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In tiefer Sehnsucht

Zu diesem Buch

Lust de LYX – das dritte »Sixpack«! Freuen Sie sich auf sechs weitere prickelnde Storys voller Sinnlichkeit und Leidenschaft!

Er ist reich, sexy, erfolgreich – und auf dem Weg nach oben hat er sich mehr Feinde gemacht, als er an einer Hand abzählen kann. Der Geschäftsmann Nicholas Lee weiß, dass alle, die ihm nahestehen, in Lebensgefahr schweben. Doch dann trifft er auf die junge Isabelle Summerby und kann der Sehnsucht, die sie in ihm auslöst, nicht widerstehen. Nur wenige Tage bleiben ihnen, bis seine Feinde sie aufgespürt haben. Wenige Tage voller Leidenschaft, Hingabe und Nähe … Tage, in denen Nicholas sein Herz verliert.

An meine Leserinnen:

Nicholas Lee wandelt auf dunklen Pfaden und ist dabei immer allein. Teils aus freien Stücken, teils aus Notwendigkeit. Wenn er jemanden liebte, würden seine Freinde diese Person töten. Zum Glück hat er noch nie geliebt – bis jetzt. Als Nicholas sich in die schöne, sanfte Isabelle Summerby verguckt, wünscht er sich nur noch eins: eine einzige Woche mit ihr zu verbringen. Eine Woche unbeschwerten Glücks, nach der sich ihre Wege wieder trennen müssen. Einen Tag länger, und Isabelle wäre dem Tod geweiht.

Aber was, wenn sie mehr will?

Liebe Leserinnen, hoffnungslose Liebesgeschichten haben mich schon immer sehr berührt, und ich hoffe, dasss es Ihnen mit der Geschichte von Nicholas und Isabelle, die ich Ihnen nun erzählen werde, genauso geht.

Erstes Kapitel

»Ich will Ihre Tochter.«

Obwohl Nicholas die Stimme gesenkt hatte, hatte sein Gegenüber seine Worte gehört und war blass geworden.

In der Ferne war ein Donnergrollen zu hören. Vier Sekunden später tauchte ein heller Blitzstrahl das dunkle Arbeitszimmer in gleißendes Licht. Richard Summerby IV zuckte zusammen. »I…ich bitte um Entschuldigung?«, stammelte er.

Ah, dachte Nicholas amüsiert. Die tadellosen Manieren der oberen Zehntausend.

Zum Glück hatte er selbst keine.

Summerby besaß die vornehme Blässe des kultivierten Snobs, wie sie nur eine Familie hervorbrachte, die seit vielen Generationen über immensen Reichtum und die entsprechenden Privilegien verfügte. Gleichzeitig hatte er die weichlichen Züge eines Schwächlings mit einem Hang zu einem ausschweifenden Lebensstil. Obwohl er viel Geld geerbt hatte, hatte er es fertiggebracht, sein ganzes Vermögen durch Herumhuren und Glücksspiel zu verprassen. Er stand kurz vor dem Ruin, und Nicholas hätte ihm mit Vergnügen den Todesstoß verpasst – aber es gab eine Sache, die ihn davon abhielt: Summerby gehörte etwas, das er unbedingt haben wollte.

Nicholas sah hinaus in den Sturm, der vor den großen Bleiglasfenstern wütete, dann glitt sein Blick zurück zu Summerby. Als er lächelte, wurde sein Gegenüber noch bleicher. Gut. Nicholas wollte, dass der andere Angst vor ihm hatte.

»Wie ich bereits sagte, ich will Ihre Tochter«, wiederholte er kühl. »Für ein paar Wochen. Und Sie werden mir dabei helfen, sie zu bekommen.«

»Das … das ist verrückt.« Summerby tat so, als handele es sich um einen Witz. Aber sein Lachen erstarb sofort wieder, als Nicholas beharrlich schwieg. »Sie können meine Tochter nicht haben. Sie sind nichts weiter als ein … ein Gangster.«

»Nein, das bin ich nicht.« Nicholas zog die Augenbrauen hoch. »Jedenfalls nicht mehr.«

Nachdenklich glitt sein Blick durch das elegant eingerichtete Arbeitszimmer. Echte Chubb-Aquarelle, georgianische Möbel, ein Aubusson-Teppich. Er musterte die hellen Flecken auf den vergilbten Wänden, die von abgehängten und verkauften Bildern zeugten, den Chippendale-Schreibtisch, der dringend ein paar Reparaturen nötig hatte, und die leeren Bücherregale, in denen Erstausgaben gestanden hatten, die bei Auktionen versteigert worden waren. Das Haus selbst wäre als Nächstes dran.

