Logo weiterlesen.de
Komm zu mir nach Italien

image

1. KAPITEL

Eve sah ihn auf der anderen Seite des Raums, und die Welt blieb stehen. Es war wie im Kino, wenn man sich der Fantasie überließ und die reale Welt verblasste. So etwas war ihr noch nie geschehen.

Wow! Wie aufregend. Als ihr Blick quer durch den Raum auf diesen Mann fiel und in ungläubigem Staunen hängen blieb, spürte sie instinktiv, dass er „der Richtige“ war. Aber natürlich war das nur Einbildung – wie sollte man plötzlich wissen, dass ein völlig Fremder, der Mann war, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen wollte?

Allerdings war dieser Mann kein völlig Fremder. Oder war auch das nur Einbildung? Es war schließlich schon sehr lange her.

Sie senkte schnell die Augen, bevor sie verstohlen einen weiteren Blick riskierte. Jetzt hatte er sich umgedreht, und obwohl es ihr einen Stich versetzte, dass er ihre Faszination offensichtlich nicht teilte, hatte sie dadurch jedoch die Gelegenheit, ihn ungeniert zu beobachten.

Sie war sich ziemlich sicher, dass es sich um Luca handelte. Auf jeden Fall war er Italiener, das war offensichtlich. Pechschwarzes Haar umrahmte den Kopf, den er stolz erhoben hielt. Sie studierte die intelligenten schwarzen Augen, die römische Nase und den herrischen Mund. Er war auffallend und von Natur aus sexy. In einem Raum voller reicher und erfolgreicher Männer stach er heraus wie ein schöner Exot – seine olivfarbene Haut schimmerte seidig, sein Körper war straff und muskulös. Er sah aus wie ein Mann, der es gewohnt war zu befehlen – ein hochmütiger Aristokrat aus einer anderen Zeit, doch im Grunde seines Wesens ein ganz moderner Mann.

Obwohl Eve Übung darin hatte, Menschen schnell einzuschätzen, hätte sie ihren Blick am liebsten den ganzen Abend auf ihm verweilen lassen. Seine Kleidung trug er mit eleganter Lässigkeit. Darunter erahnte man seinen durchtrainierten, muskulösen Körper. Er stand ganz still, und doch konnte er eine unterschwellige Dynamik nicht verbergen, mit der er jeden anderen Mann im Raum in den Schatten stellte.

Jetzt hatte er seinen Kopf leicht gebeugt, um einer winzigen blonden Person im Glitzerkleid zu lauschen, die mit einem Enthusiasmus auf ihn einredete, der Eve klarmachte, dass nicht nur sie die Faszination seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit bemerkt hatte. Das sollte sie eigentlich nicht überraschen. Eine Frau müsste aus Stein sein, um nicht auf diese geballte Ladung Sinnlichkeit zu reagieren.

„Eve?“

Aus ihren Träumereien gerissen, wandte Eve den Kopf und sah, dass ihr Gastgeber mit einer Champagnerflasche neben ihr stand und ihr leeres Glas auffüllen wollte. „Kann ich dich zu einem weiteren Glas verführen?“

Sie hatte nicht vorgehabt, lange zu bleiben, und das erste Glas sollte eigentlich auch das letzte sein. Jetzt nickte sie jedoch dankbar, froh über die Ablenkung. „Danke, Michael.“

Sie hob ihr Glas. „Auf die Geburtstagsparty – deine Frau kann sich glücklich schätzen.

„Na ja, nicht jeder liebt Überraschungen“, meinte er.

Eves Blick wanderte wieder zu Luca hinüber. „Oh, ich weiß nicht“, erwiderte sie bedächtig, während ihr Herz heftig hämmerte. „Tolle Party jedenfalls.“

Michael lächelte. „Ja. Und schön, dass du kommen konntest. Nicht jeder kann sich damit brüsten, Fernsehprominenz unter seinen Gästen zu haben.“

Eve lachte. „Michael Gore! Du kennst mich von klein auf! Du hast mich schon als kleines Mädchen mit aufgeschlagenen Knien in meiner Schuluniform gesehen.“ Sie warf ihm ein schiefes Lächeln zu. „Und ich glaube kaum, dass die Moderation des Frühstücksfernsehens bei einem Lokalsender mich zur ‚Fernsehprominenz‘ macht.“

Lächelnd erwiderte Michael: „Aber das Mädchen hat sich enorm gemausert.“

Vielleicht hatte das Mädchen Erfolg gehabt, aber im Moment fühlte sie sich genauso verletzlich wie damals das Schulmädchen mit den aufgeschlagenen Knien. Luca – wenn er es denn war – hörte noch immer der angeregt plaudernden Blondine zu. Die Probleme, die eine Beziehung zu einem charismatischen und komplizierten Mann – dem Schwarm aller Frauen – mit sich bringen würde, waren nun wirklich das Letzte, was sie in ihrem Leben gebrauchen konnte. Schon früh im Leben hatte Eve gelernt, dass es wichtig war, realistische Ziele im Leben zu haben.

„Und das Mädchen braucht Schlaf“, seufzte sie. „Jeden Morgen um halb vier aufzustehen hat einen negativen Einfluss auf die Energiereserven. Du nimmst es mir hoffentlich nicht übel, wenn ich bald unauffällig verschwinde, Michael?“

„Das nehme ich dir allerdings sehr übel“, neckte er sie. „Aber nicht, wenn die Heerscharen deiner Fans uns dafür verantwortlich machen, dass du dunkle Ringe um die Augen hast! Geh nur – aber komm doch morgen nach der Sendung zum Lunch. Es wird jede Menge Essen übrig sein, und Lizzy und ich hatten kaum eine Gelegenheit, uns heute Abend mit dir zu unterhalten.“

Eve musste lächeln. Das würde ihr die Gelegenheit geben, mit ihrer Patentochter zu spielen, die jetzt schon im Bett lag. „Gerne“, erwiderte sie. „So gegen zwölf?“

„Um zwölf.“ Er nickte.

Sie war versucht, ihn zu fragen, wie Luca hierherkam, aber sie war kein argloser Teenager mehr – was konnte sie sagen, selbst wenn sie sich noch so unbefangen gab? Wer ist der Mann, der mit der Blondine dort spricht? Wer ist der große, gut aussehende dunkelhaarige Typ?

Vielleicht hatte Michael ihre Blickrichtung bemerkt, denn jetzt fragte er: „Du kennst Luca Cardelli, nicht wahr?“

„Nur flüchtig“, erwiderte sie beiläufig. „War er nicht vor etwa zehn Jahren im Sommer mal hier?“

„Genau. Er hatte ein großes weißes Segelboot.“ Michael seufzte. „Ein Prachtstück. Und er ist ein ausgezeichneter Segler, er konnte uns andere alle in die Tasche stecken.“

Eve nickte. „Ich wusste gar nicht, dass er ein Freund von dir ist.“

„In jenem Sommer haben wir uns angefreundet und seitdem den Kontakt gehalten. Ich hatte ihn allerdings schon seit einigen Jahren nicht mehr gesehen. Als er mir neulich per E-Mail mitteilte, dass er geschäftlich in London zu tun hätte, habe ich ihn hierher eingeladen.“

Wie lange er wohl bleiben würde? Eve stellte diese Frage jedoch nicht laut. Das ging sie nichts an und könnte einen völlig falschen Eindruck erwecken.

„Oh, sieh mal – ein Feuerwerk“, murmelte sie stattdessen, als in der Ferne Lichtfontänen am Himmel erschienen. Aber zum Glück verschwand Michael jetzt, um noch weitere Gläser nachzufüllen, und gab ihr die Möglichkeit, sich ans Fenster zu stellen und ihren Erinnerungen nachzuhängen.

Luca beobachtete sie auf dem Weg zum Fenster, erfreute sich daran, wie der seidige grüne Stoff ihres Kleides ihre Konturen umspielte. Verwundert bemerkte er, dass noch andere Leute verstohlen zu ihr hinübersahen. Er hatte Eve schon bemerkt, bevor sie begonnen hatte, ihn anzustarren und dann so zu tun, als ob sie nicht zu ihm hinsah. Aber das war nichts Neues für ihn.

Solange er denken konnte, war er daran gewohnt, dass Frauen aller Altersgruppen ihm ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenkten. Dafür musste er sich nicht einmal anstrengen. Er hatte etwas, das das andere Geschlecht anzog wie der Honig die Biene. Als er in das Alter gekommen war, sich für Frauen zu interessieren, hatte er schnell herausgefunden, dass er jede haben konnte, wann und wie immer er wollte.

„Luca!“

Die kleine Blonde schmollte. Er zog eine Augenbraue hoch. „Hm?“

„Sie hören mir überhaupt nicht zu!“

Da hatte sie vollkommen recht. „Entschuldigen Sie.“ Er lächelte. „Ich habe Schuldgefühle. Ich habe Sie mit Beschlag belegt, obwohl es hier so viele Männer gibt, die sich gern mit Ihnen unterhalten würden.“

„Sie sind aber der einzige Mann, mit dem ich mich unterhalten will“, erklärte sie ungeniert.

Er sah ihr in die weit aufgerissenen blauen Augen, die ihn einladend ansahen. Es war beinahe zu einfach. Innerhalb der nächsten Stunde hätte er sie im Bett haben können. Mit zweiundzwanzig wäre er der Versuchung erlegen. Jetzt, zehn Jahre später, war er nur gelangweilt.

„Entschuldigen Sie mich bitte“, murmelte er. „Ich muss telefonieren. Es war reizend, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben.“ Schnell entfloh er, bevor sie ihn mit weiteren Fragen festnageln konnte.

Die Frau in Grün sah immer noch aus dem Fenster. Ihre Ruhe wirkte faszinierend, wie sie da allein stand, ein Teil der Party, und doch weit weg. Wie eine Frau, die sich wohl und sicher in ihrer Haut fühlte. Er ging zu ihr hinüber und sah gerade noch die letzten Lichtkaskaden des Feuerwerks.

„Fantastisch, nicht wahr?“, sagte er leise.

Sie antwortete nicht sofort. Ihr Herz schlug heftig. „Wunderbar“, stimmte sie zu, ohne ihn anzusehen.

„Gefällt Ihnen die Party nicht?“

Jetzt wandte sie den Kopf, wie es die Höflichkeit erforderte, und wappnete sich innerlich für die Wirkung, die seine dunklen Augen und seine sinnlichen Lippen aus der Nähe auf sie haben würden. Der Effekt war sogar noch umwerfender als damals. Mit siebzehn hatte man noch keine Ahnung von der Welt, von den Männern – man dachte, dass solche Männer wie Luca Cardelli scharenweise herumliefen. Erst viel später erkannte man, dass das nicht so war und dass das wahrscheinlich auch besser so war. „Wie kommen Sie denn darauf?“

„Sie stehen hier ganz allein“, erwiderte er.

„Jetzt nicht mehr“, erwiderte sie trocken.

Seine dunklen Augen funkelten. „Möchten Sie, dass ich gehe?“

„Natürlich nicht“, erwiderte sie leichthin. „Die Aussicht ist für alle da, ich habe kein Monopol darauf!“

Jetzt hatte sie ihn in ihren Bann gezogen. „Sie haben mich nicht aus den Augen gelassen, cara“, bemerkte er leise.

Also hatte er es bemerkt! Natürlich hatte er es bemerkt – von Frauen angestarrt zu werden gehörte vermutlich genauso zu seinem Leben wie zu atmen.

„Schuldig im Sinne der Anklage! Wieso, ist Ihnen das vorher noch nie passiert?“, fragte sie spöttisch.

„Kann mich nicht erinnern“, gab er zurück.

Eve wollte eine spitze Bemerkung machen, riss sich dann aber zusammen. Er war damals sehr freundlich zu ihr gewesen, und nur, weil ein Mädchen an der Schwelle zum Erwachsenenalter das nicht als sehr schmeichelhaft empfunden hatte, konnte man ihm doch keinen Vorwurf machen. Es war nicht sein Fehler, dass er so blendend aussah und dass er ihre Teenagerschwärmerei nicht erwidert hatte. Auch war es nicht seine Schuld, dass er noch immer so umwerfend aussah, dass eine normalerweise gelassene und vernünftige junge Frau anfing, sich wie eine Wildkatze aufzuführen. Sie lächelte. „Wie gefällt es Ihnen in Hamble?“

„Ich bin nicht zum ersten Mal hier.“

„Ich weiß.“

„Das wissen Sie?“

„Sie können sich wohl nicht an mich erinnern?“

Er betrachtete sie genauer. Sie war nicht sein Typ. Groß und schmalhüftig, wohingegen er kleine, weiche und wohlgerundete Frauen bevorzugte. Ihr Gesicht konnte man nicht als schön bezeichnen, aber es war interessant. Ein starkes Gesicht – mit den intelligenten graugrünen Augen, dem entschlossenen Mund und den ausgeprägten Wangenknochen.

Es war schwierig, ihre Haarfarbe zu bestimmen, denn sie hatte ihr Haar im Nacken streng zu einem seidig fallenden Pferdeschwanz zusammengebunden. Auch ihr Kleid wirkte sehr schlicht, ein knielanges Etuikleid aus grüner Seide, unter dem ihre gebräunten Beine zu sehen waren. Das einzige schmückende Element waren ihre mit glitzernden Pailletten besetzten Sandalen, die ihre in einem koketten Pink lackierten Zehennägel zur Geltung brachten – passend zur Farbe der perfekt manikürten Fingernägel.

Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich erinnere mich nicht an Sie. Sollte ich?“

Natürlich nicht. „Nein, eigentlich nicht.“

Mit einem Achselzucken wandte sie sich wieder der Aussicht zu. Als er seine Hand auf ihren nackten Arm legte, erschauerte sie.

„Erzählen Sie’s mir“, murmelte er.

Sie lachte. „Da gibt es nichts zu erzählen.“

„Egal. Ich will es trotzdem hören.“

Eve seufzte. Warum hatte sie das Thema nur angeschnitten?

„Vor langer Zeit waren Sie im Sommer einmal hier. Da haben wir uns getroffen. Aber wir kannten uns kaum.“

Luca runzelte einen Moment die Stirn, dann hellte sein Gesicht sich auf. Also war sie nicht die Frau, mit der er im Bett gewesen war und die er wieder vergessen hatte. In diesem heißen Sommer hatte er nur eine Frau gehabt, und die war das absolute Gegenteil dieser Frau mit den gescheiten Augen und der strengen Frisur gewesen. „Leider bringt mich das nicht weiter, cara. Helfen Sie meiner Erinnerung nach.“

In jenem Sommer hatte Eve Geld verdienen wollen. Seit ihr Vater gestorben war, war ihre Mutter arbeiten gegangen, aber das Geld war immer knapp gewesen, und die Dinge, die siebzehnjährige Mädchen sich wünschen, waren unerschwinglich: Kleider, Schuhe, CDs und Make-up.

Eve war überglücklich gewesen, als sie den Sommerjob als Kellnerin im renommierten Jachtclub bekommen hatte. Und dann war eines Tages Luca Cardelli mit seiner Jacht vor Anker gegangen und hatte die weibliche Bevölkerung der Gegend in Aufruhr versetzt.

Männer, die segelten, waren im Allgemeinen muskulös und gebräunt, aber Luca war nicht nur das, sondern auch noch Italiener, eine unwiderstehliche Kombination.

Aber in seiner Gegenwart hatte sie sich total befangen und ungeschickt gefühlt, geblendet von seinem unbekümmerten italienischen Charme. Ihre Fertigkeiten als Kellnerin ließen sie schmählich im Stich, und bei einer Gelegenheit war ihr ein Teller voller Muscheln aus der Hand gerutscht, sodass ein halbes Dutzend der Meeresfrüchte auf den Boden gefallen waren.

Luca hatte sich kaum das Lachen verkneifen können und hatte ihr eine große Leinenserviette gereicht.

„Schnell“, hatte er gemurmelt, „dann merkt es niemand.“

Niemand außer ihm natürlich. Eve wäre am liebsten im Erdboden versunken. Sie hatte versucht, sich damit zu trösten, dass das nur eine Phase ihres Lebens war, in der sie eben total verknallt war in einen Mann, für den sie zum Inventar des Restaurants gehörte.

Ihre Unterhaltungen hatten sich auf freundliche Bemerkungen über die Windverhältnisse oder solch bedeutungsschwere Fragen wie „Wünschen Sie Mayonnaise zum Lachs?“ beschränkt. Dadurch wirkte sein großzügiges Verhalten umso überraschender, und sie interpretierte zu viel hinein.

Der Sommerabschlussball im Jachtclub war das Ereignis des Jahres und die Eintrittskarten waren unverschämt teuer, wenn man nicht jemanden hatte, der einen einlud. Eve hatte niemanden.

„Gehen Sie am Samstag tanzen?“, fragte Luca sie beiläufig, als er eines Abends auf der Terrasse einen Drink schlürfte.

Eve schüttelte den Kopf, während sie den Aschenbecher leerte. „Nein. Nein, ich gehe nicht tanzen.“

Fragend zog er eine Augenbraue hoch. „Warum nicht? Ich dachte immer, alle jungen Frauen tanzen gern.“

„Natürlich, ich auch. Es ist nur …“

„Nur was?“

„Die Karten kann ich mir nicht leisten“, antwortete sie wahrheitsgemäß.

„Ach so.“ Er kniff die Augen zusammen.

Sie sprachen danach nicht mehr miteinander, aber als Eve an diesem Abend ihren Mantel holte, steckte ein Umschlag mit einer Karte für den Ball darin. Und Luca hatte dazu geschrieben: „Ich möchte Sie tanzen sehen.“

Diese Einladung versetzte Eve in helle Aufregung. Sie fühlte sich wie Aschenputtel – es war, als ob ein Märchen wahr geworden wäre. Von ihrer Freundin Sally hatte sie sich ein Kleid geliehen, das sie mit Sicherheitsnadeln zusammenhalten musste, weil Sally eine Nummer größer trug als Eve. Man sah, dass es ein geliehenes Kleid war.

Eve betrachtete skeptisch ihr Spiegelbild. „Ich weiß nicht.“

„Unsinn! Du siehst klasse aus“, behauptete Sally. „Allerdings brauchst du unbedingt etwas Make-up.“

„Nicht zu viel.“

„Eve“, seufzte Sally. „Hat Luca Cardelli dir nun eine Karte geschenkt oder nicht? Na also. Glaub mir, kein Mann gibt so viel Geld aus, wenn er nicht ernsthaft interessiert ist. Du musst etwas darstellen, reif wirken. Du willst doch, dass er dich in den Arm nimmt und die ganze Nacht mit dir tanzt, oder? Das willst du doch, nicht wahr?“

Natürlich wollte sie das.

Aber als Eve den glanzvollen Ballsaal betrat, fühlte sie sich wie ein Fisch auf dem Trockenen, wie eine Außenseiterin, und das war sie ja auch. Außer ihr schien niemand allein hier zu sein.

Und dann erschien Luca mit einer Frau, die wie eine Klette an seinem Arm hing. Sie war eine fantastische Erscheinung in ihrem rückenfreien scharlachroten Kleid, das auch die Vorderseite kaum verhüllte.

Fast alle Augen hatten sich ihnen fasziniert und neidisch zugewandt, als sie auf eine Weise zu tanzen begannen, die keinen Zweifel daran ließ, wie sie den Rest der Nacht zu verbringen gedachten. Eve hatte ihnen eine Weile zugesehen, bis sie es nicht länger ertragen konnte. Ihr war übel. Luca hatte kurz Hallo gesagt und dass sie „reizend“ aussah. Ein nicht sehr schmeichelhaftes Kompliment. Sie fragte sich, wie sie so dumm hatte sein können.

Sie schlich nach Hause, wusch sich gründlich das Gesicht, zog vorsichtig Sallys Kleid aus und hing es in den Schrank. Bald darauf reiste Luca ab. Sie hatte ihn nicht mehr gesehen und keine Gelegenheit gehabt, ihm für die Karte zu danken.

Dieses Erlebnis hatte sie maßgeblich geprägt.

In dieser Nacht hatte sie sich geschworen, ihre Ziele nicht zu hoch zu stecken. Aus dem, was sie tatsächlich war, Kapital zu schlagen und nicht aus dem, was sie gern sein wollte. Sie war kein Supermodel, nicht der Typ Frau, der für einen Mann wie Luca Cardelli attraktiv war. Sie besaß Verstand und Entschlossenheit und würde sich in Zukunft darauf verlassen.

Eve tauchte aus der Vergangenheit auf und hatte ihr Selbstbewusstsein wieder gefunden. Sie sah ihm in die Augen und erwiderte knapp, aber mit einem Lächeln: „Ich habe als Kellnerin im Jachtclub gearbeitet. Sie haben mir eine Eintrittskarte für den Ball geschenkt.“

Langsam dämmerte es ihm. Er erinnerte sich dunkel an ein niedliches, ungeschicktes Mädchen. Wie kleine Mädchen groß wurden! Er nickte langsam. „Ja, jetzt erinnere ich mich.“

„Ich konnte mich damals gar nicht mehr bei Ihnen bedanken, also vielen Dank!“ Sie lächelte das forsche, charmante Lächeln, das ihr im Berufsleben so nützlich war.

„Gern geschehen“, murmelte er. Wie die Zeit jemanden verändern konnte! War diese elegante, selbstbewusste Frau wirklich dieselbe Person?

Seine dunklen Augen funkelten, und Eve fühlte sich plötzlich sehr verwundbar. Und müde. Sie wollte nicht mit ihm flirten und plaudern – denn er wirkte noch immer unerreichbar für sie. Ein außerordentlich gut aussehender Mann auf der Durchreise, das war alles, genau wie beim letzten Mal. Sie unterdrückte ein Gähnen und sah auf die Uhr. „Es wird Zeit für mich, zu gehen.“

Überrascht kniff Luca die Augen zusammen. Das war normalerweise sein Spruch, und noch nie hatte eine Frau gegähnt, wenn er mit ihr sprach. „Es ist erst neun.“ Er runzelte die Stirn. „Warum so früh?“

„Weil ich morgen sehr früh arbeiten muss.“

„Ich weiß nicht, ob ich Ihnen das glauben soll.“

„Das ist natürlich Ihr gutes Recht, Mr Cardelli“, erwiderte sie zuckersüß.

„Sie erinnern sich also auch an meinen Nachnamen?“

„Ich habe ein gutes Namensgedächtnis.“

„Ganz im Gegensatz zu mir. Können Sie mir auf die Sprünge helfen?“ Er lächelte.

„Ich heiße Eve. Eve Peters.“

„Welche Art von Arbeit ist es, für die Sie so früh aufstehen müssen, Miss Peters? Sind Sie Krankenschwester?“, rätselte er. „Entweder das, oder Sie melken Kühe.“

Wider Willen musste Eve lachen. „Falsch!“ Sie wollte sich nicht von seinem Charme erobern und zum Lachen bringen lassen. Sie musste schnell weg hier, er verunsicherte sie. Sie hatte gern alles unter Kontrolle. Sie war doch eine ausgeglichene und vernünftige Frau, aber jetzt spukte ihr eine Fantasie im Kopf herum, wie sie eher zu dem naiven jungen Mädchen gepasst hätte, das sie in jener ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Komm zu mir nach Italien" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple Books

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen