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John Sinclair - Folge 2183

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der Verwandler
  4. Briefe aus der Gruft
  5. Vorschau

Der Verwandler

von Jason Dark

Ein Männerabend!

Suko und ich hatten ihn uns gegönnt. Das musste einfach mal wieder sein. In Ruhe alles besprechen, was es zu besprechen gab. Und das in einem chinesischen Lokal. Dem besten in der Stadt, wie mir Suko glaubhaft versichert hatte.

Wie gesagt, ein Männerabend. Keiner von uns dachte daran, dass daraus ein Mörderabend werden könnte …

»Nach der Suppe werde ich dir sagen, was du noch bestellen kannst«, teilte Suko mir mit und grinste mich dabei an.

»Hoffentlich kein toter Hund.«

»So ist es. Und auch kein alter Affe.«

»Widerlich. Du weißt, wie man einem den Appetit verderben kann.« Ich schüttelte mich.

Suko lachte über mein Schauspiel. Es war klar, dass ich wusste, dass er nur Spaß gemacht hatte. Ich hätte sie ja auch loben können, denn diese Geflügelsuppe war eine Wucht. Ente, Gans und Huhn hatten sich zu einem wunderbaren Geschmackserlebnis verdichtet. Jetzt war ich auf das Hauptgericht gespannt, denn auf das Zwischengericht hatte ich verzichtet.

Shao, Sukos Partnerin, war nicht dabei. Sie hatte sich mit einer Freundin verabredet. Gemeinsam waren sie in die Oper gegangen, ein Werk, das mehr als drei Stunden dauerte. Danach wollten sie noch einen Schluck trinken gehen.

»Ja, so ist das«, sagte Suko und tupfte mit der Serviette seine Lippen ab.

Ein Kellner wieselte heran und räumte lächelnd den Tisch ab. Suko hatte sich eine große Flasche Wasser bestellt, und ich trank einen herben Roséwein.

»Und das Hauptgericht?«, fragte ich, »wann kann es serviert werden?«

»Einen Augenblick Geduld noch. Dieses Werk ist nicht so einfach zu kochen.«

»Werk?«, fragte ich.

»Ja, ein Werk. Bei diesem Essen gibt man sich die größte Mühe.«

»Aha.« Wenig später bekam ich zu sehen, was Suko damit gemeint hatte. Ein Wagen wurde herangefahren. Auf ihm standen vier Schwäne aus Eis. Sie bewachten einen großen ovalen Teller, auf dem so ziemlich alles lag, was die chinesische Küche zu bieten hatte. Je näher der Servierwagen an unseren Tisch geschoben wurde, desto größer wurden meine Augen, und automatisch stieg eine Frage in mir hoch, die ich sofort stellte.

»Sag mal, Suko, welche Familie hast du für heute noch eingeladen?«

»Keine.«

»Das … das … ist für uns?«

»Wie du siehst.«

Ich rollte mit den Augen und ließ mich nach hinten sinken. Das war ein Hammer, ich wollte noch etwas sagen, da sah ich den Mann, der auf uns zukam. Er war mit einem scharfen Messer bewaffnet, das ihm wohl noch nicht scharf genug war, denn an einem fast armlangen Wetzstein schliff er es.

Für meinen Hals war das nicht bestimmt. Eher für die große Ente, die den Mittelpunkt des Gerichts bildete. Um den Vogel herum verteilten sich die unterschiedlichsten chinesischen Gemüsesorten und auch eine Auswahl verschiedener Reissorten sowie die entsprechenden Soßen.

Sukos Augen glänzten. Er wurde gefragt, was serviert werden sollte, und auch mich fragte ein zweiter Ober.

Ich hatte am Rand der Platte Frühlingsrollen entdeckt, und die esse ich verdammt gern. Besonders die Füllung im Innern machte mir Freude.

Ich schielte auf Sukos Teller. Die Ente war noch nicht angeschnitten worden, dafür bekam Suko ein anderes Fleisch gereicht, das aussah wie kleine Frikadellen und erst richtig schmeckte, wenn man es mit einer scharfen Soße übergoss.

Auch zu meinen Frühlingsrollen bekam ich eine kleine Schale, die mit einer grünen Soße gefüllt war. Ich probierte sie und merkte, dass sie leicht minzig schmeckte. Nicht schlecht. Als Brite war ich ja Minze im Essen gewohnt.

»Und?«, fragte Suko.

