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Kopf aus, Herz an

JO WATSON

Kopf aus, Herz an

Roman

Ins Deutsche übertragen
von Hannah Brosch und Barbara Först

Zu diesem Buch

Lilly Swanson überlässt nichts dem Zufall. Jedes noch so kleine Detail ihres Lebens ist akribisch geplant – von ihrer Arbeit, über ihre Hobbys bis hin zu ihrem Liebesleben. Doch ihr schlimmster Albtraum wird wahr, als ihr Verlobter sie am Tag ihrer Hochzeit verlässt – via Post-it! Erst ist sie gedemütigt und am Boden zerstört, dann aber vor allem eins: stinksauer. Kurzerhand beschließt sie, ihre Hochzeitsreise trotzdem anzutreten – und zwar allein. Zumindest ist das der Plan. Aber schon im Flugzeug lernt sie den geheimnisvollen Damien kennen. Mit seinen Tattoos und seiner düsteren Aura ist er eigentlich genau der Typ Mann, um den sie sonst einen großen Bogen macht. Und doch ist sie augenblicklich von ihm fasziniert. Damien zeigt ihr, was es bedeutet, loszulassen und die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Noch nie hat sie sich so lebendig, so unabhängig, so frei gefühlt wie mit ihm. Und obwohl ein neuer Mann das Letzte ist, was sie jetzt gebrauchen kann, lässt sie sich auf eine Reise entführen, die aufregender ist als alles, was sie je zuvor erlebt hat. Doch Lilly weiß, dass diese eine Woche in Thailand nicht die Realität ist und sie irgendwann zurück in ihr durchgeplantes Leben muss. Es sei denn, Damien kann sie davon überzeugen, dass dieser Traum nicht enden muss, wenn sie endlich auf ihr Herz und nicht auf ihren Kopf hört …

Dieses Buch ist Wattpad und meinen
bemerkenswerten Lesern gewidmet.

Außerdem Depeche Mode und vielen langen Nächten
mit dem Bedürfnis nach lauter Musik.

Und vor allem ist es meinem Bruder James gewidmet.
Ich habe dich in mein Buch hineingeschrieben,
damit du auf diesen Seiten weiterlebst.

Prolog

Es tut mir leid, ich kann nicht.

Es tut mir leid, ich kann nicht.

Es tut mir leid, ich kann nicht.

Auch wenn ich noch so lange auf die gekritzelten Worte starrte, ihre Bedeutung veränderte sich dadurch nicht. Ich hielt den Zettel in der Hoffnung gegen das Licht, die Sonne möge andere Worte erscheinen lassen, Worte, die mit unsichtbarer Zaubertinte geschrieben waren.

Aber nichts erschien.

Nur diese sieben kurzen Worte … die jedoch die Macht besaßen, meine ganze Welt in Sekundenschnelle zum Einsturz zu bringen. Sodass sie in eine Million kleiner Splitter zerfiel und zerbarst.

Endlich schaffte ich es, meine Augen von dem Zettel zu lösen, und begegnete den entsetzten Blicken meiner Stiefschwester und meiner beiden besten Freundinnen. Sie starrten mich an, als könnte ich jeden Moment einen Promi-Ausraster bekommen, mir den Schädel rasieren und jemandem mit dem Schirm ein Auge ausstechen. Sie sahen wirklich besorgt aus. Als wäre ich eine tickende Zeitbombe, die jeden Moment explodieren konnte.

Womit sie recht hatten.

Ich war eine Zeitbombe.

Tick. Tick.

Ich taumelte am Rande des Wahnsinns entlang. Ich spürte, dass er darauf wartete, mich wie ein alles verschlingendes Schwarzes Loch einzusaugen. Der Sog war beinahe zu stark, um ihm zu widerstehen.

Wollte ich überhaupt widerstehen?

Aber was würde passieren, wenn ich nachgab? Ich wusste, dass ich mich in einem Schockzustand befand, dass ich von einem Gefühl der Taubheit, der Losgelöstheit durchdrungen war. Und doch spürte ich bereits andere, feindselige Emotionen, die an die Oberfläche drangen und Herrschaft über mich gewinnen wollten.

Ich blinzelte. Meine Augen brannten.

Ich versuchte, etwas zu sagen.

Aber mein Mund war staubtrocken. Kein Ton drang heraus.

Ich schaute meine besten Freundinnen Jane und Val an, meine Felsen in der Brandung, die beiden Menschen, auf die ich stets bauen konnte … Doch sie schwiegen. Sagten keinen Ton. Nur der Schrecken stand ihnen ins Gesicht geschrieben.

Ich richtete den Blick auf meine Stiefschwester Stormy-Rain. Anders als ihr Name vermuten ließ, strahlte sie so hell wie die Sonne auf ihrem Batikkleid. Stormy-Rain besaß das Talent, selbst schlimmste Lebenslagen in etwas Positives umzuwandeln. Aber auch von ihr kam … nichts. Sie war ganz bleich geworden und vor Entsetzen wie vor den Kopf geschlagen.

Ich schaute auf meine zitternden Hände; sie hatten die Ecken des Zettels bereits merklich zerknittert. Mein Herz klopfte so stark, als wollte es die Grenzen meines Brustkorbs sprengen und Magen und Lunge gleich mit herausreißen.

Heißer Zorn mischte sich mit Schock und qualvoller Trauer. Meine Gefühle überwältigten mich, sie stiegen aus dem primitivsten Teil meiner Seele empor, wo Logik, Gesetze und Intellekt keine Macht besaßen.

Und so schrie ich aus voller Lunge, bis ich heiser wurde und nur noch krächzen konnte.

»Holt mich aus dem Kleid. Helft mir aus dem Ding raus. Jetzt!«

Wie rasend zerrte ich an meinem Brautkleid herum – einem Kleid, in das meine beiden Freundinnen mich zehn Minuten lang mühsam hineingezwängt hatten, weil das Mieder mit sich überkreuzenden Bändern geschnürt wurde. Und nun war ich in dem Teil gefangen.

Jane und Val griffen beherzt zu, aber es dauerte einfach zu lange. Die Luft um mich herum wurde zu schwer zum Atmen, ich hatte das Gefühl zu ertrinken.

»Ich kriege keine Luft. Ich kann nicht atmen. Es ist zu eng.«

Val schnappte sich das Messer, das der Zimmerservice am Morgen gebracht hatte, und säbelte kühn durch die komplizierte Verschnürung. Das Geräusch des Sägemessers, das die Satinbänder durchschnitt, war wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Schiefertafel, ich bekam eine Gänsehaut davon. Aber ich spürte, wie der Druck des Mieders nachließ, bis es schließlich an meinem geschundenen Körper hinabglitt und als elendes Häufchen auf dem Boden lag.

Endlich war ich von diesem Kleid befreit.

Und dann kamen die Tränen. Heiß strömten sie über meine Wangen und hinterließen schwarze Mascarastreifen auf meiner geröteten Haut. Bald schon ging mein Weinen in Schluchzen über.

