Logo weiterlesen.de
John Sinclair - Folge 2184

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Der Elfen-Jäger
  4. Briefe aus der Gruft
  5. Vorschau

Der Elfen-Jäger

von Rafael Marques

Zum ersten Mal an diesem Tag konnte Rebecca Thornton tief durchatmen. Sie war Polizistin, und das mit Leib und Seele. Als Constable ging sie seit nun schon zwei Jahren mit Sergeant Craig Mahone in Norwich auf Streife, meist im Zentrum und dem Süden der Stadt, wo sich oft die kleinen und großen Dramen der unteren Mittelschicht abspielten. Seit ihrer Kindheit war sie abgehärtet, was Tragödien anging, aber irgendwann geriet auch sie an ihre Grenzen.

Als Jugendliche war es ihre Lieblingsbeschäftigung gewesen, durch die mittelalterlichen Gassen des historischen Zentrums zu streifen, heute suchte sie mehr die Einsamkeit. Die Wälder rund um Saint Helena, einem kleinen Vorort nördlich von Norwich, boten genau das. Zu der abendlichen Stunde war so gut wie niemand hier unterwegs, nicht einmal Jogger oder Menschen, die ihre Hunde ausführten …

Andere Menschen fürchteten sich davor, um diese Zeit allein durch einen dichten, dunklen Tannenwald zu streifen. Zwar war die Umgebung in fahles Mondlicht getaucht, aber was hinter den Stämmen und zwischen den Büschen lauerte, war oft nicht einmal zu erahnen …

Rebecca wusste sich jedoch zu wehren, zudem trug sie auch privat eine Pistole bei sich. Wenn tatsächlich jemand versuchen sollte, sie anzugreifen, würde er sein blaues Wunder erleben.

Wieder atmete sie tief durch und versuchte, nicht mehr an so etwas und besonders nicht an ihre Arbeit zu denken. Sie wollte sich einfach nur ganz weit weg fühlen, in ihrer eigenen Welt und verbunden mit der Natur. Einzelne Vogelrufe hallten durch den Wald, hin und wieder raschelte es auch, ansonsten war es still.

Rebecca vergrub die Hände in den Taschen der dicken Lederjacke, daneben trug sie noch einen braunen Pullover, Jeans und helle Turnschuhe. Ihre dunkelblonden, schulterlangen Haare waren zu einem Zopf zusammengebunden. Sie fröstelte leicht, andererseits tat ihr die klare, kühle Nachtluft auch ungemein gut. Jeder Atemzug war wie eine Befreiung von der Last.

Sie dachte auch nicht mehr an Ben Hafner, einen sechzig Jahre alten Arbeitslosen, der seine Frau vor den Augen seiner jungen Tochter erschossen hatte. Durch den Anblick der Kleinen war sie erst in diesem Wald gelandet.

Sie lief einfach weiter, ohne groß darüber nachzudenken, wie viel Zeit sie in dem Wald verbrachte. Es war auch unwichtig, immerhin hatte sie am nächsten Tag dienstfrei, und zu Hause wartete niemand auf sie.

Als ein lauter, angsterfüllter Frauenschrei an den Tannen entlanghallte, blieb sie wie angewurzelt stehen. Plötzlich war es mit ihrer Entspannung vorbei. Instinktiv griff sie unter den Pullover, zog ihre Glock 19 hervor und versuchte, den Ursprung des Schreis zu identifizieren.

Kein Tier gab mehr einen Laut ab, und auch sonst war es totenstill. Eingebildet hatte sie sich den Schrei sicher nicht, und von einem Reh oder Wildschwein war er ganz bestimmt nicht abgegeben worden. Vielleicht …

Ihre Gedanken brachen ab, als ein zweiter Schrei durch den Wald hallte, gefolgt von lautem Hufgetrappel. Diesmal wusste sie sofort, dass die Geräusche von Westen aus aufgeklungen waren. Ohne zu zögern verließ sie den Weg und stürmte in den Wald hinein. Büsche und kleine Bäume stieß sie dabei einfach zur Seite, bis sie sich mit dem Rücken gegen einen dicken Stamm fallen ließ, einen Blick auf die andere Seite warf und dann weiterlief.

Das Getrappel der Hufe schwoll an, und bald entdeckte sie inmitten des Waldes eine breite, mit fast brusthohen Gräsern bewachsene Lichtung. Was sich dort innerhalb des Mondlichts abspielte, ließ sie augenblicklich an ihrem Verstand zweifeln.

