Logo weiterlesen.de
Khyona. Im Bann des Silberfalken

Bücher von Katja Brandis im Arena Verlag
Woodwalkers. Carags Verwandlung
Woodwalkers. Gefährliche Freundschaft

Woodwalkers. Hollys Geheimnis
Woodwalkers. Fremde Wildnis
Woodwalkers. Feindliche Spuren

Katja Brandis, Jahrgang 1970, hat Amerikanistik, Anglistik
und Germanistik studiert und als Journalistin gearbeitet. Schon in
der Schule liehen sich viele Mitschüler ihre Manuskripte aus, wenn
sie neuen Lesestoff brauchten. Inzwischen hat sie zahlreiche Romane
für Jugendliche veröffentlicht, unter anderem Ruf der Tiefe, Floaters
– Im Sog des Meeres
und White Zone. Mit ihrer Bestseller-Reihe
Woodwalkers begeistert sie Jungen und Mädchen gleichermaßen. Für
Khyona recherchierte sie drei Wochen in Island, staunte über Geysire,
stapfte auf einem Gletscher herum und ritt auf Islandpferden durch
die grandiose Landschaft. Sie lebt mit Mann, Sohn und
drei Katzen in der Nähe von München.

www.katja-brandis.de

PROLOG

image

Es war ein sonniger Tag gewesen, aber nun wanderte die Sonne dem Horizont entgegen und es wurde immer kühler. Fast ohne es zu merken, zog der junge Mann den Umhang enger um sich. Dann ging er in die Hocke, um die Hand auf das raue Gestein legen zu können, und spürte in den Boden hinein. Das hätte er auch tun können, ohne die Erde zu berühren, aber er mochte es, wie sich der Stein an seiner Handfläche anfühlte.

An diesem Ort war das Innere der Erde hellwach. Er spürte das heiße Glühen darin, das nur darauf wartete, ungestüme Bewegung zu werden. Es ging dem Vulkan gut, kein Zweifel. Einen Moment lang war er neidisch darauf, wie lebendig dieser Berg war. Lebendiger als er selbst, so kam es ihm manchmal vor. Sein Inneres fühlte sich immer noch erstarrt an – würde sich das jemals wieder ändern?

image

Er wusste, das Feuer in der Tiefe war nah daran, an die Oberfläche zu brechen. Schon versuchte seine Vorstellungskraft, ein Bild davon zu erschaffen, gespeist aus dem, was er schon so oft gesehen hatte. Doch er unterdrückte die Bilder sofort, die Gefahr war zu groß, dass sie durch seine Gedanken und Gefühle Wirklichkeit wurden. Noch war die Zeit dieses Vulkans nicht gekommen.

Manchmal war es anstrengend, so viel Macht zu haben, doch sie war schon ein Teil von ihm, solange er denken konnte. Wieso hat Gunnar nicht härter daran gearbeitet, sie zu kontrollieren? Verdammt, ich hätte mit ihm üben sollen! Ja, es war eigentlich die Aufgabe unserer Eltern, aber trotzdem …

Als er spürte, wie ihn seine Gedanken aufwühlten, stellte er sich vor, wie er sie aus sich hinausschickte. Seine Fantasie machte schwarze Schlieren daraus. Der nächste Windstoß trug sie davon, fast konnte er es vor seinem inneren Auge sehen.

Er atmete tief, einmal, zweimal, spürte der ausströmenden Luft und seinem Herzschlag nach. Lauschte auf das, was seine Sinne ihm meldeten. Den kühlen Wind mit einem Hauch von Frost, den Geruch nach Moos und feuchten Steinen und Schwefel.

Ganz langsam fühlte er sich besser.

Im Sommer war es Tag und Nacht hell. Es war eine Zeit, in der im ganzen Reich Isslar und vor allem in der Hauptstadt Khyona alle schwatzten und sich trafen und draußen waren, solange sie konnten. Aber jetzt schlich sich der Herbst an und die Dunkelheit kam immer früher. Vielleicht würden die Götter bald die ersten Nordlichter schicken.

Die ungewohnte Dunkelheit störte ihn – in welcher Richtung war sein Lagerplatz? Sio, sein Fuchs, war gerade auf Jagd unterwegs und entschuldigte sich, er würde ihm ein anderes Mal den Weg zeigen, sobald er diese fette Maus erwischt hatte.

Er seufzte und pfiff nach Fiala, doch seine Stute machte sich nur darüber lustig, was für einen schlechten Ortssinn Menschen hatten, und ging betont langsam in seine Richtung. Also atmete er noch einmal ein, konzentrierte sich. Die Flamme kam sofort, als er sie rief, und einer der Felsen in der Nähe wurde in grüngelbes Feuer gehüllt. Lautlos zuckten die Flammen himmelwärts, waren rastlos in Bewegung, fließend, gleitend. Es war nur ein Scheinfeuer, aber es spendete Licht und sogar ein wenig Wärme, wenn man nah genug herankam.

Ganz plötzlich eine fremde Stimme. »He! Siehst du das, Gudur?«

Der junge Mann wandte den Kopf und bemerkte die Silhouetten der beiden Reiter. Sigurds Rache, das hatte ihm gerade noch gefehlt. Sie ritten im schnellen Tölt heran, um nachzusehen, was hier vorging … und sahen ihn im Licht des Scheinfeuers auf der Kuppe stehen. Dann passierte das, was er befürchtet hatte. Einen Herzschlag lang starrten die beiden – ein Mann und eine Frau – ihn an, dann stiegen sie hastig ab, stützten ein Knie auf den Boden und beugten vor ihm den Kopf.

»Herr des Feuers!« Die Stimme des Mannes war ein raues Flüstern, halb furchtsam, halb ehrerbietig.

In dieser Gegend lebte noch ein sehr alter Vulkankult fort, den die Fürstin in der Stadt längst unterdrückt hatte. Doch die Menschen in diesem rauen Bergland verehrten, wen und was sie wollten, und ließen sich nicht davon abbringen.

»Erhebt euch!«, sagte er und unterdrückte ein Seufzen. »Bitte geht. Es gibt etwas … das ich hier tun muss. Allein.«

Zum Glück schluckten sie die Lüge sofort, sie ahnten nicht, dass er einfach nur für sich sein wollte … und auch nicht wirklich allein war, wenn Sio und Fiala sich wieder zu ihm bequemen würden. Nachdem die Reiter ehrerbietig die rituellen Worte gemurmelt hatten, die an ihn, die Göttin und den Berg gerichtet waren, zogen sie sich zurück.

Und seine Gesellschaft waren wieder die Berge, der Himmel, der Wind.

ZWEI DUNKLE AUGEN

image

Ich werde beobachtet. Kari wusste nicht, woher sie die Gewissheit nahm, aber sie war da, ganz plötzlich. Völlig unlogisch – wer sollte sie denn sehen? Sie waren doch die Einzigen auf diesem kleinen Schotterparkplatz eine halbe Stunde außerhalb von Reykjavík. Auf der Landstraße sauste nur hin und wieder ein Auto vorbei.

Kari blickte sich um, sondierte mit den Augen die Pferdeweiden, die Wiesen, die Berge, deren grünbraune Zacken am Horizont aufragten. Niemand da.

Fast niemand.

»Was schaust du denn so? Komm, wir klettern da runter, das sieht toll aus!« Ihre kleine Schwester Alice knuffte sie in die Seite. Ihre hellblauen Augen blitzten unternehmungslustig und ihre schulterlangen Haare, glatt und braun wie das Fell eines Otters, glänzten in der Sonne. Ohne eine Antwort abzuwarten, bewegte Alice sich halb rutschend, halb springend den Geröllhang hinunter zu einer Wildwiese, die mit lila blühendem Heidekraut, gelben Blümchen und Gebüsch bewachsen war.

Kari streckte sich, lockerte ihre verspannten Schultern und atmete tief ein. Islands Hauptstadt mit ihren bunten Wellblechhäusern und den Straßen voller Andenkenläden, Restaurants und Buchhandlungen hatte ihr gefallen, aber jetzt wollte sie endlich die berühmten Naturschönheiten sehen. Die lauerten hier laut Reiseführer buchstäblich an jeder Ecke, falls Naturschönheiten so etwas konnten.

Alice war inzwischen auf der Wiese angekommen, die es zwar nie in den Reiseführer schaffen würde, aber immerhin »Natur« und außerdem »schön« war.

»He, halt mal, habt ihr nicht auch gelesen, dass besonders das Moos hier sehr empfindlich ist und man nichts zertrampeln sollte?«, wandte ihr Patchworkbruder John Elzheimer ein. Er dachte nicht daran, seine Sonnenbrille abzusetzen. Seine Augen blieben hinter schwarzen Gläsern verborgen.

Natürlich hat er recht, so wie immer. Lehrersohn halt. Kari zögerte. Gerade warf sich Alice neben einem verwitterten Felsbrocken auf die Wiese. »Aber hier ist gar kein Moos, das sind nur Gras und Heidekraut«, meldete sie. »Oh, ist das dick und weich! Das müsst ihr ausprobieren! Wenn man drauftritt, federt es zurück, das geht nicht gleich kaputt.«

Die Versuchung war zu stark. Komm, sag es, sag es, petz das an deinen Vater!, dachte Kari, während sie den Hang hinunterkletterte. Doch John zog wahrscheinlich nur die Augenbrauen hoch, das hörte man nicht. Gut so.

Seufzend vor Behagen machte Kari es sich im sonnenwarmen Heidekraut bequem. Oh ja, das fühlte sich unglaublich an – wie ein ultradicker Teppich, der würzig nach Kräutern roch.

»Das hier ist nicht wirklich Island«, murmelte Kari.

»Was denn sonst?« Alice kitzelte sie mit einem Grashalm an der Nase.

»In Island gibt es hundert Wörter für Wind, außerdem regnet es die meiste Zeit.« Kari schloss einen Moment lang die Augen und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen.

»Du ärgerst dich nur, weil Mam dir gesagt hat, du sollst deinen geliebten Norwegerpulli im Auto lassen«, behauptete Alice.

»Wenn ich Pech habe, wird der von einheimischen Elfen aufgeribbelt, wenn ich mal nicht hinsehe. Weil man hier nur Islandpullis tragen darf.«

»Kommt ihr? Wir machen übrigens da vorne Picknick!«, rief John zu ihnen herüber, er klang genervt.

»Ja, gleich!«, rief Kari zurück und flüsterte Alice zu: »Boah, wie der dasteht – das ist seine Geheimagentenpose. Die Coolness läuft ihm gleich aus den Ohren.«

Alice kicherte leise. »Wetten, zum nächsten Fasching geht er wieder als James Bond? Wie schon letztes Jahr und wahrscheinlich im Jahr davor.«

»Garantiert.«

»Nur die Pickel passen nicht ganz. Bond hat keine Pickel!«

»Doch«, sagte Kari und musste grinsen »Aufgeklebte. Es sind winzige getarnte Sprengwaffen, die er abnehmen und auf seinen Gegner schleudern kann.«

Ihre zwölfjährige Schwester drückte das Gesicht in ihren Ärmel, um ihren Lachanfall zu verbergen.

»Wir sind ganz schön gemein, oder?«, meinte sie, als sie wieder Luft bekam.

»Ja«, sagte Kari und verzog das Gesicht zu einer reuigen Grimasse. Für echte Reue reichte es nicht. »Ziemlich. Und jetzt komm, vielleicht ist noch Vanille-Skyr übrig, du weißt schon, dieses Quarkzeug, das wir gestern im Supermarkt gekauft haben.«

Sie warf einen kurzen Blick hinüber zum Auto und stellte fest, dass ihre Mutter und Thorsten sich mit der Picknicktüte in der Hand küssten und über irgendetwas lachten. Es fühlte sich an, als würde ihr jemand eine lange Nadel ins Herz bohren, ganz langsam. Würde es jemals wieder so werden wie vorher, als sie noch ein Drei-Mädels-Haushalt gewesen waren, wie Mam es manchmal ausgedrückt hatte? Wenn sie und Mam, die beiden Frühaufsteher in der Familie, in Joggingklamotten beim Frühstück gesessen hatten, den ersten Kaffee oder Kakao in der Hand und die Füße hochgelegt. Wenn sie sich gegenseitig interessante Sachen aus der Zeitung vorgelesen hatten oder witzige Sätze aus dem Buch, in dem sie gerade schmökerten?

Jetzt lief das so, dass Mam beim Frühstück mit Thorsten Elzheimer über Politik oder irgendeinen gesellschaftlichen Trend diskutierte, über seine lahmen Witze lachte und fragte, ob er noch eine Scheibe von diesem in Blabladorf handgemachten Bergkäse wollte. Wenn man Glück hatte, musste man nur zweimal fragen, ob sie einem die Butter reichen könnte. Mit noch mehr Glück wurde man satt, bevor Thorsten verkündete, dass sie jetzt langsam in die Gänge kommen sollten, und Sekunden später abzuräumen begann.

Kari ließ ihren Blick weiter schweifen – sie fühlte sich noch immer beobachtet, das Gefühl war stärker geworden. Aber da ist nichts … oder doch? Sie blickte sich um und fühlte die Haut zwischen ihren Schulterblättern kribbeln, doch ihre Augen entdeckten nichts Verdächtiges. Alles Einbildung – und ich brauche jetzt dringend ein paar Chips. Oder wenigstens welche von diesen echt isländischen getrockneten Fischflocken, auf die Alice so abfährt, weil sie ein bisschen wie Chips schmecken.

Das Picknick fand am Rand des Schotterparkplatzes statt. Kari hatte keine Lust mehr, sich zu unterhalten, und blieb einsilbig, während sie die salzigen Fischflocken knabberte und sich von Alice mit ein paar Löffeln Skyr füttern ließ. Diesmal war es immerhin eindeutig, wer sie dabei beobachtete. John fixierte sie mit seinen Sonnenbrillenaugen, und sein abfälliges Grinsen ließ keinen Zweifel daran, wie albern er es fand, wie sie und Alice herumflachsten. Ja, dachte Kari gereizt und wischte sich einen Klecks Skyr von der Jeans. Ich bin uncool und es ist mir egal, stell dir vor!

Früher, in der Grundschule oder so, hatte sie sich einen großen Bruder gewünscht. Einen, der für sie da war, wenn es ein schlechter Tag gewesen war und ihre Mutter keine Zeit zum Trösten hatte, weil sie ganz dringend diese neue, dämliche Kundenzeitschrift fertigstellen musste, für die es mehr Geld gab als für Artikel bei den Stadtmagazinen. Sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst. Jetzt wohnte ihr brandneuer Patchworkbruder im ehemaligen Gästezimmer neben ihrem, zockte am Computer und beschallte alle mit Hardrock oder Heavy Metal, bis er hoffentlich irgendwann studierte und auszog. Was leider noch dauern konnte, er war nicht mal ein großer Bruder, sondern erst fünfzehn. Wieso konnte er eigentlich nicht bei seiner amerikanischen Mutter in South Carolina leben?

Hilflose Wut wühlte in Karis Magen, wie so oft in den letzten drei Monaten.

»Wer mag noch eine Cherrytomate?«, fragte ihre Mam und gönnte sich neben der Tomate auch einen Keks. Ihre sehnige Läuferinnenfigur vertrug es.

Kari winkte ab. »Ich geh noch mal kurz runter auf die Wiese.« Sie wollte wenigstens einen Moment lang allein sein, das würde schwierig genug werden in den nächsten beiden Wochen.

Ihre Füße versanken im lila blühenden Heidekraut und die Sonne wärmte ihre Haut. Herrlich war es hier. Ganz langsam fühlte Kari, wie sie zur Ruhe kam. Vielleicht ist es doch gut, dass wir hierhergefahren sind, wie Thorsten das vorgeschlagen hat, und nicht nach Schweden, wie ich es wollte. Aber dort hätte ich sehen können, wo Opa und Oma herstammen … wär interessant gewesen …

Als Kari sich noch ein letztes Mal umsah, erhaschte sie einen Blick auf etwas Weißes, das auf dem Stein hockte. Ein Vogel mit kurzem, gebogenem Schnabel und weiß-silbrigem Gefieder, ungefähr doppelt so groß wie eine Taube.

»Schau mal – ich glaube, das ist ein Falke!«, flüsterte sie ihrer Schwester zu, die – so wie John – gerade begonnen hatte, in Karis Richtung den Hang hinunterzukraxeln. »Schnell, kannst du die Kamera holen? Oder mein Handy, das müsste auf dem Rücksitz liegen.«

»Wow, der ist echt schön«, flüsterte Alice hingerissen und wollte schon los, doch John verkündete vom Parkplatz aus: »Hab ihn schon abgelichtet.« In lässiger Pose zielte er mit seinem Tablet. War ihm klar, dass das aussah, als hielte er sich ein Frühstücksbrettchen vors Gesicht? »Das ist ein weißer Gerfalke, glaube ich. Falco rusticolus.«

Niemand kommentierte das. Alice zögerte und warf Kari einen unsicheren Blick zu.

Kari biss sich auf die Lippe und sagte »Ich geh schon« zu ihrer kleinen Schwester. Es war vielleicht albern, aber sie wollte eigene Fotos, auf der Kamera, die ihnen gehörte. Obwohl sie ja jetzt alle eine Familie waren, haha, aber das war eher zum Heulen und manchmal auch zum Kotzen. Wie können irgendwelche Fremden, die ich nicht mal mag, ganz plötzlich Teil meiner Familie sein? Kari spürte es in ihren Augen prickeln. Verdammt. Bloß nicht jetzt.

»Lasst uns mal in die Gänge kommen!«, tönte es vom Auto herüber. Das war ja klar.

»Ich schick dir die Fotos«, versprach John und Kari nickte stumm. Ungeduldig trampelte er den Hang wieder hinauf, wodurch Kari weiter unten eine Ladung schwarzes Vulkangeröll in die Schuhe bekam. Na danke!

Sie zwängten sich in den kleinen weißen Mietwagen, der mit fünf Personen und ihrem Gepäck bis zum Rand vollgestopft war.

»Vielleicht hätte ich lieber einen Wagen mit Vierradantrieb mieten sollen, aber ich wusste ja nicht, dass du so scharf auf irgendwelche Nebenstraßen bist, Susanna«, hörte sie Thorsten zu ihrer Mutter sagen, während sie auf das schmale Asphaltband abbogen, das sie hoffentlich zum Nationalpark Thingvellir bringen würde.

»Es lebe die Schotterstraße«, antwortete ihre Mam vergnügt, zog sich die Schuhe aus, legte die Füße auf dem Armaturenbrett hoch und angelte sich noch einen Keks aus der Packung.

Eine beißende Bemerkung lag Kari auf der Zunge (»Ach übrigens, Thorsten, wir haben inzwischen mitbekommen, dass du den Mietwagen spendiert hast. Du hast es ungefähr schon hunderttausend Mal erwähnt!«). Doch das zu sagen, verkniff sie sich, der Tag war schon übel genug und sie war nicht scharf auf einen Streit.

»Bald ist es Zeit für deine nachträgliche Geburtstagsüberraschung!« Ihre Mam strich ihr schulterlanges blondes Haar zurück und warf Kari im Rückspiegel einen verschmitzten Blick zu. Susanna hatte ein schmales, eckiges Gesicht und auf alten Fotos aus ihrer Zeit als Punk mit blau gefärbten Haaren, Lederjacke und Flickenjeans wirkte sie wie ein Junge. Doch Thorstens verliebten Blicken nach hätte sie ein Filmstar sein können. Das machte ihn Kari ein bisschen sympathischer.

»Ja, stimmt, die Überraschung. Irgendein Hinweis? Ein ganz kleiner?« Kari lächelte zurück und fingerte in ihrer Hosentasche an dem metallenen Feuerzeug in Drachenform herum, das ihr Mam kurz vor der Abreise zum sechzehnten Geburtstag geschenkt hatte.

»Nö!«, riefen Mam und Alice im Chor.

»Aber ihr macht mich netterweise trotzdem schon heiß darauf.« Kari tat so, als würde sie schmollen.

»Na klar. Und glaub mir, du wirst diese Überraschung mögen!« Alice strahlte sie an. Von ihr hatte Kari das neue Buch ihrer Lieblingsautorin Holly Black bekommen. Thorsten hatte vor Abflug einen Blick darauf geworfen, wie man ihn einem vergammelten Stück Käse gönnen würde. »Ah, du liest Fantasy«, hatte er nur gesagt. In dem Teil des Bücherregals, das sie für ihn in der Wohnung frei geräumt hatten, standen eine Menge Sachbücher und ein paar Romanklassiker, die sie aus der Schule kannte.

Kari hatte lieber nicht erwähnt, dass sie seit zwei Jahren sogar versuchte, einen Fantasyroman zu schreiben.

Wie schon so oft tastete sie nach dem silbernen Anhänger, den sie um den Hals trug – ein Drache mit ausgebreiteten Schwingen –, und spähte über Alices Schulter aus dem Autofenster nach draußen. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wo man hier eine Überraschung irgendeiner Art verstecken könnte. Keine Pferdeweiden mehr, leider. Die karge, von wuchtigen grünbraunen Bergen beherrschte Landschaft wirkte völlig menschenleer, nur hin und wieder sah sie weiße Tupfen: Grüppchen von Schafen. Es gab keinen einzigen Baum weit und breit, dafür verlief neben der Straße eine fette Pipeline.

»Leiten die da heißen Dampf durch?«, fragte Alice neugierig und betrachtete die strahlend weiße Wolke, die am Fuße eines nahen Berges aus dem Boden wallte.

Susanna nickte. »Ja, genau. So heizen sie praktisch das ganze Land.«

Thorsten begann einen langatmigen Vortrag über Geothermie und Karis Gedanken schweiften ab. Vielleicht bestand die Geburtstagsüberraschung darin, dass sie eins dieser Schafe scheren und sich aus der Wolle einen neuen Pulli stricken durfte.

Noch immer tat es ihr leid, dass sie den weißen Falken nicht hatte fotografieren können. Sie sah seine dunkelbraunen Augen noch genau vor sich – klug, aber rätselhaft. Hat er mich wirklich angesehen oder nur in meine Richtung geschaut? Vielleicht habe ich mir nur eingebildet, dass er mich beobachtet.

***

Wie so oft fühlte John sich hilflos. Sie findet mich schrecklich und ich kann verdammt noch mal nichts dagegen tun. Wieso habe ich nicht einfach den Mund gehalten, als mir eingefallen ist, wie diese Falkenart heißt? Das hat garantiert total besserwisserisch geklungen. Mann, ich muss mir das abgewöhnen.

Das Problem war, dass er Kari mochte. Sie wirkte so hübsch und so natürlich mit ihrer wilden blonden Mähne, ihrem Norwegerpulli und ihren frühlingsgrünen Augen. Und sie wusste nicht mal, dass sie gut aussah, war nicht wie manche aufgestylten Tussis in seiner Klasse an der neuen Schule, die an keinem Spiegel vorbeigehen konnten, ohne zu posen oder ihr Make-up zu erneuern. Außerdem schön, dass im Haus nun so viel los war, keine Spur von der drückenden Stille allein mit seinem Vater.

Ein paar Versuche würde er noch machen, mit ihr ins Gespräch zu kommen.

»Bist du eigentlich mit deinem Roman schon weitergekommen?«, fragte er.

Kari warf ihm einen düsteren Blick zu. »Nein. Ich bin immer noch im fünften Kapitel.«

Verdammt! Jetzt dachte sie sicher, er hätte das absichtlich gesagt, um es ihr reinzureiben!

»Was für ein Roman ist das denn?«, fragte sein Vater. Er unterrichtete zwar Geschichte und Sozialkunde, fühlte sich aber auch für andere Bereiche des intellektuellen Lebens zuständig.

»Ähm … es geht um eine fantastische Welt, in der Drachen den Menschen helfen«, erklärte Kari zögernd.

»Interessant. Aber du musst selbst wissen, ob du deine Zeit und deine Fähigkeiten für solche Schundliteratur hergibst«, kam prompt die Antwort vom Beifahrersitz.

John stöhnte innerlich. Peinlich ist gar kein Ausdruck für diesen Vater! Es war ein Fehler gewesen, Karis Roman zu erwähnen – jetzt würde sie denken, dass er sie damit zum Abschuss freigegeben hatte.

»Das ist doch keine Schundliteratur!«, protestierte Alice. »Es sind richtig gute Bücher.«

»Finde ich auch«, sagte Kari mit einem Anflug von Trotz. »Ach John, was macht eigentlich der Animationsfilm, von dem du mal erzählt hast?«

Touché! »Wir haben etwa im Mittelteil aufgegeben, meinen Freunden war es zu anstrengend und irgendwie war aus dem Projekt die Luft raus«, gab John zurück.

Allmählich reichte es ihm. Kari hatte schon oft genug deutlich gemacht, wie sehr es sie nervte, dass ihre Familien vor drei Monaten zusammengezogen waren. Vielleicht war es besser, wenn er aufgab und sich einfach von ihr fernhielt.

Vor dem Autofenster zog die weite, karge isländische Landschaft vorbei, doch er hatte gerade keinen Blick dafür übrig. Erst musste er ein paar Zeilen, die ihm im Kopf herumirrten, für sein neues Drehbuch notieren – es sollte auf keinen Fall das Schicksal des Animationsfilms erleiden. Rasch tippte er alles in sein Handy.

Nick Jameson spürt die Bedrohung, noch bevor er sie gesehen hat. In einer einzigen fließenden Bewegung fährt er herum, zieht seine Neun-Millimeter und richtet sie auf die unbekannte junge Frau, die plötzlich hinter ihm aufgetaucht ist.

Es fiel John schwer, sich auf seinen Agententhriller zu konzentrieren. Dieser Falke vorhin. Wie der ihn angesehen hatte – streng, ja, eindeutig abweisend. Misch dich nicht ein, hatte dieser Blick gesagt. Halt dich fern.

John verdrehte die Augen. Davon würde er garantiert niemandem erzählen, das war schlimmer als jede Klugscheißerei. Er konnte sich die Reaktion schon vorstellen. Schnell, liefern Sie ihn in die Klinik ein, er bildet sich ein, dass ihm Vögel Botschaften übermitteln!

Nein danke. Nicht heute, der Tag war schon übel genug.

INS UNBEKANNTE

image

Nein, nein, bitte jetzt kein Gruppensingen! Kari stöhnte innerlich. Wenn sie zu dritt unterwegs waren und im Radio M & F von den Ärzten lief, grölten sie sonst alle drei lauthals mit: »›Männer und Frauen sind das nackte Grauen, wenn sie sich stundenlang tief in die Augen schauen …‹«

Doch als es diesmal auf der mitgebrachten Playlist ihrer Mutter dran war, gab Kari keinen Ton von sich und auch Alice schaute gespielt gleichgültig aus dem Fenster. »Männer und Frauen …«, stimmte ihre Mam an, doch sie verstummte, als sie merkte, dass ihre Stimme die einzige war, die durchs Auto schallte. Ihr ach-sotoller Thorsten achtete sowieso nicht darauf, er klickte sich auf dem Tablet durch irgendwelche Reiseinfos. »Auf der Vorhersageseite heißt es, dass wir heute Nacht vielleicht Polarlichter bekommen«, kündigte er an und selbst John wirkte einen Moment lang aufgeregt.

»Sehr cool!«, jubelte Alice. »Das ist ganz oben auf meiner Mustsee-Liste. Geysire und Polarlichter.«

»Geysire? Es gibt nur einen in Island, der wirklich heißes Wasser aus dem Boden spuckt«, meinte Kari, um John zuvorzukommen. »Die anderen rühren sich leider nicht mehr.«

»Einer reicht ja«, meinte Alice großzügig.

Nach einer Weile führte die Straße von der Pipeline weg und wand sich in die Berge hinein. Kurz darauf fuhren sie in einen runden Talkessel, bei dem Mam kurzerhand verkündete: »Also Leute, ich halte jetzt an, das ist dermaßen fotogen.«

Ja, das war es. Eindeutig!

Kari zwängte sich aus dem Auto und blickte sich staunend um. Warmes Mittagslicht strömte über die Flanken der Berge, die das Tal umgaben wie die Außenwände einer Arena, und ließen sie in einer fast unwirklichen Farbe aufleuchten. Strahlendes Hellgrün mit einem Hauch von herbstlichem Rostrot. Wow. Bei einem solchen Anblick Schweden nachzutrauern, war eindeutig Zeitverschwendung.

Zum Glück konnte man an der Straße parken, drei Autos standen schon dort, außerdem gab es einen hölzernen Picknicktisch und eine Hinweistafel, anscheinend begann hier ein Wanderweg. Gut, dass sie das Picknick schon hinter sich hatten, denn der Tisch war besetzt. Zwei Leute, kaum älter als sie, höchstens achtzehn, saßen schon dort: ein hellblondes Mädchen in einem dicken isländischen Wollpullover und ihr gegenüber ein junger Mann, sein langes Haar pures Herbstgold bei diesem Licht. Er trug ein einfaches helles Hemd – aus Leder? –, dunkle Hosen und robuste Schuhe. Die beiden schienen sich dafür zu interessieren, wer hier gerade angekommen war.

Doch Kari beachtete sie nicht weiter, denn in diesem Moment sah sie aus dem Augenwinkel etwas Weißes vorbeihuschen. Der Falke? Ja, er schoss mit schnellen Flügelschlägen ins Tal, sie hatte das Aufblitzen seiner silberweißen Schwingen gesehen! War es derselbe wie vorhin?

Vor lauter Hast, ihn zu fotografieren, ließ Kari ihr Handy fallen. »Shit!« Es hatte einen Stein getroffen, eine Kante war eingedellt, außerdem ließ es sich nicht mehr anschalten. Alice und ihre Mam scharten sich um sie und warfen mitfühlende Blicke darauf. »Tja, nix mehr mit Telefonieren«, meinte Alice.

Kari grinste schief. »Ich wollte es eh öfter mal beiseitelegen.«

»Kann man bestimmt daheim reparieren«, versuchte ihre Mutter sie zu trösten. Und vielleicht schaffte sie das sogar, sie war handwerklich ein As, hatte mal Löten gelernt und konnte so gut mit Schraubenzieher und Akkuschrauber umgehen wie Thorsten mit dem Kochlöffel.

Der Falke hockte inzwischen auf einem einzelnen Felsen am Rand des Tals, der aussah, als hätte hier ein Troll sein Spielzeug verloren.

»Gib mir mal die Kamera, schnell«, flüsterte Kari ihrer Mutter zu.

»Damit du die auch noch kaputt machen kannst?« Alice klang skeptisch.

»Ja, genau, und jetzt geh aus dem Weg!« Kari schnappte sich die gute Kamera, zoomte den Falken heran und drückte ab. Yeah. Geht doch.

Ihre Mutter klaute sich gut gelaunt die Kamera zurück, schlenderte herum und lichtete die Hinweistafel ab, damit sie später noch wussten, wo sie gewesen waren. »Dyradalur, beim Berg Hengill«, hörte Kari John murmeln und wartete auf irgendeine schlaue Bemerkung dazu. Doch erstaunlicherweise kam keine.

Alice lief den Pfad entlang, der in eine Schlucht zwischen den Bergen hineinführte. »Wir könnten ein Stück wandern, oder?«

Die anderen setzten sich in Bewegung, doch Kari sagte: »Ist es okay, wenn ich hierbleibe?«

Alice winkte nur kurz, ohne sich umzublicken. So viel zum Thema Geschwisterliebe.

»Ja klar, kein Problem.« Ihre Mam lächelte ihr wieder zu, hatte sie eben gezwinkert oder hatte sie nur die Augen wegen der Sonne zusammengekniffen? Sie hob die Kamera und schoss ein schnelles Porträt von Kari. »Wir schauen nur mal, wie es dort weitergeht, dann kommen wir zurück. Paar Minuten, okay? Wir bleiben nicht lange, schließlich ist es bald Zeit für deine Überraschung.«

»Macht euch keinen Stress. Bis gleich.« Wieder fragte sich Kari, was ihre Familie für sie ausgeheckt hatte.

Weil ein kühler Wind aufgekommen war, zog sich Kari im Auto doch noch schnell ihren Pullover und die dunkelgrüne Windjacke über, das nutzlose Handy schob sie in ihr Gepäck. Dann warf sie ihrer Mutter den Autoschlüssel wieder zu. Kurz darauf war ihre gesamte anstrengende Patchworkfamilie in der Schlucht verschwunden, und Kari hatte das Gefühl, endlich wieder frei durchatmen zu können.

Mit langsamen, behutsamen Schritten durchquerte sie das Tal, versuchte, näher an den silberweißen Falken heranzukommen und dabei nicht über irgendeinen Lavabrocken zu stolpern.

Sie erschrak, als jemand sie ansprach.

»Gut, dass du da bist, wir haben schon eine ganze Weile auf dich gewartet.« Es war eine weibliche Stimme, melodisch und fröhlich. Schon bevor sich Kari umdrehte, wusste sie, dass sie dem hellblonden Mädchen gehörte.

Und so war es. Mit einem freundlichen Lächeln blickte die junge Frau sie an und legte die Hände mit gespreizten Fingern schräg übereinander. Vielleicht ein typisch isländischer Gruß, von dem nichts im Reiseführer gestanden hatte?

»Das tut mir leid«, gab Kari etwas verwirrt zurück.

Auch der junge Mann lächelte jetzt, während er Kari neugierig betrachtete, seine Finger formten die gleiche Geste. »Na dann los«, sagte er. »Dürfte gerade noch reichen. Ich will nicht bis morgen hier herumlungern müssen, bis das Tor wieder aufgeht.«

Seine Gefährtin verzog das Gesicht. »Die Pferde würden sich auch nicht darüber freuen.«

Pferde! Kari spürte, wie sich auf ihrem Gesicht ein begeistertes Lächeln ausbreitete.

Na also, ich habe oft genug ganz nebenbei erwähnt, dass ich unbedingt mal in Island ausreiten will, Tölt ausprobieren und so! Nein, ihre Mutter war keineswegs taub, und es sah so aus, als hätte sie eine verdammt gute Geburtstagsüberraschung arrangiert.

»Ist es hier in der Nähe?«, fragte Kari mit klopfendem Herzen.

»Allerdings«, sagte einer der beiden.

Aufgeregt überlegte Kari, ob sie noch irgendwas aus dem Auto brauchte. Nein, eigentlich hatte sie alles, ihre Reitsachen hatten sowieso daheim bleiben müssen. Jeans und Trekkingschuhe taten es ausnahmsweise auch. Prima, dann musste sie nicht darauf warten, bis Mam und die anderen zurückkamen. In ihrer Jackentasche hatte sie ein bisschen Proviant – wenn man eine halbe Tafel Schokolade so nennen konnte – und aus irgendeinem Grund die Taschenlampe, aber egal, dann kam die halt mit.

Etwas zögerlich deuteten die beiden Fremden in Richtung des Wanderweges, sie schienen zu warten, dass Kari losging. Vielleicht galt das hier als höflich.

Auch Kari zögerte. Schließlich waren diese Leute Fremde, sollte sie sie wirklich begleiten? Leyla, eine ihrer Freundinnen, hätte garantiert zu bedenken gegeben, das könnten irgendwelche Sektenfreaks sein, die Mädchen entführten. Aber Leyla war eigentlich immer misstrauisch, das nervte manchmal.

Hey, das ist meine Reittour, die lasse ich nicht sausen! Und das sind einfach die Guides, also keine Panik.

»Da entlang?«, fragte Kari zur Sicherheit, dann marschierte sie in diese Richtung. Die junge Frau blieb neben ihr und legte ein ordentliches Tempo vor, aber Kari hielt locker mit. Abhängen lasse ich mich auf keinen Fall!

Nachdem sie dem Weg ein kurzes Stück weit gefolgt waren, deuteten Karis Begleiter auf den steilen, grasbewachsenen Hang auf der linken Seite und gemeinsam kletterten sie bis zum Kamm des Hügels. Von dort aus konnten sie den gesamten Talkessel überblicken. Zielsicher bewegten sich die beiden jungen Leute auf eine schroffe, dunkelgraue Felswand zu, die dort oben aufragte.

»Kennst du das Ritual?«, fragte die junge Frau, deren Namen Kari noch nicht kannte, und Kari schüttelte neugierig den Kopf. Vielleicht gehört das hier dazu, vor jedem größeren Ritt eine alte nordische Zeremonie zu vollziehen. Witzig irgendwie. Ich lasse es auf mich zukommen.

»Es ist gar nicht schwer, überlass es einfach uns, Daro und ich kennen die richtigen Betonungen.« Ihre Begleiterin schenkte ihr ein beruhigendes Lächeln. Kari lächelte zurück – dieses Mädchen strahlte eine Wärme und Herzlichkeit aus, die ihr gefielen. Trotzdem wirkte sie irgendwie vorsichtig, distanziert, als wüsste sie noch nicht genau, was sie von Kari halten sollte.

»Sind die Elfen sauer, wenn man falsch betont?«, witzelte Kari, um die Atmosphäre aufzulockern. Die Isländerin schaffte es, keine Miene zu verziehen, als sie antwortete: »Nein, das interessiert sie nicht, sie bleiben meist bei ihrem Stein dort auf der Ebene und ärgern Reisende.«

Kari musste lachen. So musste man Witze bringen, total trocken, Alice konnte das auch schon perfekt.

»Sie fänden es eher lustig, wenn wir den Durchgang verbocken – schadenfrohe kleine Biester«, meinte der junge Mann, der anscheinend Daro hieß, und wandte sich Kari zu. »Svala und ich sprechen die Formel, du machst am besten gar nichts.« Er wirkte ernst und konzentriert. Die Art, wie die Sonne seine goldbraunen Augen leuchten ließ, ging nicht spurlos an Kari vorbei. Wow, der hätte Chancen in Hollywood. Und die Hälfte der Mädels in meiner Klasse würde sich sofort in ihn verknallen!

Zu dritt traten sie auf die Felswand zu. Kari zuckte kurz zusammen, als die Frau ihr von links die Hand auf die Schulter legte und der Mann von rechts das Gleiche tat. Ob ihre Mam und Alice jetzt hinter irgendeinem Felsen kauerten und kichernd Fotos schossen?

Svala legte die andere Hand auf den Felsen und begann zu sprechen, leise und eindringlich. Klingt wie eine Art Beschwörung. Haha, wenn ich das Ella und Leyla erzähle … ich kann fast sehen, wie Ella eine Augenbraue hochzieht wie Spock in den alten Star Trek-Filmen …

Jetzt übernahm Daro, auch er sagte ein paar Worte in einer fremden Sprache.

Kari spürte, wie ihr Kreislauf wegsackte, ganz plötzlich. Weiße Punkte tanzten vor ihren Augen, nahmen ihr einen Moment lang die Sicht. Ach du Scheiße, dabei war sie schon länger nicht mehr ohnmächtig geworden, dieser verfluchte niedrige Blutdruck! Würde sie gleich der Länge nach auf dem Gras liegend aufwachen, einen Sabberfaden im Mundwinkel, besorgte Gesichter über sich? Und das vor diesem irre gut aussehenden Typen!

Noch während Kari darüber nachdachte, wie sie möglichst schnell an ihre Kreislauftropfen herankam, verging das Gefühl.

Zum Glück war die Zeremonie nun vorbei, ihre Begleiter wirkten zufrieden und sie kletterten gemeinsam den Hang herunter. Kaum hatten sie den Pfad wieder betreten, spürte Kari, wie eine Art von Energiewelle sie durchlief, eine Welle, die sie gleichzeitig spüren und hören konnte wie einen einzelnen, sehr tiefen Ton aus den Bassboxen bei einem Rockkonzert.

»Ah, es ist wieder zu«, bemerkte Daro.

Hoffentlich kommen wir jetzt bald zu den Pferden, dachte Kari – und sah verblüfft, dass sie weiter hinten schon bereitstanden. Drei Islandpferde mit kräftigen Beinen und dichten, buschigen Mähnen, zwei Braune und ein Rappe. Sie hatten die Köpfe gehoben und die Ohren in ihre Richtung gespitzt. Wieso habe ich die vorhin nicht bemerkt? Sie stehen doch direkt neben dem Wanderpfad!

»Du kannst reiten, oder?«, fragte Svala und richtete ihr netterweise die Steigbügel eines Braunen.

»Ja, ich habe vor drei Jahren angefangen«, versicherte ihr Kari und betrachtete neugierig Zaumzeug und Sattel, die hier anders aussahen, einfacher und so, als wären sie aus gröberem Leder. »Wie lange geht denn die Tour?«

Sie hoffte, dass ihre Mutter gleich zwei oder drei Stunden gebucht hatte, für einen Halbtagesritt reichte es wohl zeitlich nicht. Schließlich mussten sie heute noch ihr Ferienhaus am Ufer des Sees mit dem komplizierten Namen beziehen. Thing-Irgendwas.

»Wir sollten es in eineinhalb Stunden schaffen, wenn wir eine ordentliche Strecke tölten«, erklärte der junge Isländer und Kari strahlte. Das Tölten hatte sie sowieso ausprobieren wollen. Gewöhnliche Pferde hatten nur drei Gangarten und Islandpferde gleich fünf, der Tölt war eine davon. »Gerne, klingt sehr cool!«, sagte sie.

»Sehr was?« Erstaunt blickte der junge Mann sie an.

Die Isländerin verdrehte die Augen. »Seit wann bist du so begriffsstutzig, Daro … natürlich gibt es dort, wo sie herkommt, andere Ausdrücke.«

Kari kam nicht dazu, sich selbst vorzustellen, sie war damit beschäftigt, ihr Pferd hinter den anderen her eine Böschung hochzulenken. Wow, diese isländischen Vierbeiner waren trittsicher! Mussten sie auch sein, Kari hatte gehört, dass sie den größten Teil des Jahres völlig frei draußen in der Herde lebten.

Seltsam, sie hatte gedacht, dass hier die asphaltierte Straße entlangführte, doch nun ritten sie auf einem Weg aus festgestampfter Erde. Aber egal, es war herrlich, durch diese Landschaft zu reiten auf einem so guten Pferd – die braune Stute reagierte auf ihre leisesten Zeichen. Und obwohl der Wind Karis Haare in alle Richtungen durcheinanderblies und durch ihre Jacke drang, war ihr vor Freude und Aufregung warm.

»Wie war es denn so, in dieser Welt aufzuwachsen? Muss seltsam gewesen sein!«

Der junge Isländer ritt dicht neben ihr, er wirkte jetzt viel entspannter. Kari fand es eigenartig, dass keiner von beiden vorausritt, sondern beide sich neben oder hinter ihr hielten. Aber vielleicht war das hier üblich.

»Na ja, nicht so furchtbar seltsam«, meinte sie. »Deutschland ist ganz okay, aber dichter bevölkert, weniger Natur als hier natürlich. Habt ihr Sommerjobs als Reitguides oder lebt ihr das ganze Jahr hier?«

»Sommerjob? Wieder so ein Ausdruck.« Daro lachte.

»So was gibt es bei uns nicht«, antwortete Svala freundlich. »Falls du noch andere Fragen hast … einfach stellen, ja? Isslar hat eine Menge Traditionen, die man vielleicht nicht auf Anhieb durchschaut. Ich weiß nicht, wie viel dir deine Eltern darüber erzählt haben.«

Isslar? Nannten die Isländer ihr Land so? »Meine Eltern waren auch noch nie hier, die wissen nicht viel mehr darüber als ich«, erklärte Kari.

»Seit drei Generationen in der Draußenwelt, weißt du nicht mehr?«, erinnerte Daro seine Begleiterin, und die nickte, ein Hauch von Rot erschien auf ihren Wangen. »Ja, stimmt. Diesmal hab ich nicht nachgedacht.«

Drei Generationen? Was sollte das heißen, »in der Draußenwelt«? Kari spürte, wie ein Kribbeln ihr das Rückgrat hinunterkroch. Irgendetwas stimmt hier nicht. Und es ist anscheinend keine versteckte Kamera im Spiel.

»Wie alt bist du eigentlich? Du hast deine … äh, Kunst, schon sehr früh gelernt, scheint mir?« Der junge Isländer wirkte, als wäre ihm bei dieser Frage ein wenig unwohl zumute, aber in seinem Blick war die Neugier deutlich zu lesen.

Seine Begleiterin warf ihm einen warnenden Blick zu, der Kari verwirrte.

»Ich bin sechzehn«, erwiderte Kari. »Was für eine ›Kunst‹ meint ihr?«

Verblüfft sah sie, dass Svala blass wurde, sich aber dennoch zu einem Lächeln zwang. »Witzige Frage, tja, ähm … kommt, wir reiten hier entlang weiter …«

Kari hatte auch die eine oder andere Frage, die sie gerne gestellt hätte – zum Beispiel, wo die beiden so gut Deutsch gelernt hatten. Doch dann überfielen sie Zweifel. Ist es überhaupt Deutsch, das wir miteinander sprechen? Nein, eigentlich nicht … aber wieso verstehe ich die beiden dann?

Ihr Gefühl, dass hier etwas nicht stimmte, verstärkte sich. Vielleicht ist es besser, ich kehre um. Aber wie soll ich den Weg zurück finden? Ich könnte sagen, ich bin müde oder mir ist schlecht – vielleicht reiten sie dann mit mir zum Tal, wo unser Auto steht, und …

»Kommt, wir tölten ein Stück, schließlich werden wir erwartet«, sagte Daro.

Erwartet? Von wem? Hoffnung flackerte in Kari auf. War sie zu misstrauisch gewesen, war das hier alles Teil der Geburtstagsüberraschung?

Bevor Kari ihre Fragen loswerden oder sich erkundigen konnte, wie Tölten überhaupt ging, nahmen ihre Begleiter die Zügel kürzer und verlagerten ihr Gewicht. Ihre Reittiere begannen gehorsam, sich in einem kurzen, schnellen Trippelschritt voranzubewegen. Zum Glück folgte Karis braune Stute ihrem Beispiel. Lustig! Wie Trab, nur bequemer, man wurde nicht durchgeschüttelt und konnte einfach ruhig sitzen bleiben.

»Schau mal, eine Herde Wildpferde«, sagte Svala und Kari war begeistert. Sechs oder sieben schwarze Pferde mit weißen Mähnen grasten ein Stück entfernt und hoben unruhig die Köpfe, als sie die Reiter näher kommen hörten. »Leider sind die unzähmbar«, fuhr Svala fort. »Schade, oder?«

Sie tölteten so lange, dass es Kari schon fast zu anstrengend wurde, und sahen unterwegs weder einen Menschen noch ein einziges Fahrzeug. Bergauf und bergab trugen ihre Pferde sie, bis die hellblonde Isländerin schließlich sagte: »Es ist nicht mehr weit. Khyona – die Hauptstadt von Isslar – ist dort hinter dem nächsten Hügel. Bist du schon aufgeregt, Cecily?«

In diesem Moment wurde Kari klar, dass sie ein Problem hatte. Sie spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. Oh nein, diese beiden Guides hätten ein anderes Mädchen abholen sollen, das wahrscheinlich zu spät angekommen war und nun frustriert und womöglich heulend in diesem Talkessel stand. Ein Mädchen namens Cecily, dessen Ritt ich ihr sozusagen geklaut habe. Ach du Scheiße!

»Ich bin nicht …«, begann Kari furchtbar verlegen, doch in diesem Moment erreichten sie ein Plateau, von dem aus sie die Gegend überblicken konnten. Vor ihnen breitete sich eine Ebene aus, in der sich ein blausilbern schimmernder See bis zum Horizont erstreckte. An seinem Ufer lag eine Stadt, wie Kari niemals zuvor eine gesehen hatte. Niedrige Gebäude aus schwarzen Steinen, zum Teil mit grasbewachsenen Dächern. Enge Gassen, eine Art von Burg, wohl ebenfalls aus Lava erbaut. Und über allem hingen Nebelschwaden, die aus der Stadt zu stammen schienen, vielleicht war es der Dampf von Heißwasserquellen.

Kein Auto in Sicht. Keine Stromleitung. Kein Handymast.

Dafür ein Dutzend gewaltige, blauschwarze Bögen, die sich kuppelförmig über den inneren Teil der Stadt wölbten und sich in langsamen seitlichen Wellen zu bewegen schienen wie in einem lautlosen Tanz. Zwischen ihnen flimmerte und vibrierte ein schwaches violettes Licht.

»Ist ja seltsam, die Sturmbögen sind wach«, meinte Svala. »Dabei haben wir doch gar keinen Schneesturm. Vielleicht kontrolliert mein Vater nur die magischen Elemente der Steuerung.«

Mit zusammengekniffenen Augen blickte Daro sich um. »Wahrscheinlich – ein Angriff kann’s auch nicht sein, für diese verdammten Eisdrachen ist es noch zu früh im Jahr.«

Kari begriff, wie tief sie in Schwierigkeiten steckte.

INKOGNITO

image

Ist wahrscheinlich nur ein Traum, dachte Kari. In Island träume ich davon, dass ich seltsame Dinge in Island erlebe, haha. Mein Hirn nimmt die Kulisse und macht einen Fantasyfilm daraus.

Aber konnte man mitten in einem Traum ahnen, dass man träumte?

Und was, wenn es kein Traum war?

Während sie über eine Schotterstraße auf die Stadt zuritten, fühlten sich Karis Gedanken immer mehr an wie ein Schwarm wütender Hornissen. Also okay, ob Traum oder nicht, diese Felswand war anscheinend ein Tor. Sie haben mich mitgenommen durch ein Tor! Es ist alles ein Missverständnis, sie werden wütend sein, wenn sie merken, dass ich die Falsche bin! Aber wenn ich es gleich jetzt sage, bevor wir in der Stadt sind, ist es vielleicht nicht so schlimm, dann können wir einfach umkehren und die andere holen …

Doch gleichzeitig fühlte sie sich so wach und lebendig wie selten. Wenn es kein Traum ist, dann gibt es hier eine Parallelwelt, o Gott, ich kann doch jetzt nicht weg, ich muss mir das ansehen, vielleicht kommt so eine Gelegenheit nie wieder …

Doch Gelegenheit hin oder her, sie musste erst einmal gestehen. Bring’s hinter dich, Kari, murmelte eine Stimme in ihr, ihr Gewissen oder ein besseres Selbst oder was auch immer. Schließlich war das nicht dein Fehler! Es wird peinlich für Svala und Daro, aber da müssen sie durch.

Doch, klar war das auch mein Fehler, widersprach Kari innerlich. Wieso bin ich einfach mit irgendwelchen Fremden mitgegangen? Dass so was keine gute Idee ist, lernt man schon im Kindergarten!

Nervös legte Kari sich erklärende Worte zurecht, während ihre Begleiter über irgendwelche Angelegenheiten der Stadt miteinander plauderten. Doch irgendein Stichwort schreckte Kari auf, brachte sie dazu, richtig zuzuhören.

»Was wetten wir, dass unser allseits beliebter Kommandant der Eiswache wieder fragt, ob uns ein Mensch durchs Tor gefolgt sein könnte?« Daro lachte.

»Vergiss es, darauf wette ich nicht«, entgegnete Svala und verzog das Gesicht. »Ich schätze, Magnus Thordar würde uns mindestens fünf Stunden lang auf einem Vulkan anketten, wenn uns so was passiert.«

»Magnus Thordar soll sich mal nicht so anstellen«, brummte Daro. »Es ist schon eine Ewigkeit her, dass jemand versehentlich von der anderen Seite durchgekommen ist. Beim Blauen Tor war das, glaube ich.«

»Besser so – ich hasse Hinrichtungen, auch wenn es nur einen Menschen aus der Draußenwelt trifft«, murmelte Svala und ließ einen Moment lang die Zügel los, um sich die windgepeitschten Haare hinten zusammenzubinden.

Die fertig zurechtgelegte Erklärung gefror Kari auf der Zunge. Nur einen Menschen … nur einen Menschen … echote es in ihrem Kopf.

Schwer zu glauben, doch anscheinend konnte jedes falsche Wort sie ab jetzt das Leben kosten. Zum Glück brachte sie sowieso gerade nichts über die Lippen, ihr Mund war völlig ausgetrocknet, und das nicht nur, weil ihre Trinkflasche im Auto geblieben war.

Wahrscheinlich träume ich doch oder ich bin gerade ohnmächtig, das hier passiert gar nicht, versuchte sie sich zu trösten, aber das funktionierte immer weniger. Es fühlte sich zu real an, wie die Schultern des Islandpferdes sich unter ihr bewegten, die Ohren des Tieres nach vorne oder hinten lauschten, der Wind ihr in den Kragen fuhr und ihr den Hals auskühlte. Überlaut gellte ihr das Geräusch der Hufe auf der Schotterstraße in den Ohren.

Sie dachte an Alice, daran, wie sie aus dieser ganzen Sache später eine lustige Geschichte machen würde. Oh verdammt, sie und Mam werden sich schon furchtbare Sorgen machen, die haben keinen Schimmer, wo ich bin! Seit fast zwei Stunden bin ich mit diesen beiden Leuten unterwegs – haben die anderen schon die Polizei gerufen? Es wird einen Riesenaufstand geben, selbst wenn ich es auf irgendeine Art heute noch schaffe, zurückzukehren!

Svala ritt dichter neben sie, blickte ihr besorgt ins Gesicht. »Alles in Ordnung? Entschuldige, ich hätte vielleicht nicht über Hinrichtungen reden sollen, aber ich dachte, du wärst abgehärtet in solchen, äh, Dingen …«

»Wieso?«, brachte Kari irgendwie heraus.

Diesmal war es Svala, die einen warnenden Blick von Daro kassierte.

Als der schöne junge Mann wieder das Wort ergriff, klang seine Stimme hart. »Offiziell weiß natürlich niemand, warum die Fürstin deine Familie nach drei Generationen Verbannung begnadigt hat und wir dich rüberholen sollten. Aber sagen wir mal so, solche Dinge sprechen sich herum.«

»Solche Dinge?« Verlegen spürte Kari, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg.

»Um es ganz deutlich zu sagen: Lass die Finger von meiner Familie! Die Reykans sind tabu. Verstanden?«

»Also ich mache mir keine Sorgen – die Fürstin würde nie dulden, dass du einen von uns umbringst, Cecily.« Svalas Stimme klang trotzig. »Sie weiß genau, dass niemand außer meiner Familie eine Ahnung davon hat, wie die Sturmbögen funktionieren. Die Akuris waren schon immer magische Ingenieure, aber das hast du vielleicht schon gewusst.«

»Ah … ja … klar«, stammelte Kari. Moment mal, was genau ist das für eine »Kunst«, die diese Cecily beherrscht? Warum redet Svala davon, dass sie jemanden umbringen könnte? Ist sie eine Killerin? War das der Grund, warum ihre beiden Begleiter es von Anfang an vermieden hatten, ihr den Rücken zuzudrehen? Wieso sie trotz aller Freundlichkeit eine Distanz zu ihr wahrten? Aber … ein Mädchen! Ein Mädchen in meinem Alter! Kann das wirklich sein?

»Mit etwas Glück wird die Fürstin sie sowieso wieder zurückschicken, wenn sie ihren Auftrag erledigt hat«, sagte Daro zu Svala, es sollte wohl beruhigend klingen.

»Weißt du’s?« Svalas Blick war wild, er streifte Kari nur kurz, scheute dann wieder vor ihr zurück. »Eine Assassinin zu haben, ist für die Fürstin nützlich, garantiert wird sie sie weiter einsetzen wollen.«

Bilder und Wortfetzen rauschten durch Karis Kopf, all das, was sie jemals über Assassinen gehört oder gelesen hatte. Ja, klar, wieso kein Mädchen? Aber dass jemand sie ernsthaft für eine Assassinin hielt, war einfach zu schräg. Sie wirkte doch so nett und harmlos, das hatte dieser süße schwedische Austauschschüler ihr mal gesagt, nur leider war es nicht als Kompliment gemeint gewesen. Aber vielleicht war es für eine Mörderin von Vorteil, wenn sie so aussah, als könne sie nicht mal eine Spinne erschlagen.

Hysterisches Lachen stieg in Karis Kehle auf, versuchte aus ihr herauszubrechen. Irgendwie schaffte sie, es umzuwandeln in eine Art Husten, der so klang, als hätte sie versehentlich zwei oder drei Fliegen verschluckt. Dieser Gedanke drehte ihr erst recht den Magen herum und einen Moment lang dachte sie darüber nach, ob sie absteigen und am Wegesrand alles auskotzen sollte. Sorgen, Abscheu und diesen riesigen, bestimmt gelbgrauen Knoten der Angst, der gerade in ihrer Kehle feststeckte.

Was für ein »Auftrag« ist das, von dem Daro gesprochen hat? Wissen sie alle schon, wen ich töten soll?

Wie es aussah, hatte sie keine Wahl. Ich muss versuchen, diese Rolle zu spielen, dachte Kari und der Knoten wuchs immer weiter, drohte sie zu ersticken. Es wäre so praktisch gewesen, wenn ich mich für die Theater-AG interessiert hätte statt für meinen Querflötenunterrricht!

Immerhin eines war gut – gelogen hatte sie immer schon ein bisschen zu viel. Weil es ihr Ärger oder Probleme ersparte, weil es nicht so unangenehm war, wie ganz klar Nein zu sagen. Weil es das war, was die Leute hören wollten, oder eine Geschichte dadurch interessanter klang. Miese Angewohnheit, aber vielleicht rettet sie mich jetzt!

Doch so viel stand fest – sie hatte nicht vor, jemanden umzubringen. Auf keinen Fall würde sie so etwas tun! Das konnte sie nicht, wer konnte so etwas schon?

Aber wenn du es tun musst, wenn dein Leben gegen ein anderes steht?, flüsterte eine kleine Stimme in ihr. Wenn du Alice und deine Mam sonst nie wiedersiehst?

Kari brachte ihr Pferd zum Stehen, ließ die Füße aus den Steigbügeln gleiten und schwang das Bein über die Kruppe ihres Pferdes. Dann stolperte sie zum Rand der Schotterstraße und übergab sich.

***

Es liegt an mir, ich bin an allem schuld, dachte John. Sie ist garantiert wegen mir gegangen. Ich bin ein Versager! Mechanisch bewegten sich seine Füße, trugen ihn den nächsten und den übernächsten Hang hinauf, suchten Halt an Grasbüscheln oder Lavaklumpen. Sie hat mich und Dad einfach nicht mehr ertragen. Hätte ich das mit ihrem Roman nur nicht erwähnt! Das war wahrscheinlich der letzte Tropfen, danach wollte sie nur noch weg.

»Kari!«, brüllte er, obwohl sich seine Kehle schon trocken und kratzig anfühlte. Der Wind trug seinen Ruf über die Hügel. Dunkle Wolken hasteten über den Himmel, das goldene Licht von vorhin war nur noch eine Erinnerung.

»Hier ist sie auch nicht, oder?« Alice rannte den Hang hoch, wollte an ihm vorbei, wandte sich noch einmal kurz zu ihm um. Aus irgendeinem Grund weinte sie nicht, stattdessen sah sie wütend aus, die Lippen zusammengepresst, die Augen entschlossen. »Wenn jemand ihr was getan hat, bringe ich ihn um!«

Sie ging ihm nur bis zum Halsansatz, aber er glaubte es ihr. »Die Polizei findet bestimmt heraus, was passiert ist«, meinte John. »Wahrscheinlich ist Kari nur zurückgetrampt nach Reykjavík oder so was.«

Der Felsen in seinem Magen fühlte sich an wie der Mount Everest. Bei der Befragung würde er jede blöde Bemerkung wiederholen und von den vielen peinlichen Fehlern erzählen müssen, die er schon in Deutschland gemacht hatte. Egal. Hauptsache, sie brachten Kari zurück!

Ohne Antwort hastete Alice weiter.

Blindlings stolperte John durch die Schlucht zurück zum Tal, wo noch immer ihr Auto stand.

Erst als er Flüche von der Hügelkuppe zu sich herabdringen hörte, hob er den Kopf. Moment mal! Ist das etwa …? Grelle, heiße Hoffnung schoss in ihm hoch und er öffnete den Mund, um zu brüllen: Hier, hier! Kari! Ich bin’s! Geh nicht wieder weg!

Die Worte verdorrten auf seiner Zunge. Nein, das war ein anderes blondes Mädchen dort oben auf dem grasbewachsenen Hang, sie sah Kari nur ähnlich. Aber wieso fluchte dieses Mädchen und schlug mit der Faust auf diese Felswand ein? War das ein isländisches Ritual, um Trolle in Schach zu halten, oder fehlten ihr ein oder zwei Tässchen im Schrank?

Jetzt hatte sie gemerkt, dass jemand sie beobachtete. Das Mädchen wandte sich zu ihm um, schaute mit einem eigenartigen Blick auf ihn herab und machte sich daran, zu ihm herunterzusteigen.

»Was hast du vorhin gerufen? Sucht ihr jemanden?«, fragte sie in perfektem Deutsch und anscheinend hatte sie sich wieder abgeregt, denn sie ließ ein Lächeln in seine Richtung aufblitzen. Das fremde Mädchen hatte ein niedliches Gesicht und eine Menge blonde Locken. Ihre dunkelgrüne Jacke war offen, darunter trug sie ein gelbes Kapuzensweatshirt mit Taschen, ihre Beine steckten in Jeans.

»Äh, ja, jemand aus unserer Gruppe hat sich irgendwie verlaufen oder so«, murmelte John und hätte am liebsten wieder seine Sonnenbrille aufgesetzt, um Schutz zu suchen vor diesem Lächeln.

Eine Hand wurde ihm entgegengestreckt. »Ich bin übrigens Cecily. Wie wär’s, wenn ich euch helfe? Je mehr Leute suchen, desto besser, oder?«

»Ja, klar«, sagte John. »Am besten, wir gehen erst mal zurück zu diesem Tal, wo wir geparkt haben, es heißt … äh …«

Er kramte in seinem Gehirn, doch den Namen dieses verdammten Tals fand er darin nicht. Fast konnte er im Kopf die entgeisterte Stimme seines Vaters hören: Aber John, es ist seit zwei Jahren nicht mehr vorgekommen, dass du eine Bezeichnung vergessen hast!

Tja. Kari war weg und alles war anders.

NOTFALL

image

Ihre Kotze bildete eine gelblich graue Pfütze auf dem Boden, angeekelt wandte Kari sich davon ab. »Nein, ich fürchte, es ist nicht alles gut«, sagte sie, sobald sie sich wieder fähig fühlte, die Fragen ihrer beiden Begleiter zu beantworten. »Ich glaube, wir sollten umkehren.«

Sie musste wieder zurück, und zwar bevor sie diese Stadt erreichten! Vielleicht war es noch nicht zu spät!

»Umkehren?« Zwei entsetzte Blicke. »Wieso denn das?«

Kari war sicher, dass sie sehr blass aussah, und ihr ganzer Körper zitterte unkontrolliert. Bestimmt war das Svala und Daro nicht entgangen und vielleicht war das ihre letzte Chance. »Es kann sein … dass ich mir eine dieser Draußenwelt-Krankheiten eingefangen habe. Sie heißt …« Denk nach, verdammt, denk nach! »… Fluvitis, glaube ich. Wäre vielleicht besser, ihr bringt mich wieder durchs Tor, auf der anderen Seite könnte ich mir Medikamente dagegen besorgen.«

Doch als sie Daros Gesichtsausdruck sah, wusste sie, dass sie verloren hatte. »Das Grüne Tor ist nur offen, wenn die Sonne am höchsten steht, also erst morgen wieder. Und die Fürstin erwartet dich noch an diesem Abend in der Schwarzen Burg. Falls du stehen kannst, wirst du dort sein. Und falls nicht, dann auch, wir besorgen dir eine Tragbahre.«

»Verstehe.« Ihre Beine fühlten sich an, als würden sie gleich unter ihr nachgeben, doch irgendwie schaffte Kari es wieder auf den Rücken ihres Pferdes. Zum Glück waren Islandpferde nicht groß. »Aber diese Fluvitis …«

»Falls du allerdings ansteckend sein solltest, wirst du den Winter vermutlich in Quarantäne irgendwo in der Unterstadt von Khyona verbringen. Ich fürchte, das wird nicht sehr angenehm.«

»Kann ich mir denken«, sagte Kari rasch. »Nein, ich glaube nicht, dass Fluvitis ansteckend ist.«

»Gut!« Svala wirkte erleichtert. »Wir hatten vor ein paar Jahren eine Epidemie der Froschpocken, sehr übel, das hat mir gereicht. Besser, du erwähnst der Fürstin gegenüber nicht, dass du krank bist.«

Daro wirkte besorgt. »Denk daran, vor ihr das Knie zu beugen, ihr nie direkt in die Augen zu blicken, außer sie fordert dich dazu auf, und keine Ausdrücke zu verwenden, die sie nicht kennt. Und besser ist auch, wenn sie dich nicht in dieser Kleidung sieht, die ist wirklich unpassend. Sie legt großen Wert auf ein makelloses Äußeres.«

Kari hatte nicht mehr die Kraft, etwas darauf zu erwidern. Ich bin weder eine Mörderin noch ein verdammtes Model!, ging es ihr durch den Kopf.

Kurz darauf hatten sie die Außenbezirke dieser Stadt namens Khyona erreicht und die Hufe ihrer Pferde klapperten über Pflastersteine. Die Straße war etwa so breit wie eine Landstraße, und Pferdefuhrwerke, einzelne Reiter und Fußgänger waren darauf unterwegs. Ein Karren kam dem Geruch nach von der Küste und hatte, wie Kari sah, Fisch geladen, auf anderen türmten sich Ballen von Heu oder Fässer. Schmale Gassen führten von der Straße rechts und links ab in andere Bereiche der Stadt.

Am Stadtrand hatte Kari viele Häuser gesehen, die aus Lehm oder Grassoden gebaut waren und auf deren Dächern langes, gelblich braunes Gras wuchs. Doch je weiter sie in die Stadt hineinritten, desto mehr Gebäude waren aus Stein mit kleinen, hölzernen Fenstern, viele Dächer waren mit Schieferplatten oder etwas Ähnlichem gedeckt.

Doch noch interessanter fand Kari die Männer, Frauen und Kinder, die irgendwohin unterwegs waren, am Straßenrand um Waren feilschten oder Wolle kämmten. Sie waren in grobe Wolle oder Leder gekleidet, hatten feste Stiefel und trugen ihr Haar lang – Friseure machten hier anscheinend keine guten Geschäfte. Manche erwiderten Karis Blicke, neugierig ließen die Leute ihre Arbeit sinken, um sie zu beobachten. Bei manchen von ihnen erkannte Kari Kerben im rechten oder linken Ohrläppchen. Sieht aus wie eine Kennzeichnung oder so was.

Kari sah, dass an beiden Seiten der Straße Kanäle verliefen – in einem strömte dampfendes, anscheinend heißes Wasser. Gerade schöpfte eine Frau in einem knöchellangen Kleid einen Eimer voll heraus und trug es heim. Ein paar Häuser weiter schüttete ein Junge in einer zerlumpten Tunika einen Eimer mit Dreckwasser in den Kanal auf der anderen Seite.

Es roch nach roh gegerbtem Leder, Pferdemist und Fisch. Woher der Fischgeruch stammte, sah Kari, als sie auf einer Art Wäscheleine in einem Hinterhof bräunliche Stücke sah, die im Wind pendelten. Ein magerer Hund sprang danach und wurde mit einem Fluch verscheucht.

Nun näherten sie sich der Innenstadt, in der die Schwarze Burg aufragte. Die tanzenden Sturmbögen bildeten eine riesige, silbrig violett schimmernde Kuppel darüber, die nicht nur die Burg schützte, sondern auch das gesamte Stadtviertel darum herum. Kari fühlte, wie ihr Atem sich beschleunigte. Einen Moment lang verdrängte ein neuer Gedanke ihre Sorgen. Was wird eigentlich passieren, wenn wir dieses violette Schimmern berühren?

Svala runzelte die Stirn und stoppte ihr Pferd. »Hoffentlich ist der Test bald abgeschlossen, vorher können wir nicht durch und in die Oberstadt.«

Sie hob die Hand, um irgendjemandem auf der anderen Seite etwas zu signalisieren, doch es nützte nichts, die gewaltigen Bögen führten ihren Tanz fort und das violette Licht schimmerte zwischen ihnen. Stattdessen stieß Daro einen Fluch aus und versuchte, sein tänzelndes Pferd zu bändigen. »Sigurds Rache, das ist kein Test!«

Auch Kari merkte, dass ihr Pferd unruhig wurde, es schnaubte, wollte zurückweichen. Erschrocken blickte sie sich um – und sah etwas, das sie einfach nicht glauben konnte: drei riesige, klobige Gestalten mit felsengrauen Gesichtern und Fäusten, so groß wie Ambosse. Sie drängten sich durch eine Gasse von links auf sie zu, zertrampelten ein paar Kisten mit Kürbissen, die ihnen im Weg standen, und rammten mit der Schulter eins der Häuser. Faustgroße Steine regneten herab. Waren das Trolle? Anscheinend! Und sie liefen genau in ihre Richtung.

Das Problem war, dass sie nicht ausweichen konnten. Vor ihnen leuchtete das giftig violette Licht der Abschirmung und mit einem pfeifenden Zischen tanzten dort die Metallsäulen, bereit, alles in ihrem Weg zu zermalmen. Neben ihnen waren Häuser. Auch die Straße, über die sie in die Stadt gekommen waren, taugte nicht wirklich als Ausweg. Ein mit Fässern beladener Karren versperrte den Weg, der Kutscher hatte wohl den Karren im Stich gelassen. Er war bereits irgendwohin geflüchtet.

»Abwehrmanöver, jetzt!«, rief Svala Kari zu.

Oh, toll – wie zum Teufel geht das?, fragte sich Kari, und es half nicht, dass ihre braune Stute ängstlich stieg und sie alle Mühe hatte, nicht abgeworfen zu werden. Zu allem Überfluss waren ihr auch noch die Füße aus den Steigbügeln gerutscht. Sie klammerte sich mit den Beinen fest und krallte eine Hand an die Vorderseite des Sattels. Nein, das hier konnte kein Traum sein, das alles war ECHT! Leider.

Sobald ihre Stute sich wieder etwas abgeregt hatte, versuchte Kari, sie seitlich an dem Karren vorbeizulenken. Doch die davorgespannten Pferde versuchten, panisch zu fliehen mit dem Erfolg, dass der Karren zur Seite gezogen wurde und quer stand. Keine Lücke mehr da.

Währenddessen hatten Svala und Daro irgendwelche Dinge, die Kari für Steine gehalten hatte, von ihren Gürteln genommen und in violette Lichtkugeln verwandelt. Schwungvoll schleuderten sie die Kugeln auf die Trolle. Einer von ihnen wurde am Arm getroffen und grunzte empört auf, weil dieser Arm sich anscheinend nicht mehr bewegen ließ und nutzlos herabhing. Versteinert! War es das Licht, das so etwas bewirkte? Ein paar Stücke brachen von dem Arm ab, als der Troll ihn versehentlich gegen einen Hauserker stieß.

Ein anderer Troll verzog den Mund zu einer hässlichen Grimasse und polterte hinüber zu dem Wagen mit den Fässern. Mit der Faust schlug er ein Loch in eines hinein und hielt den Mund unter die herausströmende Flüssigkeit. Doch sie schien ihm nicht zu schmecken, denn er spuckte angewidert aus – der Batzen blieb an einer Hauswand kleben wie ein durchsichtiger Kuhfladen – und warf das Fass beiseite. Splitter flogen umher.

Svala erwischte den Troll mit einer Lichtkugel an der Stirn, grell leuchtete sie auf, als sie an seiner Haut zerplatzte. Er verharrte schielend auf der Stelle und rührte sich nicht mehr. Dafür kam sein einarmiger Kumpan ihm zu Hilfe und warf ein Fass nach Svala. Was diese nicht sah, weil sie sich gerade nach Daro umgewandt hatte.

»Achtung!«, brüllte Kari und Svala duckte sich. Das Fass segelte über sie hinweg, zerschellte auf der Straße und hinterließ eine dunkle Lache.

Daro lenkte sein Pferd hinter den dritten Troll und ließ es mit beiden Hufen nach hinten auskeilen. Das Geschöpf wankte unter dem Doppelschlag und wäre beinahe gestürzt, doch dann fand es sein Gleichgewicht wieder, drehte sich grollend um und schwang die Fäuste. Beinahe hätte Kari aufgeschrien. Daro schafft es nicht, rechtzeitig auszuweichen! Ich muss ihm helfen, irgendwie!

Kari versuchte, ihr Pferd in Richtung des Trolls zu treiben, um das Geschöpf abzulenken, doch die Stute stemmte trotzig alle vier Beine gegen den Boden. Zum Glück hatte Daro sein Pferd im letzten Moment dazu gebracht, zur Seite zu springen – der Schlag des Trolls hinterließ nur ein tiefes Loch in einem Gebäude. Kari war beeindruckt. Wow, er sieht nicht nur perfekt aus, er kann auch verdammt gut reiten.

Einen Moment lang dachte sie, dass der Troll Daro verfolgen würde, doch das Wesen lief nur ein oder zwei Schritte – dann witterte es und griff durch das Loch, das es geschlagen hatte. Kari fiel auf, dass die Umgebung plötzlich nach Backwaren roch. Schon zog der Troll die Pranke wieder hervor und warf sich die Beute – drei Brote – in den Schlund. Er hatte nicht viel Zeit, sie zu genießen, denn Svala pfefferte ihm von hinten eine Lichtbombe gegen den Schädel. Der Troll kippte vornüber, ein Brot ragte ihm noch zwischen den moosbewachsenen Zähnen hervor.

Und all das keinen Meter von Kari entfernt. Das gab ihrer Stute den Rest, sie buckelte wild. Kari spürte, wie sie den Halt verlor und durch die Luft segelte. Scheiße! Auf Steinpflaster!, flirrte es Kari durch den Kopf, dann landete sie mit einem gewaltigen Aufklatschen in einem der Kanäle, die entlang der Straße verliefen. Heißes, nach Schwefel riechendes Wasser durchtränkte ihren Pullover und ihre Hose, überflutete ihr Gesicht und tropfte aus ihren Haaren. Zum Glück war’s nicht der andere Kanal.

Als Kari versuchte, sich aufzurichten, fasste sie in eine klebrige braune Flüssigkeit und schrammte sich die Hand am Bruchstück eines Fasses auf. Auch das noch! Sie spürte, wie Tränen der Wut und des Selbstmitleids aus ihren Augen drängten.

Aber zum Heulen war keine Zeit. Der letzte noch aufrecht stehende Troll – der einarmige – stapfte auf Kari zu. Seine gelben Augen starrten wütend unter dicken Brauen hervor, fixierten sie. Auf allen vieren versuchte Kari, aus seinem Weg zu kriechen, doch der Troll änderte die Richtung – er wollte eindeutig zu ihr. Will der mich plattmachen, oder was? Und wieso schmeißen Svala und Daro keine Kugeln mehr nach ihm?

Weil sie anscheinend keine mehr hatten. Wütend bombardierten sie den Troll von hinten mit allem, was sie zu fassen bekamen, doch das nützte nichts.

Da sah Kari sie, die violette Leuchtkugel. Sie war nicht explodiert, sondern auf dem Boden entlanggerollt und glühte nun in sanftem Lavendellicht zwei oder drei Meter von ihr entfernt. Die muss ich kriegen!, dachte Kari verzweifelt, versuchte noch einmal aufzustehen, stolperte ein paar Schritte weiter, warf sich auf die Kugel … und stieß sie versehentlich mit den Fingerspitzen an. Ganz gemächlich rollte die Kugel davon, plumpste in den Abwasserkanal und wurde davongespült.

Unter den Schritten des Trolls vibrierte der Boden. Er war schon so nah, dass Kari ihn riechen konnte, Steinstaub und Verwesung. So nah, dass er die Sonne verdunkelt hätte, wenn sie hinter den Wolken zu erkennen gewesen wäre.

Die Taschenlampe! Kari wälzte sich herum, versuchte, die Hand in die Tasche zu rammen, verhedderte sich im Stoff, schaffte es. Sie riss die LED-Lampe heraus – zum Glück wasserdicht – und strahlte dem Troll damit direkt in die Augen. Grollend riss er die Pranken vors Gesicht, vor seine Augen, die auf einmal grau wie Stein geworden waren. Dann taumelte er orientierungslos herum … genau auf die Sturmbögen zu.

Kari hielt den Atem an.

Kaum hatte der Troll das violette Licht berührt, zischte es und es stank nach verkohlten Haaren. Einen Lidschlag später traf zudem eine der wirbelnden Metallsäulen das Wesen und zermalmte ihn. Zurück blieb von ihm nur ein rauchendes Häuflein Geröll.

Auf einen Schlag verließ Kari sämtliche Kraft. Erschöpft ließ sie sich wieder auf den Bauch fallen.

Zwei makellos polierte Stiefel aus einem schuppigen, bläulich weißen Leder erschienen in ihrem Blickfeld. Dahinter kamen weitere Stiefelpaare, graue diesmal, eine ganze Menge davon.

»Was geht hier vor?«, fragte eine kühle männliche Stimme. Kari hob den Kopf und sah, dass die Stiefel in eng anliegende graue Hosen mündeten und dann in eine Art Waffenrock, wieder aus weißem Schuppenleder. Hoch darüber ein bärtiges Gesicht, das missbilligend auf Kari herabblickte.

»Drei marodierende Trolle, Leutnant. Aber wie Ihr seht, haben wir die Situation im Griff.« Svalas Stimme klang ruhig und ein wenig herablassend, wie schaffte sie das nur?

»Ah … und wer ist das hier?« Eine zweite Stimme, tief und ein wenig rau, aber unverkennbar weiblich.

»Exzellenz!« Svala ließ sich vom Pferd gleiten, verbeugte sich und legte die gespreizten Finger übereinander, Daro folgte ihrem Beispiel Momente später. Großer Gott, das musste die Fürstin sein!

Kari versuchte, irgendwie auf die Füße zu kommen, rutschte in einer klebrigen Lache aus und landete wieder auf den Pflastersteinen. Mit eisernem Griff packte Daro sie am Oberarm und zog sie in eine kniende Haltung. »Aua! Aber danke«, flüsterte Kari und rieb sich den Arm, den morgen wahrscheinlich ein riesiger blauer Fleck zieren würde.

»Also?«, wiederholte die Stimme.

»Nun ja … das ist Euer Ehrengast, Fürstin Lakana.«

Tropfend zwang sich Kari zu dem unechtesten Lächeln ihres Lebens.

AUF DEN KNIEN

image

Svala zerrte sie förmlich voran, Kari spürte, wie nervös sie war. »Na wunderbar, dieser erste Eindruck ist nicht mehr zu schlagen. Aber wenn wir jetzt schnell sind, können wir vielleicht noch verhindern, dass sie wegen der Sache ein oder zwei Leute auspeitschen lässt.«

Erschrocken blickte Kari sie an. »Aber nicht dich und Daro, oder? Weil ihr für mich verantwortlich seid oder so was?«

»Normalerweise hält sie sich zurück bei den Mitgliedern der Fünf Familien«, murmelte Svala, doch es klang, als versuche sie, sich selbst Mut zuzusprechen. »Keine Sorge, Daro bringt nur die Pferde weg. Und bisher hat er es sowieso geschafft, sich aus jedem Ärger rauszuquatschen.«

Trotz der Eile versuchte Kari, sich umzusehen und möglichst wenig zu verpassen. Ein gedrungenes braunes Geschöpf, kaum so hoch wie ein Blumentopf, mit Ohren wie vertrocknete Wurzeln, huschte durch die Gasse und drückte sich in eine Nische, als Svala und sie vorbeistürmten. War das ein Gnom? Und hieß das, es gab hier auch Elfen?

Aus einer Tür duftete es nach Fleischsuppe mit Thymian, aus einer anderen drang ein muffiger Geruch nach Schafdung. Auf einer der rauen Holztüren, an denen sie vorbeikamen, prangte eine rote Schneeflocke. »Was bedeutet die?«

Svala wandte schnell den Blick ab. »Willst du nicht wissen. Schnell jetzt!«

Sie erreichten ein zweistöckiges Steinhaus in der Nähe der Burg. Bevor Kari es sich versah, hatte die junge Frau sie schon in einen Raum gezerrt, in dem ein dampfendes Fass Wasser und ein Stapel Kleidung auf sie warteten. Mit fliegenden Fingern half Svala ihr, sich zu säubern und umzuziehen, assistiert von mehreren Dienerinnen und – wie peinlich! – auch Dienern, die alle so hektisch wirkten wie Erstklässler bei einem Feueralarm. Verlegen betrachtete Kari sich im Spiegel. Irgendwie witzig. Fasching trifft Mittelalterfestival. Jetzt trug sie eine Art dunkelgrüne Tunika, die mit schwarzen und silbernen Stickereien dekoriert war, dazu enge dunkle Hosen und Stiefel aus weichem Leder.

»So, eine Sache fehlt noch«, verkündete Svala und warf ihr einen schwarzen Umhang um die Schultern. Er roch ein klein wenig nach Schaf. »Los, wir gehen!«

Die Schwarze Burg war zwar tatsächlich aus schwarzem Stein erbaut, anscheinend Lava, doch komplizierte Muster aus verschiedenfarbigen Steinen durchzogen die Wände. Kari war so nervös, dass sie nur einen kurzen Blick dafür übrig hatte. Mehrere mit Kurzschwertern und Dolchen bewaffnete Wachen geleiteten sie und Svala in den Thronsaal im Erdgeschoss, durch schwere, aus einem grauen, alten Holz geschnitzte Türen in einen Raum mit kuppelförmiger Decke, Wandteppichen und Fenstern, so klein wie Schießscharten.

Wortlos zeigte ihr Svala, wie sie knien sollte – in einer Art Hocke, ein Knie auf den Boden gestützt, den Kopf gebeugt –, dann flüsterte sie: »Ich muss jetzt gehen. Die Gnädige Elin beschütze dich.«

Svala war keine besonders gute Lügnerin. Wahrscheinlich wünschte sie Kari in Wirklichkeit die Pest an den Hals. Wer wollte schon eine Assassinin in seiner Stadt?

Die Wachen zogen sich neben die Tür zurück, dann war es still. Bis Kari Schritte hörte. Mühsame Schritte. Die Fürstin! Sie hatte vorhin nur einen kurzen Blick auf sie erhaschen können, bevor Svala und Daro sie weggezerrt hatten.

»Du kannst dich erheben«, hörte Kari und wagte es, die Gestalt vor sich zu mustern. Das ist also die Frau, von der mein weiteres Schicksal abhängt.

Fürstin Lakana war hochgewachsen und hatte die schmale, sehnige Statur einer alternden Ballerina. Noch immer waren ihre Bewegungen elegant, doch ihr Gesicht erinnerte Kari mit seinen eingefallenen Zügen an einen Totenkopf, die Knochen waren unter der pergamentartigen Haut deutlich zu erkennen. Irgendeine Dienerin musste Blut und Wasser geschwitzt haben, um ihre wenigen verbliebenen, dünnen Haare hochzutoupieren. Trotzdem wirkte das Ergebnis wie die Karikatur einer edlen Frisur. Dafür stand ihr das an den Ärmeln aufwendig bestickte schwarze Seidenkleid mit dem hohen Kragen gut.

Sieh ihr nicht in die Augen, erinnerte sich Kari und senkte den Blick – einen Moment zu spät.

»Du betrachtest mich, du fragst dich, wie alt ich bin.« Die Stimme der Fürstin klang schneidend.

Kari zuckte zusammen, ihr fiel keine Antwort ein.

»Besser, du versuchst nicht zu raten; es ist eine Krankheit, die mich so zugerichtet hat.« Mit zornblitzenden Augen humpelte die Fürstin dieses Landes, das anscheinend Isslar hieß, auf sie zu. »Eine Krankheit ohne Gnade … und genau aus diesem Grund brauche ich dich.«

»Ich bin keine Ärztin«, wandte Kari ein.

Ein heiseres Lachen brach aus Fürstin Lakana heraus. »Das weiß ich, oh ja, das weiß ich sehr gut! Du bist das genaue Gegenteil einer Ärztin, meine Liebe, und ebendas macht dich so nützlich für mich.«

Obwohl es kühl im Saal war, spürte Kari, dass ihr unter der Tunika der Schweiß herunterlief. Unfassbar – diese Cecily ist wirklich eine Killerin, die man anheuert, wenn man jemanden aus dem Weg räumen will!

Sie zuckte zum zweiten Mal zusammen, als etwas Weißes pfeilschnell durch den Saal schoss und sich auf einem unbehauenen Felsen neben dem Thron niederließ. He, Moment mal! Kari starrte den silberweißen Falken halb fasziniert, halb feindselig an. Dieses Vieh hat mich wirklich beobachtet! Was ist seine Aufgabe hier?

Der Falke starrte aus unergründlichen Augen zurück.

Mit einer Handbewegung schickte Lakana die Wachen aus dem Raum, sodass sie nun allein waren – außer man rechnete den Vogel dazu. Dann deutete die Fürstin auf zwei Stühle, in deren Lehne ein Greifvogel mit ausgestreckten Schwingen geschnitzt war. Gehorsam setzte sich Kari. »Erzähl mir ein wenig über dich … wie hast du deine Kunst gelernt? Wie viele Leute hast du bereits zu ihren Göttern geschickt?«

Kari atmete tief durch. Am liebsten hätte sie jetzt gleich gestanden, alles zugegeben … aber das ging nicht, wenn sie Wert auf ihr Leben legte. O Gott, zitterten ihre Hände etwa schon wieder? Jetzt reiß dich zusammen, du musst hier deinen Hintern retten! Sieh es als eine Art Rollenspiel. Du bist jetzt nicht mehr das nette, ziemlich durchschnittliche Mädchen, das von allem hier völlig eingeschüchtert ist. Du hast schon Leute umgebracht und hast Spaß daran.

Unwillkürlich straffte Kari die Schultern, und erleichtert spürte sie, wie ein Teil ihrer Selbstsicherheit zurückkehrte. »Niemand hat mich unterrichtet, ich habe mir das meiste selbst beigebracht«, sagte sie. »Aber es gibt durchaus Bücher über Gifte und … andere Techniken. Drei oder vier Leute, die mir oder meiner Familie hinderlich waren, haben es mit dem Leben bezahlt.« Unglaublich, sie schaffte sogar ein Lächeln. Es passte zu ihrer Rolle. Wer Macht über Leben oder Tod hatte, konnte sich erlauben, frech aufzutreten.

Mit etwas, das wohl ein zufriedenes Lächeln sein sollte, aber eher wie eine Grimasse aussah, lehnte sich die Fürstin nach vorne. Ihre mageren Krallenhände umschlossen die Stuhllehnen. »Und niemand hat etwas gemerkt?«

»Natürlich nicht. So plump habe ich mich nicht angestellt.« Allmählich fühlte sich Kari sicherer in dieser Rolle. »Außerdem hinterlasse ich keine Spuren.« Wie viele Krimis hatte sie schon gelesen oder gesehen? Daraus hatte sie garantiert irgendwas mitgenommen, ob Klischee oder nicht, hier wusste sowieso keiner, was ein Klischee war!

Es schien die richtige Antwort gewesen zu sein, die Fürstin nickte. »Nur dass du eins richtig verstehst, Mädchen … wie nennst du dich in der Menschenwelt? Cecily Lindström, nicht wahr?«

Kari nickte und die Fürstin blickte verächtlich drein. »Das ist kein Name, das ist eine Zumutung. In welcher Mondphase bist du geboren?«

Das brachte Kari kurz aus dem Konzept. »Äh, um Mitternacht … ja, ich weiß, die Zeit ist nicht wichtig … ich glaube, es war Vollmond, aber ich bin mir nicht …«

»Vollmond! Ein gutes Omen, was auch immer das bedeuten mag. Nun ja, einerlei, jedenfalls ist dein Name von nun an Cecily Thalim. Was schaust du so seltsam drein? Alle Menschen hier haben einen Nachnamen, der sich auf die Mondphase ihrer Geburt bezieht. Wer zu einer der Fünf Familien gehört, darf zusätzlich noch den Familiennamen führen. Doch deine Verwandten entstammen nun mal dem gewöhnlichen Volk. Pech für dich.« Die Fürstin legte die Fingerspitzen gegeneinander und betrachtete Kari aus durchdringenden dunklen Augen. »Also, was ich sagen wollte – es darf nicht wie ein Unfall aussehen.«

»Nicht?« Kari schaffte ein verzerrtes Lächeln. Was genau will sie, ein richtig fettes Blutbad als Abschreckung für alle, die sich nicht benehmen können? Wie soll ich das machen, kann ich so was überhaupt? Garantiert nicht!

»Es soll nicht so aussehen wie ein Unfall, es muss ein Unfall sein. Das ist sehr, sehr wichtig.«

»In Ordnung«, sagte Kari und versuchte, sich ihre Verwirrung nicht anmerken zu lassen. Ich muss Zeit gewinnen! Dann kann ich herausfinden, wie man durch dieses verdammte Tor kommt, und abhauen, bevor es hier richtig ernst wird! »Aber das dauert natürlich länger, Sie verstehen? Ich muss erst Gelegenheiten auskundschaften.« Zu spät wurde Kari klar, dass das vielleicht zu dreist geklungen hatte … und sie der Fürstin nicht nur einmal in die Augen geblickt hatte, sondern sogar schon mehrmals.

Langsam, sehr langsam stand die Fürstin auf. Als sie wieder sprach, lag eisige Schärfe in ihrer Stimme. »Du wirst mich in Zukunft mit Ihre Exzellenz und Ihr anreden, wie es sich geziemt. Und glaube bloß nicht, du seist unentbehrlich.«

Ein unangenehmes Kribbeln durchlief Kari. »Ja«, sagte sie einfach. »Entschuldigt, Exzellenz. Ich muss noch wissen, wer überhaupt mein … Ziel ist.«

Fürstin Lakana betrachtete eingehend einen Wandteppich. »Eine junge Magierin namens Maéva Thalim Fjellkar, sie berät meine Tochter. Sie ist eine sehr gute Beraterin, ja, das ist sie. Ihr Heim ist in der Oberstadt, im Fossvegur 15. Mach dich in den nächsten Tagen vertraut mit ihrem Aussehen und ihren Gewohnheiten. Aber zögere nicht zu lange, wenn du eine Gelegenheit siehst.«

Kari spürte, wie ihr Entsetzen zurückkehrte, doppelt so stark wie zuvor. Eine junge Frau und dazu noch eine Magierin? Was soll das heißen? Hat sie Zauberkräfte? In was verwandelt sie mich, wenn sie merkt, was mein Auftrag ist? Wieso heißt sie Thalim, genau wie ich? Sie muss in derselben Mondphase geboren worden sein.

Weitere Fragen waren offensichtlich unerwünscht. Ein Diener betrat den Saal und brachte ihr ein Lederbeutelchen, in dem es klimperte, einen gebogenen Dolch mit milchweißer Klinge und ein Pergamentbuch, in dem es anscheinend um Kräuter und deren Wirkung ging.

Wortlos nahm Kari die Gegenstände und verbeugte sich. Wider Willen spürte sie, wie sie neugierig wurde. Was hatte diese Maéva getan? Warum in aller Welt sollte sie sterben?

Vielleicht war es das Erste, was sie herausfinden musste, wenn sie selbst am Leben bleiben wollte.

***

John hätte auf einer Skala einzeichnen können, wie der Paniklevel von Karis Mutter Susanna in der letzten Stunde gestiegen war. Inzwischen war er im roten Bereich. Besonders nachdem sie von einem Typen am anderen Ende der Notrufnummer erfahren hatte, dass nicht wie erwartet sämtliche Polizisten von Reykjavík zu ihnen ausrücken würden.

»Die haben gesagt, es kommt überhaupt kein Polizist!« Blass und völlig aufgelöst saß Susanna Schneider auf der Picknickbank, Johns Vater hielt mit beunruhigtem Blick ihre Hand. Zum Glück machte er wenigstens keine Bemerkung darüber, dass Susanna die Polizei eigentlich nicht mochte, seit sie in ihrer Jugend auf einer Demo mal zusammengeschlagen worden war.

»Heißt das, wir sollen einfach warten, bis Kari von selbst wieder auftaucht?«, meinte John.

Auch Alice sah ratlos aus. »Wieso das?«, fragte sie. »Sind denn alle auf dieser Insel gerade mit irgendeinem Attentat, Massenmord oder so was beschäftigt?«

»Alice.« Susanna seufzte.

»Wieso, kann doch sein.« Alice zuckte die schmalen Schultern, auch sie war förmlich zusammengesackt in der letzten Stunde und wahrscheinlich erschöpft von der vergeblichen Suche. John schenkte ihr einen kurzen Seitenblick. Sollte ich versuchen, sie zu trösten? Aber wie? Und wenn sie mitbekommt, dass Kari vermutlich wegen mir abgehauen ist, zieht sie mir die Fingernägel durchs Gesicht wie Catwoman.

»Außerdem hat der Mann, den ich in der Leitung hatte, so schlecht Englisch gesprochen, dass ich ihn kaum verstanden habe«, sagte Susanna. Sie klang elend.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Khyona (1). Im Bann des Silberfalken" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen