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Träume der Sehnsucht

Zu diesem Buch

Lust de LYX – das dritte »Sixpack«! Freuen Sie sich auf sechs weitere prickelnde Storys voller Sinnlichkeit und Leidenschaft!

Sie nennen ihn Nolan. Er weiß nicht, ob das sein richtiger Name ist. Er weiß nicht, warum er hier ist … wo »hier« überhaupt ist. Jeden Tag kommt ein Mann zu ihm und stellt ihm die gleichen Fragen, doch Nolan hat keine Antworten. Alles, was er weiß, ist, dass der geheimnisvolle Fremde mit den faszinierenden grünen Augen ihn auch in seinen Träumen heimsucht – Träume, in denen er Nolan Nacht für Nacht in einen Strudel aus Leidenschaft und Ekstase reißt …

Alles schmerzte. Er konnte sich kaum auf die Seite drehen, ohne dass jeder Muskel in seinem Körper aufschrie, und er wagte kaum, die Arme zu heben, um zu prüfen, ob er sich etwas gebrochen hatte.

Also blieb er einfach still auf der schmalen Pritsche liegen und starrte an die Decke. Der Raum, in dem er lag, war nahezu kahl: weiß bemalte Betonwände mit grauen feuchten Flecken, helles Deckenlicht, eine Toilette und ein Waschbecken mit einem Spiegel in der Ecke – und die Pritsche. Viel mehr hätte in den kleinen Verschlag auch nicht hineingepasst.

Er hob versuchsweise den Arm und stöhnte leise, als sich sein Bizeps meldete, doch diese Schmerzen waren im Gegensatz zu den anderen erträglich. Behutsam tastete er über seine Stirn; anstelle von Haut spürte er raue Gaze. Ein Verband. Er war verletzt, und irgendjemand hatte ihn versorgt.

Seine Hand glitt über sein Gesicht, dann blieb sein Blick an seinem Arm hängen. Er kniff die Augen zusammen. Es schien sich um eine Tätowierung zu handeln, ein Dreieck, das in der Mitte zu einem Knoten verschlungen war. Das Zeichen wirkte irgendwie vertraut, aber er konnte sich nicht daran erinnern, es je zuvor gesehen zu haben. Seine Hand glitt hinab zum Bauch, er trug ein graues T-Shirt und eine abgewetzte Jeans. Der Gedanke aufzustehen und dabei die Hose ausziehen zu müssen, um seine Knie zu untersuchen, erschien ihm geradezu absurd. Aber zumindest konnte er einen Blick auf seinen Bauch werfen. Vorsichtig ergriff er den Saum seines Shirts und zog es hoch – darunter befand sich ein Meer aus blauen Flecken und ekelhaft verfärbten Blutergüssen. Der Anblick kam unerwartet, er spürte Übelkeit in sich aufsteigen. Hastig schob er das Shirt wieder herunter und knurrte unterdrückt, als sein Körper ihm signalisierte, dass er derlei Bewegungen im Augenblick nicht schätzte.

Er atmete scharf ein und wieder aus und versuchte, gegen den Schmerz anzuatmen. Es passierte rein instinktiv, fühlte sich aber vertraut an. Woher nur? Wie kam er hierher? Was hatte es mit diesen Verletzungen auf sich? Und … wer war er? Er versuchte, sich an seinen Namen zu erinnern, an irgendetwas aus der Zeit vor seinem Erwachen, doch da war nur dunkle Leere.

Fassungslos starrte er an die Decke, doch auch da verbarg sich die Antwort nicht – die weiße Fläche schien ihn mit ihrer Makellosigkeit eher zu verhöhnen. Er atmete tief ein und versuchte, seine Gedanken zu sammeln, bis er spürte, wie sich ein anderes Bedürfnis in ihm regte – früher oder später würde er also aufstehen müssen. Er war sich nicht sicher, ob seine Beine ihn tragen würden. Immerhin fühlten sich seine Knie an, als wären sie noch kurz zuvor mit einem Baseballschläger bearbeitet worden. Aber er würde mit Sicherheit nicht liegen bleiben und sich einnässen.

