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Jerry Cotton 3284 - Krimi-Serie

Für immer verloren

Ein Überfall auf einen LKW auf der Interstate 95 ließ das FBI aufhorchen. Die Täter hatten den Fahrer erschossen und dabei eine Waffe benutzt, die schon einmal im Gangland zum Einsatz gekommen war.

Und was hatten die Täter eigentlich aus dem Laster geraubt? Drogen oder Waffen waren unser erster Verdacht – bis wir schließlich an den charismatischen Gangster Rafael Martino gerieten. Er machte uns klar, dass es noch ganz andere Dinge gab, in die Kriminelle ihr Geld investierten und dafür über Leichen gingen.

Kaum hatten wir das erkannt, ließ der nächste Mord nicht auf sich warten …

Der grauhaarige Mann öffnete die beiden Verschlüsse an dem länglichen Koffer. Einen Moment ließ er seine Hände über der glatten Oberfläche des Deckels schweben.

In Rafael Martino, der ihn dabei beobachtete, wuchs die Spannung, obwohl er das Spiel durchschaut hatte. Der Verkäufer wollte seiner Ware eine besondere Bedeutung geben, das war klar.

Martino hatte ebenfalls einen Koffer dabei, mit zehn Millionen Dollar in bar.

Schließlich öffnete der Mann den Deckel.

«Ist sie nicht wunderschön?«, fragte er.

Martino lächelte und nickte versonnen. Minuten später wechselten die beiden Koffer die Besitzer.

»Er kommt raus«, sagte Nadia und stieß den Mann an, der neben ihr auf dem Beifahrersitz eingenickt war. »He, Oleg, schläfst du etwa?«

Oleg war ein glatzköpfiger, bulliger Typ, vor dem sich jeder fürchtete, der ihm nachts an einer einsamen Ecke begegnete. Doch was er an Körperkraft besaß, schien auf Kosten seines Intelligenzquotienten zu gehen. Man musste ihm jeden Kleinkram erklären. Aber zum Denken hatte er ja Nadia.

»Was ist?« Oleg rieb sich die Augen.

»Ich sagte, sie kommen raus.« Sie startete den Motor.

Etwa hundert Yards vor ihnen war Martino hinten in eine schwarze Limousine eingestiegen. Seine beiden Helfer begleiteten ihn. Zwei Typen in dunklen Anzügen, die wie die Blues Brothers aussahen. Das Einzige, was fehlte, waren die Hüte. Aber sie trugen die gleichen schwarzen Sonnenbrillen, obwohl die Sonne gar nicht schien.

»Folgen wir ihnen?«, fragte Oleg stirnrunzelnd.

»Was hast du denn gedacht?«, zischte Nadia.

Es war keine halbe Stunde her, dass sie von Kapustin ihre Befehle erhalten hatten. Sie zwang sich, nicht zu streng mit Oleg zu sein. Der Junge hatte im Tschetschenienkrieg seine Eltern verloren und war in einem verwahrlosten Waisenhaus in Sibirien aufgewachsen.

Sie ließ den BMW aus der Parklücke rollen und fuhr hinter Martino her. Es ging von Midtown Manhattan Richtung Norden bis zur nördlichen Seite des Central Park. Nadia wusste, dass Martino hier wohnte.

Er stieg aus. Den länglichen Koffer, den er mitgebracht hatte, ließ er in dem Fahrzeug. Die Limousine fuhr ohne den Boss weiter.

»Jetzt wird es interessant«, entfuhr es Nadia.

»Wieso?«, fragte Oleg und sah sich um, als wäre er zum ersten Mal in dieser Gegend. Staunend blickte er an den Wolkenkratzern hoch.

»Erkläre ich dir später.«

Oleg hörte schon gar nicht mehr zu.

»So große Häuser«, sagte er mit Staunen in der Stimme.

Nadia verfolgte den Wagen, der den Weg zum East River nahm und ihn auf der Queensboro Bridge überquerte. Etwas später erreichte er ein Industriegebiet östlich der Queensboro Plaza, direkt an dem riesigen Bahngelände gelegen, das diesen Teil der Stadt durchschnitt.

An der schmutzigen Fassade eines Betongebäudes stand ein Firmenname. Transbay Logistics. Hier hielt die Limousine.

Die beiden Typen in dunklen Anzügen stiegen aus. Einer hielt den länglichen Koffer in der Hand. Gemeinsam betraten sie das Gebäude.

Nadia holt ihr Handy hervor und drückte eine Kurzwahltaste.

