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Je t’aime heißt: Ich liebe dich!

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1. KAPITEL

„Nash! Schön, dich zu sehen, mein Freund. Danke, dass du so kurzfristig vorbeigekommen bist. Ich weiß ja, wie beschäftigt du bist.“

Nash Taylor-Grant antwortete mit einem kurzen, entspannten Lächeln, als der ältere Mann seine Hand ergriff und herzlich drückte. „Kein Problem. Aber du solltest mir besser sagen, um was es eigentlich geht.“

„Ich lasse uns erst einmal Kaffee bringen.“

„Für mich im Moment nicht.“ Nash zog eine Grimasse, während er seinen teuren Mantel ablegte und in einem der Ledersessel auf der anderen Seite des großen polierten Tischs Platz nahm. „Ich will meinen Koffeinkonsum ein bisschen einschränken“, erklärte er knapp.

Obwohl Nash Oliver Beaumarché noch nicht lange kannte, war der reiche und erfolgreiche Gastronom in der kurzen Zeit zu einem guten Freund geworden. Seitdem speiste Nash regelmäßig geschäftlich oder privat in dessen beiden exklusiven Londoner Restaurants und empfahl sie auch seinen einflussreichen Freunden weiter.

Jetzt brauchte Oliver seine professionelle Unterstützung. Nash hatte sofort zugesichert, ihm zu helfen, auch wenn er sich fragte, was er als PR-Fachmann wohl für den älteren Mann tun könnte. „Schadensbegrenzung“ nannte man seinen speziellen Bereich in der Branche. Er sorgte dafür, dass der Ruf seiner berühmten Klienten nach Sensations- und Skandalmeldungen in den Medien keinen weiteren Schaden nahm und sie stattdessen positive Publicity bekamen. Und damit hatte Nash ein Vermögen gemacht. Obwohl Oliver ein sehr angesehener und anerkannter Gastronom war, galt er nicht als Berühmtheit, die im Rampenlicht stand. Soweit Nash wusste, war er in letzter Zeit auch nicht in einen Skandal verwickelt gewesen, der es erforderlich machen würde, seinen angekratzten Ruf wiederherzustellen.

„Na schön.“ Auch Oliver setzte sich in einen Sessel und seufzte tief. „Ein Mensch, der mir sehr am Herzen liegt, hat Schreckliches durchmachen müssen und braucht Hilfe. Leider kann ich selbst in dieser Hinsicht wenig tun. Darum wollte ich mit dir sprechen.“

Stirnrunzelnd beugte Nash sich vor, legte die Hände gegeneinander und sah seinen Freund nachdenklich an. „Nimm es mir nicht übel, aber das hört sich doch sehr geheimnisvoll an. Du kennst meine Arbeit … also, wie könnte ich dir helfen?“

„Die junge Frau, von der ich spreche, ist meine Nichte, das einzige Kind meiner Schwester Yvette. Schon als Baby habe ich sie abgöttisch geliebt, und als sie dann mit sechs Jahren ihren Vater verlor … vermutlich habe ich seitdem die Rolle des Vaters für sie übernommen.“

„Das macht die Sache für mich trotzdem nicht verständlicher, mein Freund.“ Jetzt war es Nash, der laut seufzte. Auch wenn er den älteren Mann sehr schätzte und ihm gern helfen würde, hatte er noch einige Termine bis abends um sieben und danach ein Geschäftsessen mit einem wichtigen Kunden. Er lehnte sich wieder zurück und fuhr sich mit den Fingern durch die kurzen, dunkelblonden Haare.

„Vielleicht sollte ich sie dir vorstellen. Dann wird die Sache zweifellos klarer.“ Oliver stand auf, ging zu der Tür hinter seinem Schreibtisch und öffnete sie. „Alles in Ordnung, Liebes … du kannst jetzt hereinkommen“, sagte er herzlich.