Vorsichtig legte er die Hand an die Betonwand neben sich und tastete nach irgendeinem Halt, um sich aufzurichten. Doch da war nichts. Mit der anderen Hand packte er den Rand der Pritsche und stemmte sich in die Höhe. Sein malträtierter Bauch brüllte auf, und er tat es ihm nach. Das Brüllen half ihm, den Schmerz, der wie wahnsinnig zwischen seinen Ohren hämmerte, zu übertönen, bis er endlich aufrecht saß. Schwindel erfasste ihn, doch er versuchte, ihn zu ignorieren. Wenn er erst wieder auf den Rücken fallen würde, wäre es vorbei. Er war sich sicher, dass er dann nicht mehr hochkäme.

Eine Ewigkeit blieb er so sitzen und genoss es, das Zimmer aus einer anderen Perspektive betrachten zu können. Seit er die Augen aufgeschlagen hatte, hatte er nur die Decke gesehen.

Verwirrt fuhr er sich wieder über das Gesicht und stöhnte auf, als er den Verband zu fest streifte. Kopfschmerzen flammten auf, und für einen Moment sah er Sterne tanzen. Er blinzelte, um sie zu vertreiben. Die Fragen schob er beiseite. Später, alles später. Jetzt war erst einmal der nächste Weg wichtig. Er musste von dieser Pritsche aufstehen und die Toilette erreichen.

Langsam drehte er sich und schwang die Beine über den Rand. Stolz ließ er sie baumeln und atmete betont langsam und ruhig. Das war der einfache Teil gewesen. Jetzt kam der schwierige – ausprobieren, ob seine Füße ihn auch wirklich trugen. Seine Arme waren offensichtlich kräftig; er sah die Muskeln unter dem grauen Stoff des Shirts arbeiten, während er sich auf der dünnen Matratze abstützte und seine Beine zentimeterweise tiefer schob. Bald lastete sein ganzes Gewicht auf seinen Armen. Der angeschwollene Bizeps zitterte, und er spürte, wie ihm Schweiß auf die Stirn trat. Er konnte nicht ewig so verharren, doch die Angst, die Kontrolle über seine Beine verloren zu haben, lähmte ihn. Wenn sie ihn nicht trugen, würde er einfach auf dem Linoleum aufschlagen, und wer wusste, ob ihn dann jemand fand?

Aber irgendjemand hat meine Wunden versorgt, schoss es ihm durch den Kopf. Irgendwer muss also hier sein. Klasse, und sie werden dich eingenässt auf dem Boden finden, weil du so blöd warst, von der Pritsche zu fallen. Die Ironie in dem Gedanken wirkte fremd und gleichzeitig vertraut, so als würde ein Freund in seinem Kopf sitzen und ihm die Worte einflüstern.

Er schnaufte. Beide Möglichkeiten wirkten nicht sonderlich attraktiv. Wenn er nur …

Mit einem Mal gab sein Arm nach, er rutschte ab – und landete auf seinen Füßen. Ungläubig starrte er nach unten, aber es waren wirklich seine Beine, die ihn trugen. Überrascht und erleichtert lachte er auf und fixierte dann sofort sein nächstes Ziel: das Waschbecken auf der anderen Seite des Zimmers. Bis dorthin mochten es etwa drei Schritte sein. Zwei, wenn er sich beim letzten Schritt einfach nach vorne fallen ließ, und immer vorausgesetzt, dass er das Waschbecken rechtzeitig zu fassen bekam.

Zwei Schritte also. Das war zu schaffen. Er stützte seinen Hintern an der Pritsche ab und verlagerte das Gewicht nach vorn. Seine Beine hielten sein Gewicht noch immer.

Vor Freude hätte er am liebsten aufgeschrien, aber er wollte seine Kräfte schonen. Wichtig war es jetzt erst einmal auszuprobieren, ob er es tatsächlich bis zum Waschbecken schaffte. Vorsichtig schob er den rechten Fuß nach vorn. Er wartete, atmete tief ein und machte dann den ersten Schritt. Der Schmerz in seinen Knien flammte ein weiteres Mal auf, doch nicht so schlimm, wie er befürchtet hatte. Mit zusammengebissenen Zähnen ging er noch einen Schritt und konzentrierte sich auf das Waschbecken vor ihm.

Mit jedem Zentimeter ging es besser, und er hatte sogar das Gefühl, dass sich zusätzliche Kraft in seinem Magen sammelte und durch den Rest des Körper zu strömen schien; seine Knie schmerzten weniger, und auch die Blutergüsse auf seinem Bauch fühlten sich nicht mehr wie flüssige Lava an. Nur die Kopfschmerzen wurden schlimmer, aber das spielte angesichts des Triumphgefühls, als er endlich vor dem Waschbecken stand, keine Rolle. Dann kam die Erkenntnis, und zum ersten Mal gesellte sich ein anderes Gefühl zu seiner Verwirrung – Angst. Er war völlig hilflos, wusste nicht, wer ihn hierhergebracht hatte. War es ein Unterschlupf oder eine Zelle? Dieser Raum konnte beides sein, und er kannte die Motive derjenigen, die ihn hierhergebracht hatten, nicht. Er war ihnen hilflos ausgeliefert, ohne Gedächtnis oder Erinnerungen.

Die aufkeimende Panik drohte ihm den Atem zu rauben, aber er schloss die Augen und versuchte, ruhig zu atmen. Wenn sie mich hätten töten wollen, hätten sie mich nicht verbunden, versuchte er sich zu beruhigen, und es half, die größte Panik abzuwenden. Er tat das, wofür er ursprünglich hergekommen war. Im Anschluss wusch er sich die Hände und sah in den Spiegel über dem Becken. Wie vermutet, war das obere Drittel seines Kopfes fast vollständig mit Gaze verbunden. Nur hier und dort lugten ein paar pechschwarze Haarsträhnen hervor. Auch seine Augen waren dunkel, fast ebenso schwarz wie seine Haare. Er beugte sich vor, um sein Gesicht näher zu betrachten – es wirkte wie das Gesicht eines Mannes, den er irgendwann einmal im Traum gesehen hatte; vage vertraut, aber doch fremd. Vorsichtig tastete er über die ebenmäßigen Gesichtszüge. Im Gegensatz zu seinen Augen und Haaren war seine Haut überraschend hell; sein Gesicht war schmal, mit hohen Wangenknochen und einem leichten Bartschatten. Als er mit der Handfläche darüber rieb, kratzte es.

Sein Körper war ebenfalls schlank, aber gut in Form. Er war sehnig, mit langen geschmeidigen Muskeln, wie ein Läufer. Typischer Draoidh. Wieder diese seltsame Stimme in seinem Kopf. Und was sollte das für ein Wort sein? Draoidh? Er sprach es laut aus; die kompliziert wirkenden Silben rollten ihm leicht von der Zunge. Er sagte es noch einmal und noch einmal. Der erste Anhaltspunkt zu seiner Vergangenheit, da war er sich sicher.

»Was sonst?«, fragte eine dunkle Stimme hinter ihm, und sie war nicht in seinem Kopf, sondern durchaus real.

Hastig wirbelte er herum und schlug mit dem Rücken gegen das Becken. Er biss die Zähne zusammen und versuchte, Luft zu holen.

Der Mann vor ihm machte keine Anstalten, ihm zu helfen. Stattdessen stand er mit verschränkten Armen vor ihm und musterte ihn mit unterdrückter Wut. »Ich hatte mich schon gefragt, wie lange du noch den Bewusstlosen spielen willst, Nolan. Einen Tag länger, und ich hätte dich eigenhändig wachgeprügelt.«

Dass er dazu fähig wäre, glaubte er ihm sofort. Sein Gegenüber war ein Hüne mit kurzem blondem Haar und grünen Augen, die keinen Funken Sympathie in sich trugen. Auch auf seinem Kinn und den Wangen zeigten sich die Stoppeln eines Dreitagebarts, nur wenige Nuancen dunkler als sein Kopfhaar. Anders als bei ihm war der Bart sicher gewollt.

Der Fremde war breitschultrig und mit beeindruckenden Oberarmen ausgestattet, die mindestens ebenso gut trainiert waren wie der Rest seines Körpers. Sicher könnte er ihm den Kopf mit einem einzigen Hieb abreißen.

Plötzlich stutzte er – wie hatte der Kerl ihn genannt? Nolan.

»Das ist mein Name? Nolan?«

Die Augenbrauen des Mannes senkten sich, und er verzog verächtlich die Mundwinkel. »Willst du mich verscheißern?«

Nolan schüttelte den Kopf. »Nein. Ich weiß nichts mehr, nicht einmal meinen Namen oder wer du bist. Ich … sollte dich kennen, oder?«

Jetzt zogen sich die Augenbrauen seines Gegenübers unheilverkündend zusammen. Binnen eines Lidschlags packte er Nolan am Kragen und schleuderte ihn mit erschreckender Leichtigkeit zurück auf die Pritsche. Nolan blieb für einen Moment die Luft weg, und er presste die Hand auf die Brust.

»Du kennst mich nicht?«, brüllte er. »Du wagst es, mir zu sagen, dass du mich nicht kennst?«

Seine Wut schlug Nolan heiß entgegen, aber irgendetwas daran stimmte nicht. Es war nicht nur Wut. Aber das war im Augenblick sein geringstes Problem.

Nolan rang nach Atem und bemühte sich, sich aufzurichten. »Ja«, stieß er schließlich hervor und schob sich die wirren Haare aus der Stirn. »Ich weiß nicht, wer du bist und was du willst – ich weiß nicht einmal, wer ich bin!«

Nolan konnte erkennen, dass es im Gesicht des Hünen arbeitete. Mit einem Ruck wandte er sich ab und zog sich den Stuhl heran. Er setzte sich vor die Pritsche, die Arme locker auf den leicht gespreizten Beinen abgelegt. Seine dichten Augenbrauen waren noch immer zusammengezogen, aber die unbändige Wut war aus seinen Augen verschwunden. Nur das andere war noch da. »Ich weiß nicht, was du hier spielst«, sagte er wesentlich leiser als zuvor. »Oder was du dir von diesem Spiel erhoffst, Draoidh, aber lass dir gesagt sein, dass wir hier unten allein sind. Ich bin dein Wärter, und ich bin der Einzige, der weiß, wo du dich befindest. Ob ich dich gehen lasse oder nicht, hängt ganz davon ab, ob du mir die Antworten gibst, die ich haben will.«

Aber ich weiß nichts!, wollte Nolan aufbegehren, doch er hielt den Mund. Stattdessen sah er ihn nur fragend an.

Der Fremde ließ ihn eine Weile zappeln und schwieg – sie starrten einander nur an, und Nolan wurde das Gefühl nicht los, dass er diese Art von Kampf schon einmal ausgetragen hatte. Nur wann? In welchem Leben?

»Wer war dein Partner?«, brach der andere schließlich das Schweigen.

Nolan schüttelte den Kopf. »Partner wobei?«

Der Kiefermuskel des Hünen zuckte sichtbar. »Verarsch mich nicht – wer war dein Auftraggeber? Wer hat dich dazu gebracht, uns zu verraten?«

Nolan spürte, wie der Schmerz hinter seiner Stirn aufflammte und pochte. Er biss die Zähne zusammen; es war, als würde die Wut des Mannes seinen Schmerz nur anfachen. »Ich sagte dir bereits – ich kann mich an nichts erinnern! Wenn du wirklich Antworten von mir willst, dann hilf mir – sag mir wenigstens deinen Namen.«

Mit einem Ruck stand der Mann auf; der Stuhl donnerte krachend zu Boden. Er packte Nolans Hals und zog seinen Kopf so nah zu sich heran, wie es sonst nur Liebende taten, doch in der Berührung lag keine Zärtlichkeit. »Du willst mir wirklich weismachen, dass du mich nicht mehr kennst? Lässt der Name Keith irgendwelche Glocken bei dir schrillen, hm? Erkennst du mich jetzt?« Der Hüne wartete gar nicht erst auf eine Antwort, sondern ließ Nolan los und riss die Tür auf. Krachend fiel sie hinter ihm ins Schloss.

Nolan sprang auf. Wenn der Hüne die Tür so mühelos öffnen konnte, gab es für ihn vielleicht auch eine Chance; doch als er den Knauf berührte, bewegte sich die Tür keinen Millimeter.

Erschöpft ließ sich Nolan wieder auf die Liege sinken und presste die Handflächen gegen die Schläfen. Das Pochen ließ langsam nach, aber Nolan fühlte sich schlecht. Wenn es stimmte, was der andere gesagt hatte, waren sie beide allein hier unten, wo immer das auch sein mochte. Aber wenigstens hatte er jetzt einen Namen, so wie auch sein Wärter: Nolan und Keith. Tief in sich spürte er, dass es stimmte.

Froh, wenigstens etwas mehr über sich zu wissen, schloss er die Augen und war kurz darauf eingeschlafen.

Nolan folgt den anderen den Gang hinunter; eine Gruppe von Männern ist vor ihm. Sie reden miteinander und machen derbe Witze, die Nolan nicht versteht. Dennoch bemüht er sich, aufzuholen. Instinktiv spürt er, dass er den Anschluss nicht verlieren darf – falls er zurückfällt, wird etwas geschehen. Nichts Schlimmes, so viel weiß er, aber angenehm wird es auch nicht sein.

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