Ich schaute auf das klägliche Häuflein, das einmal mein Brautkleid gewesen war, und nun wie eine Lache aus Bändern, Satin und Perlen zu meinen Füßen lag. Doch noch immer kam ich mir wie eingesperrt vor. Mein Haar! Die komplizierte Hochsteckfrisur, die von zierlichen Perlenspangen zusammengehalten wurde. Plötzlich kam es mir so vor, als zöge sich jede einzelne Strähne um meinen Kopf zusammen wie eine Boa constrictor, die ihr Opfer langsam, aber sicher zu Tode würgte. Ich zerrte wie wild an meiner Frisur herum und versuchte, meine Haare zu befreien.

Ich wollte die Perlenspangen loswerden. Fort. Weg. Ich wollte jede Spur dieser Hochzeit auslöschen.

Ich riss die Ohrringe ab, schnappte mir ein Kosmetiktuch und rieb mir den roten Lippenstift ab, bis mir der Mund wehtat. Wie einen hässlichen Ausschlag verschmierte ich die Farbe übers Gesicht.

Hätte in diesem Augenblick jemand zufällig durchs Fenster gespäht, dann hätte er mich für verrückt halten müssen. Und ich hätte ihm das nicht einmal zum Vorwurf gemacht. Denn irgendwo in meinem auf Abwege geratenen Kopf wusste ich sehr wohl, dass ich wie eine Geisteskranke aussah, die gerade aus der Anstalt entwischt war und dringend eine Zwangsjacke und Behandlung mit Elektroschocks brauchte. Aber wie konnte ich denn vernünftig sein …

Wenn er …

Wenn Michael Edwards – seit einem Jahr mein Verlobter, seit zwei Jahren der beste Freund der Welt – mich, Lilly Swanson, verlassen hatte, und zwar knapp zehn Minuten vor der Trauung. Die Flasche mit dem Parfüm, das ich heute für ihn tragen sollte, da es sein »Lieblingsparfüm« war, stand auf der Frisierkommode und schien mich zu verhöhnen. Ich packte sie und schleuderte sie gegen die Wand, wo sie in eine Million Teile zerschellte, genauso wie mein Leben. Der Duft von Jasmin fiel mich an, und mir wurde speiübel.

Was sollte ich den fünfhundert Gästen sagen, die in der Kirche auf uns warteten? Manche waren sogar von Australien nach Südafrika geflogen.

»Hallo, ihr Lieben. Danke, dass ihr gekommen seid. Ich habe übrigens eine ÜBERRASCHUNG für euch! Die Hochzeit fällt aus!«

Eine Hochzeit, für die mein Vater ein kleines Vermögen ausgegeben hatte.

Eine Hochzeit, die hatte perfekt werden sollen.

Perfekt, verdammt. Perfekt!

Dafür hatte ich gesorgt. Ich hatte mich akribisch um jedes noch so kleine Detail gekümmert. Es hatte Monate und Monate sorgfältiger Planung erfordert, um diesen Tag zu gestalten – und jetzt das?

Plötzlich wurden die Dinge unscharf. Ich erinnere mich noch, dass mein Bruder James ins Zimmer gestürzt kam, mit Schimpfworten um sich warf und schwor, er werde Michael umbringen. Er schlug sogar den Trauzeugen, als der behauptete, nicht zu wissen, wo Michael sich momentan aufhielt. Mein vernünftiger, stets logisch denkender Vater versuchte, einen legitimen Grund für Michaels Verhalten zu finden, und bestand darauf, dass wir mit ihm reden müssten, bevor wir voreilige Schlüsse zögen. Und dann folgte eine Flut von Telefonaten: Wo ist er? Wer hat ihn gesehen? Wohin ist er verschwunden?

Irgendwann wurden die Gäste informiert, und sogleich wurden die wildesten Vermutungen aufgestellt …

Er hatte eine Affäre.

Er war mit einer anderen durchgebrannt.

Er war ein gesuchter Verbrecher.

Er war schwul.

Er war von Aliens in ein Raumschiff raufgebeamt worden und diente ihnen als Versuchskaninchen. (Hoffentlich tat es richtig weh!)

Die Leute warfen mit Ausdrücken wie Bastard, Arschloch und Lügner um sich. Ebenso mit Schande, Bedauern und Mitleid. Sie überlegten, ob sie die Hochzeitsgeschenke wieder an sich nehmen oder aber dalassen sollten. Was war das angemessene Verhalten in solch einer Situation?

Während die Welt um mich herum in Wahnsinn versank, breitete sich in mir eine merkwürdige Ruhe aus. Nichts schien mehr real zu sein, und ich kam mir vor wie ein Voyeur, der sein Leben aus einer gewissen Distanz betrachtet. Es war mir egal, dass ich nur in Unterwäsche auf dem Boden saß. Es war mir egal, dass Wimperntusche und Lippenstift derart verschmiert waren, dass ich aussah wie Batmans Joker. Mir war schlicht und ergreifend alles egal.

Ein paar Minuten später platzte mein anderer Bruder Adam, der Arzt, ins Zimmer und zwang mich, eine kleine weiße Tablette mit einem Schluck Cola runterzuwürgen. Zur Beruhigung, wie er sagte.

Kurz danach rauschte meine oberdramatische Mutter, die Theaterschauspielerin, herein und genoss den Auftritt ihres Lebens in vollen Zügen.

»Warum, oh warum, oh warum?« Hand aufs Herz. »Was ist dies: Verständige Raserei? Ein schnöder Ruch?« Sie hielt sich theatralisch den Kopf und setzte noch ein schrilles »Waruuum?« hinzu.

»Zum Donnerwetter, Ida, das ist doch kein verdammtes Shakespeare-Stück!«

Ich hörte meinem Vater an, wie zornig er war. Selbst achtzehn Jahre nach ihrer Scheidung konnten meine Eltern immer noch nicht höflich miteinander umgehen.

»Falls ich dich daran erinnern darf: Die ganze Welt ist eine Bühne«, schrie meine Mutter zurück. Um der dramatischen Spannung willen ließ sie ihre Stimme zittern, warf den Kopf zurück und biss die Zähne zusammen.

»Jetzt fängst du schon wieder mit diesem Mist an! Es ist offenkundig, dass du immer noch nicht gelernt hast, Fantasie und Realität voneinander zu trennen!«

»In unserer Ehe schon!«

Adam trat zwischen die beiden. »Hört auf damit. Das ist wirklich nicht der richtige Zeitpunkt!«

Und dann brach die Hölle los.

Der Geistliche schaute herein, um seinen Beistand anzubieten, lief jedoch beim Anblick meines relativ entkleideten Zustands rot an und verzog sich schleunigst. Ein paar neugierige Verwandte steckten die Köpfe zur Tür herein und setzten mitleidige Mienen auf, als sei ich ein hilfloser Welpe, doch auch sie verschwanden rasch wieder, als sie mich mit ausgebreiteten Armen und Beinen auf dem Boden liegen sahen.