»Nadia«, sagte die dunkle, etwas kratzige Stimme von Kapustin. Es war die Meldung, dass er ihr zuhörte, und der Befehl, ihm die Neuigkeiten mitzuteilen, zugleich.

»Er hat den Deal gemacht«, erklärte sie. »Unser Kontaktmann hatte recht.«

»Wo seid ihr jetzt?«

Nadia nannte die Adresse und den Namen der Firma.

»Er wird sie irgendwo hinbringen lassen«, sagte Kapustin. »Wenn das gelingt, ist es zu spät.«

»Sollen wir reingehen?«, fragte sie. »Wenn wir es geschickt anstellen, ist das eine Sache von Minuten.«

»Nein … Das muss besser vorbereitet werden. Lassen wir es die Cops erledigen.« Er räusperte sich.

Es die Cops erledigen lassen …

Das war eine Art Geheimcode für eine bestimmte Vorgehensweise.

«Habt ihr alles, was ihr dafür braucht?«, fragte Kapustin.

»Natürlich«, bestätigte Nadia.

Sie warf einen Seitenblick auf Oleg, der sich in seinem Sitz zurückgelehnt und die Augen wieder geschlossen hatte.

»Findet raus, welcher LKW die Fracht übernimmt«, sagte Kapustin. »Das heißt … nein, wartet. Das mache ich selbst. Bleibt dort vor Ort, bis ich weitere Informationen habe. Ich melde mich wieder. Sieh zu, dass Oleg ausgeschlafen hat, wenn es losgeht.«

Nadia beendete das Gespräch. Dann stieg sie aus, ging um den Wagen herum und öffnete den Kofferraum. Es waren mehrere Koffer und Taschen darin. Nadia öffnete einen der Koffer und entnahm ihm eine kurzläufige, schwarze Pistole.

Sie sah sich kurz um. Niemand war auf der Straße zu sehen, als sie die Waffe in das Holster steckte, das sie unter ihrer schwarzen Jacke trug. Dann nahm sie eine Tasche, die sie mit nach vorne brachte.

»Was ist los?«, fragte Oleg, als sie die Tür zuknallte.

Nadia hielt ihm die Tasche hin.

»Schnell, wir müssen uns umziehen«, sagte sie. »Es kann jeden Moment weitergehen.«

Sie hatte schon die Jacke ausgezogen, sie auf den Rücksitz geworfen und sich ihrer halbhohen Stiefel entledigt.

»Glotz nicht so«, sagte sie, während sie ihre Hose öffnete. »Beeil dich lieber.«

Da klingelte Nadias Handy.

»Der LKW fährt in zehn Minuten los«, sagte Kapustin. »Ich kenne die Route. Haltet euch bereit …«

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Deborah Miller fuhr den Interstate Highway 95 entlang. Sie freute sich darauf, endlich die Tür hinter sich zuzumachen und den Feierabend zu genießen.

Ihr Apartment in Princeton war winzig. Sie bewohnte es bereits seit Studententagen, die freilich schon zehn Jahre zurücklagen. Eigentlich dachte Deborah gar nicht so gerne an diese Zeit zurück, die ein einziges Desaster gewesen war.

Mit viel Mühe hatte sie die Qualifikationen ergattert, um an der berühmten Universität studieren zu können. Doch dann war sie durch eine Prüfung nach der anderen gerasselt. Das Einzige, was ihr geblieben war, waren das Apartment und der Aushilfsjob bei einem Immobilienmakler.

Hier war sie wesentlich erfolgreicher als im Studium. Kaum hatte ihr Boss eine Dependance in New York eröffnet, war sie im Geschäft gewesen. Deborah vermittelte nun Wohnungen im Big Apple.

Sie bremste, als es auf dem Highway einen Stau gab. Verdammt, sie würde sicher wieder mindestens eine halbe Stunde länger brauchen. Dabei lechzte ihr Körper nach Entspannung.

Das Immobiliengeschäft war zwar einträglich, aber auch ziemlich anstrengend. Und das schon rein körperlich. Den ganzen Tag musste sie in hochhackigen Schuhen ihre Kunden durch die Apartments führen.

Es gab jedoch einen Lichtblick. Marvin, ihr Boss, hatte durchblicken lassen, dass sie vielleicht demnächst selbst eine Bleibe in der Stadt, die niemals schlief, finden konnte. Und das zu einem annehmbaren Preis.

Der Stau löste sich langsam wieder auf. Deborah unterdrückte ein Gähnen. Das Radiogedudel ging ihr auf die Nerven.

