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Lennox und die Faust Gottes: Das Zeitalter des Kometen #14

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Inhaltsverzeichnis

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Lennox und die Faust Gottes: Das Zeitalter des Kometen #14


von Jo Zybell


Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.


Eine kosmische Katastrophe hat die Erde heimgesucht. Die Welt ist nicht mehr so, wie sie einmal war. Die Überlebenden müssen um ihre Existenz kämpfen, bizarre Geschöpfe sind durch die Launen der Evolution entstanden oder von den Sternen gekommen und das dunkle Zeitalter hat begonnen.

In dieser finsteren Zukunft bricht Timothy Lennox zu einer Odyssee auf …

Tim Lennox und Marrela werden konfrontiert mit Drakullen, Blutsäufern, die keine Gnade kennen, und grünschuppigen Echsenwesen. Zu ihrem Erstaunen sind Strenggläubige unter der Führung von Rev‘rend Rage in der Lage, mit Weihwasser die Gegner zu bekämpfen. Woher stammen diese Wesen? Die Antwort findet sich in der Vergangenheit.


1

London, 2092 n. Chr. (80 Jahre nach »Alexander-Jonathan«)

»Ich will alles vom Erdboden wegraffen, spricht der HERR! Ich will Mensch und Vieh, die Vögel des Himmels und die Fische im Meer wegraffen!«

Den Zeigefinger der Linken auf die Menge gerichtet, brüllte der Greis die Worte heraus. Die zur Faust geballte Rechte stieß im Rhythmus seiner Sätze durch die Luft, als wollte er jede einzelne Silbe in die Köpfe der Zuhörer hineinprügeln.

»Ich will zu Fall bringen die Gottlosen! Ja, ich will die Menschen tilgen vom Erdboden, spricht der HERR!«

Über hundert zerlumpte Gestalten, nicht weniger struppig als der greise Prediger, standen auf dem Feld um den moosbedeckten Panzer, der dem Zornigen als Kanzel diente. Und zornig war er, der Alte in der schmutzigen Lederkluft – Himmel, war er zornig!

Seine Stiefel stampften in die blattlosen Winden auf dem Geschützturm des verrotteten Panzers. Speichel löste sich aus seinem schlohweißen Bart, wenn er den Kopf hin und her warf, um jeden seiner Zuhörer, aber auch wirklich jeden, mit seinen glühenden Blicken festzuhalten. Die Faust schwang er wie eine Keule und tänzelte dabei umher, sodass die Schöße seines ehemals schwarzen Ledermantels flatterten und das Silberkreuz über seiner Brust pendelte. Die Hände der Frau an seiner Seite zuckten manchmal zu seinem großen Körper hin, als wollte sie ihn halten, als fürchtete sie, er könnte von seiner rostzerfressenen Kanzel stürzen.

Aber er stürzte nicht – o nein! Niemand hatte Reverend Pain je stürzen sehen, nicht von irgendwelchen Trümmern, die er sich als Kanzeln suchte, nicht in irgendwelche Krater, nicht in irgendwelche Abgründe der Sünde.

»Dies ist das Wort des HERRN durch den Propheten Zefanja!« Mit einem Stimmvolumen, das man seiner alten knochigen Gestalt nicht zugetraut hätte, schlug Pain seine Hörer in den Bann. »Und weiter spricht ER: Ihre Güter sollen zum Raub werden und ihre Häuser verwüstet! Sie werden Häuser bauen und nicht darin wohnen, sie werden Weinberge pflanzen und keinen Wein davon trinken!«

Rötliche Düsternis lag über der Trümmerlichtung, über der ganzen Ruinenstadt, obwohl der Mittag gerade erst vorüber war. Frostkrusten breiteten sich am Rand des Feldes aus, und auf den Mauerkronen zerklüfteter Hausfassaden sah man da und dort Schneereste, obwohl es Frühsommer war.