Eine gewaltige Unruhe entstand, als der Fotograf hereinplatzte und anfing, mich abzulichten – was ihm kein Mensch erlaubt hatte. Die Unruhe verwandelte sich in eine totale Freakshow, als meine Lieblingscousine Annie, die ohne Bezahlung mein Brautkleid als Hochzeitsgeschenk entworfen hatte, sah, was aus ihrer »schönsten Schöpfung« geworden war, nämlich ein elendes Häufchen Stoff, das man achtlos auf den Boden geworfen hatte. Sie sah aus, als wollte sie jeden Moment in Tränen ausbrechen.

Dann verschwamm das Zimmer endgültig vor meinen Augen, und alle Geräusche flossen zu einem seltsamen Summton zusammen.

Ich schloss die Augen, und alles wurde schwarz.

Kapitel 1

Ich erwachte mit einem herzhaft-glücklichen Gähnen, schlug die weiße Leinensteppdecke zurück und streckte meine schläfrigen Beine aus. Die Sonne schien in meine Wohnung, Vögel zwitscherten in den blühenden Bäumen. In der warmen Morgenbrise vermochte ich gerade noch, den süßen Blumenduft wahrzunehmen. Wow, was für ein schöner Frühlingsmorgen! Der perfekte Tag für eine Hochzeit. Voller Vorfreude hüpfte ich aus dem Bett … und dann sah ich …

Mein Brautkleid, das wie ein toter, enthaupteter Schwan auf dem Stuhl lag.

Wie ein Vorschlaghammer in den Magen trafen mich wieder diese sieben kurzen Worte, die er schlampig auf einen abgerissenen Zettel gekritzelt und wie ein Feigling unter der Tür durchgeschoben hatte. Ich schnappte mir mein Smartphone. Meine Finger strichen hektisch über den Touchscreen, glitten an den zweiundzwanzig Nachrichten entlang, die ich in der Zwischenzeit bekommen hatte. Sie stammten von meinen Freunden, meiner Familie, meinen Kollegen, meiner Fußpflegerin und sogar von der Wahrsagerin meiner Mutter (die selbstredend gefeuert werden würde!).

Aber nichts von Michael.

Ich loggte mich mit erwartungsvoll klopfendem Herzen bei Facebook ein und ging direkt auf seine Seite. Keine neuen Aktivitäten. Ich versuchte es mit Twitter – gleiches Ergebnis. Ich prüfte nach, ob er immer noch mein Follower war – das traf zu. Ich ging auf Instagram, aber auch dort war kein Lebenszeichen von ihm zu finden. Es war, als sei Michael komplett aus der Social-Media-Welt gefallen, was ihm gar nicht ähnlich sah. Michael konnte nicht einmal einen Bleistift spitzen, ohne darüber einen Tweet abzusetzen. Er konnte kein Paar Schnürsenkel kaufen, ohne ein Bild auf Instagram einzustellen, und er konnte sich nicht am Kopf kratzen, ohne seine Gedanken auf Facebook zu teilen. Diese Dinge hatten zu den wenigen Eigenschaften gehört, die ich an ihm nicht mochte. Man beachte die Vergangenheitsform: Denn jetzt waren es viele.

Mein Verstand legte Überschallgeschwindigkeit ein, als er von einer Reihe ekelhafter Gedanken bombardiert wurde.

Wo zum Geier steckte Michael? Hatte er sich mit einer nuttigen, verseuchten Stripperin in Overkneestiefeln in einem zwielichtigen Stundenhotel vergraben? Feierte er wie ein Wilder die Tatsache, dass er die Hochzeit verpasst hatte und gerade noch einmal davongekommen war?

Ich war richtig dankbar, als der köstliche Duft von frisch gebrühtem Kaffee und brutzelnden Würstchen aus der Küche heranschwebte und mir wieder ein Ziel im Leben gab. Denn plötzlich wurde mir bewusst, dass ich einen Hunger hatte wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ich folgte dem Befehl meines knurrenden Magens in die Küche, wo ich meine Freundinnen und meine Familie vorfand, die um den Tisch saßen und über meinen Schlaf gewacht hatten. Besorgte »Hallos« wurden geäußert, ich jedoch konnte nur mit einem halbherzigen Nicken antworten.

Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich die Herde schützend um mich scharte. Immer schon waren sie überfürsorglich gewesen. Adam reichte mir ein Glas Orangensaft, eine Kopfschmerztablette und ein Rezept für besagte weiße Pillen. Er hätte auch bestimmt Fieber und Blutdruck gemessen und eine Infusion gelegt, wenn ich ihn gelassen hätte. Val und Jane nötigten mich auf einen Stuhl, Stormy-Rain wedelte mit Räucherstäbchen herum und brachte mir eine Tasse Kräutertee, in dem allem Anschein nach tote, ertrunkene Blumen herumschwammen, und sogar Buttons, meine sonst so unzärtliche Katze, rieb sich an meinen Knöcheln. Ich hatte das Gefühl, von hundert Augenpaaren angestarrt zu werden. Alle sahen mich voller Erwartung an, als müsste ich jeden Moment etwas sagen. Eine ekelhafte, peinliche Stille hing im Raum. Endlich öffnete jemand den Mund.

»Wie hast du geschlafen?«, fragte Annie.

Ich nickte. »Gut. Tut mir leid, was mit dem Kleid …«

»Ach Gott. Nein! Bitte. Mach dir keine Sorgen deswegen.« Sie sprang auf. »Außerdem … vielleicht inspiriert es ja sogar einen ganz neuen Trend … den Shabby-Bride-Look.« Sie lächelte mich an, und ihr Versuch, einen Scherz zu machen, rührte mich so, dass eine kleine Träne aus meinem Augenwinkel rann.

Dann vernahm ich in meinem Rücken das Klackern teurer, hoher Absätze. »Ich rate euch, treibt es nicht zu weit. Ich könnte meiner Klientin auch raten, Schmerzensgeld aufgrund emotionaler und psychischer Schädigung zu verlangen. Gar nicht zu reden von einer Kompensation für die Kosten der Hochzeit.«

Meine Schwägerin Sara, streitlustige Anwältin und Trägerin unmöglich hoher Absätze, brüllte Drohungen in ihr Handy. Sie hatte den ganzen Morgen versucht, Michael aufzuspüren, hatte zu diesem Zweck mit jedem noch so entfernten Verwandten gesprochen, jedoch ohne Erfolg. Michael war nicht aufzufinden, und jetzt drohte sie, ihre Privatdetektivin Lizzy Brown auf ihn anzusetzen.

Wieder knurrte mein Magen vernehmlich und voller Zorn, weil ich ihn so schäbig ignorierte, und ich zog den Teller mit Würstchen heran. Monatelang hatte ich Diät gehalten, um meine von Natur aus üppige Gestalt in das enge Brautkleid zu zwängen, und außerdem hatte Michael mich auf ein paar verborgene Extrapfunde aufmerksam gemacht.

Im Grunde verdiente ich eine Goldmedaille oder eine Auszeichnung anderer Art für die lange Zeit, die ich mit mühseliger Kalorienverbrennung verbracht hatte. Ich hatte keine gesättigten Fettsäuren zu mir genommen und mich in den letzten drei Monaten mit Kohlenhydraten noch nicht einmal im selben Zimmer aufgehalten, aber jetzt … jetzt würde ich mich dafür entschädigen.

