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John Sinclair - Folge 048

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Serie
  3. Über den Autor
  4. Impressum
  5. FLUGVAMPIRE GREIFEN AN
  6. Vorschau

John Sinclair – Die Serie

John Sinclair ist der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.

Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit.

Über den Autor

Jason Dark wurde unter seinem bürgerlichen Namen Helmut Rellergerd am 25. Januar 1945 in Dahle im Sauerland geboren. Seinen ersten Roman schrieb er 1966, einen Cliff-Corner-Krimi für den Bastei Verlag. Sieben Jahre später trat er als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei Verlages ein und schrieb verschiedene Krimiserien, darunter JERRY COTTON, KOMMISSAR X oder JOHN CAMERON.

FLUGVAMPIRE GREIFEN AN

Die Maschine, die John Sinclair von London nach Nepal bringen soll, ist restlos ausgebucht. Die Passagiere haben es sich in ihren Sitzen für den langen Flug bequem gemacht. Einige lesen, andere schlafen. John Sinclair schaut aus dem Fenster – als er plötzlich zusammenzuckt. Riesige Kreaturen mit Flügeln von mehreren Metern Spannweite kreisen um das Flugzeug …

Der Himmel war von einem strahlenden Blau. Nur in der Ferne, zwischen den Gipfeln der Achttausender, hingen einige Wolken wie Wattetupfen in der klaren Luft.

Bill genoss das Panorama. Er befand sich zum ersten Mal in seinem Leben in Kathmandu, der Hauptstadt des Königreichs Nepal. Er saß auf der Aussichtsterrasse des Flughafens und wartete auf die Maschine, die ihn weiterbringen sollte in das Innere des Landes bis dicht an die tibetanische Grenze.

Bill Conolly, Reporter aus London, wollte einen Reisebericht über Nepal und Tibet schreiben. Er hatte dies schon lange vorgehabt, doch nie die nötige Zeit gefunden. Schließlich hatte er sich aufgerafft, seine hübsche Frau Sheila überreden können und war nach Kathmandu geflogen.

Suko war bei ihm.

Suko, der Chinese. Der Mann mit dem ewigen Lächeln, dem Körper eines Sumoringers, und ein Freund, auf den sich Bill Conolly hundertprozentig verlassen konnte.

Suko kannte die Gegend des Himalaja. Er hatte hier einige Jahre seines Lebens verbracht und wusste auch von den versteckten Bergklöstern, die Bill besuchen wollte. Die Mönche dort waren oft sehr scheu, und mit Sukos Hilfe hoffte Bill, von ihnen empfangen zu werden und einiges über den Lamaismus zu erfahren.

Suko gehörte eigentlich zu John Sinclair, dem Oberinspektor von Scotland Yard, Sinclair, auch Geisterjäger genannt, hatte den Chinesen bei einem seiner lebensgefährlichen Fälle kennengelernt, und zwischen den beiden so ungleichen Männern hatte sich eine Freundschaft entwickelt.

Bill Conolly war Johns alter Kampfgefährte aus früheren Tagen, als Bill noch das freie Leben eines Junggesellen führte. Er und John hatten so manch heißen Strauß gefochten, und nicht immer waren sie ohne Blessuren aus den Kämpfen hervorgegangen. Nach Bills Hochzeit mit seiner reizenden Sheila hatten die abenteuerlichen Zeiten ein Ende gefunden. Nur hin und wieder mal mischte Bill noch kräftig mit.

Der Reporter war ein Frauentyp. Dunkles Haar, stets gebräunte Gesichtsfarbe und mit einem Lächeln ausgestattet, das bei gewissen weiblichen Personen leichtes Herzklopfen verursachte. Vor der Ehe hatte Bill mächtig auf die Pauke gehauen, doch seit er mit Sheila verheiratet war, gab es für ihn keine anderen Frauen.

Immer wieder glitt Bills Blick durch die große kristallklare Scheibe nach draußen auf das Rollfeld und dann weiter zu den fernen Gipfeln des Himalaja.

Dort irgendwo im Norden, da lag ihr Ziel. Leider hatten sie noch einen halben Tag Zwischenaufenthalt, ehe eine Maschine startete. Die Zeit wollten er und Suko nutzen, um sich die Stadt anzusehen.

