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LebkuchenLiebe

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Miss Nimmersatt – Die Serie
  4. Über die Autorin
  5. Titel
  6. Impressum
  7. LebkuchenLiebe
  8. Die Rezepte in dieser Folge
  9. Leseprobe

Über das Buch

LebkuchenLiebe

Auf dem Weihnachtsmarkt duftet es nach Tannengrün, Zimt und Vanille. Zwischen den hell erleuchteten Buden steht Mia im Schneegestöber und wärmt sich mit heißem, würzigen Glühwein auf. Aber alle Leckereien können nicht darüber hinwegtäuschen, dass für ihren eigenen romantischen Traum eine ganz entscheidende Zutat fehlt.

Wird Miss Nimmersatt nach den Zimtsternen greifen und ihr Weihnachtsglück finden? Oder endet für sie das Fest der Liebe mit einem gebrochenen Lebkuchenherzen?

Miss Nimmersatt – Die Serie

Mia Maxwell liebt Essen! Sie liebt es so sehr, dass sie es zu ihrem Beruf gemacht hat. Zusammen mit ihrer besten Freundin Lizzie, die ein Café betreibt, wohnt sie im trendigen Ostlondon. Tagsüber widmet Mia sich ihrer eigenen Food-PR-Firma, und abends schreibt sie den Food-Blog »Miss Nimmersatt«, der immer mehr Leser anzieht.

Über die Autorin

Emma Hamilton ist das Pseudonym einer englischsprachigen Journalistin und Schriftstellerin. Sie hat als Produzentin und Reporterin für das BBC und die Deutsche Welle gearbeitet und für verschiedene Magazine und Zeitungen geschrieben, u.a. The Guardian, Mail on Sunday oder Italy Magazine. Sie hat an vielen Serien und Dokumentationen mitgearbeitet, u.a. an einer über Essenskultur auf der ganzen Welt. Sechs Jahre lang lebte und arbeitete sie in Italien, im Libanon, in Äthiopien, den USA, Frankreich, Deutschland, Russland und Kamerun. Emma liebt Yoga, Laufen, Gartenarbeit und verbringt ihre Zeit gerne zu Hause mit ihrem Mann, Freunden und Familie – und gutem Essen.

 

So war das nicht geplant, dachte Mia. Sie blickte zum dunklen Himmel hinauf, aus dem dichter Schnee auf sie herabrieselte. Tom sollte jetzt eigentlich hier neben mir stehen. Sie seufzte. Seit wenigen Wochen erst kriselte es in ihrer Beziehung, doch Mia kam es wie eine Ewigkeit vor.

In diesem Moment unterbrach Lizzie ihre Gedanken und rief aus, wie romantisch der Schnee sei, wobei sie Mia begeistert umarmte. Und tatsächlich war Mia zum ersten Mal seit Wochen für kurze Zeit glücklich. Angespornt von ihrer Freundin, atmete sie tief ein, steckte die Zunge heraus, um den Schnee aufzufangen. Für einen kurzen Moment fühlte sie sich in ihre Kindheit zurückversetzt.

Doch dann holte die Realität sie wieder ein. Was hat sich in dem einen Jahr nicht alles verändert!, seufzte Mia und bahnte sich ihren Weg über den vollen Kölner Weihnachtsmarkt. Sie versuchte, nicht mehr an Tom zu denken.

Lizzie war direkt vor ihr und drängelte sich in der Schlange am Glühweinstand nach vorn. Die kahlen Bäume hingen voller Laternen und funkelnder Papiersterne; Lichterketten schwangen glitzernd im Wind. Wäre da nicht das entfernte Brummen des Verkehrs gewesen, könnte man denken, in ein mittelalterliches Dorf versetzt worden zu sein, vielleicht an Weihnachten 1450.

Sie konnte nicht aufhören, die hellen Lichter anzusehen und die warmen, würzigen Düfte aus den Glühweinzelten einzuatmen. Die dichtgedrängten Menschenmassen auf dem Markt machten es schwer, alle Bilder, Klänge, Gerüche und Speisen richtig in sich aufzunehmen. Dennoch wirkte nach und nach der Weihnachtszauber. Mia begann sich zu entspannen und ihre Probleme mit Tom zu verdrängen. Lizzie hatte Recht, so ein Kurztrip war genau das Richtige, um auf andere Gedanken zu kommen. Sie lächelte Lizzie dankbar zu. Wieder mal staunte sie darüber, dass ihre Freundin immer wusste, was das Beste für sie war.

Mia versuchte, sich aus der Negativspirale der letzten Wochen zu befreien. Sie blickte zu dem hell erleuchteten Riesenrad, das hoch über dem Weihnachtsmarkt aufragte und in der kalten Abendluft festlich glitzerte. Die Gondeln schaukelten behäbig, und Mia ließ sich von der Weihnachtsmusik trösten, die aus den strahlenden Buden um sie herum schallte. Ruhig bleiben, alles langsam machen und nicht mal an Heulen denken. Stattdessen wollte sie einfach warten, bis Lizzie mit dem nächsten bunten Becher, gefüllt mit dunkelrotem, würzigem Glühwein, erschien.

»Alles okay, Mia?«, fragte Lizzie besorgt, als sie die tränenglänzenden Augen ihrer Freundin sah. Überhaupt schimmerten momentan ständig Tränen in Mias Augen.

»Ja, ich hatte nur eben so einen Moment … Aber dann habe ich mich aufs Hier und Jetzt konzentriert, wie du gesagt hast, und mich wieder beruhigt.« Mia holte tief Luft und rang sich ihr bestes Lächeln ab. Sie nippte an ihrem Glühwein und war froh, woanders hinsehen zu können.

»Das ist gut«, tröstete Lizzie sie. »Denk dran, was wir gesagt haben. Hier geht es um dich und mich und ein bisschen Feldforschung, der wir uns widmen können. Aber vor allem geht es darum, Weihnachten zu genießen und auszuspannen. Wenn du weinen musst, mach das. Aber wir sollten die Zeit nutzen, indem du mir erzählst, was bei euch beiden schiefgegangen ist. Alles schien doch so gut zu laufen.«

»Danke, Liz. Und danke, dass du so spontan mitgekommen bist und mich überredet hast, meine Reservierung nicht einfach zu stornieren.«

»Ach, Mia, dafür musst du dich doch nicht bedanken! Es ist sowieso viel zu lange her, seit wir zuletzt zusammen verreist sind. Dafür wurde es höchste Zeit!«

Die beiden Freundinnen umarmten sich, tranken ihren Glühwein und genossen das Getümmel um sich herum. Es waren einige größere Gruppen unterwegs, anscheinend Arbeitskollegen, die nach Feierabend zusammen etwas tranken, und kleinere Freundesgruppen, die sich an den großen Fässern und Tischen um den Stand drängten. Alle redeten, lachten und ließen sich von der Stimmung mitreißen.

Normalerweise hätte Mia sich bei so viel Frohsinn noch einsamer und niedergeschlagener gefühlt, aber sie liebte Weihnachten so sehr und sog die Magie dieser Märkte schon seit ihrer Ankunft heute Vormittag in sich auf, dass sie tatsächlich lockerlassen konnte. Ihre bittere Enttäuschung darüber, dass es sich mit Tom nicht wie gehofft entwickelt hatte, schob sie fürs Erste weit von sich.

Sie legte die Hände um den warmen Becher und atmete mit halb geschlossenen Augen den würzigen Alkoholdampf ein, der vor ihrem Gesicht aufstieg.

Vor ihrem geistigen Auge sah sie das funkelnde Meer in Cornwall, auf dem Tom und sie an Bord der Miss Nimmersatt im vergangenen Februar durch die Wellen geglitten waren. Jene wenigen Stunden auf dem Wasser schienen die letzte ruhige Zeit gewesen zu sein, bevor sie sich im Chaos und dem Kummer wegen Toms krankem Vater sowie der Pendelei wiedergefunden hatten, die ihrer beider Leben während der letzten neun Monate beherrschten.

Unwillkürlich summte Mia, als sie noch einen Schluck Glühwein trank, und Lizzie, die fühlte, dass ihre Freundin in einen ihrer Tagträume abgedriftet war, widmete sich ihrem eigenen Glühwein und ließ Mia für eine Weile in Ruhe.

*

Mia kam es vor, als hätte auch an jenem Tag im Februar eine bestimmte Magie gewirkt. Sie war in der Erwartung angekommen, eine bitterkalte Woche lang durch winterlichen Cornwall-Matsch zu stapfen und neben Lagerfeuern zu bibbern. Doch dann war der Himmel strahlend blau gewesen, die milchige Wintersonne hatte bereits den Frühling angedeutet, und im leichten Wind waren sogar schon erste schwache Aromen des Sommers wahrzunehmen gewesen. Tom hatte sein restauriertes Boot enthüllt, welches nach Mia benannt war. Das lange Warten, während sein Vater sich erholte, war auf einmal nicht so schlimm. Es ist uns bestimmt, zusammen zu sein, hatte Mia damals gedacht, sich jedoch sofort wieder auf den Teppich zurückzuholen versucht, damit in dem Moment nicht gleich alle Pferde mit ihr durchgingen.

Im Schutz der hohen Klippen gleich außerhalb der Flussmündung hatte Tom sie mit den Grundbegriffen des Segelns vertraut gemacht. Mit dem richtigen Unterricht würde sie später beginnen, aber die Chance, allein mit Tom auf einem Boot zu sein, konnte sie sich nicht entgehen lassen. Sie waren an der Küste auf und ab geschippert, bevor sie den Anker warfen und sich über ihr Picknick hermachten: noch mehr Champagner, Pasteten, Sandwiches und jede Menge Vorspiel vor dem Hauptgang. Es war ein herrlicher Tag gewesen.

Als sie zurück auf den Fluss und in den Hafen segelten, ging die Sonne bereits unter und erinnerte sie daran, dass es erst Februar war. Im Halbdunkel brachten sie das Boot wieder in den Bootsschuppen, während sich Wolken auftürmten, die der Wind vom Meer herantrieb. Als der Himmel langsam grau wurde, arbeitete Mia so gut sie konnte, um das Boot klarzumachen. Sie lief leichtfüßig an Deck umher, wand Knoten nach Toms Anleitung und wickelte Taue auf, damit alles picobello war, bevor sie nach Hause fuhren. Toms treuer, schokobrauner Labrador Django wartete geduldig am Strand, bis sie so weit waren. Er ließ die Zunge beim rhythmischen Hecheln wippen und sprang schließlich mit ihnen in den Land Rover, um wieder zurückzufahren.

»Ich will nur kurz nach meinem Vater sehen, ehe wir zum Cottage fahren, okay?«, fragte Tom an der Abzweigung, von der aus es entweder zum Herrenhaus seines Vaters oder zu seinem Cottage ging.

»Ja, natürlich«, antwortete Mia lächelnd.

Django hob hinten im Wagen den Kopf, als er das Knirschen der Reifen auf dem Kies und das Quietschen des Eisentors hörte, und kläffte leise. Das Haus wirkte leerer, weniger bewohnt, als Mia es in Erinnerung hatte. Doch sie nahm an, dass es nur an der Dunkelheit lag, denn zuletzt hatte sie es beim Sommerfestival gesehen. Seltsam war allerdings, dass keines der Fenster erleuchtet war.

Komisch, dachte sie, sitzt Lord Trelawney gern im Dunkeln? Könnte er schon zu Bett gegangen sein? Solange sie mit seinem jährlichen Festival zu tun hatte, kannte sie den großen Lord mit dem weißen Wuschelhaar und der langen Nase ausschließlich als Mittelpunkt des Geschehens. Und das egal, ob es darum ging, über das Anwesen zu schreiten und die Vorbereitungen für das alljährliche Gourmet- und Literaturfestival zu beaufsichtigen, die Gemeinde zusammenzubringen oder Gäste bei sich zu empfangen. Selbst als er begann, ein wenig gebrechlicher zu werden, strahlte er noch pure Energie, Begeisterung und Freundlichkeit aus. Ja, Lord Trelawney war das Herz und die Seele eines jeden Events. »Soll ich mitkommen oder lieber hier warten?«, fragte Mia.

»Sicher würde mein Vater dich sehr gern sehen, Mia; er freut sich immer so auf dich. Aber wir bleiben heute Abend nicht lange, also überlasse ich dir die Entscheidung.«

Mia wollte Lord Trelawney sehen. In gewisser Weise hatte er geholfen, Tom und sie zusammenzubringen, nachdem sie beide im letzten Sommer, am Ende des Festivals, einen unsäglichen Segeltörn unternommen hatten. Mia löste ihren Gurt und stieg aus, während Tom bereits die Heckklappe öffnete und nach Django pfiff. Vermutlich fand der Hund das dunkle Haus auch seltsam, denn er hielt sich dicht am Boden und winselte ein wenig, ehe er Tom und Mia zur Küchentür folgte. Dabei hatte er die Ohren angelegt und den Schwanz eingekniffen.

Die Reaktion seines Hundes hatte zur Folge, dass auch Tom anfing, sich wirklich Sorgen zu machen. Ihm fiel auf, wie dunkel und verlassen das Haus wirkte. Er ging zur Küchentür und drehte den Knauf, doch die Tür war verriegelt. In der Küche war alles dunkel. Tom holte den Schlüssel aus seiner Tasche, schloss auf und eilte durch die Küche in die Diele. Hastig stieß er sämtliche Türen im Erdgeschoss auf und rief laut nach seinem Vater, während er alle Zimmer absuchte. Doch es blieb still.

Er holte sein Telefon hervor, um Tante Ag anzurufen, und wurde kreidebleich, als er sah, dass er mehrere Anrufe von seinem Vater und seiner Tante verpasst hatte. Toms Unbehagen wuchs, und er begann, das Schlimmste zu befürchten.

»Das wird mir eine Lehre sein«, murmelte Tom vor sich hin. »Zum ersten Mal seit Monaten fahre ich mit dem Boot raus, und prompt passiert etwas.« Kopfschüttelnd rief er seine Tante zurück, doch ihr Telefon war abgeschaltet. Bei seinem Vater war es dasselbe.

Als Nächstes versuchte er es bei Silvia, und Seth meldete sich. »Seth, hier ist Tom, ich kann weder meinen Dad noch Tante Ag erreichen. Wir waren mit dem Boot draußen. Weißt du, was los ist? Ich bin eben beim Herrenhaus angekommen, und hier ist niemand.«

Tom wurde immer blasser, während Mia dastand und hilflos ihre Hand auf seinen Arm legte. Sie wollte ihm Trost spenden und ging gleichzeitig im Geiste alle möglichen Szenarien durch. Was könnte mit Lord Trelawney passiert sein, dass Tom derart besorgt aussah? Geduldig wartete sie und kraulte gedankenverloren Django, der immer wieder leise winselte.

»Okay, Seth, ja, wir sind unterwegs. Ja, gut, danke. Bye«, sagte Tom und steckte das Telefon weg. »Dad ist gestürzt. Er liegt wieder auf der Intensivstation. Es tut mir leid, Mia. So hatte ich mir deinen ersten Tag hier nicht vorgestellt, aber ich muss ins Krankenhaus nach Truro.« Tom war den Tränen nahe, und Mia drückte ihn. Rasch gingen sie zurück durch die Küche und zur Tür, die sie in ihrer zunehmenden Panik offen gelassen hatten. Tom hatte Mühe abzuschließen und lief zurück zum Land Rover. Als Erstes machte er die Heckklappe für Django auf, der immer lauter winselte. Mia und Tom stiegen hastig ein.

Er ließ den Motor an und preschte die Einfahrt hinunter zur Straße. Das Tor blieb offen. Sie fuhren so schnell wie möglich durch die engen, von hohen Mauern gesäumten Seitenwege zur Hauptstraße nach Truro.

Als sie in der Klinik ankamen, war es dunkel. Mia blieb mit Django draußen und führte ihn im grellen Flutlicht auf dem Parkplatz herum, während sie auf Tom warteten. Die großen Betonklötze aus den Sechzigern sahen alle gleich aus, bis auf die Wegweiser, die zur Histopathologie, Unfallchirurgie oder Notaufnahme wiesen. Mia fror, und als Django es leid schien, kreuz und quer über den Asphalt zu trotten, stiegen sie zurück in den Wagen, um sich aufzuwärmen. Mia ließ Django vorn sitzen, und er erwies sich als idealer Trostspender. Sein Kopf lag auf ihrem Bein, und sein Herz pochte an ihrem Knie, während er hin und wieder mit Blick zu Toms leerem Fahrersitz winselte. Mia griff hinter sich nach den Wolldecken, die Tom für die Bootsfahrt mitgenommen hatte, falls ihnen auf See kalt würde. Sie wickelte die kratzigen Decken um sie beide und schaltete das Autoradio ein, um sich ein wenig abzulenken.

Im Krankenhaus standen Tom und Tante Ag in Lord Trelawneys Zimmer. In dem großen Bett wirkte er furchtbar zerbrechlich, und ein großflächiger lila Bluterguss bildete sich um sein Auge. Tom musste sich auf die Lippe beißen, um sich zu ermahnen, dass er nicht weinen durfte. Tante Ag umarmte ihn fest und versuchte, ihm Trost zu spenden.

»Mach dir keine Sorgen, das wird schon wieder«, sagte sie und zog Tom zu sich, als er sanft die kalte Hand seines Vaters hielt, um die Infusionsnadel nicht zu berühren, die in dessen Handrücken steckte.

Tom konnte nur stumm nicken. »Ich fühle mich schrecklich, Tante Ag«, sagte er und vergrub das Gesicht an ihrer Schulter. »Mir kommt es vor, als würde ihm jedes Mal, wenn ich wegfahre, etwas zustoßen. Ich dachte, er hätte sich seit Weihnachten erholt. Ich hatte mich so darauf gefreut, dass Mia herkommt und ich ihr das restaurierte Boot zeigen kann.«

»Der Bluterguss am Auge sieht schlimm aus, aber diesmal ist er nur gestürzt. Wir wissen noch nicht, warum, aber zumindest hatte er keinen zweiten Infarkt. Das hat der Arzt schon überprüft. Er hat sich schlicht selbst ausgeknockt, und da es keine Anzeichen für eine schwere Gehirnerschütterung gibt, überwachen sie ihn nur über Nacht und warten ab, wie es ihm morgen geht. Heute können wir hier nicht mehr viel tun. Hast du Mia draußen gelassen?«

Tom nickte.

»Dann geh lieber wieder zu ihr. Ich kann hier bleiben, und die Schwester sagte, dass sie nebenan ein Bett für mich bereitmachen. Komm morgen wieder. Hoffentlich kann er uns dann ein bisschen genauer erzählen, was passiert ist. Okay?«

Endlich tauchte Tom wieder auf, sichtlich entmutigt. »Sie behalten ihn über Nacht zur Beobachtung hier, und er schläft gerade«, sagte er fahrig. »Die Ärzte wissen nicht genau, was passiert ist. Allerdings schließen sie einen Herzinfarkt aus; dem blauen Auge nach vermuten sie, dass er einfach umgekippt ist. Keine Ahnung, wie lange er weggetreten war, bevor Tante Ag vorbeikam und ihn auf dem Küchenboden fand. Er hat ein blaues Auge, und er war nicht wach, so dass ich nicht mal mit ihm reden konnte …«

Mia umarmte ihn fest und hielt seinen Kopf in ihren Armen, strich ihm über die Locken, die steif vom Meersalz waren. Dabei atmete sie seinen warmen, wohltuenden Geruch und die kalte Luft um sie herum ein.

»Oh Tom, es tut mir so leid«, sagte sie vorsichtig.

»Tante Ag hat gesagt, dass ich morgen wiederkommen soll, um nachzusehen, wie es ihm geht. Heute Abend kann ich nichts mehr tun, das ist total frustrierend. Am besten fahren wir nach Hause und essen etwas.« Tom beugte sich zu Django und streichelte ihn, woraufhin der Hund kurz glücklich kläffte und ihm das Gesicht abschleckte.

Als hätte Django ihn wiederbelebt, wurde Tom ein wenig munterer. »Wollen wir uns auf dem Rückweg Fish & Chips besorgen?«, fragte er.

»Klingt gut!«, antwortete Mia, die auf einmal merkte, dass ihr Magen schon seit einer Weile grummelte. Sie wollte unbedingt, dass Tom sich ein wenig besser fühlte. Das hat ihn richtig erschüttert, dachte sie.

Sie fuhren schweigend zurück. Tom brauchte offensichtlich Zeit, alles zu verdauen, und Mia war zu müde zum Reden. Sie lehnte den Kopf ans Seitenfenster und ließ sich von den vorbeirauschenden dunklen Hecken, die hin und wieder von Scheinwerfern angestrahlt wurden, beruhigen. Die Seeluft und der anstrengende Abend forderten ihren Tribut, und das einlullende Motorbrummen sowie die warme Heizungsluft machten sie schläfrig.

Tom hielt vor einem Fish-&-Chips-Laden, und Mia lief hinein, um zu bestellen. »Zweimal Schellfisch, Chips und Erbsenpüree, bitte«, sagte sie lächelnd zu der jungen Frau hinter dem Edelstahltresen, deren Haar mit einem weißen Baumwollschall nach hinten gebunden war. In dem kleinen Imbiss roch es köstlich nach Frittiertem und Essig. Mia lehnte sich an den Tresen und wartete darauf, dass die Fischfilets mit knisternd goldener Kruste aus der Fritteuse geschöpft wurden. Die Chips waren dick und weich, so wie Mia sie am liebsten mochte, und sie schüttete reichlich Salz und Essig drauf. Die Portionen waren fest in cremefarbenes Papier eingewickelt und in einer blau-weißen Tüte verpackt, die mit Ankern und einer Angelschnur mit einem Fisch am Ende verziert war.

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