»Sehr pikant, würde ich sagen.«

»Siehst du. Man sollte nie so voreingenommen sein. Das Gericht ist wirklich lecker. Wenn erst mal die Ente zerlegt ist und sich dabei ihr Aroma entfaltet, dann läuft dir das Wasser im Mund zusammen.«

»Kann ich mir denken, und deshalb esse ich auch nur zwei.«

»Das ist gut, John, das ist …« Plötzlich sprach er nicht mehr weiter, sondern sah mich an und zugleich an mir vorbei. Seine Augen waren weit geworden.

»Was ist los?«, fragte ich.

Suko schüttelte den Kopf. An ein Weiteressen dachte er in diesen Momenten nicht.

»He, träumst du?«

»Kann sein, aber ich glaubte nicht, dass ich geträumt habe. Ich habe was gesehen.« Er hatte den Satz mit einer Betonung gesagt, als hätte er ihn angewidert.

»Und was hast du gesehen?«

»Ähm … mich, John!«

»Was? Du hast dich gesehen?«

»Ja, und zwar hinter deinem Rücken.«

Ich musste lachen, hörte aber schnell wieder auf, als ich Sukos Gesichtsausdruck sah, denn das war kein Spaß. Er rutschte auch unruhig auf seinem Stuhl hin und her, das kannte ich bei ihm nicht. Da musste schon etwas geschehen sein.

Er atmete heftiger. Hielt sich mit beiden Händen an der Tischkante fest und schüttelte immer wieder den Kopf.

Ich wollte mehr wissen. »Hast du denn noch etwas bei mir gesehen?«

»Nein, nur mich. Aber …«

»Nein, behalte dein aber.« Jetzt war ich bereit, mich zu drehen, was ich auch tat.

Ich – sah nichts!

Ja. Ich konnte nichts mehr denken, wollte es auch nicht und drehte mich wieder, sodass ich Suko ansehen konnte.

»Da war nichts.«

Er nickte.

»Aber geträumt hast du nicht – oder?«

»Nein, das habe ich nicht. Außerdem habe ich dir nicht alles erzählt.« Er musste tief Luft holen, um wieder normal zu werden. Dann sagte er: »Da war noch etwas, das ich dir nicht erzählt habe.« Er beugte sich etwas vor, um seine Stimme zu senken. »Ich hielt in meiner rechten Hand ein Messer mit recht langer Klinge. Es sah so aus, als wollte ich es dir in den Hals stoßen.«

Es ist nicht leicht, mich zum Schweigen zu bringen. Diesmal war es geschehen, und ich starrte Suko an. Eine Antwort fiel mir im Moment nicht ein.

Suko nickte mir zu. »Ich habe dich nicht belogen. Das Bild war da. Ich mit dem Messer. Ich habe dich bedroht.«

Begreifen konnte ich das noch immer nicht. Aber ich ging davon aus, dass alles stimmte und fragte: »Was hattest du denn an?«

»Das, was ich jetzt anhabe.«

»Wahnsinn.«

»Ja, und ich habe mir das nicht eingebildet.«

»Kann man da von einer Geisterscheinung sprechen?«

»Ich weiß es nicht, John. Es geschah alles so schnell und Vorwarnung. Das ist ja das Schlimme.«

»Was können wir tun?«, fragte ich.

»Keine Ahnung. Noch jedenfalls. Aber ich frage mich auch, warum diese Gestalt erschienen ist. Ich bin mir wirklich keiner Schuld bewusst, wie man so schön sagt.«

»Das nehme ich dir ab.«

Der Besitzer des Restaurants näherte sich unserem Tisch. Der etwas gedrungen wirkende Mann schien nur aus Lächeln zu bestehen. Bekleidet war er mit einem weißen Hemd, einem ebenso weißen Anzug und einer hellroten Fliege.

Er blieb stehen, deutete eine Verbeugung an, bevor er sein Erstaunen zeigte und die Augen weit öffnete.

»Bitte, bitte, die Herren. Haben wir einen Fehler gemacht? Ist das Essen nicht gut genug? Sagen Sie es. Wir werden uns sofort bemühen und Ihnen ein besseres …«

»Nein, nein, das auf keinen Fall«, sagte Suko. »Ihr Essen ist wunderbar. Wir werden es auch genießen. Nur müssen wir zuvor noch etwas besprechen.«

»Aha. Ja, ich verstehe. Dann lasse ich das Gericht wieder mit in die Küche nehmen. Dort wird man sich darum kümmern und es Ihnen wieder frisch servieren.«

»Ja, das hört sich gut an«, sagte ich.

»Danke, die Herren.« Er schnippte mit den Fingern.

Augenblicklich eilten zwei Ober herbei und schoben das Hauptgericht wieder in Richtung Küche.

»Ich hätte nichts essen können«, sagte Suko. »Nicht nachdem ich das gesehen habe.«

»Ist verständlich. Auch mir ist der Appetit etwas vergangen, und ich glaube, dass da etwas auf uns zukommt.«

»Stimmt. Es war wie eine Ouvertüre.«

»Okay«, sagte ich, »dann gehst du nach wie vor davon aus, dass du dich selbst gesehen hast. Mit einem Messer in der rechten Hand, das meine Kehle durchstoßen sollte.«

»So ist es.«

»Und du hast keinen Geist gesehen?«

Suko überlegte. »Ich kann es nicht genau sagen. Die Gestalt kam mir eher vor wie ein Mensch. Als hätte ich einen Zwilling bestellt. Ich kann dir nichts anderes sagen.«

Ja, das sah ich auch so. Man konnte auch nicht von einer Erklärung sprechen. Es war ein Phänomen. Und da es gerade mit uns passiert war, konnte man es als magisch bezeichnen.

Oder anders gesagt: Jemand hatte es auf uns abgesehen und sich eine besondere Methode einfallen lassen. Wobei dieser Unbekannte verdammt mächtig sein musste, denn eine Erklärung für das Phänomen hatten wir nicht. Man konnte sagen, dass es der Teufel und sein Umfeld gewesen waren, aber sicher war das auch nicht.

Wir fragen uns beide, ob es ein Motiv für das Ganze gab.

Ich sah, dass sich auf Sukos Stirn kleine Schweißperlen gebildet hatten. Das passierte bei ihm selten, aber wenn, dann hatte er schwere Probleme.

Er sagte mit leiser Stimme: »John, da kommt was auf uns zu. Das musst du mir glauben.«

»Möglich.«

»Nein nicht möglich. Ich kann es dir auch nicht verübeln, wenn du mir nicht glaubst, aber ich habe hinter dir einen Menschen gesehen, der ein Messer in der Hand hielt und so aussah wie ich.«

Ich nickte. »Ja, das glaube ich dir auch.«

Der Restaurantbesitzer tauchte wieder auf und fragte, ob wir das Hauptgericht serviert haben wollten.

»Nein, danke.«

»Schade, aber ich …«

»Wir reden später«, sagte Suko.

»Sehr wohl.«

Der Besitzer zog sich wieder zurück und ließ uns allein am Tisch sitzen.

»Was machen wir, John?«

»Wir werden von hier verschwinden.«

Suko nickte. »Glaubst du, dass das Problem damit gelöst ist?«

»Bestimmt nicht.« Ich hatte noch was auf dem Herzen und hakte nach. »Bist du dir sicher, dass es du gewesen bist, der mich mit dem Messer bedrohte?«

»Ja, das war ich. Ein Zwilling.«

»Und dann?«

»War er plötzlich weg.«

Was sollte ich dazu sagen? Mir fiel nicht mehr viel ein. Es war auch Zeit, das Restaurant zu verlassen. Wir hatten uns zwar nicht abgesprochen, standen aber gleichzeitig auf. Es war alles normal – bis zu dem Zeitpunkt, als Suko plötzlich aufschrie und über den Tisch hechtete, wobei er mich umriss.

Ich wusste nicht, wie mir geschah. Ich landete auf dem Boden und konnte nur zusehen.

Suko sprang nach vorn. Er hatte beide Arme ausgestreckt und wollte den Arm mit dem Messer abwehren, der von oben nach unten zielte.

Ging wirklich alles so langsam? Oder bildete ich mir das nur ein? Suko bewegte sich, aber irgendwie nicht so schnell wie sonst. Er kam mir langsamer vor, was auch bei dem Angreifer der Fall war.

Suko war es gelungen, den Arm des Anderen zu packen. Er schaffte es nicht, ihn herum zu hebeln, aber das war nicht mehr nötig, denn es passierte etwas Phänomenales.

Die Gestalt verschwand, löste sich einfach auf.

Ich saß auf dem Boden und sah zu. Etwas tun konnte ich nicht. Dann drehte Suko sich um und blickte mich an.

»Er ist weg. Der falsche Suko ist weg. Aber ich bin noch hier. Verstehst du das, John?«

Ich schüttelte nur den Kopf.

Pause in der Oper.

Nach einem kurzen Beifall begann das große Aufatmen beim Publikum.

Der erste Teil des Musikschinkens Lohengrin war geschafft. Es war eine wirklich tolle Vorstellung gewesen. Hervorragende Sänger und ein ungewöhnliches Bühnenbild, das bei den Gästen bestimmt noch in Erinnerung bleiben würde.