Ich schnappte mir ein Würstchen und stopfte es in meinen hungrigen Schnabel, spülte es mit einem Glas Orangensaft und einem dick gebutterten Bagel hinunter. Alle starrten mich fassungslos an, aber keiner traute sich, etwas zu sagen.

»Val.« Fast wäre mir das Würstchen aus dem Mund geplumpst. »Val, könntest du bitte zum Laden fahren und mir zwei, nein, fünf Mars holen, dazu sechs Packungen Jelly Babies und Brot – ich brauche Brot.«

Gerade jetzt brauchte ich Brot wie der Junkie seinen Morgenschuss. Bevor ich meine Instruktionen beendet hatte, lag bereits ein heißes Hefebrötchen in meiner gierigen Hand, das ich sodann in Sirup tauchte und sozusagen einatmete. Niemand wagte einen Einwand oder gar die Empfehlung, mit Zucker zu fixen, wäre ziemlich schädlich. Val kam in die Gänge und wieselte aus dem Haus.

Zehn Minuten später kehrte sie mit meiner Belohnung zurück. Aber das reichhaltige Essen konnte meine Gefühle nur eine begrenzte Zeit lang in Schach halten. Immer wieder sah ich auf die Küchenuhr. Der Minutenzeiger schien sich im Zeitlupentempo zu bewegen, und ich kam mir vor wie in einem surrealen Traum mit einer kippenden Landschaft und schmelzenden Uhren wie auf einem Gemälde von Salvador Dalí. Gehen war ein schwieriges Unterfangen: Mein Gehirn schickte fruchtlose Befehle an meine schwerfälligen Beine, die inzwischen in psychosomatischen Beton eingegossen waren.

Ich schlurfte ins Wohnzimmer und ließ mich mit einer Tüte Jelly Babies auf die Couch fallen. Freundinnen und Familie steckten abwechselnd die Köpfe durch die Tür. Ich nahm an, dass sie mich nicht aus den Augen lassen wollten. Ich musste mich ablenken. Dringend. Ich schaltete eine Realityshow in der Hoffnung ein, dass sie mir Trost spenden würde. Denn es gibt ja immer einen, dem es noch schlechter geht: zum Beispiel den Kerl mit den vier Armen und den störrischen Warzen oder einen Menschen, der in seinem Haus unter den Zeitschriften und Zahnbürsten erstickt ist, die er seit 1966 hortete; oder besser noch die Frau, die ihre Wehen bekam, als sie gerade an einer steilen Klippenwand im Himalaya hing; oder irgendein anderer bedauernswerter Schwachkopf, der im Zuschauer krankhaftes Interesse erweckt. Aber in der heutigen Sendung war lediglich ein fanatischer Kuchenbäcker zu sehen, und solange sein Arm nicht in den Mixer geriet und er ihn abnagen musste, um sich zu befreien, konnte sein Schicksal mir gestohlen bleiben.

Ich war froh, als sich die Allgemeinheit verzog und nur Jane, Val, Annie und Stormy-Rain übrig blieben, die sich zu mir ins Wohnzimmer gesellten. Die Furchterregenden Fünf. So hatten wir uns als Teenager genannt, und wir waren stets füreinander da gewesen, komme, was da wolle.

»Also, was jetzt?« Wieder stiegen die Tränen in mir auf. »Was soll ich jetzt bloß machen?«

»Ich weiß es nicht.« Jane nahm meine Hand. »Aber wir sind für dich da, wann immer du uns brauchst.«

»Immer!«, fielen die anderen ein.

Nach dieser Versicherung fühlte ich mich ein wenig besser. Ich entsann mich, wie wir uns um Jane geschart hatten, als sie eine sehr peinliche öffentliche Szene mit ihrem damaligen Freund und seiner heimlichen Geliebten erlebt hatte. Das war alles andere als nett gewesen, und damals hatte sie geglaubt, den Schmerz und die Demütigung niemals überstehen zu können. Aber inzwischen hatte sie beides längst hinter sich gelassen.

Vielleicht würde auch ich es schaffen? Irgendwann.

Doch im Moment sah die Zukunft ziemlich düster aus.

»Warum hat er das bloß getan?« Wütend biss ich einem Jelly Baby den Kopf ab und zermalmte ihn mit den Backenzähnen. Was zum Teufel hatte ich verbrochen, dass mir so etwas angetan wurde? War es mein schlechtes Karma, das versuchte, mich für irgendeine obskure Unterlassung zu bestrafen?

Doch keine meiner Freundinnen konnte mir darauf eine Antwort geben. Wieder und wieder ging ich im Geiste die letzten Stunden mit Michael durch. Vorgestern Morgen hatten wir zusammen gefrühstückt, danach hatte ich im Hotel eingecheckt. Wir hatten Espresso getrunken. Wir hatten über unsere Hochzeit gesprochen und überlegt, wie man verhindern könnte, dass meine Mutter in angeschickertem Zustand Serienerkennungsmelodien zu trällern begann – was sie mit schöner Regelmäßigkeit auf jeder Familienfeier tat.

Er hatte mich zum Abschied geküsst.

Er hatte gesagt, dass er mich liebe.

Er hatte gesagt, er könnte es nicht abwarten zu sehen, wie ich zum Altar schritt.

Was also war passiert, zum Teufel?

Ob er vielleicht eine Affäre hatte? Aber wie? Wir lebten doch praktisch zusammen. Möglicherweise war die Erklärung viel harmloser: Vielleicht hatte er einfach nur kalte Füße bekommen. Oder vielleicht wollte er keine Frau heiraten, die er kaum getestet hatte. Wir hatten nämlich nur sehr spärlich Sex gehabt. Ich bin eben nicht das, was man eine Sexbombe nennt. Vierundzwanzig Jahre alt und technisch gesehen fast noch Jungfrau! Wie dämlich und erbärmlich dies im Licht all dieser Vielleichts erschien!

Ich biss einem weiteren Jelly Baby Körperglieder ab, diesmal die Beine, und in diesem Augenblick stach mir mein Verlobungsring ins Auge.

Der Anblick des wunderschönen Zweikaräters im Princess-Schliff drehte mir den Magen um, und ich zog ihn derart heftig vom Finger, dass eine rote Druckstelle zurückblieb. Alle betrachteten den Ring einen Moment lang schweigend, dann machte Val den Mund auf.

»Versetz ihn. Oder verkauf ihn und hol dir was richtig Tolles dafür. Einen Porsche zum Beispiel.«

Michael war ein ziemlicher Geldprotz, demzufolge hatte mein Ring ein schönes Sümmchen gekostet.

»Nein!«, schaltete sich Stormy aufgeregt ein. »Wir verbrennen ihn in einem Opferfeuer. Und dann tanzen wir um das Feuer und chanten die schlechten Vibrationen fort.«

»Ja!«, rief Annie begeistert. »Lasst uns doch sein ganzes Zeug verbrennen, zuallererst diese widerlichen Cordhosen, ohne die er anscheinend nicht leben kann!«

»Ich könnte ihm eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung machen, wenn du willst«, meldete sich Jane zu Wort.

Ich musterte meinen Ring. Er war so schön. Und ich hasste ihn. Denn er erinnerte mich an Michael und seine leeren Versprechungen. Eigentlich erinnerte mich alles an Michael. Seine Gegenwart nistete unverschämt in allen meinen Besitztümern: in der Couch, auf der ich lag, in dem Flachbildschirm, den er an die Wand gehängt hatte, in dem Teppich, über den er ständig zu stolpern pflegte, und in den Fotos unseres schönen Strandurlaubs, die auf dem Couchtisch lagen.

Oh mein Gott, die Flitterwochen!

Wir sollten ja heute Nachmittag nach Thailand fliegen! Wir hatten die sehr teure, bereits voll bezahlte Honeymoon-Suite im White Sands Hotel und Spa gebucht. Ich zuckte zusammen, als es mir wieder einfiel.

»Ich halte das nicht mehr aus. Ich muss ihn anrufen.« Ich zog mein Smartphone heraus und begann, die Nummer einzutippen, die in meiner DNA verwurzelt zu sein schien.

Doch bevor ich den Wahlvorgang beenden konnte, nahm Annie mir den Apparat weg. »Warte. Denk mal eine Sekunde nach. Was willst du ihm denn sagen?«

»Weiß nicht.«

»Kann es nicht noch schlimmer werden, wenn du mit ihm sprichst?«, warf Jane ein. »Und was ist, wenn er gar nicht rangeht? Keiner hat ihn doch bislang ausfindig machen können.«

»Oder …«, setzte Val an. Sie klang sehr mitfühlend. »Was wäre, wenn er etwas zu dir sagt, das du noch nicht hören kannst, weil du nicht stark genug dafür bist?«

»Was denn zum Beispiel?« Ich spürte, wie sich mein Magen zu lauter üblen Knoten zusammenzog. »Glaubst du, dass er … eine andere hat?«

Annie nahm mich in die Arme. »Ich weiß es doch auch nicht, Süße. Aber ich weiß, dass es keine gute Idee ist, ihn jetzt anzurufen. Gib dir ein bisschen Zeit, um runterzukommen.«

Ich sah meine Freundinnen der Reihe nach an. Dann dämmerte es mir. »Ich liebe euch, das wisst ihr, aber in punkto Beziehungen seid ihr die schlechtesten Ratgeber der Welt.« Ich sah, dass ich ins Schwarze getroffen hatte. »Stormy«, begann ich, »du datest einen Typen drei Wochen lang und machst dann Schluss. Dein Letzter war übrigens Feuerschlucker.«

»Jongleur. Feuerjongleur«, berichtigte sie.

»Sag ich doch. Val, du bist schon seit Jahren heimlich in deinen Nachbarn verliebt, hast es ihm aber nie gesagt.«

Val nickte. »Das kann ich nicht abstreiten.«

»Jane, dein letzter Kerl hat Klingonisch mit dir gesprochen … im Bett.«

Die anderen platzten heraus. Dieser Umstand hatte in letzter Zeit für allerhand Erheiterung gesorgt.

»Ich würde an deiner Stelle nicht lachen, Annie.« Ich drohte ihr scherzhaft mit dem Finger. »Erinnerst du dich an Xavier?«

Annie senkte betreten die Augen.

»Den ›Avantgarde-Modeschöpfer‹, der definitiv schwul war und in Wirklichkeit Jeff hieß?«

»Ist ja gut«, räumte Annie ein.

Ich seufzte laut. Trotz ihrer dürftigen Erfolgsbilanz auf dem Beziehungssektor hatten meine Freundinnen recht: Michael anzurufen, war keine gute Idee. »Na schön. Ich rufe ihn also nicht an, aber ich brauche jetzt einen Drink.«

»Abgelehnt. Ist bei diesen Tabletten kontraindiziert, weil beide Stoffe sedativ auf das Zentralnervensystem wirken«, verkündete Jane, die angehende Ärztin.

Ich starrte sie verständnislos an.

»Ich glaube, sie will sagen, dass du dann vermutlich total überschnappst«, stellte Stormy in ihrer unverblümten Art richtig.

»Fein. Dann hol mir noch mal Schokolade!«

* * *

Es gibt Momente im Leben eines Menschen, die alles verändern. Alles durchrütteln. Dich in eine andere Richtung stoßen und auf einen neuen Weg bringen, zu anderen Menschen, Orten und Dingen. Diese Momente stellen sich nicht gerade häufig ein, aber wenn, dann erschüttern sie deine Welt.

Ich wusste, dass jetzt einer dieser Momente war. Ich wusste es, weil ich so einen Moment schon mal erlebt hatte, als ich zwölf gewesen war.

Seit diesem Alter wusste ich genau, was ich vom Leben erwartete. Ich hatte stets alles bis aufs i-Tüpfelchen geplant, jedes noch so kleine vorstellbare Detail. Der Grund dafür war vermutlich, dass ich ein sehr gutes Beispiel dafür vor Augen hatte, wie man nicht leben sollte – dank meiner Mutter, der Dramaqueen. Sie war eine einigermaßen berühmte Theaterdarstellerin, woran sie jedermann gern erinnerte … und das ständig. Nachdem sie sich von meinem Vater hatte scheiden lassen – ich war damals sechs –, erduldete ich etwas, das ich nur als Hölle bezeichnen kann. Wir zogen ständig um, von einem Stück zum nächsten, von einer Probe zur nächsten, von einem Mann zum nächsten. Der Musiker, der Schauspieler, der Regisseur, der Yogalehrer, der Stimmtrainer und sogar ein Zauberkünstler, der sich schlussendlich als Verbrecher erwiesen hatte. Als er hinter Gitter kam, schwor er, dass er entkommen werde, denn: »Selbst Handschellen können mich nicht aufhalten.« Soweit ich weiß, sitzt er immer noch.

Meine Mutter hatte in punkto Männer einen fürchterlichen Geschmack. Miese Typen zogen sie an wie Batikshirts und Weltfrieden den Hippie. Außerdem hatte sie einige ganz schreckliche Hobbys: Partys, auf denen in spärlicher Bekleidung Kokain geschnupft wurde, kamen in schöner Regelmäßigkeit vor. Oft musste ich mir morgens, wenn ich zur Schule gehen wollte, einen Weg durch ein Meer bewusstloser Körper bahnen, die kreuz und quer in unserem Wohnzimmer lagen. Als ich zwölf war, gewann mein Dad endlich den Kampf um das Sorgerecht, und ab diesem Zeitpunkt wandelte sich alles zum Besseren.

Ich kam in eine geordnete Welt perfekter Symmetrie und nahtlos strukturierter Routine. In ein wunderschönes, gepflegtes Heim mit einer Stiefmutter, die mich zur Schule fuhr und beim Hockeytraining anfeuerte, und zwei älteren Brüdern, die mich anbeteten. Zweimal im Jahr fuhren wir in die Ferien, stets an denselben Ort, in unser Strandhäuschen an der schönen Natalküste von Südafrika, und aßen an bestimmten Wochentagen die immer gleichen Gerichte. Mein neues Leben war berechenbar, und ich liebte es. Meine »neue« Familie nahm mich unter ihre Fittiche, als wäre ich ein verletztes Vögelchen, und das traf damals ja auch zu.

Dieses neue Leben gefiel mir so gut, dass ich schwor, mein eigenes Leben werde genauso sein. Alles würde seine Zeit und seinen Ort haben, und alles sollte so laufen, wie ich es geplant hatte.

Michael war Teil dieses Plans gewesen: Als Jahrgangsbeste die Schule beenden, aufs College gehen, Examen machen, in der Wirtschaftsprüfungsfirma meines Dads arbeiten. Bis fünfundzwanzig (spätestens) verheiratet sein. Erstes Kind mit sechsundzwanzig. Zwei Jungen und zwei Mädchen. In einem zweistöckigen Haus in einem begrünten Vorort nicht zu weit von meiner Familie entfernt wohnen. Ferien im Sommerhaus. Sonntags Brathähnchen.

Doch in weniger als vierundzwanzig Stunden hatte sich mein schöner Plan in stinkenden Rauch aufgelöst. Es ging nicht nur um die verpatzte Hochzeit, sondern ich verlor obendrein alles, was ich seit dem Alter von zwölf Jahren sorgfältig geplant hatte. Und dann kam mir ein neuer Gedanke – eine Erinnerung, die mir im ganzen Körper Schmerzen bereitete.

»Wäre es nicht romantisch, wenn wir unser erstes Kind auf der Hochzeitsreise zeugen würden?«, hatte Michael eines Nachts gefragt.

Ich rieb mir die Kehle. Dort formte sich ein Kloß, der mich am Schlucken hinderte.

Wieder kamen die Tränen. Ich schnappte mir die Fernbedienung und drückte wild auf den Knöpfen herum, bis ich an einen Sender geriet, der ausschließlich Naturdokus zeigte …

Schäumendes türkisfarbenes Wasser. Weißer Sand, der unter der niedrig stehenden tropischen Sonne leuchtete. Riesige Palmen, die sich verführerisch in der kühlen Meeresbrise wiegten, und sanfte Wellen, die den Strand benetzten. Es sah alles so friedlich aus. So schön und – wichtiger noch – so fern.

So weit entfernt von der Farce, zu der mein Leben geworden war.

Da kam mir eine Idee. Mit solcher Entschiedenheit und Wucht, dass ich vor Schreck beinahe von der Couch gefallen wäre. Es war der bei Weitem verrückteste Einfall, der mir in meinen vierundzwanzig Jahren auf diesem Planeten je gekommen war. Ein Teil von mir mochte nicht einmal glauben, dass er von mir stammte.

Ich würde in meine Flitterwochen fahren! Und zwar allein.

Ich sprang auf, plötzlich von Zielstrebigkeit gepackt. Ich rannte ins Schlafzimmer und wühlte in den Schubladen nach Pass und Flugticket. Verdammt! Der Flug ging schon in ein paar Stunden, und ich hatte noch nichts gepackt. Mein Verstand raste im Versuch, nur ja nichts zu vergessen, während ich hektisch durch die Wohnung lief und alles, was ich finden konnte, in den Koffer schleuderte. Ich fing Buttons ein und brachte sie zu meiner Nachbarin, einer einsamen Dame mit lila getönten Haaren, die meiner Katze mit Vorliebe die Krallen anmalte und ihr kleine Pullover strickte.

Ich dachte daran, was Freundinnen und Familie dazu sagen würden. Sie würden sich bestimmt große Sorgen machen und mich nicht fliegen lassen wollen. Also beschloss ich, dass es besser wäre, ihnen erst aus dem Flieger eine Nachricht zu schicken. Denn dann würde es zu spät sein, mir mein Vorhaben auszureden. Ich tippte den Text schon mal ein, damit er zum Versenden fertig war.

Leute, ich fahr allein in die Flitterwochen. Macht euch keine Sorgen. Mir geht’s gut. Ich liebe euch alle. Danke für eure Unterstützung. XoXo

Eineinviertel Stunden später sprintete ich durch den O. R. Tambo International Airport. Die Leute gafften mich an, als wäre ich eine Verrückte, aber ich störte mich nicht daran und rannte weiter. Gleich würde das Gate schließen, und ich war eindeutig der letzte Fluggast, der an Bord gehen würde. Ich hörte sogar, wie mein Name durch den dröhnenden Lautsprecher ausgerufen wurde. Endlich gelangte ich ins Flugzeug, derartig durcheinander, dass es ein, zwei Minuten dauerte, bis ich die Blicke bemerkte, mit denen mich die anderen Passagiere bedachten. Offenkundig waren sie über meine Verspätung nicht allzu erfreut. Aber das war mir, offen gesagt, schnuppe.

Mein Herz klopfte wie das eines Rennpferds. Atemlos ließ ich mich auf meinen Sitz fallen, drückte auf »Senden«, schloss den Sicherheitsgurt, lehnte mich zurück und versuchte, mich zu entspannen.

Aber es ging nicht.

Ich war verunsichert. Ich hatte das unheimliche Gefühl, beobachtet zu werden. Und so war es auch. Ich drehte mich ein wenig herum, um den Spitzel auszumachen und sah in zwei dunkle, stechende Augen. Die Augen gehörten einem Mann, der zwei Reihen weiter saß. Kohlschwarzes Haar rahmte eckige, ungewöhnliche Züge ein, und diese bildeten das gefährlichste Gesicht, das ich jemals gesehen hatte. Der Mann war komplett in Schwarz gekleidet. Schwarze Turnschuhe, schwarze Hose sowie ein altes, verblichenes schwarzes Hemd, dessen Look überdeutlich »Mir ist alles scheißegal« verkündete. Aus seinem Ärmel lugten die gestochen scharfen Linien eines Tattoos hervor. Er war ganz eindeutig ein Drogensüchtiger oder der Drummer einer Gothic-Band, und er war auf jeden Fall depressiv und ein Fan von Vampirfilmen! Sein Gesicht war ernst und kalt, aber dann …

Dann …

Hoben sich seine Mundwinkel kaum merklich zu einem schiefen Grinsen, während er mich von Kopf bis Fuß und wieder umgekehrt betrachtete. Ich spürte förmlich die Berührung seines Blicks auf meiner Haut. Und obwohl voll bekleidet, war ich mir noch nie so nackt vorgekommen. So rasch wie möglich drehte ich mich wieder um, doch selbst im Rücken konnte ich seinen prüfenden Blick spüren.

Da wurde ich von Empörung ergriffen. Wer zum Teufel glaubte er zu sein, dass er mich so anstarrte? Die beste Methode, um mit dieser Situation umzugehen, fand ich, bestand darin, mich wieder umzudrehen und den Blick des Mannes so herausfordernd wie möglich zu erwidern. Also drehte ich mich mit überaus vorwurfsvollem Blick um und überraschte mich selbst mit dem Wort, das aus meinem Mund drang.

»Was?!«, herrschte ich ihn an.

Sein Grinsen wurde noch breiter, und mit einem Funkeln in den schwarzen Augen schaute er auf meine Füße. Ich folgte seinem Blick und gewahrte zwei Augenpaare, die mich froschäugig anglotzten. Diese hingen an zwei pinkfarbenen, flauschigen Häschen mit süßen pinken Näschen und großen Schlappohren.

Ich habe meine Hausschuhe an!

Ich spürte, wie ich vor Beschämung krebsrot anlief. Mein Blick wanderte von meinen Pantoffeln zu meiner Hose und dann weiter zum Oberteil. Und da wurde mir klar, dass ich nicht nur meine Hausschuhe trug …

Sondern auch noch meinen Schlafanzug!

Kapitel 2

Habt ihr jemals versucht, euch zu entspannen, wenn ihr euch derart schämt, dass ihr am liebsten hinter einen Busch kriechen würdet, oder, wie in meinem Fall, ins Handgepäckfach und dort in irgendeinen Rollkoffer? Habt ihr jemals versucht, locker zu bleiben, wenn ihr ein Dutzend neugieriger Blicke auf euch gerichtet fühlt? Dutzende Münder verzogen sich zu einem Feixen, Brauen schossen fragend in die Höhe. Und das Getuschel war nicht zu überhören.

»Oh Gott, sieh nur, was das arme Mädchen da anhat

»Sie muss verrückt sein

»Ist wahrscheinlich krank

»Jammerschade, vielleicht ist sie depressiv oder schizophren. Die Ärmste!«

Yep, mir in diesem Stadium zu empfehlen, ich solle mich »zurücklehnen, entspannen und den Flug genießen«, wie die allzu enthusiastische Stewardess mir anriet, konnte nicht funktionieren. Es war, als sagte man einer Patientin auf dem gynäkologischen Stuhl: »Entspannen Sie sich … Es wird auch gar nicht wehtun.«

Wenigstens konnte ich mich unter dem Sitz meiner Pantoffeln entledigen. Leider galt das nicht für meinen grellpinken, quasi phosphoreszierenden Pyjama, auf dessen Brustteil Hände mit einer lächelnden Gabel und einem Löffel zu sehen waren und dem Slogan SPOONING LEADS TO FORKING – eine Anspielung darauf, wohin die Löffelchenstellung führen konnte …

Annie hatte mir den Pyjama zum Junggesellinnenabschied geschenkt. Und was hatten wir darüber gelacht! Hahaha …

Im Moment war mir gewiss nicht nach Lachen zumute. Wenn auch allen anderen.

Aber es war der unvermeidliche Gang zur Toilette, vor dem mir am meisten graute. Ich hatte den Druck so lange ausgehalten, wie es einem Menschen möglich war, aber er wurde mit jedem Augenblick – und besonders, wenn der Getränkewagen vorbeigeschoben wurde – schlimmer. Ich hatte sogar das kostenlose alkoholische Getränk abgelehnt, um meine Blase in Schach zu halten. Aber nach sieben Stunden Flug wurde mir klar, dass selbst meine Kamelblase allmählich versagte. Da wusste ich, dass der Zeitpunkt gekommen war, den Weg der Schande anzutreten.

Ich schielte in Richtung Toilette. Sie kam mir so weit entfernt vor, als säße ich auf dem Flügel eines anderen Flugzeugs. Mindestens dreißig Sitzreihen trennten mich von meinem Ziel. Ich holte tief Luft und redete mir gut zu: So schlimm würde es schon nicht werden. Ich hatte doch bereits die schlimmstmögliche Demütigung erlitten, dagegen wäre der Gang zur Toilette ein Kinderspiel. Was machte es schon, wenn mich einhundert Menschen im Schlafanzug sahen? So furchtbar war das doch sicher nicht.

Mit zitternden Knien und trockener Kehle erhob ich mich. Langsam schlurfte ich den Gang hinunter und fasste den Entschluss, jeden im Vorbeigehen nett anzulächeln. Wenn ich einen freundlichen Eindruck machte, würden sie den grellpinken Pyjama vielleicht übersehen.

Aber mein Lächeln machte die Sache nur schlimmer.

Ich schritt tapfer weiter. Eine Mutter legte ihrem Sohn die Hand vor die Augen, weil er sichtlich rätselte, was der Spruch auf meinem Pyjama zu bedeuten hatte. Eine andere Mutter zog ihr Kind eng an sich und sah mich ängstlich an. Ein Mann rief leise Miau, ein anderer zwinkerte mir zu. Ein paar Sitzreihen weiter vorn drehten kichernde Teenager ihren Selfie-Stick in meine Richtung und schossen ein Foto. War das nicht ein bisschen übertrieben? Ich warf den Kopf zurück und versuchte, einen würdevollen Eindruck zu machen, aber innerlich starb ich tausend Tode.

Ich war so froh und erleichtert, als ich endlich die Toilette erreichte, dass ich die Tür aufstieß und mich praktisch hineinwarf …

Knall! Rumms!

Ich war auf einen Widerstand gestoßen. Heftig. Als ich mich endlich wieder zurechtfand, stand ich dem Grufti Auge in Auge gegenüber, der sich den Kopf rieb.

»Was ist passiert?«, fragte ich. Ich sah, dass er wirklich Schmerzen litt.

»Bin gerade von einem Mädchen zusammengeschlagen worden, das ist passiert.«

Ich keuchte erstaunt auf. »Es tut mir so leid, ich wusste ja nicht, dass jemand auf der Toilette ist.«

»Keine Sorge, war meine Schuld. Ich wollte mir bloß die Hände waschen, hatte also nicht abgeschlossen.« Immer noch rieb er sich den Kopf. Als er die Hand fortnahm, sah ich eine kleine gerötete Stelle.

»Oh mein Gott! Sie sind verletzt.« Ich schämte mich ja so.

»Ist schon okay. Ich werde mich revanchieren, wenn Sie’s am wenigsten erwarten«, sagte er mit verschlagenem Grinsen.

Ich spürte, wie es mir kalt den Rücken hinunterlief. Was wollte er damit andeuten? Dass er sich, während ich schlief, von hinten anschleichen und mir einen Schlag über den Schädel geben würde? Ich musterte ihn von Kopf bis Fuß. Hätte irgendein anderer diese Bemerkung gemacht, hätte ich sie als Scherz abtun können. Bei ihm war ich mir jedoch nicht so sicher.

Der Grufti musste meine Besorgnis bemerkt haben, denn plötzlich streckte er mir die Hand entgegen. »Hallöchen.« Er hatte einen ganz normalen südafrikanischen Akzent wie ich, was mir erstaunlich vorkam.

Ich hatte etwas Sinistres, Vampirartiges erwartet.

»Wir haben uns noch nicht vorgestellt. Ich bin Damian.«

Aha! Das passte schon besser! Gab es da nicht diesen Horrorfilm, in dem Satans Kind auf den Namen Damian getauft wurde? Damit konnte ich schon eher etwas anfangen. Ich hatte Luzifer oder Xavier oder Beelzebub oder etwas ähnlich unheilvoll Klingendes erwartet.

»Ich bin Lilly«, sagte ich ein wenig abweisend, da ich ihn auf keinen Fall zu näherer Bekanntschaft ermutigen wollte. Vor allem da mir ein Lederarmband und ein Tattoo mit dem Schriftzug Depeche Mode auf seinem Unterarm aufgefallen waren. Mein Verdacht hinsichtlich seiner Person hatte sich definitiv bestätigt.

Wieder grinste er schief. »Also, es war nett, Sie kennenzulernen, Lilly.« Damit trollte er sich.

Ich starrte ihm hinterher und grübelte über unsere beiden kurzen Begegnungen nach.

Grotesk!

Wirklich grotesk.

Er war der schrägste Mensch, dem ich je begegnet war.

Meine Blase gurgelte vernehmlich, und ich hüpfte in das Kabuff. Noch nie zuvor hatte mich der Anblick einer Toilette glücklicher gestimmt, und die Erleichterung folgte augenblicklich. Doch als ich aufstand und mich im Spiegel erblickte, sah ich mich einem Wesen gegenüber, das man nur als Monstrum bezeichnen konnte.

Ich starrte.

Reckte probeweise das Kinn in die Höhe. Senkte es.

Wandte dem Spiegel mein Profil zu – in der Hoffnung, dass die Geistererscheinung doch noch eine Schokoladenseite aufweisen würde.

Fehlanzeige.

Schwarze Mascaralinien zogen sich wie Zebrastreifen über mein Gesicht, der verschmierte Lippenstift ließ mich aussehen, als hätte ich ein ansteckendes Ekzem, und mein Haar war dermaßen zerzaust, dass eine Schar Seemöwen darin hätte nisten können. Am Hinterkopf entdeckte ich einen armseligen Haarclip, der sich anklammerte, als ginge es um sein Leben.

Ich riss ein paar Fetzen Toilettenpapier ab und versuchte, die hartnäckige Schweinerei zu entfernen. Das nützte jedoch nichts, und ich verfluchte meinen Lippenstift: ein Produkt namens ColorStay, das zweiundsiebzig Stunden Kussechtheit versprach. Zumindest hielt er sein Versprechen, anders als diverse andere Produkte, zu deren Kauf ich mich schon hatte verführen lassen.

»Täglich auftragen, und Ihre Wimpern werden zweihundertmal dicker, kräftiger und länger …«

Warum eigentlich? Damit man mit ihnen Bungee-Jumping gehen konnte?

Ich seufzte. In dieser Welt gab es so viele leere Versprechungen.

* * *

Zwei Stunden und nur ein Glas Wein später wurde mir schummrig zumute.

Sehr, sehr schummrig. Ich sah den Mittelgang entlang und musste feststellen, dass er sich wellenartig hob und senkte. Das Flugzeug neigte sich, und mein Sitz schien sich in eine Art Gelee verwandelt zu haben. Sehr beunruhigend.

Plötzlich vernahm ich ein Pssst.

»Hey, pssst! Pssst!«

Es kam vom Boden, also schaute ich hin … und sah zwei Froschaugenpaare, die mir fröhlich zuzwinkerten. Ernsthaft, meine Pantoffeln zwinkerten mir zu! Einer wandte sich sogar an den anderen und fragte etwas.

»Sie sieht nicht gerade gut aus, wie?«

»Nein, nein«, erwiderte das andere Häschen mit ausgesprochen britischem Akzent. »Blass, äußerst blass

Ich sah mich verstohlen um, ob sonst noch jemand dieser absurden Unterhaltung folgte, aber die Gesichter der anderen Passagiere zerschmolzen. Nun bekam ich es mit der Angst zu tun. Mein Herz hämmerte, und meine Hände wurden schweißnass. Was geschah mit mir? Da fiel es mir wieder ein … Es lag an den kleinen weißen Pillen meines Bruders! Ich hatte doch vor einigen Stunden eine genommen. Verdammt! Und Jane hatte mich noch davor gewarnt, Alkohol zu trinken.

Mit einem Mal wurde mir speiübel. Mir drehte sich alles im Kopf, meine Arme fühlten sich an, als schwebten sie, und die Häschen fingen an zu lachen. Die Wellen der Übelkeit wurden immer schlimmer, und ich glaubte nicht, noch länger dagegen ankämpfen zu können. Ich wandte den Kopf und schaute zur Toilette: Sie war so furchtbar weit weg.

Ich hatte gerade die schrecklichsten vierundzwanzig Stunden meiner Existenz erlebt, und nun sollte es noch schlimmer kommen? Verbittert über diese Ungerechtigkeit griff ich nach der Spucktüte.

Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte nicht …

Wäre dies ein Film gewesen, dann hätte der Regisseur in diesem Augenblick auf die Gesichter der anderen Passagiere geschnitten.

Die Frau neben mir beugte sich entsetzt weg.

Der Mann in der Reihe hinter mir würgte.

Das kleine Kind links von mir lachte und zeigte mit dem Finger auf mich.

Das ältere Ehepaar rechts hielt sich an den Händen und tuschelte.

Ich sah nach unten zu meinen Pantoffeln. Sie bewegten sich nicht mehr, und sofort merkte ich, dass ich mich besser fühlte – was die körperliche Verfassung betraf. Seelisch hingegen war ich ein totales Wrack und jenseits aller Verlegenheit. Ich fragte mich, ob man mich in eine raffinierte Realityshow gelockt hatte, in der jeder außer mir Bescheid wusste. Eine Show, in der sich die Produzenten gegen mich verschworen hatten und dafür zu sorgen hatten, dass ich die schrecklichste Zeit meines Lebens durchmachte. Oder war wieder dieses alte Miststück namens Karma dafür verantwortlich?

Ich fühlte mich verlassen und vergrub den Kopf in den Händen. Ich hatte nur noch einen Wunsch: dass das Flugzeug am Boden zerschellen möge. Oder dass zumindest das Dach wegfliegen und der Sog mich herausreißen sollte. Natürlich wollte ich nicht so enden wie die armen Kerle in den Anden, die einander hatten aufessen müssen, um zu überleben, aber raus aus dem Flieger wollte ich auf jeden Fall.

Und ich wollte Michael.

Ich vermisste ihn so sehr, dass es wehtat. Ich wollte mit ihm in die Flitterwochen fliegen, ich wollte eine glückliche Braut sein, die Händchen hielt und …

»Lilly, alles in Ordnung?« Grufti war aufgestanden und hockte nun im Gang neben mir. Er sah ehrlich besorgt aus.

Was ging es ihn an? Aber dann machte er eine Bewegung, die mich sehr erstaunte, denn er legte mir sanft die Hand auf die Schulter.

»Geht schon wieder etwas besser«, gab ich schüchtern zu.

»Soll ich Ihnen eine Cola holen? Ist gut gegen Übelkeit.«

Noch bevor ich antworten konnte, war der Grufti bereits auf dem Weg, um mir das Getränk zu besorgen. Diese unerwartete Güte seitens eines seltsamen Unbekannten machte mich sprachlos. War er nicht derjenige unter den Passagieren, dem man solche Freundlichkeit am wenigsten zugetraut hätte? Vor wenigen Minuten noch hätte ich behauptet, er sei genau von der Sorte, die dir deine Handtasche stiehlt und im Wald nackt um ein Feuer tanzt.

Er kehrte mit meiner Dose Cola zurück und riss die Lasche für mich auf.

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