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John Sinclair - Folge 0079

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über dieses Buch

Der Tyrann von Venedig

Der Schwarze Tod überwachte persönlich den Einzug seines Sendboten in Venedig. Düster drohend hob sich sein Totenschädel mit den hellen Augen vom Nachthimmel über der Lagunenstadt ab.
Ein eisiger Sturm türmte das Wasser zu mächtigen Brechern auf, die den Markusplatz und den Dom von San Marco überfluteten.
Im Schutz der Dunkelheit tauchte die Gondel des Grauens auf. Ruhig glitt sie durch die tobende Lagune auf die gefährdete Stadt zu.
Vorne stand der Schwarze Doge, der Tyrann von Venedig …

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

Der Tyrann von Venedig

Der Schwarze Tod überwachte persönlich den Einzug seines Sendboten in Venedig. Düster drohend erhob sich sein Totenschädel mit den hellen Augen vom Nachthimmel über der Lagunenstadt ab.

Ein eisiger Sturm türmte das Wasser zu mächtigen Brechern auf, die den Markusplatz und den Dom von San Marco überfluteten.

Im Schutz der Dunkelheit tauchte die Gondel des Grauens auf. Ruhig glitt sie durch die tosende Lagune auf die gefährdete Stadt zu.

Vorne stand der Schwarze Doge, der Tyrann von Venedig!

»John, Sie sollten nach Venedig fahren!«

Normalerweise denkt man bei Venedig an Jungverliebte, an Gondeln, Palazzi, Sonne und Spaghetti mit Rotwein. Aber wenn mein Chef bei Scotland Yard, Sir Powell, seines Zeichens Superintendent, von Venedig spricht, denkt man an alles andere, nur nicht an die schönen Seiten des Lebens.

»Wie Sie meinen, Sir«, erwiderte ich grinsend und stützte mich respektlos auf seinen Schreibtisch. »Dorthin wollte ich ohnedies das erspart mir den Kampf um die Spesen.«

Sir Powell verschlug es für einige Sekunden vor Überraschung die Sprache. »Wieso wollten Sie nach Venedig, John?«, erkundigte er sich misstrauisch. »Urlaub? Hatten Sie nicht eben welchen?«

»Ich hatte einen wichtigen Fall, der mehr als lebensgefährlich war, aber keinen Urlaub«, konterte ich. »Nach Venedig wollte ich, weil sich da undurchsichtige Dinge ereignen. In diese Operettenkulisse scheint sich einer meiner Freunde eingeschlichen zu haben.«

Für all jene, die mich vielleicht noch nicht kennen sollten: Ich, John Sinclair, bin Oberinspektor bei Scotland Yard. Ich beschäftige mich jedoch nicht mit gewöhnlichen Verbrechern.

Meine Aufgabe ist es, dem Bösen auf der Welt nachzuspüren, Geister und Dämonen und Vampire und was es noch alles an Höllenzeug gibt zu bannen und zu vernichten.

»Sir!« Ich setzte mich kurzerhand auf die Schreibtischkante. »Die Höllenmächte haben überall Augen und Ohren, die ihnen Neuigkeiten zutragen. Andererseits erfahre ich auch eine ganze Menge. Es gibt viele Menschen, die einen Generalangriff der finsteren Mächte fürchten, aber nicht offen gegen die Hölle auftreten. Sie lassen mir jedoch von Zeit zu Zeit Informationen zukommen.«

»Und da haben Sie etwas über Venedig gehört?« Sir Powell riss die Augen hinter den dicken Brillengläsern weit auf. Jetzt erinnerte er mich noch mehr als sonst an einen Magenkranken. Meine Nachricht schien ihm tatsächlich auf den Magen zu schlagen, da er hastig eine Tablette aus seinem Schubfach holte und sie mit Sprudelwasser hinunterschluckte. Seine Augen richteten sich auf mich. »Wieso sitzen Sie dann noch hier herum?«, schrie er. »Fahren Sie endlich, oder glauben Sie, dass Sie vom Yard für’s Nichtstun bezahlt werden?«

Ich grinste unbekümmert weiter. Sir Powell hatte eine raue Schale aber einen weichen Kern. Einen sehr weichen. Wenn es sein musste, stellte er sich hundertprozentig hinter mich.

»Ich bin hier, weil ich darauf warte, dass Sie mir endlich erklären, Sir, warum Sie mich nach Venedig schikken wollten.«

Er schlug sich an die Stirn. »Dass ich das vergessen konnte! Haben Sie schon von den SUN-AND-FUN-Reisen gehört?«

»Sonnen-und-Spaß-Reisen? Natürlich, wer kennt die nicht!«

»Aus drei verschiedenen Reisegruppen dieses Unternehmens sind in Venedig drei Personen spurlos verschwunden.«

Mein Grinsen war wie weggewischt. Da hörte der Spaß auf. »Was sagt die venezianische Polizei dazu?«

Sir Powell hob die Schultern. »Die Manager des Reisebüros haben sich natürlich dahintergeklemmt, aber bisher ist nichts dabei herausgekommen. Bis auf das hier! Dieser Zettel wurde der Polizei in Venedig anonym zugespielt. Die Kollegen haben ihn auf Bitten der Reiseveranstalter an uns weitergeleitet.«

Ich nahm das zerknüllte Papier aus seiner Hand und überflog die kaum leserliche Kritzelei.

HILFE … GEFANGEN … PALAZZO … MAGISCHE EINF …

»Könnte von einem der Verschwundenen stammen«, stellte ich fest. »In Englisch geschrieben. Das letzte Wort – Einf … Das könnte >magische Einflüsse < heißen.«

Sir Powell nickte zustimmend. »Deshalb sollen Sie sofort fliegen, John Nehmen Sie Suko mit?«

»Wenn Sie die Spesen zahlen«, meinte ich. »Diesmal braut sich etwas besonders Unangenehmes zusammen. Ich werde auch Jane Collins fragen, ob sie mich begleitet.«

Ich sah Sir Powell an, dass er im Geist nachrechnete und zu zittern begann.

»Suko ist nicht mehr allein, wie Sie wissen«, fügte ich freundlich hinzu. »Shao will sicher dabei sein.«

»Die Spesenkasse …!«, setzte er an.

Ich winkte ab. »Suko wird es sich nicht nehmen lassen, für seine Shao selbst zu zahlen«, sagte ich beruhigend.

Sir Powell schob die Brille zurecht. »Ja, die Liebe«, murmelte er und lächelte versonnen vor sich hin.

Er war schon lange Witwer. Ob er an vergangene Zeiten dachte?

Ich wusste es nicht und konnte auch nicht weiter darüber nachgrübeln, weil ich mich beeilen musste. Venedig wartete auf mich. Venedig und ein neues, lebensgefährliches Abenteuer.

*

Paolo Sina verließ um sechs Uhr morgens seine Wohnung. Er gab seiner Frau Francesca noch einen Kuss, als sie ihn zur Tür brachte.

»Eigentlich bist du viel zu hübsch, als dass ich dich jetzt allein lasse«, sagte er lächelnd..

Francesca lehnte sich gegen ihn und sah ihm tief in die Augen. »Wie meinst du denn das, Signor Sina?«

»Du weißt schon, wie ich das meine«, antwortete er. »Ich sollte bei dir bleiben und …«

»Das könnte dir so passen!« Lachend schob sie ihn zur Tür. »Ich bin todmüde, weil die Nacht wieder einmal viel zu kurz war. Da drinnen schlafen zwei kleine Kinder, die mich nicht mehr ins Bett lassen. Und du musst dich beeilen, sonst kommst du zu spät zum Dienst. Und wer soll denn die Linienboote in Venedig fahren, wenn nicht du? Ohne dich bricht doch der ganze Betrieb zusammen.«

Paolo Sina blickte erschrocken auf die Uhr. »Dio, schon so spät?« Er küsste seine Frau noch einmal hastig auf die vollen Lippen und hastete aus dem Haus. Er musste sich beeilen.

Doch fünf Minuten später hatte er seine guten Vorsätze vergessen.

Noch lag der Morgennebel in den schmalen Gassen der Lagunenstadt und trieb über die Kanäle. Kaum jemand war unterwegs, und die paar Passanten tauchten vor Paolo Sina wie Schemen aus dem Nebel auf und verschwanden gleich darauf wieder. Das bekannte Gewimmel würde erst Stunden später einsetzen und dann auch nicht in dieser Gegend. Es war nicht das schönste Viertel von Venedig, in dem Paolo wohnte, aber er war zufrieden. Hier war er aufgewachsen, hier wollte er auch sterben.

Der junge Familienvater dachte allerdings nicht, dass es schon so bald so weit sein würde!

Zuerst fiel ihm der schwarz gekleidete Mann gar nicht weiter auf. Erst als der Unbekannte sich forschend nach allen Seiten umsah, wurde Paolo aufmerksam. Als ob er etwas vorhätte, das nicht jeder sehen sollte!

Der Unbekannte konnte Paolo nicht entdecken, da dieser schnell hinter die Säule eines kleinen, unbewohnten Palazzos trat. Ein Einbrecher? Oder wollte der Mann vielleicht eines der Motorboote stehlen, die im Canale vertäut lagen? Die Gelegenheit war günstig. Außer Paolo war niemand in der Nähe.

Schon jetzt war Paolo Sina klar, dass er zu spät zum Dienst kommen würde. Aber was machte das aus, wenn er vielleicht ein Verbrechen verhindern konnte!

Der Mann, dessen Gesicht unter einem schwarzen Schlapphut fast vollständig verschwand, näherte sich dem angerosteten eisernen Geländer, das an dieser Stelle den Canale begrenzte. Er schwang sich darüber, ein letzter Rundblick, und der Mann ließ sich ins Wasser sinken.

Paolo Sina brauchte einige Sekunden, bis er begriff, was hier vor sich ging.

Das Wasser wich vor dem Unbekannten zurück, als steckte er in einem unsichtbaren Zylinder, der ihn vor Nässe schützte. Der rätselhafte Mann sank auf den Grund des Canale. Rings um ihn standen die Wassermassen wie von Mauern zurückgehalten – nur, dass es diese Mauern nicht gab!

Der junge Mann verstand nicht, wodurch dieses Phänomen hervorgerufen wurde. Er ahnte nicht, dass Schwarze Magie und der Satan selbst ihre Hand im Spiel hatten.

Deshalb ließ er sich zu einer Unvorsichtigkeit verleiten, trat aus seinem Versteck hervor und lief zu dem Geländer, beugte sich darüber und starrte entgeistert in die Tiefe.

In diesem Moment blickte der Unbekannte zu ihm herauf. Paolo Sina erschrak tödlich.

In dem nur unklar erkennbaren schwarzen Gesicht glühten kalte weiße Augen. Ihr Blick schien ihn zu durchbohren.

Stöhnend wich Paolo Sina zurück. Eine Gänsehaut lief über seinen Rükken. Entsetzt presste er die Hände vor den Mund. Er wandte sich zur Flucht, doch es war schon zu spät.

Mit unheimlicher Geschwindigkeit tauchte der Unbekannte aus dem Canale auf. Das Wasser stürzte rauschend in sein altes Bett zurück.

Paolo Sina wirbelte herum und rannte davon. Er hetzte durch die menschenleeren Gassen, jagte eine Bogenbrücke hinauf und auf der anderen Seite wieder hinab.

Er hörte die Schritte seines Verfolgers nicht, doch als er sich umdrehte, schrie er vor Schreck gellend auf.

Der Schwarzgekleidete flog durch die Luft, prallte mit ihm zusammen und riss ihn zu Boden. Sie rollten über die harten, von vielen Füßen blank gescheuerten Steine.

Paolo Sina sah die grässlichen Augen des anderen dicht vor seinem Gesicht aufglühen. Im nächsten Moment packte der Unheimliche zu.

Der Todesschrei des jungen Mannes brach sich schauerlich an den Mauern der schmalen, hohen Wohnhäuser, der Palazzi und der Kirchen.