Rechts und links des Treppenabgangs zu einer ehemaligen Underground-Station qualmten zwei Feuer. Halbwüchsige warfen Brennnesselblätter in den Kessel, der auf einem Metallgestell über den Flammen des rechten Feuers dampfte. Und über der Glut des linken drehten Frauen Spieße mit geschlachteten Tieren. Fett tropfte von den gehäuteten, ausgenommenen Körpern und verbrannte zischend im Feuer. Wie junge Schweine sahen die Braten aus. Es waren aber keine jungen Schweine, es waren Ratten!

»So spricht der HERR durch den Propheten Zefanja!« Der hochgewachsene Greis auf dem Panzer reckte den Zeigefinger gen Himmel. »Der große Tag des HERRN ist nahe, er ist nahe und eilt sehr!«

Ausgemergelte Gestalten waren es, die sich da vor dem Panzer versammelt hatten, meist Männer. Löchrig ihre Jacken und Mäntel – die meisten trugen mehrere Schichten übereinander, denn es war verflucht kalt. Eingefallen waren ihre fahlen Gesichter, fettig und verfilzt ihr langes Haar und ihre Bärte, tief in den Höhlen liegend ihre Augen. Die meisten von ihnen hatten ihre Kindheit in Kellern und U-Bahn-Schächten oder in der ehemaligen Kanalisation von London verbracht.

Die Eltern dieser abgerissenen Menschen wussten nur von Schnee und Eis, von Hunger und Krankheit und von Tagen, die man kaum von Nächten unterscheiden konnte. Doch einige der vor dem Panzer Versammelten hatten den Erzählungen ihrer Großeltern gelauscht, hatten sie unter Tränen von Frühlingstagen und Sommernächten schwärmen gehört, von Zügen, in denen man unter der Erde von Chelsea nach Greenwich fahren konnte, von der Hochzeit des Prinzen, von der Krönungsfeier Charles des Dritten, von den Prachtbauten in der City, von Uferpromenaden, von Pferderennen, von den Fußballpokalschlachten in der alten und der neuen Wembley-Arena.

Von Zeiten, die nie wiederkommen würden.

»… denn dieser Tag ist ein Tag des Grimms, ein Tag der Trübsal und der Angst, ein Tag der Finsternis und des Dunkels!«

Mitten unter den Zuhörern thronte auf einem Motorrad ein Mann mit rötlicher Lockenmatte und dunklem Bartflaum. Ein relativ junger Mann. Über seiner rissigen Lederjacke trug er eine Weste, schmutzig, ausgefranst und mit dem Bild einer roten, gehörnten Fratze auf dem Rücken. »THE LORDS« stand in spitzen schwarzen Lettern über der Fratze. Spott spielte um die Mundwinkel des Mannes. Manchmal stieß er sogar ein verächtliches Lachen aus. Dann fuhren die Köpfe der Umstehenden herum, und ihre Blicke richteten sich auf den Motorradmann.

Etwas abseits standen sieben Männer, die sich ganz in weißes Fell gehüllt hatten. Fremde – erst vor wenigen Tagen hatte ihr Schiff in der Ruinenstadt angelegt. Die meisten von ihnen schienen gar nicht auf den Prediger zu achten. Sie hatten nur Augen für die Frau neben ihm. Eine junge Frau mit schönen Gesichtszügen, aber blasser, fast durchscheinender Haut. Sie trug eine Art schwarzer Robe, die ihr bis zu den Knöcheln reichte und selbst ihren Scheitel noch verhüllte.

»Du lachst, Ungläubiger?« Der Zeigefinger des Reverends stach nach dem Motorradmann. »Fürchtest du nicht des HERRN Wort? Fürchtest du nicht den Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis?«

»Heymän!« Der Flaumbart auf dem Motorrad lachte heiser. »Ich und die hia …«, er breitete die Arme über der Menge aus, »… wia ham de Hölle hinne uns! Wia ham Oaguudoos Stean übalebt – wovoa sollnwa uns da noch füachtn?« Einige der Zuhörer klatschten Beifall.

»Nicht Orguudoos Stern!« Pains Rechte deutete in den Himmel. »Der Schrecken, von dem diese Trümmer und das düstere Firmament Zeugnis ablegen, das Furchtbare, von dem eure Eltern und Großeltern euch berichteten und das ich selbst als Knabe miterleben musste – nicht der Fürst des Bösen hat das getan, sondern der HERR selbst hat Gericht über den Sündenpfuhl namens Erde gehalten!«

»Is Quadsch, wasse sagst!« Der Motorradmann winkte ab.

»Und dass ihr überlebt habt, das ist allein GOTTES Werk. Geschah nicht SEIN Wort durch den Propheten: Ich will in dir übrig lassen ein armes und geringes Volk, und die werden auf des HERRN Namen trauen?« Er schüttelte die Fäuste und stampfte auf dem Panzer auf. »Kehrt also um, schwört Orguudoo ab und vernichtet die Dämonen!«

»Is Bigquadsch, wasse sagst!« Auch der Motorradmann gestikulierte nun wild. »Oaguudoo hadde Alxanatan auffe Welt falle lasse!«

»Irrlehre! Ketzerei!« Pain tobte im Gestrüpp auf dem Geschützturm herum. Seit wenigen Jahren erst kursierte der Name Orguudoo unter den Überlebenden des Kometeneinschlags. Seit Fremde vom Festland sich über die Eisschollen auf die Inseln und nach London gewagt hatten. »Blendwerk! Lästerung des HERRN und SEINES Wortes!«

Die Männer in den weißen Pelzen verfolgten das Palaver ohne sichtbare Regung. Einige Gesichter unter den Pelzkapuzen wirkten seltsam verstümmelt.

Pain glitt auf dem überfrorenen Metall unter den Winden aus, und jetzt musste die Frau in Schwarz zugreifen.

»Vorsicht, Reverend! Beruhigen Sie sich!«

Sie hieß Therese – Schwester Therese. Pain hatte sie zur Äbtissin eines Nonnenordens geweiht; die »Schwestern der barmherzigen Jungfrau« sollten einst die ganze Insel evangelisieren. Therese war ihr erstes Mitglied. Und bisher auch ihr einziges.

»Aba waa isses twotzdem!« Der Motorradmann stieg von seiner Maschine. In der Menge öffnete sich eine Gasse, durch die er bis zum Panzer schritt. Breitbeinig stellte er sich vor dem Wrack auf, stemmte die Fäuste in die Hüften und sah hinauf zu Pain und seiner Nonne. Die Lumpengestalten um ihn herum wichen zur Seite.

»Oaguudoos Stean hadde ganze Gesoggs gekillt, damidde Loads anne Macht komme!« Er klopfte er sich an die Brust. »Un ich binne Scheff vonne Loads, de Gwandload Pool Dschägga!«

»Wacht auf aus der Verblendung!«, schrie Reverend Pain gegen die Hochrufe aus der Menge an. »Rettet eure Seelen, Verirrte!«

Er machte sich von Therese los, sprang vom Turm und kniete sich auf dem Bug des Panzers vor dem Geschützrohr ins Windengeflecht. Wie flehend streckte er die Arme in die Menge hinunter. »Sonst erfüllt sich an euch das schreckliche Wort des HERRN, der da spricht durch den Propheten Zefanja: Ich will die Menschen ängstigen, dass sie umhergehen sollen wie die Blinden, weil sie wider den HERRN gesündigt haben! Ihr Blut soll vergossen werden, als wäre es Staub, und ihre Eingeweide, als wären sie Kot!« Wieder deutete er auf den Motorradmann. »Hört nicht auf diesen Frevler! Er ist ein Diener des Teufels!«

»Is doch gut!«, riefen einige. Und einer sagte: »Is de Sohn vonne easte Load, de gwoße Dschonn Dschägga!«

Und dann begann die Menge einen rhythmischen Gesang anzustimmen. Einige trommelten mit Stangen, Schwertern und Äxten gegen die Panzerkarosserie. Kaum ein Wort verstanden Therese und der Reverend. Nur wenn der gesamte Chor den Refrain grölte, konnten sie einzelne Satzfetzen heraushören: Sümpäthie foa de däwil, oder so ähnlich. Pain zweifelte nicht daran, dass es ein Loblied auf den Herrn der Hölle war.

Die sieben Fremden tuschelten miteinander. Grimmige Zufriedenheit hatte ihre Mienen verzerrt. Bei zwei von ihnen, die ihre Kapuzen abgestreift hatten, sah man gewächsartige Stummel statt Ohren unter den Rändern der Lederhelme, und einem hing ein Fleischlappen auf die gespaltene Oberlippe herab. Eine Nase war in seinem Gesicht nicht zu erkennen.

»Schluss damit!« Reverend Pain brüllte sich die Kehle heiser. »Im Namen des HERRN – Schluss damit!«

Therese stieg zu ihm herunter. Groß ihre Augen, ängstlich ihr Blick – er flog zwischen der grölenden Menge und dem Fäuste schwingenden Pain hin und her. »Lassen Sie uns gehen, Reverend!« Sie fasste seinen Arm. »Das Gesindel wird uns zerreißen!« Ein Hustenanfall schüttelte sie.

»Seht ihr denn nicht, wie die Höllenmächte diese Welt in Beschlag nehmen?« Reverend Pain brüllte und drückte Schwester Thereses Hand weg. »Seht ihr nicht, wie der dunkle Fürst sie von innen heraus entstellt?«

Der Chor ebbte ab. Als er merkte, dass er die Aufmerksamkeit der Menge zurückgewann, erhob sich der Reverend. »Wer Augen hat zu sehen, der sehe! Nicht nur die Leiber der Tiere verzerrt das Böse, auch auf menschlichen Gesichtern könnt ihr es bereits erkennen, das Antlitz der Hölle!« Er deutete auf die sieben Männer in den weißen Pelzen. »Oder warum sehen diese Fremden dort aus wie Dämonen? Ich will euch sagen, warum – weil die höllischen Mächte schon in ihnen wohnen! Und auch von euch werden sie Besitz ergreifen, wenn ihr nicht Buße tut und für den HERRN zu den Waffen greift.«

Wie ein Mann preschten die Fremden los. Sie drängten sich in die Menge, zogen Schwerter und Äxte unter ihren Mänteln hervor und brüllten Worte in einem fremden Idiom.

Nur einer beherrschte die Sprache der Ruinenlords von Landän leidlich. Er stürmte den anderen sechs voran und rief: »Krieger Lokiraas sind wir! Und du bist tot!«

Kurz bevor er den Panzer erreichte, stellte sich ihm der Motorradmann in den Weg. »Wea tod is un wea nich, sacht hia de Dschägga! Un das bin ich!«

»Alter Mann hat uns beleidigt!« Der Fremde mit der gespaltenen Oberlippe und dem Fleischlappen anstelle der Nase fuchtelte mit seinem Kurzschwert. »Nie mehr wird er Lokiraas Krieger beleidigen!« Er wollte sich an dem Grandlord vorbei drängen.

Der hielt ihn fest. »Heymän! Nix kapieat, was? Isn gwoße Spaß, wenne Pain pwedigt. Tobt so schön. Lassn lebn, sonsd …«

»Was sonst?«

Die Menge verlor das Interesse an dem Reverend und Therese. Sie scharten sich um ihren Anführer und die Fremden.

Therese sprang vom Panzer. »Kommen Sie, Reverend! Schnell weg hier!« Sie streckte dem Greis die Hand entgegen. Er kletterte in die schwarzen Brennnesseln hinab. Seltsam steif bewegte er sich. Seine Gelenke krachten. Aber er schwankte nicht. »O HERR, erbarme dich dieser verirrten Lämmer«, murmelte er. Therese zog ihn mit sich.

Immer wieder schaute er zurück, brummte klagende Gebete in seinen Bart, bekreuzigte sich und machte zwischendurch seinem Zorn auf den selbsternannten Ersten Lord John Jagger Luft. Pain hatte ihn noch persönlich gekannt. Ein Stahlschädel – durch schiere Willenskraft und gnadenlose Brutalität hatte er der Ruinenstadt und dem atomaren Winter Lebensraum für seine wilde Horde abgetrotzt. Niemanden respektierte er außer sich selbst, an nichts glaubte er außer an sich selbst.