Shao und ihre Bekannte Bella Shawn schoben sich durch die Reihe in den Seitengang, um von dort aus durch die offene Tür nach draußen zu sehen, wo man sich in der Pause traf und sich auch entsprechend verteilte, was aufgrund der Größe durchaus möglich war.

An einer Säule stoppte Shao. Sie tippte Bella auf die Schultern. »Ich hole uns was zu trinken.«

»Super, ich bin schon ausgetrocknet.«

Shao verschwand lachend und stellte sich in die Schlange an der Theke. Sie war froh, wieder mal ausgehen zu können. Einen freien Abend haben und den noch kulturell auszufüllen, das gefiel. Die Bekannte aus dem Computer-Kurs hatte sie darauf gebracht. Erst hatte Shao gezögert, jetzt war sie Bella Shawn dankbar.

Langsam rückte sie nach vorn. Die Pause würde sich über eine halbe Stunde hinziehen, so konnte man in Ruhe trinken und sich auch unterhalten.

Shao kam an die Reihe und bestellte zwei Flaschen Wasser, die sie mitnahm. Die beiden Gläser hatte sie auf die Flaschen gedrückt.

So ließ sich beides besser tragen.

Bella Shawn wartete an derselben Stelle. Sie war eine Frau, die auffiel.

Im Gegensatz zu Shaos lackschwarzer Mähne war ihr Haar blond. Es floss auch nicht lang bis in den Nacken und über die Schultern, es war kurz geschnitten und gescheitelt.

»Danke, Shao.«

»Keine Ursache.« Beide Frauen tranken die ersten Schlucke. Wie immer wenn Shao in das Gesicht ihrer Bekannten blickte, fielen ihr die blauen Augen auf, die so herrlich strahlen konnten, wenn Bella sich freute.

Auch jetzt steckte sie voller Freude, stellte das Glas auf einem Tisch ab und nickte.

»Was meinst du?«, fragte Shao.

»Ich denke, dass wir solche Frauenabende öfter veranstalten sollten – oder?«

Shao zuckte mit den Schultern. »Ich hätte nichts dagegen, wir müssen nur die Zeit haben.«

»Ha, die holen wir uns.«

»Ja, das machen wir.« Shao strahlte über das ganze Gesicht. »Ich muss auch mal raus und was anderes sehen.«

»Kann ich verstehen.«

Beide tranken und sahen sich um. Die Menschen flanierten durch die Umgebung oder standen an den runden Tischen, tranken etwas und ließen es sich gut gehen.

»Und weißt du, was wir nach der Oper machen werden?«, fragte Shao ihre Bekannte.

»Nein, aber ich kann es mir denken.«

»Richtig. Wir gönnen uns einen Schlummertrunk.«

»Genau den.«

Beide Frauen lachten. Beide fühlten sich gelöst. Der Stress des Alltags war verschwunden, wobei Shao keinen Stress hatte, aber unter einer ständigen Bedrohung litt. Zu viel lag hinter ihr, und es gab keine Sicherheit, dass die Bedrohungen verschwunden waren. Sie tauchten immer wieder auf.

An diesem Abend aber wollte sie nichts davon hören und nur genießen.

Sie tranken. Danach wollte Bella etwas sagen. Sie hob schon den Arm, brachte jedoch die ersten Worte nicht heraus, denn sie stockte einfach nur.

Shao fiel das ungewöhnliche Verhalten auf. »Ist irgendwas nicht okay bei dir?«

»Komisch.«

»Was ist komisch?«

Bella lächelte etwas gezwungen. »Ich hatte für einen Augenblick das Gefühl, Suko gesehen zu haben.« Mehr sagte sie nicht und wartete auf Shaos Antwort.

»Suko?«, fragte sie. Dass Bella Suko kannte, war klar. Sie hatte ihn einmal gesehen, als sie die beiden in der Wohnung besucht hatte.

»Ja, Suko.«

Shao schüttelte den Kopf. »Und wo? Hier?«

»Ja. Hinter dir. Ich glaube, er hatte sogar ein Messer in der Hand.«

»Du bist verrückt!«, brach es aus Shao hervor.

»Kann sein. Aber ich habe gesehen, was ich gesehen habe. Hört sich zwar komisch an, stimmt aber.«

Shao war nicht auf den Mund gefallen. Jetzt aber wusste sie nicht, was sie dazu sagen sollte. Ihre Bekannte war keine Spinnerin. Sie gehörte zu den Menschen, die genau wussten, was sie taten. Und wenn sie Suko gesehen hatte, dann konnte man das nicht so einfach abtun.

