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Heißes Verlangen

Prolog

Er konnte seine Partnerin riechen. Ihr leichter, femininer Duft lockte ihn quer durch die verräucherte Bar.

Alerac La Mort spürte, wie sich jeder Muskel seines Körpers anspannte. Erwartung, Verlangen, Hunger brannten in ihm. Sie war da. Er war sich vollkommen sicher.

Er stand mit einer einzigen schwungvollen Bewegung vom Tisch auf, sodass der Stuhl hinter ihm umfiel. Er hatte nur noch ein Ziel vor Augen, ein einziges Ziel … seine Partnerin zu finden.

Mon Dieu, er hatte sie doch schon beinahe aufgegeben! Alerac hatte zugesehen, wie seine Cousins ihre Partnerinnen gefunden hatten, und sein Herz hatte sich vor Verzweiflung zusammengeschnürt, doch jetzt, jetzt war er seiner Frau begegnet.

Gleich würde sie vor ihm stehen.

Er bahnte sich einen Weg durch die Tänzer und Betrunkenen und marschierte ans hintere Ende der Bar. Ihr Duft reizte und erregte ihn, er lockte ihn immer weiter.

Sein Glied war hart und gierig, seine Muskeln waren angespannt. Wie würde sie aussehen, seine Partnerin? Wie würde sie sich anfühlen, wenn sie unter ihm lag und ihn tief in sich aufnahm?

Er konnte es nicht erwarten, es herauszufinden.

Schon einmal hatte Alerac geglaubt, er hätte die Witterung seiner Partnerin aufgenommen. Obwohl er nach ihr gesucht hatte, war es ihm nicht gelungen, sie zu finden.

Und ihm waren nur seine Träume geblieben.

Träume von ihr. Immer von ihr. Träume von einer schlanken, in Schatten gehüllten Frau. Einer Frau, die ihn reizte und das Biest in ihm weckte.

Diesmal war es kein Traum. Diesmal wusste er, dass sie da war. Er würde sie finden.

Vor ihm befand sich eine Tür. Eine einfache, im Lauf der Zeit abgenutzte Holztür. Alerac war sicher, dass die Frau sich dahinter aufhielt.

Seine Partnerin. Seine.

Endlich.

Alerac stieß die Tür auf.

Eine junge blonde Frau wirbelte herum; ihre hellblauen Augen weiteten sich. Er blieb einen Moment stehen und starrte sie an. Er … kannte sie. Er hatte sie schon einmal gesehen …

Ein genüssliches Lächeln zog ihre vollen Lippen nach oben. »Ich habe gehofft, Sie heute Abend zu treffen, La Mort.«

Seine Nackenhaare stellten sich auf. Etwas stimmte nicht – stimmte ganz und gar nicht! Er konnte es spüren, konnte spüren, dass …

Sie hob die Hand. Ihre Finger krümmten sich um den Griff einer Waffe.

Schrecken erfüllte ihn. Nein, das war nicht möglich! Sie war seine Partnerin. All seine Sinne sagten ihm, dass sie die eine Frau war, die dazu bestimmt war, für alle Zeit die Seine zu werden. Das konnte sie nicht machen, sie konnte nicht …

Sie drückte ab. Ein glühend heißer, stechender Schmerz durchzuckte seine Brust. Alerac stürzte zu Boden, und eine drückende, betäubende Schwere überschwemmte ihn.

War das der Tod?

Die Frau kam auf ihn zu, ihre High Heels klackten leise auf dem Betonboden. »Keine Angst, Wolf. Ich habe nicht vor, Sie umzubringen … noch nicht.«

Wolf. Sie weiß es, dachte er, während der Raum sich verdunkelte, sie weiß, was ich bin. Er bemühte sich, die Augen offen zu halten, denn er wollte sie sehen, und zwang sich zu sprechen. »D-dafür werden S-Sie b-büßen, chérie.« Partnerin oder nicht, er würde dafür sorgen, dass sie ihre gerechte Strafe bekam.