Gleich darauf hörten die aus dem Schlaf aufgestörten Menschen ein lautes Klatschen aus dem Canale. Danach war es totenstill.

Die Taubenschwärme ließen sich wieder auf Dächern und Türmen nieder, als wäre nichts geschehen. Im Canale jedoch trieb Paolo Sinas Leiche – das Gesicht auf den Rücken gedreht …

*

Die gesamte Reisegruppe stand an Deck des Linienschiffes, das durch den Canal Grande schipperte, als gäbe es den Begriff >Eile< nicht in dieser hektisehen Welt. Aber was soll’s, dachte ich, wir waren alle Urlauber und hatten. Zeit. Nach außen hin wenigstens. In Wirklichkeit hielt ich Augen und Ohren offen und sah und hörte alles. Genau so verhielt sich meine Begleiterin Jane Collins, die hübscheste Privatdetektivin der Welt.

Sie hatte meinem Angebot nicht widerstehen können, mit mir nach Venedig zu fahen. Jetzt lehnte sie an der Reling. Die Sonne ließ ihr goldenes Haar aufleuchten, das mich immer an reifen Kansas-Weizen erinnerte. Ihre Augen schimmerten wachsam und bekamen einen verlockenden Glanz, wenn sie mich zwischendurch ansah. Aber jetzt dachten wir an unsere Pflicht. Das private Vergnügen musste noch warten.

Wenn ich ihre Figur betrachtete, die sich unter der luftigen Bluse mit Blümchenmuster und der eng sitzenden Hose abzeichnete, dachte ich allerdings nicht nur an die Pflicht …

Jane schob sich zwischen den teils müden, teils begeisterten Mitgliedern unserer zwanzig Personen starken Reisegruppe zu mir durch. »Ob wir die beiden nicht besser in London zurückgelassen hätten?«, fragte sie und deutete auf Suko und Shao, die nur Augen füreinander hatten.

»Wenn es hart auf hart geht, ist auf Suko immer Verlass«, erwiderte ich und erinnerte mich an die Umstände, unter denen Suko seine Shao kennengelernt hatte. In Hongkong war das gewesen, als wir beide gegen den Gelben Satan kämpften, den Herrn der Ratten. Wir waren beide nur um ein Haar mit dem Leben davongekommen, und Shao wäre fast in die Klauen der Höllenmächte gefallen. Ich schauderte, wenn ich daran dachte. Doch nun waren Suko und sie ein glückliches Paar, und die beiden waren so unzertrennlich geworden wie meine Freunde Bill und Sheila Conolly. Nur dass Shao ihren Suko nicht an einer so kurzen Leine hielt wie Sheila ihren Bill.

Die Sonne tat gut. Nach dem regnerischen Londoner Wetter ließ ich mich durchwärmen, während die Palazzi des Canal Grande gemächlich an uns vorbeizogen. Zwischendurch blinzelte ich nach vorne. Wir mussten bald unser Hotel erreichen.

Da passierte es!

Ich erkannte die Gefahr noch vor unserem Bootsführer. Ein Linienschiff kam uns entgegen. Von uns aus gesehen hätte es uns links passieren müssen, aber der schwere Pott hielt genau auf uns zu.

Der Steuermann beugte sich weit aus dem Führerhaus. Das Boot war dadurch steuerlos!

Auf dem Gesicht des Mannes malte sich unbeschreibliches Grauen ab! Ich warf einen Blick in das aufgewühlte Wasser des Canal Grande und entdeckte die Leiche eines Mannes.

Im selben Moment gellte die Sirene unseres Schiffes auf, drängend und in einem ohrenbetäubenden Stakkato. Der schwere Dieselmotor heulte in den höchsten Touren. Das schmutzigbraune Wasser des Canal Grande schäumte hoch auf, als unsr Bootsführer die Schraube rückwärts laufen ließ.

Es nützte nichts mehr.

Mit einem nervenzerfetzenden Krachen und Knirschen bohrte sich das andere Schiff in unseren Bug.

Ich wollte Jane festhalten, aber der Stoß riss mir die Beine unter dem Körper weg. Hilflos segelte ich durch die Luft.

