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JULIA EXTRA BAND 410

CAROL MARINELLI

Küsse – heißer als der Wüstenwind

Mit Trinity erlebt er die pure Leidenschaft! Dabei weiß Scheich Zahid, dass ihre Liebe keine Zukunft hat: Seine Familie lehnt sie ab – und Zahid steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens …

FIONA BRAND

Im Bann der süßen Sinnlichkeit

Er ist einer anderen versprochen – dennoch kann Prinz Kadin nicht widerstehen: Nur eine Nacht will er mit Sarah! Dann muss er zurückkehren in den Wüstenstaat, in dem seine Verlobte auf ihn wartet …

JENNIFER TAYLOR

So betört von deiner Liebe

Samantha ist viel zu freizügig und wild – keine angemessene Frau für Prinz Khalid. Warum nur kann er ihren sinnlichen Mund und die aufregenden Kurven einfach nicht vergessen?

CAITLIN CREWS

Verbotene Träume des Glücks

Sterling ist entsetzt: Scheich Rihad, der Bruder ihres verstorbenen Geliebten, verlangt, dass sie ihm ihr Baby überlässt! Sie muss fliehen, doch die Verheißung seiner feurigen Blicke hält sie gefangen …

IMAGE

Küsse – heißer als der Wüstenwind

PROLOG

„Hat irgendjemand Trinity gesehen?“

Diannes Stimme durchdrang die Abendstille. Seit etwa einem Jahr erklang dieser Ruf nahezu alltäglich. Prinz Zahid von Ishla hörte ihn jedes Mal, wenn er sich bei den Fosters aufhielt.

Seit seinem sechzehnten Lebensjahr war Zahid regelmäßig zu Gast im Haus Foster, doch dieser Aufenthalt würde sein letzter sein.

Zahid durchquerte den Wald längs der Grundstücksgrenze der Fosters. An diesem klaren Sommerabend hörte er Lachen über den See wehen. Bald wollte Zahid zurück nach Ishla fliegen, und er hoffte, dass sein Fahrer bald auftauchte, denn im Grunde wollte er nicht mehr bleiben. Die Fosters feierten das Examen ihres Sohnes Donald zusammen mit Zahids Abschluss mit einer Party, deshalb wäre eine Ablehnung unhöflich gewesen.

Aber die nächste Einladung würde er nicht annehmen.

Zahid hatte sich bei der Familie noch nie wohlgefühlt. Gus Foster war Politiker, und Zahid hatte den Eindruck, dass er nie abschalten konnte, während der einzige Lebenszweck seiner Frau Dianne darin bestand, immer zu ihrem Mann zu stehen, ganz gleich, was er tat. Zwei sehr öffentlich ausgetragene demütigende Affären und diverse noch schmutzigere Skandale hatten Diannes künstlichem Lächeln nicht das Geringste anhaben können.

Zahid war ein Einzelgänger und sehr zurückhaltend. Die Gesellschaft einer schönen Frau war ihm an einem Samstagabend lieber als eine Party, doch seit jenem Vorfall vor so vielen Jahren fühlte er sich verpflichtet …

Während seiner Zeit im Internat – da war er sechzehn gewesen – wurden bei einer stichprobenartigen Spindkontrolle Drogen und ein Haufen Bargeld in Zahids Spind gefunden. Beides gehörte nicht ihm. Aber nicht die vorgeschriebene Suspendierung war das Problem, sondern die große Schande, die ein Skandal über seine Familie bringen würde.

Als Zahids Vater König Fahid davon erfuhr, stieg er unverzüglich in seinen Jet und flog nach England, um mit dem Direktor zu sprechen. Nicht etwa, um die Sache zu vertuschen. Stattdessen wollte der König, wie Zahid Donald erklärte, um Entschuldigung bitten und seinen in Ungnade gefallenen Sohn nach Hause holen. In Ishla würde Zahid dann öffentlich das Volk um Verzeihung bitten müssen.

„Auch, wenn du unschuldig bist?“, hatte Donald gefragt.

Zahid hatte genickt.

„Es ist dem Volk überlassen, ob man mir vergibt.“

Zahid war aufrecht und hoch erhobenen Hauptes vor den Direktor getreten, bereit, sein Schicksal anzunehmen, doch in letzter Sekunde wendete sich das Blatt, die Wahrheit kam ans Licht.

Donald war, so ließ der Direktor den Prinzen und den König wissen, in Panik geraten, als er von der Spindkontrolle erfuhr, und hatte das Geld und die Drogen in Zahids Spind deponiert. Nun wurde also Donald suspendiert, und die Schule bat den König vielmals um Verzeihung für die Unannehmlichkeiten.

Als der König und der junge Prinz das Büro des Direktors verließen, wurden sie von Donald und seinem Vater Gus erwartet.

„Danke“, hatte der König zu Donald gesagt, „dass du Manns genug warst, für deine Fehler einzustehen.“

„Das ist ein Missverständnis“, erklärte Gus. „Mein Sohn würde niemals Drogen nehmen. Er hat nur einem Freund geholfen.“

Die Fosters zierten dann das Titelblatt der Sonntagszeitung. Dianne mit ihrem künstlichen Lächeln für die Kameras, Gus, den Arm um die Schultern seines angemessen zerknirscht wirkenden Sohns gelegt. Die Einzige, die das Image der Bilderbuchfamilie störte, war Trinity. Sie trug ihr bestes Sonntagskleid, lächelte aber nicht, sondern blickte finster in die Kameras.

Zahid schmunzelte in der Erinnerung an das Foto aus alter Zeit. Doch wenige Sekunden später verging ihm das Lächeln, als er eine blonde junge Frau entdeckte.

Da war Trinity.

Sie versteckte einen Beutel mit Kleidern unter einem Baum, wischte sich den Lippenstift ab und fuhr zusammen, als sie Zahid rufen und auf sich zukommen hörte.

„Trinity! Deine Mutter sucht dich. Wo warst du?“

Sie wirbelte zu ihm herum. „Bitte, Zahid, könnte ich nicht sagen, ich wäre mit dir zusammen gewesen?“

„Du weißt, dass ich nicht lüge.“

„Bitte“, flehte Trinity, dann seufzte sie. Zahid war so streng, so förmlich und so unnachgiebig, dass jeder Versuch, ihn auf ihre Seite zu ziehen, sinnlos schien. Doch als sie sich resigniert zum Gehen wandte, um die Suppe auszulöffeln, die sie sich eingebrockt hatte, hielt er sie zurück.

„Wenn ich dich decken soll, muss ich erst einmal wissen, was du angestellt hast.“

Trinity drehte sich langsam um. Nie im Leben hatte sie mit seiner Einwilligung gerechnet. „Ich war bei meiner Freundin Suzanne“, antwortete sie verhalten.

„Was habt ihr gemacht?“

„Nur …“ Trinity zuckte die Achseln.

„Nur was?“

„Wir haben getanzt.“

„Ihr wart auf einer Party?“

„Nein! Wir haben in ihrem Zimmer Musik gehört und getanzt.“ Beinahe hätte sie genervt die Augen verdreht, als sie es ihm ins verdutzte Gesicht hinein zu erklären versuchte, denn solch ein Verhalten würde ein Typ wie Zahid bestimmt nicht verstehen. „Wir haben Make-up ausprobiert und so.“

„Warum versteckst du die Kleider?“ Er betrachtete ihr Outfit – ein langärmliges Top und Jeans – und sah, wie Trinity die blauen Augen zukniff, zweifellos auf der Suche nach einer passenden Lüge.

Trinity war, wie Zahid wusste, eine meisterhafte Lügnerin. Was er nicht wusste, war, dass sie in diesem Augenblick nicht lügen wollte. Sie wusste nur nicht, wie sie ihm die Wahrheit sagen sollte, die doch nur auf einem unbestimmten Gefühl beruhte.

Wie sollte sie ihm erklären, dass sie sich auf Suzannes Vorschlag hin Kleider ausgeliehen hatte, weil Trinity sich in dem Kleid, das ihre Mutter ihr gekauft hatte, vom neuen Mann ihrer Tante sonderbar beäugt gefühlt hatte? Trinity verstand es ja selbst nicht ganz. Umso weniger wusste sie, wie sie Zahid vermitteln sollte, dass ihr unter Clives Blicken höchst unbehaglich zumute gewesen war.

Sie weigerte sich, ihn Onkel zu nennen.

Er war der Grund dafür, dass sie weggelaufen war.

Ja, Clive war der Grund dafür, dass Trinity bei Familientreffen regelmäßig weglief. Und weil Zahid immer nur zu Familienfesten zu Besuch kam, erlebte er dieses Verhalten allzu oft.

„Ich habe nichts Böses getan“, sagte Trinity.

„Vielleicht nicht, aber auf Familienfeiern solltest du dich nicht einfach so aus dem Staub machen.“ Für Zahid gab es nur Schwarz und Weiß, doch Trinity kannte viele Schattierungen dazwischen. Sie war so temperamentvoll und eigensinnig und so deutlich unbeeindruckt von ihrer Familie, dass er ihr manchmal stumm applaudierte, was er sie jedoch nicht wissen ließ.

„Ich weiß, ich weiß“, setzte Trinity an. Im nächsten Moment hellte sich ihre Miene auf, und sie lächelte verschmitzt. „Was ist denn deine Ausrede?“

„Ausrede?“

„Was treibst du hier im Wald?“

„Ich habe einen Spaziergang gemacht, um nachzudenken.“ Zahid sah sie nachdenklich an. Von allen Fosters war Trinity die Einzige, die ihm fehlen würde. Ja, manchmal musste er über sie lächeln, aber jetzt lächelte er nicht, als er erkannte, dass sie sich seit ihrer letzten Eskapade verändert hatte.

Sie war zu einer sehr schönen jungen Frau herangewachsen. Ihr Haar war blond und stufig geschnitten, ihre Augen wirkten riesig in ihrem schmalen Gesicht und blitzten, während sie darauf wartete, dass er weiterredete. „In Ishla würde man von dir erwarten, dass du deinen Eltern zur Seite stehst und dich unter die Gäste mischt …“

„Aber ich bin nicht in Ishla.“

Auf dem Weg zurück zur Party taumelte Trinity ein wenig.

„Hast du getrunken?“

„Nein.“

„Bist du sicher?“

„Ich würde mich ja wohl daran erinnern.“

Er drehte sie zu sich um und legte die Hände an ihre Wangen. Natürlich bemerkte er ihre geweiteten Pupillen, aber noch erkannten beide nicht das Begehren, das zwischen ihnen knisterte. „Puste mal.“

„Du willst einen Atemtest machen?“

„Puste“, befahl Zahid, und sie gehorchte, doch er roch keine Alkoholfahne.

„Was führst du im Schild, Trinity?“, fragte er.

Seine Hände lagen immer noch an ihren Wangen, und Trinity wollte sie dort. Ja, er war langweilig, ja, er war zum Gähnen würdevoll, aber manchmal, wenn er lächelte, manchmal, wenn sein hintergründiger Humor ihren Eltern völlig entging, brachte er sie zum Lachen. Sie hatte nie verstanden, was Frauen in ihm sahen. Donald war bitter eifersüchtig und beschwerte sich seiner Familie gegenüber oft, dass die Frauen nur wegen seines Titels hinter Zahid her wären.

An diesem Abend war Trinity anderer Meinung.

Nun verstand sie seine Anziehungskraft, denn der Blick aus diesen schwarzen Augen trieb ihr die Glut in die Wangen. Seine imposante Statur schüchterte sie nicht ein, sondern weckte den Wunsch, sich auf die Zehenspitzen zu recken, ihr Gesicht ganz nah an seins zu bringen und …

Jetzt wurden sie beide sich bewusst, wie heftig es zwischen ihnen knisterte.

Zahid konnte den Blick nicht von ihr lösen. Sie war wie ein wildes kleines Kätzchen, das jeden Moment die Krallen ausfahren konnte, aber für den Moment ganz zahm war. Ihre Anziehungskraft überwältigte ihn.

„Soll ich noch einmal pusten?“, fragte Trinity, und als er antworten wollte, dass sie zurück nach Hause gehen müssten, blies sie sanft auf seine Lippen. Zahid schluckte, und zum ersten Mal kämpfte er um Selbstbeherrschung.

„Du musst vorsichtiger sein“, warnte er sie. „Du solltest abends nicht allein durch den Wald spazieren.“

„Weil ein schöner Prinz des Wegs kommen könnte?“

„Weil wer weiß wer des Wegs kommen könnte“, betonte Zahid, seine Hände immer noch an ihren Wangen.

Ihre Lippen waren sich sehr nahe.

„Du bist du“, sagte Trinity, „und ich will, dass ich meinen ersten Kuss von dir bekomme.“

Ihr Mund war in Zahids Augen perfekt. Ungewohnt zögerlich streifte er ihn mit den Lippen, denn er rang um Beherrschung, zwang sich, sein Verlangen zu unterdrücken. Was nicht so einfach war, weil das Beben ihrer Lippen an seinem Mund mehr als das übliche Verlangen in ihm weckte. Es rief ungeahnte Bedürfnisse wach, und für einen Mann von Zahids Stand gab es keine Bedürfnisse, die nicht erfüllt wurden.

Zu spüren, wie er sie so zärtlich küsste, wie sein Mund so weich den ihren berührte, war ein unglaubliches Erlebnis für Trinity.

Angestarrt zu werden, hatte ihr schon immer Übelkeit verursacht. Auf Familienfeiern musste sie sich regelmäßig gegen ein Paar aufdringlicher Hände wehren, aber jetzt wehrte sie sich nicht. Sie genoss es, als Zahid die Hände von ihren Wangen bis zu ihrer Taille wandern ließ. Als sie die Lippen öffnete, war das Spiel ihrer Zungen so harmonisch, so natürlich, dass Trinity ein Stöhnen entschlüpfte.

Zahid hätte sich liebend gern Zeit gelassen. Sie schmeckte nach Zimt und war so süß und warm. Aber das Beben ihres viel zu schmalen Körpers, ihr plötzliches unverhohlenes Verlangen und sein eigenes wildes Begehren waren genug für Zahid, um aufzuhören.

„Das war nicht dein erster Kuss.“ Es war kein Vorwurf, lediglich eine Feststellung. Nie hatte ein Kuss eine solche Wirkung auf ihn gehabt … ein ziemlich routinierter Kuss.

„Okay, es war mein zweiter“, gestand Trinity. „Suzanne und ich haben vor einiger Zeit geübt, um vorbereitet zu sein, aber das hier hat sich nicht wie eine Übung angefühlt“, hauchte sie und suchte noch einmal seine Lippen.

„Du musst zurück“, sagte Zahid. Es klang ein bisschen streng, denn er war verärgert über seinen Mangel an Selbstbeherrschung. Sein Leben verlief in geordneten Bahnen. Die Frauen, mit denen er sich einließ, waren gewöhnlich ein paar Jahre älter als er, nicht umgekehrt, und das aus gutem Grund. Gefühle hielt er auf Abstand, und der Liebe ging er bewusst aus dem Weg.

Sex lautete die Devise, doch in diesem Moment war offenbar mehr im Spiel.

Trinity verschränkte die Hände in seinem Nacken und blickte zu ihm auf. Seine Hände lagen auf ihren Hüften. Sie wusste, dass er sie jeden Augenblick loslassen würde, dass er sie heimbringen würde, doch das wollte Trinity nicht. Sie wollte, dass ihr erster richtiger Kuss länger dauerte, sie wollte nicht zurück zu ihrer Familie und ins Haus, aber mehr als alles andere wollte sie Zeit mit Zahid verbringen.

Er war viel zu groß, als dass sie seinen Mund hätte erreichen können, wenn Zahid den Kopf nicht senkte. Als er es immer noch nicht tat, schmiegte sie ihr Gesicht an seinen Hals und strich mit den Lippen aufwärts, atmete seinen herrlichen Duft ein und spürte, wie er ihre Hüften fester packte.

Er zog sie an sich und schob sie sofort wieder weg. Verdammt, er sollte sie jetzt endlich nach Hause begleiten! Noch widerstand Zahid dem Drang, Trinity sein Verlangen spüren zu lassen.

Jetzt fuhr sie ihm herausfordernd mit der Zungenspitze über den Hals. Zahid umfasste ihr Kinn, sie blinzelte zu ihm auf. Einen Moment lang glaubte sie, er würde ihr eine Standpauke halten. Stattdessen fand er ihren Mund, und sie stellte fest, dass der erste Kuss nur ein Vorgeschmack auf diese Glückseligkeit gewesen war.

Angesichts der Leidenschaft seines Kusses riss Trinity die Augen auf. Sie war leicht schockiert, leicht benommen, und dann, als sie den gewöhnlich so distanzierten Zahid so aufgewühlt erlebte, schloss Trinity die Augen wieder und genoss einfach diesen tiefen Kuss.

Mit einer Hand streichelte Zahid ihren Po, während er mit der Zunge ihren Mund erkundete – es war die reinste Wonne. Seine andere Hand lag auf ihrer Schulter. Beinahe schob er Trinity von sich in seiner Anstrengung, sie nicht an sich zu ziehen, doch Trinity ignorierte den Druck, rückte ein wenig näher an ihn und war dort, wo sie sein wollte.

In seinen Armen, fest an ihn geschmiegt, fand sie zu sich selbst.

Sie genoss das Gefühl, seine Erektion an ihrem Bauch zu spüren. Sie genoss es, wie er sie schließlich an sich zog, während ihre Zungen miteinander spielten. Seufzend reckte sie sich auf die Zehenspitzen, wollte seine Härte an einer bestimmten Stelle spüren.

Zahid kämpfte immer noch mit sich, hielt sie fest, während sie versuchte, sich an ihm zu reiben. Er unterbrach den Kuss, aber nicht den Kontakt ihrer Körper, musterte Trinity aus dunklen Augen, aber mit einem Lächeln auf den strengen Lippen.

„Nicht aufhören“, drängte Trinity und schmiegte sich an ihn. Sie sehnte sich nach Erfüllung, wollte mehr. Ihre Sinne waren auf köstliche Weise erwacht, während Zahid sich alle Mühe gab, sie zu bremsen.

„Wir hören auf“, sagte er entschlossen.

„Warum?“

„Weil …“ Eigentlich wollte er nicht aufhören, aber auch nicht weitermachen. „Weil mein Fahrer bald kommt, um mich zurück nach Ishla zu bringen. Außerdem hast du etwas Besseres verdient als einen Quickie im Wald.“

„Nimm mich mit in deinen Palast.“ Trinity lächelte kurz, dann schlich sich ein dringlicher Ton in ihre Stimme. „Ich muss fort von hier …“

Zahid furchte die Stirn. „Wenn du sagst …“ Er hatte keine Gelegenheit, seinen Satz zu beenden, denn Diannes schrille Stimme unterbrach ihr Gespräch.

„Da bist du ja. Was um Himmels willen …?“

Zahid löste sich von Trinity, doch die hängte sich ihm kess an den Hals.

„Mrs Foster, ich bitte um Entschuldigung. Ich wollte …“

„Ach, du bist’s! Schon gut, Zahid.“ Dianne war auf der Stelle besänftigt, als sie sah, dass ihre Tochter mit Zahid zusammen war. „Dein Chauffeur ist da. Und du, Trinity, musst dich jetzt von unseren Gästen verabschieden.“

Sie gingen durch den Wald zum Haus zurück. Zahid runzelte die Stirn über Diannes ziemlich unangemessene Reaktion. Sie hätte doch wütend sein müssen, plapperte aber stattdessen drauflos, als wäre nichts geschehen. „Clive und Elaine bleiben hier. Trinity, ich möchte, dass du das Gästezimmer bereit machst.“

Zahids Fahrer wartete und zog Zahid beiseite, um ihn wissen zu lassen, dass sie sofort aufbrechen mussten, wenn er noch am selben Abend fliegen wollte.

Zahid verabschiedete sich rasch, doch Trinity nahm seine Hand, und er sah Tränen in ihren Augen.

„Von wegen, dass du mich mitnimmst. Meinst du nicht, dass du vielleicht …?“

„Trinity.“ Er machte sich heftige Vorwürfe. Sie maß dem Kuss viel zu viel Bedeutung bei, er hatte sie wirklich nicht in Verwirrung stürzen wollen. Zahid war heilfroh, dass Dianne sie gerade noch rechtzeitig gestört hatte.

„Ich muss los.“ Seine Worte klangen ein bisschen schroff. Das war allerdings besser, als sie merken zu lassen, welche Wirkung sie auf ihn ausübte.

Trinity umklammerte seine Hand. Entschlossen machte er sich los und blickte auf seine Uhr.

Es war zehn Minuten nach elf. Als Zahid in seinen Wagen stieg, ahnte er nicht, dass er diesen Augenblick für immer bereuen würde.

Er sah aus dem Fenster und verfluchte seine kurzfristige Unbeherrschtheit. Der Wagen fuhr an.

Es ist besser, nach Ishla zurückzukehren, dachte Zahid, denn Trinitys beunruhigende Wirkung auf ihn behagte ihm nicht.

Doch diesen Kuss würde er nie vergessen.

Und was Trinity betraf …

Sie blickte dem davonfahrenden Wagen nach und kehrte auf Anordnung ihrer Mutter hin ins Haus zurück, um das Gästezimmer herzurichten.

Auch Trinity würde diesen Abend nie vergessen.

Allerdings aus ganz anderen Gründen.

1. KAPITEL

„Absagen!“ Prinz Zahids Reaktion kam spontan.

Der König, sein Sohn Zahid und Abdul, der Berater des Königs, schritten durch den zweiten Palast von Ishla und besprachen die notwendigen Modernisierungen. Nebenbei regelte Abdul die Termine des Prinzen und des Königs und brachte auch Donald Fosters Hochzeit zur Sprache.

Die Fosters riefen seit jeher ein gewisses Unbehagen in Zahid wach. Ihre laute, nassforsche Art, ihre Egozentrik und ihr zwanghaftes Karrieredenken waren ihm unangenehm. Während der letzten Jahre hatte er sein Bestes getan, um auf höfliche Art den Kontakt einschlafen zu lassen, doch Donald war hartnäckig und ließ die Verbindung nie vollständig abbrechen.

„Donald hat dich gebeten, sein Trauzeuge zu sein“, sagte Abdul.

„Donald Foster?“ Der König blieb stehen und wandte sich um, und Zahid verfluchte im Stillen Abdul, der darauf bestanden hatte, ausgerechnet jetzt die Terminpläne durchzugehen. Er hatte gehofft, sein Vater würde nichts von der Hochzeit erfahren. „Das ist der Mann, der unsere Familie vor großer Schande bewahrt hat …“

„Das liegt lange zurück, Vater.“

„Unser Land hat ein gutes Gedächtnis“, erwiderte der König. „Du bist dem Mann etwas schuldig.“

„Ich habe ihn längst überreichlich entschädigt.“

„Wäre Donald nicht gewesen“, hob der König hervor, „wärst du in Verruf geraten. Mehr noch, du hättest unser Land in Verruf gebracht. Wann findet die Hochzeit statt?“

„In zwei Wochen“, antwortete Abdul und blickte Zahid an. „Wir könnten die anderen Termine verschieben.“

Zur Verwunderung des Königs bedurfte es keiner weiteren Überredungskünste mehr, denn Zahid unterbrach ihn mit einem knappen Nicken und wandte sich an Abdul. „Nun gut, dann schieb den Termin ein. Plane aber bitte nur einen kurzen Besuch, höchstens zwei Übernachtungen. Am Tag nach der Hochzeit fliege ich zurück.“

„Hier fallen umfangreiche Arbeiten an“, wechselte Abdul das Thema. „Der Architekt ist beunruhigt wegen der Erosion an der Felsmauer. Der Festsaal und das Eheschlafzimmer bedürfen einer Instandsetzung.“

„Wie lange wird das dauern?“

„Ein halbes Jahr, vielleicht ein ganzes“, sagte Abdul, bevor er weiter in die Details ging.

„Dir ist doch bewusst, Zahid“, wandte der König sich an seinen Sohn, „dass unser Volk, sobald die Baumaßnahmen im zweiten Palast bekannt werden, das als Vorbereitungen für den Kronprinzen und seine Braut betrachten wird.“

„Ja.“

„Und reicht dir ein halbes, vielleicht ein ganzes Jahr als Zeitfenster?“

Sie sahen einander an, keiner gab nach. Der König hatte eine Führernatur herangezogen. Das bedeutete, dass Zahid sich nicht einfach befehlen ließ, was er zu tun und zu lassen hatte.

„Ich finde, zum jetzigen Zeitpunkt wäre es übereilt, mit den Renovierungsarbeiten zu beginnen.“ Ohne mit der Wimper zu zucken, bot Zahid der Forderung seines Vaters nach einer baldigen Heirat die Stirn.

„Dein Volk will wissen, dass es einen Prinzen hat, der …“

„Es hat einen Prinzen“, fiel Zahid ihm ruhig ins Wort, „der eines Tages gerecht und klug regieren wird. Dazu brauche ich keine Braut.“

„Du brauchst einen Erben“, sagte der König. „Wenn dir etwas zustoßen sollte, muss der Fortbestand unseres Geschlechts gewährleistet sein.“ Er stieß gereizt den Atem aus. Zahid wollte sich zu nichts drängen lassen, was der König zwar widerwillig bewunderte, doch das Volk musste beruhigt werden. Dem König lief die Zeit davon, deshalb beschloss er, in diesem Moment sein einziges Ass auszuspielen, um Zahid seinem Willen zu unterwerfen. „Sollte dir aber etwas zustoßen, wäre natürlich Laylas Sohn der Thronfolger.“

Zahid biss die Zähne zusammen, denn Layla hatte keinen Ehemann, geschweige denn einen Sohn.

„Und“, fuhr der König fort, „wenn der Kronprinz noch nicht bereit ist zu heiraten, könnte eine andere königliche Hochzeit das Volk vielleicht entschädigen.“

„Vater …“ Zahid versuchte, an sein weiches Herz zu appellieren, denn der König liebte seine Tochter abgöttisch. „Layla mag keinen der potenziellen Ehekandidaten, die man für sie ausgewählt hat.“

„Layla wird begreifen müssen, dass Privilegien auch Verpflichtungen mit sich bringen. Ich erwäge, in der nächsten Woche die Fayeds zu einem Festmahl in den Palast einzuladen.“

Layla war rebellisch, eine Herausforderung, und sie erinnerte ihn an …

Vielleicht lag es an der Hochzeitseinladung, dass Zahids Gedanken zu Trinity abschweiften. Nicht an den Kuss, sondern an das Feuer in ihren Augen und ihr unbezähmbares Temperament. Man stelle sich vor, Trinity sollte in eine Ehe gezwungen werden. Das würde nie geschehen.

„Das würdest du Layla nicht antun“, sagte Zahid.

Der König bedeutete Abdul, ihn kurz mit seinem Sohn allein zu lassen. Dann wandte er sich wieder Zahid zu.

„Ich will eine königliche Hochzeit verkünden“, wiederholte der König. „Ich will den Jubel in den Straßen hören, wenn du mit der Frau, für die du dich entschieden hast, auf den Balkon hinaustrittst.“

„Für die ich mich entschieden habe?“, warf Zahid scharf ein. Er wusste, dass die bevorstehende Brautwerbung nur eine Farce war, da die Entscheidung längst gefallen war. Er musste Prinzessin Sameena von Bishram wählen, um die unkluge Brautwahl seines Vaters wiedergutzumachen.

Als junger Mann hatte König Fahid sich nämlich verliebt, statt die Prinzessin Raina von Bishram zur Braut zu nehmen.

Zahid jedoch musste klug handeln. Sameena war die erste Wahl seines Vaters. Die lange zurückliegende Brüskierung der jetzigen Königin Raina zog immer noch Probleme nach sich, und beide Männer hofften auf freundlichere Beziehungen zwischen Ishla und Bishram.

Zahid allerdings tendierte eher zu Sheika Kumu.

Ihr Reich war zwar klein, florierte aber und verfügte über eine äußerst leistungsfähige Armee.

„Du brauchst die Fayeds jetzt noch nicht einzuladen.“ Zahid seufzte. „Du hast recht: Das Volk wartet lange genug auf die Brautwahl seines Prinzen. Ein halbes bis ein Jahr dürfte ein ausreichend großes Zeitfenster sein.“

„Das höre ich gern“, sagte der König und rief seinen Referenten wieder zu sich. „Abdul, leite die notwendigen Modernisierungen in die Wege.“ Er gab sich keine Mühe, sein Siegerlächeln zu unterdrücken, als er nun fortfuhr: „Und versende die Einladungen an die potenziellen Bräute und ihre Familien.“

Zahid blieb kein halbes Jahr mehr, um sein Singledasein zu genießen, denn sobald er sich offiziell für eine Braut entschieden hatte, würde sein Playboyleben der Vergangenheit angehören.

Nach seiner Zusage zur Hochzeitseinladung hatte er über Trinity recherchiert. Seine Züge wurden hart, als er las, was über sie geschrieben wurde, und als er Fotos von ihr sah. Nach ihrem Schulabschluss oder vielmehr, wie Zahid von Donald wusste, nach einem Abstecher in eine Entzugsklinik hatte Trinity offenbar gleich wieder zur Flasche gegriffen.

Sie wurde als Partygirl dargestellt, belegt durch Fotos, wie sie schwankend einen Nachtklub verließ. In den letzten Jahren war es still um sie geworden. Sie lebte jetzt in Kalifornien und kam nur zu wichtigen Anlässen, wie zum Beispiel zur Hochzeit ihres Bruders, heim nach London.

Seine Neugier, was Trinity betraf, verwunderte Zahid selbst. An die meisten Frauen, mit denen er zusammen gewesen war, konnte er sich kaum erinnern, doch dieser eine Kuss zwischen ihm und Trinity war ihm deutlich ins Gedächtnis eingebrannt.

2. KAPITEL

Boarding.

Trinity sah die Anzeige aufflackern und schleppte sich zum Ende der Schlange. Als sie ihren Platz in der Maschine einnahm, hoffte sie immer noch auf ein Wunder.

Eine gestresste Mutter mit ihrem Kleinkind setzte sich neben sie.

Ach, warum habe ich von dem Geld, das mein Vater mir überwiesen hat, nicht einen Platz in der Businessclass gebucht, fragte Trinity sich, als das Kind ihr mit einem Blick aus großen blauen Augen verriet, dass es alles in seiner Macht Stehende tun würde, um den ganzen Weg bis Heathrow zu brüllen.

Der Start verlief reibungslos, dann meldete sich der Kapitän und versprach, sein Bestes zu geben, um verlorene Zeit aufzuholen.

Auch Trinity hätte gern verlorene Zeit aufgeholt, verlorene Jahre ausgelöscht. Ein Abschluss in Alter Geschichte, den sie in der Zeit, als sie ums nackte Überleben kämpfte, irgendwie ergattert hatte, war ungenutzt geblieben. Klubs, Bars, Tanzen hatten nur zeitweise als Flucht vor Kummer und Schmerz getaugt. Kaliforniens alternative Heilerszene hatte gelockt, aber weder Reiki noch Chakren-Reinigung noch das Tosen des unendlichen Pazifischen Ozeans konnten ersetzen, was sie verloren hatte.

Ihr jüngster Versuch zur Heilung ihrer Abneigung gegen alles, was auch nur entfernt mit Sex zu tun hatte, bestand im Training positiver Bestärkung.

Haha.

Zweitausend Dollar später und mehrere Pfunde schwerer kam Trinity zu dem Schluss, dass Schokolade und Bestätigung keine Lösung für ihr Problem brachten.

Liebte sie sich selbst?

Meistens, ja.

Sie ließ sich nur nicht gern anfassen.

Das Essen wurde serviert, und Trinity aß wie ein Vögelchen und verzichtete auf Wein. Im Gegensatz zu den Zeitungsmeldungen trank sie eigentlich nur auf Familienfeiern.

Und so eine stand bevor.

Als das Licht gedimmt wurde, versuchte Trinity zu schlafen, doch Harry – so hieß der kleine Junge – hatte sich inzwischen entschlossen, sie zu mögen. Immer wieder patschte er ihr mit seinen kleinen molligen Händen auf die Wangen.

„Entschuldigung“, wiederholte die Mutter in regelmäßigen Abständen.

„Kein Problem.“

Trinity versuchte erneut, einzuschlafen.

Es klappte nicht.

Wenn sie schon an der Hochzeitsfeier teilnehmen musste, fand sie doch wenigstens Trost darin, dass Zahid auch anwesend sein würde.

Sie schloss die Augen und überließ sich flüchtig der glückseligen Erinnerung, in seinen Armen zu liegen und ihn zu küssen. Im nächsten Moment riss sie die Augen wieder auf, denn nicht einmal dieses Gefühl der Geborgenheit in seinen Armen verhinderte, dass sie sich erinnerte, was später an diesem Abend und in den darauffolgenden Monaten geschehen war.

Wie sehr hatte sie gehofft, ihre Mutter würde sie wissen lassen, dass Clive und Elaine nicht zur Hochzeit eingeladen waren. Wie sehr hatte sie sich gewünscht, ihr Vater oder vielleicht sogar ihr Bruder würden einschreiten.

Das hatte nie jemand getan.

Leichen gehörten in den Keller. Schmutzige Wäsche gehörte in den Wäschekorb.

Clive war prominenter als ihr Vater.

Nichts war gewonnen, wenn man seine Meinung sagte. Es war einfacher, in die Kameras zu lächeln.

Aber das war es nicht wirklich.

Der Morgen graute, bald würde das Frühstück serviert, und Harry brüllte.

„Ob Sie so freundlich wären?“, fragte seine Mutter. „Ich muss zur Toilette.“

„Natürlich.“

Trinity hielt Harry, der auf ihren Schenkeln balancierte und brüllte wie am Spieß. „Gib alles, Harry!“ Sie lächelte. Wäre es nicht schön, seinen Schmerz so hemmungslos wie Harry herauszuschreien, ohne sich darum zu scheren, was andere dachten?

Sie hatte selten Gelegenheit, ein Kind im Arm zu halten. Ihre Familie lebte in England, und ihre Freundinnen in L. A. hatten noch keine Kinder.

Die Tränen, die ihr in den Augen brannten, kamen furchtbar ungelegen, und Trinity drängte sie zurück, kam sich albern vor. Sie haben nichts gemeinsam, sagte sie sich mit einem Blick auf Harry.

Er war groß und pummelig und zappelig.

Sie dagegen war so winzig, so still.

Das Schluchzen, das sich ihrer Kehle entrang, kam so aus tiefster Seele, dass sogar Harry sein Gebrüll unterbrach.

„Schon gut.“ Trinity zwang sich, rasch wieder Haltung anzunehmen, und lächelte in seine neugierigen Augen, während er ihre Wangen tätschelte. „Mir geht’s gut.“

Etwas anderes blieb ihr gar nicht übrig.

Aber ihr Baby fehlte ihr so sehr.

Sie trauerte entsetzlich um die Zeit, die ihrer Tochter nicht vergönnt war.

„Ganz herzlichen Dank.“ Harrys Mutter war zurück, und Trinity übergab ihr das Kind. Panik stieg in ihr auf, sie wusste wirklich nicht, wie sie den Tag überstehen sollte.

Sie drückte die Klingeltaste.

„Das Frühstück wird sofort serviert.“ Der Steward lächelte.

„Ich hätte gern einen Bourbon“, bestellte Trinity. „Einen großen.“

Wenige Minuten später kam der Steward zurück, mit zwei Miniaturfläschchen Bourbon und einem Lächeln, das deutlich machte, dass er sie für eine Trinkerin hielt.

Trinity war’s egal.

Immerhin beruhigte der Whiskey sie so weit, dass sie aus dem Flugzeug steigen konnte.

„Wo zum Teufel steckt Trinity?“, wollte Donald wissen und schaltete sein Smartphone aus. „Yvette ist in Tränen aufgelöst, keine Spur von ihr im Hotel …“

Wieder einmal! dachte Zahid. Der Sog der verrückten Fosters machte sich bereits bemerkbar. Nach einem Abend mit Donald und Co. erinnerte Zahid sich nur zu gut an all die vielen Gründe, warum er möglichst wenig Kontakt wünschte. Gus hatte darauf bestanden, dass Zahid seinen Besuch verlängerte oder später im Jahr noch einmal kam. Woraufhin Zahid erklärt hatte, dass er bald heiraten würde und seine Zeit in Ishla verbringen musste.

Und jetzt war Trinity offenbar mal wieder verschollen.

„Soll ich Dianne anrufen und fragen, ob es etwas Neues gibt?“, bot Zahid an, denn es gehörte zu den Pflichten des Trauzeugen, den Bräutigam zu beruhigen. Er hatte Donald noch nie so angespannt erlebt. Zahid telefonierte und gab die Neuigkeiten an Donald weiter. „Deine Mutter ist am Flughafen. Trinitys Maschine ist gerade gelandet. Sobald sie den Zoll passiert hat, fährt deine Mutter sie direkt zum Hotel und hilft ihr beim Stylen. Ruf Yvette an und sag ihr, dass sie sich jetzt keine Sorgen mehr zu machen braucht.“

„Die Sorgen nehmen kein Ende, wenn Trinity in der Nähe ist!“, schimpfte Donald. „Ich kann nur hoffen, dass sie nüchtern ist.“

Es war nicht Donalds Bemerkung, was Zahid beunruhigte. Es war seine Reaktion auf die Nachricht, dass Trinity gelandet war und er sie bald wiedersehen würde.

Trinity brauchte nicht auf ihr Gepäck zu warten. Mit wild pochendem Herzen hastete sie durch die Zollabfertigung. Trotz allem freute sie sich darauf, ihre Mutter wiederzusehen. Vielleicht ist jetzt ja alles anders, hoffte Trinity, während sie in der Menschenmenge nach Dianne Ausschau hielt. Vielleicht wurde ihrer Mutter bewusst, wie schwierig der Tag für sie war. Vielleicht …

Ihr Herz vollführte voller Hoffnung einen freudigen Satz, als sie ihre Mutter entdeckte, schon für die Hochzeit gekleidet, aber ohne Hut. Trinity lief zu ihr und nahm sie in die Arme. „Es tut mir so leid.“

„Hast du getrunken?“, war Diannes einzige Reaktion auf den Kuss ihrer Tochter.

„Ich habe mir im Flugzeug einen Bourbon genehmigt.“

„Das ist Whiskey“, zischte Dianne. „Du bist jetzt in England. Wo zum Teufel warst du so lange?“

„Die Maschine hatte Verspätung.“

„Ich will deine Ausreden nicht hören.“

Beide eilten zum Taxi. Dianne ließ ihre Tochter auch auf dem Weg zum Hotel nicht in Ruhe. „Yvette ist in Tränen aufgelöst. Sie wollte ihre eigene Schwester als Brautjungfer, und jetzt lässt du uns dastehen wie …“ Sie rang um Beherrschung. Viele, viele Einladungen waren erforderlich gewesen, um Yvettes Eltern zu überreden, Trinity die Rolle zu überlassen. Eine großzügige Beteiligung an den Kosten der Hochzeit hatte schließlich den Ausschlag gegeben.

„Ach, ich habe Yvette wissen lassen, dass du zum Ende der Feier singen wirst.“

„Entschuldige mal.“ Trinity sah ihre Mutter entgeistert an. „Ich kann nicht singen.“

„Du hast eine sehr schöne Stimme.“

„Nein, wirklich nicht.“ Trinity konnte nicht fassen, dass man so etwas von ihr verlangen wollte. „Mum, bitte, ich will nicht singen. Ich will mich einfach nur …“

Verstecken.

„Wann fliegst du zurück?“, fragte Dianne.

„Morgen Nachmittag.“

„Also ist es wirklich nur ein flüchtiger Besuch.“

„Nächste Woche habe ich ein Vorstellungsgespräch.“

„Wenn du dir von deinem Vater helfen lassen würdest, wärst du nicht arbeitslos.“

„Ich bin nicht arbeitslos“, fuhr Trinity auf, denn sie hatte einen Job in der Strandbar und verdiente dort ihr eigenes Geld.

Dianne zog eine Grimasse. „Wenn dich jemand fragt, sagst du einfach …“, sie überlegte kurz, „… dann sagst du, du arbeitest in einem Museum.“

„Lügen soll ich?“

„Ja, bitte! Wir haben dich doch nicht Kunstgeschichte studieren lassen, damit du jetzt in einer Bar arbeitest.“

„Und Alte Geschichte“, berichtigte Trinity, bevor sie ihre Mutter mit einem frechen Grinsen bedachte. „In was für einem Museum genau?“ Sie bemerkte, wie ihrer Mutter die Röte über den Hals ins Gesicht kroch.

„Na gut, dann eben in einer Bibliothek. In der bibliografischen Abteilung. An einem der großen Colleges.“

Nichts hatte sich geändert.

Sie erreichten das Hotel und verschwanden in dem handtuchschmalen Zimmer, das für Trinity reserviert worden war. Nach einer kurzen Dusche ließ Trinity sich von ihrer nervös angespannten Mutter das Haar bürsten und hochstecken, während sie selbst rasch Make-up auflegte. Die Stimmung besserte sich keineswegs, als ihre Mutter den Reißverschluss eines Kleidersacks öffnete und das schrecklichste blaue Kleid herausnahm, das Trinity je gesehen hatte.

„Ist das ein Witz? Der Stoff glänzt dermaßen, dass ich eine Sonnenbrille aufsetzen muss, wenn ich es anziehe.“

„Wärst du zu den Anproben erschienen, hättest du vielleicht Einfluss darauf nehmen können, was die Brautjungfer trägt. Aber so …“ Sie hob Trinitys Arm an und versuchte, den Reißverschluss an der Seite hochzuziehen. „Du hast zugenommen!“, meinte Dianne vorwurfsvoll.

„Nein. Ich habe dir meine Maße völlig korrekt angeben.“

„Warum lässt sich dann der Reißverschluss nicht hochziehen?“

Weil du nicht glauben wolltest, dass ich das von dir vorgesehene Idealgewicht um zehn Pfund überschreite, dachte Trinity, sagte jedoch nichts. Sie zog nur Bauch und Brust ein, bis es ihrer Mutter schließlich gelang, den blöden Reißverschluss zu schließen.

„Atmen geht wohl nur gegen Aufpreis, wie?“, bemerkte Trinity ironisch.

„Ja“, fauchte Dianne. „Aber Lächeln ist obligatorisch. Dieser Tag gehört deinem Bruder.“

„Wie sonderbar, ich dachte, es wäre Yvettes großer Tag.“

„Trinity!“ Dianne konnte sich kaum noch beherrschen. „Fang nicht so an.“

„Ich fange überhaupt nichts an. Ich wollte nur sagen …“

„Lass es einfach! Du hast ohnehin schon dein Bestes getan, um diesen Tag zu verderben. Jetzt solltest du möglichst nur noch lächeln. Bringst du das fertig?“

„Natürlich, aber singen werde ich nicht.“

„Und sei nicht so frech.“ Dianne rückte ihren Hut zurecht, während sie weiter Anweisungen gab. „Geh jetzt, und bitte Yvette um Entschuldigung. Ich mache mich auf den Weg zur Kirche. Wir sehen uns dort, und ich warne dich!“

„Zur Kenntnis genommen.“

„Ich meine es ernst, Trinity. Ich will heute keine Szene von dir.“

„Dann sorge dafür, dass ich nicht in eine Situation gerate, in der ich eine Szene machen muss“, konterte Trinity. Ihre Mutter straffte die Schultern. Trinity bemerkte, wie die Feder an ihrem Hut zitterte, so wütend war Dianne, weil ihre Tochter sich nicht an ihre Anordnungen halten wollte.

„Würdest du einfach …?“, fauchte Dianne und drehte sich um. „Vergiss nicht, dass dein Bruder heiratet, und versuche ausnahmsweise, eine Familienfeier nicht zu verderben. Ist es wohl möglich, dass du heute einmal nicht im Mittelpunkt stehst?“

„Natürlich.“ Trinity erwiderte kalt den Blick ihrer Mutter, doch ihr Herz hämmerte. „Sorge du nur dafür, dass dieser Widerling mir nicht zu nahe kommt.“

3. KAPITEL

Nicht die Braut war es, die Zahids Blicke auf sich zog, als sie die Kirche betrat, es war vielmehr die Frau, die hinter ihr ging.

Trinity hatte zwar ein Lächeln aufgesetzt, doch ihr Blick war genauso skeptisch und trotzig wie früher immer. Dann begegnete sie Zahids Blick, und ihre blassen Wangen färbten sich rosig. Beide kehrten für einen Moment zurück in einen Wald vor vielen Jahren, zu einem Kuss, dem sie beide so gern das Natürlichste auf der Welt hätten folgen lassen.

Abrupt drehte Zahid ihr den Rücken zu, und der Gottesdienst begann.

Zahid war sich Trinitys Nähe genauso bewusst wie sie sich seiner. So sehr, dass er, als sie alle sich zur Unterzeichnung der Heiratsurkunde in die Sakristei drängten, über das Geplapper der anderen hinweg nur ihren Seufzer der Erleichterung hörte.

„Trinity …“, warnte ihr Vater, als sie sich an die Wand lehnte und vor Erleichterung, Clives Nähe entkommen zu sein, tief durchatmete.

Donald und Yvette unterzeichneten die Urkunde, und Gus setzte schwungvoll seine Unterschrift darunter. Trinity sah zu, als auch Zahid unterschrieb. Prinz Zahid Bin Ahmed von Ishla.

„Lass noch ein bisschen Platz für mich.“ Lächelnd setzte sie ebenfalls ihren Namen unter das Dokument.

„Ich dachte, es wäre das Vorrecht der Braut, zu spät zu kommen“, bemerkte Zahid leise.

„Du weißt, dass ich Traditionen verabscheue.“

„Bedeutet das, dass wir später nicht zusammen tanzen werden? Wenn du Traditionen doch so verabscheust.“

„Oh!“

Trinity blinzelte, denn Zahid wusste ja nicht, dass sie innerlich tot war, dass ihr Körper nicht mehr funktionierte. Und doch fühlte es sich in diesem Moment so an, als reagierte er, denn das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Und da war auch wieder dieses Flattern in ihrem Bauch … wie an jenem Abend vor vielen Jahren.

Wenn Zahid bei ihr war, erinnerte sie sich an das Schöne, nicht an den Schmerz.

„Doch, wir werden wohl tanzen …“ Sie seufzte, als wäre es ein großes Zugeständnis. „Ich will schließlich keinen Ärger machen.“

„Lügnerin.“ Zahid legte ihr die Hand auf den Rücken und begleitete sie aus der Sakristei.

Dieser kurze Wortwechsel, die beiläufige Berührung hatten genügt, und sie war zurück im Wald, erblühte unter seinen Händen. Sie empfand es als geradezu schwindelerregend, hinter Yvette und Donald mitten durch die Kirche zu schreiten. Mehr noch, es war berauschend, in den Sonnenschein hinauszutreten. Ausgerechnet an diesem Tag, den Trinity so gefürchtet hatte, wurde ihr das Herz ganz weit.

Zum ersten Mal an einer solchen Feier teilzunehmen und dabei ein wenig umsorgt zu werden, denn Zahid war nicht nur dem Bräutigam verpflichtet, war für Trinity eine erstaunliche Erfahrung.

Er stellte sich in Positur für die Hochzeitsfotos, und die unerträgliche Berührung – nicht von ihm, oh nein! – wurde ein bisschen erträglicher, als die Familie sich um sie scharte.

„Lächeln, Trinity“, raunte Zahid ihr zu, und sie vergaß, vor Abscheu zu zittern, weil Clive ihr so nahe war.

„Du lächelst auch nicht“, bemerkte sie. Aber nein, das stimmte ja nicht, denn Zahid lächelte so bereitwillig, wenn ihre Blicke sich trafen und miteinander verschmolzen.

„Mir ist es nicht gegeben, zu lächeln.“

Aus irgendeinem Grund brachten diese Worte sie gerade lange genug zum Lachen, damit der Fotograf seine Aufnahme machen konnte. Dann stiegen sie in die Autos, um sich auf den Weg zum Hotel zu machen.

Als Braut und Bräutigam eintrafen, erkannte Trinity mit einem Blick, dass ihr auffällig entspannter Bruder etwas genommen haben musste.

Bitte nicht, flehte Trinity stumm.

Er hatte geschworen, dass er darüber hinweg war.

Sie und Zahid saßen einander am Tisch gegenüber. Wenn Trinity sich auch wünschte, neben ihm zu sitzen, war es vielleicht besser so, denn seine bloße Gegenwart war schon beunruhigend genug.

Sie brachte das Festmahl tapfer hinter sich, denn zur Belohnung würde sie mit Zahid tanzen, und bald schon standen die Ansprachen auf dem Programm.

Yvettes Vater ergriff als Erster das Wort, bedankte sich bei allen und bekundete seine Freude darüber, dass er Donald in seiner Familie willkommen heißen durfte. Zahids Miene blieb ungerührt. Insgeheim fand er, dass Yvettes Vater wie ein Mann wirkte, der seinen Kindern ein Hündchen mitgebracht hatte, nur um dann zu erleben, wie es sich bis zur Größe eines Ponys auswuchs.

Als Nächstes war Donald an der Reihe. Zahid registrierte, wie Yvette sich nervös am Hals kratzte, als ihr frisch gebackener Ehemann sich erhob.

Auch Donald bedankte sich bei den Gästen, insbesondere bei seiner schönen Frau. „Ich möchte Zahid für seine Hilfe danken und dafür, dass er die weite Reise hierher auf sich genommen hat.“ Er lächelte trunken. „Du warst ein großartiger Trauzeuge. Ich möchte mich gern erkenntlich zeigen, wenn du nächstes Jahr heiratest.“

Zahid biss die Zähne zusammen, während Donald weiterschwafelte, und blickte zu Trinity hinüber. Ihre Wagen waren gerötet, und sie streute Salz auf ihr Sorbet.

Auf diese Weise hatte sie es nicht erfahren sollen.

Ach, Trinity.

Zahid erhob sich pflichtschuldig und dankte dem Bräutigam auch im Namen der Brautjungfer für seine Worte, während er ihm insgeheim am liebsten einen Fausthieb verpasst hätte. Dann dankte er allen anderen und sagte das, was von ihm als Trauzeugen erwartet wurde. Bis er zu dem Punkt kam, an dem er Donald hätte feiern müssen, wo er den Bräutigam glänzen lassen sollte.

„Donald und ich …“ Zahid warf einen Blick auf seine Notizen, dann zögerte er. Trinity blickte auf, während Zahid im Stillen an ein Ereignis in jungen Jahren dachte, das er nun mit den Augen eines erwachsenen Mannes betrachtete.

Die Drogen gehörten dir.

Er erkannte es jetzt so klar und deutlich, und doch stand er hier, so viele Jahre später, und zahlte den Preis für Donalds angeblichen Heldenmut.

Schluss damit.

„Donald und ich …“, griff Zahid den Faden wieder auf, ohne seine Notizen zu bemühen, „… haben dieselbe Schule besucht und später an derselben Uni studiert.“ Trinity hörte ihren Vater hüsteln, um Zahid zur Eile zu mahnen. Sie schaute in das erwartungsvolle Gesicht ihres Bruders, aber die Ruhmesrede blieb aus. Zahid gab ein paar Anekdoten zum Besten, alles in allem war es eine hübsche Ansprache – er hatte nur vergessen, Donald als den Helden in seinem, Zahids, Leben zu preisen.

Er war Donald nichts schuldig.

Und dann wurde getanzt.

Zahid stand vor Trinity, wartete darauf, dass sie ihm auf die Tanzfläche folgte. Das Aufstehen bereitete Trinity Schwierigkeiten, weil sie kaum wieder in ihre ohnehin zu engen Schuhe schlüpfen konnte. Schließlich schaffte sie es. „Was tue ich nicht alles für meine Familie“, sagte sie auf dem Weg zur Tanzfläche. „Und wie dankt sie es mir?“

„Ich danke es dir“, erwiderte Zahid, nahm sie locker in die Arme und begann den Tanz, während sie darauf wartete, dass er weiterredete.

Doch das tat er nicht.

„Was dankst du mir?“, hakte Trinity nach.

„Dass du hier bist“, antwortete Zahid. „Dass wir uns nach so langer Zeit wiedersehen.“

Sie wussten beide, dass kein Rückenwind ihnen helfen würde, verlorene Zeit aufzuholen, dass sich die Dinge nicht auf Knopfdruck ändern ließen.

Es sei denn, er drückte die richtigen Knöpfe.

Zahid war der Einzige, der das fertigbrachte.

„Deine Rede hat mir gefallen“, meinte Trinity ein wenig gestelzt, denn sie war sauer auf ihn, weil er mit ihr flirtete, obwohl er schon bald heiraten würde. Sauer war sie allerdings nur verstandesmäßig. Denn kaum lag sie in seinen Armen, zählte seine baldige Hochzeit nicht mehr.

„Du bist die Einzige, der sie gefallen hat. Dein Vater sah aus, als wollte er mich umbringen.“

„Seine mordlustigen Blicke gelten aber mir!“ Trinity wandte den Kopf und lächelte ihrem Vater zuckersüß zu. „Ich bin zu spät gekommen, weißt du?“

„Ja, ich weiß.“

„Und habe nicht auf meinen Bruder aufgepasst.“

Zahid blickte wieder in ihre blauen Augen und fragte sich, wie viel sie wusste. Er selbst war sicher, dass Donald high war. „Freust du dich, deinen Bruder glücklich zu sehen?“

„Donald hat keine Ahnung, was es bedeutet, glücklich zu sein.“ Sie sah zu Donald hinüber, der mit seiner Braut lachte und scherzte. „Er ist high. Nichts hat sich geändert.“

„Und du?“, fragte Zahid.

„Ich rühre so etwas nicht an.“

„Ich wollte wissen, ob du glücklich bist.“

„Heute nicht“, antwortete sie, dann berichtigte sie sich: „Doch, im Augenblick bin ich glücklich.“

„Weil?“

Sie schwieg.

„Weil?“, flüsterte er dicht an ihrem Ohr, da gab sie nach.

„Weil mein Bruder bei der Wahl seines Trauzeugen ausgezeichneten Geschmack beweist.“

„Seine Braut hat einen scheußlichen Geschmack, was Kleider betrifft.“

„Stimmt.“ Trinity seufzte. „Fairerweise muss ich einräumen, dass meine Mutter wahrscheinlich falsche Maße für mich angegeben hat. Sie mag mich lieber mit Essstörung, dann wäre ihr Martyrium offensichtlicher.“

Trinity war keineswegs naiv, wie Zahid feststellte.

„Später soll ich singen.“ Versonnen verschränkte sie die Hände in Zahids Nacken. Und da, ja, da waren sie wieder im Wald. „Wie ich meiner Mutter schon sagte, lautet mein Name wohl Trinity von Trapp.“ Sie wollte ihm die Trapp-Familie erklären, dann erinnerte sie sich an ein Weihnachtsfest vor langer Zeit, an dem sie auf Diannes Anordnung den Film „The Sound of Music“ hatten ansehen müssen. Trinity hatte über Zahids verwirrtes Gesicht gelacht.

Irgendwie verstand er sie – sie musste Zahid nicht alles erklären.

Trinity spürte die Wärme seiner Hände durch den Stoff ihres Kleides. Weil er sie einfach sie selbst sein ließ, konnte sie zum ersten Mal, solange sie sich erinnerte, frei atmen. Bei Zahid schien ihr Körper zu wissen, wie er funktionieren sollte. Zahid bereitete ihr nichts als angenehme Empfindungen, und sie fühlte sich sicher genug, um einen Hauch sinnlich zu sein.

Dann fiel ihr wieder ein, dass sie böse auf ihn war.

Als die Musik aussetzte, trat Trinity einen Schritt zurück, statt sich zum nächsten Tanz in Zahids Arme zu schmiegen.

„Ich sehe lieber mal nach, wie es Yvette geht.“

„Und ich schaue nach dem Bräutigam.“ Zahid nickte knapp. „Vielleicht tanzen wir später noch mal …“

Der Abend schritt fort, und Dianne bestand darauf, dass Trinity sang. Um dem Unvermeidlichen zu entkommen, schlich sie sich, wie es ihre Art war, nach draußen, um frische Luft zu schnappen.

Zahid ging es nicht viel besser. Den ganzen Abend über wollte Donald ihn allen als seinen besten Freund vorstellen, wobei er ihm ständig auf den Rücken klopfte.

„Ich weiß, dass du morgen nach dem Mittagessen zurückfliegen willst. Wir finden vielleicht keine andere Möglichkeit mehr, miteinander zu reden“, sagte Donald.

„Du musst mich am Abend deiner Hochzeit nicht unterhalten.“ Zahid versuchte zu lächeln, bemühte sich um einen leichten Ton, bemühte sich, den Mann nicht noch weniger zu mögen als ohnehin schon.

„Und ich weiß, dass du mir immer ein guter Freund gewesen bist, so, wie ich dir hoffentlich auch einer war.“

Die Drogen gehörten dir, dachte Zahid wieder, schwieg jedoch, während Donald weiterredete.

„Es ist nur so …“ Zahid hörte zu, während Donald ihn wieder einmal um Hilfe bat. Wenn Zahid die Kosten für die Flitterwochen vorstreckte, würde Donald sie ihm gleich bei seiner Heimkehr zurückzahlen.

„Ich bezahle dir nicht deine Flitterwochen“, unterbrach Zahid die altbekannte Litanei. „Aber drei Monate Entzugsklinik übernehme ich gern.“

„Das ist wirklich großzügig von dir, wenn ich allerdings die Schulden bezahlen könnte, bräuchte ich keinen Entzug. Ich möchte ja nur …“

„Ich habe dir gesagt, wozu ich bereit wäre. Ich habe von einer guten Klinik in der Nähe von Texas gehört. Ein Freund der Familie hat seinen Sohn dort untergebracht.“

„Ich habe gerade geheiratet und kann Yvette nicht einfach allein lassen.“

„Ich möchte behaupten, dass du sie schon eine ganze Weile allein lässt.“ Zahid ließ sich nicht umstimmen. Yvette war deutlich anzusehen, dass Donald bald Vater sein würde. Es wurde also höchste Zeit für ihn, erwachsen zu werden. „Wenn du in die Klinik gehst, übernehme ich deine Schulden.“

„Zahid, bitte, kannst du nicht einfach …?“

„Nein.“

Zahid ließ Donald stehen und machte sich auf den Weg nach draußen, als er Dianne wie schon so oft rufen hörte: „Hat jemand Trinity gesehen?“

Ja, er. Zahid blickte sie an.

Sie war eine schlechte Brautjungfer, falls es so etwas gab. Die Blumen in ihrem Haar welkten, sie leerte ihr Champagnerglas in einem Zug und stieß leise einen höchst undamenhaften Fluch aus.

„Achte auf deine Worte, Trinity“, ermahnte Zahid sie, und sie verdrehte die Augen.

„Ich hasse Hochzeiten.“

„Die gehören zum Leben.“

„Also, wenn ich jemals heiraten sollte, dann irgendwo an einem Strand ganz ohne Gäste.“ Sie sah ihn an. „Und du?“

„Ich werde zahlreiche Gäste haben, und das Fest wird zwei oder drei Tage dauern. Es wird ein Nationalfeiertag, und zum Hochzeitstag wird alljährlich …“

Es klang in Trinitys Ohren so grauenhaft, dass sie lachen musste. „Ich sollte mich wirklich nicht beschweren. Also …“ Trinity bemühte sich um einen leichten Tonfall. „Wann ist dein Hochzeitstag?“

„Ich heirate nächstes Jahr.“

Sie fand es ja selbst lächerlich, aber die Vorstellung stimmte sie traurig.

Ein Kuss mochte ja nicht viel bedeuten, doch dieser eine Kuss war ihre einzige angenehme Erinnerung in Sachen Sex.

„Du solltest zurück ins Haus gehen“, sagte Zahid. „Deine Mutter sucht dich.“

„Ich kann sie alle nicht ausstehen.“

„Das sieht man.“

„Aber ich liebe sie.“ Nicht so sehr ihr Eingeständnis, dass sie ihre Familie liebte, sondern vielmehr die Hoffnungslosigkeit in ihrer Stimme überraschte ihn. „Verstehst du dich mit deiner Familie?“

„Ja“, sagte Zahid. „Meistens.“

„Ich will nicht zurück ins Haus“, gestand sie. „Meinst du, es würde überhaupt irgendjemandem auffallen, wenn ich einfach verschwinde?“

„Ja, und das weißt du auch. Es dauert ja nur noch eine halbe Stunde oder so.“

Sie atmete tief durch. Eine halbe Stunde erschien ihr im Moment wie eine Ewigkeit. „Ich will nicht singen.“

„Es gibt so vieles, was ich nicht will.“

„Aber du tust es trotzdem.“

„Manchmal.“

„Würdest du singen?“

Hach, sie liebte es, wenn er lächelte.

„Nein.“

Sein Lächeln schwand, und er verzog kaum merklich das Gesicht, als Diannes Stimme wieder zu ihnen drang, diesmal näher. „Trinity?“

Sie biss die Zähne zusammen. Zahid nahm Trinitys Arm und führte sie in eine dunkle Ecke. Sie roch Tannenduft, hörte das dumpfe Hämmern der Musik und in einiger Entfernung Leute reden und wünschte sich, wieder im Wald zu sein.

„Ich wollte, du hättest mich damals mitgenommen.“

„Ich war versucht, es zu tun.“

„Das habe ich nicht gemerkt.“ Plötzlich fühlte sie sich in der Defensive und verspottete ihn ein wenig. „Bist du dazu erzogen worden, deine Gefühle zu verbergen?“

„Wer sagt, dass ich Gefühle habe?“

Sie suchte nach einer passenden Antwort, doch da dämmerte ihr, dass eine Hand an ihrer Taille und die andere an ihrer Wange lag. Gewöhnlich war ihr jeder Körperkontakt unerträglich, aber nicht an diesem Abend. „Dein Kuss hat es mir verraten“, beantwortete sie seine Frage.

„Sex ist kein Gefühl“, entgegnete er brüsk. Was nicht ganz stimmte, denn er konnte die elektrisierende Spannung zwischen ihnen nicht leugnen. Es war mehr als Lust, mehr als Verlangen. Trotzdem wehrte er sich dagegen, es Begehren zu nennen, während er ihren Mund fixierte.

„Wo waren wir stehen geblieben?“, fragte Zahid, aber die Jahre der Trennung konnte er nicht ungeschehen machen.

Für Trinity war es nicht mehr einfach nur ein Kuss. Ihre Angst vor Kontakt war so groß, dass sie ihre Reaktion auf seine Berührung fürchtete. Sie kannte seinen Ruf als Frauenheld, und er glaubte natürlich, ihren Ruf zu kennen. Als der Kuss geradezu unausweichlich schien, fiel ihr zum Glück eine Ausrede ein, und sie wand sich aus Zahids Armen. „Ich glaube nicht, dass deine Verlobte sehr erfreut sein würde.“

„Ich habe mich noch nicht entschieden.“ Zahid stellte ihr Champagnerglas auf eine Fensterbank und zog Trinity zurück in seine Arme. „Wenn ich bereits eine Braut hätte, würde ich dich nicht küssen.“

„Ach.“

Gut, das wäre das, dachte Trinity. Nichts konnte sie aufhalten außer ihrer Angst und dem Wissen, dass sie es nicht ertrug, von einem Mann in die Arme genommen zu werden. Aber sie lag ja jetzt in den Armen eines Mannes und verspürte dennoch nicht den Drang zu flüchten. Sie verspürte überhaupt keinen Drang, bis auf den, endlich seine Lippen zu fühlen, die sich jetzt ihrem Mund näherten.

Würde der Kuss ihm ihre Angst verraten?

Nein, erkannte sie bald, denn sie empfand kein Entsetzen. Stattdessen ließ sein Kuss die Angst schmelzen, ließ sie die Liebkosungen seiner Lippen und seiner Zunge genießen.

Würde ihr angespannter Körper ihm verraten, dass sie nicht wusste, wie sie reagieren sollte?

Nein, denn sie ließ sich ohne einen weiteren Gedanken in seine Umarmung fallen. Seine Erektion zu spüren, war für sie wie eine Belohnung.

Sein Mund ließ den Schmerz tatsächlich verschwinden, sein Kuss brachte Vergessen, und das an einem Abend, den sie so sehr gefürchtet hatte. Trinity entdeckte sogar etwas Neues: Es war äußerst schwierig, gleichzeitig zu küssen und zu lächeln, trotzdem versuchte sie es.

„Was machst du?“, fragte Zahid, als sie einen Moment innehielt und so strahlend lächelte, wie es dem Augenblick angemessen war.

„Ich lächle“, antwortete sie. „So ist es besser.“ Denn jetzt konnten sich ihre Lippen an seinen entspannen.

Er küsste sie noch inniger. Trinity genoss den Druck seiner Lippen und die schnellen Zungenbewegungen, während er sie fester an sich zog. Wieder spürte sie seine männliche Härte an ihrem Bauch. Das hässlichste Kleid der Welt wurde rasch zu ihrem liebsten, als Zahid über die Seide strich, den Reißverschluss fand und ihn gerade weit genug öffnete, um mit dem Daumen ihre Brust streicheln zu können.

Die Sirenen waren zurück, die Sirenen, die sie nur einmal gehört hatte, doch jetzt waren sie lauter und verlockender.

Sie hatte die Hände in sein Haar geschoben, stand wieder auf Zehenspitzen, doch dieses Mal wurde sie von seiner Hand geführt. Trinity sehnte sich danach, dass Zahid sie hochhob, wollte die Beine um seine Hüften schlingen. Gleichzeitig versuchte er zu verhindern, dass sie an ihm hinaufglitt, denn er wollte ihre Hüften zwar gern an seinen spüren, wollte in ihr sein, würde sie aber niemals kompromittieren.

„Nicht hier …“ Er löste die Lippen von ihren. „Wie ich schon mal sagte, du hast etwas Besseres als den Wald verdient. Tu, was du tun musst, und dann …“

Sie erbebte unter Zahids unausgesprochenen Worten.

Er küsste ihr Ohr, dann drehte er sie um. Er hob ihren Arm und zog den Reißverschluss hoch, doch dabei beließ er es nicht. Zahid küsste die weiche Haut ihres Oberarms. Wieso er ihre Achselhöhle sexy fand, würde sie wohl nie begreifen, doch das tat er, denn er liebkoste sie dort mit Zunge. Ihr wurde ganz heiß. Trinity wünschte sich zurück in seine Arme, aber er drehte sie wieder zu sich um, richtete ihr Kleid und ihr Haar. „Ich komme gleich nach.“ Zahids Stimme klang rau.

„Komm mit mir zusammen ins Haus.“

„Trinity, geh jetzt.“ Sein Lächeln fiel ein wenig schief aus, denn es war ausgeschlossen, dass er jetzt gleich auf den Empfang zurückkehren konnte. „Ich komme gleich nach.“

Sie torkelte beinahe ins Haus, wie berauscht von seinem Kuss und der Aussicht auf eine gemeinsame Nacht. Endlich, endlich schien ihr Körper zu wissen, wie er reagieren musste, endlich war der Fluch gebrochen.

Es war wohl der ungünstigste Zeitpunkt für die Konfrontation mit ihrer Mutter, auf dem Fuß gefolgt von Clive.

„Alle warten auf dich, Trinity“, sagte Dianne.

Trinity stand reglos da, betete, dass Zahid hinter ihr auftauchen möge, ihre Hand nahm und sie wegführte. Stattdessen stand sie diesem Mann gegenüber, und der einzige armselige Schutz war ihre Mutter.

„Zeit zu singen!“ Dianne lächelte.

„Du willst, dass ich singe?“, fragte Trinity herausfordernd.

„Das weißt du doch.“

Eben war sie noch der glücklichste Mensch auf Erden gewesen, jetzt war sie plötzlich unfassbar wütend.

Oh ja, sie würde singen!

Trinity war bereit, in den höchsten Tönen zu jubilieren!

Sie marschierte in den Saal und trat ans Mikrofon.

Ja, ich werde singen, beschloss Trinity und nahm das Mikrofon aus der Halterung. Sie würde so laut singen, wie sie konnte, sobald die schrille Rückkoppelung des Mikrofons endlich aufhörte.

Ihre Einstiegsnummer sollte eine leichte Abwandlung von „Sixteen Going on Seventeen“ aus dem Musical „The Sound of Music sein“: „Ich war siebzehn, bald achtzehn“, und während sie sang, würde sie auf Clive deuten und der ganzen Welt von jener Nacht berichten.

Die Leichen krochen aus dem Keller, der Schmutzwäschekorb wurde ausgeleert!

Sie war genauso wütend und enthemmt wie der kleine Harry im Flugzeug, und sie musste nichts, überhaupt nichts mehr verbergen.

Zahid kam gerade rechtzeitig in den Saal, um zu sehen, wie Trinity ans Mikrofon trat, an die Membran klopfte und ihr Haar in den Nacken warf. Ihr Blick verhieß nichts Gutes, und Zahid drehte sich um, als Dianne neben ihn trat. Ausnahmsweise hatte sie einmal nicht ihr künstliches Lächeln aufgesetzt. Wie alle anderen auch an diesem Hochzeitstag wandte Dianne sich in der Krisensituation an Zahid.

„Halte sie auf!“, bat sie ihn.

Das hätte er sowieso getan. Er stieg auf die Bühne, um Trinity da runterzuholen, denn er wollte auf jeden Fall verhindern, dass sie sich lächerlich machte.

„Ich widme diesen Song …“, setzte Trinity an, doch Zahid zog den Mikrofonstecker, packte sie am Arm und schob sie sanft von der Bühne.

„Lass mich los!“

„Noch nicht.“

„Lass mich runter“, protestierte sie, als er sie hochhob und durch den Hintereingang zu den Aufzügen trug. Danach wurde alles ein wenig verschwommen. Trinity wusste nur noch, dass er sie wieder auf die Füße gestellt hatte und wissen wollte, was los war.

„Nichts!“

Jetlag, Champagner, die Nerven, Angst, Verlangen, alles ballte sich zusammen zu einer verzweifelten Tränenflut. Trinity ging auf ihn los, versuchte, sein Gesicht mit Küssen zu bedecken, doch Zahid hielt sie auf Armlänge fern. Sie wollte Sex, wollte in den Armen des einzigen Manns, der sie verlocken konnte, alles vergessen.

Sie wollte Zahid.

Und das sagte sie ihm.

„Für schlechtes Benehmen bekommst du keine Belohnung von mir.“

„Ich bin kein Delfin, den du dressieren kannst!“, fauchte sie, dann begann sie zu lachen. „Ach herrje, ich habe es sogar schon mit einer Art Dressur versucht.“ Mit amerikanischem Akzent fuhr sie fort: „‚Positive Bestärkung‘ … und es hat nicht funktioniert!“

„Wenn du Sex willst“, sagte Zahid, zog ihr das Kleid aus und steckte sie ins Bett, „dann kannst du morgen früh, wenn du nüchtern bist, höflich darum bitten.“

„Bitten?“ Trinity lachte über seine Unverfrorenheit. „Ich soll bitten?“

„Und zwar höflich. Ich möchte das Wörtchen ‚bitte‘ hören.“ Als er sie jetzt ansah, lächelte er zu ihrer Verwunderung. „Du musst Manieren lernen. Dein Benehmen heute Abend war empörend.“

„Tatsächlich? Ich finde, dass ich mich ziemlich gut benommen habe.“

Zahid brauchte sich keine passende Antwort darauf zu überlegen, denn innerhalb von knapp zehn Sekunden war sie fest eingeschlafen.

4. KAPITEL

Zahid bemerkte, dass Trinity anfing, sich zu rühren.

Ihr Festkleid lag über einem Stuhl, ihre Schuhe lagen auf dem Boden, ihre Wimperntusche war verwischt und hatte das Kissen verschmiert.

Zahid bestellte Frühstück, und als es wenig später klingelte, sah er, wie Trinitys Miene sich unwillig verfinsterte.

„Stellen Sie es einfach hier ab“, sagte Zahid, als die Servicekräfte den Tisch decken wollten. „Könnte jemand bitte ein Bad einlassen?“

Trinity richtete sich auf, verlangte, dass alle leise waren und das Zimmer verließen. Der Blick, den Zahid ihr zuwarf, ließ sie wieder unter die Decke schlüpfen und hoffen, dass der befehlsgewohnte Scheich in ihrem Schlafzimmer einfach verschwand.

Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie sich in seinem Zimmer befand.

Oh Gott.

Nachdem das Zimmermädchen aus dem Bad gekommen war und verkündet hatte, dass das Wasser eingelassen war, erinnerte Trinity sich schwach daran, dass sie Zahid geküsst hatte.

„Bedeutet dein Stöhnen, dass du dich an gestern Abend erinnerst, oder muss ich einen Arzt rufen?“

Er ließ nicht zu, dass sie sich verkroch, stattdessen zog er ihr die Bettdecke weg.

„Ersteres.“ Sie blickte zu ihm auf. Wie gut er aussah! Sein Haar war zerzaust, und der Bartschatten um sein energisches Kinn verlieh ihm ein verwegenes Flair.

„Wie geht’s deinem Kater?“

„Das ist kein Kater, es ist Erschöpfung“, behauptete Trinity. „Achtundvierzig Stunden ohne Schlaf, dazu Champagner und meine fürchterliche Familie …“ Sie schloss die Augen. „Habe ich eine schreckliche Szene gemacht?“

„Bevor es dazu kommen konnte, habe ich dich hierher gebracht“, sagte Zahid. „Und ja, hier im Schlafzimmer hast du eine schreckliche Szene gemacht.“

Sie konnte kaum atmen. Als er dann lächelte, sah er einfach atemberaubend aus. Da stockte ihr tatsächlich der Atem. Ihr benebelter Verstand brauchte ein Weilchen, um zu begreifen, dass Zahid nicht verärgert war. So, wie er sie ansah, würde er ihr vielmehr im nächsten Moment die wenigen Kleider vom Leib reißen.

Oh Gott!

„Hier.“ Er reichte ihr ein großes Glas mit einer kalten dunkelrosa Flüssigkeit. Trinity richtete sich ein wenig auf, nippte daran und schmeckte Wassermelone mit Minze.

„Ich habe während des Flugs nicht geschlafen. Neben mir war ein Baby“, erklärte Trinity zwischen durstigen Schlucken. „Schließlich hat nicht jeder einen Privatjet, mit dem er zu Hochzeiten fliegt …“

„Du hättest Ohrstöpsel benutzen können.“ Zahid hörte sich ungerührt ihre Erklärungen für ihr Benehmen am Vorabend an.

„Du bist noch nie Holzklasse geflogen, wie?“

„Hier“, sagte er nur. Er nahm ihr das leere Glas ab und half ihr beim Aufsetzen, als wäre sie eine Patientin im Krankenhaus. Mit einem Teller voll kleiner Würstchen und Pfannkuchen setzte er sich auf die Bettkante. Er goss reichlich Ahornsirup über beides, schnitt alles in kleine Stückchen und fütterte Trinity damit.

„Ich war einfach nur müde.“

„Ja, natürlich. Iss.“

„Du bist nicht sauer?“

„Nein.“ Er lächelte sie an, wirkte jedoch besorgt. „Was war gestern Abend los?“, fragte er. „Du warst schrecklich aufgewühlt.“

Trinity zuckte die Achseln. „Ich hatte einfach zu viel getrunken.“

„Vor zwei Minuten hast du aber etwas anderes behauptet.“

„Ich habe nur …“ Sie wusste nicht, was sie erwidern sollte.

„Mir kannst du es verraten.“

Wirklich?

„Ich fühle mich immer reichlich angespannt, wenn ich bei meiner Familie bin“, wich sie aus.

Zahid überlegte, wie viel er sagen durfte. Immerhin war er im Begriff, Kritik an ihrer Familie zu üben.

Er schob ihr einen Happen in den Mund und entschied, sein diplomatisches Geschick ein wenig zu vernachlässigen, denn Trinity sollte die Wahrheit erfahren.

„Ich finde die Fosters anstrengend.“

Sie öffnete den Mund zu einer Antwort, doch Zahid ermahnte sie, dass es sich nicht gehörte, mit vollem Mund zu sprechen, und so musste sie ihn ausreden lassen.

„Nach dem gestrigen Abend breche ich den Kontakt mit deiner Familie ab. Damit meine ich aber nicht dich.“

Trinity hörte auf zu kauen. Jetzt wollte sie genau wissen, was er zu sagen hatte.

„Wenn ich an dich denke, meine ich nicht die Fosters, verstehst du?“

„Ich glaube schon.“

„Du sollst begreifen, dass ich völlig andere Gründe habe, wenn ich dich nicht wiedersehen kann. Weißt du auch, welche?“

Sie zuckte halbherzig die Achseln.

„Wenn wir uns in Zukunft treffen würden, wäre das, was ich für dich empfinde und über dich denke, sehr respektlos meiner zukünftigen Frau gegenüber.“ Er versuchte zu erklären, was Trinity unmöglich begreifen konnte. „Meine Frau wird im Hinblick auf das Wohl meines Heimatlandes ausgewählt.“

„Ich habe nicht erwartet, dass ich diese Frau sein würde.“ Sie lächelte schief.

„Ich weiß.“ Zahid musste schmunzeln, als er sich Trinity in Ishla vorstellte. „Du könntest dir bestimmt nichts Schlimmeres ausmalen. Ich wollte nur klarstellen, dass es absolut nichts mit meinen Gefühlen für dich zu tun hat, wenn ich den Kontakt zu deiner Familie abbreche.“

„Danke.“

Es war schön, das zu hören.

„Und danke dafür, dass du mich gestern Abend vor einer Riesenblamage bewahrt hast.“

„Kein Problem.“

„Wir müssen um neun Uhr mit der Familie frühstücken“, sagte Trinity. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es zehn nach acht war.

Zahid tunkte den letzten Happen Pfannkuchen in den Ahornsirup und bot ihn Trinity an.

„Du würdest eine prima Vogelmutter abgeben“, sagte sie und öffnete gehorsam den Mund. Doch Zahid zog die Gabel zurück, als Trinity den Hals reckte.

„Vögel füttern mit dem Schnabel“, bemerkte er, und ihr wurde ganz heiß unter seinem glutvollen Blick. „Okay“, fuhr er fort, „du hast die Wahl. Frühstück mit deiner Familie, oder wir sind anderweitig beschäftigt.“

„Wenn du sagst, anderweitig beschäftigt …“

Meinte er damit …?

Ja, erkannte Trinity, als Zahid sich den letzten köstlichen Pfannkuchenbissen in den Mund schob, ja, das meinte er. Jetzt drückte er sie ins Kissen zurück und fütterte sie aufreizend mit seinem Mund seiner Zunge.

Es schmeckte nach mehr!

Schmutzig, klebrig und einfach herrlich! Nachdem sie den Pfannkuchen runtergeschluckt hatte und Zahid sie immer noch küsste, löste sie sich von ihm und wandte das Gesicht ab. „Ich habe mir noch nicht die Zähne geputzt“, sagte sie, plötzlich schüchtern.

„Ich springe rasch unter die Dusche“, sagte Zahid, leckte die letzten Reste Ahornsirup von ihren Lippen und ließ sie dann los. Sie war völlig außer Atem. „Wenn du willst, kannst du danach dein Bad nehmen.“

Trinity hatte die Wahl. Wie ihre Entscheidung auch ausfiel, Zahid würde nicht mit den Fosters frühstücken.

Er hatte seine Pflicht und Schuldigkeit getan.

Jetzt konnte er nur hoffen, dass die Zeit fürs Vergnügen gekommen war.

Zahid stand auf und begann sein Hemd auszuziehen. „Wenn ich zurückkomme, lasse ich das Zimmer aufräumen.“

Trinity nickte. Sein atemberaubender Anblick raubte ihr die Sprache. Zahids milchkaffeebraune Haut glänzte, und der Anblick seines flachen Bauchs und des verlockenden Streifens dunkler Löckchen, der in seinem Hosenbund verschwand, ließ ihr Herz schneller schlagen.

„Es dauert nicht lange“, meinte Zahid verheißungsvoll und verschwand im Bad, während Trinity sich ins Kissen sinken ließ und tief ausatmete.

Wenn sie jetzt ging, würde sie Zahid nie wiedersehen.

Sie lag auf dem Bett, hörte, wie der Wasserhahn zugedreht wurde. Wenig später kam Zahid aus dem Bad und legte seine Hose über den Stuhl. Er hatte sich ein weißes Handtuch um die Hüften geschlungen und ein zweites um den Nacken gelegt.

„Du bist noch hier?“ Zahid lächelte, zog das Handtuch von seinem Nacken und begann, sich Brust und Achseln abzutrocknen.

„Sieht so aus.“

„Ich lasse das Zimmer aufräumen.“

„Ich nehme ein Bad.“

Sie stieg aus dem Bett und ging zum Bad, drehte sich aber noch einmal um und sah, wie Zahid das Handtuch um seine Hüften löste. Trinity bekam einen guten Eindruck von seiner imposanten Männlichkeit. Am liebsten wäre sie gleich wieder ins Bett gestiegen.

„Du solltest deine Familie benachrichtigen“, sagte Zahid, als wäre es völlig normal, nackt mit ihr zu plaudern und das Zimmer aufräumen zu lassen, damit nichts sie mehr ablenkte, wenn sie später ihr herrliches langes Schäferstündchen genossen.

„Hm, nach dem Baden“, krächzte Trinity, denn nichts sollte die zarte Seifenblase platzen lassen, die sie mit sich ins Bad trug und erst losließ, nachdem sie die Tür geschlossen hatte. Die zarteste Seifenblase, die sie sich vorstellen konnte. Sie wollte tatsächlich Sex, statt sich lediglich zu wünschen, Sex zu wollen.

Das Licht war gedimmt, die in den Boden eingelassene Wanne mit warmem, milchigem Wasser gefüllt.

Sie streckte sich in der Wanne aus, angenehm satt und zufrieden. Zum ersten Mal, zum allerersten Mal seit Zahids allererstem Kuss, regte sich in ihr der Wunsch nach einem ganz anderen angenehmen Gefühl in ihr.

Zahid hielt sie für ein Partygirl – er ging davon aus, dass ein morgendlicher Sexmarathon für sie völlig normal war.

Zu erfahren, wie begrenzt ihre Erfahrung war, hätte ihn umgehauen.

Wenn Zahid auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt hätte, wie verkorkst sie in dieser Hinsicht war, dann würde alles, was sie verband, sich in nichts auflösen. Entweder würde er ehrenhaft verzichten, weil aus ihnen beiden nie etwas werden konnte. Oder, schlimmer noch, sie bekäme nur Sex aus Mitleid, behutsam und zärtlich und alle fünf Minuten von der Frage unterbrochen, ob es ihr gut ging.

Zahid wollte geradlinigen Sex, doch für Trinity war Sex alles andere als geradlinig.

Dennoch wollte sie, dass Zahid sie auch weiterhin so verlangend ansah wie an diesem Morgen. Sie wollte die Angstfreiheit, die er ihr bot, nicht nur in Gedanken, sondern auch körperlich.

Trotzdem, wenn sie die Sache durchziehen wollte, musste sie als selbstbewusste Frau aus dem Bad kommen. Irgendwie musste sie sich als die sexerfahrene Frau präsentieren, die er in ihr vermutete.

„Das Zimmermädchen ist fertig.“ Zahid klopfte an die Tür. „Und dein Handy summt unentwegt. Soll ich es dir bringen?“

„Ich komme gleich raus!“, rief Trinity durch die geschlossene Tür. „Und was du gestern Nacht gesagt hast … Tja, ich habe anscheinend vergessen, ‚bitte‘ zu sagen …“ Sie ahnte sein Lächeln, als er antwortete:

„Dann vergiss wenigstens nicht, danke zu sagen.“

Trinity blickte an sich herab, sah ihre hart aufgerichteten Brustspitzen aus dem milchigen Wasser ragen. Sie begriff nicht, warum sie gar keine Beklemmung verspürte.

Alles war so … geplant, so emotionslos.

Nein, nicht emotionslos …

Als sie aus dem Bad stieg, klebten Blütenblätter in ihrem Haar und an ihrer Haut. Trinity schlüpfte, wie sie war, in einen Bademantel und fuhr sich mit dem Kamm durchs Haar.

Und wenn sie es nun nicht durchziehen konnte? Wenn sie anfing zu weinen oder zusammenbrach oder Zahid ihre Unerfahrenheit erkannte?

Diese Chance bekommst du nie wieder, warnte Trinity ihr Spiegelbild.

Eine Art Rosskur.

Sie öffnete die Tür.

Das Zimmer lag im Dunkeln, nur hier und da brannte eine Kerze.

Das Frühstücksgeschirr war abgetragen, alles war aufgeräumt, das Bett war frisch bezogen, die Laken waren glatt – und ein nackter Scheich lag darin!

Trinitys Herz klopfte aufgeregt, als sie zum Bett ging.

„Hast du schön gebadet?“

„Herrlich.“ Sie setzte sich auf die Bettkante und fragte sich, ob es richtiger wäre, es ihm zu sagen. Aber nein, als er sie mit einem Kuss in seinem Bett willkommen hieß, wollte sie es lieber so.

Sein Kuss ließ sie erschauern, seine raffinierten Liebkosungen verführten sie, alles einfach ihm zu überlassen. Schon hatte sie beinahe alle Aufregung abgelegt, da ließ das Piepsen ihres Handys sie zusammenzucken.

„Hat irgendjemand Trinity gesehen?“, kommentierte Zahid und brachte sie mit seiner trockenen Bemerkung tatsächlich zum Lachen. Sie stieg aus dem Bett und fuhr sich ratlos mit beiden Händen durch das nasse Haar. „Ich sage ihnen nur schnell, dass ich nicht zum Frühstück komme.“

Sie war keineswegs dankbar für die Verzögerung. Jetzt mussten sie und Zahid ganz von vorn anfangen. Trinity griff nach dem Handy und las die SMS ihrer Mutter.

„Sie möchten jetzt frühstücken und wollen wissen, wo ich stecke.“ Ihre Stimme wurde zum Ende hin ein wenig piepsig, denn Zahid hatte sich zur Bettkante gewälzt und nestelte am Gürtel ihres Bademantels.

„Schreib ihr, Zahid reitet mit dir.“

„Ein Ausritt?“

„Nicht lügen.“ Er hob sie bei den Hüften hoch, sodass sie plötzlich neben dem Bett stand und versuchte, eine SMS zu schreiben. Gar nicht so einfach, wenn er sie gleichzeitig, die Hände um ihren Po gelegt, an sich zog.

Es war furchtbar schwierig, eine SMS zu tippen, während er mit dem Mund ihren Bauch liebkoste. Sie bewunderte sein glänzendes schwarzes Haar, spürte seine Lippen und seine Zunge und überlegte, was sie schreiben sollte.

Oje, dachte Trinity. Er hörte nicht auf, ihren Bauch zu küssen. Am liebsten hätte sie das Handy fallen gelassen und sich einfach an ihn geschmiegt.

Sie wollte ihn ein bisschen weiter unten spüren … dann aber auch wieder nicht.

Sie wollte die alte Beklemmung, doch die stellte sich einfach nicht ein.

Sie wollte weglaufen, gleichzeitig aber auch bleiben.

Irgendwie schaffte sie es, ihre SMS abzuschicken.

„Jetzt schalte das Handy aus“, sagte Zahid mit dem Mund dicht an ihrer Haut. „Ich will keine Ablenkung.“

5. KAPITEL

Trinity gehorchte, schaffte es jedoch nicht zum Nachttisch, weil Zahid so intensiv ihren Bauch liebkoste. Sie ließ das Handy einfach fallen.

Die weiche Haut ihres Bauchs schmeckte noch besser, als Zahid es sich vorgestellt hatte. Noch warm vom Bad, reagierte Trinity bereitwillig. Er spürte, wie sie ihre Muskeln lustvoll anspannte, besonders, als er mit den Lippen zielstrebig abwärts wanderte.

Er hatte überlegt, sie bereits in der Dusche zu nehmen, um sich mehr Zeit lassen zu können, hatte dann aber beschlossen zu warten.

Diese Entscheidung bereute er jetzt, während er Trinitys Bauch küsste und mit den Händen an ihren Schenkeln hinaufstrich, denn er wollte sie vielleicht doch sehr viel länger bei sich haben, als er es sich selbst eingestand.

Hilflos vor Verlangen überließ sich Trinity seinen Liebkosungen. Sie schob die Hände in Zahids Haar, versuchte, das Gleichgewicht zu halten. Jetzt wanderte er mit dem Mund noch tiefer, strich mit der Zunge über ihre intimste Stelle und drang mit dem Finger in sie ein – eine ganz neue, aufregende Erfahrung für Trinity.

Nur ihr Verstand reagierte mit Angst, begriff Trinity, nicht ihr Körper, den sie Zahid so hingebungsvoll entgegenbog.

Sie spürte ein Beben in den Schenkeln, als er mit Mund und Fingern das Zentrum ihrer Weiblichkeit liebkoste, ein Beben, das sie zweifeln ließ, ob sie sich noch länger würde auf den Beinen halten können. Als hätte er ihre Gedanken gelesen, führte Zahid sie zum Bett.

Sie dachte, er würde sie küssen, doch er hatte anderes im Sinn. Er glitt an ihr hinab nach unten.

„Zahid …“ Sie versuchte, ihn aufzuhalten, hatte plötzlich Hemmungen.

„Weißt du, wie oft ich mir das hier vorgestellt habe?“ Seine Stimme klang rau vor Verlangen.

Nur mit ihm kann ich so etwas tun, dachte Trinity. Jetzt war sie froh, dass er den flüchtigen Ausdruck der Scheu in ihrer Miene angesichts solcher Intimität offenbar nicht bemerkt hatte. Denn dann hätte Zahid mit Sicherheit aufgehört.

Doch er hatte es nicht bemerkt. Jetzt umfasste er ihre Hüften und positionierte sie so, dass sie über seinem Gesicht kniete.

Dann strich er mit der Zunge an der Innenseite ihres Schenkels hinauf, bis er sein Ziel gefunden hatte.

„Zahid …“, keuchte sie auf, als er mit der Zunge in sie eindrang. Sie hatte ihn bitten wollen aufzuhören, doch schon im nächsten Moment schmolz sie förmlich dahin vor Begehren und vergaß alles andere.

Die Scheu wich einem glückseligen Lächeln, als er all die Jahre der Frustration mit seinen Liebkosungen auslöschte.

Ihm konnte sie sich öffnen, und obwohl sie zusammen waren, war dieser Augenblick doch ganz privat: ihr Erwachen aus dem Dornröschenschlaf. Ein Kunststück, das nur dieser ganz spezielle Prinz fertigbrachte.

„Ups, ich habe ein Rosenblatt zwischen den Zähnen“, sagte Zahid, ohne den Mund von ihr zu lösen.

„Die sind überall, noch aus der Wanne“, hauchte Trinity.

„Schön.“ Begierig wandte er sich wieder seiner heißen Beschäftigung zu. „Ich werde jedes einzelne finden.“

Sie selbst hatte im Grunde nichts zu tun, sie musste sich nur am Kopfbrett des Bettes festhalten und ihr Stöhnen unterdrücken, während sie Zahids Anweisungen folgte.

„Knie dich tiefer herab …“, raunte er. „Noch tiefer.“

Sie rang nach Luft, als sie sich auf sein Gesicht senkte, und dann gelang es ihr nicht mehr, ihr Stöhnen zurückzuhalten.

Unrasiert, rau, nass und warm war er überall, wo sie ihn spüren wollte, und er genoss es. Seine Hemmungslosigkeit steigerte die ihre.

Danke, hätte sie am liebsten geflüstert. Sie war nie dankbarer gewesen als in diesem Augenblick, in dem er ihre Sinnlichkeit weckte. Trinity musste sich auf die Lippe beißen, um es nicht auszusprechen, während er saugte und leckte und mit seinem Stoppelbart ihre Haut stimulierte. Er war so sehr auf sie konzentriert, dass Trinity nichts tun musste, als ihren Körper seinem eigenen Rhythmus zu überlassen und verzückte Worte zu murmeln.

„Das ist wundervoll …“, brachte sie hervor. „Einfach wundervoll …“ Das war es wirklich. Es war so, wie es sein sollte. Es war so schön, als er sie ein wenig anhob und sanfter küsste, die Zunge kreisen ließ und dann eindrang und nur innehielt, um ihr auf Arabisch zu sagen, sie wäre … Sie wusste nicht, was.

„Fantastisch“, übersetzte Zahid zwischendurch.

Sie spürte es.

Eine berauschende Spannung baute sich in ihr auf, ihr Herz raste. Sie hatte noch nie einen Orgasmus gehabt, fürchtete sich plötzlich davor. Irgendetwas in ihr krampfte sich zusammen.

„Zahid.“ Sie wollte, dass er sein Tempo drosselte.

„Warum wehrst du dich dagegen?“

Weil sie nicht wusste, wie es sein würde. Bis die Lust sie im nächsten Moment förmlich überschwemmte und sie mit sich fortriss. Keuchend stieß Trinity auf dem Höhepunkt Zahids Namen aus.

Zahid hielt ihre Hüften umfasst, während sie laut aufschluchzte, so erschüttert war sie, endlich befreit von lange gehegten Ängsten.

Mit aller Macht hielt Zahid seinen eigenen Höhepunkt zurück. Er wollte mehr, viel mehr von ihr. Plötzlich war sein Mund wieder da, und er küsste sie sanft, denn womöglich würde er nie wieder Gelegenheit dazu haben.

Trinity wollte sich einfach fallen lassen, lag bereits auf ihre Unterarme gestützt da. Im nächsten Moment platzierte Zahid sie mit einer geschickten Bewegung auf seinen Schenkeln.

Sie senkte den Blick auf seine machtvolle Erektion, erforschte ihn mit bebenden Fingern.

Zahid sah zu. Ihr sanftes Streicheln erregte ihn. Es machte ihn genauso scharf, wie sie mit dem Mund zum Höhepunkt zu bringen. Was ihre Hände bewirkten, war grandios.

Jetzt wurden ihre Liebkosungen immer kühner. Sie spürte die heiße, seidige Haut und die Feuchtigkeit an den Fingern und freute sich, ihn bald endlich in sich aufnehmen zu können. Immer noch außer Atem von ihrem ersten Höhepunkt, wollte sie zurück aufs Karussell. Ihr gefiel es, dass er, je länger sie ihn streichelte, umso härter und auch größer wurde.

„Weißt du …“, setzte Trinity an, brach dann jedoch ab.

„Was ist? Sag’s mir!“, forderte er sie rau auf.

„Ich könnte lernen, das hier zu mögen.“ Sie lächelte.

Ehrlicher war sie nie gewesen.

„Ich ebenfalls.“ Zahids Miene war angespannt vor verhaltener Lust.

Das war die Wahrheit, obwohl es vielleicht unklug war, sie so offen auszusprechen. Allmählich wurde ihm bewusst, dass ihm ein gemeinsamer Vormittag nicht reichen würde.

Daran durfte er jetzt nicht denken. Bevor er an gar nichts mehr denken konnte, tastete er auf dem Nachttisch nach einem Kondom. Trinity hielt ihn zurück, denn sie wollte seine weiche Haut an ihrer spüren. Deshalb flüsterte sie etwas von eigenen Vorkehrungen zur Verhütung.

„Bist du sicher?“, fragte Zahid, denn er war es gewohnt, sich zu schützen. „Denn wenn du schwanger wirst“, er vollführte die Geste des Halsabschneidens, „heißt es für mich: Rübe ab.“ Und Trinity lachte doch tatsächlich.

„Ja, sicher.“

Sie hob die Hüften an und ließ sich dann ganz langsam auf ihn sinken. Es gefiel ihr, oben zu sein, sie empfand die Kontrolle, die er ihr überließ, als unbeabsichtigtes Geschenk. Es ließ ihr die Freiheit, selbst zu entscheiden.

Schließlich füllte er sie vollständig aus, ein unbeschreiblich schönes Gefühl, das sie so lange wie möglich auskosten wollte. Ihre Erregung wuchs, und sie begann, sich ganz automatisch rhythmisch auf ihm zu bewegen. Bis Zahid sie schließlich bremste.

Er wollte die Zügel in der Hand behalten, konnte sich allerdings kaum noch kontrollieren. Doch schließlich gab er es auf, ließ sie einfach gewähren.

War es das hier, wovor sie solche Angst gehabt hatte? Trinity blickte Zahid an und wusste, dass sie mit keinem anderen Mann so sehr sie selbst sein konnte. Ganz gleich, welche Lüge ihr über die Lippen kam, Zahid erkannte die Wahrheit dahinter.

„Ich glaube, ich komme …“, Trinity stöhnte auf, begann, dem Gefühl nachzujagen, aber vergeblich. Als sie schon dachte, dass die Magie von vorhin sich nicht wiederholen würde, übernahm Zahid die Führung. Er hob die Hüften an, zog sie fest auf sich herab, und da war nichts mehr, dem sie nachjagen musste, sie hatte es bereits erreicht.

Während er sich laut aufstöhnend in ihr verströmte, trieb er sie ein zweites Mal auf den Gipfel der Lust, bevor er sie auf den Rücken drehte und sich schwer atmend auf sie sinken ließ.

Es war nur Sex, sagte Zahid sich, als er Trinity mit zärtlichen Küssen in die Realität zurückholte. Herrlicher Morgensex, der schon lange überfällig gewesen war.

Und genau so sollte es auch bleiben.

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Viel Spaß!



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