Vielleicht sollte ich einen Kaffee trinken, dachte sie.

In drei Meilen gab es eine Raststätte mit Gastronomie und allem Drum und Dran.

Sie wechselte auf die rechte Spur, und plötzlich wurde ihr bewusst, dass neben ihr ein Wagen der Polizei unterwegs war. Es war ein schwarzer BMW. Darin saßen zwei Uniformierte, ein Mann und eine Frau.

Deborah hatte einen Cousin, der bei der City Police in Philadelphia beschäftigt war. Daher kannte sie sich ein bisschen aus.

Eigentlich war es ungewöhnlich, dass uniformierte Cops in einem Zivilwagen herumfuhren. Und dann auch noch in einem deutschen Fabrikat!

Deborah setzte sich zwischen den dunklen Wagen und einen LKW und versuchte, im Rückspiegel das Kennzeichen des BMW zu erkennen.

Und das war wieder merkwürdig. Es handelte sich um ein ganz normales Kennzeichen aus dem Staat New York.

Deborahs Cousin hatte ihr eine Menge beigebracht über die Arbeit bei der Polizei. Er hatte ihr aber auch immer wieder gesagt, dass man sich in deren Arbeit nicht einmischen solle. So beschloss sie, dass sie das Ganze nichts anging.

Sie rollte zwischen dem BMW und dem Laster auf der rechten Spur dahin. Etwa zweihundert Yards vor der Ausfahrt setzte sie den Blinker. Fast im selben Moment tat der LKW-Fahrer vor ihr dasselbe.

Deborah dachte sich nichts dabei. Sie folgte der Beschilderung in Richtung der Parkplätze für PKW.

Es war viel los auf der Raststätte, sodass sie erst ganz hinten, kurz vor dem Bereich für die Lastwagen, eine Lücke fand. Von hier war es ein Stück zu gehen, bis man das Gebäude mit dem Restaurant erreichte. Es lag beleuchtet etwa dreihundert Yards entfernt in der heraufziehenden Dämmerung.

Als sie parkte, hatte sie die beiden Cops in dem Zivilfahrzeug schon fast vergessen, doch da sah sie den BMW wieder. Er hielt neben dem LKW, der vor ihr hergefahren war.

Die beiden Beamten stiegen aus. Ein bulliger Mann, dessen Körper die enge Uniform fast zu sprengen schien, und eine schmächtige blonde Frau. Gemeinsam schritten sie auf das Führerhaus des LKW zu.

In diesem Moment klingelte Deborahs Handy.

Es war Marvin, ihr Boss.

Natürlich musste sie rangehen, aber sie hätte viel lieber verfolgt, was da vorne an dem LKW geschah. Jetzt konnte Deborah auch eine Aufschrift lesen.

Transbay Logistics.

Das Handy klingelte weiter. Deborah nahm es, drückte den grünen Knopf und meldete sich.

»Schon wieder auf dem Heimweg?«, rief Marvin mit seiner typischen Leutseligkeit in der Stimme, mit der er seine Kunden einzuwickeln versuchte.

Es war kein Vorwurf, sondern eine ganz normale Frage.

»Ich glaube, es gibt gute Neuigkeiten«, sagte er übergangslos. »Upper West Side, zwei Zimmer, ein Bad, recht gut gepflegt. Du kannst es ab nächsten Monat haben. Über den Preis müssen wir noch reden, aber ich bin sicher, dass es da keine Probleme geben wird.«

Das war die Nachricht, auf die Deborah gewartet hatte. Ein eigenes Apartment in New York! Und dann auch noch in einer solchen Gegend!

Normalerweise wäre sie sofort in Jubel ausgebrochen. Aber da hinten an dem LKW tat sich etwas.

Die junge Polizistin redete auf den Fahrer ein, der noch immer oben in seiner Kabine saß und die Tür geöffnet hatte. Der bullige Cop blieb etwas abseits, griff hinter sich und zog langsam etwas aus dem Hosenbund hervor.

Eine Pistole.

»Deborah, bist du noch da?«, fragte Marvin.

Cops trugen ihre Waffen nicht im Hosenbund mit sich herum. Das wusste Deborah ganz genau.

»Ist was mit der Verbindung?«, rief ihr Boss. »Hallo?«

Jetzt hob der Bullige den Arm. Als wäre es ihm jetzt erst eingefallen, sah er sich um. Unwillkürlich duckte sich Deborah in ihrem Wagen. Ihr Handy hatte sie immer noch am Ohr.

»Hast du das mit der Wohnung gehört?«, rief Marvin.