»Teufelsdiener!«, zischte Pain. Er sah sich um. Der Grandlord und seine Leute – größtenteils Nachfahren einer Motorradgang namens »Lords« – stritt mit den Fremden.

»De Pain is spaßig«, hörte er Jagger rufen. »Verzählt spannend Stowies, macht ‘ne gute Schau! Lassdn ja in Wuh, oda!«

Und der entstellte Weißpelz schrie: »Hohlkopf isser! Weiß nix, kann nix! Todesstern hat alle Götter vernichtet! Nur Lokiraa und Wodan nich!«

Fäuste wurden geballt, Schwerter und Äxte prallten aufeinander. Frauen und Halbwüchsige huschten in den Treppenabgang. Therese packte den Reverend und zog ihn ins Gebüsch.

»Verblendete!«, murmelte Pain. »Arme verlorene Seelen!«

Sie kletterten über einen Schutthügel, der an dieser Stelle zwischen eingestürzten und schwarzen Hausfassaden die ehemalige New Oxford Street versperrte. Schnee und Eis überzogen den Trümmerhaufen teilweise, und die spärlichen Strünke von Efeu und Winden trugen nur wenige Blätter – schwarz und vom Frost der letzten Nächte vernichtet. Müde und erschöpft war der Reverend. In solchen Momenten der Enttäuschung wurde es ihm schmerzhaft bewusst: Er war alt, uralt, und nur die Glut seines Glaubens und sein kompromissloser Wille zum Kampf gegen das Böse hielten ihn aufrecht. Und sein Stützkorsett.

Auf der anderen Seite des Schuttbergs rutschten sie auf die Straße hinunter. Pains Lippen bewegten sich im stummen Gebet. Über zugefrorene Pfützen, verrostete Ampelmasten und Antennen balancierten sie zu einer Ruine, in deren Fassade ein großen Loch klaffte. Reverend Pains Maschine wartete dort unter einem Haufen aus Plastikfetzen.

In dieser Gegend war es nicht ratsam, sein Motorrad ohne Tarnung irgendwo abzustellen. Das Lumpenpack, das sich großmäulig »Lords« nannte, war ein diebisches Volk. Ersatzteile und vor allem Benzin galten ihnen als wertvollste Zahlungsmittel. Und wer ein altes Treibstofflager in den Trümmern entdeckte, wurde ohne viel Federlesens als Rudelführer auf den Schild gehoben. Pain wusste, dass Jagger sich seit zwei Jahren mit einer Konkurrenz von drei anderen sogenannten »Grandlords« herumschlagen musste.

Mit vereinten Kräften schoben sie das Motorrad aus der Ruine auf die Straße hinaus. Ein bizarres Gefährt – Pain hatte es aus den Einzelteilen von fast zwanzig Motorrädern zusammengebaut, die er während der jahrelangen Nacht in der Umgebung seines Quartiers aus den Trümmern geborgen hatte.

Anstelle des Hinterrades hatte er die Achse eines Kleinwagens eingebaut und zwei breite Felgen mit Plastiflex-Gürtelreifen einzeln eingehängt. Das Vorderrad war mit einer doppelten Stoßdämpfung versehen. So war die Maschine einigermaßen gelände- und ruinengängig.

Therese raffte ihr Kleid hoch, schwang sich auf den Sattel, legte den Zündschalter um und trat die Maschine an – sie versuchte es jedenfalls. Doch der Motor stieß jedes Mal nur ein dumpfes Knurren aus und verstummte sofort wieder.

»Steigen Sie ab, Schwester Therese.« Die Nonne gehorchte. Pain bekreuzigte sich. »Sieh gnädig auf deine Diener und ihr Gefährt herab, o HERR!« Er zog ein Fläschchen aus trübem Glas aus seinem Ledermantel, schraubte es auf und begann die Maschine zu umkreisen. Während er betete und sich bekreuzigte, spritzte er drei Mal Weihwasser auf den Motorblock.

»Jetzt noch einmal, Schwester Therese.« Er schraubte das Fläschchen zu und versenkte es in seiner Manteltasche. Die Nonne – sie pflegte den halb blinden Reverend zu chauffieren – schwang sich erneut auf das Motorrad.

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