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Leben am Parnass I

Gerhard Friedrich Grabbe

Leben am Parnass I

Heimat ist das Empfindungs-Erlebnis, die Wurzeln zu spüren, aus denen das eigene Selbst erwächst

Leben am Parnass

mit Zeichnungen von Thorsten Chr. Grabbe

Inhaltsverzeichnis

I. Aufbruch vom Leben an der Quelle

Aus Kindheit und Jugend – Gedichte in vorwiegend plattdeutscher Sprache Seite

Hier also finde ich euch wieder? - Erzählungen:

Bei den Eerdmantjes

Das steinerne Feld

Der Stein des Baumeisters

Das Jahr der Eisblumen

Ora et labora

Bestimmung

Begegnung am Parnass

Das Angebot

Erkenntnisse

Das Standbild

Die Legende vom Spiegel

Den Mühlstein an dem Halse

Der Knabe im Park

– Was für ein Morgen!

II. Bachbett-Mosaik

Satire (Erzählungen / Fabeln / Programmatisch Zeitkritisches)

Diebesgut tut selten gut

Die Ringe des Polykrates

Die Grille und die Ameise

Risiko

Der Blinde u. d. Lahme

Bildung

Die Sahne von heute…

Journalismus

Kleckseln

Für euch

Das Los des Widerstande

Mein Freund Joke

Was sollen wir lernen?

Was nun?

Sozialverträglich

Filou

Krieg der Tiere

Die Fahne nach dem Wind hängen

Schipper an Bord

Die Eiszeitlichen

Kannibal

Colonia automatica

Der Kuckuck

Kraftfutter

Machen Schaltkreise Menschen?

TV macht Unterricht

Halt, Deutschland!

Devot

Verspottet

Legen Ihre Hühner

Sind wir gg. Gewalt

Präd.: Bes. wertvoll

Der Denunziant

Quellwärts gerichtet.

- Gedichte

darin die Gedichtszyklen:
Die Emser Gedichte

Anglikanische Hymnen

Auferstehungs-Kantate für Kinder

Irrlichter der Tugend

Grenzgänge

Die Anzinger Gedichte

Raphael Müller

Psalm 84 – Erkennen und Bekennen

Zur Person des Autoren

Mein Teddybär

Des Kindes Einsamkeit der Nacht,

wo Traum und Wachen sich verschworen,

hat Bilder in mir aufgebracht,

von denen manche zwar verloren,

doch eines blieb mir stets vermacht,

das, rief ich’s, still mich angelacht:

ein Bärenkopf mit runden Ohren –

ein süßer Trost: mein Teddybär!

Ihm strickte Mutter was zum Knöpfen,

damit er nicht so nackig wär’.

Oft matt vom Spiel bis zum Erschöpfen,

fiel mir der Gang ins Bett nicht schwer,

doch gab man mir mein Bärlein her,

wie raunten wir mit heißen Köpfen!

Vertraulich hielt ich’s mit dem Freund,

weil Spötterzungen hässlich sprechen,

weil Neid mit Hohn nicht lange säumt,

den freien Kinderbund zu stechen.

Er hörte mich, wenn ich geweint,

und heilte, was kein Gönner leimt;

wir teilten Herz- und Zeitgebrechen.

Was bliebe mir, wenn das nicht mehr?

Wir hätten wenig Grund zum Lachen,

uns rollten bitt’re Tränen schwer,

wenn zwischen uns’ren Spielzeugsachen

der Tröster nicht, die Puppe wär’ -

wie damals mir der Teddybär -,

des Glückes Pförtlein aufzumachen.

(Blick auf den Garten – daneben: Der Fasanenweg heute. Den Garten gibt es nicht mehr.)

Dä Patt achterlangs

Unner Linnenboomen um’t Huus up’t Pattj

tüschen Rausen tree ick in’t Sünnenlüchten,

Sönndaggsstielle, feernher än Haauhnenkreihen,

Duben, dä guurren.

Sachte Wind striikt fauker dä Äkboomtacken

up unn daul, dat Loof fispert luuter, frömd mi,

dör dä Stammen kiik ick up Keunens Waldje

achtern in’t Dünsten.

Schaa van’t Boomen fluckert up Grön unn Spören,

lett sück mit miin Stockje nich änfach steeken;

Lüentjes scheellen, Filappers dwölnen stiellkens,

witten unn bunten.

Tüschen Heeg unn Waall slöppt disse Vörjohrsmörgen.