»Ja, ich hab’s gehört«, rief sie. »Danke, das ist super. Ich freu mich.«

»Du freust dich aber komisch«, sagte er. »Ist alles in Ordnung?«

»Ja … das heißt, nein … Hier ist gerade was sehr Merkwürdiges im Gange.«

Sie hob vorsichtig den Kopf und sah in Richtung des LKW. Die uniformierte Frau redete immer noch mit dem Fahrer, der sich nun anschickte, auszusteigen.

»Was ist?«, wollte Marvin wissen. »Kann ich dir irgendwie helfen?«

»Wir müssen das Gespräch beenden«, sagte Deborah. »Ich muss die Polizei anrufen.«

Ohne sich zu verabschieden, drückte sie den roten Knopf.

Am LKW hatte der Fahrer nun den Boden erreicht. Die beiden Cops begleiteten ihn auf die Rückseite, von wo aus man Zugang zum Laderaum hatte.

Und wenn das doch eine normale Polizeiaktion war? Plötzlich hatte Deborah das Gefühl, etwas falsch zu machen.

Warum gehst du nicht den verdammten Kaffee trinken, fährst nach Hause und rufst noch mal Marvin an, um mehr über das Apartment in der Upper West Side zu erfahren?

Sie setzte sich hin, atmete tief durch und nahm ihre Handtasche sowie den Autoschlüssel. Dann stieg sie aus.

Sie fröstelte, als ein kühler Wind über das Areal fegte. Der Verkehr auf dem nahen Highway, der nur durch einen Streifen Büsche von dem Rastplatz abgetrennt war, rauschte.

Deborah schloss den Wagen ab. Da knallte etwas.

Ein Schuss! Sofort folgte ein zweiter.

Deborah hockte sich neben ihr Auto. Hinten an dem LKW rannten zwei Gestalten zu dem BMW. Der Bullige hatte etwas in der Hand, das wie ein länglicher Koffer aussah. Im nächsten Moment preschte der Wagen los in Richtung Highway.

Deborahs Herz raste. Sie musste sich einen Moment überwinden, aber dann rannte sie zum Lastwagen. Die hintere Klappe stand offen und gähnte Deborah wie eine dunkle Höhle entgegen. Davor lag jemand auf dem Asphalt.

Der Fahrer. Aus einer Wunde auf der Brust sickerte Blut.

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»Verdammt, ist das kalt geworden«, schimpfte Phil, als er in den Jaguar stieg. »Und das soll Frühling sein?«

Wie die meisten Passanten trug er einen Mantel, dessen Kragen er als Schutz vor dem Wind, der durch die Straßen fegte, hochgeschlagen hatte. Ich dagegen war bei meiner Lederjacke geblieben, in der ich mich besser bewegen konnte.

»Sei froh, dass es nicht so heiß ist«, sagte ich. »Das kommt noch früh genug.«

»Apropos heiß. Jedenfalls freue ich mich auf einen guten heißen Kaffee von Helen«, brummte er.

»Das ist doch was«, meinte ich grinsend. »Wie viele Menschen freuen sich schon auf ihre Arbeit?«

Ich blinkte und fädelte den Wagen in den morgendlichen Verkehr ein.

»Gegen Feierabend hätte ich aber auch nichts«, fuhr Phil fort. »Weißt du was, Jerry? Wir sind lange nicht mehr im Mezzogiorno gewesen. Ich vermisse unseren Stammitaliener regelrecht. Wahrscheinlich fragen sie sich da schon, was aus uns geworden ist.«

Phil hatte recht. Die Arbeitsbelastung der letzten Wochen war so hoch gewesen, dass wir keine Zeit für einen Besuch in dem Restaurant gehabt hatten.

»Wenn es klappt, holen wir heute Abend alles nach«, versprach ich.

Leider sah es erst einmal gar nicht danach aus. Kaum hatten wir im dreiundzwanzigsten Stock des Jacob K. Javits Federal Building den Aufzug verlassen, kam uns schon unser Kollege Steve Dillaggio entgegen.

»Ich komme gerade von Mister High«, sagte er. »Er hat Arbeit für euch.«

Ehe wir ihm eine weitere Frage stellen konnten, war er schon den Gang entlang verschwunden.

Der Assistant Director in Charge saß konzentriert hinter seinem Schreibtisch, als wir sein Büro betraten. Er sah von einer Akte auf, die er gerade vor sich hatte, und begrüßte uns knapp.

Dann stand er auf, und wir nahmen in der Sitzgarnitur auf der anderen Seite des Raumes Platz. Helen brachte den von Phil so sehr ersehnten Kaffee.

»Gestern Abend gab es auf der Interstate 95 zwischen New York und Princeton einen Überfall auf einen LKW«, begann der Chef.

Er schob uns einen Ordner hin, der die Unterlagen zu dem Fall, enthielt und schlug ihn auf. Die erste Seite enthielt das Foto eines jungen Mannes.

»Das ist Jim Duncan«, fuhr Mr. High fort. »Zweiundzwanzig Jahre alt. Er ist bei dem Überfall erschossen worden.«

Ich wechselte einen Blick mit Phil. Wenn es bei diesen Informationen blieb, war das kein Fall für uns.

Es schien so, als hätte Mr. High meine Gedanken gelesen.

»Was die Sache zu einer Aufgabe für uns macht, ist die verwendete Waffe«, klärte er uns auf.

Er schlug die Seite um. Die Abbildung einer Pistole mit auffällig kurzem Lauf kam zum Vorschein.

»Eine Arsenal« sagte ich. »Ein europäisches Fabrikat.«

»Genauer gesagt, eine Arsenal P-M02 Compact«, ergänzte Mr. High. »Sie kommt aus Bulgarien.« Er räusperte sich. »Genau die Waffe, die bei dem Überfall zum Einsatz kam, ist bekannt. Damit wurden einige Verbrechen in New York und Umgebung begangen. Leider wissen wir nicht, wer sie zuletzt hatte.«

»Wurde die Pistole sichergestellt?«, fragte Phil.

Der Chef schüttelte den Kopf. »Die Täter haben sie mitgenommen.«

»Das ist im Grunde ein ganz gewöhnliches Neunmillimeter-Kaliber«, wandte ich ein. »Und trotzdem hat die Forensik es geschafft, die Spuren so genau zuzuordnen, ohne die Pistole selbst zu haben. Das war gute Arbeit.«

»Allerdings«, bestätigte der Chef. »Es gibt auch eine Zeugin, die den Überfall beobachtet hat. Allerdings hat sie die Sache erst nicht so richtig ernst genommen, denn die Täter waren als Polizisten verkleidet. Laut der Zeugin waren es zwei. Ein Mann und eine Frau, die in einem dunklen BMW unterwegs waren. Sie haben aus dem LKW etwas gestohlen. Leider wissen wir nicht, was. Die Zeugin hat nur einen länglichen Koffer gesehen, den sie mitgenommen haben.«

Ich suchte in der Akte die entsprechende Stelle. Die Frau hieß Deborah Miller und war Immobilienmaklerin. Sie wohnte in Princeton.

»Ich glaube, es hat keinen Sinn, sich weiter mit der Zeugin zu befassen«, sagte Mr. High. »Die Kollegen in New Jersey drüben haben sie sehr sorgfältig befragt. Sie hat uns alles mitgeteilt, was sie gesehen hat.«

Ich blätterte weiter. Viel war es nicht. Sie konnte die Täter nur sehr allgemein beschreiben, und sie erinnerte sich auch nicht an Kennzeichen. Ihr war nur aufgefallen, dass der BMW der Täter eine Autonummer aus New York gehabt hatte. Der LKW gehörte zu einer Firma namens Transbay Logistics.

Phil, der neben mir saß, las die Akte mit.

»Hier steht, der LKW ist sichergestellt worden«, sagte er kopfschüttelnd. »Aber es gibt überhaupt keine Hinweise darauf, was außerdem noch im Laderaum war. Das ist doch seltsam.«

»Vielleicht haben die Täter mehr mitgenommen als den geheimnisvollen Koffer«, meinte ich.

»Die Aussage der Zeugin ist eindeutig«, sagte Mr. High. »Sie sagt, sie hätten nur den Koffer mitgenommen. Davon abgesehen war der Laderaum leer …«

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Wir verzogen uns mit dem Kaffee und dem Papierkram in unser Gemeinschaftsbüro und überlegten, wie wir weiter vorgehen sollten.

Phil saß am Rechner und hatte sich die Geschichte der Arsenal-Pistole auf den Schirm geholt. Mehrere Morde in New York waren damit begangen worden.

»Alle im Gangland«, erklärte mein Partner. »Bei den Bandenkriegen vor allem, und zuletzt hat damit jemand bei einem Überfall auf eine Tankstelle in Queens einen Schuss abgegeben. Das ist aber vier Jahre her.«

»Und wer ist dieser Jemand?«, fragte ich.

»Er heißt Danny Forelli.«

»Und was weiß man über ihn?«

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