Die Falten auf Nashs Stirn vertieften sich. Er wusste nicht, wer gleich eintreten würde. Doch als er die schlanke, dunkelhaarige Frau mit den exotisch anmutenden Zügen bemerkte, schoss pures Adrenalin durch seine Adern. Sie hatte kaum Make-up aufgelegt, und auch das schlichte, dunkelgraue Kostüm mit dem roten Wollpullover fiel nicht besonders auf. Dafür zog ihr Gesicht sofort seine Aufmerksamkeit auf sich. Vor ihm stand Freya Carpenter – eine Schauspielerin, die seit Jahren nur noch wegen ihrer zerrütteten Ehe und ihrer Drogenprobleme in der Presse auftauchte und deren Stern am Himmel der Filmstars bereits verblasste.

Nash hatte sie einmal auf einer Promiparty getroffen. Auch wenn sie damals völlig nüchtern gewirkt hatte, hatte es ihn doch sehr erstaunt, wie distanziert sie sich unter all den bekannten Stars gegeben hatte. Fast so, als ob diese Veranstaltung nichts als eine Qual für sie bedeute, der sie am liebsten entfliehen würde. Nein, an diesem besagten Abend war es Freyas Mann gewesen, der zu viel getrunken und sich danebenbenommen hatte. Nash wusste noch genau, dass er sich damals gefragt hatte, warum eine so talentierte, schöne junge Frau bei so einem Loser gelandet war. Wenn man den Gerüchten über ihren Alkohol- und Drogenkonsum Glauben schenken durfte, hatte die Fähigkeit dieser Frau, die richtigen Entscheidungen für ihr Privatleben zu treffen, wohl sehr gelitten.

Als er sich nun erhob und ihr die Hand reichte, spürte er an ihrem unsicher flackernden Blick, dass sie tatsächlich seine Hilfe brauchen könnte. Abgesehen davon, dass vermeintliche Alkohol- und Drogenprobleme ihrem Ruf sehr geschadet hatten, war Freya während der letzten zwei Jahre durch die Hölle gegangen, weil die Presse ihre Scheidung weidlich ausgeschlachtet und sie in denkbar schlechtem Licht dargestellt hatte. Darauf verlor sie eine Hauptrolle in einem großen Kinofilm, da die Produzenten sie für instabil hielten. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sie sich angeblich fast selbst bei einem Auffahrunfall ums Leben gebracht. Ihr geschiedener Mann berichtete bis heute oft und lauthals von ihrem Drogen- und Alkoholkonsum. Angeblich verkraftete sie es nicht, dass er sie wegen eines neunzehnjährigen Models verlassen hatte, das von ihm schwanger war.

Als Nash sich nun an ihr ernstes Gesicht von damals erinnerte, kam er zu dem Schluss, dass sehr viel mehr hinter dieser Geschichte stecken musste, als man der Öffentlichkeit vorgesetzt hatte. Die junge Frau mochte vielleicht in ihrem Privatleben aus der Bahn geworfen worden sein, aber sie war immer noch eine Schauspielerin, die bemerkenswerte Rollen gespielt hatte. Selbst die Bühne von London hatte sie ein paarmal mit ihrer Anwesenheit beehrt und sie war ausnahmslos für ihre Auftritte gelobt worden. Umso unverständlicher war es, dass sie sich mit so einem Typen wie James Frazier eingelassen hatte.

Erst kürzlich waren Spekulationen über ihre psychische Verfassung laut geworden und hatten die Journalisten in der vergangenen Woche in Scharen vor ihre Haustür getrieben. In deren Artikeln hieß es dann, dass Freya völlig am Boden zerstört sei. Sie hätte einen schweren Zusammenbruch erlitten und würde erst einmal nicht auf die Bühne oder zum Film zurückkehren. Nun begriff Nash, warum Oliver Beaumarchés berühmte Nichte dringend Hilfe von einem Mann wie ihm brauchte …

„Freya, darf ich dir Nash Taylor-Grant vorstellen“, stellte Oliver Nash vor.

Scheinbar misstrauisch legte sie ihre kühle Hand in seine. Nash merkte, wie sie zusammenzuckte, als ob die Berührung eines menschlichen Wesens für sie ebenso bedrohlich war wie ihre Hand in ein Piranhabecken zu halten. Ein wenig verwirrt brachte er dennoch ein Lächeln zustande. „Wir haben uns schon einmal getroffen, Miss Carpenter. Vor langer Zeit, auf einer Party. Aber ich bezweifle, dass Sie sich daran erinnern.“

„Sie kommen mir auch bekannt vor … obwohl ich zugeben muss, dass ich mich an diese Party nicht erinnere.“ Schnell entzog sie ihm die Hand wieder und wandte den Blick ab. Mit natürlicher Anmut nahm sie in dem Sessel Platz, den Oliver für sie neben seinen gerückt hatte.

Nachdem die beiden Männer sich ebenfalls gesetzt hatten, sah Oliver Beaumarché Nash mit sehr ernstem Blick an. „Vermutlich wirst du dir jetzt vorstellen können, warum wir deine Hilfe brauchen. Ich habe bisher nie erwähnt, dass Freya meine Nichte ist, weil es mir als ihr Onkel immer das Wichtigste war, ihre Privatsphäre zu schützen.“ Er warf der zurückhaltenden jungen Frau ein kurzes Lächeln zu. „Doch jetzt hat Freya sich nach all den traumatischen Erlebnissen entschlossen, wieder an ihre Karriere zu denken. Aber ihr skrupelloser Exmann tut alles, um das, was sie sich so hart zu erarbeiten versucht, wieder zunichtezumachen. Und nicht nur das! Sie ist eine Gefangene in ihrem eigenen Zuhause, nach all dem lächerlichen Unsinn, den die Presse über ihren Geisteszustand veröffentlicht hat. Und ich bin sicher, dass auch diese Gerüchte von dem Nichtsnutz gestreut wurden …“

„Glauben Sie bitte nicht, Mr Taylor-Grant, dass ich einzig und allein meinem Exmann die Schuld daran gebe, dass ich in letzter Zeit so wenig Erfolg hatte“, unterbrach Freya Oliver ruhig. Beim Klang ihrer faszinierenden, leicht rauchigen Stimme stellten sich Nashs Nackenhaare auf. „Ich übernehme die volle Verantwortung für das, was in meinem Leben passiert ist. Mein Onkel glaubt allerdings, dass ich Hilfe benötige, um meinen guten Ruf wiederherzustellen. Aber wenn Sie mich fragen, wäre es nach dem letzten Fiasko vermutlich besser, wenn ich sang- und klanglos verschwinde, bis die Leute alles vergessen haben.“

Ein ironisches Lächeln umspielte ihren Mund. Obwohl er einen unbestreitbar traurigen Zug trug, spürte man doch dessen fesselnde Sinnlichkeit. Wie hypnotisiert blieb Nashs Blick an ihren Lippen hängen. Kaum merklich verlagerte er sein Gewicht im Sessel. „Kein Mensch, der in den letzten Jahren Zeitung gelesen oder die Nachrichten gehört hat, würde leugnen, dass Ihr Ruf entschieden gelitten hat, Miss Carpenter. Und trotzdem … ich bin sicher, dass viele auch Mitgefühl für Ihre prekäre Lage empfinden.“

Ein Anflug von Schmerz überschattete für einen Moment ihre faszinierenden Züge. Die schlanken Schultern versteiften sich, während sie ihre samtbraunen Augen vorwurfsvoll auf Nash richtete. „Ich bin nicht auf Mitleid aus, Mr Taylor-Grant! Und ich bin auch nicht geistig verwirrt, sondern wütend, und ich denke, zu Recht. Hören Sie … ich will nichts anderes als wieder in der Lage sein, mein Leben ohne die Einmischung anderer führen zu können. Können Sie sich überhaupt vorstellen, wie es ist, von einer hungrigen Meute Reporter und Fotografen gejagt zu werden? Sollte ich tatsächlich einen Zusammenbruch erlitten haben, könnte mir das nach all den Hetzjagden wohl kaum jemand zum Vorwurf machen.“

„Wohl kaum. Und es war sicher nicht besonders erfreulich“, pflichtete Nash ihr bei.

„Warum sollte die Öffentlichkeit auch Mitleid mit einem Menschen haben, der ihrer Meinung nach selbst für sein Scheitern verantwortlich ist? Vermutlich sind die Leute der Meinung, dass ich genau das bekommen habe, was ich verdient habe.“

„Ich glaube kaum, dass Sie einen schweren Autounfall und die Diffamierung Ihrer Persönlichkeit durch einen Menschen, der Sie früher vermutlich einmal geliebt hat, ‚verdienen‘. Oder sind Sie anderer Ansicht?“, warf Nash ein.

Seine Worte trafen sie so scharf wie der Stich eines Messers. Wie erstarrt saß Freya einen Augenblick da. Dass James sie geliebt hatte, stimmte nicht. Sicher, seine leidenschaftlichen Erklärungen, er wäre völlig vernarrt in sie, hatten Freya damals überzeugt, dass er es ernst meinte. Doch sie hatte schnell herausgefunden, dass Lügen ihm leicht von den Lippen kamen, besonders wenn sie seinen habgierigen Plänen nützten. Trotzdem musste Freya zugeben, dass sie ihm gegenüber viel zu leichtgläubig gewesen war …

„Freya?“ In dem freundlichen Blick ihres Onkels lag so viel Sorge, dass sie es kaum ertragen konnte. Er war die ganze Zeit über so gut zu ihr gewesen … so geduldig.

„Es ist alles in Ordnung, wirklich. Aber wenn ich ehrlich bin …“ Sie sah zu Nash und zwang sich, seinem forschenden Blick standzuhalten. Ob er sich nur einen Vorteil verschaffen wollte, wenn er ihr half? Ihr Beruf hatte sie Vorsicht gelehrt. Schwebte man in einem Augenblick noch hoch über den Wolken, konnte man im nächsten schon schmerzhaft tief abstürzen. Und ihr Onkel war manchmal vertrauensseliger, als gut für ihn war. Wie lange kannte er diesen PR-Guru überhaupt schon? Vermutlich erst kurze Zeit. Allerdings hatte sie ihn tatsächlich bei der Party gesehen. Dass sie behauptet hatte, sich nicht mehr erinnern zu können, festigte vermutlich seine Überzeugung, dass sie damals zu betrunken oder high gewesen war, um etwas um sich herum mitzubekommen.

Keines von beidem entsprach der Wahrheit, und Freya spürte einen Anflug von Wut und Verzweiflung in sich aufsteigen. Von dem damaligen Zusammentreffen mit Nash waren ihr seine Attraktivität und die sinnliche Ausstrahlung, die sie wie magisch angezogen hatten, in Erinnerung geblieben. Sie wusste auch noch, dass die graziöse Schönheit, die ihn an diesem Abend begleitet hatte, ein so hautenges Kleid trug, dass sie sich gefragt hatte, wie sie darin atmen, geschweige sich bewegen konnte. Außerdem hatte die Frau praktisch den ganzen Abend damit verbracht, ihren Begleiter anzuhimmeln.

Als sie Nash nun an dem großen Tisch ihres Onkels gegenübersaß, spürte sie, wie leicht es wäre, seinem aufrichtigen, einladenden Blick zu erliegen und ihm alles zu erzählen. All die schmutzigen kleinen Geheimnisse ihrer entsetzlichen Ehe, die ihre Seele zerstört hatten, und die unglaublichen Fehler, die sie in dieser Zeit gemacht hatte. Doch der Gedanke, welche Macht Nash mit diesem Wissen über sie bekäme, ließ sie doppelt vorsichtig sein.

„Ich glaube, das Ganze ist nur Zeitverschwendung“, fuhr sie fort. „Ich habe es nicht eilig, wieder im Rampenlicht zu stehen, Mr Taylor-Grant. Ich will damit nicht sagen, dass ich nie wieder als Schauspielerin arbeiten will, aber wenn, dann hinter den Kulissen.“

„Nichts für ungut, Miss Carpenter, aber unter den gegebenen Umständen ist das nicht so einfach zu bewerkstelligen“, entgegnete Nash freundlich.

„Ich verstehe nicht ganz.“

„Solange die Presse und die Öffentlichkeit Lügen über Sie verbreiten, für die Ihr verlogener Exmann verantwortlich ist … und ich nehme an, es handelt sich um Lügen … bezweifle ich, dass Sie in Ruhe und Frieden hinter den Kulissen arbeiten können, wie Sie es sich wünschen. Haben Sie die letzte Behauptung Ihres Exmanns überhaupt schon widerlegt?“, fragte er. „Ich meine nicht die über Ihren Zusammenbruch, sondern die andere.“

Freya wusste sofort, auf was Nash anspielte, und spürte, wie ihr Hitze in die Wangen stieg.

„Sie meinen diese lächerliche Behauptung über mein Liebesleben? Glauben Sie tatsächlich, dass sich irgendjemand für dieses obszöne Geschwätz interessiert?“

Darauf antwortete Nash nicht. Obwohl Freyas Wangen sich leicht gerötet hatten, wirkte sie eher wütend als peinlich berührt. Gut für sie, dachte er. Wenn sie nach all den verbalen Angriffen ihres offensichtlich bösartigen Exmanns noch Kampfwillen in sich trug, war dies eine gute Voraussetzung, um wieder zu sich selbst zu finden. Trotzdem verstand Nash immer noch nicht, warum sie einem Nichtsnutz wie Frazier überhaupt so viel Einfluss und Macht über ihr Leben und ihre Karriere eingeräumt hatte. Aber was Beziehungen betraf, machten sich die Leute seiner Meinung nach oft genug selbst etwas vor.

Dass er Freya helfen könnte, ihre Karriere wieder aufzubauen, davon war Nash überzeugt. Er hatte schon vielen Menschen mit einem stark geschädigten Ruf geholfen. Sollte er diesen Job jedoch akzeptieren, dann nur unter der Bedingung, dass ihr Verhalten ab sofort sehr viel vorbildlicher sein müsste als in der Vergangenheit.

„Ich muss Ihnen sicher nichts darüber erzählen, wie leicht die Leute von den Medien manipuliert werden können, sodass sie am Ende alles glauben.“ Er hob die breiten Schultern in dem maßgeschneiderten Jackett. „Meiner Ansicht nach sollten sie diesem ‚obszönen Geschwätz‘, wie Sie es zu Recht nannten, ein Ende setzen, indem Sie ruhig, aber entschieden jede diffamierende Äußerung Ihres Exmanns widerlegen.“

„Nash hat recht, Freya.“ Oliver nahm ihre Hand und drückte sie liebevoll. „Dieser Frazier schreckt vor nichts zurück, und man darf ihm nicht erlauben, weiterzumachen. Falls du dich nicht dazu durchringen kannst, etwas in dieser Sache zu unternehmen, dann denke bitte daran, was deine arme Mutter alles hat durchmachen müssen.“ Sein Blick schweifte zu Nash. „Meine Schwester war nach all dem, was geschehen ist, psychisch völlig am Ende“, erklärte er ihm. „James Frazier hat keinerlei Moral und bedauert nicht im Geringsten, was er unserer Familie angetan hat. Ganz im Gegenteil: Er macht unbeirrt weiter. Er hat Freyas Ruf großen Schaden zugefügt und sie mit seinen Lügen vor Gericht finanziell ruiniert. Dabei stand ihm ein gnadenloser Anwalt zur Seite, den eine bekannte Zeitung ihm bereitwillig zur Verfügung gestellt hat und der sich bei dieser Scheidung einen Namen machen wollte. Und trotz allem, was er erreicht hat, hört Frazier nicht auf, weiter ihr Leben zu zerstören.“

Plötzlich hatte Freya das Gefühl, das Zimmer würde sich um sie drehen. Was ihr Onkel gesagt hatte, war ihr natürlich mehr als bewusst, aber es aus seinem Mund zu hören, war für sie kaum zu ertragen, da sie wusste, wie sehr auch er litt. Am liebsten wäre sie auf eine einsame Insel geflüchtet, damit alle sie vergessen konnten …

Warum war sie in Bezug auf James’ Charakter nur so blind gewesen? Weshalb hatte sie sich von seinen Lügen so leicht verführen lassen? Trotz allem musste sie erneut einräumen, dass ihr Absturz nicht allein auf das schlechte Verhalten ihres Exmannes zurückzuführen war. Auch sie selbst trug einen Teil der Verantwortung. Hätte sie sich nicht so verzweifelt nach Liebe gesehnt und sich nicht vorgegaukelt, dass James es ernst mit ihr meinte, wäre all das nie passiert.

Nash räusperte sich und lockerte seine gestreifte Seidenkrawatte. „Ich denke, dass allein deine Nichte entscheiden kann, was sie tun will, Oliver. Wenn Sie es wünschen, Miss Carpenter, dann helfe ich Ihnen. Aber ich brauche Ihre Unterstützung dabei.“ Als er die tiefe Traurigkeit in den kaffeebraunen Augen bemerkte, stieg aufrichtiges Mitleid in ihm auf. Sie muss durch die Hölle gegangen sein, dachte er. Und ihr Blick verriet, dass sie immer noch Höllenqualen litt.

„Miss Carpenter?“, hakte er nach.

„Diese Gegendarstellung, von der Sie gesprochen haben … wären Sie bereit, mir dabei zu helfen?“

Ein Anflug von Verunsicherung lag in ihrem Blick, und Nash straffte sich. Dass sie sich nun doch überwunden hatte, seine Hilfe anzunehmen, erfüllte ihn mit großer Befriedigung. Aber er war auch dankbar, weil er so ihrem Onkel, der sich in seiner Freundschaft zu ihm immer sehr großzügig gezeigt hatte, etwas zurückgeben konnte.

„Natürlich. Wenn Sie sich entschließen, dass ich mich in Ihrem Namen für Sie einsetzen soll, werde ich Ihnen mit meiner ganzen Erfahrung zur Verfügung stehen.“

„Dann soll es so sein.“

Nash spürte, dass es ihr entsetzliche Angst machte, sich bewusst wieder den bohrenden Fragen der Öffentlichkeit zu stellen. Dass sie sich trotzdem dazu entschloss, erforderte sicher all ihre Kraft.

Sichtlich erleichtert beugte Oliver sich über den Tisch und schüttelte Nashs Hand. „Danke, mein Freund. Auch wenn wir uns noch nicht lange kennen, bin ich mir sicher, dass du ein Mann von Ehre und Integrität bist. Freya braucht jemanden wie dich an ihrer Seite. Die schrecklichen Ereignisse haben sie völlig gebrochen.“

„Was redest du denn da, Onkel Oliver? Du weißt, dass das nicht stimmt.“ Freya stand auf und funkelte ihren Onkel verärgert an, bevor sie Nash scharf ansah. „Eines möchte ich gleich zu Beginn klarstellen, Mr Taylor-Grant. Mag sein, dass ich während der vergangenen Jahre ein oder zwei schwere Rückschläge erlitten habe, zum Beispiel ein paar gebrochene Knochen bei dem Autounfall, aber ich bin in keiner Weise ‚gebrochen‘. Und selbst wenn, bin ich nicht darauf aus, dass mich jemand ‚heilt‘. Ich bin härter im Nehmen, als es vielleicht scheint. Und da ich bei all dem, was ich durchmachen musste, nicht verrückt geworden bin, halte ich mich für durchaus in der Lage, auch alles Weitere durchzustehen, ohne zu einem mitleiderregenden Nervenbündel zu werden!“

„Nun, das hoffe ich genauso wie Ihr Onkel. Ich bin sicher, dass Sie sich diesen Anfechtungen nicht mehr lange aussetzen müssen, Miss Carpenter. Wenn Sie erst einmal Ihre Presseerklärung abgegeben haben, können wir schnell darangehen, Ihre Karriere wieder aufzubauen, damit Sie zur Abwechslung mal wieder eine positive Presse bekommen.“

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