Jüüst van feern, van’t Flassmeertjer Kaark, dä Klocke,

sleiht mit fiine Slagg over’t Kampen rower,

stüürt mi dä Uhrtiid.

Bit an’t Weggeend gau ick unn unner Barken,

grön unn zoart dat schüddelnde Loof vör’t Blaaue;

Naubers Huus in’t Süenschiin kickt groot unn slauperg –

Maidagg an’t Mörgen!

Kinnerreupen

Diss Dagg wass hät. Ick stau in’t Poortje,

so’n lüetje Fend, unn kiek naudaul;

van mennig Rad sä ick ’n Foortje

in’t griese Sand än elke Maul.

Dä Süen sitt günners achter d’ Boomen,

man up blood Feuten is’t noch warm

in’t Sand. – Hier sünt sä komen,

man nu is’t Tied, nu mutten’s gaun:

Van nauh unn feern hör ick dä Meuders

Jüüst bölken nau hör Kind mit Nauhm.

(Dat wät elk Släf, dat du hum feuerst,

unn’t Eten sall up’t Taufel stauhn!)

So mennigään röppt dann wall rüggels,

dat Meuder wät: Hä hett’t doch höört!

Man mennigään streewt gornich vöggels:

Hä kickt so geern, wat noch passärt.

Dat düürt ’n Sett, dann hör ick’t Raagen,

unn’t Ollske hett hum läp bi’t Kopp,

unn „klipp“ unn „klapp“ – hä mutt sück bargen,

man nauher smeckt hum doch sin Soepp.

Dä Warmte steiht in Boom’n unn Heegen,

dä Wittdoorn bleiht mit fiine Röök,

dä Vögels hemm’n wall Jungen kregen

unn sörgen sück mit riike Flöög.

Min Mama röppt, nu mu’ck nau binnen,

man mörgen, wenn dä Süene schiint,

sall ick jeu wall up’t Patt weerfinn’n.

Door spööl wi weer – ass sück’t so fiend’t.

Kinner-Johr ’n

Westwind drifft dä Himmel so vull,

schnufft döör Tacken unn Blauden;

Süen is weg; wat dor bleihn sull,

sleiht dä Kopp vör Benau’n!

- Satt up’t Baank, lüetjet unn stiell,

sach dä Wulken sweven,

keek so trüürig döör miin Briell,

luurde, wor bünt sä bleben?

Elke Dag verwunnert mi läp,

paas ick up’n sünige Täken,

mutt noijt biistern, man krieg’t mit Swät,

jüüst bi’t Wulken-Söken!

Driift man henn, so swart unn swor!

Lüetjet fung ji an,

bliid 11ä hic – nu traunerg unn nor,

nett, dat man’t holln kann!

Knickern

Up’t Wegg an’t Heeg hör ick höör proitjen.

Wat hemmn dä vöör?

Willn dä sück wall mit Puelln klütjen?

Ick stau vör’t Döör.

Och nee, Ick höör’t: Dat geiht um’t Knickern,

unn hannig haul’ck miin Büdel rut

unn suus umteu; nu höör’ ck’t all bickern.

Dor sitten’s stiell mit’n spitze Snuut,

jüst ass mit siin geknickde Finger

höör Diedrich aall dä bunten Dinger

- elk up dat Gatt an –

widerschoof

unn dann,

gottloof,

in’t Lock!

Klock!

See dat letzde noch,

dor kraabde sück dä Winner doch

van elk dä Knicker uut dä Pott fix in siin Büdel.

„Nochmaul!“ so reepen aall teuglijk,

unn unner Laagen unn Gerödel

flog miin oell Knicker ook teu wiit!

Dor lagg hä stiell unn grön teu winnen,

man anners ään, ick wät nich, well,

kreeg hum mit aall dä annern binnen.

Unn ick?

Bi dit geiht’t selten geut, wenn’t beter sall!

Tickjen

‘T is Sauterdagaubend! Hier sitt wi unn kaueln

van elk ’n Beleevthät ’n bijtje teusaumen,

Wichter unn Jungse, up’t Trappen van’t Scheulpoort.

So ass wi dor sitten unn wäten uuns Woort,

dor kann sück up äänmaul ’n Fent nich betaumen

unn mutt dor 13ä hick1313en unn tegenjaueln.

Nu kummt ja än Schellen unn Schimpen geflogen,

unn dorum lett sück dä anner nich nögen

unn sitt hum, verdult ook, in’t Aubendfree nau!

Dat wull hä ja man; nu verdraggt sück’t ook gau,

unn beide targen nu uns teu Vergnögen;

wi springen so up, sä slaunt mennig Bogen!

Teuleetzd kann giinään mehr, wi staunt so unn jappen,

unn elk is’t maul west unn kunn ook well snappen,

so laag wi unn plinkern uuns hartkloppend an.

Diss Jaugen, nau’t Pultern, döör Süenschiin unn Sand,

düürt Meuder nich wäten, düürt nüms höör verflappen,

denn anners gifft ’t doch wat vöör Bielln unn Gatten!

Schoijen

O, kennt dijn Haart dä Schrick, so wunnersaum,

wenn di teu’t eerstemaul än süfzig Röögen

begripen lett, dat dijn Gedankenflögen

sück däp beswoorn mit än Verlangenstäken,

du föhlst, wo annern minner wäten?

Dijn Uurdäl harr’t vördem ook lichter meeten,

man dijn Verlangen wuurs, bleev nich mehr stauhn.

Du harrst ja sähn unn kannst nix anners mögen,

unn nix, as dat du’t kriegen muggst, kann dögen.

Door is bi dij in’t Haart ’n Schütt daulreeten.

Nett, wat d’ nich hemmen düürst, kannst d’ nich vergeten.

Dat wort teu Ölje, dij in’t Füür teu gäten.

Wat helpt dor noch, wat dij inwendig mauhnt?

An elke Dagg düürst du dijn Jammer pröben,

föhlst du heruut dat stedig staarker Nögen!

Jau, stiell beslijken dij in disse Weeken

dä noore, ägenschojerige Lögens;

bedoorst dij nich: Gijnään sall sück d’ran högen,

nee -: Du begeihst’t mit swoor benauhde Auhm

nimmst du’t – dat änstmauls Hillige mutt breken.

Teueerst bloot Klänigkeiten, dä wat leten,

dann hest du’t leehrt. So hest d’ dij dran vergrepen!-

Well dij vertraude, düürt nich an dij löben;

du hest dä Welt, hest ook dij sülms bedroogen.

Maggst du ook gauhn: Dij blinkt gijn stielle Traaun!

Büten

Wo fauk, dat dä Gedanken schofel

unn dat dat Haart bedroogen wuur!

Man wovöl swoorder unn wo stuuer

kwamm nauhst dat bitter Ingestauhn!

Wat hüff ich ook d’rup inteugauhn,

wat in’t Gewäten puust dä Düfel!

Bij’t Büten kroop dat Hemmenwillen

uut düster Heuken over’t Tuueng,

än söte Klang was door in’t Muuend,

man prees sück’t an, van Loov so full,

man wüss genaau, wo’t sitten sull

unn muss vör Glück, verdaamd, noch triellen!

In’t Oog dä Gier, um’t Muul ’n Smüstern,

so tuusk’den wij dä Riddersmann

teu’n Keerl up ’n Staang, dä kieken kann! –

Mijn Mama woorschau’d mij genug:

Sä wüss um disse Sülfstbedrugg.

Nu braannt ’t in Haand unn Haartensdüstern.

Gebuursdagg

Dat is bedocht vöruut in Weeken,

dat Nauers Jung Gebuursdagg hett!

Nu sitt hä fauk unn is an’t reeken,

man och! – dat düürt ja noch so’n Sett!

Teuletzd is bloot än Nacht noch bleben,

unn ’d Jung siin Ohren bünt läp lang;

bi hum unn Mama is’t ’n Upreegen.

Hä slöppt häl nich -: dor bün’ck um baang!

An’t Mörgen sitt völ Sand in’t Oogen,

man dor, mit äns, is hä der all!

Dä Köken warm, heell Füer in’t Obent,

unn alles find’t hä, so ass ’t sall.

Hier Schrieftüüg, dor wat anteutrecken –

(’t is Winterdag, in’t Januoar) –

- dor Spöölreef – ook noch wat teu slicken!

Gebuursdag is’t - ’t is wunnerboar!

Nu man an ’t Teufel unn wat eeten!

Vöör’n Happke sitt hä nett noch vöör,

man nu in’t Joepp, dä Pool gegrepen,

dä Ranzel up, unn nu van Döör!

’T is kolt in buten, man dor günners

stappt hum siin Fründ vergnögt teumööt,

unn aall graläärn’s hum, aall dä Kinners,

unn bolt ook kwammen’s noch teu laut!

In’t Scheul düürt hä nau vören komen

unn teu dä Kinner höör Gesieng

mit’t Finger wiisen, unn, mit Schaumen,

singt hä dorteu mi heelle Stiemm.

Vör’t Naumiddag hett hä’s inlauden,

dä hum bii’t Spööln an’t naugsten bünt

unn dä jüst ook in’t letzde Daugen

wall ördentliik unn läw west bünt.

In’t lüetje Köken steiht siin Taufel,

wor elke Kind geut sitten kann.

Van Daug gifft’t Keuk, wor’t anners schofel,

Kakao unn Melk unn sogor Sauhn!

Dat Spöölreef is teu moj unn nüdelk,

unn alltijd hät’t’ : „Vörsichtig, Jungs!

‘T mutt laang noch holln!“ So bünt sä freedelk,

sogor mit Naubers Wicht! Dat köönt s’!

Dä Dagg geiht henn; dat Spööln in buten

hollt noch wat an; bi’t Schummern is

unn d’ Kökenlaamp hör dör dä Ruten

dat Eeend van diss Gebuursdagg wist.

Sä sluurn nau Huus; ‘t gifft Aubendeeten,

man up d‘Verwaandde wacht hä noch:

Wat dä noch brengen, mutt hä wäten!

Up’t Eend, mi dücht, slöppt hä dann doch.

Dä Grooten düürn sück wat verteellen

bi Keuk unn Tee unn ook noch Kuur. –

Diss Dag wass moj: Dor gaff’t gijn Scheellen,

hier gaff dat ruum, wornau hä luur’!

In’t Meuer

Mit bloode Feuten loopen wi Fründen gau

van Huus nau’t Meuer. Taaske mit Eeten fast

an’t Henkels. Klipp unn klapp up’t bülerg

Feutpatt, unn däper in’t Leegmeuer koom wi.

Dä Röök van bruune Heijde umweiht dä Nöös,

unn bruun dat Wauter, wat dor in Slooden steiht,

dä witten Barkenboomen röögen

Kronen unn Blauden in’t warme Weihen.

Dä Tochsloot, dä wi jüst overspringen könt,

hett sünig Wauter. Wijder dä Patt in’t Meu’r.

Vörbij ann lüetje Huusen. Nauger

Koom wi an’t Poort, dä wi overklautern.

Dör’t Kamp, dör Gress unn wijkende törfig Grund

umhollt uuns wiide Stiell unn Kiwittreup.

Dat feerne Leben fiend’t uuns äänsaum

stappen in disse beleevde Wiide.

Bloot enkelt, henn off heer, waast än Lüchtmast hoch

siin Drauhden leeggen Schaa over’t freije Land,

dat Veijh in’t Kamp vörut kickt freedelk,

düster dä Puckel van’t Hochmeu’r d’rachter!

Unn nochmaul klautern wi over’t Schütt van’t Weij

unn endlich säh wi Vauders beweegde Rüegg:

Hä steekt in’t Up unn Daul dä Palten

Törf sück herut! Man nu bünt wi anlaangt!

Vör hum dat Brot unn ’n Kluckje uut ’t bruune Flers,

unn smüsterg wisst uns Vauder in’t Törf ’n Flient.

Hä mänt, wi sulln man jüst ’n lüetje

Flintstäntje pooten teu grooter waarsen!

Wi hemmn’t ook daun unn maarkden dä Stee uns fast,

bekeeken nauher Slooden unn Gress unn Heijd,

wi keeken geern dä Vögels nau unn

söggden van’t Kiwitt dat Nüst mit d’ Eier.

Wo fauk dat wi helpen unn lauden kunn’n

unn fuhren stiell mit Vauder up’t Plaank vörnup,

dä „Voss“ truck saacht dä Ackerwaugen,

ijsdern beslaun unn up’t Aasen knaukernd.

Van boben leep dä Grund unnter d’ Änsteell weg,

mit elke Tree van’t Peerd stoof dä Sand umhoch,

dä Steert umslog bi Sett’n dä Biellen,

rot leep vörut uns dä Aubendsüene.

Mit Blömen kwamm ick s’mauls off mit Heijd nau Huus,

man mäst mit Smacht in’t Liif unn dat Hoar vull Meu’r,

dä Oogen blank, dä Bään so möije, -

dröömde van Wullgress unn Wautergauten.

Up Böskupp

Mit disse groode Taaske

stüürt Mama mi up Patt:

Ick sall ’n Buuskohl haulen

Unn Wuddels unn noch annerswatt.

Dor bruukt sä nix vör teu betauhlen,

dat hett dat Fraumensk hör beloovt.

Dä Patt kenn ick wall van vergangen Maulen

unn ook dat Huus, wor unner’t Heeg ’n Teef

ruutschütt unn maukt mi lüetje Fent in Not!

Dat Naubers Jung mitkunn, dat harr’ck doch hoopt

Man dä harr jüst giin Tiijd, dä oelle Släf!

So mu’ck allään van Dag mit miin Benauen. –

Dä Hund iss upschütt! Wo hä toovt!

Ook gorkijn Fent, dä mi wall hauen

unn mi wall riiten kunn van’t Rad!

Mit’t vuelle Büdel jaugen

nau Huus – unn Peeren satt!

- An’t Liin weiht Mamas Waaske.

Stiellfrädag-Vörmiddag / Karfreitag

An disse Mörgen bün ick freuh in’t Kläer,

up’t Fluur vull Sünnenschien teu’t Döör in buten

unn tree van uens Portaul dä Stänpadd langs

up’t Poortje unn bi’t Wegg, stauh tüschen Boomen

van dunkelgrööne Taxus, Wittdoornheegen,

in’t köhle Schaa van hooge Linnenboomen

unn 20ä hic Smidts Tuun Sünnenlücht gebret’t

unn Stielle; höör feernhenn dä Naubersheuner

in’t Staall unn buten kaukeln van höör Eijer.

Dirks Huus? – Dä groode Flöörkebuschen holl’n

dat Röögen dor unn ook dä Pütte feijn

verstoppt. Du auhnst dä Mensken, man teu sähn

is nümms; dä Lüü nau’t Kaark bünt laang vörbi.

Än friske Röök umdrifft miin Hoor unn Sinnen,

ick holl mii fast an’t Poortjepauhl unn lüster

up Sing unn Sang van uens Netüür unn föhl

mii buurgen, ääns mit buten vör unn binn’n

in disse junge Haart vull Vörjohrsauhnen.

Än Düük van aalls, wat leevt, vör’t Lebent,

maukt Hartensseehr an sückse Lebent fast!

Ein Knabe war ich diesseits neu gemacht:

am frühen Vormittag aus dem Portal

den Steinpfad hin zur Gartenpforte schreitend,

vom Sonnenlicht begleitet, wie benommen

am Treppenaufgang zwischen Taxusbäumen

auf Sandweg, duftig grüne Hecken schauend,

Kniestrümpfe weiß, und weiß das Hemd, die Schuhe

geputzt von Mutter, die jetzt drinnen wacht,

steh’ich, ihr Sorgenkind, am Pfortenpfahl

die Hand, das Haupt gelehnt, vertraut hinbreitend

der Seele Helligkeit, dem Glück entnommen;

vom Lindenblätterdach beschattet, träumen

des Lichts Geschwister, klangerfüllt erschauend

am nahen Nachbargarten dichte Schöpferruhe –

hebt mich, neun oder acht? – zum Brudermunde

- : besiegelt küssend meines Lebens Bund!

Hymnen an Eden

Up Visiit – as än Jung, nett henn teu väär off fijf,

lagg ick stiellkens up ’t Lijf, keek up dä Biller groot,

Omas Bibel as Rautsels,

maall unn hillige Lüü teumöet.

Zeichen schuf sich der Mensch, Ausdruck geformter Zeit,

Worte meißelnd in Stein, siegelnd das heil’ge Ja

lebensspendender Liebe

als Programm, als der Bibel Vers.

Kriig was uut, unn in’t Haarst, s’Naumiddaugs Suennnen schiin,

gung ’t teu ’t eerstmaul in ’t Scheul, satten wi Kinner stiell,

Leij unn Griffels up ’t Banken,

seäss in ’t Rijg, Jungse unn Wichter, smaul,

Künstler wie auch Prophet nutzen der Sprache Gunst,

wissend, Mittler zu sein zwischen erahntem Hier

und ersehnender Zukunft,

Boten waltender Gotteskraft.