Ihre Lippen verzogen sich zu einem kalten, harten Lächeln. »Nein, Wolf, Sie werden derjenige sein, der büßen muss.«

Er versuchte, sie zu packen, aber er konnte sich nicht bewegen. Dunkelheit schlug über ihm zusammen, und er sah nichts mehr.

Madison Langley blickte auf den flach auf dem Boden liegenden Mann hinunter. Ihr Herz raste, ihre Handflächen waren schweißnass.

Sie hatte es geschafft. Sie hatte es tatsächlich geschafft.

Nur mit Mühe gelang es ihr, das Handy aus ihrer hinteren Hosentasche zu ziehen. Ihre Finger zitterten, als sie die Nummer eintippte.

Beim zweiten Klingeln antwortete ein Mann. »Hast du ihn erwischt?«

Ihr Blick ruhte noch immer auf Alerac, auf seinem starken, reglosen Körper. »Ja, ich hab ihn.«

»Gut.« Eine Pause, dann: »Zwei meiner Männer warten hinter der Bar. Sie werden dir helfen, La Mort wegzubringen. Ruf mich an, sobald er hinter Schloss und Riegel ist!«

»Okay.« Sie beendete das Gespräch und ging neben Alerac in die Knie. Ihre Hand hob sich und schwebte dann einen Moment über seinem Körper.

Madison wurde von dem seltsamen Verlangen erfüllt, ihn zu berühren. Sein volles blondes Haar zu berühren. Sein kräftiges Fleisch unter den Fingern zu spüren.

Sie ballte die Hand zur Faust.

Was zur Hölle war mit ihr los? Er war ein Monster.

Madison biss die Zähne zusammen und riss sich von ihm los.

Alerac La Mort war eine mordende Bestie. Und bald, sehr bald würde er genau das bekommen, was er verdiente.

1

Verdammt. Alerac öffnete langsam die Augen. Jeder Muskel seines Körpers schmerzte. Wo war er? Was zur Hölle war mit ihm geschehen? Warum war er …

»Ach, Wolf, gut. Ich sehe, Sie sind wach.«

Der gedehnte Tonfall der Frau ließ ihn die Lippen zurückziehen und die Zähne fletschen. Er spürte ein Stechen in den Reißzähnen, und mit einem Schlag kehrte die Erinnerung zurück.

Die Hexe hatte mit etwas auf ihn geschossen. Sie hatte tatsächlich auf ihn geschossen!

Sie kam auf ihn zu, ihr hellblondes Haar glänzte, und ihre Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Lächeln. »Ich dachte schon, ich hätte Ihnen zu viel Betäubungsmittel verabreicht. Ich war mir bei der Dosierung nicht ganz sicher, müssen Sie wissen. Also hab ich Ihnen einfach genug gegeben, um einen Elefanten umzuhauen.«

Er stürzte sich auf sie.

Und wurde augenblicklich an eine kalte Steinmauer zurückgerissen.

Der helle, melodische Klang ihres Lachens erfüllte den Raum. »Ooooh … da scheint aber jemand böse zu sein.«

Er drehte langsam den Kopf und starrte ungläubig auf die dicken Ketten, die ihn an Händen und Füßen fesselten. Silber – die verdammten Fesseln waren aus Silber. Es würde ihm nicht gelingen, ganz in seinen Wolfskörper zu wechseln, solange er von Silberfesseln festgehalten wurde.

Er knirschte mit den Backenzähnen. »Lassen … Sie … mich … frei!« Die Worte waren ein Knurren. Er ballte die Hände zu Fäusten. Das Tier in seinem Inneren begann zu brüllen; es wurde immer wütender.

Die blonde Frau schüttelte den Kopf. »Keine Chance.« Sie starrte auf ihn herunter, und ihre Augen verengten sich. »Es hat zu lange gedauert, Sie hierherzubekommen.«

Seine Nägel verlängerten sich und wurden zu messerscharfen Krallen. Der Wolf konnte Gefangenschaft nicht ertragen – und dem Mann gefiel es nicht um ein Haar besser, eingesperrt zu sein.

Er starrte die Frau an, die seine Partnerin war … und seine Kidnapperin. Sie war für seinen Geschmack eigentlich zu dünn und ein wenig kleiner als der Durchschnitt. Aber hübsch, mit heller Haut und großen, hellblauen Augen. Sie hatte einen Hauch von Sommersprossen auf der geraden, kleinen Nase und schräg über den vollen Lippen ein winziges Muttermal.

Sein Blick glitt an ihrem Körper nach unten, und er betrachtete die volle Wölbung ihrer Brüste. Ja, sie war schlank, doch sie hatte trotzdem sehr hübsche …

»Lassen Sie das!«, fauchte sie und hob die Hände, wie um ihren Körper zu verstecken.

Er zog eine Augenbraue hoch.

Seine Kidnapperin holte tief Luft und ließ die Hände sinken. »Ich will nicht, dass Sie mich … so anschauen.«

Ihr Duft stieg ihm in die Nase. Sie roch nach Rosen. Nach Frau. Und nach Angst. Angst. Er richtete sich auf und spürte, wie ihm das kalte Metall in die Haut schnitt. Sie fürchtete sich vor ihm. Gut. Das sollte sie auch. Denn sobald er frei wäre …

Ein animalisches Lächeln umspielte seine Lippen. Er würde sie um Gnade winseln lassen.

Beim Anblick seines Lächelns versteifte sie sich und wich zwei Schritte zurück. »W-warum lächeln Sie?«

Ach, jetzt klang seine kleine Kidnapperin gar nicht mehr so selbstbewusst.

»Sie hätten mich nicht herbringen sollen, chérie.« Er riss an den Ketten und testete ihre Stärke. Hmm. Sie waren fest und dick, aber sie würden ihm nicht standhalten, nicht wenn der Vollmond aufging.

Nicht einmal Silber würde ihn festhalten können, wenn der Mond aufging. Er würde dann zwar immer noch nicht seine Wolfsgestalt annehmen können, doch er würde genug Kraft gewinnen, um sich von seinen Fesseln zu befreien.

Er hatte Glück, der Mond würde morgen Nacht voll sein. Er sah wieder zu der kleinen Frau und stellte sich vor, was er alles mit ihr machen würde.

»Ich weiß, was Sie sind«, flüsterte sie und leckte sich über die Lippen.

Alerac sah sie fest an und hob eine Augenbraue. »Oui, das habe ich mir gedacht.« Er zerrte an den Ketten. »Die hier sind nicht wirklich nötig, wissen Sie.«

Sie nickte beinahe hektisch. »Doch, das sind sie.« Ihre Brüste hoben sich, als sie tief Luft holte. »Sie werden hierbleiben, bis …«

»Verstößt Kidnapping nicht gegen das Gesetz, Officer Langley?« Er warf ihr bewusst den Titel hin, wobei ein hartes Lächeln auf seinen Lippen lag, während er auf ihre Antwort wartete.

Madison zuckte zusammen. Verflucht. Ein Übelkeit erregendes, drückendes Angstgefühl breitete sich in ihrem Magen aus. Er wusste, wer sie war.

Alerac lächelte sie noch immer an, und sie konnte die winzige Andeutung eines Reißzahns erkennen. »Ich erinnere mich an Sie«, sagte er leise, wobei sein französischer Akzent die Worte seltsam verführerisch klingen ließ. Seine goldenen Augen fixierten sie. »Sie waren in der Nacht im Wolfsrevier, als dieser Bastard Lou Stalls da auftauchte und versucht hat, die Partnerin meines Cousins zu töten.«

Sie nickte. Es zu leugnen war zwecklos. In jener Nacht, als ihre Polizeieinheit zu der Villa bei Atlanta gerufen wurde, um Stalls festzunehmen, hatte sie die Wahrheit über Alerac erfahren.

Lou Stalls war vor der Chicagoer Polizei auf der Flucht gewesen.

Er wurde wegen mehrfachen Mordes gesucht und war den Cops monatelang entkommen. Stalls hatte beschlossen, sich damit zu amüsieren, Kat Hardy, die Frau, die gegen ihn ausgesagt hatte, aufzuspüren und zu foltern.

Allerdings hatte Lou nicht damit gerechnet, dass Kat offenbar eine Beziehung mit einem sehr kräftigen Werwolf eingegangen war. Einem Werwolf, der Lous Drohungen nicht freundlich aufgenommen hatte.

Als Madison am Tatort erschien, war der einstige brutale Killer nichts als ein heulendes, bebendes, kreidebleiches Häufchen Elend. Er schrie ununterbrochen etwas von Werwölfen. Von Männern, die sich vor seinen Augen in Bestien verwandelt hätten.

Natürlich hatten die anderen Cops angenommen, er wäre einfach ein Irrer. Aber Madison wusste es besser. Sie wusste, dass Werwölfe existierten.

Sie hatte schon einmal einen gesehen.

Und sie hatte Alerac sofort angesehen, dass er einer von ihnen war.

Eines der Monster.

»Sie starren mich jetzt schon etliche Minuten an, Officer«, bemerkte er und neigte den Kopf zur Seite. »Gefällt Ihnen, was Sie sehen?«

Sie wurde rot.

Er lächelte wieder. Ein Grübchen erschien.

Verdammt. Ihre Herzfrequenz schien sich zu verdoppeln. Okay, sie konnte zugeben, zumindest vor sich selbst, dass Alerac La Mort ein gut aussehender Mann … äh … Werwolf war. Er war groß, hatte geschmeidige Muskeln, und seine Haut war in einem dunklen Goldton gebräunt. Sein langes Haar fiel ihm in einer dichten, schweren Mähne auf die Schultern. Seine Wangenknochen waren hoch angesetzt und perfekt geformt. Der Mann hatte einen kräftigen, harten Kiefer, eine gerade, scharf geschnittene Nase und feste, volle Lippen, die …

»Aha …« Er nickte einmal und sah zufrieden aus. »Ich glaube, Ihnen gefällt, was Sie sehen.« Er leckte sich über die Lippen, als sein Blick auf ihre Brüste fiel. »Und mir gefällt definitiv, was ich sehe.«

Sie versteifte sich. »Was ich sehe«, fachte sie, »ist ein Monster.«

Seine Augen verengten sich. »Seien Sie lieber vorsichtig, chérie!« Er zog an den Ketten, und das Metall widersetzte sich kreischend. »Ich werde mir Ihre Worte merken.«

Madison hob das Kinn. »Ich bin nicht diejenige, die vorsichtig sein muss.« Zumindest nicht mehr. Jetzt hatte sie die Oberhand. Sie trat an ihn heran, nah, aber nicht so nah, dass er sie erreichen konnte.

Seine Nasenflügel blähten sich.

»Ich bin nicht diejenige, die angekettet ist«, sagte sie ruhig.

»Nein.« Sein goldener Blick glitt über ihren Körper und floss an ihr hinunter bis zu der Stelle, an der ihre Schenkel sich trafen. »Doch mit der Idee lässt sich durchaus etwas anfangen.« Seine Zunge fuhr erneut über seine Lippen.

Und sie konnte kaum fassen, dass heißes Verlangen sie durchflutete.

»Hmm …« Er lehnte den Kopf nach hinten an die Mauer. Sein Blick hob sich zu ihrem Gesicht. »Die Idee gefällt Ihnen, nicht wahr, ma petite belle

Madison schüttelte den Kopf. »Seien Sie nicht albern.« Sie konnte ihn nicht wollen. Er war ein Monster, ein mordender Bastard, der …

»Ich kann Ihre Erregung riechen.«

Ihre Kinnlade klappte herunter.

»Sie sind meinetwegen feucht geworden«, fuhr er mit aufflackernden Pupillen fort. »Sie wollen mich jetzt und hier.«

»N-nein.« Noch während ihr die Verneinung über die Lippen kam, wusste sie, dass sie log. Sie konnte die Feuchtigkeit in ihrem Slip spüren. Ihr Unterleib zog sich zusammen und verengte sich vor Begierde.

Madison wurde bewusst, dass sie Aleracs Geruch wahrnehmen konnte, seinen warmen, starken, maskulinen Geruch. Der Duft reizte sie, umfing sie und trieb sie vorwärts, vorwärts …

Sie fing sich gerade noch rechtzeitig. Madison blickte entsetzt auf Alerac hinunter. Sie war nahe dran gewesen, zu ihm zu gehen. Sich in Reichweite der Bestie zu begeben.

Was zur Hölle war mit ihr los?

»Wir werden gut zusammenpassen«, versprach er, wobei sein Akzent noch deutlicher wurde. »Wenn Sie die Beine spreizen und mich in Ihren Körper lassen, wenn wir uns paaren …«

Wenn sie sich paarten? Entsetzen überkam sie. »Ich paare mich nicht mit einem … einem … Tier.«

Ein tiefes Knurren grollte in seiner Kehle.

Und ihr wurde klar, dass es an der Zeit war, dem Wolf aus dem Weg zu gehen. Die Spielstunde war definitiv vorbei. Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging in Richtung Treppe.

»Officer Langley!«

Sie spannte sich an und warf einen Blick zurück. »Ich bin keine Polizistin mehr.« Nein, nicht mehr. Als sie sich bereit erklärt hatte, diesen Auftrag anzunehmen, hatte sie ihre Dienstmarke abgegeben. Sie konnte nicht zwei Instanzen dienen. Also hatte sie sich entscheiden müssen, und sie hatte sich entschieden, die Polizei zu verlassen. Sich entschieden, den Rahmen des Gesetzes zu verlassen und das Dunkle zu bekämpfen.

Seine goldenen Augen verengten sich.

Madison straffte die Schultern und drehte sich wieder zur Treppe.

»Madison …«

Diesmal blieb sie nicht stehen und warf bei dem saften, verführerischen Ruf auch keinen Blick zurück.

Im Keller angekettet wäre er sicher genug. Sie würde hinauf in ihr Zimmer gehen, Brennon anrufen und ihn über den aktuellen Stand der Mission informieren.

Brennon würde sich freuen zu hören, dass sie den Wolf hinter Schloss und Riegel gebracht hatte. Er würde bald kommen und Alerac ins Scions-Labor bringen.

Dann wäre ein Monster weniger auf den Straßen, ein Killer weniger, der auf hilflose Menschen Jagd machte.

»Madison!« Aleracs Schrei schien die Grundmauern des Hauses zu erschüttern.

Sie blieb stehen und warf noch einmal einen Blick über die Schulter. Er hatte die Hände zu Fäusten geballt, sein Gesicht war wutverzerrt.

Obwohl er angekettet war, überlief sie bei seinem Anblick ein angstvoller Schauder. »Sie haben es gut hier«, sagte sie leise. »Neben Ihnen steht Essen und ein Eimer für … Sie wissen schon.« Die Ketten waren lang genug, dass er die Nahrung erreichen und seine Notdurft verrichten konnte.

»Lassen Sie mich nicht allein!« Es war ein Befehl.

Ohne mit der Wimper zu zucken, hielt sie seinem goldenen Blick stand, was eine große Anstrengung für sie bedeutete. »Warum denn, Wolf, fürchten Sie sich allein?« Wer hätte gedacht, dass der große, böse Wolf vor irgendetwas Angst haben würde?

Seine goldenen Augen schienen zu leuchten. »Lassen … Sie … mich … nicht … allein!« Seine Augen glühten noch heller. »Kommen Sie zurück zu mir!«

Ein dumpfer Kopfschmerz pochte hinter ihren Augen. Ihre Beine fingen an zu zittern, und es kostete sie ihre ganze Kraft, sich nicht zu bewegen.

»Kommen Sie zurück zu mir!«

Der Bastard versuchte, sie mit einem Bann zu belegen. Sie wusste es, denn ihr war bekannt, dass seine Gattung die psychische Macht besaß, andere zu beeinflussen.

Aber sie war ausgebildet worden, sorgfältig ausgebildet worden von Brennon, um Mächten wie der Aleracs Widerstand zu leisten. Also drehte sie sich langsam und vorsichtig um, und obwohl die Bewegung ihr die Seele zu zerreißen schien, entfernte sie sich von ihm.

»Bleiben Sie hier, verdammt!« Sein Ruf folgte ihr die Treppe herauf. »Mon Dieu, Sie Hexe, warten Sie bloß, bis ich Sie in die Finger kriege …«

Jetzt war sie beinahe am oberen Treppenende angelangt. Vor ihr wartete eine Tür. So nah.

»Sie werden noch um Gnade winseln! Winseln

Ihre Hand griff nach dem Türknauf.

»Lassen Sie mich nicht allein!«

Als sie die Tür öffnete, merkte sie, dass sie am ganzen Leib zitterte.

»Wagen Sie es bloß nicht …«

Madison schlug hinter sich die Kellertür zu und bereitete seinen wütenden Schreien damit ein Ende. Dann sank sie auf den Boden, und Tränen traten ihr in die Augen.

Oh Gott, sie hatte es geschafft! Sie hatte es tatsächlich geschafft. Sie hatte einen Werwolf gefangen.

Einen echten, lebendigen, monströsen Werwolf.

Genau wie der, der ihre Eltern getötet hatte.

Sie war felsenfest davon überzeugt, dass Alerac sie töten würde, sollte er je seine Ketten zerreißen und freikommen.

»Das tun Monster eben.« Sie konnte beinahe Brennons Stimme hören. »Sie töten.«

Alerac würde sie töten, wenn er freikäme. Seine Wut war so stark, so überwältigend …

Sie schloss die Augen und erschauderte.

Sie musste dafür sorgen, dass der Bastard niemals freikam. Niemals.

Madison holte tief Luft und griff nach dem Telefon. Sie musste Brennon benachrichtigen, um die Abholung zu organisieren.

Er hob sofort ab. »Madison?« In seiner Stimme schwang Sorge mit, was sie leicht stutzig machte.

»Hey, ja, ich bin’s.« Ihre Hand schloss sich fester um das schnurlose Telefon. »La Mort ist im Keller angekettet. Er kann dort bleiben, bis ein paar deiner Leute ihn morgen abtransportieren.«

Brennon antwortete nicht.

Ein angstvoller Knoten bildete sich in ihrem Magen. »Bren? Bren, was ist los?« Brennon war für sie wie ein großer Bruder. Er war in jener schrecklichen Nacht vor zehn Jahren als einer der Ersten am Tatort gewesen.

Sie war sofort zu Mrs Sues Haus gerannt, hatte gegen die Tür geschlagen, geschrien, um Hilfe gefleht. Kurz darauf war die Polizei erschienen, und als das blinkende Blaulicht die kleine Seitenstraße erleuchtete, waren schließlich alle Nachbarn aus ihren Häusern gekommen.

Sie war sechzehn gewesen. Verängstigt, halb wahnsinnig.

Brennon war achtundzwanzig gewesen. Er wohnte noch keine drei Monate in der Gegend. Bren hatte ihr eine Decke gebracht und ihre Hand gehalten, als die Leichen ihrer Eltern aus dem Haus getragen ...

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