Zwei Frauen mit wehenden, langen Haaren rannten verzweifelt um ihr Leben, während eine Gestalt in einer silbernen, leicht grünlich schimmernden Ritterrüstung auf einem Pferd hinter ihnen herjagte. Das Reittier sah aus, als wäre es direkt aus einem Grab gestiegen, so offensichtlich war es verwest. Von seinem Schädel waren fast nur noch die blanken Knochen zu erkennen.

Der Ritter holte mit seiner linken Hand aus und griff zu. Der Dunkelhaarigen gelang es gerade noch, sich zur Seite zu werfen, die Blonde wurde jedoch in die Höhe gezerrt. Die Frau schrie wie von Sinnen, ohne sich gegen den eisenharten Griff ihres Peinigers wehren zu können.

Während Rebecca noch zu geschockt war, um wirklich zu reagieren, riss die Gestalt in der Rüstung die Zügel herum, sodass das Reittier herumfuhr und auf die zweite Frau zustürmen wollte. Bevor es dazu kam, materialisierte sich direkt davor eine weitere Gestalt. Ein Mensch war das nicht, das wusste Rebecca sofort. Was sie da sah, war ein gleißender Schein, der sie an das Licht des Mondes erinnerte, eingehüllt in einen dunklen Umhang.

Das untote Pferd wieherte lauthals und stellte sich auf die Hinterbeine. Wieder riss der Ritter die Zügel herum, diesmal in die entgegengesetzte Richtung. Er gab keinen einzigen Laut von sich, während er mit der blonden Frau, deren Nacken er mit der rechten Hand fest umklammerte, wieder auf den Wald zuhielt.

Endlich überwand Rebecca ihre Starre. Auch wenn es für sie unglaublich war, die Existenz dieser Lichtgestalt einfach hinzunehmen, war sie sich sicher, dass der Dunkelhaarigen keine Gefahr mehr drohte. Bei der zweiten Frau sah das ganz anders aus. Es war klar, dass ein solches Wesen – ob es nun ein Mensch war oder etwas ganz anderes – es nicht dabei belassen würde, sie zu entführen. Deshalb nahm sie auch die Verfolgung auf.

Sie verstand selbst nicht, warum sie das tat. Vielleicht folgte sie einfach ihren Instinkten als Polizistin. Denn eigentlich hatte sie eine höllische Angst, schließlich kannte sie Gestalten wie jene, hinter der sie herjagte, nur aus irgendwelchen Horrorfilmen.

Das Reittier galoppierte weiter und tauchte langsam in die Düsternis des Waldes ein. Das durfte Rebecca auf keinen Fall zulassen. Sie riss die Glock hoch, legte auf die Gestalt an und drückte ab. Drei Kugeln jagte sie aus dem Lauf, und zwei von ihnen trafen.

Aus Dokumentationen wusste sie, dass die mittelalterlichen Rüstungen nicht stark genug waren, um einer Pistolenkugel standzuhalten. In diesem Fall war das anders. Die Geschosse prallten einfach ab und sirrten Funken schlagend davon.

Trotzdem blieb ihre Aktion nicht erfolglos. Der Ritter stoppte sein Reittier und fuhr herum. Während die blonde Frau weiter verzweifelt versuchte, den harten Griff um ihren Nacken zu lösen, klappte ihr Peiniger mit seiner freien Hand das Visier auf. Zunächst sah Rebecca nichts als Schwärze, bis zwei helle Augen mit dunklen Pupillen erschienen. Es wirkte, als würden sie in einer dunklen Masse schwimmen, deren ekelerregender Gestank ihr selbst aus dieser Entfernung entgegenwehte.

Sie wollte noch einmal schießen, als unvermittelt zwei schleimige, tentakelartige Stränge aus dem Visier hervorschossen und den Kopf der noch jungen Frau umschlangen. Erst jetzt sah die Polizistin, dass sie eine blaue Jeans und ein dunkles, zerrissenes Top trug. Ihre Schreie gingen in einem grauenerregenden Gurgeln unter, bis sie ganz erstarben.

An ihrem ganzen Körper traten die Blutadern jetzt deutlich hervor – und platzten auf. Das Blut, das aus den Wunden hervorsprudelte, war nicht dunkelrot, sondern hell, beinahe beige. Es verband sich mit der schwarzen Masse, die ihren Kopf umklammerte, und wurde von dem, was hinter dem Visier der Rüstung lauerte, regelrecht aufgesaugt.

Die Frau zuckte noch einige Male, während es an ihrem Körper zu einer Metamorphose kam. Er schrumpfte zusammen, wurde zierlich, fast durchsichtig und wirkte bald wie zerbrechliches Glas. Rebecca sah, dass die Ohren aus der schwarzen Masse hervorstachen. Sie hatten jetzt spitze Enden, wie bei einer … Elfe. Sie schluckte, als ihr klar wurde, dass das wirklich geschah und kein Traum war.

Die Kleidung war der Frau jetzt viel zu weit geworden und rutschte einfach an ihr herab. Als sich kein Blut mehr in ihrem Körper befand, schlossen sich all ihre Wunden.

Der Ritter ließ den zarten Körper auf den Rücken seines Reittiers fallen und deutete mit der nun freien Hand in Rebeccas Richtung. »Du bist die Nächste«, kündigte er ihr an.

Da verlor die Polizistin endgültig die Fassung. Sie stieß einen lauten Schrei aus, legte auf den Kopf der Gestalt an und drückte ab. Wieder und wieder feuerte sie auf die Kreatur, denn nichts anderes war das Wesen auf dem einen entsetzlichen Anblick bietenden Reittier. Manche Kugeln prallten an der Rüstung ab, andere drangen durch das Visier in die schwarze Masse, in der die beiden weißen Augäpfel deutlich hervorstachen. Doch keines der Geschosse erzielte auch nur die geringste Wirkung.

Plötzlich erfasste sie die nackte Angst. Ohne die Reaktion des Ritters abzuwarten, wirbelte sie herum und rannte davon. Ihr Herz pumpte wie wild, und dennoch verlor sie nicht die Übersicht. Sie sah, dass die Lichtgestalt und die dunkelhaarige Frau verschwunden waren. Sie schob den Gedanken an sie beiseite, drang in den Wald ein und huschte an den düsteren Tannen vorbei, bis sie den Waldweg erreichte.

Erst jetzt wurde ihr klar, dass sie dem Reiter nicht entkommen würde. Trotzdem lief sie weiter, selbst als erstes, leises Hufgetrappel an ihre Ohren drang. Ihr blanker Überlebenswille trieb sie voran, und wenn sie sich auf etwas verlassen konnte, dann auf ihre Kondition.

Rebecca glaubte, über den Boden zu fliegen, so schnell rannte sie durch den Wald. Trotzdem wurde das Getrappel immer lauter, und als sie sich umdrehte, erkannte sie, dass das Pferd des Ritters nur knapp sechzig Meter hinter ihr über den breiten Weg galoppierte. Die Polizistin fluchte, schüttelte den Kopf und wischte sich die sich durch den kalten Nachtwind bildenden Tränen aus den Augen.

Ohne Vorwarnung strahlte wenige hundert Meter vor ihr ein grelles Scheinwerferpaar auf. Ein dunkles Fahrzeug jagte mit immenser Geschwindigkeit auf sie zu. Rebecca lief zunächst weiter, blieb dann aber stehen und wusste zunächst nicht, was sie tun sollte. Sie sah, wie der Ritter immer näher rückte, und auch der Wagen – ein dunkler Jeep – war nur noch wenige Dutzend Meter von ihr entfernt. Bevor er sie erreichte, riss der Fahrer sein Gefährt herum, sodass es mit der linken Seite direkt vor ihr zum Stehen kam.

Jemand stieß die Beifahrertür von innen auf und schrie ihr etwas zu, was sie nicht verstand. Sie wusste auch so, was zu tun war. Während bereits der Schatten des Reiters auf sie fiel, sprang sie in das Innere des Wagens. Sofort gab der Fahrer wieder Gas.

Rebecca wollte schon aufatmen, als sie sah, wer ihr das Leben gerettet hatte: niemand anderes als die Dunkelhaarige von der Lichtung.

»Ich war dir noch was schuldig«, rief die Fremde ihr zu. Die giftgrünen Pupillen ihrer Augen schienen leicht zu strahlen, was Rebecca leicht irritierte.

»Ich …«, begann die Polizistin, ohne den Satz zu Ende zu bringen.

Der Jeep wurde von einem gewaltigen Schlag erschüttert, als sich etwas mit brachialer Wucht durch die Heckscheibe wühlte. Es war nicht der Ritter, der in das Innere des Fahrzeugs drang, sondern die blonde Elfe. Ihr Körper war so unglaublich blass und durch das Fensterglas mit unzähligen kleinen Wunden übersät, doch sie lebte. Oder existierte, denn das, was sie am Leben hielt, zeigte sich, als ihr Kopf in die Höhe ruckte, sie ihren Mund öffnete und die beiden spitzen Vampirzähne präsentierte.

»Nein«, entfuhr es Rebecca, die einfach nicht glauben konnte, was da gerade geschah.

Während sich die Vampir-Elfe weiter ins Fahrzeuginnere wühlte, griff die Dunkelhaarige blitzschnell ins Handschuhfach und zog einen Revolver hervor.

»Knall sie ab«, fuhr die Frau Rebecca an.

»Was?«

»Sie ist kein Mensch mehr.«

So seltsam, wie die Frau das Wort ›Mensch‹ betonte, machte Rebecca klar, dass sie nie ein solcher gewesen war. Ob nun Elfe oder nicht, im Moment zählte nur, dass aus ihr eine Vampirin geworden war, und solche Wesen ernährten sich vom Blut der Menschen.

Rebeccas Kopf ruckte herum. Die Blonde war bereits sehr nahe. Ihre Hände wühlten sich in das Polster des Vordersitzes, und der Kopf war so nahe, dass sie die Mündung auf die Stirn der Frau setzen konnte. War es ihr überhaupt möglich, einen Vampir mit einer normalen Kugel zu vernichten? Die Frage schoss ihr nur kurz durch den Kopf, denn schon im nächsten Augenblick drückte sie ab.

Wie drei Donnerhalle schallten die Schussechos durch das Innere des Wagens. Die großkalibrigen Geschosse wühlten sich in den Schädel der Blutsaugerin und brachten ihn beinahe zur Explosion. Das Gesicht war kaum mehr als eine deformierte Masse, das jetzt mit dem Rest des Körpers zusammensackte und reglos liegen blieb.

»Mit dem Wagen kommen wir nicht mehr weit«, riss die Dunkelhaarige sie zurück in die Realität.

»Mein Wagen …«, begann sie, musste aber zunächst den Kopf schütteln. »Mein Wagen parkt in der Nähe.«

Rebecca starrte durch die Windschutzscheibe, doch von dem Ritter fehlte jede Spur. Als wäre er im Wald abgetaucht, um auf seine nächste Chance zu lauern.

»Gut, dann nehmen wir den.«

»Ja …«, erwiderte sie nur, zu mehr war sie im Moment nicht fähig …

Die Hetzjagd durch den Wald lag nun schon knapp eine Stunde hinter ihr, und noch immer überkam Rebecca das Gefühl, dass der unheimliche Reiter ihnen im Nacken saß. Das Trappeln der Hufe hallte weiterhin in ihrem Kopf nach, zudem sah sie die unbeschreibliche Fratze jedes Mal direkt vor sich, wenn sie in den Rückspiegel spähte.

Ihre Nervosität wurde von dem merkwürdigen Verhalten der Frau, die neben ihr auf dem Beifahrersitz saß, noch gefördert.

Inzwischen wusste sie, dass die Dunkelhaarige Nadine Lewis hieß und eigentlich in Australien lebte, jedoch vor einigen Tagen in ihre Heimat England zurückgekehrt war, um ihren Bruder Drew zu treffen. Das war auch geschehen, und jetzt suchte sie nach bestimmten Personen, die sie vor einer nahenden Gefahr warnen wollte. Um was genau es sich dabei handelte, verriet sie nicht, doch Rebecca hatte ja gesehen, was für eine Gestalt hinter ihr her gewesen war.

Immer wieder sah sich Nadine um, starrte auch in Richtung Himmel, als erwartete sie, von dort aus beobachtet zu werden. Der Sternenhimmel war klar und wolkenfrei, weshalb man sofort erkennen konnte, wenn sich dort ein Verfolger zeigte. Die Polizistin ging davon aus, dass die Dunkelhaarige nicht unbedingt nach Hubschraubern oder Drohnen suchte – eher schon nach ähnlichen Gestalten wie den monströsen Ritter.

Ihr lagen so viele Fragen auf der Zunge, doch bisher wagte sie nicht, sie auszusprechen. Nadine hatte sie gebeten, sie zu einem Schloss in der Nähe von Ipswich zu fahren, wo ihr Bruder leben sollte. Ihre Kollegen durfte sie dabei auf keinen Fall informieren, und das, obwohl sie auf dem Waldparkplatz einen Jeep mit einer Leiche auf dem Rücksitz zurückgelassen hatte. Ein Umstand, der ihr überhaupt nicht behagte.

Ihr Ziel rückte immer näher, was ihre innere Anspannung noch weiter verstärkte. Sie dachte daran, was mit der blonden Frau geschehen war. Durch den Kontakt mit der schwarzen Masse war es zu einer Verwandlung gekommen, an deren Ende aus einem normalen Menschen eine Elfe mit Vampirzähnen geworden war. Wenn sie eins und eins zusammenzählte, musste sie einfach davon ausgehen, dass es sich bei Nadine um ein ähnliches Wesen handelte.

»Bist du … auch … eine Elfe?«, fragte Rebecca vorsichtig. In einer anderen Situation wäre sie sich mit einer solchen Frage lächerlich vorgekommen, und auch jetzt gaben ihr die Worte ein komisches Gefühl.

Nadine Lewis drehte sich zu ihr um und starrte sie lange an. Dabei schien es ihr, dass sie nicht unbedingt überrascht war, sondern eher unsicher, ob sie ihr die ganze Wahrheit erzählen konnte.

»Ja«, erwiderte sie schließlich.

»Wie ist das möglich?«

»Das ist schwer zu erklären. Nimm es einfach so hin, auch wenn es dir schwerfällt. Mein Bruder und ich stammen aus einer anderen Welt, wo es viele Monster gibt wie das in dem Wald.«

»Was war das für ein Reiter? Ein Vampir?«

Nadine nickte. »Ein besonderer. Er ernährt sich ausschließlich von dem Blut meines Volkes.«

»Elfen?«

»Ja. Und jetzt machte er in deiner Welt Jagd auf uns. Wir können unser Aussehen auf magische Weise verändern, aber er ist in der Lage, uns trotzdem aufzuspüren. Bitte, Rebecca, ich kann dir das nicht alles erzählen, denn das führt einfach zu weit. Du weißt schon mehr, als es gut für dich ist, und in meinem Fall ist Wissen gefährlich. Die andere Seite weiß jetzt, dass du existierst, und ich hoffe inständig, dass sie nicht wieder eine Spur zu dir findet. Du darfst auch niemandem erzählen, wo du mich hinbringst. Der Standort meines Verstecks muss geheim bleiben, denn unsere Feinde lauern überall. Sie wissen, wie man Menschen manipuliert oder sogar foltert, um ihnen ihre Geheimnisse zu entlocken. Bisher sieht es nicht so aus, als ob wir verfolgt werden würden, und obwohl ich denke, dass das so bleibt, kann man nie wissen.«

»Ich muss meine Kollegen über den Vorfall informieren.«

»Und dann? Glaubst du, sie würden dir glauben, wenn du ihnen erzählst, was da in dem Wald abgelaufen ist? Es gibt nur wenige Menschen, die das so akzeptieren würden. Einer davon ist ein Mann namens John Sinclair. Aber darum musst du dich nicht kümmern. Außerdem sind wir bald da. An der nächsten Abfahrt müssen wir raus.«

Rebecca lenkte den Wagen auf die Abbiegespur. Die Scheinwerfer streiften über die letzten Ausläufer von Ipswich, bevor sie den kleinen Ort Washbrook durchfuhren und sie, Nadines Beschreibungen folgend, auf die Landstraße nach Belstead abbog. In der näheren Umgebung sollte sich das Schloss befinden, zu dem Nadine so dringend wollte.

Als die letzten Lichter des kleinen Ortes langsam in tiefe Schwärze übergingen und sie in einen düsteren Eichenwald eintauchten, schien sich Nadines Anspannung langsam zu lösen. Schon die ganze Fahrt über war Rebecca kein Verfolger aufgefallen, doch so einer Gestalt wie diesem Ritter traute sie alles zu.

Mitten im Wald bat die Dunkelhaarige sie, auf einen in der Nacht kaum erkennbaren Weg abzubiegen. Nach einigen hundert Metern fuhren sie zu einer Lichtung, auf der sich im Licht der Scheinwerfer ein gepflegter Landschaftspark mit kleinen Hügeln, mehreren Teichen und Seen und einem weißen Pavillon offenbarte. Im Hintergrund erhob sich ein düsteres Monument mit mehreren Türmen und zahlreichen von Licht erfüllten Fenstern. Offenbar wurden sie innerhalb von Lewis Castle bereits erwartet.

Je näher sie dem Schloss kamen, desto mehr Fahrzeuge entdeckte Rebecca. Mindestens zehn Limousinen parkten vor dem vierstöckigen Gemäuer, über dessen Fassade sich dicke Efeustränge rankten. Ansonsten wirkte das sicher einige hundert Jahre alte Schloss gut gepflegt.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "John Sinclair 2184 - Horror-Serie" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen