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John Sinclair - Folge 2185

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Sturz in die Verdammnis
  4. Briefe aus der Gruft
  5. Vorschau

Sturz in die Verdammnis

von Rafael Marques

Das alte Haus stand auf einer kleinen Anhöhe. Die hohen Bäume überragten das Dach mit den rissigen, vermoosten Ziegeln noch um einige Meter. Im Licht des Mondes wirkte es, als würden die Äste der alten Tannen das Gemäuer vor den Blicken der Außenwelt schützen, als wären die Schatten in der Lage, diesen mysteriösen Ort für immer unter Verschluss zu halten, sodass niemand die trügerische Ruhe störte, die auf dem verlassenen Grundstück seit Jahrzehnten herrschte.

Alles wirkte so friedlich, von der Welt verlassen. An dem eisernen Zaun mit den dunklen, zum Himmel ragenden Spitzen rankte sich Efeu in die Höhe, ebenso an der grauen, steinernen Fassade. Die Fenster waren allesamt noch intakt, ebenso die schwere Holztür. Für den stillen Beobachter wirkte es, als hätten die Bewohner das Haus vor vielen Jahren von einem Augenblick zum nächsten verlassen. So als könnten sie jederzeit wieder zurückkehren.

Aber das würde nie geschehen, denn von den Bewohnern fehlte seit damals jede Spur. Und hinter den dicken Mauern der alten Kemter-Villa lauerte das nackte Grauen!

Der Ellenbogenstoß riss Tom Kessler aus seinen Gedanken. Er wischte sich über die Augen, drehte sich zur Seite und sah Jana, seine Freundin, direkt an.

»Geht wieder mal die Fantasie mit dir durch?«, fragte sie und lachte dabei. »Es ist verdammt kalt hier. Ich will nicht die ganze Nacht hier herumstehen und zusehen, wie sich in deinem Kopf ein schauerlicher Gedanke nach dem anderen formt. Ich will da jetzt rein.«

»Ja, ja, ich ja auch.«

»Och, so ein wenig die Atmosphäre genießen ist doch nicht übel«, warf Nicolas Reif, meist nur ‚Nick’ genannt, ein.

Jana Hartmann schüttelte den Kopf. »War ja wieder klar. Gönnen wir dem kleinen Tom seinen Spaß.«

Tom kannte seine Freundin nur zu gut. Sie sah ihre Ausflüge meist pragmatischer und realistischer als er. Er liebte diese düstere Atmosphäre, diesen Hauch von Vergänglichem, die verlassene Orte wie dieser mit sich brachten. Der Anblick überwucherter Grundstücke und die Vorstellung, dass sich die Natur niemals ganz zurückdrängen ließ und sich irgendwann alles holte, was man ihr nahm, löste in ihm einen besonderen Schauer aus. Seiner Freundin ging es mehr um die Adrenalinstöße, immerhin war das, was sie hier taten, nicht nur gefährlich, sondern auch illegal.

Jana war dahingehend kein unbeschriebenes Blatt. Mehrmals hatte sie schon einige Wochen im Jugendarrest verbringen müssen, war von der Schule geflogen und von ihrer Mutter vorübergehend in ein Heim geschickt worden. Toms Eltern versuchten immer wieder, ihm den Kontakt zu ihr zu verbieten, doch der Siebzehnjährige ließ sich nicht davon abhalten. Er war kein Kind mehr, sondern stand kurz vor dem Abitur und es würde nicht mehr lange dauern, bis er von zu Hause auszog.

Noch wohnte er in Erlenbach, einer kleinen Gemeinde vor den Toren Kaiserslauterns. Durch die nahe Großstadt fühlte er sich oft nicht wie ein Dörfler, obwohl ihn auch die Einsamkeit anzog. Nur selten fühlte er sich zu Hause wirklich wohl, vor allem, da seine Eltern inzwischen nur noch eine Zweckehe führten. Streitereien waren da vorprogrammiert, und nicht selten geriet er dabei zwischen die Fronten.

Er war froh, einen Freund wie Nick an seiner Seite zu wissen. Gemeinsam gingen sie sprichwörtlich durch dick und dünn, außerdem verband sie ein gemeinsames Hobby – die Suche nach von der Welt verlassenen und vergessenen Orten. Nicht selten verließen sie sich dabei auf Tipps aus ihrem Bekanntenkreis, denn Lost Places, wie man diese Orte nannte, die man im Internet fand, waren meist nur noch Ruinen, die irgendwelchen Randalierern zum Opfer gefallen waren.

In diesem Fall war das anders. Er war keinem Tipp gefolgt, stattdessen hatte er heimlich ein Gespräch seines Großonkels Harald mit einem ehemaligen Kollegen von der Polizei belauscht. Dabei war es um genau diese Villa gegangen, von deren Bewohnern tatsächlich seit gut fünfzig Jahren jede Spur fehlte.

Sein Großonkel hatte seinem Kollegen genau die Lage der Villa beschrieben, und da Tom bereits seinen Führerschein hatte und seine Eltern ihn mit ihrem Wagen fahren ließen, war es kein Problem gewesen, in die Tiefen des Pfälzerwaldes einzudringen. Allerdings hatte es ihnen einige Mühe gekostet, sich die letzten zwei Kilometer durch das Gestrüpp zu wühlen und den richtigen Weg dabei nicht zu verlieren.

Was seine Fantasie allerdings noch viel mehr beflügelte, als der Anblick des überwucherten Gemäuers mit seinem von mehreren Steinsäulen getragenen Vordach und den beiden riesigen Frauenstatuen, war die Tatsache, dass sein Großonkel – für ihn eigentlich nur Onkel Harald – von der Existenz dieser Villa wusste.

Um was genau es bei dem Gespräch mit seinem Kollegen gegangen war, wusste er nicht. Allerdings war ihm sein Onkel seltsam bedrückt vorgekommen.

Selbst im Internet war über das Gemäuer nichts zu finden. Vielleicht, weil das Haus so einsam lag. Er hatte sogar versucht, über die Grundbucheinträge in den umliegenden Orten nach einem Wohnplatz in dieser Umgebung zu suchen, ohne Erfolg. Auf Satellitenbildern war dort, wo die Villa stand, lediglich eine winzige Lücke im Wald zu erkennen, und den Weg, der von der Bundesstraße 37 abzweigte, hätte er ohne die exakten Beschreibungen seines Onkels nie gefunden.

Zumindest konnte er sich hier sicher sein, dass niemand die Polizei rief, wenn sie in das Haus einbrachen. Vor einigen Wochen wären sie einmal beinahe erwischt worden. Tom kannte das Risiko, ebenso wie seine Freunde. Solche verlassenen Häuser boten auch einige Gefahren, etwa, dass Teile einsturzgefährdet waren.

Gerüchte aus der Szene, wie er sie aus verschiedenen Chats kannte – beispielsweise, dass Lost-Places-Fans auf Drogendealer, Organhändler oder Serienmörder gestoßen waren – hielt er für Moderne Legenden.

Ryan Talbot, ein Freund aus London, den er von einem Schüleraustausch vor einigen Jahren kannte und der ihn mit seinen Erzählungen überhaupt erst zu diesem Hobby gebracht hatte, hatte während eines Chats sogar einmal behauptet, bei einem Einbruch in eine alte Lagerhalle von einer Horde Vampire angegriffen worden zu sein, denen seine Freundin und sein bester Freund zum Opfer gefallen waren.

Seit er sich darüber lustig gemacht hatte, war der Kontakt zu ihm abgebrochen, was vielleicht auch besser so war.

Ohne sich weiter um ihre Freunde zu kümmern, ging Jana vor. Die etwa zwei Meter breite Tür stach innerhalb des überwachsenen Eisenzauns kaum hervor. Sie musste einige Brombeersträucher und Brennnesseln zur Seite drücken, bis sie sie erreichte. Dann hob sie ihre Brechstange an, setze sie im Bereich des Riegels an das rostige Metall und drückte zu.

So zierlich Jana auch wirkte, in ihr steckte eine enorme Kraft. Früher hatte sie in einem Studio in Kaiserslautern Kickboxen trainiert, aber seit ihrer zweiten Verurteilung wegen Körperverletzung war das vorbei.

Mit einem lauten Quietschen brach der Riegel und die Tür schwang nach innen, bis sie von dem nächsten Brombeergeäst gestoppt wurde.

»Wir hätten auch einfach drübersteigen können«, warf Nick ein.

Jana warf Toms etwas übergewichtigen besten Freund einen vielsagenden Blick zu. »Mit etwas Gewalt macht alles viel mehr Spaß.«

Jetzt sah Nick zu Tom hinüber. »Ich wüsste zu gern, wie das bei euch im Bett abläuft«, flüsterte er ihm mit einem feisten Grinsen zu.