Keeken Mesters Gesiecht, nejschierig up sijn Deun,

Griffels kraabden up ’t Leij, Beukstauv up Beukstauv wuurs

in uens Vörsteelln teu Prooten:

Rautsels gungen vör ’t Leben up.

Michelangelo trieb einzig beseeltes Sein

in des Marmors Gestalt; alle die Großen sind

Zeugen eigener Welten,

Eingebund’ne in weitem Licht.

Leesen leerden wi nu, wuursen Biller unn Beuk

teu än Böskupp vör uns, settden sück in uns fast

as än Grafftstään teu wäten,

dat du süchst, wat dor buurgen liggt.

Alles, was noch der Mensch glücklich vom Ganzen träumt,

ist beschlossenes Sein-Werden-Vergeh’n als Sein –

- schwebend zwischen den Lichten –

hütet Schöpfung der Kreatur.

Kinner leern hör Sprauk seker mit Haan unn Haart,

dorum laut hör dä Tijd, Äänklang teu sähn unn Free,

wor sück Lebent hör updeiht

unner hillige Kreatüürn.

Baum, du hohes Gebild’: Glücklich im Blätterdach

baut der Vogel sein Nest, füttert die junge Brut,

spielen Kinder im Schatten –

Endlich’s atmet unendlich neu.

Gau ick stiellkens van Döör, säh ick unn hör ick jeu

jung – unn föhl jeu as mii – in mi unn dör mi gauhn.

Elke Dagg is mi Täken -:

Rautsels deunt sück mi up as Bild.

Eden

Mit naukend Puckel wüpp ’ck over ’t Huusdöörs Röst,

van hääte Stänen, brannerge Sand up ’t Gress,

dwass over ’t Rausen up uens Tuunpad,

schuul mi an Plumboom unn Fispels wijder.

In sich’rem Schatten lauschigen Apfelbaums

gewährt der stille Nachmittag Knabenmut,

erspäht das Auge reife Früchte

klettert der Fuß mit behenden Schritten

den schräg sich aufwärts reckenden Baumstamm, hält

des Spähers Blick im schützenden Blätterdach

nach Neuem Ausschau in des Gartens

grünender, düftebeseelter Runde.

Ick funn mi geern mit ’t Telt unner ’t Flöörkebusk,

in ’t Wijs van Vögelstimmen unn Menschenklang

unn wat dä Tijke, Ruup unn dwölerg

Filappers annerwijs seeggen mussen.

Teu disse Stee, teu disse gemaulde Tijd

well anners inteunöegen, dä nix dorvör

in Haart unn Sinnen overharr, wass

teegen miin Meut van sücks Kinnerdaugen.

War’s Eden, mir Geschenk der verzückten Zeit,

im Baume sicher schützender Elternschaft,

so lernt’ ich, zögernd Schritt zu setzen,

schüchternen Sinnes, doch wachen Herzens.

Des Kindes Wesen zeigt sich im reinen Sinn,

begehret Schutz der Mädchen und Knaben Scham,

verdient des Schänders Tat nicht Schonung,

zwingt er hinunter der Kinder Unschuld!

Wat mennig Kind unn Spölkameraud wall wüss,

dat treude uuns teu wohrschaun so licht wall nüms;

unn Clemens kneep bij’t Büxenmeten

jüst ook mijn Keerlke – unn ich versweeg dat!

Ja – Eden, denk’ ich, wächst es aus Elternhand,

gewährt es sich’ren Schutz über Kindes Haupt,

es webt das stille Werk der Unschuld,

ehe dem Leben man’s frevelnd niedrigt.

In ’t Tuun stunn’n mennig Boom unn ook Busken vööl,

dor tüschen Planten, Blömen unn Struken houch,

unn satten dor smauls Vögelnüsten,

hulln wi uns stiell unn beluur’n dä Jungen.

Unn wassen’s groot unn flüegg unn dat Nüst jüst leeg,

dann wass wi stolt, dat nüms van dä anner Jungs

dat Nüst uutreeten harr, dä Eijer,

rijgwiis up ’n Band, in höör Köken bummeld’!

Es sündigt erst der Mensch vor dem Paradies,

wenn sich der Kopf der Seele versagen heißt,

der Kreatur den Schutz verweigert:

Übermut schädigt des Schöpfers Walten.

Und ist des Lebens Rücklauf begonnen, lenkt

es klugen Schrttes, weise geworden, bang,

voll Sehnsucht heim die Schritte; doch nun -?

Fremd ist der Garten und öd’ die Stätte….