran erinnern, dass Orontoghast ein eigenartiges Bündel an die Brust gepresst bei sich trug.

Orontoghast erreichte den Ostflügel des Palasts und öffnete eine schwere Holztür, die sich in einer Nische befand. Dahinter führte eine Treppe aus breiten, steinernen Stufen durch einen gewölbten, fensterlosen Gang in die Tiefe. Neben der Tür stand eine kleine Laterne auf einem Sims, die man entzünden konnte, um in den Kellergewölben des Palasts Licht zu haben. Zwar gab es zahlreiche Lichtschächte, die zumindest bei Tag für ein wenig Helligkeit sorgten, doch nachts war es dort unten so finster wie in der Seele eines Dämonenfürsten.

Der alte Quano ließ die Laterne unbeachtet. Zum einen vermochten seine großen, dunklen Augen auch bei geringer Beleuchtung noch beinahe so gut zu sehen, wie die eines Menschen bei Tag, zum anderen gehörte das Erzeugen von Licht-Emanationen zu den leichtesten Übungen eines Theurgen.

Er öffnete sich den Energien Gahats und ließ eine kleine, schimmernde Kugel aus Licht um seine linke Hand entstehen, die er dann vor sich ausstreckte, während er mit der Rechten das Kind weiter festhielt. Dann begab er sich die Treppe hinunter und schritt anschließend durch die menschenleeren Gänge unterhalb des Palasts.

Diese Keller ähnelten mitnichten einem feuchten Verlies. Vielmehr war der Boden mit Steinplatten ausgelegt und gemauerte Wandteile, mit Malereien bedeckte Stützbögen und gelegentlicher Zierrat in Nischen und auf Simsen zeugten davon, dass auch in den Kellern der Häuser von Aidranon die Zivilisation herrschte. Nur die kühle Luft, die Finsternis und die völlige Stille unterschieden diesen Teil der Palastanlage von allen anderen.

Er erreichte eine weitere Tür, unscheinbar, wie die meisten anderen hier unten auch. Auf den ersten Blick wirkte sie unverschlossen, doch eine neugierige Seele, die der Versuchung erliegen mochte, einige der Geheimnisse des »Quano-Magiers« zu ergründen, würde schnell feststellen, dass der Eingang verriegelt war – und zwar von innen, unerreichbar für alle, die nicht die Gaben eines Theurgen besaßen.

Orontoghast öffnete die Tür mithilfe einer gezielten Emanation und trat ein. Der Raum dahinter war nicht gefliest und gemauert, sondern aus dem Fels geschlagen worden. Die Quano zogen es vor, mit ihren Füßen unmittelbar auf dem Rücken von Yeos zu stehen und die Ströme Gahats zu spüren, wenn sie ihre religiösen Zeremonien und magischen Rituale abhielten. Da die Anbetung der Weltseele und das Kanalisieren ihrer Energien für einen Theurgen ein und dasselbe waren, erinnerte der Raum von seiner Einrichtung her ebenso an einen Tempel wie an eine Alchemistenküche. Neben einem Altar, einer Gebetssäule und mehreren flachen Sitzkissen, die im Kreis darum angeordnet waren, standen lange Tische in der Kammer, auf denen zahlreiche Kästen, Kolben, Tiegel und Werkzeuge lagen, mit deren Hilfe Orontoghast die verborgenen Aspekte Gahats erforschte.

Der Erztheurg verriegelte den Eingang wieder. Dann legte er das schlafende Neugeborene auf den Altar, nicht weil er den Akt des Tötens religiös überhöhen wollte, sondern weil die anderen Tische einfach zu vollgestellt waren. Genau genommen empfand er gar nichts bei dem Gedanken, den missgestalteten, aber offenbar durchaus lebensfähigen Sohn des Königs umzubringen. Es bereitete ihm keine Freude, aber er würde auch keine Reue verspüren.

Bei einem Quano-Kind hätte er sicher anders gedacht. Quano-Leben war heilig. Aber dies hier war bloß ein Mensch, und auch wenn Orontoghast mehrere Menschen kannte, denen er Respekt entgegenbrachte und die er schätzte, mangelte es diesem Volk, das selbst erdachte Götzen anbetete, an Verbindung zur Weltseele, womit es im Verständnis des Erztheurgen kaum mehr als eine besonders intelligente Tierart darstellte.

Während er darüber nachsann, ob er den toten Körper des Kindes hier in seiner eigenen Feuerstelle oder lieber außerhalb des Palasts verbrennen sollte, entzündete der alte Quano einige Kerzen, denn auch wenn es ihn kaum anstrengte, selbst Licht zu erzeugen, war es auf Dauer doch eine lästige Ablenkung, neben anderen Tätigkeiten die Kontrolle über die Emanation aufrechterhalten zu müssen.

In diesem Augenblick vernahm er ein Geräusch, das von der Tür herüberdrang. Als er den Kopf drehte, sah er, wie der schwere Holzriegel scheinbar von Geisterhand angehoben wurde und zur Seite glitt. Mit milder Neugierde fragte er sich, wer sich zu dieser späten Stunde noch in den Kellern des Palasts herumtrieb. Er warf einen raschen Blick zu dem Bündel auf dem Altar. Der Sohn des Königs war so gut in Laken eingehüllt, dass man ihn nicht erkennen konnte. Es war also besser, sich arglos zu geben, statt noch hastig zu versuchen, das todgeweihte Neugeborene zu verstecken – zumal ihm dafür ohnehin keine Zeit mehr geblieben wäre.

Die Tür öffnete sich und zu Orontoghasts Überraschung trat Botschafter Arastoth ein. Der Erztheurg hatte damit gerechnet, dass vielleicht einer der wenigen anderen Quano, die im Palast lebten, nicht schlafen konnte und darum die Ruhe im Gebet suchte. Doch der Abgesandte seines Volkes besaß nicht nur ein eigenes Haus in Aidranon, er verfügte auch über ein persönliches Sanktuarium. »Botschafter«, begrüßte Orontoghast den Neuankömmling und bewegte sich ein wenig nach links, um den Blick seines Besuchers vom Altar abzulenken.

»Lasst ab von Eurem Vorhaben, Orontoghast«, sagte Arastoth. Er blickte zu dem Bündel auf dem Altar und ließ keinen Zweifel daran, was er mit seinen Worten meinte.

Woher weiß er es?, fragte sich der Erztheurg misstrauisch. Niemand war im Raum gewesen, als der König und er den Entschluss gefasst hatten, sich der Missgeburt zu entledigen. Einen Herzschlag lang erwog er, den Unwissenden zu spielen, doch er verwarf den Gedanken gleich wieder. Es war unnötig, Arastoth zu beleidigen, indem er auf eine offensichtliche Lüge zurückgriff.

»Wenn Ihr über meine Absichten so gut unterrichtet seid, wie Ihr zu sein scheint, dann könnt Ihr Euch auch zweifellos ausmalen, was auf dem Spiel steht«, antwortete er stattdessen.

»Das kann ich in der Tat«, sagte Arastoth, während er langsam auf den Erztheurgen zukam. Orontoghast kannte den Botschafter erst seit Kurzem, aber er hatte während eines gemeinsamen Gebets bereits festgestellt, wie nahe Arastoth der Weltseele stand. Es war ausgesprochen bedauerlich, dass er sich so viel mehr für die Politik als für den Dienst an Gahat zu begeistern wusste. In ein paar Weltenläufen hätte er sicher einen bemerkenswerten Erztheurgen abgegeben.

»Ich weiß etwa«, fuhr Arastoth fort, »dass dieser Knabe lebendig für uns von größerem Wert ist als tot.«

Verwirrt und auch ein wenig belustigt legte Orontoghast die Haut unter der Knochenwulst auf seiner Stirn in Falten. »Was wollt Ihr mit einem Menschenkind anfangen, Arastoth?«

»Das weiß ich noch nicht«, gab dieser zurück. »Aber er ist der Sohn von König Iurias Agathon. Eines Tages mag das von Bedeutung sein.«

»Offenbar wisst Ihr doch nicht so viel über diese Angelegenheit, als ich dachte«, sagte Orontoghast. »Der Knabe ist verflucht. Das schwarze Blut der Dyrracher fließt in seinen Adern. Er ist eine Gefahr. Er muss sterben.«

Arastoth breitete die Arme aus. »Was manche für eine Bedrohung halten, könnten andere als Geschenk betrachten.«

»Redet nicht wie ein Politiker mit mir«, versetzte der alte Quano unwillig. »Eure Spielchen interessieren mich nicht. Ich möchte ein Unheil abwenden, bevor es heranreifen kann. Und König Agathon dabei helfen, den Frieden zu erhalten und zu befördern, der zwischen unseren Völkern herrscht.«

Sein Gegenüber gab einen Zischlaut der Enttäuschung von sich. »Man hat mir schon erzählt, dass Ihr ein Feigling und ein Speichellecker wärt. Und wie es aussieht, entspricht das der Wahrheit.«

Orontoghast riss die Augen auf. »Was erlaubt Ihr …«

In diesem Augenblick machte Arastoth eine rasche Bewegung.

Vollkommen überrumpelt und daher außerstande, sich zu schützen, wurde der Erztheurg von der ganzen Wucht der Emanation getroffen. Es fühlte sich an, als habe ihm jemand mit einem riesigen Holzhammer auf den Schädel geschlagen. Der Kopf eines Quano mochte robuster sein als der eines Menschen, doch Orontoghast war alt und Arastoths Hieb hatte ihn zielsicher getroffen.

Benommen sank er auf die Knie. Unmöglich, dachte er mit einem seltsamen Gefühl der Losgelöstheit. Er hat mich angegriffen …

Arastoth war sich bewusst, dass er soeben einen furchtbaren Frevel begangen hatte. Die Unversehrtheit eines Quano war einem anderen Quano heilig. So wenig sein Volk Skrupel haben mochte, anderen, geringeren Völkern Schaden zuzufügen oder sich ihrer zu bedienen, so undenkbar war es, dass einer von ihnen den Bruder angriff – zumal einen Mann vom Rang und Stand eines Erztheurgen.

Aber Arastoth lebte lange genug unter Menschen, um gelernt zu haben, dass außergewöhnliche Umstände manchmal extreme Maßnahmen erforderten. Und den Erben von Iurias Agathon in die Finger zu bekommen, zählte zweifellos zu den Gelegenheiten, wie man sie womöglich nur einmal im Leben bekam.

Er glitt an die Seite des am Boden Liegenden. Erleichtert stellte er fest, dass Orontoghast noch lebte, denn so unerhört Arastoths Handeln auch sein mochte, einen Mord hatte er nicht begehen wollen. Dunkles Blut trat unter der Stirnwulst des Erztheurgen hervor. Doch die Wunde sah, soweit Arastoth das zu sagen vermochte, nicht gefährlich aus. Der alte Mann war bloß betäubt, was Arastoth beabsichtigt hatte und auszunutzen gedachte.

Der Botschafter legte Orontoghast eine Hand mit dürren Fingern aufs Gesicht. Einmal mehr öffnete er sich den Energien Gahats, ließ sich von ihnen durchströmen und hüllte den schwachen, ungeschützten Geist des anderen in Emanationen der Überzeugung. »Du wirst diese Begegnung vergessen«, beschwor Arastoth ihn. »Ich war nicht hier. Alles verlief wie geplant. Du hast das Kind getötet und eingeäschert. Du hast dem König treu gedient.«

Der Erztheurg murmelte etwas Undeutliches. Seine trüben, schwarzen Augen schienen etwas an der steinernen Decke über ihm zu suchen, ohne es zu finden.

»Und jetzt schlaf«, befahl Arastoth ihm und hüllte Orontoghast in eine Aura der Ruhe und Stille. »Ruh dich etwas aus, alter Mann.«

Die Augenlider seines Gegenübers flatterten. Dann sanken sie nach unten, und Orontoghasts knochiger Leib wurde schlaff. Rasch schleppte Arastoth ihn zu einem der Stühle mit hoher Lehne, die im Raum standen, und setzte ihn darauf. Er nahm ein tönernes Gefäß von einem der Arbeitstische und füllte es mit kalter Asche aus dem Kamin, bevor er es neben den Erztheurgen auf den Boden stellte. Danach ging er zu dem Neugeborenen hinüber, riss ein Stück Stoff von dem Tuch ab, in welches Agathons Sohn eingewickelt war, und mischte es unter die Asche. Schließlich hob er das Kind hoch, drückte es an seine eigene, schmale Brust und huschte aus dem Keller.

Der Morgen war kaum mehr als ein fahler Silberstreif am Horizont, als Arastoth durch das Hafenviertel hinunter zu den Piers eilte. Der Geruch von Fisch und der Geschmack von Salzwasser hingen in der kühlen Luft. Die Gegend hatte nicht den besten Ruf. Zumindest bei Nacht galten die Straßen und Gassen zwischen den niedrigen Häusern als unsicher, aber der Quano machte sich keine Sorgen. Nicht einmal der dümmste Halsabschneider, der um diese frühe Stunde unterwegs sein mochte, wäre auf den Gedanken gekommen, einen Theurgen zu überfallen. Natürlich waren auch Quano nicht unverwundbar. Doch wenn man sie nicht bei der ersten Gelegenheit tötete, bekam man meist keine zweite mehr, vor allem, wenn man sich mit einem der Magier anlegte – und wer vermochte schon zu sagen, welcher Quano nun im Einklang mit Gahat lebte und welcher nicht?

Halb unter seinem weiten Umhang verborgen, trug Arastoth den Sohn König Agathons in einem Korb bei sich. Noch in der Nacht hatte er ihn aus dem Palast geschmuggelt, nur um ihn danach im Schutze eines seiner persönlichen Verstecke hier in der Stadt einem ganz besonderen Ritual zu unterziehen. Nun zierten den nackten Körper des Jungen arkane Symbole, die Arastoth ihm in stundenlanger Mühe und mithilfe der Kraft Gahats auf Rücken, Oberarme und Oberschenkel gezeichnet hatte, dort, wo sich die Missbildungen des Neugeborenen am stärksten gezeigt hatten. Der Zauber vermochte das, was mit dem Kind geschehen war, nicht zu heilen, aber er konnte den Fluch unterdrücken – und mit ihm die körperlichen Anzeichen, sodass der Sohn des Königs wie ein normaler Menschenknabe aussah. Alle paar Jahre würde Arastoth die Symbole auffrischen müssen. Was er dem Heranwachsenden dann als Grund nennen würde, musste er sich noch überlegen.

Der Quano lief an den gemauerten Schiffsanlegern entlang, bis er einen kleinen Steg am Rand der Hafenanlage erreichte. Dort lag das Segelboot eines freischaffenden Händlers – manche hätten ihn wohl einen Schmuggler genannt –, dem Arastoth zwar nicht blind vertraute, der aber für die richtige Summe zuverlässig die ihm gestellten Aufgaben erfüllte. Eine bessere Möglichkeit, den Jungen aus der Stadt zu schaffen, hatte sich in der Kürze der Zeit nicht ergeben.

»Mein Herr«, begrüßte ihn der Mann, der bereits auf dem Boot wartete, wie es ihm von einem Boten, den Arastoth zuvor ausgesandt hatte, befohlen worden war. »Was kann ich für Euch tun?«

»Wo ist die Frau, die ich habe herschicken lassen?«, verlangte Arastoth zu wissen, als er über eine Planke an Bord ging.

Der Mann deutete auf die Luke, die in den Bauch des Schiffs führte. »Unter Deck«, erwiderte er. »Bei den Männern. Ich hielt es für besser, wenn um diese Stunde hier oben nicht zu viel Betrieb herrscht. Zumindest nicht, solange wir noch auf Euer Eintreffen warteten. Außerdem ist es dort unten wärmer.« In seiner Stimme schwang ein Hauch von Belustigung mit, die Arastoth nicht gefiel.

»Ihr werdet diese Frau nicht anrühren«, zischte er und trat einen Schritt auf den Schmuggler zu. »Ich brauche sie gesund und wohlbehalten. Haben wir uns verstanden, Kapitän?«

Sein Gegenüber hob abwehrend die Hände. »Ihr bezahlt gut, Herr. Ich würde es mir niemals mit Euch verscherzen wollen. Meine Männer werden ihre Hände bei sich behalten, das verspreche ich Euch – und wenn ich sie Ihnen persönlich dafür abhacken müsste.«

»Gut«, sagte der Quano.

»Doch was hat es mit der Frau eigentlich auf sich, wenn die Frage gestattet ist«, fuhr der Mann fort. »Sie sah mir nicht wie eine Edle auf der Flucht aus oder wie eine Sklavin, die zu Eurem Vergnügen an Bord ist.«

»Sie ist eine Amme. Und sie soll sich während der Überfahrt hierum kümmern.« Arastoth öffnete den Umhang und reichte dem Schmuggler den Korb.

Die hellen Augen im dunklen Gesicht des Mannes weiteten sich. »Ist das ein Kind?«, entfuhr es ihm.

»Ganz recht.«

»Es ist kein Quano-Kind«, stellte sein Gegenüber fest.

»Nein«, bestätigte Arastoth. »Es handelt sich um einen cordurischen Knaben. Mehr braucht Ihr nicht zu wissen.«

Der Schmuggler grinste. »Schon klar«, erwiderte er.

»Außerdem«, fuhr Arastoth fort, »hat er erst vor Kurzem das Licht der Welt erblickt und braucht dringend die Pflege durch eine kundige Hand. Also gebt ihn der Amme und setzt dann Euer Segel.«

»Wohin fahren wir?«

»Wir fahren nirgendwohin. Ich bleibe in Aidranon. Ihr hingegen werdet die Südspitze von Cordur umrunden und das Ydrische Meer hochfahren, bis Ihr die Pelikoni-Inseln erreicht. An der Küste, die den Inseln gegenüberliegt, befindet sich ein Dorf, Efthaka. Gute Menschen leben dort, vor allem Fischer. Sucht die Familie des Fischers Bourabas, gebt ihm diesen Beutel mit Münzen und übersendet ihm meine Grüße.« Arastoth holte einen kleinen Beutel hervor und legte ihn in den Korb. »Sobald es mir möglich ist, werde ich selbst dorthin reisen, um ihm alles zu erklären. Bis dahin soll er sich um den Knaben kümmern, als wäre er sein eigener Sohn.«

»Ich verstehe«, sagte der Schmuggler. Seine Augen huschten zu dem Geldbeutel.

»Euer eigener Lohn wird wie stets mehr als großzügig ausfallen«, sagte der Quano und holte einen zweiten, dickeren Geldbeutel hervor. »Ich vertraue darauf, dass dem Knaben auf der Reise nichts geschieht und dass er wohlbehalten in Efthaka eintrifft.« Arastoth beugte sich ein wenig nach vorne und sah sein Gegenüber eindringlich an. »Das ist mir ausgesprochen wichtig. Dem Knaben darf nichts geschehen! Ihr bürgt mir dafür mit Eurem Leben. Und schärft auch Bourabas ein, dass mir an der Gesundheit dieses Kindes viel liegt. Sollte ich aus irgendeinem Grund erfahren, dass er vor seiner Zeit zu Tode gekommen ist, wird selbst der Zorn Eures Kriegsgottes Procyros gegen den meinen gering sein.«

Obwohl der Mann sich Mühe gab, ungerührt zu wirken, bebte seine Stimme ein wenig, als er antwortete. »Ich werde Euch nicht enttäuschen, Herr. Der Junge wird leben. Das schwöre ich.«

4

IOLANS TRÄUME

28. Tag des 6. Mondes

im 301. Jahr der cordurischen Könige

Sechzig Fuß über den blaugrünen Fluten des Ydrischen Meers stand Iolan am Rand der Klippe und blickte in die Tiefe. Der warme Sommerwind fuhr ihm durchs schulterlange, dunkle Haar und ließ den Saum seiner bis zu den Knien reichenden und von einem breiten Gürtel gehaltenen Tunika flattern. Sein Vater hätte ihn einen lebensmüden Narren gescholten, wenn er gewusst hätte, dass Iolan sich hier oben aufhielt. Doch Iolan hatte keine Angst davor abzustürzen.

Seit seiner Geburt vor siebzehn Sommern hatten sich elf mutige, verrückte junge Männer aus seinem Dorf von hier aus in die Wellen geworfen, die gegen die Steilküste im Osten Cordurs brandeten. Drei waren dabei ums Leben gekommen, weil sie zu kurz gesprungen und auf den Felsen gelandet waren, die unmittelbar vor der Klippe aus dem Wasser ragten.

Manch einer der Alten behauptete, dass man vom Klippenrand aus noch immer die dunklen, getrockneten Blutlachen sehen konnte, die von ihren zerschmetterten Leibern auf dem Stein zurückgelassen worden waren. Das war, wie Iolan wusste, natürlich Unsinn, ein Märchen, um allzu leichtfertige Jungen davon abzuhalten, es den Todesmutigen nachzumachen. Die Gezeiten und die Winterstürme sorgten regelmäßig dafür, dass die Felsen überspült wurden, und nachdem die Leichen der Glücklosen von den Fischern geborgen worden waren, hatte das Seewasser auch alle verbliebenen Spuren ihres tödlichen Übermuts abgewaschen.

»Iolan!«, drang auf einmal eine leise Stimme aus der Wildnis hinter ihm herüber. Iolan glaubte, sie Markos zuordnen zu können, seinem vier Jahre älteren Bruder, der in den von Gestrüpp und niedrigen Bäumen bewachsenen Hügeln nach ihm suchte. Doch er antwortete nicht auf den Ruf, sondern blickte weiter auf das Wasser zu seinen Füßen, das im Licht der Morgensonne glitzerte.

Die acht Klippenspringer, die ihr Leben nicht verloren hatten, waren von den jungen Männern und Frauen im Dorf wie Helden gefeiert worden. Selbst einige der älteren Fischer von Efthaka – so hieß die vielleicht zweihundert Köpfe zählende Küstensiedlung, die Iolans Heimat war – hatten ihnen widerwillig Respekt gezollt. Obwohl sie natürlich darauf hingewiesen hatten, dass Mut wenig Wert hatte, wenn er nicht mit Besonnenheit einherging. Ein Fischer, der an der zerklüfteten Ostküste Cordurs seinen Lebensunterhalt verdienen wollte, brauchte stets beides.

»Iolan! Wo bist du?«

Gedankenverloren beugte Iolan sich noch ein wenig nach vorne und leckte sich über die salzigen Lippen. Die Spitzen seiner geschnürten Lederstiefel ragten über den Klippenrand hinaus. Manch einen hätte in diesem Moment der Schwindel erfasst, doch Iolan vermochte ruhigen Auges in den Abgrund zu blicken. Höhen, das hatte er schon als Kind festgestellt, bargen für ihn keinen Schrecken.

Ein Schritt noch, dachte er. Ein kraftvolles Abstoßen und es wäre getan … Schon seit der letzte Wintersturm an Kraft verloren hatte und der Frühling heraufgedämmert war, lockte ihn diese Klippe auf eine Weise, die er nicht in Worte fassen konnte. Trotz aller Bewunderung, die er für Clavio hegte, der anlässlich seiner Seeweihe im letzten Jahr als bislang jüngster aller Klippenspringer das Wagnis eingegangen war, von hier oben ins Meer einzutauchen, ging es Iolan nicht darum, irgendjemandem seinen Mut zu beweisen. Lebensmüde war er erst recht nicht. Vielmehr verspürte er ein tieferes Sehnen in seiner Brust, die Arme auszubreiten, mit einem kräftigen Sprung die Fesseln seines erdengebundenen Daseins abzustreifen und sich dem Wind hinzugeben, der an ihm zerrte.

Selbstverständlich hatte Iolan niemandem im Dorf etwas davon erzählt. Die Leute würden ihn bloß für verrückt erklären, allen voran sein Vater, dessen Vorstellung vom Leben einzig und allein darin bestand, Tag für Tag aufs Meer hinauszufahren und mit genug Fischen heimzukehren, um seine Familie ernähren zu können. Nicht, dass Iolan ihn deswegen geringgeschätzt hätte. Er liebte seinen Vater und er liebte sein Leben in Efthaka. Warum es ihn dennoch hinauf zu der Klippe zog, wusste er selbst nicht genau.

Ich werde es tun, sagte er sich. Ich werde es …

»Iolan.« Plötzlich war Markos’ Stimme direkt hinter ihm. Er schrie nicht, denn er wollte Iolan nicht erschrecken und damit versehentlich abstürzen lassen. Aber in seiner Stimme lag hörbare Anspannung, die auch nicht wich, als er weitersprach. »Was machst du hier oben? Bist du von allen Göttern verlassen?«

Iolan drehte den Kopf und blickte seinem Bruder entgegen. Markos war einen halben Kopf kleiner als er, aber seine kräftigen Muskeln, die wilden Locken, die ihm in den Nacken und in die Stirn fielen, und der kurze Bart ließen ihn dennoch eindrucksvoll wirken, und wenn ein Fremder die beiden sah, bestand kein Zweifel, wer von ihnen das Sagen hatte.

»Was soll das?«, verlangte Markos verärgert zu wissen. »Willst du dich etwa umbringen? Einen Tag vor deiner Seeweihe?« Er selbst hatte nie Bestrebungen gezeigt, von der Klippe zu springen. Markos war viel zu besonnen dafür. In diesen Dingen kam er mehr nach ihrem Vater als Iolan.

»Wie kommst du darauf, dass ich sterben würde?«, entgegnete Iolan.

»Du stehst am Rand einer sechzig Fuß hohen Klippe, und ich sehe keine Flügel aus deinem Rücken wachsen. Komm her.« Markos packte ihn am Arm und zog ihn mit einem entschiedenen Ruck vom Rand weg.

»He«, beschwerte Iolan sich und schüttelte die Hand des Bruders ab. Mürrisch blickte er ihn an. »Ich wäre nicht der Erste, der von dieser Klippe springt.«

»Nein, das ist wahr. Aber die anderen Männer waren alle kräftiger als du. Und sie hatten mehr Erfahrung im Klippenspringen. Bist du jemals von einem Felsen gesprungen, der höher als sieben Fuß war?«

Iolan schüttelte den Kopf. Bislang hatte kein besonderer Reiz für ihn darin gelegen.

»Dann glaube mir, dass dies hier gefährlich und dumm ist.«

»Ich sterbe nicht, wenn ich dort hinunterspringe«, beharrte Iolan. »Das weiß ich einfach. Ich kann es schaffen. Im Grunde …« Er brach ab und warf einen unsicheren Blick zu der Bruchkante, wo die Erde endete und hinter der nur noch das Blau des Meeres und das Blau des Himmels existierten. Als er sich wieder seinem Bruder zuwandte, sah er, dass auf dessen Stirn eine steile Sorgenfalte entstanden war.

»He, Iolan«, sagte Markos und seine Stimme klang nun sanfter. »Geht es dir gut? Du bist schon seit ein paar Tagen so seltsam. Was beschäftigt dich? Machst du dir Gedanken um die Seeweihe? Oder stimmt etwas zwischen dir und Elea nicht?«

»Nein, das hat beides nichts mit dem hier zu tun«, erwiderte Iolan.

»Na schön, worum geht es dann?«, wollte Markos wissen. »Rede mit mir, wenn dich Sorgen plagen, Iolan. Ich bin dein Bruder.«

Iolan schnaubte mit freudloser Belustigung und schüttelte den Kopf. »Du kannst mir nicht helfen, Markos. Würde ich es dir erzählen, du hieltest mich ohnehin bloß für verrückt.«

Sein Bruder setzte sich auf einen Felsbrocken unweit des Klippenrands, stützte die Unterarme auf die Oberschenkel und blickte ihn von unten erwartungsvoll an. »Versuch es«, forderte er Iolan auf.