»Kein Kommentar …«

Tatsächlich konnte Jana auch sehr sanft sein, manchmal sogar anlehnungsbedürftig, aber sobald sie nicht mehr allein waren, schien sie unbedingt allen beweisen zu müssen, wie stark und selbstständig sie war.

Tom folgte seiner Freundin, wobei er sich ein Spinnennetz aus seinen kurzen, braunen Haaren zog. Dabei dachte er daran, dass hier wohl wirklich seit etlichen Jahrzehnten niemand mehr entlanggegangen war. Was mochte wohl mit den Bewohnern passiert sein? Hatten sie es in der Einsamkeit nicht mehr ausgehalten? Oder waren sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Eigentlich lag die letzte Möglichkeit quasi auf der Hand, schließlich musste es einen Grund geben, warum sein Onkel diesen Ort kannte und einem ehemaligen Kollegen davon erzählt hatte.

Auf dem Grundstück gab es noch ein zweites Gebäude, eine Garage. Da sie halb offen stand, ließ er den Lichtkegel seiner Taschenlampe ins Innere wandern. Bald erfasste er die Front eines alten Opel Kapitän A, der gepflegt und nicht vollkommen verrostet und von Pflanzen überwuchert sicher eine wertvolle Rarität gewesen wäre. Sein Vater war ein wahrer Autofreak, und obwohl Tom sich nicht besonders für dieses Hobby interessierte, hatten sich einige seiner endlosen Berichte in sein Gedächtnis gebrannt.

»Komm schon«, trieb ihn Jana an, die bereits die kurze Steintreppe überwunden hatte und direkt vor der Eingangstür stand.

Sie wollte schon erneut das Brecheisen einsetzen, als sie feststellte, dass die Tür gar nicht abgeschlossen war. Mehrmals rammte sie ihre Schulter gegen das rissige Holz, dann flog die Tür nach innen.

Kurz darauf geschah etwas, das Tom einen Schauer über den Rücken jagte. Jana zuckte zurück und legte ihre Hände auf die Schultern, so als wollte sie sich irgendwie selbst wärmen. Für einen Moment drehte sie sich zu ihm um. Er war schon einige Schritte vorgegangen, um sie an sich zu drücken, doch bevor er sie erreichte, fing sie sich wieder und trat in das Haus.

Tom kannte seine Freundin besser als jeder andere. Sie fürchtete sich vor absolut nichts, vor allem, wenn sie nicht allein war. Dass sie jetzt derart zurückgezuckt war, musste einen Grund haben.

»Jetzt kriege ich langsam auch etwas Bammel«, murmelte Nick und zog seine dunkelbraune Regenjacke bis zum Kragen zu.

»Hast du noch Ersatzwindeln dabei?«

»Windeln und Bier. Alles, was man für ein Spukhaus braucht.«

»Da bin ich ja erleichtert.«

Tom klatschte Nick auf den Rücken, bevor er seiner Freundin ins Innere des Hauses folgte. Sofort begannen die Dielen unter seinen Füßen zu knarren. Die Schuhe wirbelten eine dicke Staubschicht auf, die ihm klarmachte, dass das Haus wirklich seit Jahrzehnten verlassen sein musste.

An einem Kleiderständer hingen noch mehrere Jacken, darunter einige in Kindergröße. Tom musste schlucken. Was war mit den Bewohnern geschehen, dass sie sogar ihre Klamotten einfach zurückgelassen hatten? Einfach weggezogen waren sie bestimmt nicht.

Innerhalb der Mauern herrschte eine schlechte Luft. Kein Wunder, schließlich gab es angesichts der intakten Fenster keine Möglichkeit, dass Sauerstoff in das Innere dringen konnte. Es war schon etwas unheimlich hier, aber auch nicht wirklich kalt. Deshalb fragte er sich umso mehr, warum Jana derart zurückgezuckt war.

Neben dem Kleiderständer hing ein gut zwei Meter hoher Spiegel. Als er vor ihn trat, konnte er sich vor lauter Schmutz kaum selbst erkennen. Intuitiv strich er über die Glasfläche, die eine seltsame Wärme ausstrahlte.

Schließlich wandte er sich ab und schritt durch den Flur, der in einem Treppenhaus endete. Mehrere Türen zweigten zu allen Seiten ab, und keine schien abgeschlossen zu sein. Jana war bereits einige Stufen nach oben gestiegen. Tom leuchtete in die Höhe und sah, dass an den Wänden mehrere handgemalte Porträts hingen. Eines zeigte einen schwarzhaarigen Mann mit hagerem Gesicht und einem dünnen Oberlippenbart, dessen Blick beinahe stechend wirkte. Direkt daneben befand sich ein Bild, das eine recht hübsche, junge Frau mit braunen Haaren zeigte.

Er ließ den Kegel noch weiter wandern und entdeckte die Porträts zweier etwa sechs Jahre alten Jungen und eines knapp zehnjährigen Mädchens. Sie alle wirkten irgendwie traurig. Nur, warum sollte jemand Menschen mit einem solchen Gesichtsausdruck portraitieren?

Waren das die Bewohner der Kemter-Villa? Vielleicht sogar die Familie Kemter selbst? Oder völlig andere Personen, die bereits vor Jahrhunderten in dem Haus gewohnt hatten?

Tom schob die Gedanken daran beiseite und kümmerte sich wieder um seine Freundin. Jana war noch einige Schritte weitergegangen und stand jetzt vor einer offenen Tür. Er folgte ihr und sah, dass sich in dem Raum ein altes Himmelbett befand, dessen Decke zerwühlt war. So, als wäre derjenige, der darin geschlafen hatte, gerade kurz aufgestanden und würde jeden Moment zurückkehren. Sogar ein Paar helle Pantoffeln lag neben dem Bett.

Durch eine Öffnung im Mauerwerk wehte ein kalter Windhauch, und als Tom in den langen Flur blickte, fragte er sich, ob sich hinter den anderen Türen die Zimmer der Kinder befanden. Es reizte ihn, sich auch dort umzusehen, allerdings wollte er sich zunächst um seine Freundin kümmern, die sich weiterhin sehr seltsam verhielt. Wie zur Salzsäule erstarrt verharrte sie auf der Stelle und rieb nervös über den Türrahmen.

»Jana?«, fragte er vorsichtig, bevor er ihr beide Hände auf die Schultern legte.

Die Siebzehnjährige zuckte zusammen, als hätte er sie aus einem Traum gerissen. Erschrocken fuhr sie herum und starrte Tom mit weit aufgerissenen Augen an. Nach nicht einmal einer Sekunde fing sie sich wieder, hob beide Hände an und legte sie auf seine Brust.

»Alles in Ordnung«, beteuerte sie. »Es ist nichts.«

»Jana … Das kannst du mir nicht erzählen. Wir sind hier unter uns.«

»Was willst du damit sagen?«

»Niemand verurteilt dich, wenn du Angst haben solltest.«

»Ich habe keine Angst!«, fuhr sie ihn an. Sie strich sich durch ihre blonden, halblangen Haare. »Entschuldige. Es ist nur …«

Tom nahm sie in den Arm. Erst drückte sie sich an ihn, dann löste sie sich wieder aus seiner Umarmung.

»Was ist unten an der Tür passiert?«, fragte er.

»Ich kann es auch nicht so richtig erklären. Es war wie … ein kalter Hauch. Ein nicht fassbarer Windstoß. Ich weiß, das klingt verrückt, aber es ist so. Ich habe das schon einmal erlebt, als …«

»Als was?«

Jana atmete tief durch. »Als ich meine Mutter gefragt habe, was mit meinem Vater passiert ist. Können wir jetzt endlich das Thema wechseln? Bitte!«

»Ja, schon gut. Gehst du jetzt weiter oder nicht?«

»Ich weiß nicht so genau. Irgendetwas zieht mich plötzlich nach unten.«

»Nach unten?«

Wieder fuhr sich Jana durch ihre Haare. »In den Keller. Warum, weiß ich auch nicht. Komm jetzt, lass uns gehen.«

Tom hielt Jana nicht auf, als sie sich an ihm vorbeidrückte, die Treppe hinablief und Nick passierte, der sie verdutzt anstarrte. Er kannte seine Freundin einfach zu gut. Zwar wusste er, dass sie an solchen verlassenen Gemäuern vor allem die Möglichkeit schätzte, schnell etwas Geld zu machen, doch ihre körperlichen Reaktionen sprachen Bände. Der Drang, etwas Wertvolles zu finden, war es nicht, der sie in den Keller trieb. Da war noch etwas anderes, und irgendwie musste es mit dieser Villa zusammenhängen.

Er warf noch einmal einen Blick zu den Porträts, die ihn tatsächlich auf eine seltsame Art und Weise zu beobachten schienen, dann stieg er die Stufen wieder herab.

»Was war denn das?«, fragte Nick, als er an ihm vorbeilief.

»Frag mich was Leichteres. Jana will unbedingt in den Keller. Willst du mit oder dich oben noch umsehen?«

»Das kann ich später auch noch. Ich komme mit.«

»Schiss?«

Nick schien ihm erst einen Spruch entgegnen zu wollen, wurde dann aber plötzlich wieder ernst. »Um ehrlich zu sein, ja. Irgendwie gefällt es mir hier drin nicht. Es ist anders als in den anderen Häusern, Industrieanlagen oder Schwimmbädern, in denen wir waren. Es ist seltsam – es fühlt sich an, als wäre das Haus nicht wirklich verlassen.«

»Du meinst, wegen der Jacken?«

»Ja, unter anderem. Man könnte meinen, die Besitzer würden immer noch hier leben und könnten jeden Moment zurückkehren. Eigentlich habe ich ja immer davon geträumt, mal so einen Ort betreten zu können, aber jetzt …«

»Schon gut.«

»Findest du es nicht auch unheimlich?«

»Ein wenig«, gab er zu. »Es ist nur nicht so, dass ich Angst habe. Eher einen gewissen Respekt.«

Tom ließ Nick stehen und stieg die Treppe weiter hinab. Erst im Erdgeschoss fiel ihm auf, dass unterhalb der Stufen ein weiterer Weg in die Tiefe führte. Hier waren die Spinnweben noch dichter, zudem wurde es mit jeder Stufe, die er hinabstieg, deutlich kühler. Bald schon waren die Wände nicht mehr mit Holz vertäfelt. Stattdessen strich das Licht seiner Lampe über blanke Ziegelsteine.

Die Treppe schien gar kein Ende mehr zu nehmen. Als er ein unheimliches Ächzen vernahm, erfasste sein Lichtkegel eine aus Brettern gefertigte Tür mit schweren, eisernen Scharnieren, an denen sich Jana bereits zu schaffen machte. Sie stieß einen leisen Schrei aus, dann brach das Schloss unter dem Druck des Brecheisens. Kurz blickte Jana zu ihm herauf, dann riss sie die Tür auf und drückte sich in den Keller hinein.

Eigentlich wollte Tom ihr etwas hinterher rufen, doch er verschluckte seine Worte wieder. Es war offensichtlich, dass mit seiner Freundin etwas nicht stimmte, und das hing sicher nicht nur mit diesem kalten Hauch und der Erinnerung an ihren Vater zusammen, den sie nie kennengelernt hatte und über den sie absolut nichts wusste.

Als er die Treppe endgültig hinter sich ließ, begann auch er zu frösteln. Hier unten war es bitterkalt, auch wenn er keinen Luftzug spürte. Was immer Jana an der Eingangstür erwischt hatte, schien nur sie wahrgenommen zu haben.

Hinter der Tür tat sich ein schmaler Gang auf, der an mehreren hölzernen, teils von Flechten überzogenen Türen vorbeiführte. Ein an Schimmel erinnernder Geruch stieg in seine Nase. Er dachte daran, eine der Atemschutzmasken überzuziehen, die in der Innentasche seiner Lederjacke steckten, tat es aber nicht.

Während Jana einfach weiter ging, versuchte er sein Glück an einer der Türen. Sie ließ sich tatsächlich nach innen drücken, und als er den Raum ausleuchtete, entdeckte er ein Regal mit Weinflaschen.

»Jana«, rief er nach seiner Freundin, ohne eine Antwort zu erhalten.

Er drehte sich wieder um und zuckte leicht zusammen, als Nick plötzlich direkt vor ihm stand. »Na, wirst du auch langsam schreckhaft?«, fragte er und grinste wieder.

»Darauf hast du es doch angelegt, oder?«

Nick hob die Schultern. »Ein wenig. Hast du was gefunden?«

»Wein.«

»Ohhh … süß oder trocken?«

»Geh rein und schau nach.«

»Das mache ich auch.«

»Ich denke, du hast Bier dabei.«

»Etwas Auswahl kann ja nicht schaden.«

Tom ließ seinen besten Freund passieren und kümmerte sich wieder um Jana. Seine Nackenhaare stellten sich auf, als er feststellte, dass sie aus seinem Blickfeld verschwunden war.

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