Suko war unterwegs. Er wollte noch etwas Kartenmaterial besorgen, und da Bill Conolly Durst hatte, hatte er sich in die Aussichtshalle verzogen.

Es herrschte ein internationales Sprachenwirrwarr. Besonders taten sich die deutschen Touristen hervor. Sie waren mit einer bekannten Reisegesellschaft angereist und taten so, als würde ihnen die Welt gehören.

Bill nuckelte an seinem Bier. Es stammte aus Dänemark und schmeckte dem Reporter ein wenig bitter, löschte aber den Durst.

Die Deutschen drängten sich jetzt vor der Scheibe. Von Westen her schwebte eine Maschine heran. Ein glitzernder Punkt im unendlichen Blau des Himmels.

Die Maschine fuhr das Fahrwerk aus, und wenig später berührten die hohen Räder den Beton der Landebahn.

Kathmandu, Nepals Hauptstadt, lag schon ziemlich hoch. Die dünne Luft machte den Europäern zu schaffen. Im Süden der Stadt begannen die fruchtbaren Ebenen, die sich weit hinein in den indischen Subkontinent zogen. Im Norden stand die majestätische Bergwelt des Himalaja wie eine Wand.

Bill trank sein Glas leer, denn jetzt wurden die Touristen eingesammelt und wie eine Hammelherde in Richtung Ausgang geführt.

An der eben gelandeten Maschine war die Tür geöffnet worden. Die ersten Passagiere betraten die Gangway.

Bills Blick schweifte darüber hinweg, doch plötzlich stutzte der Reporter.

Er hatte unter den Passagieren eine Frau entdeckt, die sofort auffiel.

Die Frau – sie musste eine Inderin sein – trug einen bodenlangen Sari aus feinster Seide. Der Wind spielte mit den Falten des Gewandes, und die Inderin band das Kleidungsstück fester um sich. Als sie näher kam, stellte Bill fest, dass die Frau noch ziemlich jung war. Er schätzte sie auf höchstens zwanzig.

Dann drängte sich ein Mann nach vorn. Rücksichtslos schob er die anderen Passagiere zur Seite und fasste die Inderin roh am Arm. Bill sah, dass der Mann heftig auf das Mädchen einsprach und dieses ängstlich nickte. Dann wurde ihm die Sicht von dem kleinen, grellrot angestrichenen Transferbus genommen, der die Passagiere zur Flughafenhalle beförderte.

Der Reporter stand auf. Er trug einen kamelhaarfarbenen Anzug und einen dazu passenden Pullover. Seine Stirn hatte sich in nachdenkliche Falten gelegt.

Die Szene auf der Landebahn ging ihm nicht aus dem Sinn. Sollte die Inderin etwa nicht freiwillig mit dem Mann gegangen sein? Ein Europäer war es nicht gewesen, sein Gesicht hatte einen mongolischen Einschlag gezeigt.

Nachdenklich ging Bill Conolly in Richtung Ausgang. Er sah nicht die Blicke, die ihn streiften. Eine blonde Mittdreißigerin lächelte ihm zu. Bill sah an ihr vorbei.

Als die gläserne Tür vor ihm zurückschwang, kam ihm Suko entgegen. Der Chinese grinste, wurde jedoch ernst, als er Bills Gesicht sah.

»Was ist passiert?«, fragte er.

Suko war ein Mann, der auffiel. Fast so lang wie breit. Ein ungezügeltes Kraftpaket. Er hatte ein breites Pfannkuchengesicht, und die schwarzen spärlichen Haare waren genau in der Mitte gescheitelt. Wie angeklebt lagen sie auf seinem Kopf.

Bill Conolly zog Suko ein Stück zur Seite. Bevor er berichtete, was er beobachtet hatte, wartete er erst eine Lautsprecherdurchsage ab, die den allgemeinen Lärm um ein Vielfaches übertönte.

Der Reporter hatte sich eine Zigarette angezündet und erzählte, während er rauchte.

Suko hörte mit unbewegtem Gesicht zu. Dann fragte er: »Bildest du dir das nicht vielleicht ein?«

»Möglich.« Bill hob die Schultern und warf einen Blick in die Halle. Plötzlich stieß er Suko an. »Das ist sie wieder.« Der Reporter zeigte in Richtung Rolltreppe.

Suko wandte den Kopf. Die Inderin und ihr Begleiter gingen an der Treppe vorbei dem Ausgang zu. Einmal drehte das Mädchen den Kopf, und Bill vermeinte, ihren flehenden Blick auf sich ruhen zu sehen. Aber das war wohl nur Einbildung.

Etwas anderes jedoch hatte er sehr genau erkannt. Den roten Kreis oder Fleck auf der Stirn der Frau.

»Hast du das Zeichen gesehen?«, wandte er sich an Suko.

Der Chinese nickte.

»Was bedeutet es?«, wollte Bill wissen.

»Keine Ahnung. Es kann irgendein Kastenzeichen sein, aber eins, das ich nicht kenne. Tut mir leid.«

Bill überlegte nur wenige Sekunden. Dann sagte er: »Komm, hinterher.« Ehe Suko etwas erwidern konnte, hatte sich der Reporter schon in Bewegung gesetzt und ging mit raumgreifenden Schritten der Unbekannten und dem Mann nach.

Suko folgte Bill Conolly kopfschüttelnd.

Der Mann hatte die Inderin immer noch nicht losgelassen. Seine rechte Hand umspannte ihren Arm in Höhe des linken Ellbogens.

Die beiden drängten sich forsch durch die wartenden Fluggäste und Zuschauer. Sie hatten bereits die große Eingangstür erreicht, als Bill und Suko noch mehr als zehn Schritte hinter ihnen waren. Der Reporter beeilte sich jetzt.

Als er mit Suko das Flughafengebäude verließ, liefen die Inderin und ihr Begleiter bereits auf einen Taxistand zu.

Einer der Fahrer, ein klapperdürrer Chinese, riss die hintere Tür seines altersschwachen Fords auf und machte gestenreich klar, dass er einer der besten Fahrer sei.

So konnten Bill und Suko aufholen.

Als das Taxi mit der Inderin abfuhr, hatten Bill und der Chinese bereits das nächste gekapert.

Suko saß neben dem Fahrer.

»Hinterher!«, forderte er.

Bill hockte im Fond. Der Wagen hatte schon Museumsreife. Die Polster waren zerschlissen und an einer Stelle mit einem spitzen Gegenstand aufgeschlitzt worden. Eine Sprungfeder stach hervor.

Der Fahrer war wohl mal eine Todesralley im Hochland von Pamir gefahren. Er kurbelte so wild am Lenkrad, dass Bill das Gefühl hatte, er würde übersteuern. Der Reporter wurde von einer Ecke in die andere geworfen, und der Driver, der das Gaspedal genauso oft bediente wie die Hupe, freute sich des Lebens. Er pfiff ein Liedchen vor sich hin und fühlte sich pudelwohl.

Bill geriet ins Schwitzen. Von Kathmandu, der Hauptstadt, sah er nicht viel. Die Häuser wirbelten nur so an der Scheibe vorbei. Bill konnte wohl erkennen, dass sie über eine sehr breite, in der Fahrbahnmitte durch eine Allee geteilte Straße fuhren und schließlich an eine Kreuzung kamen, die von einem Verkehrspolizisten in Fantasieuniform beherrscht wurde.

Er wirbelte mit den Armen wie ein Drummer mit seinen Trommelstöcken. Und der Verkehr lief. Es gab nicht einmal Blechschäden, und auch die Eselkarren überstanden die Tücken mit stoischer Geduld.

Dann wurde die Gegend ärmlicher, die Fahrzeuge seltener und die Fußgänger zahlreicher.

Der Fahrer musste zwangsläufig mit der Geschwindigkeit herunter. Er sagte irgendetwas zu Suko, und der drehte sich zu Bill Conolly um.

Bill beugte den Oberkörper vor und klammerte sich an der Lehne des Rücksitzes fest.

»Was ist los?«

Suko grinste. »Unser Freund meint, dass es jetzt gefährlich wird und er eigentlich Gefahrenzulage haben müsste.«

»Okay.« Bill holte einen Schein aus der Tasche und reichte ihn rüber.

Als Dank drückte der Driver dreimal auf die Hupe, worauf eine Rotte von Fußgängern wütend auseinanderspritzte.

Dann trat der Fahrer abrupt auf die Bremse.

Bill Conolly wurde nach vorn geschleudert. Er warf einen raschen Blick nach links aus dem Fenster.

Sie standen vor einer schmalen Seitengasse, durch die gerade noch ein Wagen fahren konnte. Und etwa zehn Yards innerhalb der Gasse parkte das Taxi, mit dem die Inderin und ihr Begleiter gefahren waren.

Bill sah, wie die beiden ausstiegen.

Er gab dem Fahrer noch einen Schein und verließ das Taxi. Suko war schon ausgestiegen.

Beide Taxen brausten, so schnell es ging, davon. Der eine Wagen rückwärts. Dabei fuhr er noch eine alte Tonne um, die direkt vor Sukos Füße rollte.

»Als würde ihnen der Teufel persönlich im Nacken sitzen«, murmelte Bill.

»Vielleicht sitzt er ihnen sogar«, meinte Suko.

Der Reporter sah den Chinesen schräg von der Seite her an.

Bill schien der einzige Europäer zu sein, der sich in diese Gegend verlaufen hatte. Es war auch wirklich kein Renommierviertel. Die Häuser, fast alle aus Lehm gebaut, waren nur einstöckig. Dazwischen gab es auch Baracken aus Holz oder Wellblech. Abgemagerte Kühe lagen an den Hauswänden. Die Menschen trugen nur Lumpen, und in den Augen der Kinder sah Bill oft die dumpfe Verzweiflung leuchten.

Am Himmel stand eine fahle Sonne. Ihr Schein schien die Gassen zwischen den Häusern kaum zu erreichen.

Vor einem Haus saß ein uralter Inder und fertigte Tonkrüge an. Er hatte eine Haut wie altes Papier. Seine Kleidung war schmutzig, nur der kunstvoll gebundene Turban strahlte leuchtend weiß.

Bill wollte schon an dem Inder vorbeigehen, als er den roten Punkt auf dessen Stirn sah.

Der Reporter machte Suko darauf aufmerksam.

»Sollen wir den Mann ansprechen?«, fragte Bill.

Suko schüttelte den Kopf. »Nein, wir wollen nicht schon vorher auf uns aufmerksam machen.«

»Stimmt auch wieder.«

Suko und Bill gingen in die Gasse hinein, in der das erste Taxi gehalten hatte.

Unbeschreibliche Düfte kitzelten ihre Geruchsnerven. Dabei waren es wahrlich keine Wohlgerüche. Der Geruch von garendem Fleisch vermischte sich mit dem Gestank von Urin.

Bill entdeckte eine kleine Garküche, in der ein Mann über Holzkohle Fleisch briet. An einem Gestell hing ein großer Reistopf. Der Reis darin war so schmutzig wie der Topf.

Und doch hatte der Mann drei Kunden, die mit Heißhunger aßen.

Das Haus, vor dem das Taxi gehalten hatte, entpuppte sich als der einzige zweigeschossige Bau in der Gasse. Der untere Teil des Hauses war aus braungelbem Lehm gefertigt, der obere Teil aus Holz. Es gab zwar Fenster, jedoch keine Scheiben. Die Öffnungen gähnten dem Betrachter entgegen.

Und dann fiel Bill und Suko noch etwas auf.

Auf das Holz der Tür war ein roter Punkt gemalt.

Das Zeichen!

Und es gab noch etwas, das Bill Conolly stutzig machte. Das Haus wurde von den zahlreichen Menschen, die die Gasse bevölkerten, gemieden. Wer daran vorbeiging, warf scheue, ängstliche Blicke auf die schmutzige Fassade.

»Ich habe das Gefühl, in ein Wespennest gestochen zu haben«, meinte der Reporter. Er sah sehr wohl die Blicke, mit denen er und Suko beobachtet wurden, doch niemand sprach sie an oder gab ihnen eine Warnung.

Die Menschen warteten ab.

Bill kam sich trotz des Betriebs vor, als wäre er der einzige Mensch auf der Welt. Suko musste es ähnlich ergehen, denn seine Miene drückte Besorgnis aus.

»Was ist?«, fragte Bill. »Statten wir der Hütte einen Besuch ab?«

»Haben wir einen Grund?«, lautete die Gegenfrage.

»Das Mädchen. Es ist …« Bill schwieg. Anscheinend merkte er selbst, auf welch schwachen Füßen seine Theorie stand.

Er war schon bis zur Tür vorgegangen und legte jetzt die flache Hand gegen das Holz.

Überraschenderweise schwang die Tür zurück.

»Komm«, sagte der Reporter und ging vor.

Suko folgte ihm. Der Körper des Chinesen hatte sich gespannt. Suko schien mit einem Angriff zu rechnen. Bevor er das Haus betrat, warf er noch einen Blick zurück.

Er sah die Menschen, die stehen geblieben waren, und er sah den Inder mit dem hellen Turban, der sich erhoben hatte und jetzt in einer Nische verschwand.

Dann betrat auch Suko das Haus …

Es war stockdunkel. Zumindest kam es Bill Conolly so vor. Bis seine Augen sich an das Dämmerlicht gewöhnt hatten. Durch Ritzen in der Wand fiel immerhin so viel Helligkeit, dass Umrisse zu erkennen waren.

»Suko?« Bill drehte den Kopf und flüsterte den Namen des Chinesen.

»Ich bin hier.«

Der Reporter war beruhigt.

Er ging Schritt für Schritt weiter. Dabei achtete er darauf, nirgendwo anzustoßen oder irgendein verdächtiges Geräusch zu machen. Leider hatte er keine Taschenlampe mitgenommen, und er bemerkte die Treppe auch erst, als er mit der Fußspitze dagegen stieß.

Bill blieb stehen, und Suko wäre bald auf ihn geprallt.

Die beiden Männer lauschten.

Bill Conolly und auch Suko hatten schon bei ihrem Eintritt die unheilvolle Atmosphäre gespürt, die in dem Haus herrschte. Obwohl sie niemand entdecken konnten, schienen sich in den Winkeln und Ecken doch allerlei Gestalten verkrochen zu haben, die nur darauf lauerten, die beiden Freunde anzugreifen.

Dann hörten sie Stimmen. Sie kamen von oben, aus dem ersten Stock.

Eine Frauenstimme war dabei. Sie redete in einer Sprache, die Bill nicht kannte.

»Verstehst du etwas?«, hauchte er Suko ins Ohr.

»Nein«, wisperte der Chinese.

»Ich gehe hoch«, sagte Bill.

Behutsam stieg er die Stufen hinauf. Sie waren aus Holz und ächzten unter der Last der Gewichte.

Immer wieder blieben die beiden Männer stehen, um zu lauschen. Die Geräusche mussten doch einfach gehört worden sein.

Aber nichts geschah.

Sie erreichten den oberen Stock. Schon auf der Treppe war ihnen der seltsame Geruch aufgefallen. Und je höher sie kamen, umso intensiver war er geworden.

So roch nur eins.

Warmes Blut …

Bill Conolly rieselte eine Gänsehaut über den Rücken, als er daran dachte.

Was ging in diesem Haus vor?

Plötzlich stand Bill Conolly vor einer Tür. Sie war nur angelehnt, und der Reporter konnte den roten Lichtschein erkennen, der aus dem Spalt sickerte.

Mit der linken Hand drückte Bill Conolly die Tür vollends auf.

Er musste die Luft anhalten, so intensiv war der Geruch geworden.

Und dann stand er im Zimmer.

Suko blickte dem Reporter über die Schulter, und nicht nur Bill Conolly hatte das Gefühl, sein Herzschlag würde aussetzen.

In der Ecke kauerte das Mädchen. Der Geruch ging von Räucherstäbchen aus, die um die Inderin herum in kleinen, bleistiftdünnen Gefäßen steckten.

Doch den Schock bekam Bill Conolly, als er den Begleiter der Inderin sah.

Er hatte sich verwandelt.

In eine riesige Fledermaus!

Die Inderin, die in dem Kranz von Kerzen saß, reagierte als Erste.

»Fliehen Sie!«, rief sie mit schriller Stimme. »Fliehen Sie!«

Doch Bill Conolly und Suko dachten gar nicht daran. Außerdem war Bill der Anblick der Fledermaus so unter die Haut gefahren, dass er wie angewachsen im Türrechteck stand.

Alles hätte er erwartet – nur das nicht.

Die Fledermaus reichte in ihrer Größe bis zur Decke. Wenn sie die riesigen Schwingen etwas über die Hälfte ausbreitete, konnte sie bereits die beiden Wände des Zimmers berühren. Der Schädel war hässlich anzusehen. Ein Menschenkopf auf dem Körper einer Fledermaus. Eine grausame Laune der Natur.

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