»Allerdings investiere ich gelegentlich in Geschäfte, die man als … risikofreudig bezeichnen kann. Zum Beispiel habe ich soeben das Unternehmen von Morris Caneman aufgekauft.«

Lächelnd registrierte Nicholas, wie Summerby schockiert zusammenzuckte und ein gurgelndes Geräusch aus seiner Kehle kam. Endlich begriff der Mann, in welchen Schwierigkeiten er steckte. »Canemans Schuldner sind jetzt meine Schuldner, Summerby. Sie selbst schulden Caneman drei Millionen Dollar, die Sie nicht besitzen. Caneman drei Millionen zu schulden, ist ziemlich übel. Mir drei Millionen zu schulden, ist um einiges schlimmer.«

Auf Summerbys Stirn glitzerten Schweißperlen. Wieder erhellte ein Blitz das Zimmer, dicht gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donnerschlag, der dröhnend durch das Zimmer hallte. Vor dem Fenster bogen sich die Äste einer gewaltigen Eiche im Wind, die immer heftiger werdenden Böen ließen die Zweige hin und her peitschen.

»Hören Sie mir jetzt ganz genau zu.« Nicholas durchbohrte Summerby mit seinen Blicken. »Ich könnte mich dazu überreden lassen, Ihnen Ihre Schulden zu erlassen und Sie vor dem Ruin zu bewahren. Vielleicht können Sie sogar das Haus behalten. Soweit ich weiß, befindet es sich seit vier Generationen in Familienbesitz. Aber dafür müssen Sie auch etwas für mich tun.«

»Was …« Summerbys Stimme war kaum mehr als ein Krächzen. Er leckte sich über die Lippen und versuchte es noch einmal. »Was muss ich tun, damit Sie mir helfen? Und was haben Sie mit meiner Tochter vor?«

»Sex«, erwiderte Nicholas. »Ein paar Wochen lang. Danach bekommen Sie Ihr altes Leben zurück.«

Summerby sah ihn aus weit aufgerissenen Augen an und sog hörbar den Atem ein. Nicholas musterte ihn kühl. »Das ist Ihre einzige Chance, Summerby. Ihre Tochter wird in wenigen Minuten hier sein. Ich weiß, dass Isabelle Sie jeden Donnerstagnachmittag besucht. Sie werden mich als alten Freund der Familie und als langjährigen Geschäftspartner vorstellen und sich dabei vollkommen natürlich und ungezwungen verhalten. Sie soll glauben, dass ich nichts weiter bin als ein alter Freund ihres Vaters. Außerdem erwarte ich von Ihnen, dass Sie ihr in den kommenden Wochen aus dem Weg gehen. Wenn Isabelle mit Ihnen sprechen will, werden Sie sich eine Ausrede einfallen lassen. Und vor allem werden Sie ihr nichts über mich, meine Vergangenheit und meine … Geschäfte erzählen. Wenn Sie sich nicht daran halten, erwarte ich, dass Sie Ihre Schulden unverzüglich begleichen – dann werden Sie alles verlieren, was Ihnen lieb und teuer ist: dieses prächtige Haus, Ihre Mitgliedschaft im Yachtclub, Ihre Geliebte in Fairview Heights. Das Grundstück. Ich werde Ihnen alles nehmen, bis Sie nichts weiter sind als ein gebrochener alter Mann. Haben wir uns verstanden?« Summerby nickte eifrig.

»Oh, und da ist noch etwas«, sagte Nicholas leise. »Sie werden Ihre Tochter nie wieder um Geld bitten. Ich weiß alles über Sie, Summerby.« Nicholas versuchte nicht einmal, seine Verachtung zu verbergen. »Nachdem Sie Ihrer ersten Frau den Laufpass gaben, haben Sie weder sie noch Ihre kleine Tochter finanziell unterstützt, sondern sich stattdessen mit Ihrer zweiten Frau vergnügt. Die Sie im Übrigen gerade wie eine Weihnachtsgans ausnimmt, weil Sie sie mit einer anderen betrogen haben. Als Ihre erste Frau krank wurde und Sie jeden Kontakt zu ihr und Ihrer Tochter abgebrochen haben, hat Isabelle Tag und Nacht gearbeitet und ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt, um das College zu bezahlen und gleichzeitig für die Arztrechnungen ihrer Mutter aufzukommen. Und jetzt, da sie mit ihrer Fernsehshow ordentlich verdient, schlüpfen Sie plötzlich in die Rolle des liebevollen Vaters und bitten Sie um ›Darlehen‹, die sie ihr nie zurückzahlen. Das ist einfach widerlich, und Sie werden sofort damit aufhören, haben Sie mich verstanden?«

Summerby verschluckte sich.

»Dad?«

Beim Klang der sanften Stimme drehten beide Männer die Köpfe. Unwillkürlich spannten sich Nicholas’ Muskeln, als Isabelle Summerby das Zimmer betrat und dabei einer heiteren Frühlingsbrise gleich die Schatten des düsteren Winternachmittags verjagte.

Nicholas erhob sich von seinem Stuhl. Zum einen aus Höflichkeit, aber auch, weil er aus Erfahrung wusste, dass seine Größe die meisten Menschen einschüchterte, insbesondere dann, wenn er sich erst dann erhob, wenn sie direkt vor ihm standen. Indem er frühzeitig aufstand, gab er ihr Zeit, sich an seine Größe zu gewöhnen.

Seine Größe und sein muskulöser Körperbau schüchterten viele Menschen ein, eine Tatsache, die er häufig zu seinem Vorteil nutzte. Es gab viele Menschen, die er gern einschüchterte und denen er Angst einjagen wollte, aber Isabelle gehörte nicht dazu. Isabelle wollte er niemals ängstigen.

Nicholas musterte sie sehnsüchtig, während sie durch das Zimmer ging. Sie war zart gebaut und bewegte sich mit großer Anmut. Noch nie war er ihr so nahe gewesen, und jeder ihrer Schritte ließ sein Herz schneller schlagen.

Er hatte keine ihrer Sendungen verpasst. Immer wieder hatte er sich die Aufzeichnungen ihrer Show angesehen, so lange, bis er die einzelnen Sendungen auswendig kannte. Vor zwei Wochen hatte sie einen Vortrag über die neuesten Krimis gehalten, und er hatte ganz hinten in der ausverkauften Halle gestanden und sie beobachtet. Er hatte dabei zugesehen, wie sie die Menge mit ihrem liebenswürdigen Humor bezaubert hatte, wie sie die Herzen der Zuhörer mit ihrem Einfühlungsvermögen und ihrer Menschlichkeit berührt hatte. Sie hatte die Sehnsucht in ihm geweckt, etwas zu sein, das er niemals sein konnte.

In seinem Wagen sitzend hatte er unzählige Nächte vor ihrem Schlafzimmerfenster verbracht und darauf gewartet, dass sie die Fensterläden für die Nacht verriegelte und er sie für einen Moment sehen konnte.

Noch nie war er ihr so nahe gewesen, dass er nur die Hand hätte ausstrecken müssen, um sie zu berühren.

Sein Herz hämmerte wie verrückt.

Zum ersten Mal hatte er sie im Fernsehen gesehen. In einer dunklen, regnerischen Nacht hatte er zugelassen, dass ihn die Verzweiflung überwältigte und ihr sogar noch weitere Nahrung verschafft, indem er eine halbe Flasche Glenfiddich in sich hineingeschüttet hatte. Lesen hatte ihm kurzzeitig dabei geholfen, die Einsamkeit und seinen Kummer im Zaum zu halten, aber dann hatte das Buch geendet, wie alles. Das Herz der Bestie. Er hätte schwören können, dass der Autor ein Seelenverwandter war. Er hatte das Buch umgedreht und das Autorenfoto auf der Rückseite studiert. Lamont Serrin. Ein junger Schwarzer mit Rastazöpfen und einer schmalen Gelehrtenbrille auf der Nasenspitze. Dunkle, durchdringende Augen, denen nichts entging, und der empfindsame Mund eines Dichters.

Es war, als spräche Serrin aus, was Nicholas dachte und fühlte, als hätte er dieselbe Kindheit erlebt und darüber geschrieben. Der Schock darüber, dass jemand seine geheimsten Gedanken aufgeschrieben hatte, saß Nicholas immer noch in den Gliedern, als er den Fernseher einschaltete und zu Stein erstarrte. Dort war genau in diesem Moment Lamont Serrin in einem Interview zu sehen. Aber Serrin war nicht der Grund, warum Nicholas aufsprang und näher an den Breitbildfernseher heranging. Der Grund war die Frau, mit der Serrin sich unterhielt.

Ja, sie war schön, aber das traf auf die meisten Frauen zu, die beim Fernsehen arbeiteten. Das gehörte in dem Geschäft einfach dazu. Diese Frau hingegen war auf eine altmodische, romantische Art und Weise schön, und sie strahlte eine sanfte Traurigkeit aus. Aufmerksam unterhielt sie sich mit dem farbigen jungen Mann und sprach auf diese Weise direkt zu Nicholas. Sie las seine Gedanken, seine Gefühle. Nicholas hatte sich sein ganzes Leben lang einsam gefühlt. Aber daran war er gewöhnt. Und nun hatten in einer einzigen Nacht zwei Fremde direkt zu seinem Herzen gesprochen, und einer von ihnen war eine schöne Frau. Isabelle Summerby.

Seit jenem Tag schaute er sich jede einzelne ihrer Sendungen an und machte es sich zur Aufgabe, alles über sie herauszufinden. Auf legalem – oder auch illegalem – Weg Dinge über andere Menschen herauszufinden, war nur eins seiner vielen einträglichen Talente, durch die er zu einem reichen Mann geworden war.

Je mehr er über Isabelle herausfand, desto mehr faszinierte sie ihn. Durch seine Quellen erfuhr er alles über ihre Lebensgeschichte, über ihre Vorlieben und ihre Abneigungen. Schon bald bewunderte er ihren Mut, ihre Standhaftigkeit und ihre Loyalität sowie ihre Klugheit und ihren Sanftmut.

Isabelle stand vor dem Schreibtisch ihres Vaters, die aschblonden Augenbrauen zu einem Strich zusammengezogen. Ihre silberblauen Augen blitzten hell auf, als ihr Blick unsicher zwischen ihrem Vater und ihm hin und her wanderte.

»Dad? Ist alles in Ordnung?« Summerby zuckte zusammen, und eine Schweißperle lief ihm über die Wange. Ungerührt beobachtete Nicholas, wie Summerby mit sich kämpfte. Aber er hatte einen guten Grund, das zu tun, was Nicholas von ihm verlangte. Drei Millionen gute Gründe, um genau zu sein. Summerby straffte die Schultern und fuhr sich mit der Hand durch das hellblonde Haar.

»Isabelle …« Seine Stimme war jetzt fast schon übertrieben sanft. »Wie schön, dich zu sehen, Liebes.«

Isabelle sah erst zu ihrem Vater, dann zu Nicholas. »Ich hoffe, ich störe nicht?«

»Nein, gar nicht, Liebes.« Summerby schaffte es, gut

gelaunt zu klingen.

»Wir haben etwas Geschäftliches besprochen und sind jetzt fertig. Isabelle, ich möchte dir einen guten alten Freund und Geschäftspartner von mir vorstellen – Nicholas Lee.«

Isabelle lächelte liebenswürdig und streckte die Hand aus. »Mr Lee. Es freut mich, Sie kennenzulernen.«

»Das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite.« Nicholas erwiderte ihr Lächeln, obwohl das eigentlich nicht seinem Naturell entsprach. Er nahm ihre Hand. Sie war schmal und langgliedrig, und sie trug keine Ringe. Isabelles Haut war erstaunlich weich, und als ihre Hände sich berührten, durchzuckte es ihn wie ein elektrischer Schlag. Allein sie durch das Zimmer gehen zu sehen, hatte ihn erregt, und jetzt, da sie sich berührten, stand sein Körper in Flammen. Ihr Parfüm, das zart nach Wiesenblumen roch, hüllte ihn ein.

Sie musterte ihn neugierig. Er war wie hypnotisiert von dem silberfarbenen Schimmer ihrer Augen. Ihr Blick spiegelte weibliche Neugier wieder, in die sich eine Leidenschaft mischte, von der er annahm, dass sie sich ihrer nicht bewusst war. Ihm hingegen entging sie nicht. Er war daran gewöhnt, dass Frauen ihn mit offenem sexuellen Interesse musterten, als spürten sie, dass er ein Mann war, der ausdauernden, harten Sex schätzte. Gern auch mehrmals hintereinander.

Isabelles Pupillen weiteten sich, und ihre Nasenflügel bebten. Der animalische Anteil ihres Wesens nahm die Witterung eines dominanten Männchens auf. Eine Sekunde lang verharrte sie wie ein erschrockenes Reh im Scheinwerferlicht, und Nicholas konnte spüren, wie Panik und Erregung in ihr miteinander im Widerstreit lagen. Ihre Hand zitterte. Ihre zarten Lippen waren leicht geöffnet, und sie atmete hörbar ein, was in dem stillen Zimmer einem lauten Geräusch gleichkam.

Mit zu Schlitzen verengten Augen studierte er ihren leicht geöffneten, feuchten Mund, den Mund, der seine Zunge und seinen Schwanz in sich aufnehmen würde. Er wollte diesen Mund. Jetzt.

Mit ihr in den Armen wollte er auf die Knie sinken. Er verzehrte sich danach, sie auf sein Bett zu werfen, nackt und feucht und vor Leidenschaft zitternd, und sie zu erobern, mit seinem Mund, seinen Händen … Er sehnte sich danach, ihren Körper und ihre Seele in Besitz zu nehmen, immer wieder in sie einzudringen, bis sie völlig erschöpft in seinen Armen lag und nur ihm gehörte. Wie ein Säugling wollte er an ihrer Brustwarze saugen, während seine Finger ihre feuchte Spalte öffneten, ehe er in sie eindrang. Er war gut gebaut und wollte ihr nicht wehtun. Er würde immer dafür sorgen, dass sie bereit für ihn war.

Durch den Seidenstoff ihrer Bluse konnte er die Umrisse ihrer Brüste ausmachen; sie hatten die perfekte Größe für seinen Mund und seine Hände. Einfach perfekt.

Alles an ihr war wie geschaffen für ihn.

Fast zitterte er, so viel Kraft kostete es ihn, ihre Hand loszulassen. Diskret zog er seine lange, dunkle Jacke nach unten, um die Erektion zu verdecken, die ihre Berührung bei ihm ausgelöst hatte.

Ihre helle, in pfirsichfarbene Seide gehüllte, graziöse Gestalt hob sich gegen das dunkle Fenster ab. Sie starrte ihn eine Sekunde länger an, als höflich war, bevor sie sich wieder zu ihrem Vater umwandte. »Heute Abend werde ich im Southside Center sprechen.«

Southside. Nicholas erstarrte. Southside war das gefährlichste Viertel der Stadt.

»Bis bald, Dad.« Mit einer anmutigen Bewegung beugte Isabelle sich vor und küsste ihren Vater auf die Stirn. Sie drehte den Kopf. »Auf Wiedersehen, Mr Lee. Es war schön, Sie kennenzulernen.«

Nicholas nickte ihr mit ernstem Blick zu und beobachtete, wie sie zur Tür ging. Ihr hellblondes Haar ergoss sich in einer seidigen Kaskade über ihren Rücken. Er stellte sich vor, wie er das Gesicht in den weichen, duftenden Haaren vergrub. Ihre Figur war zierlich und gleichzeitig sehr weiblich, ihre schmale Taille ging in wohlgerundete Hüften über, die sich nach seiner Berührung verzehrten. Beim zweiten Mal würde er sie von hinten nehmen, er würde in sie eindringen und ihrem Stöhnen lauschen, während er sie mit seinen Fingern verwöhnte.

Du gehörst mir, Isabelle, dachte er. Mir ganz allein.

Zweites Kapitel

Nicholas Lee. Ihr Vater kannte Nicholas Lee.

Nach ihrem Vortrag über den Alphabetisierungsgrad von Erwachsenen stopfte Isabelle die Bücher und Notizen, die sie benutzt hatte, zurück in ihre Tasche. Eins der Bücher rutschte dabei von der Schreibtischkante, um mit einem dumpfen Schlag, der in der leeren Halle widerhallte, auf dem Boden aufzukommen.

Nicholas Lee. Dieser Mann war nicht nur mysteriös, sondern auch berüchtigt.

In den Zeitungen stand nie etwas über ihn. Er ging nicht zu Partys und ließ sich auch sonst nicht in der Stadt blicken. Und doch kannten ihn alle. Obwohl er unglaublich reich war, wusste niemand, wie und womit er sein Geld verdiente.

Vermutlich mit Waffenschieberei, dachte Isabelle. Vielleicht auch mit Schmuggel. Jedenfalls nicht mit Drogen. Das Einzige, was man über Nicholas Lee sicher wusste, war, dass er Drogen verabscheute.

Er war ein Mann, für den die Regeln und Gesetze der Gesellschaft nicht galten, eine Art Gesetzloser. Wie kam es, dass ihr Vater einen solchen Mann kannte? Gar mit ihm befreundet war? Es gab viele Dinge, die sie über ihren Vater nicht wusste. Sie hatte erst kürzlich wieder mit ihm Kontakt aufgenommen, nachdem ihre Mutter gestorben war.

Nicholas Lee eilte der Ruf voraus, ein gefährlicher Mann zu sein.

Ein Mann, dem man besser nicht in die Quere kam und den man sich nicht zum Feind machte. Dunkle Gerüchte rankten sich um seinen Namen.

Aber wenn er ein Freund ihres Vaters war, war er vielleicht gar nicht so furchteinflößend.

Einer Frau allerdings konnte er sehr gefährlich werden. Für ihren Seelenfrieden stellte er auf jeden Fall eine Gefahr dar. Sie schaffte es einfach nicht, ihn aus ihren Gedanken zu verbannen. Sie sah ihn immer noch vor sich. Langes schwarzes Haar, schwarze Augen und dunkle, scharf geschnittene Gesichtszüge. Er hatte ein schwarzes Leinenjackett getragen, darunter ein schwarzes Seidenhemd und teure Hosen aus reiner Schurwolle. Er war sehr groß und breitschultrig, und er hatte etwas Bedrohliches an sich.

Außerdem wirkte er unglaublich fit. Obwohl er so muskulös war, bewegte er sich mit der Geschmeidigkeit eines Panthers.

Ein leises Geräusch im hinteren Teil des Saals weckte ihre Aufmerksamkeit, und sie hob misstrauisch den Kopf.

Das Southside Center befand sich in einem berüchtigten Teil der Stadt. Natürlich hatte sie Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Das Pfefferspray lag ganz oben in ihrer Handtasche, sodass sie es jederzeit griffbereit hatte. Und sie ging immer dicht an den Häuserwänden entlang und hielt sich von der Straße fern.

Ihr Wagen stand nur zwei Häuserblocks entfernt. Fünf Minuten, nachdem sie das Gebäude verlassen hatte, würde sie sicher in ihrem verriegelten Auto sitzen und nach Hause fahren.

Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn jemand auf sie gewartet hätte, um sie zu ihrem Wagen zu begleiten. Jemand, der sich Sorgen um sie machte und sie beschützte.

Plötzlich, als sie dort allein in dem großen, dunklen Saal stand, regte sich etwas in ihrem Herzen, das sie nicht zu deuten wusste.

Isabelle hörte auf, ihre Sachen zusammenzupacken. Das war völlig untypisch für sie.

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