»Wollte er denn zu Hause bleiben?«

»Ja. Suko in einer Oper. Das ist schlimm, kann ich dir sagen. Einfach nur furchtbar.« Shao legte Bella eine Hand auf die Schulter. »Ich denke, dass du dich getäuscht hast.«

»Wie du meinst.« Shao hatte Bella nicht überzeugen können, sie hörte aber die Stimme.

»Außerdem hat sich Suko mit seinem Freund und Kollegen John Sinclair zum Essen verabredet. Die beiden wollen mal wieder richtig miteinander quatschen.«

»Alles klar.«

Shao nickte und warf einen Blick auf die Uhr. Deshalb sah sie nicht, dass sich der Gesichtsausdruck ihrer Begleiterin veränderte. Fast in der selben Sekunde hörte sie den Schrei. Ihr Kopf zuckte hoch. Da sah sie schon die Hand, die sich auf sie zubewegte. Blitzschnell, sodass sie nicht ausweichen konnte.

Der Treffer sorgte dafür, dass sie zur Seite gedrückt wurde und jetzt freie Sicht bekam.

Da war er.

Da stand Suko.

Und in seiner rechten Hand hielt er ein Messer, mit dem er jeden Augenblick zustoßen konnte …

Es war der Moment, als Bella über ihren eigenen Schatten sprang. Sie dachte nicht nach, ob das, was sie tat, richtig war, sie warf sich einfach nach vorn, weil sie Sukos Körper rammen wollte. Dass sie dabei selbst in Gefahr geriet, daran dachte sie nicht.

Beide prallten zusammen, und Suko kam aus dem G1eichgewicht. Er taumelte zur Seite, und die Klinge, die sich schon in Bewegung befand, huschte an ihr vorbei.

Auch Bella wurde nicht getroffen. Das Messer stach ins Leere.

Shao war zu Boden gegangen. Sie lag aber nicht, sondern kniete und sah zu, was weiterhin passierte. Das war ihr möglich, denn an einen zweiten Angriff dachte Suko nicht. Er tat genau das Gegenteil, drehte sich auf der Stelle und floh.

Es gab keine Deckung für ihn. So musste er durch einen freien Raum laufen, und jeder sah, was mit ihm los war. Es war ein Phänomen, denn Suko rannte und wurde schwächer. Das konnte man meinen, und es stimmte auch, denn er wurde immer weniger.

Er war dabei, sich aufzulösen. Keiner dachte mehr an eine Gefahr. Die Augen der Leute weiteten sich, denn so etwas war ihnen noch nicht begegnet.

Da konnten sie nur staunen. Zwei Frauen bekreuzigten sich sogar und sprachen vom Teufel, wobei Shao ihnen gar nicht mal unrecht gab.

Und Suko lief weiter. Oder das, was noch von ihm übrig geblieben war. Eine schwache Gestalt, ein flirrendes Etwas, das in den nächsten Sekunden nicht mehr zu sehen war.

Shao kam langsam wieder hoch. Ihre Bekannte starrte sie an, aber nicht nur sie. Auch die in der Nähe stehenden Menschen konnten ihre Blicke nicht von den beiden Frauen lösen.

Bella Shawn musste eine Frage loswerden: »Hast du dafür eine Erklärung?«

»Im Moment nicht.«

»Aber das war Suko – oder?«

Diesmal sagte Shao kein Wort. Ihr Blick glitt ins Leere. Sie musste erst mal mit dem fertigwerden, was sie erlebt hatte. Eine Antwort wollte sie noch nicht geben.

»Wieso denn, Shao, wieso?«

»Moment.« Aus der kleinen Tasche holte Shao das flache Handy hervor und wählte ihre Festnetznummer zu Hause.

Jemand nahm ab, und sie hörte eine Männerstimme. Es war Suko, der sich gemeldet hatte. Also war er schon in der Wohnung und nicht …

»Hast du was herausgefunden, Shao?«, fragte Bella.

Sie nickte. »Er war zu Hause. Ich habe seine Stimme gehört.«

»Bist du sicher?«

»Ja, ja ich kenne sie doch. Geredet habe ich nicht mit ihm, aber die Stimme gehört.«

»Dann muss er ein Phänomen sein.« Bella lachte. »In einer so kurzen Zeit in eure Wohnung zu gelangen, die ja nicht eben um die Ecke liegt.«

Shao gab keinen Kommentar ab.

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