Ich sah das aufgewühlte Wasser auf mich zurasen und tauchte im nächsten Moment ein.

*

Die Wellen schlugen über mir zusammen. Ich hielt rechtzeitig die Luft an, tauchte und wollte zurück an die Oberfläche, als ich vor mir einen Mann stehen sah!

Das Wasser des Canal Grande war trübe. Man konnte nicht die Hand vor den Augen erkennen. Diesen Mann jedoch sah ich so klar und deutlich, als wären wir beide in einem frisch gesäuberten Swimming-pool.

Er stand aufrecht und mit beiden Beinen auf dem schlammigen Grund des Gewässers. Ein weiter schwarzer Umhang vrhüllte seinen Körper. Auf dem Kopf trug er einen schwarzen Schlapphut, der sein Gesicht völlig verdeckte. Nur unter der Krempe leuchteten zwei bleiche Augen hervor.

Der Schwarze Tod! schoss es mir durch den Kopf, doch das war nicht mein Erzfeind. Er sah ihm nur verteufelt ähnlich!

Ich ruderte verzweifelt, um wieder an de Oberfläche zu kommen. Ich brauchte Luft! Luft! Ich wollte nicht ersticken!

Doch meine Kräfte reichten nicht. Der schwarze Kerl hielt mich mit seinen unheimlichen Kräften zurück, da könnte ich machen, was ich wollte. Ich bin ein durchtrainierter Schwimmer, aber gegen eine magische Fessel richtet man nichts mit Muskelkraft aus.

Der Mann mit dem Schlapphut stand in einer Art Glocke. Er machte sich jedenfalls seinen Umhang nicht nass.

Ein zahnloser Mund öffnete sich zu einem höhnischen Gelächter, das mir schaurig in den Ohren dröhnte. »Willkommen in Venedig, John Sinclair!«, schrie er mir entgegen. »Hier endet dein Besuch schon! Du wirst den Canal Grande nicht lebend verlassen!«

Das Blut begann in meinen Ohren zu rauschen. Oder waren es die Schrauben der beiden zusammengestoßenen Schiffe, die sich wieder voneinander lösten? Vor meinen Augen leuchteten roe Sterne. Es waren keine Lichtblitze, die der Schwarze gegen mich aussandte, sondern Sauerstoffmangel in meinem Hirn. Wenn ich nicht schnellstens an die Oberfläche kam, war es aus!

Oberinspektor John Sinclair, der Geisterjäger, als Wasserleiche im Canal Grande! Eine böse Sache!

In höchster Not griff ich unter mein Hemd und riss es mit einem Ruck auf der Brust auseinander. Die Knöpfe sprangen ab. Mein silbernes Kreuz mit den Symbolen der vier Erzengel, das ich an einer Kette um den Hals trug, leuchtete hell wie eine Sonne durch das schlammige Wasser und hüllte den Kerl mit dem Schlapphut in eine bläuliche Aura.

Das höhnische Gelächter endete wie abgeschnitten. Statt dessen hörte ich einen grässlichen Aufschrei, ein Gemisch aus Schmerz und Wut.

Im nächsten Moment konnte ich den Unheimlichen nicht mehr sehen. Und die Fesseln, die mich auf dem Grund des Canale festgehalten hatten, waren verschwunden.

Mit letzter Kraft schlug ich um mich, aber es war schon zu spät! Ich verlor die Orientierung.

Ich wollte den Mund nicht öffnen, wollte nicht anstelle der rettenden Luft des schmutzigee Wasser einatmen!

Und doch riss ich den Mund auf … als mich starke Hände packten, mit eisernem Griff festhielten und hochzerrten.

*

Die Sonne stach grell in meine brennenden Augen. Mit einem röchelnden Laut atmete ich tief ein, verschluckte mich an dem restlichen Wasser in meinem Mund und hustete laut. Neben mir schwamm Suko, der mich nicht mehr losließ. Ich steckte in seinen gestählten Armen wie in einem Schraubstock.

Von dem Schiff streckten sich uns zahlreiche Hände entgegen.

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