Ergeben zuckte dieser mit den Achseln. Dann begann er langsam auf und ab zu gehen. »Es ist schwer zu beschreiben. Ich habe schon seit bestimmt vier Mondwechseln immer wieder diesen einen Traum. Ich stehe hier oben auf der Klippe. Es ist früh am Morgen und die Sonnenscheibe erhebt sich im Osten aus dem Meer. Ich schaue in die Tiefe. Mir ist klar, dass der Sprung gefährlich ist, aber ich verspüre keine Angst. Ich weiß einfach, dass mir nichts passieren kann.«

Er hielt kurz inne und warf erneut einen raschen Blick zum Klippenrand. Danach sah er seinen Bruder unverwandt an. In Markos’ dunkelbraunen Augen lagen Erwartung und ein erstaunlicher Ernst. »Ich springe«, fuhr Iolan fort. »Mit einer einzigen kraftvollen Bewegung werfe ich mich nach vorne in die Luft. Einen kurzen Moment zweifle ich, während ich stürze. Das Meer schnellt mir entgegen. Panik wallt in mir auf, doch nicht genug, um mich zu wecken. Und dann, kurz bevor ich unten aufkomme, breite ich auf einmal meine Flügel aus und rausche über die Wellen hinweg. Ich schmecke die Gischt, und meine Füße berühren das Wasser. Aber dann schlage ich mit den Flügeln, steige auf und erhebe mich in den Himmel. Es ist …« Er blinzelte, als er nach Worten suchte. »… ein unbeschreibliches Gefühl.« Iolan spürte, wie ein Lächeln auf seine Lippen trat, während er sich an den Traum erinnerte.

Sein Bruder starrte ihn eine Weile schweigend an. Langsam schüttelte er den Kopf. Ein Grinsen breitete sich auf seinen Zügen aus, und er stand wieder auf. »Du hattest recht, Iolan«, gestand er. »Ich halte dich wirklich für verrückt.« Doch in seinen Worten schwang nur milder Spott mit.

Freundschaftlich schlug Markos ihm auf den Oberarm. »Na komm, Iolan. Mutter hat das Abendessen fertig und wir sollten sie nicht noch länger warten lassen. Und das sage ich dir: Was immer dieser Traum bedeuten mag, er ist ganz sicher kein Zeichen, dass die Sechsgötter von dir erwarten, dich von diesem Felsen zu werfen. Denn so einfach sind Träume nicht zu deuten. Befrag doch den alten Cheron dazu. Der wird dir meine Worte bestätigen.« Cheron gehörte zum Ältestenrat von Efthaka und hütete zugleich den kleinen Sechsgötterschrein des Dorfes. Wenn jemand aus dem Zug der Vögel am Himmel, einem Wetterphänomen oder eben einem Traum etwas herauslesen konnte, dann war er es.

Aber irgendwie hegte Iolan nicht das geringste Bedürfnis, noch einmal mit jemandem über seine Träume zu reden. Das hier ist noch nicht vorbei, dachte er, als er der Klippe den Rücken kehrte und Markos nachfolgte, der sich bereits mit forschen Schritten zurück zum Dorf begab. Ich komme wieder.

»Du musst deine neue Tunika noch einmal anprobieren, die deine Mutter für dich genäht hat, Sohn«, sagte Bourabas der Fischer, während die Familie zum abendlichen Mahl um den Tisch in der Mitte der Hütte versammelt war. »Es soll doch alles gut passen.«

»Ja, Vater«, antwortete Iolan, der rechts von ihm saß. »Wir können es nach dem Essen machen.«

»Gut.« Am Kopfende des Tisches nickte Bourabas zufrieden und schob sich ein Stück von dem geräucherten Fisch in den Mund, der mit Brot und einigen violetten Gnepa-Früchten auf seinem Teller lag. »Bist du aufgeregt wegen morgen?«, fragte er kauend.

Iolan riss ein Stück Brot ab und wischte damit das Kräuter-Öl vom Teller, das er über seinen Fisch gegossen hatte. »Ein wenig«, gestand er.

»Unser Iolan wird ein Mann.«

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